the best river, next the Danube, in Europe

“(…) I left Francfort the 10th of October, 1657, intending to pass down the river Rhine, into Holland, and so again into France. Some German gentlemen and myself took a boat at Francfort, which carried us six miles that afternoon, to Mentz, the usual residence of the elector of that name, were he hath a great castle adjoining to the church, esteemed to have the largest and best painted windows of any in Germany.
Here the river Maine runs into the Rhine, the best river, next the Danube, in Europe, of whose head or fountain I have formerly made mention, having passed near unto it, as I entered into Rhaetia. The stream of this river is so violent, that it is only navigable downwards, which made our journey expeditious and pleasant.
The 11th, we refreshed ourselves at a place called Baccaract (quasi Bacchi Ara) from an altar anciently erected to Bacchus, (whose ruins are yet apparent) which makes it of a long standing, and anciently famous for the best wine, growing upon the banks of that river, which reputation it still preserves; this is within the palatinate.
Some few leagues further, we passed by an ancient tower, built almost in the middle of the river, called Ratts` Tower, near unto Bingen, which the people tell you is so called, upon this occasion: – in the pear 968, Hatto, second duke of Franconia, afterwards chosen Archbishop of Mentz, in a time of great famine and scarcity, summoned together a great number of poor people, with promise of relief, but instead thereof, put them all into a barn, and set it on fire, saying, they were the rats which devoured the food of the land; whereupon the vengeance of Heaven pursued him with so great an army of those animals, that they fell upon him in the closest rooms, finding passage through the chimneys and the least crannies, till at last, flying to this tower, which he caused to be made for his security, they followed him one night through the water in great droves, and devoured him.
That night we lodged at St. Verre, and the next day, being the 13th of October, we dined at Coblentz, a large town, situated where the river Mose falls into the Rhine. Here the Mose is very large, having over it a stately bridge of fourteen large arches; at one end of this bridge stands the town, at the other a fort belonging to the Elector of Treves, called Hermersten, with a freestone palace after the modern mode, adjoining thereto.
Thereabout, the country was in their vintage, to the prejudice of a gentleman of our company, who surfeited with eating those delicious grapes growing upon the banks of this river. That night we lodged at an obscur village called Hamestean.
The next morning we passed by a great town called Bon, belonging to the Elector of Cologne, where he then was, and that night we reached Cologne. (…)”

(aus: The Memoirs and Travels of Sir John Reresby)

Rheinsein an der Donau (4)

