Presserückschau (April 2017)

1
Blick in den Himmel
“Auf drei „Himmelsliegen“ bequem Platz nehmen und den Blick zum Himmel oder über den Rhein richten können Spaziergänger neuerdings am Skulpturenweg in der Schmittenau. Die im Übergangsgebiet zwischen Rhein-Camping und VfB-Platz erhöht über dem Rheinufer stehenden Liegen sind ein weiteres Teil des Projekts „Perlen an Rhein und Wutach“, mit dem das Stadtplanungsamt Punkte in den Blick der Öffentlichkeit rückt, welche die städtischen Freiräume besonders prägen.

2
Fleischschmuggel in der Tram
“Nicht nur auf die Autofahrer, die nach dem Einkauf in Weil am Rhein und Umgebung zurück in die Schweiz fahren, werfen die Grenzwächter ein besonderes Auge, sondern auch auf die Fahrgäste in der Straßenbahn auf der grenzüberschreitenden Tramlinie 8. Dies verdeutlicht Patrick Gantenbein, Informationsbeauftragter der Grenzwachtregion I in Basel (…). Ja, es ist leider so, dass (…) regelmäßig versucht wird, Waren vom Ausland an der Schweizer Grenzwache vorbei nach Basel zu bringen, ohne die entsprechende korrekte Zollabfertigung zu machen. Die Bandbreite der Schmuggler ist dabei wirklich groß. Die setzt sich zusammen aus Schweizer und in der Schweiz wohnenden Ausländern, aus Frauen und Männern aus allen sozialen Schichten und aus allen Altersgruppen. (…) Bei unseren Kontrollen ertappen wir regelmäßig Schmuggler in der Tramlinie 8. (…) Da werden schon mal mehrere Kilogramm Fleisch in einem Einkaufstrolly verstaut und versucht, diese unverzollt über die Grenze bringen. (…)” (Weiler Zeitung)

3
Deutsch-französische Tram
“Zu den Klängen der Europahymne haben die Grenzstädte Straßburg und Kehl am Rhein ihre gemeinsame Tram gestartet. Es sei heute, wo Europa in Frage gestellt wird, wichtiger denn je, starke Signale zu geben, sagte Kanzleramtsminister Peter Altmaier auf Französisch vor der Jungfernfahrt. Er betonte, dass man trotz der wegen der Flüchtlingskrise wieder eingeführten Grenzkontrollen den Grundsatz offener Grenzen verteidigen müsse.” (Südost-News)

4
Atomkatastrofenprofylaxe
“In Belgien ist es keine Frage. Dort wird bereits an einem Plan gearbeitet, Jodtabletten prophylaktisch zu verteilen. Dies ist eine Sicherheitsvorkehrung, denn die Angst vor einem nuklearen Unfall im maroden Atomkraftwerk Tihange bei Lüttich wächst. Aber nicht nur der belgischen Bevölkerung ist mulmig. Auch im deutsch-belgischen Grenzgebiet werden Katastrophenszenarien erörtert und Vorsorgepläne geschmiedet. Im Zentrum steht dabei derzeit die Verteilung von Kaliumiodidtabletten, im Volksmund schlicht Jodtabletten genannt. Alle Umland-Kreise, die Stadt Aachen, die Städteregion, die Kreise Düren, Euskirchen und Heinsberg beabsichtigen, die Tabletten schon vor einem möglichen Unfall an die Bevölkerung auszugeben.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

5
Bonner Blubbern
“Es plätschert und blubbert mitten im Rhein. Am (…) Ostersonntag war vom Rheinufer aus auf Höhe des Kameha Grand Hotels ein rätselhaftes Phänomen zu beobachten. Fast sieht es so aus, als hätte jemand den Stöpsel im Rheinbett gezogen. 8…) War etwa der weiße Beluga-Wal zurückgekehrt, der sich am 18. Mai 1966 im Rhein verirrt hatte und auf den Namen Moby Dick getauft wurde? Versteckt sich in den Tiefen des Rheinbetts etwa ein Ungeheuer, gar ein ferner Verwandter des Monsters von Loch Ness? Oder gibt es gar ein Gasleck in einer Leitung, die sich unter dem Rhein verbirgt? Des Rätsels Lösung ist glücklicherweise weitaus weniger spektakulär. Nach sorgsamer Recherche erklärt die Stadt, das “Geblubber” werde durch den Ablauf der Kläranlage Bad Godesberg verursacht.” (General-Anzeiger)

6
Schafrettung
“Die Kölner Feuerwehr ist (…) zum Rhein gerufen worden. Ein Schaf stand bis zu den Schultern im Wasser. Es kam nicht mehr allein heraus. (…) Das Schaf hing in Höhe der Westhovener Aue in den Steinen der Uferbefestigung mit einem Bein fest. Es konnte sich laut Feuerwehr nicht selbst befreien und war schwer erschöpft, als die Einsatzkräfte eintrafen. Die Feuerwehrleute retteten das Tier aus seiner misslichen Lage und umwickelten es mit Decken, damit es sich aufwärmen konnte. Der Schäfer nahm es schließlich wieder in Empfang.” (Rheinische Post)

7
Brennendes Auto
“Ein brennendes Auto ist in Köln-Merkenich (…) in den Rhein gerollt und von der Feuerwehr geborgen worden. Ein Schiffskapitän habe beobachtet, wie der Wagen am Hitdorfer Fährweg neben der Zufahrt zur Autofähre Langel ins Wasser gefallen sei (…). Der Vorfall ereignete sich (…) gegen 3.20 Uhr. (…) Das Auto sei bei der Bergung leer gewesen (…). Bei Eintreffen der Rettungskräfte sei ein weiteres Auto weggefahren.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

8
Adenauers letzter Weg
“Die meisten anderen Ereignisse am Sterbeort finden vor den Augen der Rhöndorfer statt – und finden sofort ihre Kanäle in die Weltöffentlichkeit. Vielfach wird etwa beschrieben, wie der Kölner Kardinal Frings vor der Überführung ins Palais Schaumburg am 22. April (1967; Anm.; rheinsein) am Wohnhaus eintrifft, um mit der Familie am Sarg zu beten. Ins Kanzleramt bringt den Toten die einzige Lafette, über die der Bundesgrenzschutz verfügt. Adenauer nimmt denselben Weg wie zu seiner Amtszeit als Kanzler: Königswinter, Dollendorf, mit der Fähre über den Rhein und durch Plittersdorf zum Bundeskanzleramt. Tausende Menschen säumen die Strecke. Schulklassen, Sportvereine, Bergleute stehen Spalier. Schützen bilden unter Trommelwirbel die Ehrenwache an der Einfahrt zum Palais Schaumburg, wo der Leichnam übers Wochenende aufgebahrt und in der Nacht zu Montag über die Autobahn in den Kölner Dom überführt wird. Vor dem Vierungsaltar bleibt der Sarg stehen. Zehntausende Kölner nutzen dort die Gelegenheit, von ihrem Ehrenbürger Abschied zu nehmen.” (General-Anzeiger)

9
Rheintote
“Einsatzkräfte der Feuerwehr haben (…) eine Wasserleiche aus dem Rhein geborgen. Passanten (auf der Kennedybrücke) bemerkten den leblosen Körper im Wasser. (…) Dank eines Kayakfahrers, der ebenfalls auf die Person aufmerksam geworden war und die Fundstelle markierte, konnten Löschboote aus Bonn und Niederkassel den Mann schnell an Land bringen. (…) Vermutlich (…) sei der Tote bereits längere Zeit im Rhein getrieben. Die Polizei ist nun dabei, die Identität der Wasserleiche zu klären.” (General-Anzeiger)

“Die Feuerwehr Köln hat (…) eine Person leblos aus dem Rheinauhafen geborgen worden. Trotz sofortiger Reanimation durch Rettungskräfte und Notarzt starb der Mann noch im Rettungswagen. Ein Zeuge hatte die Feuerwehr alarmiert, nachdem die Person im Wasser verschwunden war. Mehrere Löschfahrzeuge inklusive einer Tauchergruppe, das Lösch- und Rettungsboot sowie der Rettungshubschrauber waren im Einsatz. (…) Ob es sich um einen Suizid oder Leichtsinn handelt, ist nicht bekannt.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Eine Leiche ist (…)aus dem Rhein bei Geiswasser (Höhe Niederrimsingen) geborgen worden. Dabei handelt es sich nach Angaben der deutschen Polizei mit großer Wahrscheinlichkeit um den vermissten 36-jährigen Gleitschirmflieger aus Freiburg. Taucher der französischen Polizei haben eine männliche Person vier Kilometer nördlich von Geiswasser auf französischem Hoheitsgebiet im Rheinseitenkanal gefunden. Derzeit klären die französischen Behörden die Identität der Person.” (Badische Zeitung)

“Bei einem Ruder-Ausflug (…) ist ein 69-jähriger Mann in Köln-Stammheim tödlich verünglückt. Der Polizei zufolge wollte das Opfer gegen zehn Uhr in ein Boot einsteigen und mit den Vereinsmitgliedern von „RTHC Bayer Leverkusen“ über den Rhein rudern. Plötzliche Krämpfe führten dazu, dass er ins Wasser stürzte. Eine Kollegin sprang ihm hinterher. Doch erst 50 Meter weiter stromabwärts bekam sie den Ruderer zu fassen. Passanten halfen der Frau den 69-Jährigen ans Ufer zu ziehen. Ein Notarzt wurde per Rettungshubschrauber hinzugerufen. Die Wiederbelebungsversuche durch eine Herzrythmusmassage blieben erfolglos.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

It was short work to squeeze all the poetry out of this group

The afternoon was lovely, when, passing the conical and castle-crowned steep of Godisberg, we approached the hills, where the road for the first time runs on the immediate borders of the stream. Opposite to us were the Seven mountains, topped by the ruins of the Drachenfels, crag and masonry wearing the appearance of having mouldered together under the slow action of centuries; and, a little in advance, the castle of Rolandseck peered above the wooded rocks on our own side of the river. Two low islands divided the stream, and on one of them stood the capacious buildings of a convent. Every one at all familiar with the traditions of the Rhine, has heard the story of the crusader, who, returning from the wars, found his betrothed a nun in this asylum. It would seem that lies were as rife before the art of printing had been pressed into their service, or newspapers known, as they are to-day, for she had been taught to think him dead or inconstant; it was much the same to her. The castle which overlooked the island was built for his abode, and here the legend is prudently silent. Although one is not bound to believe all he hears; we are all charmed with the images which such tales create, especially when, as in this case, they are aided by visible and tangible objects in the shape of good stone walls. As we trotted along under the brow of the mountain that upholds the ruins of the castle of Charlemagne’s nephew, my eye rested musingly on the silent pile of the convent. “That convent,” I called out to the postilion, “is still inhabited?” “Ja, mein Herr, es ist ein gasthaus.” An inn!—the thing was soon explained. The convent, a community of Benedictines, had been suppressed some fifteen or twenty years, and the buildings had been converted into one of your sentimental taverns. With the closest scrutiny I could not detect a soul near the spot, for junketing in a ruin is my special aversion. A hamlet stood on the bank at no great distance above the island; the postilion grinned when I asked if it would be possible to get horses to this place in the morning, for it saved him a trot all the way to Oberwinter. He promised to send word in the course of the night to the relay above, and the whole affair was arranged in live minutes. The carriage was housed and left under the care of François on the main land, a night sack thrown into a skiff, and in ten minutes we were afloat on the Rhine. Our little bark whirled about in the eddies, and soon touched the upper point of the island.

