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	<title>rheinsein &#187; Europa</title>
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	<description>stan lafleur schlafwandelt durch die rheinische sferiferie</description>
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		<title>Vignetten</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Jul 2010 12:22:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;(&#8230;) Nataly pflegt eine tiefe seelische und körperliche Beziehung zum Rheinland, seinem Verfall, den Gerüchen, die dieser Landstrich bewahrt. Ihre Fahrt führt sie an den Ort der Jugend, den Erfahrungen der ersten Liebe, dem Versuch das Erleben des anderen zu integrieren, die Zurückweisungen, die sie sich ein Leben lang gemerkt hat.
Flickermaschine. Dem Reiz des Zwielichts [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;(&#8230;) Nataly pflegt eine tiefe seelische und körperliche Beziehung zum Rheinland, seinem Verfall, den Gerüchen, die dieser Landstrich bewahrt. Ihre Fahrt führt sie an den Ort der Jugend, den Erfahrungen der ersten Liebe, dem Versuch das Erleben des anderen zu integrieren, die Zurückweisungen, die sie sich ein Leben lang gemerkt hat.<br />
Flickermaschine. Dem Reiz des Zwielichts folgend, mit gleichmässigem Tritt in die Pedale des Fahrrads, durch leere Strassen fährt sie an dem Haus vorbei, in dem sie ihre Kindheit verbracht hat. Der verwilderte Garten umschliesst das Gelände. Emporragende Bäume umstehen die zur Giebelseite sich öffnende Rasenfläche. Zwischen Farne, Schachtelhalme und Buschwerk zieht sich ein versteckter Pfad. Der im Winter abgestorbene Wacholder flammt rostbraun. (&#8230;)<br />
Betört von Nachtatem steigt sie ab. Legt geflissentlich ihr Fahrrad in das nasse Ufergras. Die Aluminiumfelgen spiegeln das Mondlicht gegen die glatt geschliffenen Steine. Während Nataly genüsslich den Rauch einer Zigarette einsaugt, lässt sie die Bewegungen des Tages ausklingen. Blickt dem Strom nach, der seinen Lauf nimmt. Der Fluss tut seine Pflicht, er fliesst immer in eine Richtung und trennt die Ufer. Einerseits befördert er die Menschen, andererseits separiert er sie. Nataly betrachtet das Schwemmland, die sandigen und die bewaldeten Ufer, die von russigen Industrieanlagen gesäumt sind, hört die Schiffe mit den tuckernden Dieselmotoren. Hier wie dort erreicht der Schwimmer sein Ziel auch bei günstiger Strömung nicht ohne eigenes Zutun.<br />
Unstillbare Sehnsucht. Nataly fühlt ein Fernweh&#8230; das Reisen auf dem Wasser ist für sie stets ein mythischer Akt, gleichsam ein Bewusstseinsstrom. Die Natur, der Fluss, das Meer, all das bedeutet für Nataly in gleichem Masse Freiheit wie Auflösung. (&#8230;)<br />
Nataly beschwört die Kosmogonien des Kontinents, aus denen das alte Europa heraufsteigt. Unter der Oberfläche liegen Vergangenheiten begraben, Geschichte im buchstäblichen Sinn. Sie senkt ein Echolot in die Kulturgeschichte. (&#8230;)<br />
Die Anfänge dieser Besiedlung liegen im Dunkel der Vorgeschichte. Wahrscheinlich begann die Geschichte dieser Spezies, bevor die Erde existierte. Mutmasslich sind die Bewohner des Rheinlands Emigranten aus anderen Galaxien, ihnen ist nichts Menschliches fremd, aber auch nichts Unmenschliches. (&#8230;)&#8221;</p>
<p>Auf der Rheinsein-Lesung in Neuss drückte A.J. Weigoni mir seine Novelle &#8220;Vignetten&#8221;, aus der die obigen Zitate (hier ausschließlich Stellen mit direktem Rhein/land-Bezug) stammen, in die Hand. Darin geht es um relativ viel auf einen Schlag, das sich zu nährstoffsattem Text verdickt, in Absätze gespalten, die je für sich kleine Welten öffnen/konstituieren, die wiederum vom Erzählpräsens beschleunigt auf ihrem Weg durchs sie verbindende Textnetz preschen. Weigoni selbst nennt die Vignetten unter anderem eine Langzeitbeobachtung intermedialer Wechselwirkungen: der Text unterlag von seinen Anfängen bis zur Publikation rund dreißigjähriger Knetung. Ich finde formal und vom Vokabular viel Achtzigerindieneunzigerlappendes darin, wie es für Düsseldorf (wo der Text vermutlich entstand) in jener Zeit spezifisch gewesen sein mag, eine persönliche Empfindung, sicherlich weil ich es in/seit meinen Ddorfer Anfängen ähnlich gehalten habe: eine Mischung aus u.a. Akademismen, kleiner Form, Punk und Poststrukturalem (hier mit 1a Wortschätzchen wie &#8220;Moof&#8221; oder &#8220;alte Knortze&#8221;). Der Text atmet, der Rhythmus bleibt stets spürbar unter den Worten, bisweilen unter- bzw. überspült er auch seine eigenen Bedeutungsketten, ich habe den Text jedenfalls zu hohen Anteilen von seiner Rhythmik erfaßt. Es geht desweiteren um einen Abgleich des Rheinischen mit etwa Nilistischem. Und Nataly schließlich ist eine Figur, der mehrfach im Leben persönlich begegnet zu sein mich dünkt.</p>
