Presserückschau (April 2014)

Vom uns bis dato unbekannten “Anker am Rhein”, von seinem ehemaligen Ursprung am Kaiserstuhl und seinem Kampf mit der Donau, einem neuen Museum, dem Liechtensteiner Robin Hood, dem Bienensterben, einer Brunnenidee, die uns bekannt vorkommt, und den Auswirkungen der zeitgenössischen Flußkreuzfahrt handeln die ausgewählten Meldungen des Aprils:

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In Voerde soll “im Zuge von Voerde 2030 – Lebendige Innenstadt” der Marktplatz umgestaltet werden, berichtet die Rheinische Post und vermittelt dank ihrer mit der Planung betrauten Interviewpartner den Eindruck einer bislang toten Innenstadt: “Wichtig seien eine klare Funktionszuordnung, wie zum Beispiel ein autofreier Marktplatz, eine Identität sowie eine positiv erlebbare Atmosphäre zu schaffen. Der Platz ist groß, aber man vergesse ihn wieder.” Die Planungen befänden sich noch in der Anfangsfase. Im Ideenpool liege unter anderem “der Rheinverlauf bei Voerde als Miniatur” (ähnlich wie bereits im benachbarten Wesel zu bestaunen): “Voerde sei der “Anker” am Rhein, deshalb sei ein Wasserspiel für den Platz wichtig.”

2
Die rheinland-pfälzische Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken über Auswirkungen des geplanten Freihandelsabkommens (TTIP) im Interview mit der Rhein-Zeitung: “Beim Weinanbau ist in den USA beispielsweise der Einsatz von Wasser zur Reduktion des natürlichen Alkoholgehaltes zugelassen, in Europa nicht. Auch geografische Angaben werden in den USA anders verwendet. Bezeichnungen wie “Moselle” oder “Rhine” sind erlaubt, auch wenn sie nichts mit den Herkunftsorten zu tun haben. Das ist nicht kompatibel mit unseren Kennzeichnungen. Würde ein Mosel-Wein aus den USA hier im Handel stehen, es wäre Wettbewerbsverzerrung. Das hätte natürlich auch Auswirkungen auf die Einkommen der Winzer und auf unsere Gesetzgebung. Denn wenn es sich nicht mehr lohnt, bei den Bezeichnungen genau zu sein, wer macht es dann noch?”

3
Bei einem rätselhaften Bienensterben in Leverkusen sollen rund eine Million Bienen verendet sein: “Die Bienenvölker standen alle entlang des Rheins in Rheindorf-Süd und Hitdorf. (…) Imkermeister Konrad Kappek (…) sagt, dass die Völker in Rheindorf-Süd am stärksten betroffen seien. Schon aus dem Norden des Stadtteils gab es keine Meldungen über Vergiftungen. Auch nicht von der anderen Rheinseite. Deshalb sei eine Vergiftung des Rheinwassers, von dem die Tiere trinken, nicht sehr wahrscheinlich, sagte der Leverkusener Amtstierarzt Kurt Molitor. Auch weiter rheinabwärts und aus Wiesdorf gab es keine Meldungen. Es ist nur dieser schmale Streifen Leverkusens betroffen.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

4
Frisch eröffnet wurde das Bergbaumuseum in Innerferrera und erweitert die Museumspalette am Rhein um ein weiteres Kleinod: “Zwei Dauerausstellungsräume im Obergeschoss, im Erdgeschoss eine öffentliche Toilette, einen Informationspunkt des Naturparks Beverin und einen Raum für Wechselausstellungen: Das alles beherbergt das (…) mit bergmännischen «Glückauf»-Wünschen neu eröffnete Bergbaumuseum in Innerferrera, entstanden aus einer Kooperation des Vereins Erzminen Hinterrhein mit dem Naturpark Beverin und der Gemeinde Ferrera” berichtet die Südostschweiz.

5
Womöglich im Rhein bei Ruggell ertränkt hat sich der selbsternannte Robin Hood Liechtensteins Jürgen Hermann, der seit Jahren gegen die “liechtensteinische Finanzmafia” (Zitat Hermann) kämpfte und schließlich Bank-Chef Jürgen Frick erschoß: “Die Liechtensteiner Wasserrettung war (…) damit beschäftigt, den Rheindamm bei Ruggell abzusuchen. Nahe der Kanalmündung waren eine Jacke sowie weitere Utensilien des Mörders von Bank-Frick-Chef Jürgen Frick aufgefunden worden. Darunter auch seine Identitätskarte und ein Reisepass. Auf einer Seite im Pass hatte Hermann einige handschriftliche Notizen verfasst, in denen er in einer Art Abschiedsbrief auch seine Tat gestand. Aufgrund dessen geht die Landespolizei davon aus, dass Jürgen Hermann in die Fluten des Rheins sprang und Suizid beging. Wie es an der Medienkonferenz in Vaduz hiess, könne es allerdings Tage oder Wochen dauern, bis die Suche abgeschlossen sei – sofern überhaupt jemals eine weitere Spur auftauche. Ebenfalls noch nicht aufgefunden wurde die Tatwaffe, eine 9-Millimeter-Pistole.” (Liechtensteiner Vaterland)