We found convent, gasthaus, and sentiment, without any pre-occupants. There was not a soul on the island, but the innkeeper, his wife, a child, a cook, a crone who did all sorts of work, and three Prussian soldiers, who were billeted on the house, part of a detachment that we had seen scattered along the road, all the way from Bonn. I do not know which were the most gladdened by the meeting, ourselves or the good people of the place; we at finding anything like retirement in Europe, and they at seeing anything like guests. The man regretted that we had come so late, for a large party had just left him; and we felicitated ourselves that we had not come any sooner, for precisely the same reason. As soon as he comprehended our tastes, he very frankly admitted that every room in the convent was empty. “There is no one, but these, on the island. Not a living being, herr graf” for these people have made a count of me, whether or not. Here then were near two hundred acres, environed by the Rhine, prettily disposed in wood and meadow, absolutely at our mercy. You can readily imagine, with what avidity a party of young Parisiennes profited by their liberty, while I proceeded forthwith to inspect the ladder, and then to inspect the cloisters. Sooth to say, sentiment had a good deal to do with two of the courses of a dinner at Nonnenswerth, for so is the island called. The buildings were spacious, and far from mean; and it was a pleasant thing to promenade in cloisters that had so lately been trodden by holy nuns, and see your dinner preparing in a convent kitchen. I could do no less than open a bottle of “Liebfraumilch” in such a place, but it proved to be a near neighbour to bonny-clabber.

As the evening closed we took possession of our rooms. Our parlour had been that of the lady abbess, and A—— had her bed-chamber. These were spacious rooms and well furnished. The girls were put into the cells, where girls ought never to be put. Jetty had another near them, and, these dispositions made, I sallied forth alone, in quest of a sensation.

The intense heat of the day had engendered a gust. The thunder was muttering among the “seven mountains,” and occasionally a flash of lightning illumined the pitchy darkness of the night. I walked out into the grounds, where the wind was fiercely howling through the trees. A new flash illumined the hills, and I distinctly saw the naked rock of the Drachenfels, with the broken tower tottering on the half-ruined crag, looked fearful and supernatural. By watching a minute, another flash exposed Rolandseck, looking down upon me with melancholy solicitude. Big drops began to patter on the leaves, and, still bent on sensations, I entered the buildings.

The cloisters were gloomy, but I looked into the vast, smoked, and cavern-like kitchen, where the household were consuming the fragments of our dinner. A light shone from the door of a low cell, in a remote corner of the cloisters, and I stole silently to it, secretly hoping it would prove to be a supernatural glimmering above some grave. The three Prussians were eating their cheese-parings and bread, by the light of a tallow candle, seated on a stone floor. It was short work to squeeze all the poetry out of this group.

The storm thickened, and I mounted to the gallery, or the corridor above the cloisters, which communicated with our own rooms. Here I paced back and forth, a moment, in obscurity, until, by means of a flash, I discovered a door, at one extremity of the passage. Bent on adventure, I pushed and it opened. As there were only moments when anything could be seen, I proceeded in utter darkness, using great caution not to fall through a trap. Had it been my happy fortune to be a foundling, who had got his reading and writing “by nature,” I should have expected to return from the adventure a Herzog, at least, if not an Erz-Herzog. Perhaps, by some inexplicable miracle of romance, I might have come forth the lawful issue of Roland and the nun!

As it was, I looked for no more than sensations, of which the hour promised to be fruitful. I had not been a minute in the unknown region, before I found that, if it were not the abode of troubled spirits, it at least was worthy to be so. You will remember that I am not now dealing in fiction, but truth, and that, unlike those who “read when they sing, and sing when they read,” I endeavour to be imaginative in poetry and literal in my facts. I am now dealing strictly with the latter, which I expect will greatly enhance the interest of this adventure.

After taking half-a-dozen steps with extreme caution, I paused a moment, for the whole air appeared to be filled by a clatter, as if ten thousand bats’ wings were striking against glass. This was evidently within the convent, while, without, the wind howled even louder than ever. My hand rested on something, I knew not what. At first I did not even know whether I was in the open air, or not, for I felt the wind, saw large spaces of dim light, and yet could distinguish that something like a vault impended over my head. Presently a vivid flash of lightning removed all doubt. It flickered, seemed extinguished, and flared up again, in a way to let me get some distinct ideas of the locus in quo. I had clearly blundered into the convent chapel; not upon its pavement, which was on a level with the cloisters below, but into an open gallery, that communicated with the apartments of the nuns, and my hand was on the chair of the lady abbess, the only one that remained. The dim light came from the high arched windows, and the bats’ wings were small broken panes rattling in the gale. But I was not alone. By the transient light I saw several grim figures, some kneeling, others with outstretched arms, bloody and seared, and one appeared to be in the confessional. At the sight of these infernal spectres, for they came and went with the successive flashes of the lightning, by a droll chain of ideas, I caught myself shouting, rather than singing—”Ship ahoy! ship ahoy!—what cheer, what cheer?” in a voice loud as the winds. At last, here was a sensation! Half-a-dozen flashes rendered me familiar with the diabolical-looking forms, and as I now knew where to look for them, even their grim countenances were getting to be familiar. At this moment, when I was about to address them in prose, the door by which I had entered the gallery opened slowly, and the withered face of an old woman appeared in a flash. The thunder came next, and the face vanished—”Ship ahoy! ship ahoy!—what cheer, what cheer?” There was another pause—the door once more opened, and the face re-appeared. I gave a deep and loud groan; if you ask me why, I can only say, because it seemed to be wanting to the general effect of the scene and place. The door slammed, the face vanished, and I was alone again with the demons. By this time the gust was over I groped my way out of the gallery, stole through the corridor into my own room, and went to bed. I ought to have had exciting dreams, especially after the Liebfraumilch, but, contrary to all rule, I slept like a postilion in a cock-loft, or a midshipman in the middle watch.

The next morning at breakfast, A—— had a melancholy tale to relate; how the poor old crone, who has already been mentioned, had been frightened by the gust—how she stole to the chapel to mutter a prayer—how she opened the door of the gallery—how she heard strange sounds, and particularly certain groans—how she had dropped the candle—how the door had blown to, and she, miserable woman, had stolen to the bed of her (A——’s) maid, whom she had implored to give her shelter and protection for the night! We went in a body to look at the chapel, after breakfast, and it was admitted all round, that it was well suited to produce a sensation, in a thunder-storm, of a dark night, and that it was no wonder Jetty’s bed-fellow had been frightened. But now everything was calm and peaceful. The glass hung in fragments about the leaden sashes; the chair and prière-dieu of the lady abbess had altogether an innocent and comfortable air, and the images, of which there were several, as horrible as a bungling workman and a bloody imagination could produce, though of a suffering appearance, were really insensible to pain. While we were making this reconnoissance a bugle sounded on the main, and looking out, we saw the Oberwinter postilion coming round the nearest bend in the river. On this hint, we took our leave of the island, not forgetting to apply a little of the universal salve to the bruised spirit of the old woman whose dread of thunder had caused her to pass so comfortless a night.

(aus: James Fenimore Cooper, A residence in France; with an excursion up the Rhine, and a second visit to Switzerland; Paris, 1836)

this place is the dirtiest and most offensive we have yet seen, or rather smelt, in Europe

Dear ——,

I do not know by what dignitary of the ancient electorate the hotel in which we lodged was erected, but it was a spacious building, with fine lofty rooms and a respectable garden. As the language of a country is influenced by its habits, and in America everything is so much reduced to the standard of the useful that little of the graceful has yet been produced, it may be well to remind you that this word “garden,” signifies pleasure-grounds in Europe. It way even be questioned if the garden of Eden was merely a potager.

After breakfasting we began to deliberate as to our future movements. Here we were at Cologne, in Prussia, with the wide world before us, uncertain whither to proceed. It was soon decided, however, that a first duty was to look again at the unfinished cathedral, that wonder of Gothic architecture; to make a pilgrimage to the house in which Rubens was born; to pay a visit to the eleven thousand virgins, and to buy some Cologne water: after which it would be time enough to determine where we should sleep.

The first visit was to the bones. These relics are let into the walls of the church that contains them, and are visible through a sort of pigeon-holes which are glazed. There is one chapel in particular, that is altogether decorated with the bones arranged in this manner, the effect being very much like that of an apothecary’s shop. Some of the virgins are honoured with hollow wooden or silver busts, lids in the tops of which being opened, the true skull is seen within. These relics are not as formidable, therefore, as one would be apt to infer the bones of eleven thousand virgins might be, the grinning portion of the skulls being uniformly veiled for propriety’s sake. I thought it a miracle in itself to behold the bones of all these virgins, but, as if they were insufficient, the cicerone very coolly pointed out to us the jar that had held the water which was converted into wine by the Saviour at the marriage of Cana! It was Asiatic in form, and may have held both water and wine in its day.

The cathedral is an extraordinary structure. Five hundred years have gone by, and there it is less than half finished. One of the towers is not forty feet high, while the other may be two hundred. The crane, which is renewed from time to time, though a stone has not been raised in years, is on the latter. The choir, or rather the end chapel that usually stands in rear of the choir, is perfect, and a most beautiful thing it is. The long narrow windows, that are near a hundred feet in height, are exquisitely painted, creating the peculiar cathedral atmosphere, that ingenious invention of some poet to render solemn architecture imaginative and glorious. We could not dispense with looking at the skulls of the Magi, which are kept in an exceedingly rich reliquary or shrine. They are all three crowned, as well as being masked like the virgins. There is much jewellery, though the crowns had a strong glow of tinsel about them, instead of the mild lustre of the true things. Rubens, as you know, was of gentle birth, and the house in which he was born is just such a habitation as you would suppose might have been inhabited by a better sort of burgher. It is said that Mary of Medicis, the wife of Henry IV, died in this building, and tradition, which is usually a little ambitious of effect, has it that she died in the very room in which Rubens was born. The building is now a public-house.

I do not know that there is a necessary connection between foul smells and Cologne water, but this place is the dirtiest and most offensive we have yet seen, or rather smelt, in Europe. It would really seem that people wish to drive their visitors into the purchase of their great antidote. Disagreeable as it was, we continued to flaner through the streets until near noon, visiting, among other things, the floating bridge, where we once more enjoyed the sight of the blue waters of the Rhine glancing beneath our feet.

