Presserückschau (Oktober 2014)

Von der Bananenstellung bei Robben, der Anziehungskraft von Müllhalden, Ingenieursproblemen beim grenzüberschreitenden Verkehr, einer haarigen Rettungsaktion, keinem Geschwindigkeitslimit und einem mysteriösen Todesfall handeln die Rheinmeldungen des Oktobers:

1
Nachdem wir vergangenen Monat in Ermangelung von Sommerlochmonstern Meldungen über eine Robbe im Rhein bei Düsseldorf im Frühjahr 2003 (ein angebliches “zoologisches Jahrhundertereignis”) ausgegraben hatten, berichten Anfang des Monats verschiedene Medien über eine weitere in Düsseldorf gesichtete Robbe: “Sie ist das Gespräch in der ganzen Stadt und mittlerweile auch offensichtlich eine Reise an den Rhein wert. (…) Einige Spaziergänger versuchten sogar die Robbe mit Fischen anzulocken, doch das kleine Tier blieb unbeeindruckt. Vielleicht ist die Robbe mittlerweile auch wieder auf dem Rückmarsch. „Das geht ganz schnell“, sagt Tierärztin Janine Bahr, die das Robbenzentrum auf der Nordseeinsel Föhr gegründet hat. Robben könnten rasch große Strecken zurücklegen. Das Tier im Rhein ist nach Einschätzung der Expertin kein Jungtier mehr: „Die Robbe ist fast ausgewachsen und so, wie ich es auf den Fotos gesehen habe, liegt sie in der Bananenstellung. Ein Zeichen, dass es dem Tier sehr gut geht.“ (…) Die Schiffe stellten übrigens keine Gefahr für das Tier da. Und überleben kann das kleine Säugetier auch im Süßwasser prima. (…) In Finnland gebe es sogar Süßwasserseen, in denen die Robben leben und sich vermehren. Auch im Rhein wäre das möglich, so Bahr.” (Der Westen)

2
Ausführlich mit der Duisburger Möwenpopulation beschäftigt sich ein schöner Artikel in Der Westen. Die Möwen, eigentlich Küstenvögel, sorgten in Duisburg für Urlaubsstimmung, heißt es in der Überschrift. Mehrere tausend Möwen, darunter Lach-, Silber-, Herings- und Sturmmöwen, lebten in der Stadt, allerdings seien sie “nicht mehr so stark vertreten wie noch in den 1960er und 1970er Jahren. Damals gab es reichlich offene Mülldeponien, auf denen sich die Tiere wohlfühlten und vermehrten”. Bei den Vögeln handele es sich um echte Duisburger: “Die meisten Möwen überwintern in Duisburg, sind also wirklich heimisch. Kein Wunder: Als Allesfresser finden sie selbst bei Eis und Schnee noch ausreichend Futter. An Rhein und Ruhr betätigen sie sich als „Fischer“ oder sammeln Krebse und Muscheln ein. Ansonsten plündern sie gerne Abfalleimer und bedienen sich an weggeworfenen Imbissresten der Menschen.”

3
Über die rhein- und somit grenzüberschreitenden Straßenbahnenlinien von Weil am Rhein und Kehl berichtet die Badische Zeitung: “Die beiden einzigen grenzüberschreitenden Straßenbahnlinien Richtung Deutschland wird es in Südbaden geben: in Weil am Rhein und in Kehl über den Rhein. Und solche sinnvolle Nahverkehrsprojekte haben nicht nur politische und finanzielle Hürden, sondern auch verkehrstechnische und rechtliche. In Deutschland ist die “BO Strab”, die Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung, maßgebend. Verlangt wird ein Betriebsleiter, auch wenn die Strecke auf deutscher Seite nur 1,6 Kilometer wie in Weil oder gar nur 600 Meter wie in Kehl im ersten Abschnitt lang ist.” Sieben Jahre lang habe ein deutscher Ingenieur in Weil die entsprechenden Bestimmungen der Schweiz und Deutschlands aufeinander angepaßt: “Das begann mit den grünen Fahrzeugen der Basler Verkehrsbetriebe (BVB), die in der Schweiz weder Bremslichter noch Warnblinker haben und für den Verkehr auf der Linie 8 nach Baden entsprechend ausgerüstet werden mussten. Weil “das Tram”, wie die Schweizer sagen, in den Nachbarländern grundsätzlich Vorfahrt hat, in Deutschland aber nicht, wurden die Kreuzungen mit dem Autoverkehr mit Signalanlagen und Andreaskreuzen ausgestattet.”