<p>»Vignetten«,  Novelle von A.J. Weigoni, Edition Das Labor, Mülheim 2009 – Limitierte  und handsignierte Ausgabe als Hardcover</p>
<p><a href="http://www.hoerspielprojekt.de/MetaPhone/" target="_blank"> Eine Hörprobe der »Vignetten«</a> (Begriffssuche nach &#8220;Vignetten&#8221; führt zu Hörausschnitten aus den beiden Kapiteln &#8220;Mäander&#8221; und &#8220;Uräus&#8221;)</p>
<p>Ausführlichere Informationen zum Text <a href="http://www.buecher-wiki.de/index.php/BuecherWiki/Vignetten" target="_blank">finden sich in der Bücherwiki</a>.</p>
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		<title>Von den fliessenden wässern Teütsches lands.</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Jun 2010 22:21:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>ES ist kein land in dem gantzen Europa / darin man so vil vnd so gros wässer findt als in Germania oder Teütschland. Under denen ist das erst vn das gröst die Tonaw / die im Schwabeland oder im Schwartzwald im dorff Doneschingen entspringt / vnnd laufft gegen Orient in das Pontisch möre / vnd schöpfft in sich sechtzig andere große vn schiffreiche wässer / ehe sie in das mör lanfft. Die alten nennen den berg darauß sie entspringt Abnobam / wie wol mer dan auff ein halbe meyl kein berg bey jrem vrsprug ist / sunder sie quelt mit einem grossen fluß auß einem bühel / der über zwo oder drey closster hoch nit ist / wie jch das eigentliche vnd wol besehen hab / vnd ein besunder tafel darüber gemacht. Es ist bey den alten gelerten männern ein gros begird gewesen den vrsprung dises wassers zu sehen / darumb auch ettlich von Rom härauß zogen / domit sie gesehen möchten seinen vrsprüngliche brunnen. Wir lesen auch von Tiberio / do er ein mal komme was zu dem Bodensee / nam er für sich ein tagreiß zu besichtigen den anfang der Tonaw.<br />
Das ander groß wasser ist der Rhein / vnnd der entspringt hinder Chur im höchsten Schweytzer gebirg / Strabo nent den selbigen berg Adulam / vnd hat der Rhein daselbst zwen vrsprüng / vnd werden auch beide der Rhein genant / lauffen zusammen ein Teütsch meil ob Chur. Einer heißt der vorder vn der ander der hinder Rhein. Von vrsprung des vordern Rheins ist es ongeferlich drei stund fußgangs biß an vrsprung des Rhodans rechter distantz vnd nit weiter / wo es vor den obersten bergspitzen der richte nach zu wandlen möglich were. Do entzwischen in gerader lini ligt der berg Gotthart / vor zeite Sume Alpes / das ist das höchst Alp gebirg genant / darin entspringt Ticinus / laufft gegen mittag in Italiam. An der gegen seite die Rüß / laufft durch Vry in Lucerner see / vnd darauß gegen mitternacht in Rhein. Aber der obgenant Rhodan laufft anfangs gegen vndergag / vnd der vorder Rhein von seinem vrsprug biß ghen Chur gegen auffgang. Vnd also geben dies flüß alle vier bey jrem vrsprung auß fliessende / ein creütz / deß halb nit onbillich die höhe des gebirgs doselbst / Summe alpes genant werden. Der Rhein laufft anfangs biß ghen Chur / demnach wendt er sich gegen mitnacht / vn macht zwen grosse seen / der erst heißt der Brigantzer oder Costentzer oder Bodensee. Etlich meinen das er vorzeite Lemannus hab geheissen / aber mögen das nit gnügsam probieren. Diser see geüßt wider auß jm bey der statt Costentz den Rhein / vn nit fern von der statt theilt sich der Rhein in ein andern see / den die alten haben genent lacum Venetum / aber ietzundt nent man jn den Undersee oder den Cellersee / vnd do krümpt sich der Rhein gegen vndergang / vnd behalt auch den lauff biß ghen Basel / do kert er sich gegen mitnacht / etc. Das dritt wasser ist der Necker vn des vrsprung ist nit über drey oder vier stund fußgangs von dem anfang der Tonaw. Er wirt auch zimlich gros / ehe er in den Rhein kompt / durch andere vil wässer / die allenthalben von dem Schwartzwald daryn rinen / vnder wölchen die fürnempste seind die Entzg / die von Pfortzen härab kompt / der Cochar vnd die Jagt / die von Elbangen durch Schwaben vnd durch den Otenwald fliessen / vnd bey Wimpffen in Necker fallen. Das vierd schiffreich wasser ist der Mayn / der hinder Bamberg in Voitland entspringt / vnd darnach mit grossen krümmen durch das Francken land dem Rhein zu laufft. Das fünfft ist Amasus die Emß / die druch Frießland laufft / die Weser / die aus Hessen läd durch Brunschweigerland dem mör zu laufft. Das siebend ist Albis die Elb / von die kompt auß Behmer land und laufft durch Meyßen und Sachsen dem mör zu. Das acht Suenus / die Spre. Das neündt Viadus / die Oder. Das zehend Vistula  die Wixel. Vnd über dem Rhein Obrinca / das ist die Mosel. On dise schiffreiche wässer / seind sunst onzelich andere wässer im Teütsch land / die jre beywonern nit zu kleinem nutz dienen / als die Nahe bey Creütznach / die Brüsch vnd Jll zu Sraßburg / die Murg in der Marggraueschafft / die Kintzig zu Offenburg / die Ar / die Limmat / vnd Rüsch im Schweytzerland / der Lech bey Augspurg / der vor zeiten die Baiern hat gescheiden von den Alemannern / die Vindelici hiessen. Die Jser bey München vnd Landshut / der Jn von Jnspruck gegen Passaw / item Anisus der Ens / der vor zeiten die Hunen hat gescheide von den Baiern. Gang jch über die Thonaw in das Mortgöw zu dem Fichtelberg / so find ich ein gantzen hauffen wasser die daraus fliessen vn do sein vrsprung nemen / als nemlich die Nab / die Sal / der Eger / vnd die Pegnitz.</p>