(aus: James Fenimore Cooper, A residence in France; with an excursion up the Rhine, and a second visit to Switzerland; Paris, 1836)

Spaziergang durch Bonn

bonn_rheinpavillon

Bonn_lonely soul bird matches the rhine princess

bonn_cityscape

bonn_u-bahn station

bonn_tiefgarage uniklinik

bonn_open grid europe

Presserückschau (Januar 2017)

1
Kommunikationsstrom
“Zu Silvester haben Flüsse wie der Rhein oder die Sieg eine Art Hochkonjunktur als Kommunikationsstrom. Dann werfen Menschen Flaschenpost mit Botschaften ins Wasser. Aber nicht immer dienen Flaschen als Datenträger, manchmal werden auch Mandarinen und Kürbisse eingesetzt.” (Deutschlandfunk)

2
Retuschierung
“„Das Denkmal entsteht genau an der Stelle, wo vor fast 72 Jahren das 249. Pionierbataillon der 3. US-Armee unter deutschem Artilleriebeschuss und deutschen Luftangriffen begann, drei Pontonbrücken zu bauen, auf denen circa 60000 Fahrzeuge mit nahezu 300 000 Mann innerhalb kurzer Zeit den Rhein überquerten. Das war die größte militärische Operation, die die Weltgeschichte je am Rhein gesehen hat. (…) Es lohnt sich, daran zu erinnern, denn mit dieser gewaltigen Streitmacht konnten die Amerikaner mit ihren Verbündeten den Zweiten Weltkrieg in Europa bald beenden.“ Es gehe nicht um eine Verklärung der Person George S. Patton. „Dass während dieses historischen Events der kommandierende zwielichtige US-General auf einer Brücke steht und vor laufenden Kameras der Kriegsberichterstatter in respektloser, provozierender Weise in den deutschen Rhein pinkelt, bewegt und erregt heute noch mit Recht unsere Gemüter.“ (…) Auch den amerikanischen Militärs im Washingtoner Pentagon sei diese Szene höchst peinlich gewesen – sie hätten eine sofortige Entschärfung, sprich: Retuschierung der Bilder veranlasst.” (Allgemeine Zeitung)

3
Rutschfester Nebelrhein
“Ruhe ist vor einigen Tagen auf der Baustelle am Rathausplatz eingekehrt. Die ausführende Firma macht Betriebsferien. (…) Die Roharbeiten seien abgeschlossen, die Fundamente für die Einbauten (Floßbänke, Rheinpegel, Wasserlauf) fertig, im Randbereich sind bereits Pflastersteine verlegt. (…) Bei einem Blick von oben auf die Baustelle ist der Bogen erkennbar, der für den Rheinverlauf bei Götterswickerhamm steht und der mit Hilfe von 36 Nebeldüsen nachgebildet wird. Eine auf Wasserinstallationen im öffentlichen Raum spezialisierte Firma hat sie eigens für diesen Zweck gebaut. Das Wasser werde mit zehn Bar versprüht und dadurch so fein getröpfelt, “dass es wie Nebel wirkt”. Der habe eine Steighöhe von bis zu einem Meter. In der Werkstatt der Firma wurde das Ganze vorher getestet. Bis der gewünschte Sprühgrad eingestellt war, habe es eine Zeit gedauert. (…) Die Anlage soll auch nicht 24 Stunden am Tag, sondern nur zu bestimmten Tageszeiten und Wetterlagen laufen (…). Die Nebeldüsen werden mit LED-beleuchtet. Licht kommt auch beim Rheinpegel zum Einsatz. Der 15 Meter hohe Stahlkubus mit 80 Zentimetern Durchmesser wird auf dem neu gestalteten Rathausplatz ebenfalls mittels LED-Technik den tagesaktuellen Wasserstand des größten deutschen Flusses anzeigen. Damit soll die Lage Voerdes am Rhein in der Stadtmitte wahrnehmbar gemacht werden. Der Stahlkubus bildet den Wasserstand am Pegel Ruhrort ab. (…) Zum Einsatz kommen verzinktes Material, Cortenstahl oder Holz. Die Pflastersteine werden in drei Graustufungen verlegt, deren Optik eine jeweils andere ist, wenn sie trocken oder nass sind. Im Bereich des Rheinpegels haben die Steine eine andere Struktur, die Oberfläche ist geschliffen, aber (…) “rutschfest”.” (Rheinische Post)

4
Festgefrorene Möwe
“Beamte der Wasserschutzpolizei (haben in) Mainz eine im Industriehafen festgefrorene Möwe aus dem Eis gerettet. (…) Bei einer Kontrollfahrt auf dem Rhein hatten die Polizisten das Tier (…) entdeckt. Die Möwe steckte mit ihren Beinen im zugefrorenen Eis fest. Um das Tier zu befreien, klopften die Polizisten das rund um die Möwe zugefrorene Eis vorsichtig auf. Das erschöpfte Tier ließ sich von den Beamten widerstandslos aufnehmen. Die Polizisten brachten die Möwe nach der Rettungsaktion in das Mainzer Tierheim. Dort wird sie aktuell unter einer Wärmelampe behandelt.” (Merkurist)

5
Rheintaufe
“In einem halben Jahr holt sich Pfarrer Mathias Bonhoeffer nasse Füße. Denn am 9. Juli werden er und seine Kollegin Anna Quaas 30 Kinder taufen – im Rhein. “Jesus wurde im Jordan getauft, also auch in einem fließenden Gewässer”, erklärt der 58-Jährige. “Nur dass der Jordan heute im Gegensatz zum Rhein ein kleines Rinnsal ist.” Und Pfarrerin Quaas, die über Pfingstkirchen in Nigeria promoviert hat, wollte gerne einen Gottesdienst am oder im Wasser machen. “Daher kamen wir auf die Idee”, so der Pastor der Kölner evangelischen Kartäuserkirche. (…) Für Rheintaufe Nummer zwei sehen sich Quaas und Bonhoeffer den Angaben zufolge einer wahren Anmeldeflut gegenüber. Also fahren sie in diesem Jahr “Zweischichtbetrieb”: mit je 15 Taufen pro Gottesdienst. Eigentlich galt das Angebot nur der eigenen Gemeinde, so der Pastor. “Aber wenn man einen Stein in den Rhein wirft, zieht er Kreise.” Als Gründe für die Anfragen weit über Köln hinaus sieht er den wachsenden Wunsch nach individuell gestalteten Ritualen – und die Liebe der Rheinländer zu ihrem Fluss.” (Domradio)

6
Nicht zuständig
“Der niedrige Rheinpegel bringt es zutage: Dort ist ein wahrer Fahrradfriedhof. Zahlreiche dümpeln im Rhein, daneben verrostete Einkaufswagen. (…) Der Rhein ist eine Bundeswasserstraße, über die vor Ort die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung in Köln wacht. EXPRESS rief wegen der Schrotträder an – und bekam lediglich die Antwort: „Da müssen Sie sich an jemand anderen wenden.“ Prompt wurden wir an eine andere Nummer weitergeleitet. Doch auch da konnte fühlte sich niemand zuständig. Nächster Versuch – diesmal bei den Kölner Abfallwirtschaftsbetrieben (AWB). Immerhin, dort will man. (Kann aber nicht, weil die entsprechende Schutzkleidung fehlt; Anm.: rheinsein) Beseitigung am Ufer ja, Müllbeseitigung im Rhein nein. Zuständig dafür sei das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSV). Auf eine erneute Anfrage hieß es vom WSV: „Nicht unsere Aufgabe. Sie werden weitergeleitet.“ Doch auch am Ende der Telefonkette heißt es wieder: „Dafür sind wir eigentlich nicht zuständig. Da müssen Sie sich an jemand anderen wenden.“ An wen genau, darauf blieb die Antwort schuldig. (Express)

7
Rheingfrörne
“Am 3. Februar 1423 (…) wurden 30 Zimmerleute und Knechte auf den zugefrorenen Hausstrom geschickt, um das Eis aufzuhacken, damit es nicht die Pfeiler der Mittleren Brücke, die damals noch aus Holz war, beschädigte. Was ihnen auch in zwei Tagen nicht gelungen sei – “eine halbe Mannshöhe dick” soll das Eis damals gewesen sein. Legendär ist laut Lokalhistorikern auch die Rheingefrörne von 1514. Das Eis war so fest, dass man mit Pferden über den Fluss konnte. Und die Bürger seien mit Trommeln und Pfeifen aufs Eis gezogen, um dort ein Bankett zu halten. Letztmals zugefroren ist der Rhein in Basel – die Älteren dürften sich erinnern – übrigens anno 1963.” (Badische Zeitung)

8
Rheintoter
“In Speyer ist ein Pkw in den Rhein gerollt und untergegangen. In dem Auto fanden Rettungskräfte eine männliche Leiche. Zeugen hatten beobachtet, wie das Auto an einer Rampe ins Wasser fuhr und sofort von der Strömung erfasst wurde. Mit einem Polizeihubschrauber konnte es etwa 400 Meter rheinabwärts gesichtet und anschließend geborgen werden. Ob der Mann darin ertrank oder bereits tot war, als es in den Fluss rollte, ist unklar.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

Presserückschau (Dezember 2016)

1
Schifferkirche
“Das weiß gestrichene Boot hat eine lange Reise hinter sich. Und wenn es sprechen könnte, hätte es viel zu erzählen: von den Neugierigen in der Halle des Nordturms des Kölner Doms, als es zwischendurch als Altar beim Gottesdienst an Fronleichnam auf der Domplatte diente, als es vor der Küste Maltas strandete, als es an der Küste Nordafrikas Menschen aufnahm, viel zu viele für das kleine Boot, als das Erzbistum das Boot kaufte und nach Europa, nach Deutschland transportierte.” (Aachener Zeitung)

“Eines der Kunstwerke in Kölns kleinster romanischer Innenstadtkirche ist eine spätgotische Marienfigur, die früher in einer Nische an der Außenfassade stand, wo sie von den Rheinschiffern gesehen und verehrt werden konnte. Nach dieser „Schiffermadonna“ wird das Gotteshaus in der Altstadt auch Schifferkirche genannt. Umso passender ist es, dass dort das Flüchtlingsboot aus Malta Platz gefunden hat, das seit dem 31. Mai im Dom gestanden hatte. (…) Für Kardinal Woelki steht das Boot nicht nur für die Not der Flüchtlinge, sondern soll darüber hinaus Anstoß dazu geben, über die Auswirkungen der Globalisierung und soziale Gerechtigkeit nachzudenken.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

2
Neue Rheinbrücke
“Der Vorderrhein ist um ein Bauwerk reicher. Zwischen Schluein und Castrisch ist (…) eine neue Brücke für den Langsamverkehr eröffnet worden. (…) Mit dem Brückensteg wird zwischen Ilanz und Reichenau bereits die fünfte Langsamverkehrs-Überquerung des Vorderrheins realisiert. (…) Bei der Brücke handle es sich um eine knapp 100 Meter lange und zwei Meter breite Schrägseilbrücke, deren Pylone leicht nach vorne geneigt seien (…). Es wurden unter anderem 95 Tonnen Stahl und 130 Kubikmeter Beton verwendet. (…) Die Brücke wurde heute zwar bereits dem Langsamverkehr übergeben, die letzten Arbeiten werden aber im Verlauf des Frühlings 2017 fertiggestellt. So auch der Rückbau der alten Rohrbrücke. Die offizielle Einweihung ist dann für Mai 2017 geplant.” (Südostschweiz)

3
Störmanöver
“Naturschützer hoffen bei Stören als einzige noch nicht in den Rhein zurückgekehrte Fischart langfristig auch hier auf Erfolge. Der «Nationale Störaktionsplan für Deutschland» nimmt zwar wegen günstigerer Voraussetzungen dafür erst die Elbe in den Blick, wie die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) mitteilte. Bei einem dortigen Erfolg solle aber in fernerer Zukunft auch im Rhein flussabwärts von Koblenz eine Wiederansiedlung dieser Fische versucht werden. In den Niederlanden gibt es bereits Versuche. «Der Europäische Stör (Acipenser sturio) ist im Rheineinzugsgebiet in den 1940er/1950er Jahren ausgestorben und gehört zu den am meisten bedrohten Arten weltweit», hieß es weiter. Nach dem massiven Ausbau der Kläranlagen an der einstigen Industriekloake Rhein sind inzwischen alle traditionellen Fischarten in den Fluss zurückgekehrt – nur nicht die sensiblen urtümlichen Störe.” (Frankfurter Rundschau)

