Rom am Rhein

Als wir die Dokumentation Der Rhein – Strom der Geschichte schauten, fehlte uns die Vertiefung der angerissenen Themen. Die rund fünfhundert Jahre währende römische Herrschaftsperiode am Rhein war innerhalb weniger Minuten abgewickelt worden: erstaunlicherweise mit Bildern und Szenen aus einer anderen Produktion: Rom am Rhein (von Christian Twente aus dem Jahr 2015, ein Dreiteiler à 45 Minuten).

Rom am Rhein ist eine Mischung aus wissenschaftlich-dokumentarischen und erzählerischen Elementen, Computeranimationen und Schauspielszenen. Sie gibt einen guten Überblick eher über kulturelle Auswirkungen der römisch-germanischen Ära denn über Kriege und Herrscher, die von anderen Produktionen (etwa über die Varusschlacht) bereits abgedeckt wurden.

Der erste Teil fokussiert auf Köln, behandelt Konflikte zwischen Römern und Germanen, thematisiert das so wacklige wie effiziente römische Befriedungsprogramm, die Ansiedlung römischer Bevölkerung am Rhein (“ubi patria ibi bebe”) und die Widerstände einzelner Gruppen bzw. des Stammes der Bataver gegen das neue System.
Der zweite Teil zeigt die Etablierung römischer Errungenschaften (Steinbauten unter Einsatz von Zement, befestigte Straßen, fließend Wasser, Thermen, Kanalisation, Glasarbeiten, Weinbau, Amfitheater etc), die mit dem Rückzug der Römer teilweise für weit mehr als 1000 Jahre aus dem deutschen Kulturgut wieder verschwinden würden.
Durch den dritten Teil, der die Herrschaft Konstantins des Großen und das Aufkommen des Christentums behandelt, führt der Dichter Ausonius, der das germanische Mädchen Bissula liebte.

Aufs Detail blickend, ohne sich darin zu verlieren, forscht der Dreiteiler möglichst vielen Aspekten des römisch-germanischen Lebens nach, Unterhaltungselemente verhindern den Anschein trockenen Geschichtsunterrichts. Ein perfekter Einstieg für Interessenten an römischer Geschichte entlang des Rheins, und insbesondere auch für (Latein)Schüler.

Alle drei Teile sind Stand dieses Eintrags bei Youtube verfügbar.

De Rynstroom (2)

Maer uw geloovigh Christendom
Beproeft werd, als het goud in d` oven,
Doen Attilaes verwoede trom
`t Geruisch uws waters quam verdooven,
En verwde met onnosel bloed
En damde uw kil met kuische dooden,
En trapte met een` droncken voet
Op woeste steden, leegh gevloden,
Of brande uw hair af met syn toorts,
Beklad en druipend van veel moords.

Ghy schreide met een heesche keel
Den hemel aen, om troost verlegen,
Die sond u Karel, `t Rycksjuweel:
Dees kon d` onveilige oevers veegen
Van onduitsch en baldaedigh schuim,
Gelijck uw Constantijn vorheenen.
Doen kreeght ghy uwe randen ruim,
En saemelde uw verstroide steenen,
En saeght dien held vol godesvrucht
Syn` lusthof planten in uw lucht.

O onvermoeide molenaer,
O stedebouwer, schepedraeger,
O rijxgrens, schermheer in gevaer,
Wijnschencker, veerman, overknaeger,
Papieremaecker, schaf papier,
Daer ick uw glori op magh schryven,
Uw water dat ontvonckt mijn vier.
Mijn sinnen in uw wedde dryven,
En speelen als een dartle swaen,
Verleckert op uw wijngaerdblaen.

De Rynstroom

aen Johan Wolphard, Heer te Brederode, Vryheer te Vianen.

Doorluchte Rijn, mijn soete droom,
Van waer sal ick u lof toesingen?
Mijn treckende geboortestroom
Ghy koomt uit Zwitsersche Alpes springen,
Als hoofdaêr der begaefde Euroop.
De Donau, uw afkeerigh broeder,
Nam oostwaert op syn` snellen loop,
Ghy Noordwaert; doen een selve moeder,
Begort van regen, ys en sneeuw,
U baerde voor soo menige eeuw.