<p>(Soweit Sebastian Münster in seiner Cosmographia, hier zitiert nach der Ausgabe von 1550. Die Cosmographia liegt nun digitalisiert vor, in zwei deutschen (davon der hier zitierten, recht lesefreundlichen, der Uni Köln) und einer lateinischen Version.)</p>
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		<title>Japanische Rheinbetrachtungen (2)</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Jun 2010 20:32:11 +0000</pubDate>
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1) Der japanische Rhein: immerhin, die Japaner haben ihren eigenen: den Kiso-Fluß, auch als Nihon Rhine bekannt, aufgrund vorgeblicher Ähnlichkeiten mit dem Bezugsfluß wie etwa „wilder Schönheit“. Die gängigen europäischen Wikipedien zumindest klären dies in knappen Artikeln auf, der japanische Artikel ist da schon [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Zuge der Recherchen nach japanischen Rheinsichtweisen: bisher nix als spiegelverkehrte Nebenzweige:</p>
<p>1) Der japanische Rhein: immerhin, die Japaner haben ihren eigenen: den Kiso-Fluß, auch als Nihon Rhine bekannt, aufgrund vorgeblicher Ähnlichkeiten mit dem Bezugsfluß wie etwa „wilder Schönheit“. Die gängigen europäischen Wikipedien zumindest klären dies in knappen Artikeln auf, der japanische Artikel ist da schon deutlich umfangreicher und zeigt einige Bilder, die tatsächlich weitreichende Rheinähnlichkeiten belegen.</p>
<p>2) Maschineller Tourismus: „Annäherung an die Loreley, der Lautsprecher des Bootes begann sein Lied, und alle verteilt, die Japaner. Einmal das berühmte Lied summte, schwankend von rechts nach links traurig. Und dann sind wir aufgewacht, etwas auf dem berühmten Felsen der 132 Meter zu sehen. Doch all diese Tricks sind nutzlos. Auf den Felsen gibt es nichts zu sehen. Die Touristen sind enttäuscht. Jedes Mal, wenn. Aber, was ist die Loreley?“</p>
<p>3) Maschineller Tourismus, weitere Quelle: „Wir bestiegen ein Boot Ruddesheim, an den Ufern des Rheins. Wir zogen nach freien Stellen suchen. Viele japanische Touristen, meist bewaffnet mit ihren Kameras, Kamera, Adressbuch, Kugelschreiber und so. Diese charmanten sprechenden Touristen kommen direkt aus Japan. Wer verrückt ist, glauben wir, dass diese Liebe erwidert wird. Vroom, Vroom! Das Boot beginnt! Beobachten Sie Ihre Kameras. Wie Sie die Berge sehen können auf die Bilder sind meist in Burgen und Weinbergen. Vor Ort gab es eine gute Atmosphäre, Sonne und Wind. Wir passierten den Felsen der Loreley, dann lesen wir das berühmte Gedicht von Heine in deutscher Sprache. Es war eine schöne Kreuzfahrt und wir lachten.“</p>
<p>Bedingt fortsetzungsfähig. Hallo Japaner! Schickt mir doch bitte Eure Rheineindrücke aus erster Hand!</p>
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		<title>Rheineck</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Apr 2010 21:43:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Autobahn ist grausam. Ihr den Sonntag zudröhnender Sound aber beileibe kein Alleinstellungsmerkmal des an sich recht hübschen Städtchens, dem der Rhein ein wenig entrückt ist (wie etwa auch Xanten oder Zons, die aber jeweils zwei Windmühlen besitzen). Dafür besitzt Rheineck heute die höchstgelegene Schifffahrtsanlegestelle (am Rhein? Europas? egal &#8211; diese aus Mangel an Gespür für wirklich Vorzeigbares annoncierten Rekorde ennuieren doch eigentlich sehr: „stellt euch vor, ich hab die am höchsten gelegene Schifffahrtsanlegestelle der Schweiz gesehen“). Die Rheinecker Fischmeile besteht aus ins Trottoir eingelassenen Messingfischen, welche, Ruhm kennt viele Formen, Namen um Rheineck bemühter Rheinecker Persönlichkeiten bieten: darunter mit Julia Lang, William Wolfensberger und Willy Bieger drei in doppeltem Wortsinn verschiedene KollegInnen, die wahlweise mit Dichter/in oder Poet bezeichnet von ihren Bodenplatten grüßen. Über Hügel und in gedehntere Hinterhoflandschaften, sowie hübsche Stiegen hinauf/hinab streckt sich das eigentliche, vom Verkehrslärm erlegte Idyll: am evangelischen Gemeindehaus prangt als Relief