Nach gelungenem Durchqueren der Mittleren Ewigkeit nachmittägliches Gestiefel durch Wiens 7. Bezirk: filmkulissen wirkende, auf Charme getrimmte Abgeranztheit schlierig-staubiger, kitsch- und katschbefüllter, papptafelbeworbener bzw -verstellter Straßenvitrinen, den sprechenden Mäulern sozusagen k.u.kiger, massiver Gebäude. La Trouvaille – Bücher und Weine. Keine fixen Öffnungszeiten. Afrikanische Stammeskunst. Bachblüten. Kälte kriecht mit unablässiger Perfidie über die Straßen, wir suchen nach warmer bis heißer Nahrung. Solche wird an jeder zweiten Ecke, nicht selten auch dazwischen, feilgeboten, die Einzelkämpfer an/in den zerbrechlichen Wiener Würstlständen aus Glas und Brettern dauern uns, ob der Temperaturen, um sie herum jedoch herrscht ein Melting Pot nie zuvor so bunt verwirbelt gesehener Genüsse; nebst einem fülligen Arsenal einheimischer Speisen mit ihren geisterbahnhaften Bezeichnungen. Wir finden und verwerfen: Couscous mit Knödel, Delikatessen „Smak“: “polnische Produkte mit traditionellem und originalen Geschmack”, Blunzengröstl mit Brimsen, armenischen Weinbrand, Augsburger und Karfiol als Angebot eines arabischen Cafés, Beuschel, Fuschl, Fuddlstrudl etc. etc., landen schließlich in einem asiatischen Imbiß, angelockt von Meditationsfahnen, welche zwei Kraniche in verschiedenen Positionen auf so etwas wie aufgeblähten Kartoffeln hockend darstellen. Die Bildfolge wirkt chinesisch-weise bis raffiniert-dement: „Ich könnte schon weg, aber hier bin ich, hier bleib ich (bei meiner ollen Knolle).“ Nachdem die Patronin uns zunächst für einen Engländer hält (ein in letzter Zeit im deutschsprachigen Ausland etwas zu häufig auftretender Irrtum), uns dennoch von der dicken Suppe auf ihre asiatische Art abzuraten scheint, versuchen wirs mit einer klaren, vorgeblich japanischen Suppe mit hausgemachten Tintenfisch-Schweinebällchen, zu der die Patronin unter explizitem Hinweis auf die Hausgemachtheit der Bällchen eindeutig rät. Unter Zugabe handelsüblicher Chilipaste (für den Japaner des Hagakure vermutlich ein seppukuwürdiges Sakrileg) und eines Krügerls Ottakringer brennt sie denn auch ein Loch aus Wohlgefühl in den umgebenden Winter. In selbigem lungert draußen vor der Tür der liebe Augustin, ein Wiener Original, als zum Brunnen erstarrter Pestzeitentertainer, dieweil aus dem Happy Vietnam-Imbiß unter Sturzbachgelächter, Mähmäh und Quakquak ein Zechpreller taumelt, dem es, eigener Erkenntnis zufolge, gelungen ist, die Geheimnisse der asiatischen Sprachen zu lüften. Ein Wiener Original vermutlich auch er. Zur 5.1-Präsentation unseres Radiokunst-Hörstücks Am Alpenrhein (das in der oberen Menüleiste dieser Seiten dauerhaft abrufbar ist) geht es schließlich am frühen Abend in die Alte Schmiede in der berühmten, einen verstorbenen/getöteten Basilisken beherbergenden Schönlaterngasse. In deren barockem Tiefkeller sich die Hörwilligen einfinden, einer unter ihnen gar, um sich selbst Gehör zu verschaffen, vermutlich ein weiteres Wiener Original. Von der handzahmen Donau über den Main zurück zum Rhein streckt sich die Zugfahrt gehörig. Hübsch buckelt das Frankenland. Von wo der gute Hopfen stammt. Die Donau wirkt aus dem Zugfenster im Vergleich zum Rhein so mild und wohlgeschlängelt mit ihren goldglänzenden Wasserspiegeln in schönstens proportionierten Hügelsänften, daß nach rheinsein bereits das nächste zu erwandernde Projekt uns ruft, aus den silberschwarzen Meeren aprikosenschnapsverklärter Fernen: nach Ungarland, nach Bulgarien hin…

