Dr Hàns ìm Schnokeloch

Dr Hàns ìm Schnokeloch hàt àlles wàs er wìll,
Un wàs er hàt, dàs wìll er nìt,
Un wàs er wìll, dàs hàt er nìt,
Dr Hàns ìm Schnokeloch hàt àlles wàs er wìll.

Dr Hàns ìm Schnokeloch sajt àlles wàs er wìll,
Un wàs er sajt, dàs dankt er nìt,
Un wàs er dankt, dàs sajt er nìt,
Dr Hàns ìm Schnokeloch sajt àlles wàs er wìll.

Dr Hàns ìm Schnokeloch kàt àlles wàs er wìll,
Un wàs er kàt, dàs màcht er nìt,
Un wàs er màcht, gerot ìm nìt,
Dr Hàns ìm Schnokeloch kàt àlles wàs er wìll.

Dr Hàns ìm Schnokeloch düet àlles wàs er wìll,
Un wàs er düet, dàs soll er nìt,
Un wàs er soll, dàs düet er nìt,
Dr Hàns ìm Schnokeloch düet àlles wàs er wìll.

Dr Hàns ìm Schnokeloch geht àhna wo er wìll,
Un wo er ìsch, do blibt er nìt,
Un wo er blibt, do gfàllt`s ìhm nìt,
Dr Hàns ìm Schnokeloch geht àhna wo er wìll.

Dr Hàns ìm Schnokeloch, dar hàt vum Lawe gnüe,
Un lawe, sait er, kànn ì nìt,
Un starwe, sait er, wìll ì nìt,
Ar hopst üs em Fanschter nüs un kunnt ins Nàrrehüs.

Was Waltzing Matilda den Australiern ist Hans im Schnokeloch (hier in einer zweisprachigen Version von Le Stammtisch des Bredelers) den Elsässern: inoffizielle Nationalhymne. Und ähnlich dem Badnerlied, das immer weiter fortgeschrieben bzw variiert wird, existieren auch für den Hans verschiedenste Strofen. Die obige Version haben wir der alemannischen Wikipedia entnommen.
Dialektschreibweisen variieren naturgemäß: nicht nur lassen sich die alemannischen und westfränkischen Sprechweisen mit unserem Zeichensystem kaum lautgenau abbilden, die jeweiligen Sprechweisen selbst unterscheiden sich in vielen Feinheiten: einheitliche “reine” Dialekte dürften kaum existieren, nicht nur von Dorf zu Dorf, schon von Familie zu Familie finden sich im Südwesten verschieden nuancierte Sprechweisen, in denen sich nicht selten benachbarte Dialekte im Wortsinne verheiratet haben.
Das Lied vom Hans im Schnokeloch (Schnokeloch bedeutet am Oberrheinlauf einen vermaledeiten Brutplatz für Stechmücken) erinnert frappant an ein deutlich später und weiter rheinab entstandenes Lied erklecklicher Tragweite, Paul ist tot, von den Fehlfarben. Darin heißt es u.a.: “Was ich haben will das krieg` ich nicht / Und was ich kriegen kann, das gefällt mir nicht”.

Fehlfarben: Rhein in Flammen

“Die Plakate am Zaun sagen die Zeit bleibt stehn
Die Mahnungen zu Haus das Gegenteil
Musik will niemand mehr hören, nur noch sehn
15 Minuten sind schnell vorbei”

Amerikanische Bands entdecken neuerdings den Rhein, indem sie seine Wellen ein paar Jährchen nach der Hauptromantik zu Neofolk genannten musikalischen Hippiemoden verklären. Rheinische Bands hingegen kennen den Rhein schon etwas länger und haben ihm sein Hippietum im Rahmen von Punk und Elektro mit Schmackes ausgetrieben. Eine der innovativsten rheinischen Bands war zu Beginn der 80er Jahre Fehlfarben aus Düsseldorf, deren “Monarchie und Alltag”-Album (1980) neue Maßstäbe für deutschsprachige Popalben setzte. “Wir sind die Türken von morgen” heißt es dort verwirrend hellsichtig und verstörend nostalgisch: “Es liegt ein Grauschleier über der Stadt, den meine Mutter noch nicht weggewaschen hat”. Die Fehlfarben gibt es bis heute, auf dem Album mit dem großartigen Schröderära-Titel “Knietief im Dispo” (2002) hört man die Band sich selbst zitieren, wofür sie nichtmal eine Extraportion Ironie benötigt, allwo rotzig vorgetragene Mehrdeutigkeit seit jeher als Stärke der seinerzeit im Ratinger Hof gezüchteten Truppe gilt. Im Lied “Rhein in Flammen” variiert Sänger Peter Hein den Tod der Menschheit über die Gesundheitsaspekte des Euros und der unter Düsseldorfer Dealern grassierenden Angewohnheit, ihre Geschäfte in die Straßenbahn zu verlegen.