4
Sinkende Arbeitsplattformen
“Im Rhein auf der Höhe Duisburg-Rheinhausen (…) ist ein sogenanntes Stelzenponton gesunken, eine schwimmende Arbeitsplattform mit Baggervorrichtung. Aus Sicherheitsgründen durften Schiffe hier nicht aneinander vorbei fahren, nur abwechselnd konnte der Verkehr entweder rheinauf- oder rheinabwärts fließen. (…) Fünf Tage blieb die Plattform im Rhein liegen. Aus den Niederlanden musste zunächst ein schwimmender Hebebock geordert werden, denn die Unglücksstelle lag mitten in der Fahrrinne – vom Ufer aus mit Kränen nicht zu erreichen. Auch andere Faktoren wie die Strömung verkomplizierten die Bergung.” (WDR)

“Auf dem Rhein bei Koblenz-Horchheim ist eine schwimmende Arbeitsplattform untergegangen. Der 15 Meter lange Ponton war an einem Motorschiff befestigt, das Richtung Mainz fuhr. Die Plattform riss am Morgen von dem Schiff ab, warum steht noch nicht fest. Nach Auskunft eines Sprechers der Wasserschutzpolizei in Koblenz lief auch Öl aus. Wie viel steht noch nicht fest. Verletzt wurde niemand. Der Ponton konnte bislang noch nicht gehoben werden.” (SWR)

5
Jetski-Nikoläuse
“Mit einer ungewöhnlichen Aktion hat (…) eine Gruppe von Jetski-Fans auf sich aufmerksam gemacht: Anlässlich von Nikolaus sind 15 Jetski-Fahrer in Nikolaus-Kostümen auf dem Rhein gefahren. „Der Sinn war einfach nur, den Kölnern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“, sagt Benedikt Bereuter von der Truppe.” (WDR)

6
Barbarenschatz
“Er gilt als kostbares Überbleibsel aus der Römerzeit: Rund 1700 Jahre lang ruhten hunderte Metallobjekte in einem Arm des Altrheins. Küchengerät und Werkzeug, Tafelgeschirr und Waffen – Stücke aus Eisen, Bronze, Kupfer und Silber römischer Bürger, die von 1967 bis 1997 in der Nähe der heutigen Ortschaft Neupotz in Rheinland-Pfalz aus dem Wasser geborgen wurden. Nach langen Querelen um Zuständigkeit und Eigentum hat der “Barbarenschatz von Neupotz”, als der er inzwischen bekannt ist, jetzt eine Dauerbleibe im Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte bekommen. (…) Nicht zufällig wird ein Querschnitt der Funde im Bacchussaal des Neuen Museums gezeigt. Lange stand dort einsam der Xantener Knabe, eine römische Bronzestatue, die Fischer 1858 im Rhein bei Xanten entdeckt hatten.” (Berliner Morgenpost)

7
Rheintote
“Grausige Überraschung beim Spaziergang am Rhein. Um acht Uhr (…) alarmierte ein Passant den Basler Rettungsdienst: Er sah von der Kleinbasler Seite her, rund zehn Meter vom Ufer weg, eine Leiche im Wasser treiben. Kurz darauf barg die Berufsfeuerwehr gemeinsam mit der Polizei einen toten Mann aus dem Rhein. Laut des Instituts für Rechtsmedizin trieb die Leiche schon seit mehreren Tagen im Wasser.” (Blick)

“(In Speyer) wird auf einer Sandbank bei Rheinkilometer 400 eine Leiche entdeckt. Laut Polizeipräsidium Rheinpfalz hat man den Leichnam einer weiblichen Person gefunden, die nach bisherigen kriminalpolizeilichen Ermittlungen Suizid begangen hat. Die Kriminalpolizei ist mit der Spurensicherung vor Ort um Beweise zu sichern. Doch ist nicht klar, um wen es sich handelt. Auch, ob es sich um ein Gewaltverbrechen oder einen Unfall handelt, ist unklar.” (Heidelberg24)

Zwischenbilanz (8)

Volle acht Jahre wächst rheinsein nun im Netz. Seither bieten weit über 2000 Einträge reichlichen, gewissermaßen boulevard-enzyklopädischen Überblick (inklusive vieler ansonsten kaum bekannter Blickwinkel) über rheinische Fänomene und künstlerische, meist literarische Auseinandersetzungen mit dem Fluß, der im öffentlichen Bewußtsein als zentrale Ader Europas verankert liegt: eine elektronische Kulturgeschichte des von Dichtern aus der gesamten westlichen Welt besungenen Stroms, seiner Schöpfungen, Landschaften und Menschen im Blogformat.

Die Bündigkeit der Einträge korrespondiert mit dem Format und soll, gemeinsam mit der in der rechten Bildschirmhälfte organisierten, als Namensregister dienenden Stichwortwolke als Hilfe dienen, die rheinsein zugrunde liegenden oder weiterführenden Werke, Bücher, Kataloge, Filme, Musikstücke zu entdecken, die sich mit den unzähligen Themen des Rheins und seiner Regionen beschäftigen.

Besonders freut rheinsein die Beteiligung zeitgenössischer Dichter und Künstler, denn, wie es die große, derzeit in der Bundeskunsthalle stattfindende Flußschau abbildet, fokussiert die zeitgenössische Rheinbetrachtung in der Regel ungleich stärker auf die als kanonisiert abgehakte Vergangenheit, denn auf die durchaus interessante Gegenwart, in der geschichtliche Motive, in fortgeschrittene Umgebung versetzt, in Variationen auftauchen, die neue Sichtweisen auf Vergangenheit und Gegenwart zu öffnen vermögen, und in der neuartige Rheinmotive entstehen, die sich bisher weitgehend unterhalb des institutionellen Wahrnehmungsradars bewegen.

rheinsein als größte zusammenhängende Sammlung kultureller Zeugnisse zum Rhein im Netz wurde von den Kuratoren der Schau ignoriert. Ein Instrument, das Primärkunst mit Hinweisen zum tieferen Eindringen in die rheinischen Kulturen in einem historisch wie geografisch wie künstlerisch überaus weit gefaßten Kontext vereint, war für die Ausstellung nicht gefragt. Als mosaikartig angelegtes Netzmuseum mit einem gewissen Kuriositätencharakter bleiben diese Seiten unter Umständen länger und schneller zugreifbar als große Schauen; rheinseins Besucher kommen mit spezialisierteren Anliegen hauptsächlich über Suchmaschinen. Die Zusammenarbeit mit Museen, die sich in Sonderschauen Rheinthemen widmen, ist bisher noch sehr überschaubar: rheinsein vermag als Museum im Museum über das Museum hinausweisen und sein umfassendes Wissen in selten gesehenen Zusammenhängen präsentieren.

Die größten Lücken des rheinsein-Mosaik sehen wir in geografischer Hinsicht vor allem in den rheinland-pfälzischen, hessischen und niederländischen Abschnitten, und was Rheinbeschreibungen anbelangt vor allem in den nichtwestlichen Weltgegenden: insbesondere Werke afrikanischer, asiatischer, ozeanischer und lateinamerikanischer Autoren sind bisher nur äußerst wenige auf rheinsein vertreten. Sollte eine umgekehrte Ethnologie existieren, die den Rhein als Strom einer exotischen Ersten Welt darstellt? Alle Darstellungslücken, soviel ist gewiß, werden niemals zu schließen sein, dafür sorgt der Fluß mit einer seiner Haupteigenschaften, der Unfaßbarkeit. Tatsächlich steht rheinsein vor einer weiteren Reduzierung der Eintragsfrequenz. Die Arbeit wird sich 2017 nicht im gewohnten Maße fortführen lassen. Das liegt vor allem an ökonomischen Zwängen. An Projekten, mit denen eine Neugestaltung des Publikationsverhaltens einher ginge, arbeitet rheinsein im Hintergrund – und wird bei Spruchreife detaillierter berichten.

Unseren Leserinnen und Lesern wünschen wir ein gesundes und glückliches neues Jahr 2017!

Presserückschau (November 2016)

1
30 Jahre Sandoz-Katastrofe
“In der Nacht auf den 1. November 1986, kurz nach Mitternacht, ereignete sich die schlimmste Katastrophe in der Geschichte der Basler Pharmaindustrie: In der Lagerhalle 956 des Chemiekonzerns Sandoz (heute Novartis) brach ein riesiges Feuer aus.
Am Morgen heulten die Katastrophensirenen in Basel zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Menschen durften ihre Häuser nicht verlassen und wurden mit Polizeidurchsagen aufgefordert, ihre Fenster zu schliessen und Radio zu hören. Über 1300 Tonnen hochgiftige Chemikalien verbrannten in jener Nacht. Die Flammen und der orangegefärbte Himmel waren in der ganzen Region sichtbar. (…) Um 5 Uhr am Morgen hatten die Feuerwehrleute den Brand im Griff. (…) Das Löschwasser wurde vom Brandort mitsamt 20 Tonnen Chemikalien direkt in den Rhein geschwemmt. Der Fluss verfärbte sich rot, es kam zum grossen Fischsterben. Bis zur Nordsee war das Wasser vergiftet. Die gesamte Aalpopulation auf einer Länge von 400 Kilometern wurde ausgelöscht. (…) Das frische Wasser aus den Alpen spülte den Strom durch und die meisten Organismen konnten sich innerhalb einiger Monate erholen. (…) Doch der Dreck ist immer noch da. Nach 30 Jahren sind immer noch Spuren des Pestizides Oxadixyl im Boden messbar. (…) 2017 soll entschieden werden, ob die Messungen weitergeführt oder abgeschlossen werden, oder ob zusätzliche Massnahmen zur Bodensanierung vorgenommen werden müssen.” (Blick)

“Sandoz war ein Unglück, in gewisser Hinsicht aber auch ein Glücksfall. Das Bewusstsein für Umweltschutz stieg, Industrie und Politik wurden wachgerüttelt. Ich habe 1971 angefangen zu fischen. Damals roch man den Rhein, bevor man ihn sah. Als ich meinen ersten Fisch nach Hause brachte, sagte meine Mutter: Den essen wir nicht. Die Situation hat sich gebessert. Sandoz war aber ein gewaltiger Einschnitt. Die Äsche, die ganz empfindlich ist, war zum Beispiel schlagartig weg – der Bestand hat sich nie erholt. (…) Sandoz hat die Fischer hart getroffen. Es ging zwei Jahre, bis man wieder fischen konnte.” (Hans-Dieter Geugelin im Interview mit der Badischen Zeitung)

2
Eierstöcke
“Das größte Problem des Rheins sind mittlerweile die diffusen Schadstoffeinträge. Fast alle Pflanzenschutzmittel und gut die Hälfte der Schwermetalle, die im Fluss nachgewiesen werden können stammen aus diffuse Quellen. (…) Es machen sich mehr und mehr Hormone, Antibiotika, Schmerzmittel oder übermäßiges Blutfett, im Oberflächenwasser breit. Ein Teil dieser Wirkstoffe scheidet der Körper unverändert aus und es gelangt so ins Abwasser und in die Flüsse. Obendrein werfen viele Menschen überzählige Pillen in das Abwasser. Prof. Dr. Frank Sirocko vom Institut für Geowissenschaften der Universität Mainz verweißt auf männliche Fische in Flüsse, denen Eierstöcke wachsen. Menschen scheinen noch nicht darunter zu leiden, denn im Trinkwasser sind die Dosierungen bislang zu gering für einen nachweisbaren Effekt.” (report-K)