die Szene vom Gang der Apostel zu den Huren. Sehr schweizerisch (trotz Anleihe bei spanischer Zeichensetzung) die Wortwahl eines den Stadtpark überprangenden Gebotsschildes in signalroten Lettern auf Unschuldsweiß: !Pflicht zur Kotaufnahme! Ein nicht näher bezeichnetes Stadtbächlein plätschert unterdessen kanalisiert dem Rhein entgegen. „Frauen leben anders, Frauen altern anders“ möchte ein aktuelles Frauenzmorgä ganz offenbar einiger Andersartigkeit Freiraum bieten. (Drei Sympathiepunkte.) Auch die Blumenbeete des Örtleins wirken sehr einladend, die Zahl der Weinbergschnecken ist Legion. Wenn nur nicht die Autobahn so grausam wär. Und einige Fassadeninschriften so halblustig. Daß ich sie garnicht widergeben mag.</p>
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		<title>Rheinsein als Kartonbuch (5)</title>
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		<pubDate>Sun, 31 Jan 2010 22:45:36 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-1699" title="rheinsein_3_klein" src="http://rheinsein.de/wp-content/uploads/2010/01/rheinsein_3_klein.jpg" alt="rheinsein_3_klein" width="510" height="687" />London, die größte rheinische Metropole und Umschlagshafen für die Ginversorgung Zentraleuropas. Noch zentraler der höllenzugewandte Keiler, über dessen Bejagung im und Existenz am Fluß Rheinsein krude Kunde weiß.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Neue Rheinmetropole, neue Rheinlänge</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Jan 2010 08:42:45 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Das Monatsende bringt essentielle Meldungen zur rheinischen Existenz: nicht nur, daß die Länge des Rheins wegen eines Zahlendrehers bisher öffentlich meist falsch mit 1320 statt mit richtig 1230 Kilometern angegeben wird, wie der Kölner Biologie-Professor Bruno Kremer laut gestrigen Zeitungsmeldungen per eigenen Vermessungen herausgefunden haben will, nein, es existiert sogar recht unvermittelt eine neue Rheinmetropole, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Monatsende bringt essentielle Meldungen zur rheinischen Existenz: nicht nur, daß die Länge des Rheins wegen eines Zahlendrehers bisher öffentlich meist falsch mit 1320 statt mit richtig 1230 Kilometern angegeben wird, wie der Kölner Biologie-Professor Bruno Kremer laut gestrigen Zeitungsmeldungen per eigenen Vermessungen herausgefunden haben will, nein, es existiert sogar recht unvermittelt eine neue Rheinmetropole, wenn auch zunächst nur für einen Monat, wie der folgenden Ankündigung (merci erneut an Roland Bergère) entnommen werden kann:</p>
<p>Ecole Regionale des Beaux-Arts in Besançon: Copacabana doesn&#8217;t exist! About the existence of the Rhin Rhône territory</p>
<p>If there is a place where human utopia has been achieved, that place is Copacabana. It is decadence in the poetic sense. The decadence in Copacabana works as a curtain, a protection for everything which happens within. Copacabana doesn&#8217;t have a centre, nor links with golden youth… It is a sort of oasis for all kinds of… Copacabana is wonderful. It is a wonderful town. Copacabana doesn&#8217;t exist!</p>
<p>This exhibition is the result of work carried out in a workshop of research at the ERBA. It was initiated by Philippe Terrier-Hermann and carried out jointly by students and two artists in residence, Ariane Bosshard, graphic artist, and Maxime Brygo, photographer. The question of creating a Rhône-Rhine agglomeration, utopian conurbation of two million inhabitants, stretching in an arc from Le Creusot to Bâle, including especially Dijon, Besançon and Mulhouse, has been the driving force of this workshop based on the question of how the territory can be represented.  Indeed, isn&#8217;t this territory for now a mere mental representation? Will not this new entity measuring more than 300 Km in length, with an efficient high speed train network as backbone, exist only for an elite or a limited circle of informed civil servants and elected officials? Does the development scheme take into account all the essential aspirations of the inhabitants in all their diversity? Is grouping of competences in order to establish centres of excellence to exist on an international level compatible with the necessity to preserve social benefits and access to culture. Where are the centre and the boundaries of an agglomeration? How do we represent a new metropolis made up of diverse cities, each having their own specific identity, equally historically as mythically? We have tried to reply to these questions both together and individually and present our diverse research here. Maxime Brygo, in his photographic work attempting to represent this agglomeration has searched