Die Allemannen am Rheinstrom

„(…) Eigentlich weiß niemand recht zu sagen, wer diese berühmten Allemannen waren, noch wo sie auf einmal hergekommen sind, wiewohl es sind dem zahlreichen geneigten Leser am Oberrhein seine wahren Stammväter und Altvordern, von deren Blut er abstammt, große grobgliederige Menschen mit blauen Augen, krausen roten Haaren, voll Kraft und Mut und Trutz, fröhliche Trinker und Spieler, ohne Kenntnisse. Es geht noch manchem ein wenig nach. Wenn einem von ihnen ein zehnjähriges Büblein, wie sie heutzutag in die Schule gehn, ein Additionsexempel angesetzt, oder ein Abc-Büchlein vorgelegt hätte, oder eine achtzehnjährige Tochter des geneigten Lesers hätte einer Frau Mehl und Eier und Butter gegeben, „da, Mütterlein backe Sträublein draus”, sie hätten nichts wissen damit anzufangen. Noch wurde kein Vaterunser, noch kein Ave Maria gebetet. In die Kirche gingen sie nach Schaffhausen an den Rheinfall, oder in die dichtesten Wälder, oder auf den Belchen. Denn sie beteten unsichtbare Götter an, wenn nicht Sonne und Mond oder den Rhein, und opferten ihnen Pferde. Sonst war ihre liebste Beschäftigung der Müßiggang, dann die Jagd und der Krieg. Zweihundert Jahre lang kämpften sie mit den Römern in unversöhnlichen Kriegen zuerst um die Landschaften zwischen dem Rhein, der Donau und dem Main, aber oft auch, wenn die Gelegenheit günstig schien, fielen sie in das römische Gebiet jenseits der Flüsse ein, und spannen meist wenig Seide dabei, bis gegen das Ende.
Dem geneigten Leser müßte es wohl ein wenig bange werden, ob es möglich sei, daß er nach anderthalbtausend Jahren noch von diesem Heldenvolk abstammen und auf die Welt kommen werde, wenn er erfahren sollte, was es von einem Feldzug zum andern für schreckliche Niederlagen gelitten hat. Wo ein Tal des Schwarzwaldes sich auftut, fluteten Mann an Mann und Schild an Schild jetzt die Allemannen siegeslustig hinaus, jetzt die Römer racheschnaubend mit Feuer und Schwert hinein. In alle Bäche floß allemannisches Blut. Mehr als einmal gingen nach römischen Berichten, die Allemannen hunderttausendweise in einem Feldzug zugrunde. Mehr als einmal brannte der Schwarzwald an allen Ecken und Enden. Manchmal machten wir auch gute Geschäfte bis nach Italien hinein und in die Champagne. Aber wer zuletzt mit blutigen Köpfen wieder heimkam, waren eben wir. In der Champagne ließen wir auf einmal nicht mehr als 60000 liegen. Denn die nackte deutsche Tapferkeit und Kraft ohne die Kunst des Krieges vermochte nie auszuhalten in die Länge gegen die geharnischten Reihen und Glieder der Römer, gegen ihre Schwenkungen und andere Kriegskünste, mitunter auch Schelmenstücklein. Mit 60 bis 80 000 Mann über den Rhein oder über die Donau zu gehen, und die Römer anzugreifen, wo wir sie fanden, war uns ein Leichtes. Aber wieder heimzukommen, und die Feinde abzuhalten, daß sie nicht über den Fluß hinüber nachsetzten, war oft etwas Schweres. Die Geschichte erwähnt eines mannhaften deutschen Fürsten und Heerführers mit Namen Chnodomar, sie erwähnt auch eines Fürsten und Helden mit Namen Vadomar der im Breisgau und Oberland ein Herr war, und nach der Vermutung eines achtungswerten Gelehrten seinen Sitz hatte, wo itzt Thumeringen steht im Wiesenkreis, also daß dieses Ort zuerst geheißen hatte Vadomaringen. Der ist manchmal auf seinem Hengst durch die Wiese geritten, oder im Käferhölzlein auf der Jagd gewesen und hat mit lüsternem Auge hinübergeschaut in das Gebiet