3
Berliner Mauer
“Wegen des Hochwasserrückhalteraum Bellenkopf/Rappenwört, das voraussichtlich 186 Millionen Euro kosten wird, streitet man derweil schon seit Monaten teilweise leidenschaftlich über die Knackpunkte: In Karlsruhe treibt Bürger vor allem das Vorhaben um, das an den Rhein grenzende Rheinstrandbad bei Daxlanden – ein beliebtes Erlebnisbad mit Rutsche – mit einer vier Meter hohen stählernen Spundwand zu „ummanteln“. Eine solche Wand ist auch für das angrenzende, in den 1930-er Jahren im Bauhausstil gebaute Naturschutzzentrum Rappenwört geplant. Erst im Sommer nannte Robert Mürb, der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Oberrheinischer Waldfreunde, das Vorhaben eine neue Berliner Mauer.” (Stuttgarter Nachrichten)

4
Frankfurt am Rhein
“Kalkutta liegt am Ganges, Paris liegt an der Seine, und irgendwo am Vater Rhein liegt plötzlich Frankfurt/Main.“ So muss man den ollen Schlager von Vico Torriani selig wohl künftig singen. Und in der Commerzbank-Arena, pardon: Natürlich im Waldstadion schallt es künftig von den Rängen: „Eintracht vom Rhein, nur du sollst heute siegen…“ (…) Heutzutage befragt doch jedes Kind und jeder Weltreisende Google zum Beispiel danach, welcher Fluss da gerade an einem vorbeimäandert, während man am Ufer die Seele baumeln lässt, den Kölner Dom im Rücken. Wie also kommt der Rhein hier in den Main? Ganz einfach: Weil ein Online-Reisevermittler offensichtlich einen kleinen Vogel hat. „TravelBird“ heißt das niederländische Unternehmen. Und weil das Internet nun mal ein Dorf ist und Sydney von Santiago de Chile nur ein Klick entfernt, haben sich die Reisevögel aus Amsterdam halt mal im Fluss vertan. Ist nicht so schlimm.” (Frankfurter Neue Presse)

5
Nippeser Volksgarten
“Dass zwischen Nippeser Tälchen und Schillstraße einst ein Weiher lag, ist heute fast in Vergessenheit geraten. Dieser war aus einer ehemaligen Rheinrinne entstanden, maß etwa 300 Meter in der Länge und 20 Meter in der Breite und wurde vom Grundwasser gespeist. Belegt ist der Teich, der mal größer, mal kleiner war, seit dem 13. Jahrhundert, vermutlich gab es ihn aber schon zur Römerzeit. Lange wurde der Weiher nur als Fischteich genutzt, mitunter brachen im Winter Brauereien Eis aus dem vereisten Gewässer heraus, um ihr Bier zu kühlen.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

6
Bürgerliche Kampfschrift
“Die Deichwächter haben ein Buch zur Düsseldorfer Rheinlandschaft herausgebracht. Es dokumentiert deren Schönheit, widmet sich aber vor allem ihrer ständigen Bedrohung – durch ehrgeizige Planer und die Politik. (…) Und so führt das Buch auch durch eine selbst den meisten Düsseldorfern unbekannte Landschaft, die aus Löwenzahn, Storchenschnabel, aus dem Frühlingshungerblümchen dem Wiesenfuchsschwanz und dem Knaulgras besteht. Eine Miniatur-Welt, die das Biotop Rheinwiese bildet, die Grüne Lunge der Stadt Düsseldorf. Der Leser erfährt aber auch, wie die Menschen sich dem Fluss genähert haben und weiter nähern. Die Autoren beschreiben lohnende Ausflugsziele, architektonische Höhepunkte und widmen den Düsseldorfer Brücken ein Kapitel. Sie dokumentieren den Bau der Rheinuferpromenade und des Medienhafens und würdigen noch einmal den Schäfer Gerhard Siegfried, der jahrelang mit seiner Herde von Heerdt nach Lörick zog und 2015 verstarb.” (Rheinische Post)

7
Leistungsfähigerer Rheinkorridor
“„Der Rhein – die europäische Wasserstraße“ war das Leitmotiv der dritten Rheinanliegerkonferenz, auf der Politiker und Experten aus der Hafen- und Logistikbranche in den Düsseldorfer Rheinterrassen über Zukunft des Rheinkorridors für die Transport- und Logistikketten diskutierten. (…) Die Verkehrsminister der Rheinanliegerländer forderten zum verstärkten Ausbau des Rheins als Europas bedeutendste Verkehrs- und Wirtschaftsachse, dass die Infrastrukturprojekte des aktuellen Bundesverkehrswegeplans zügig umgesetzt werden müssten. So seien zur Steigerung der Transportkapazitäten auf dem Rhein vor allem bei Niedrigwasser die Beseitigung von Hindernissen und Untiefen in der Fahrrinne schnellstmöglich anzugehen. Dazu müsse das Planungspersonal der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) projektorientiert, das heißt räumlich und zeitlich konzentriert, eingesetzt werden.” (Bundesverkehrsportal)

8
Nilgans
“Die Nilgans, deren ursprüngliche Heimat die afrikanische Fluss- und Binnenseenlandschaft ist, breitet sich in den letzten Jahren immer stärker in Europa aus. Sie gilt als sehr erfolgreiches Neozoen, welches zunehmend heimische Arten aus deren Lebensraum verdrängt. Über die Niederlande und Belgien, wo die Nilgans in Parks und Vogelgehegen gehalten wird, hat sich die Nilgans ausgewildert und verbreitet sich nun sprunghaft, vor allem entlang der Flusslandschaft des Rheins (Südkurier)

9
Seidenstraße
“Die Neue Seidenstraße endet in Duisburg – und somit in unmittelbarer Nachbarschaft des Rhein-Kreises. Gemeint ist die Schienenverbindung, auf denen Güterzüge mehrmals pro Woche Waren von China nach Europa bringen – und umgekehrt. Die Transportzeit gegenüber dem Schiff wird halbiert, die Preise für Luftfracht deutlich unterboten. Die Neue Seidenstraße ist ein Lieblingsprojekt der chinesischen Regierung, insbesondere von Staatspräsident Xi Jinping, der 2014 eigens nach Duisburg reiste, um den ersten chinesischen Handelszug am Rhein zu begrüßen.” (Rheinische Post)

10
Wilde Schafsjagd
“Eine Herde von 30 Schafen hat (…) von der französischen Seite aus den Rhein in der Nähe des Altenheimer Hafens schwimmend überquert und damit einen Feuerwehreinsatz ausgelöst. Vier der Tiere habe die freiwillige Feuerwehr Neuried mit ihrem Mehrzweckboot retten müssen, berichtete (…) der Pressesprecher der freiwilligen Feuerwehr Neuried. Zwei Schafe konnten die 15 Feuerwehrleute am Wehr in Richtung Kehl nur noch tot bergen. Wieso die Tiere den Rhein überquert haben sei noch nicht bekannt.” (Baden Online)

Oder anders gezählt: “Vier der sechs Tiere konnten die Feuerwehrleute lebend an Land bringen, zwei davon mussten von einer herbeigerufenen Tierärztin wegen mehrerer Knochenbrüche noch am Einsatzort eingeschläfert werden. Außerdem fand die Feuerwehr auf dem Rhein noch zwei weitere tote Tiere.” (Badische Zeitung)

11
Reifenfriedhof
“In einer gemeinsamen Aktion haben die Stadtverwaltung und die Mondorfer Niederlassung des Wasser- und Schifffahrtsamts Köln jetzt zahlreiche Autoreifen beseitigt, die kürzlich im Rhein zwischen Rheidt und Niederkassel-Ort entdeckt worden waren. „Acht Mitarbeiter des städtischen Bauhofs und des Wasser- und Schifffahrtsamtes haben einen ganzen Arbeitstag benötigt, um rund 150 Reifen aus dem Schlamm des Uferbereichs zu bergen, das sind etwa 80 Prozent der Altreifen, die dort vermutlich liegen“, schildert der städtische Beigeordnete Sebastian Sanders. Auf welche Weise die Reifen an das Niederkasseler Rheinufer gelangt sind, konnte bislang nicht geklärt werden. „Von der Lage der Reifen spricht aber einiges dafür, dass ein Großteil angeschwemmt wurde“, so Sanders. „Der Bereich ist vom Land aus nur schwer zugänglich, wir halten es deshalb für unwahrscheinlich, dass jemand alte Reifen in größerem Stil vom Land aus in den Fluss entsorgt hat.“” (Kölner Stadt-Anzeiger)

12
Rheintoter
“Der Mannheimer Grünen-Politiker Wolfgang Raufelder ist tot. Der 59-Jährige war Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg. Von Polizei und Staatsanwaltschaft hieß es, seine Leiche sei am Montagmorgen in Brühl bei Mannheim gefunden worden. Ein Passant hat sie am Rheinufer entdeckt. (…) Die Polizei geht von einem Suizid aus. Die Obduktion habe keine Hinweise auf ein Fremdverschulden ergeben. Nach Informationen der “Bild”-Zeitung soll Raufelder in Flammen gestanden haben. Seine Leiche sei weniger Meter von seinem Fahrzeug entfernt gefunden worden.” (n-tv)

Maas-Waal-Kanal

I

mwk_DSC04723 (1)

Was ist denn hier los, wo sind wir denn jetzt? Da schien’s doch gerade, als würden wir immerzu in westlicher Richtung weiterfahren, ab Werkendam gen Dordrecht oder so, aber plötzlich hat’s uns wieder weit zurück ins Landesinnere verschlagen, und nicht mal an den Waal, sondern eher näher zur Maas, wozu das Ganze? Da gibt es wohl eine Verbindung zum Waal, denn das sieht hier doch einer Schleuse recht ähnlich; ja, genau, die Schleuse zu Heumen.

mwk_DSC06303

So sieht’s da abendlich aus, als noch ein Schiff vorbeikommt, um zu jenem Strom zu gelangen, von dem hier berichtigt zu berichten ist. Als es um Woudrichem ging, habe ich es so vorkommen lassen, als träfen dort Maas und Waal zum ersten Mal auf einander, aber das stimmt so nicht. Schon viel eher vermischen sich Waal- und Maas-Wassermoleküle, dank eines Kanals, entsprechend auf Maas-Waalkanaal getauft. Über 13,5 Km läuft er von Weurt (am Waal) nach Heumen (an der Maas), Nijmegen dabei durchschneidend. Ringsherum ist wenig los, und ich kenne mich da aus, denn ich wohne keine zweihundert Meter vom Kanal entfernt. Diese Nähe hat mir eine gewisse Faszination mit dem sich allmählich aus seiner Gradlinigkeit herausbiegenden Wasserlauf eingebracht. Schon als kleiner Junge war ich verrückt nach Schleusen; öfters fuhren die Eltern speziell meinetwegen zu den Maasbrachter Schleusen, und auch in meinem Geburtsort Weert konnte ich mich an der weit kleineren Schleuse kaum satt sehen. So wohne ich jetzt schon über dreißig Jahre zwischen der kleineren Schleuse von Heumen und der eindrucksvolleren zu Weurt; und so oft ich den Kanal schon entlang geradelt bin, mag ich immer noch gerne auf das Wasser blicken, das sowohl Maas als Waal ist, gleichzeitig aber weder Maas noch Waal.

