Der Rhein in der Gegenwartslyrik

Die Post spült das Verlagsprogramm von Ralf Liebe ins Haus, darin beworben der Gedichtband „Der Rhein zieht eine Serenade“ von Matthias Buth: „Es sind Gedichte, die erhellen und zugreifen, von existentiellen Befunden durchzogen, die Verluste markieren. Und die wieder Verbindungen aufnehmen wollen. Diese Gedichte finden und erfinden Gegenwart. Suchen, Zweifeln und ein ständiges In-Bewegung-setzen erfassen den Leser, der in die Sprachexkursionen einbezogen wird. Der Ausweglosigkeit der condition humaine nicht entsprechen zu wollen, bezeichnet den Kontrapunkt der Lyrik von Matthias Buth. Ein elegischer Grundton – immer wieder ironisch durchbrochen – bestimmt die anspielungsreichen Verse, besonders die zehn Psalmen, mit denen der Autor in der Gegenwartslyrik Neuland betritt.“ Wir lassen das, da wir den Band nicht zur Verfügung haben, unkommentiert und schlagen die beigelegte Anthologie Versnetze_drei. Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart, herausgegeben von Axel Kutsch auf. Die Versnetze-Anthologien gliedern sich nach Postleitzahlengebieten und Autorenalter, sie versammeln neben solchen DichterInnen, die aus Feuilleton, Funk und fast sogar Fernsehen bekannt sind, auch solche Stimmen, nach denen man sonst lange oder im Internet suchen muß. Beim ersten Überfliegen der Anthologie nach Rheintexten stoßen wir lediglich auf den Text „Basteigedanken“ des Kölner Liedermachers Rolly Brings, der unter verschiedenen Namen für den Rhein auch das Wort Pânov aufführt, das irgendwie slawisch klingt, dafür einen recht eigenwilligen Hut trüge, und das wir bisher nicht als Rheinbezeichnung kannten, sowie auf einen eigenen Text aus dem via Fixpoetry erschienenen Band blick in den himmel, der das lyrische Ich von einer angestrebten, aber wohl schon rein zeitlich schwer anzustellenden Wiedergeburt im niederrheinischen Mönchengladbach der 1960er Jahre erzählen läßt.