der Römer jenseits Rheins. Chnodomar und Vadomar und andre deutsche Fürsten als Uri, Ursiz, Vestralp und mehrere gingen mit ihren Heerscharen über den Rhein, griffen bei Straßburg, bei Hausbergen den römischen Feldherrn Julianus an, nicht zu guter Stunde. Als die Schlacht gewonnen schien, war sie verloren. Chnodomar wurde gefangen, der gereizte Feind kam über den Rhein, und hauste heidnisch mit den Leuten. Aber Vadomar, der König von Thumringen, rettete sich und sein Land. Nachgehends bekamen ihn die Römer durch List und schändlichen Verrat in ihre Gefangenschaft und schleppten ihn nach Spanien. Später wurde auch sein Sohn Vitigab ein gar feines und kluges Herrlein auf Anstiften der Römer von seinem Bedienten heimlich ermordet. Was denkt der geneigte Leser zu einer solchen schlechten Aufführung? Viele tausend biedere Allemannen wurden auch als Gefangene nach Rom transportiert, und man hat von den wenigsten mehr erfahren, was aus ihnen geworden ist, ausgenommen ein Mägdlein von Doneschingen namens Bißlein, das hernachmals in Rom gute Tage bekommen hat. Der Herr Römer, der es gefangen bekommen hat, hat er sich nicht nachher in dasselbe verliebt, und laut gesagt, es sei in ganz Rom kein Mädchen mit diesem allemannischen Töchterlein zu vergleichen. – Wenn er itzt erst käme, und eins aussuchen dürfte. Aber in der Tat man weiß nicht zu sagen, wo die vielen Menschen hergekommen sind, die nach einem hundertjährigen Krieg und nach allen blutigen Niederlagen und grausamen Landesverwüstungen noch übrig waren, kraftvoll und rüstig, als die Macht der Römer im Land und daheim anfing zu zerbrechen. War nicht auf einmal selbst das ganze jenseitige Rheinland von Basel bis nach Mainz und bis an die jenseitigen Gebirge Untertan der allemannischen Macht? Alles schien sich wieder zu erheben, bis ein neues kriegerisches Schauspiel begann.
Draußen über dem Schwarzen Meer, wo Europa ein Ende hat, und seltsame Völkerschaften eines andern Weltteils ihren Anfang nahmen, wohnten damals, fremden Blutes und fremder Sitten die Hunnen ein wildes räuberisches Gesindel, und es wird nicht viel gefehlt sein, so war ihr Oberhaupt, genannt Attila, der Schlimmste unter allen. Attila brach um das Jahr 451 mit seinem Volk aus ihren Wohnsitzen auf, um in Europa, soweit es geht und guttut, zu erobern, zu plündern, zu sengen und zu brennen und zu morden, und wo er hinkam, in den ersten 24 Stunden war alles verwüstet und verödet, und je weiter er zog je furchtbarer vermehrte sich sein Heer, denn alles zog mit, wie ein Heerstrom in seinem Lauf größer und größer wird, durch die Waldströme die sich rechts und links her in seine Fluten ergießen. Jetzt ist der Hunnenkönig schon am Saustrom in Ungarland, jetzt schon an der Donau, jetzt schon in der Gegend von Ulm, und wie Reihen der Franken wichen auf allen Seiten, bis in der Herzensangst und Verzweiflung der fränkische König Chlodewig die Hand zum Himmel aufhob, und den Schwur tat, wenn ihm Gott den Sieg verleihe, so wolle er ja gerne ein Christ werden, seine Frau sei es ohnehin schon. Es waren aber damals schon ganze christliche Regimenter unter dem fränkischen Heer, und einer rief dem andern zu: „Du, wenn wir dem König den Sieg erkämpfen, so will er sich taufen lassen.” Also schlugen die Christen unbarmherzig auf die Heiden drein, die Allemannen werden in Unordnung gebracht und verlieren die Schlacht für diesmal, und ihre teuer errungene Freiheit und Herrschaft auf immer. (…)“