Diese Vorliebe könnte teils mit der eigenen Herkunft zu tun haben. Für die Schifffahrt war es ein neuer Ausblick, als der (schon 1862 vorgeschlagene) Kanal nach siebenjähriger Bauzeit 1927 endlich eröffnet wurde. Reichlich spät für meinen Urgroßvater mütterlicherseits (der trefflicherweise Van der Sluissen hieß, Von den Schleusen also), der einst seinen Maas-Kahn für einen Schiffszubehörladen am

mwk_DSC07508 (1)

Venloer Kai ausgewechselt haben soll; durch den Kanal hätte er aber nie vorbeikommen können, nie sich freuen, dass er jetzt über Wasser vom Süden heraus das eigentlich so nahe Deutschland weit schneller erreichen konnte; dass Maas und Waal plötzlich hundert Schifffahrtkilometer näher an einander gerückt waren. Das ging einfach nicht, weil er 1902 schon verstorben war. Nun, da bereite ich ihm eben die Freude.

Es ist heute kaum noch vorstellbar, aber bei seiner Eröffnung galt der Kanal (von u.a. C.A.P. Ivens, Vater des Filmemachers Joris Ivens, initiiert) als der geräumigste Binnenschifffahrtkanal ganz Europas. Dafür sollen die Bauarbeiten ein höllisches Unterfangen gewesen sein, wie mir mal ein alter Herr erzählte, der daran noch teilgenommen hatte: Ein wichtiger Teil der Arbeit lief ja noch von Hand, schlecht bezahltes Buddeln tagein tagaus. Dank der Knochenarbeit Hunderter, sowie der Erweiterung in den 1970ern, fahren jetzt die unterschiedlichsten Schiffsarten vorbei, bis hin zu (kleineren) Containerschiffen. Darunter auch ein bescheidenes Schiff mit schlankem Bug, das mich in den vergangenen Monaten schon zweimal zu überraschen vermochte. Seit der ersten Begegnung bei Woudrichem habe ich nämlich schon zweimal den Ventjager durch “meinen Kanal” vorbeifahren sehen dürfen.

Wie hier, an der Maldener Zierziegelfabrik entlang, so wie am Knotenpunkt einiger Wanderrouten unter den üppigen Böschungen des Deiches. Gleich darauf wird der

mwk_DSC09573 (1)

Ventjager zwischen zwei schroffen Gegensätzen hindurchfahren müssen: am rechten Ufer der neu eingerichtete Permakulturgarten, wo man in mongolischen

mwk_DSC09550

Zelten seine Ferienbleibe beziehen kann, genau gegenüber von der, am linken Ufer, zum Himmel stinkenden und schon seit Jahren umstrittenen Nerzfarm.

mwk_DSC09551

Anderseits, weit danebengeschossen ist diese Nähe nun auch wieder nicht, wenn man bedenkt, dass Pelzmäntel in der Mongolei genauso zum Nationalerbe gehören wie die jetzt unter Veganern und weiteren Naturfreunden so beliebten Jurten.

So sieht man: Noch zwischen anscheinend weit auseinanderklaffenden Gegensätzen lässt sich immer eine Brücke errichten. Davon sind die ganzen 13,5 Kilometer des Kanals mit nicht weniger als acht Stück ausgestattet, wie zum

mwk_DSC09606

Beispiel die neben der Anlegestelle, wo jährlich Sankt Nikolaus meinen Stadtteil besuchen kommt, das ehemalige Dorf Hatert, das dem Bau der Brücke 1970 sowohl Kirche als Kneipen opfern musste.

Kurz darauf trifft man aufs Bootshaus des Studentenrudervereins Phocas. Die Mitglieder Nelleke Penninx und Annemarie van Rumpt gewannen zwischen 1995 und 2004 mehrere Bronze- und Silbermedaillen bei Weltmeisterschaften und Olympiaden: bislang die Höhepunkte der Vereinsgeschichte. 2018 wird der Verein zur neuen Waal-Nebenrinne umsiedeln. Jetzt aber wird noch den Kanal entlang eifrig gerudert, auch an Libellen vorbei, die sich im Sommer unter den hohen Eichen des Deiches an Blüten ergötzen.

mwk_DSC08075 (1)

Dies wiederum soll nicht heißen, dass die Umgebung insgesamt arkadisch ist: Am linken Ufer gegenüber findet sich der in den 1970ern erbaute, von Bäumen mittlerweile gut verhüllte Stadtteil Dukenburg. Wie ich mitbekommen habe, ist nicht jeder Deutsche von der Schönheit der Stadt Nijmegen überzeugt, aber da war

mwk_DSC08094

man wohl noch nie in Dukenburg, wo das Rechteckige einige seiner schlimmsten Siege eingefahren hat. Hatert ist da nicht wesentlich schöner, wenn auch von keinem geringeren als Gerrit Rietveld mitentworfen – der sich aber bald gegen die muffige Richtung des Projektes sträubte und zurücktrat.

(Der niederländische Autor Lucas Hüsgen erkundet für rheinsein den – oder wie es heute häufiger in Gebrauch ist: die Waal, einen der niederländischen Rheinabschnitte. Diesmal stellt er in einem zweiteiligen Portrait den Maas-Waal-Kanal vor, der unweit seiner Nijmeger Wohnung verläuft. Teil 2 mit Elvis Presley und einem fulminanten Gedicht über Neerbosch-Oost folgt in Kürze.)

Neger am Rhein

Im Rheinland saugen die Neger den Boden aus. Sie schwängern die Frauen in Kompagnie, gehen straflos aus, lachen über alle Proteste der Bevölkerung. Die Haltung der Bevölkerung ist in Deutschland vorbildlich: es gibt keine Meldung von Mord und Totschlag. Diese Leute, denen die Frauen kaputtgemacht werden, sind von Lynchjustiz himmelweit entfernt. Sie knirschen mit den Zähnen, aber dazu gehen sie auf den Abtritt, daß es niemand hört. Sie nageln die Neger nicht an die Türen, sie sägen die Neger nicht entzwei, sie ballen die Fäuste im Sack und onanieren nebenbei. Sie beweisen, daß ihnen Recht geschieht. Sie sind die Überreste des großen Krieges, der Abschaum der Bevölkerung, die niedergehauenen Mäuler, das entmenschte Massenvieh, deutsche Bürger von 1920.

(aus Bertolt Brecht: Werke: Journale I (1913-1941), Tagebücher 1913-1922)

***

In England sowohl als in Italien ist der Zwiespalt in den Anschauungen der besseren bodenständigen Staatskunst und dem Wollen des jüdischen Weltbörsentums klar, ja manchmal kraß in die Augen springend.
Nur in Frankreich besteht heute mehr denn je eine innere Übereinstimmung zwischen den Absichten der Börse, der sie tragenden Juden und den Wünschen einer chauvinistisch eingestellten nationalen Staatskunst. Allein gerade in dieser Identität liegt eine immense Gefahr für Deutschland. Gerade aus diesem Grunde ist und bleibt Frankreich der weitaus furchtbarste Feind. Dieses an sich immer mehr der Vernegerung anheimfallende Volk bedeutet in seiner Bindung an die Ziele der jüdischen Weltbeherrschung eine lauernde Gefahr für den Bestand der weißen Rasse Europas. Denn die Verpestung durch Negerblut am Rhein im Herzen Europas entspricht ebensosehr der sadistisch-perversen Rachsucht dieses chauvinistischen Erbfeindes unseres Volkes wie der eisig kalten Überlegung des Juden, auf diesem Wege die Bastardisierung des europäischen Kontinents im Mittelpunkte zu beginnen und der weißen Rasse durch die Infizierung mit niederem Menschentum die Grundlagen zu einer selbstherrlichen Existenz zu entziehen.
Was Frankreich, angespornt durch eigene Rachsucht, planmäßig geführt durch den Juden, heute in Europa betreibt, ist eine Sünde wider den Bestand der weißen Menschheit und wird auf dieses Volk dereinst alle Rachegeister eines Geschlechts hetzen, das in der Rassenschande die Erbsünde der Menschen erkannt hat.
Für Deutschland jedoch bedeutet die französische Gefahr die Verpflichtung, unter Zurückstellung aller Gefühlsmomente, dem die Hand zu reichen, der, ebenso bedroht wie wir, Frankreichs Herrschgelüste nicht erdulden und ertragen will.
In Europa wird es für Deutschland in absehbarer Zukunft nur zwei Verbündete geben können: England und Italien.

(aus Adolf Hitler: Mein Kampf, 855. Auflage 1943)

***

Zyklisch kehren Ängste sich in Pogromschwangerschaften. Sprache dient als Mittel der Aufstachelung, die politischen Lager ergehen sich in Fehleinschätzungen, begleitet von Propagandalügen (das rechte) sowie zynischer Ironie (das linke) und steuern gemeinsam, als befänden sie sich in einer unlösbaren Situation, auf die Katastrofe zu. Für den ungeschulten Leser sind die Geisteshaltungen hinter beiden Texten kaum zu unterscheiden. Weder Brecht noch Hitler haben sich in ihren Texten häufig zum Rheinkomplex geäußert, doch gehören beider Äußerungen definitiv zu den unpoetischsten, die wir bisher gesammelt haben.

man kann nicht alles auf einmal haben

Die beiden standen auf und gingen zur Tür, wo sie stehnblieben und einander zum Lebewohl ansahen. Einen Augenblick entstand eine gespannte, verlegne Stille zwischen ihnen, ganz so, als warte immer die eine darauf, daß die andre spräche. Miß Turner war es, die das Schweigen brach.
“Nun”, sagte sie, “jetzt werden wir uns wohl lange nicht sehn.”
“Ei wieso denn?” fragte Miß Blake. “Sie kommen doch erst noch hierher zurück, eh Sie zur Bahn fahren.”
“Nein, glaube ich nicht”, erklärte Miß Turner. “Unser Gepäck ist schon zum Bahnhof gebracht worden, und ich denke mir, daß wir dort auf der Rückfahrt gleich aussteigen werden … versteht sich, nur die Mädchen aus meiner Gruppe.”
“Ja, dann freilich nicht, dann werden wir uns erst in Wien wiedersehen”, sagte Miß Blake auf ihre merkwürdig trockne, tonlose Art.
“Ja”, sagte Miß Turner. “Und dann müssen Sie mir erzählen wie alles war. Ich möchte beinah lieber mit Ihrer Gruppe fahren, ich hab’ mir immer gewünscht, nach Italien zu reisen, fast noch mehr als an den Rhein; aber man kann nicht alles auf einmal haben, nicht wahr?”
“Ja”, pflichtete Miß Blake bei. “Bestimmt nicht.”
“Immerhin, wunderbar viel kriegt man schon zu sehn”, fuhr Miß Turner ziemlich begeistert fort. “Ich meine, wenn man bedenkt, daß die ganze Europafahrt einschließlich der Seereise nur sechs Wochen dauert, ist es wirklich wunderbar viel, was einem geboten wird.”
“Ja”, sagte Miß Blake. Da haben Sie recht.