4
Auf ein Boot im Rhein wurden am 21. Oktober Passagiere der Kölner Seilbahn nach einer technischen Panne abgeseilt. Der Spiegel weiß: “In Köln sind (…) mehrere Gondeln der Seilbahn stehen geblieben, die den Fluss überquert. In einer der blockierten Kabinen saß seit dem späten Nachmittag eine Familie mit einem Säugling, die mehreren Medienberichten zufolge am späten Abend gerettet wurde: Als Erste erreichten ein Säugling und sein Vater ein Rettungsboot auf dem Rhein (…) Aus einer weiteren Gondel konnten der Feuerwehr zufolge (…) zwei Amerikaner von Höhenrettern in Sicherheit gebracht werden, auch sie wurden abgeseilt. Starker Wind und die Dunkelheit erschwerten die Rettungsarbeiten. Techniker des Seilbahnbetreibers und Feuerwehrleute versuchen, die über dem Fluss hängende Gondel wieder in Gang zu bekommen, um sie dann manuell an eine Station am rechtsrheinischen Ufer ziehen zu können.”

5
Zahlreiche informativ und flüssig geschriebene Artikel zu diversen Rheinthemen bietet seit einigen Monaten die Rheinische Post. Über den Beruf des Wasserschutzpolizisten schreibt das Blatt: “Wer die Ausbildung hinter sich hat, muss mindestens fünf Jahre an Land Dienst getan haben, bevor er in NRW aufs Wasser darf. Und dort geht dann das Lernen wieder los. Mindestens drei Jahre dauert die Weiterbildung, zu der auch das Rheinpatent gehört. 16 Mal sind Dausch (ein interviewter Polizist; Anm. rheinsein) und seine Kollegen dafür zwischen Koblenz und dem offenen Meer hin- und hergefahren – das schreibt das Gesetz innerhalb von zehn Jahren vor. Mal eben aus Düsseldorf nach Konstanz zu wechseln, ist für einen Wasserschutzpolizisten deshalb nicht drin. Er müsste dann zuerst noch sein Rheinpatent für den oberen Rheinabschnitt machen. Regelmäßig gehen die Wasserschutzpolizisten übrigens auch in die Luft: Als Gewässeraufsicht kontrollieren sie den Rhein vom Hubschrauber aus auf Verschmutzungen. Werden Verunreinigungen festgestellt, suchen die Polizisten den ganzen Rhein nach dem Verursacher ab – meistens mit Erfolg. “Fahrerflucht ist auf dem Rhein ein eher seltenes Delikt.”" Daß der Rhein zum Badesee verkomme, zitiert derselbe Artikel einen Binnenschiffer und listet einige neuere Verkehrsmittel sowie -regeln auf: “Jachten, Sportboote, Wasserskifahrer, Segler und sogar Surfer sind auf dem Rhein unterwegs. Erlaubt ist fast alles – streng verboten ist Kitesurfen – aber nicht überall. Gesetzliche Verordnungen über den Freizeitverkehr gab es schon lange, seit einigen Jahren werden es mehr; 1995 etwa kam die Wassermotorrad (=Jetski)-Verordnung dazu, seit 2000 ist eine für Rib-Boote (motorisierte Schlauchboote mit festem Rumpf) notwendig geworden. Sie alle müssen sich an Regeln halten, von denen die erste lautet: Die Großschifffahrt hat Vorrang. Bei den kleineren Gefährten gilt “Windkraft vor Motorkraft”, und was die Schnelligkeit angeht, gibt es kein Limit. Nur der Wellenschlag, den ein Wasserfahrzeug erzeugt, darf nicht so stark sein, dass er andere beeinträchtigt.”

6
Den mysteriösen Todesfall eines 19-Jährigen Bonners rekonstruiert in ungewöhnlicher Ausführlichkeit der General-Anzeiger. Demnach hatten die Eltern den jungen Mann vor rund einem Jahr bei einem Schulfreund in Mehlem abgesetzt: “Der hatte Geburtstag und wollte daheim mit den alten Freunden des Abiturjahrgangs ein bisschen feiern. Später fuhr die zehnköpfige Geburtstagsgesellschaft mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Bad Honnef, um in der Diskothek “Rheinsubstanz” in unmittelbarer Nähe der Endhaltestelle der Stadtbahnlinie 66 weiter zu feiern. 16 Tage später (…) teilte die Polizei den Eltern mit, dass die Leiche ihres Sohnes im Rhein gefunden wurde. Gut 50 Kilometer flussabwärts, in Stammheim im Nordosten Kölns.” Die journalistische Rekonstruktion des Todesabends wirft Ungereimtheiten in der polizeilichen Ermittlungsarbeit auf und läßt zahlreiche Fragen unbeantwortet. Die Polizei geht bis heute von Suizid aus, während die journalistische Aufarbeitung des Falls auf ein Verbrechen weisen könnte.