Germanjen lagh noch wild begroeit
Van syn Hyrcynsche wilde wouden,
Tot dat het namaels werd besnoeit,
En door de tucht in toom gehouden.
Ten leste dorst ghy, strijdbre Rijn,
Den Tiber op syn feest bestoken;
Die voor u neegh, doen Constantijn,
Van uwen oever opgebroken,
Ging strijcken met den ouden roof
Van Rome en `t Heidensch bygeloof.

Ghy naemt het juck van Christus aen,
Men hoorde uw vrolijcke oevers schatren,
En scheent de heilige Jordaen
Te tarten met gedoopte watren.
Het Christen kruis en viel uw` rugh
Soo swaer niet, als weleer te draegen
Den last van Cesars legerbrugh,
En Drusus, die u dede klaegen
Om vijftigh sloten, swaer van steen,
Gebouwt langs uwe kanten heen.

Chur (3)

Der Rheinische Antiquarius weiß allerhand Vages über Chur und wirft damit zugleich die Frage auf, ob die Präzision geschichtlichen Wissens mit zeitlichem Abstand steigt oder sinkt. Beides, lautet sicherlich die weiseste aller Antworten. Und das war der Wissensstand zur Geschichte Churs im Spätbarock: „An dieser Plessur, eine kleine Viertelmeile vom Rhein, zwey starke Meilen von Meyenfeld und viere von Feldkirch liegt Chur, lateinisch Curia Rhaetorum, und französisch Coire, die Hauptstadt der drey freyen Bünde in Graubündten, wie auch der Hauptort des Gotteshausbundes. Ihren Ursprung und Namen wollen einige von dem Kaiser Constantio, Kaisers Constantini Magni Sohn, herleiten, und zwar dergestalten, daß, als selbiger mit dem allemannischen Könige Chonodomaro oder Vadomaro ums Jahr 375. oder, nach anderer Meynung 355. Krieg geführet, er sich, nach Endigung desselbigen, nach Mailand in die Winterquartiere begeben hätte; bald hernach aber wäre er aufs neue mit ihm zerfallen, worauf er sich in diese Gegend Räthiens gezogen, sein Lager in dasigen Feldern, Campi Canini genant, und seine Hofhaltung in den darinnen sich befindenden alten und festen Schlössern aufgeschlagen, auch daher dieser Stadt ihren Ursprung und Namen gegeben habe; massen selbige ganze Gegend Rhätia Curiensis genennet worden. Wie denn ausser den dreyen Festen Marsoila, Spinoila, und Ymburg, keiner andern daherum gelegenen namhaften Oerter oder Gebäude einige Meldung geschehen, obschon Ammianus Marcellinus alle zu seiner Zeit dem Rhein hinunter gelegene Städte fleissig angemerkt hat. Andere wollen Constantio mehrers nicht, als nur die Erweiterung und Benamsung dieses Orts zuschreiben, und behaupten zugleich, er hätte schon lange vor dessen Zeiten allda gestanden, und wäre Ymburg genennet worden. Auch sey dieses eben der Ort, den Ptolomäus Alexandrinus, nach Art der griechischen Schriftsteller, mit einiger Veränderung der Buchstaben, Ebodurum betitele. Dem sey nun, wie ihm wolle, so ist doch ganz wahrscheinlich, daß schon vor Christi Geburt dieser Ort als einer der gelegensten und fruchtbarsten von den alten Räthiern bewohnet worden, auch nach und nach an Volk und Gebäuden zugenommen habe; Daß ferner die Stadt bey der Feste Ymburg, auf deren Platz das heutige Rathhauß stehet, durch Darzuziehung der festen Schlösser Marsoila, und Spinoila entstanden; endlich daß diese Schlösser oder Höfe erstlich den vornehmsten räthischen Herren, hernach den römischen Landpflegern, endlich aber dem Kaiser Constantio selbst zur Wohnung gedienet, und dahero, sobald sie zur Stadt geworden, den Namen Curia erhalten, so im deutschen Hof bedeutet. Solchergestalt haben auch nachgehends die Bischöffe allezeit ihre Hofstatt in dem Schloß Marsoila und in den dabey aufgerichteten Gebäuden gehabt. (…)“ Die Namen Spinoila und Marsoila führen auf dünne Spuren, das rätselhafte Ymburg bleibt rätselhaft, während mit Ebodurum über Dielhelm hinaus auch liechtensteinische Flecken in Verbindung gebracht werden.