(aus Thomas Wolfe: Das Geweb aus Erde; deutsch von Hans Schiebelhuth; postum aus Manuskripten)

Presserückschau (Oktober 2016)

1
Paradies auf Erden
“Forscher wollen in einer badischen Kleinstadt das Paradies auf Erden schaffen. Acht Jahre lang soll in Gaggenau (Kreis Rastatt) ausgelotet werden, welche Lebensumstände ein besonders hohes Alter ermöglichen. Die Wissenschaftler wollen verschiedene Maßnahmen in Kitas, Schulen, Seniorenheimen und bei ansässigen Betrieben testen. Es geht beispielsweise um städtische Strukturen, mit denen Ältere vor Vereinsamung bewahrt werden können. Oder um eine für Körper und Seele möglichst optimale Arbeitswelt. Hinter dem Projekt stehen die Uni-Kliniken in Mannheim und Tübingen sowie das Mannheimer Zentrum für seelische Gesundheit.” (Spiegel)

2
Marathonrudern
“42 Kilometer über den Rhein mit seinen teils tückischen Windungen: Das 45. Düsseldorfer Marathonrudern war eine große Herausforderung, die diesmal 180 Mannschaften aus ganz Europa annahmen. Sie starteten (…) beim RTHC Bayer Leverkusen und ruderten von dort zum Gelände des RC Germania in Düsseldorf-Hamm. “Der Schmerz geht, und der Stolz kommt” lautete das Motto.”" (Rheinische Post)

3
Fahrradfriedhof
“Es sind traurige Bilder, die der Rhein da zum Vorschein bringt… Bei niedrigem Wasserstand kommt so allerlei verloren geglaubtes Hab und Gut wieder ans Licht. Aktuell kursieren unter anderem im Kölner NETT-Werk Fotos, die einen regelrechten Fahrrad-Friedhof im Rhein zeigen.” (Express)

4
Reifenfriedhof
“Mit einem Fall von Umweltkriminalität muss sich die Niederkasseler Stadtverwaltung jetzt beschäftigten. Unbekannte haben im Rhein zwischen Rheidt und Niederkassel-Ort zahlreiche alte Autoreifen entsorgt. Die Reifen, die offenbar bereits vor längerer Zeit in unmittelbarer Ufernähe in den Fluss geworfen worden waren, wurden kürzlich von Spaziergängern entdeckt. Begünstigt wurde der Fund durch das derzeitige Niedrigwasser des Rheins.” (Kölnische Rundschau)

5
Lachse und Kontrastmittel
“30 Jahre nach dem Großbrand im Schweizer Chemieunternehmen Sandoz bei Basel tummeln sich wieder viele Lachse im Rhein. 2015 seien rund 800 dieser sensiblen Wanderfische gezählt worden, teilte die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (…) mit. Der Bau vieler weiterer Kläranlagen und andere millionenschwere Investitionen hätten gezeigt, «dass es möglich ist, aus der Kloake Rhein wieder einen weitgehend sauberen Strom zu machen». Weltweit gelte dies in der Fachwelt als ein positives Beispiel der Umweltpolitik. Dennoch bleibt laut der IKSR viel zu tun. Beispielsweise gebe es neben der Verschmutzung mit Mikroplastik noch viele Mikroverunreinigungen wie Medikamente, Hormone der Antibabypille, Insektizide, Duftstoffe aus Reinigungsmitteln und Röntgenkontrastmittel.” (proplanta)

6
Mundartdichtung
“Die Sprache und der Einsatz für den Dialekt verbinden: Das zeigte sich bei der Autorenbegegnung (…) im Weiler Kesselhaus. Auf dem Podium saßen sieben Dichterinnen und Dichter aus drei Ländern, die Kostproben aus ihrer aktuellen Lyrik und Prosa vortrugen (…). Roter Faden bei dieser Mischung aus Lesung und Talkrunde war der grenzüberschreitende Dreyland-Dichterweg. Auf dieser Strecke vom Rheinpark in Friedlingen über Hüningen bis zum Voltaplatz in Basel sind 24 Bronzetafeln angebracht, auf denen ausgewählte Mundartautoren aus dem Dreiland vorgestellt werden. (…) Den Anfang machte der Elsässer Edgar Zeidler. “Was wir gemeinsam haben, ist die alemannische Sprache, die alemannische Kultur”, sagte der Mundartforscher, “diese Wurzeln sollten wir nicht verleugnen.” Zeidlers Texte sind politisch, kritisch, nachdenklich, gehen auf zeitgemäße Themen ein. So las der Autor auf den Punkt gebrachte Gedichte über offene Grenzen, offene Herzen, offene Arme, aber auch über den aufkeimenden gefährlichen Nationalismus, die globalisierte Welt und die Internetgeneration, die nicht mehr kocht, nicht mehr backt, nicht mehr strickt. Als “Grande Dame” begrüßte (Kulturamtsleiter; Anm.: rheinsein) Paßlick die Baslerin Hilda Jauslin, die in Allschwil lebt. Ihre Inspirationen holt sie aus dem Alltag, aus Beobachtungen in der Natur. Hilda Jauslin las sensible Gedichte über das Dreiland: “Drei Länder, drei Dialekte, drei Belchen”, über Grenzen, Schlagbäume, Stacheldraht, Überwachung und den Rhein, der unaufhörlich weiter fließt. Beim Blick auf den “Ryy” werden die Gedanken leicht und weit, heißt es in einem Gedicht der Baslerin, die auch eine anspielungsreiche Geschichte über einen alten Mann und den Dreiländerblick las.” (Badische Zeitung)

7
Neozoon
“Sie sieht aus wie eine Tarantel, ist aber keine. Die haarige Kräuseljagdspinne breitet sich derzeit im Süden von Deutschland aus. Wissenschaftler der Zoologischen Staatssammlung München haben den genetischen Code der Spinne entschlüsselt, die kürzlich erstmals in München entdeckt wurde (…). Eigentlich ist die haarige Spinne, die bis zu fünf Zentimeter groß werden kann, im Mittelmeer-Raum zu Hause, soll aber inzwischen das gesamte Oberrheintal besiedelt haben. Seit etwa zehn Jahren ist sie angeblich in Deutschland auf dem Vormarsch. Forscher vermuten, dass das Tier von Menschen eingeschleppt wurde, weil die ersten Funde an Nord-Süd-Hauptverkehrsachsen belegt sind.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

8
Grenzfunktionen
“Als die Alemannen den zugefrorenen Rhein um das 5. Jahrhundert herum überquerten und sich auf der anderen Seite des Flusses niederließen, schufen sie einen gemeinsamen linguistischen Raum, in dem man alemannische Dialekte spricht. Paradoxerweise wurde der Rhein noch nie so leicht überquert wie heute, die badischen und elsässischen Dialektsprechenden scheinen jedoch ihre sprachliche Nähe nicht wahrzunehmen. Noch erstaunlicher: Die Dialekte des Elsass’ und Baden-Württembergs folgen verschiedenen Entwicklungen. Das zeigt jedenfalls eine erste deutsch-französische Studie, an der Pascale Erhart, Dozentin an der Unistra und Leiterin des Département de dialectologie alsacienne et mosellane, beteiligt ist. „Thema des Forschungsprojekts“, erklärt sie, „ist es, zu verstehen, wie der Rhein als Landesgrenze diesen gemeinsamen Raum trennt. Tatsächlich verschwinden die lokalen Dialektcharakteristika gerade unter dem Druck nationaler Standards. (…) Es verhält sich tatsächlich so, als würde eine sprachliche Grenze die politische ablösen.“” (Unistra)

9
Rheintote
“Rettungskräfte haben (…) in Wesel eine Leiche aus dem Rhein geholt. (…) Wie die Polizei (…) mitteilte, meldete eine Anruferin (…) eine im Rhein treibende Person. Polizei, Feuerwehr und Notarzt rückten zum Rhein bei Wesel aus. Mit einem Hubschrauber wurde nach der Person gesucht. Gegen 13.10 Uhr fand man einen leblosen und unbekleideten Mann. Die Polizei geht davon aus, dass der Mann Ende 40 oder Anfang 50 Jahre alt ist. Die Ermittlungen der Polizei laufen. Es gilt herauszufinden, wer der Mann ist und woran er gestorben ist.” (Rheinische Post)

“Mindestens zwei Tote, mehrere Verletzte und ein hoher, noch nicht absehbarer Sachschaden – das ist die vorläufige Bilanz einer gewaltigen Explosion und mehrerer Brände auf dem Gelände des Chemieriesen BASF in Ludwigshafen. Bei den Getöteten handelt es sich dem Unternehmen zufolge um zwei Mitarbeiter. Außerdem würden noch zwei Menschen vermisst, teilte BASF am Abend mit. Zunächst war von sechs Vermissten die Rede gewesen. (…) Es gebe auch noch keine näheren Erkenntnisse, welcher chemische Stoff in Brand geraten sei. In dem Hafen würden Flüssiggase, aber auch brennbare Flüssigkeiten verladen. (…) Nach der Explosion wurden demnach Wassersperren zwischen dem Landeshafen Nord und dem Rhein errichtet.” (SHZ)

Presserückschau (Juli 2016)

1
“Der Rhein ist nichts für Anfänger, meint Mike Pernox. “Da findet man vor allem Wasser-Pokémon – wenn man sie denn haben will. (…) Dem Rhein würde ich als Standort drei von fünf Sternen geben. Die Wasser-Pokémon, die man dort findet, sind gut, es gibt Enton, Karpador und Goldini”, sagt er. Vor allem aus Karpador könne man später viel machen – das Pokémon entwickelt sich nämlich mit genügend Pflege weiter zu einem Pokémon namens Garados, und das ist zum Beispiel im Kampf mit anderen Spielern und ihren Monstern kaum zu schlagen.”" (Rheinische Post)

2
“Am (…) 10.07.2016 wurden zum ersten Mal elf Kinder aus Köln im Rhein getauft. Pfarrerin Dr. Anna Quaas und Pfarrer Mathias Bonhoeffer der evangelischen Kartäusergemeinde feierten den Taufgottesdienst mit über 100 Gästen. (…) Carl, Milla, Lion, Zoe, Marlene, Leonie, Ben, Timm, Trixi, Frida und Jake gehören jetzt zur Gemeinde. (…) Damit der Gottesdienst im Rhein tatsächlich stattfinden konnte, mussten zunächst Genehmigungen eingeholt werden. Sowohl das Grünflächen- als auch das Schifffahrtsamt mussten zustimmen. Auch wenn die Strömung an der Taufstelle nicht besonders stark ist, sorgte die DLRG von einem Boot im Wasser aus für Sicherheit.” (WDR)

3
Rheintote
“Ein vermisster Matrose ist bei Ludwigshafen im Rhein gefunden worden. Die Leiche war laut Polizei am Werksgelände des Chemiekonzerns BASF an einer Wasserentnahmestelle entdeckt worden. Der Mann hatte laut Sprecher der Polizei seine Ausweispapiere bei sich, daher konnte er identifiziert werden. Vermutlich ist er ertrunken. Das 46 Jahre alte Besatzungsmitglied war (…) bei Mannheim von einem Kreuzfahrtschiff in den Rhein gefallen.” (Stuttgarter Zeitung)