(aus: Johann Peter Hebel – Der Rheinländische Hausfreund, 1814)

Miss Tschingels Bekannter

W. A. B. Coolidge, eine Neffe der Alpinismus-Pionierin Margret Claudia Brevoort und in jungen Jahren guter Bekannter ihres Beagles Miss Tschingel, welcher beide auf zahlreichen Bergtouren begleitete und dafür die Ehrenmitgliedschaft im britischen Alpine Club zuerkannt bekam, was seinem Frauchen (o tempora, o mores) zeitlebens verwehrt blieb, dieser Coolidge verfaßte, herangereift und aus der Erfahrung seiner tantenbehüteten Gratwanderungen gespeist „The Alps in Nature and History“, darin beschrieben u.a. das sprachlich wie religiös hoch Verwirrende an den Lagen der Dörfer in den Rheinursprungstälern, und, so trocken als irgend möglich, auch die Via Mala, nämlich garnicht sie selbst, sondern die Geschichte ihrer Umgehung: „The San Bernardino (6769 ft.) route, like that of the Splügen, follows the course of the main or Hinter Rhine nearly to its sources, and then turns S. to cross the Alps. Throughout the entire Middle Ages it bore the name of „mons avium,“ „Vogelberg,“ or „Monte Uccello“ (i.e. „the pass of the birds,“ in three languages), and to this day there rises some way to its W. a peak called the Vogelberg, while on the E. the pass is overhung by another point, named the Pizzo Uccello. But some time in the second half of the fifteenth century, this name gave way to the present one, given in honour of San Bernardino of Siena, who had wandered through the N. parts of Lombardy as a missionary preacher and was canonised in 1450 – six years after his death. A chapel on the S. slope of the pass was dedicated to him. It is possible that the left wing of the Frankish army crossed this pass in 590 on its way to attack the Lombards. More certain is that in the winter 941 Willa (wife of Berengar, Marquess of Ivrea), though far advanced in pregnancy, fled across it, to escape from Hugh, king of Italy. Much later, in the winter of 1799, Lecourbe, with a French army, traversed the pass. But no doubt, it, like the Splügen, was kept for long in the background through the difficulties of getting through or round the Via Mala gorge, above Thusis. Probably it served only the traffic between the german-speaking colony at the sources of the Rhine with the Italian bailiwicks held by the Swiss, especially after, in 1496, the Val Mesocco (on its S. slope), came into the hands of the Raetians, who thus had direct access to the St. Gotthard route. In 1818-23 the present fine carriage road was built over the pass, and, like that of the St. Gotthard, lies for its whole length within Swiss territory. Most of the expenses were borne by the king of Sardinia, who wished to secure for himself a road across the Alps, which should not be in the hands of the Habsburgers.“

Von den fliessenden wässern Teütsches lands.