for images meaningfully illustrating history and symbols. He questions the subject of identification with a territory, its history and its potential monuments. Two notes, one official, the other descriptive are given to each of these pictures. In this way, Maxime Brygo offers us the chance to dare to assume the position of judge between the image and its potential interpretations; he leaves the images to float in an undefined status. With this body of work, Maxime Brygo asserts that this territory exists in its capacity to link these stories and their representations. As an accompaniment to this research, Ariane Bosshard has reflected on the traceability of this mental territory and on the good way of realizing a book about such a myth. So, she has conceived a black book, a book to elaborate mentally only from what is given to us: the oral description of the pictures. Thus she also plays with the zones of mental construction existing between words and images.</p>
<p>Artists&#8217; representation of a territory stimulates possibilities and their perception of these possibilities is potentially utopian. Though attempting to activate a deliberately real territory, artists, through their visions have potentialities for turning them into Utopia (Nicolas Moulin, Bernard Voïta, Edwin Zwakman…). Either by the use of shifting, altering shapes, framing, darkening, … or any odd vision, the works shown here transform our perception of the world and lead us to look at it in another way. Gabor Osz shows a photograph of a beach, normally a place for leisure, in a warlike vision, having converted a bunker into a camera obscura. The virgin Namibian landscape by Balthasar Burkhard offers possibilities. David Renaud and Philippe Terrier-Hermann present maps which, though realistic, are made unusual by their own point of views. Ayako Yoshimura depicts a new territory, between utopia and heterotopy : a hyper megalopolis combining Tokyo, Shanghai, São Paulo, Chicago, New York and Yokohama; Marie-José Burki presents a scan of the Genevan suburbs. A manure heap by Philippe Gronon plays as a counterpoint to three cliché-like landscape paintings by Lisa Milroy. Sébastian Diaz-Morales&#8217; movie takes us into unknown and unidentified areas, though real. Simon Faithfull&#8217;s video showing an abandoned fishing station in the Falkland Islands inhabited again by the native population as well as Neal Beggs&#8217; performance about appropriating public spaces suggest an opportunity for hope. Delphine Bedel has travelled the mythical Route 66 from Chicago to Los Angeles, Gérard Collin-Thiébaud has wandered through Corsica and Valérie Jouve has approached Munster by river, rail and road. With &#8216;Celebration&#8217;, Quirine Racké and Helena Muskens present a town built in 1996 by Disney, which is how a capitalistic firm has seized the concept of Utopia…</p>
<p>Innovation may bring some practical applications contributing to activate some concepts of utopia in its desire of a better &#8216;living together&#8217; but it ought to be done in respect of community ideals specific to its genesis. Should utopia be applied thanks to innovations only available for an elite, it would result again in a dead end, in the same way as the one which led to the dismantling of the housing schemes buildings of the 60&#8217;s and 70&#8217;s.</p>
<p>Putting in place utopias based on innovation should benefit to everybody, far from the law-and-order drifts of gated communities or other barrio cerrados. These walled residential areas started in the USA, are developing from Buenos Aires to Cape Town and show a worrying rise in Europe. This fantasized Rhine-Rhône metropolis, in which it would take 20 minutes for a Besançon resident to attend an opera in Dijon or for a Belfort inhabitant to be in Mulhouse thanks to high speed trains is surely a pleasing idea, but on the condition that access to the trains should not be challenged by an elitist commercial policy which would again result in a new failure for Utopia. At least, this is the message which seems to be expressed by the artists and their &#8216;territorial&#8217; visions!</p>
<p>«Today, the world is too dangerous for anything less than utopia» Richard Buckminster Fuller</p>
<p>Opening: Jan 28th from 8pm to midnight<br />
From 28th January to 26th February 2010:  Open from Monday to Friday from 2pm to 7pm (closed from 6th to 23rd February)</p>
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		<title>De Rynstroom</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Jan 2010 13:12:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<description><![CDATA[aen Johan Wolphard, Heer te Brederode, Vryheer te Vianen.