6
Einen interessanten Artikel über die Früh- und künftige Geschichte von Rhein und Donau bringt der Schwarzwälder Bote: “Die Donau ist der einzige Fluss Europas, der kontinuierlich nach Osten fließt. Blickt man in die Flussgeschichte, hat die Donau eine sehr bewegte Zufluss-Vergangenheit. Der geologischer Prozess ist jedoch unaufhaltsam. Er führt dazu, dass die Donau an einem fernen Tag ihre Quelle bei Tuttlingen haben wird, das wird an dem Tag sein, an dem der Rhein ihr das Wasser an der Donauversinkung über den Aach-Topf komplett nimmt. Aufgrund des Höhenunterschieds wird der Rhein diesen geologischen Kampf gegen die Donau auch immer gewinnen – so wie das in der Vergangenheit schon öfter geschah. (…) Der Kampf um das Wasser begann vor zehn Millionen Jahren. Die schweizerische Aare war in jenem Zeitalter der Quellfluss, die Geologen sprechen von der Aare-Donau. (…) Der Rhein hatte damals seine Quelle noch in der Nähe des Kaiserstuhls. Durch geologische Vorgänge vor rund zwei Millionen Jahren, wie dem Einbruch des Oberrheingrabens, kam es zu einer Verbindung von Aare und Rhein.”

7
Der Entwicklung von Schiffkreuzfahrten und ihren Auswirkungen für Breisach widmet die Badische Zeitung einen ausführlichen Artikel. Demnach werden die Kreuzfahrten fast ausschließlich von englischsprachigen Rentnern gebucht, die bei ihren Landausflügen von Begleitern in Tracht und Bollenhut bespaßt werden. Auch verät der Artikel, daß sich in Australien eine Weinbauregion namens Kaiserstuhl befinden soll: “Auf dem Rhein erleben Schiffkreuzfahrten einen Boom. Davon profitieren auch Anlegestellen wie Breisach oder Kehl. Allein in Breisach rechnet man in der kommenden Saison mit 500 Schiffen – insgesamt wären das 100.000 Fahrgäste. (…) Viking Cruises, einer der weltweit führenden Flusskreuzfahrt-Firmen, wirbt für seine Fahrten auf dem Rhein seit diesem Jahr nur noch in anglophonen Ländern – dort liegt der für das Unternehmen rentablere Markt. Die Kölner Niederlassung wurde deshalb 2013 geschlossen – offenbar ohne Folgen für das Wachstum des Unternehmens: Allein in diesem Jahr hat es in ganz Europa 18 neue Schiffe in Betrieb genommen.” (Badische Zeitung)

Einfalte Delineation (3)