ES ist kein land in dem gantzen Europa / darin man so vil vnd so gros wässer findt als in Germania oder Teütschland. Under denen ist das erst vn das gröst die Tonaw / die im Schwabeland oder im Schwartzwald im dorff Doneschingen entspringt / vnnd laufft gegen Orient in das Pontisch möre / vnd schöpfft in sich sechtzig andere große vn schiffreiche wässer / ehe sie in das mör lanfft. Die alten nennen den berg darauß sie entspringt Abnobam / wie wol mer dan auff ein halbe meyl kein berg bey jrem vrsprug ist / sunder sie quelt mit einem grossen fluß auß einem bühel / der über zwo oder drey closster hoch nit ist / wie jch das eigentliche vnd wol besehen hab / vnd ein besunder tafel darüber gemacht. Es ist bey den alten gelerten männern ein gros begird gewesen den vrsprung dises wassers zu sehen / darumb auch ettlich von Rom härauß zogen / domit sie gesehen möchten seinen vrsprüngliche brunnen. Wir lesen auch von Tiberio / do er ein mal komme was zu dem Bodensee / nam er für sich ein tagreiß zu besichtigen den anfang der Tonaw.
Das ander groß wasser ist der Rhein / vnnd der entspringt hinder Chur im höchsten Schweytzer gebirg / Strabo nent den selbigen berg Adulam / vnd hat der Rhein daselbst zwen vrsprüng / vnd werden auch beide der Rhein genant / lauffen zusammen ein Teütsch meil ob Chur. Einer heißt der vorder vn der ander der hinder Rhein. Von vrsprung des vordern Rheins ist es ongeferlich drei stund fußgangs biß an vrsprung des Rhodans rechter distantz vnd nit weiter / wo es vor den obersten bergspitzen der richte nach zu wandlen möglich were. Do entzwischen in gerader lini ligt der berg Gotthart / vor zeite Sume Alpes / das ist das höchst Alp gebirg genant / darin entspringt Ticinus / laufft gegen mittag in Italiam. An der gegen seite die Rüß / laufft durch Vry in Lucerner see / vnd darauß gegen mitternacht in Rhein. Aber der obgenant Rhodan laufft anfangs gegen vndergag / vnd der vorder Rhein von seinem vrsprug biß ghen Chur gegen auffgang. Vnd also geben dies flüß alle vier bey jrem vrsprung auß fliessende / ein creütz / deß halb nit onbillich die höhe des gebirgs doselbst / Summe alpes genant werden. Der Rhein laufft anfangs biß ghen Chur / demnach wendt er sich gegen mitnacht / vn macht zwen grosse seen / der erst heißt der Brigantzer oder Costentzer oder Bodensee. Etlich meinen das er vorzeite Lemannus hab geheissen / aber mögen das nit gnügsam probieren. Diser see geüßt wider auß jm bey der statt Costentz den Rhein / vn nit fern von der statt theilt sich der Rhein in ein andern see / den die alten haben genent lacum Venetum / aber ietzundt nent man jn den Undersee oder den Cellersee / vnd do krümpt sich der Rhein gegen vndergang / vnd behalt auch den lauff biß ghen Basel / do kert er sich gegen mitnacht / etc. Das dritt wasser ist der Necker vn des vrsprung ist nit über drey oder vier stund fußgangs von dem anfang der Tonaw. Er wirt auch zimlich gros / ehe er in den Rhein kompt / durch andere vil wässer / die allenthalben von dem Schwartzwald daryn rinen / vnder wölchen die fürnempste seind die Entzg / die von Pfortzen härab kompt / der Cochar vnd die Jagt / die von Elbangen durch Schwaben vnd durch den Otenwald fliessen / vnd bey Wimpffen in Necker fallen. Das vierd schiffreich wasser ist der Mayn / der hinder Bamberg in Voitland entspringt / vnd darnach mit grossen krümmen durch das Francken land dem Rhein zu laufft. Das fünfft ist Amasus die Emß / die druch Frießland laufft / die Weser / die aus Hessen läd durch Brunschweigerland dem mör zu laufft. Das siebend ist Albis die Elb / von die kompt auß Behmer land und laufft durch Meyßen und Sachsen dem mör zu. Das acht Suenus / die Spre. Das neündt Viadus / die Oder. Das zehend Vistula die Wixel. Vnd über dem Rhein Obrinca / das ist die Mosel. On dise schiffreiche wässer / seind sunst onzelich andere wässer im Teütsch land / die jre beywonern nit zu kleinem nutz dienen / als die Nahe bey Creütznach / die Brüsch vnd Jll zu Sraßburg / die Murg in der Marggraueschafft / die Kintzig zu Offenburg / die Ar / die Limmat / vnd Rüsch im Schweytzerland / der Lech bey Augspurg / der vor zeiten die Baiern hat gescheiden von den Alemannern / die Vindelici hiessen. Die Jser bey München vnd Landshut / der Jn von Jnspruck gegen Passaw / item Anisus der Ens / der vor zeiten die Hunen hat gescheide von den Baiern. Gang jch über die Thonaw in das Mortgöw zu dem Fichtelberg / so find ich ein gantzen hauffen wasser die daraus fliessen vn do sein vrsprung nemen / als nemlich die Nab / die Sal / der Eger / vnd die Pegnitz.

(Soweit Sebastian Münster in seiner Cosmographia, hier zitiert nach der Ausgabe von 1550. Die Cosmographia liegt nun digitalisiert vor, in zwei deutschen (davon der hier zitierten, recht lesefreundlichen, der Uni Köln) und einer lateinischen Version.)