Doorluchte Rijn, mijn soete droom,
Van waer sal ick u lof toesingen?
Mijn treckende geboortestroom
Ghy koomt uit Zwitsersche Alpes springen,
Als hoofdaêr der begaefde Euroop.
De Donau, uw afkeerigh broeder,
Nam oostwaert op syn` snellen loop,
Ghy Noordwaert; doen een selve moeder,
Begort van regen, ys en sneeuw,
U baerde voor soo menige eeuw.
Germanjen lagh [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>aen Johan Wolphard, Heer te Brederode, Vryheer te Vianen.</p>
<p>Doorluchte Rijn, mijn soete droom,<br />
Van waer sal ick u lof toesingen?<br />
Mijn treckende geboortestroom<br />
Ghy koomt uit Zwitsersche Alpes springen,<br />
Als hoofdaêr der begaefde Euroop.<br />
De Donau, uw afkeerigh broeder,<br />
Nam oostwaert op syn` snellen loop,<br />
Ghy Noordwaert; doen een selve moeder,<br />
Begort van regen, ys en sneeuw,<br />
U baerde voor soo menige eeuw.</p>
<p>Germanjen lagh noch wild begroeit<br />
Van syn Hyrcynsche wilde wouden,<br />
Tot dat het namaels werd besnoeit,<br />
En door de tucht in toom gehouden.<br />
Ten leste dorst ghy, strijdbre Rijn,<br />
Den Tiber op syn feest bestoken;<br />
Die voor u neegh, doen Constantijn,<br />
Van uwen oever opgebroken,<br />
Ging strijcken met den ouden roof<br />
Van Rome en `t Heidensch bygeloof.</p>
<p>Ghy naemt het juck van Christus aen,<br />
Men hoorde uw vrolijcke oevers schatren,<br />
En scheent de heilige Jordaen<br />
Te tarten met gedoopte watren.<br />
Het Christen kruis en viel uw` rugh<br />
Soo swaer niet, als weleer te draegen<br />
Den last van Cesars legerbrugh,<br />
En Drusus, die u dede klaegen<br />
Om vijftigh sloten, swaer van steen,<br />
Gebouwt langs uwe kanten heen.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Iso Camartin</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Dec 2009 13:25:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Europa]]></category>
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		<description><![CDATA[Bin ich Europäer? fragt sich der als Rätoromane zumindest sprachlich, aber auch (ab)flußtechnisch mit den besten Voraussetzungen fürs Europäat aufgewachsene Iso Camartin in seinem gleichnamigen Essay-Band, untertitelt: eine Tauglichkeitsprüfung, und wählt, „natürlich“ bin ich geneigt zu unterstellen, den Rhein zum Motiv, von dessen Klängen er beginnt, genauer von den Zuflüssen, den reins, des Vorderrheins, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bin ich Europäer? fragt sich der als Rätoromane zumindest sprachlich, aber auch (ab)flußtechnisch mit den besten Voraussetzungen fürs Europäat aufgewachsene Iso Camartin in seinem gleichnamigen Essay-Band, untertitelt: eine Tauglichkeitsprüfung, und wählt, „natürlich“ bin ich geneigt zu unterstellen, den Rhein zum Motiv, von dessen Klängen er beginnt, genauer von den Zuflüssen, den reins, des Vorderrheins, die in seiner Erinnerung je ihren eigenen Klang besessen hätten (was ich ihm stante pede abnehme) und fügt eine sprechende Anekdote an: „An der Rheinquelle im Tomasee traf man ab und zu Holländer, die nahe an einer der Rheinmündungen in die Nordsee wohnten. Ich erinnere mich, daß ein Holländer einen Freudentanz über dem kleinen Rinnsal vollführte, das den Tomasee verläßt. Er konnte nicht aufhören, von einem Bein aufs andere hüpfend, fassungslos auszurufen: „Das ist der Rhein! Das ist der Rhein!“ Als er sich wieder beruhigt hatte, hörte ich zum ersten Mal das weiche Gleitgeräusch, mit dem das Wasser sich vorsichtig auf die Wanderschaft macht (&#8230;). Es ist zunächst ein wunderbar leises Fließen, das nur durch kleine Unebenheiten im schmalen Bett etwas lauter wird. Bis das Gelände steiler abzufallen beginnt und die Stimme des Baches laut wird.“ Der Tavetscherrhein birgt, kurz vor seinem Zusammenfluß mit dem Medelserrhein, einer Stelle, die bereits von Römern, Karolingern, Staufern, Sarazenen etc passiert wurde, Geisterstimmen und Geschichten aus den menschlichen Zeiten der alten Welt. Als dritten Ort nennt Camartin den Zusammenfluß bei Reichenau: „Es ist eine stille Vereinigung, die da vor sich geht (&#8230;). Nur entdeckt man jetzt, daß etwas Mächtiges entsteht. Das Wasser hat durch diese Verbindung geheimnisvoll an Tiefe gewonnen. Nixen und Wasserfrauen kann man sich oberhalb von Reichenau im Rhein eigentlich nicht vorstellen. Das Wasser ist zu transparent dafür, das Flußbett zuwenig tief für Geheimnisse. Hier aber beginnt sie: die ganz neue Dimension eines Stromes, mit den rätselhaft lockenden Wesen, die ihn bewohnen.  (&#8230;) Die Loreley läßt grüßen.“ Hier bin ich geneigt zu widersprechen: zwar fließen beide Rheine tatsächlich mit beinahe beängstigender Ruhe, gleichsam als Symbol für Einigkeit und Friede, für beider Machbarkeit, ineinander, doch die Geräuschkulisse wird deutlich beherrscht vom Straßen- und Schienenverkehr, intervallartig gar so sehr, daß mitten aus dem Zusammenfluß beizeiten virtuelle Schrottskulpturen wild eintauchender Autos und Eisenbahnwaggons aufragen, um wieder in Licht und unterschwellige Stille zu verfallen. Und schwer erklärbare Wasserwesen habe ich in den Rheinen oberhalb Reichenau mit eigenen Augen gesehen, mit eigenen Händen berührt.    </p>
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		<title>Liechtenstein (3)</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Nov 2009 16:03:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Vandalismus hat Einzug gehalten im Liechtenstein der neuen, am (dreimal laut: haha!) sauberen (i.e. z.B. auch Köln beinhaltenden) Europa orientierten Ära. Molotowcocktails auf Wohnhäuser, eingeworfene Scheiben im unschuldigen Landesmuseum, zerstörte „Beleuchtungskörper“ der „Freizeitanlage“ in Mauren. So berichten beide Liechtensteiner Tageszeitungen „Volksblatt“ und „Vaterland“ ihrer Klientel über ein jahrzehntelang ungekanntes Horrorwochenende. Auf der Suche nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Vandalismus hat Einzug gehalten im Liechtenstein der neuen, am (dreimal laut: haha!) sauberen (i.e. z.B. auch Köln beinhaltenden) Europa orientierten Ära. Molotowcocktails auf Wohnhäuser, eingeworfene Scheiben im unschuldigen Landesmuseum, zerstörte „Beleuchtungskörper“ der „Freizeitanlage“ in Mauren. So berichten beide Liechtensteiner Tageszeitungen „Volksblatt“ und „Vaterland“ ihrer Klientel über ein jahrzehntelang ungekanntes Horrorwochenende. Auf der Suche nach dem Liechtensteiner Ghetto fotografiere ich eine grasende Kuh vor zehngeschossigem Wohnhochbau, direkt am von ohrenschutztauben Laubbläsern gerockten Hang zwischen Vaduz und Triesen; darüber, im Dampfbad, die glitschigen Berge. Zentrale Straßen schreiben sich fort als peristaltische Reihung aus Bauernhöfen, Banken, Tanken, Gewerbe, Wohnhaus und Table Dance Bar, zwischen Landtag und Rathaus passen noch ein Souvenirshop (mit im fernen Ausland hergestellter, vorgeblicher Alpenware), ein Markenjuwelier und eine Pizzeria, die das Land durchziehende Hauptstraße als reißender Geldstrom, Kuhglocken und Motorrauschen, die argusbewachten Besucherparkplätze unterhalb der Stiftungen wachsen sich allmählich aus zu (noch nicht ganz) denkmalgeschützten Brachen einer soeben verwehenden Kultur. (Liechtenstein war einst=bis vor kurzem, proportional zu sich selbst gesehen, einer der größten bewachten Besucherparkplätze der Welt.) Autos verschwinden im Niesel, andere tauchen daraus auf. Ihre Geschäftigkeit hat etwas modernes, plastikbasiertes, zwischen Playmobil- und Echtwelt. Triesen beginnt entsprechend verspielt mit einem McDrive, in fosforgrünen Bussen grasen behütete Kinder der von allgemeiner Geldpotenzierung auf schnellen Reichtum verworfenen Neo-Bourgeoisie, üben heimlich das Zähnefletschen unter Aufsicht der fürstlichen Bastion. So wächst festverwurzelte bäurische Identität sich langsam aus und hinein in eine monetär bedingte Internationalität, ein geschmackvoll eingerichtetes Fake aus Weltläufigkeit innerhalb wohlstandsgedehnter Provinzialgrenzen (Dehnungen, die zuvorderst nach innen hin statt finden und erstaunliche Blasen werfen, doch:) begrenzt sind alle Ewigkeiten, so schließlich auch die Fassungslosigkeit. </p>
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		<title>Rheintraum</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Aug 2009 10:36:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