Der Mordpfarrer
„Ein Stuk vor Ronggellen hinein mitten in der Viamala ist ein gräßlicher Durchpaß bey einem Ponte pensili, oder gleichsam in die Luft hinaus angesezten steinernen Bruk an einem ausgesprengten Felsen zu, über welche Bruk man nicht ohne Grausen durch eine gäche Felsen Kähle hinab siehet in die grausame Tiefe des Tobels. An diesem Ort ist anno 1705 eine greuliche Mordthat verichtet worden, wie jederman beglaubt von einem Pfarrer; es ware nemlich Pfarrer in Farära ein Under-Engadiner M. ex M. Der hatte ein junges starkes Baurenmensch geschwängert. Am heil. Wienacht Fest theilt er noch selbsten in seiner Gemeind das heil. Nachtmal aus, nachdeme er den Bissen eingenommen hatte, fuhr der Teufel in ihne, wie in den Verräther Judas. Er gehet zu seiner schwangern Concubin oder Braut hin (dann er hatte ihr die Ehe versprochen) und beredet sie, er wolle mit ihr irgendwo heimlich Hochzeit halten und zu solchem End hin wollen sie morgens früh vor Tag mit einandern verreisen, welches sie noch Abends ihren Hausgenossen eröffnet. Was geschiecht? In der Nacht verreisen diese beide von Hauß mit einandern an bemeltes Ort, die Stein Bruk, allda pakt der durchteufelte Mörder das arme schwangere Mensch unvermuthet an und ersticht sie mit etlichen Messerstichen und schmeißt sie über die Bruk hinunder, durch die Felsenkähle in den Abyssum des wüsten Tobels, doch muß sich das Mensch noch vor ihrem End tapfer gewehrt haben, denn man fande im Schnee den Kampf Plaz völlig zerstampfet und etliche Resten Haar, die sie dem Mörder ausgerissen hatte – unden in den Felsen-Kähle bliebe auch noch ihr Halß Fazolettlin an einem Stäudlin behangen, zum Zeichen, dz es eine Weibs-Person gekostet. Er der Mörder eylet nach der That allsobald in Schamß zurück, gehet alldorten in eine Filial Kirchen nach Zillis, allwo Hr. Pfarrer Calleonard Predigt hielte, mit Nammen zu Ruschein; nach der Predig ruft ihm der Pfarrer, er solle auch kommen gen helfen singen; der Mörder parirt, doch ware er voller Schweiß und zitterte darbey, dz er das Buch nicht wohl halten konte. Dem Pfarrer kame die Sach suspect vor, bald nach vollendetem Gottes-Dienst stellte er ihn zurede, warum er so übel aussehe und was seine blutige Schuhe bedeuten. Der elende Kerl befande sich in seinem Gewissen geschlagen und sagte, die Leuth haben ihn in Verdacht unverschuldeter weiß, als wann er das und das Mensch ermordet hätte etc. Der Pfarrer erseufzende und wohl sehende, wie viel die Gloken geschlagen, sagt: O du elender Mensch, mach dich bald ab den Augen und aus dem Land, dz dich niemand nimmer mehr sehe; er schiede allso von ihme und passirte selbige Nacht einen sonst Winterszeit unpassablen Berg, allso dz sich Jedermann darüber bestürzen müssen und niemand glauben können, daß es einem Menschen möglich gewesen wäre, durch den ungebrochnen Schnee über den Berg zu kommen, allso eschappirte er. Bald noch selbigen Tags wurde es in Schamß kund, dz an bemeltem Ort eine Mordthat geschehen. – Die Obrigkeit inquirirt bald, der Argwohn kam auf bemelten Mann, doch weil er entronnen, konte man nicht weiter; es war Jammer im Land über den Greuel und Aergernus. – Gegen dem Frühling bey anwachsendem Wasser wurde der Körper der Ermordeten durch den hindern Rhein aus seiner kalten Winterherrberg heraus geschwemet bis hinder Thusis under alta Rhaezia, allda ans Land geworfen gefunden. Die Oberkeit hat ihn sogleich visitiren lassen, da dann selbiger mit etlichen Stichen durchbohrt befunden worden, und da man den Leib aufgeschnitten, fande man in selbigem ein beynache ausgetragenes Knäblein. Der Körper wurde auch mit vieleren Thränen ehrlich zur Erden bestattet. Der Thäter indessen kam nach seiner Flucht hinaus in die Pfalz, bekam sogleich einen guten Dienst, heurathete, wurde Scholarcha und lebte äußerlich in gutem Wohlseyn. Als ich Pfarrer zu Malix ware, ist er einmal ins Vaterland kommen, logirte zu Chur beym Ochsen; er reiste zu Pferd und wohl mondirt und hatte keinen Scheu, seinen Nammen anzugeben, sagende: er sey der, den man vor Jahren in Schamß so greulich verleumdet gehabt. Die Sach komt bald in Schamß, allda war man in procinctu, ihne in seinem Vaterland oberkeitlich abzufordern. Seine Verwandte schmekten Feur und schafften ihn drei Tag nach seiner Ankunft wieder aus dem Land, er kehrte wieder in die Pfalz zu seiner Frau und Kindern und stirbt einige Jahre hernachen alldorten in seiner Würde als Scholarcha. Allso ist mir die ganze Historie erzählt worden. O wie sind die Verhängnisse Gottes so wunderbar und wie ist die Langmuth Gottes so groß, die Gefäße des Zorns zu ertragen. Wer hat des Herrn Sinn erkannt oder wer ist sein Rathgeb gewesen? O wie lang wartet die göttliche Langmuth auf der sündlich verkehrten Menschen-Kindern Buß und gestattet ihnen noch Zeit dazu, wie manche züchtiget er noch hie in Zeit, damit sie zur Buß getrieben werden? Wie manchen erweiset er alles Guts, damit sie seine Gerichte zur Buße leite? Wie manche läßt er auch in ihrer Sicherheit wie die Schlacht-Schaaf dahin laufen bis an ihr End, damit sie zum Gericht aufbehalten werden, zu empfangen, was ihrer Thaten werth ist. Wie unbegreiflich sind Gottes Wege und wie unerforschlich sind seine Gericht. Rom. Cap. 11.“