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		<description><![CDATA[„ich habe den fluß nun seit jahren nicht mehr gesehen &#038; kann dazu nur sagen: was solls! in meiner erinnerung war er, wenn es überhaupt dazu kam, stets kaum mehr als eine energiearme linie, im grunde nichts weiter als ein halb vergrabener, halb gesteinigter, gelblicher strich, der a &#038; b verbindet, &#038; diese punkte a [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„ich habe den fluß nun seit jahren nicht mehr gesehen &#038; kann dazu nur sagen: was solls! in meiner erinnerung war er, wenn es überhaupt dazu kam, stets kaum mehr als eine energiearme linie, im grunde nichts weiter als ein halb vergrabener, halb gesteinigter, gelblicher strich, der a &#038; b verbindet, &#038; diese punkte a &#038; b sehr vage koordinaten, von keinerlei interesse sozusagen, stellen sie sich vor: eine gesichtslose stadt am rhein &#038; noch eine gesichtslose stadt am rhein, bevölkert von lauter wimmelnden lichtlein, die ihrem korrumpierten alltag nachgehen, ein bewegtes diagramm sozusagen, die leute tun willenlos ihre jobs, sie dreschen den tag in seine einzelstücke, sekundenspäne, angefüllt mit ihren tätigkeiten, deren sinn sie nicht verstehen &#038; in ihrer freizeit rennen sie an den fluß &#038; sagen: der ist aber schön! es reicht, wenn die leute soviel unter heimat verstehen &#8211; &#038; nicht mehr &#8211; daß sie manipulierbar bleiben. (&#8230;) ich hatte in dieser zeit einen traum (einen einzigen &#8211; in jahren!), der tatsächlich vom rhein handelte &#038; der rhein war so etwas wie die gelbe füllung eines schlauches, ein glattes gelbes wasserseil aus hartgummi vielleicht, das sich äußerlich nicht bewegte, nicht von selbst jedenfalls, doch im inneren dieses flußgegenstandes floß es wahrscheinlich &#038; die fließrichtungen wurden von unsichtbaren pfeilen markiert, das heißt, die pfeile waren unsichtbar, aber spürbar &#038; gleichzeitig war spürbar, daß die pfeile wahrscheinlich logen, daß sie ihre richtungen willkürlich anzeigten &#038; garnichts mit diesem schlauch zu tun hatten, in dem sie sich befanden. es kam dann wie ein schatten ein riesiger heiliger hinzu, ein mann, der für seine festen ansichten gefoltert worden war (in realität hatte ich solche bestrafungen bis dato erst wenige male mit angesehen), er war mehrere hundert jahre alt &#038; sehr groß, etwa zehnmal so groß wie der fluß. er hatte viele entsetzlich klaffende löcher im fleisch, um seine kniee &#038; ellbogen trug er nietenbänder aus eis &#038; anstatt seiner augen waren flammen zu sehen, so wie aus einem feuerzeug. überhaupt machte er einen sehr punkigen eindruck, doch was zuerst für schwarze klamotten durchging, war bei näherem betrachten seine ledrige haut. auf der haut dieses heiligen (der vermutlich jan van leiden war; ich kenne allerdings auch nicht viele andere heilige beim namen, insofern mag es sich in diesem traum wohl um eine projektion des heiligen an sich gehandelt haben), bildeten sich blasenwerfende schlammlöcher, die auch als spiegel taugten, in speckigem schwarz. gleichzeitig spürte ich einen luftzug &#038; erwachte, die flüsse meines neuen lebens waren ja die winde, die sich auf verschiedenen höhen ihre wege durch die himmel bahnten &#038; dort sehr viel mehr energie abstrahlten, wenn sie die an den galgen baumelnden bewegten, denn in der trockenen ebene lassen wir die  opfer der wechselnden gesellschaftlichen trends an gut einsehbaren punkten verfaulen. (&#8230;) ich habe später gehört, daß den rhein immer mehr senegalesen hinabtreiben, oder wie es heißt: sudanesen oder mauretanier. diese namenlosen, völlig ausgezehrten massen aus afrika, waren auf euren fernsehbildern. das heißt, sie sind jetzt gespeichert. einem toten, erinnere ich mich, habt ihr den namen „philippe“ verpaßt, um ihn symbolisch aus der masse herauszustellen, ihn dann ausgestopft für euer nationalmuseum, um euren eigenen rassismus in frage zu stellen.“</p>
<p>(aus: Rémy Demilnes &#8211; die flüge unserer jungen tage oder: die überwindung europas)</p>
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