“Ein 19-jähriger afghanischer Asylbewerber ist (…) im Rhein in Laufenburg AG ertrunken. Seine Leiche wurde (…) im Rechen des Kraftwerks Laufenburg angeschwemmt. Der Mann gehörte zu einer Dreiergruppe von gleichaltrigen Landsleuten, die (…) im Rhein ein Bad nahmen. Dabei gerieten sie in Not. Einer konnte sich selber ans Ufer retten, ein zweiter wurde von einem privaten Bootsfahrer aus dem Rhein gefischt. Der dritte Afghane blieb trotz einer Suchaktion verschwunden. (…)
Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) hatte Anfang dieses Sommers darauf hingewiesen, dass im Hitzesommer 2015 auffallend viele Touristen und Asylbewerber beim Baden tödlich verunglückt waren. Die SLRG liess darauf ihre Baderegeln in mehrere Sprachen übersetzen – unter anderem auf Arabisch und Somalisch.” (Blick)

“Horrorfund am Colonia-Hochhaus! Bei einem Spaziergang am Rheinufer stieß der Kölner Adrian H. (Name geändert) am Mittwochnachmittag auf die verstümmelten Überreste eines Mannes. „Es handelte sich um eine männliche Leiche, circa 40-50 Jahre alt, verschnürt in einen blauen Müllsack, ohne Arme und ohne Kopf“, so H. (…). Die sterblichen Überreste sollen nun obduziert werden, um Näheres über das noch nicht identifizierte Opfer und dessen Todesumstände zu erfahren. (…) Eine Mordkommission wurde gebildet, um das Todesrätsel zu lösen.” (Express)

“Die Wasserschutzpolizei musste (…) eine groß angelegte Suchaktion auf dem Rhein bei Orsoy ergebnislos abbrechen. Sie galt einem jungen Mann, der vermutlich ertrunken ist. Dabei handelt es sich (…) um einen 26-jährigen Flüchtling (…). Nach ersten Erkenntnissen soll er ein ungeübter Schwimmer gewesen sein und am Strand in Höhe des Hafens als Einziger im Fluss gebadet haben. Plötzlich sei er von einer Welle erfasst worden, die ihn weggerissen habe. (…) Mehr als 100 Leute beobachteten das beängstigende Szenario. Nach gut einer Stunde wurde die Suche eingestellt.” (Rheinische Post)

“Schon wieder ist ein Flüchtling den Fluten des Rheins ausgeliefert gewesen: Nach einem 19 Jahre alten Nigerianer wurde (…) in Bad Säckingen bei einer großangelegten Rettungsaktion im Rhein gesucht. Der Flüchtling, der laut Polizeiangaben nicht schwimmen konnte, wird bisher noch vermisst. Die Behörden rechnen mit dem Schlimmsten. Der 19-Jährige ist (…) zusammen mit einer Gruppe von Flüchtlingen an den Rhein gegangen, um dort zu baden. Dabei ging der Nigerianer nach Angaben seiner Begleiter einige Schritte ins Wasser und wurde von der Strömung mitgerissen. Der Nichtschwimmer trieb ab und ging unter.” (Badische Zeitung)

“Bei Albbruck (wurde) eine männliche Leiche im Rhein gefunden. Über die Identität des Toten und die näheren Umständen seines Todes ist (…) nichts bekannt. (…) Die Fundstelle befindet sich in der Nähe eines beliebten Freizeitgeländes direkt am Rhein gegenüber der früheren Papierfabrik. (…) Ob der bei Albbruck aufgefundene Tote eventuell mit dem Vermisstenfall G. B. (…) in Zusammenhang steht, ist ebenfalls offen. Mehr Klarheit dürfte erst die von der Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen angeordnete Obduktion durch einen Gerichtsmediziner bringen.” (hierzuland)

4
Konzert auf der Rheininsel Grafenwerth: “”Aus nacktem Felsen dringt es. Noch namenlos, das Quellende, das Rinnende, das Wässrige.” Scheinbar aus dem Off ertönte am Freitag die Stimme von Sven Puchelt. Er saß am Bug des “Rheingold”-Schiffes und erzählte die Geschichte des Rheins, während die Musiker des Ensembles die Schiffsbühne am Heck eroberten. Unter der Leitung von Rüdiger Oppermann reist das Ensemble am Rhein entlang zu insgesamt 15 verschiedenen Orten von Basel über Worms bis Xanten, um das Publikum an den Ufern der Rheinstädte zu begeistern. (…) Rund 150 Gäste lauschten den musikalischen Geschichten vom Rhein als “Alpenwanderer” über den Goldhut von Schifferstadt bis hin zum Nibelungenlied und der Loreley. Und während hinter der Bühne über dem Rhein langsam die Sonne unterging, begeisterten Oppermans Weltmusiker mit teils mittelalterlich anmutender Musik, asiatischem Lautgesang und afrikanischen Trommelkonzerten bis hin zum Big-Band-Gefühl, wenn die 15 Musiker gemeinsam auf der Bühne standen.” (Kölnische Rundschau)

5
Unter “füdliblutt” versteht der Schweizer “nackt”. So erklären sich Schlagzeile und Artikel der kostenlos verteilten Tageszeitung 20 Minuten, die sich in der Schweiz, anders als in Deutschland, bis auf den heutigen Tag erhalten hat: “Füdliblutt am Rhein – Ein Nackter zog (…) am Kleinbasler Rheinufer die Blicke vieler Passanten auf sich. Verboten ist das in Basel nicht. Er sei dem Wasser entstiegen, wie Gott ihn geschaffen hat, berichtet ein Leser-Reporter. (…) Einen verwirrten Eindruck soll der Langhaarige gemacht haben, als er im Adamskostüm die Promenade rheinabwärts schritt.”

6
“Eine Wette zwischen Schweizern aus Zürich und Elsässern aus Straßburg aus dem Jahr 1456 ist der Hintergrund der Hirsebreifahrt. Zwischen den Städten bestand eine Partnerschaft und die Zürcher Zunftleute wollten mit dieser Fahrt ihren Partnern beweisen, dass sie im Notfall innerhalb eines Tages bei ihnen sein könnten. Als Beweis brachten sie einen Topf Hirsebrei, der bei der Ankunft noch warm war. Seit 1946 findet die Fahrt als Zeichen der Verbundenheit (fast) alle zehn Jahre statt.” (Badische Zeitung)

7
“Der zwischen Hinterrhein und Nufenen neu erbaute Rheinquellweg ist (…) eröffnet worden. Gleichzeitig wurde auch das Projekt «Sprudelnde Geschichten und Dorfbrunnen» feierlich eingeweiht.” (Südostschweiz)

8
“Ein Velofahrer ist (…) in Graubünden über steile Felsplatten hinab in den Rhein gestürzt. Er trieb rund 100 Meter den Fluss hinunter, bis er sich an einem Stein festklammern konnte. (…) Der Unfall hatte sich bei Haldenstein ereignet, als der Velofahrer auf einem schmalen Wanderweg dem Rhein entlang fuhr. Dabei verfing sich laut Polizei seine Lenkstange in einer Stahlkette, die als Haltevorrichtung für Wanderer dient, und er stürzte.” (Basler Zeitung)

9
“Damit der Aal eine Zukunft hat, wurden (…) 40.000 Jungtiere zwischen Lampertheim und Wiesbaden-Biebrich in den Rhein gesetzt. Ehrenamtliche Helfer und örtliche Angelvereine hatten diese Aufgabe unter Regie des Darmstädter Regierungspräsidiums übernommen. Sie erfüllen damit die EU-Aalverordnung. (…) Die ausgesetzten Tiere sind etwa 20 Zentimeter lang und damit für viele Fressfeinde nicht mehr interessant. (…) Damit die meisten der 40.000 Aale eine Überlebenschance haben, wurden sie zunächst an Europas Küsten als Jungtiere gefangen und dann in Aquakulturanlagen bis zu ihrer jetzigen Größe aufgezogen. Die beim Darmstädter Regierungspräsidium angesiedelte Fischereibehörde geht davon aus, dass die Aale in den nächsten fünf bis 20 Jahren im Rhein leben und dann auf Wanderschaft in ihre bis zu 6000 Kilometer entfernten Laichgebiete ziehen. Diese Tour geht quer durch den Atlantik bis zur Sargassosee am Rand der Karibik. In der Regel verliert sich dort die Spur der Tiere. Forschern ist es bisher nicht gelungen, Aale bei der Fortpflanzung zu beobachten.” (Echo)

Presserückschau (Juni 2016)

1
Rhine Guards: “Wenn (…) im Rahmen des Schützenfestes in Eller (…) die Showparade auf dem Getrudisplatz startet, schlägt die Stunde der Rhine Guards. Das umtriebige Brass & Drums Corps hebt sich von anderen Musikkapellen ab, sind die 25 Mitglieder (davon zwölf Jugendliche) doch am amerikanischen Original des Drums & Bugel Corps des US Marines Corps angelehnt. Auch bei der Rangbezeichnung: Der 1. Vorsitzende (…) ist der Colonel, der musikalische Leiter (…) der First Sergeant. Das Repertoire reicht von dem St. Louis Blues Marsch über die Marines Hymn bis hin zum herzerweichenden Amazing Grace (mit Dudelsack!). Disziplin und Kleiderordnung werden großgeschrieben, von der Schirmmütze bis zu den Schnürriemen muss alles stimmig sein.” (Rheinische Post)

2
“Zwischen Etzgen und Laufenburg können sich Möchtegern-Piraten und andere Wasserratten zwei Stunden lang treiben lassen. Das Gefährt besteht aus zusammengezurrten Baumstämmen, ist dreissig Quadratmeter gross, sechs Tonnen schwer, mit einem Schwimmkörper versehen, aber optisch – ein Floss. Herr des Flosses ist Captain J-C alias J-C Weiersmüller. Seit mittlerweile drei Jahren bietet er Flossfahrten auf dem Rhein an. (…) Noch liegt das Floss auf seiner Trockenstelle in Bad Zurzach. (…) Bis zu sechs Fahrgäste kann er mit seinem Floss transportieren. Sie dürfen sich unterwegs durchaus auch einmal als Flösser versuchen und mit dem Riemen das Gefährt steuern. So kriegen die Passagiere einen Einblick in das Leben von einst. Die Flösserei war bis ins 19. Jahrhundert und zum Ausbau der Eisenbahn ein bedeutendes Gewerbe entlang der Flüsse.” (Aargauer Zeitung)

3
“Die Handballer der Rhein-Neckar Löwen sind erstmals in ihrer Vereinsgeschichte Deutscher Meister. Der frischgebackene Titelträger gewann am letzten Spieltag hoch bei Absteiger TuS N-Lübbecke und hielt damit Verfolger SG Flensburg-Handewitt auf Distanz. Das Gastspiel in Ostwestfalen war von Beginn an eine klare Sache. Nach acht Minuten stand es 6:2 für die Löwen, nach 24 Minuten 15:7 und zur Pause 17:10. Die Löwen waren dabei in allen Belangen überlegen, zeigten sich in der Defensive stark und in der Offensive treffsicher. (…) Am Ende hatten die Rhein-Neckar Löwen mit 35:23 gewonnen. Insgesamt gewannen die Löwen 28 von 32 Bundesliga-Spielen. Für die Löwen geht mit dem Titelgewinn eine Art Trauma zu Ende. Denn in den vergangenen zwei Jahren belegte das Team jeweils den zweiten Platz hinter dem THW Kiel – 2014 fehlten dabei nur zwei Tore zur Meisterschaft.” (sportschau.de)

4
Der General-Anzeiger resümiert 1050 Jahre Dollendorf: “”Oberdollendorf liegt am Rhein, Niederdollendorf im Rhein”, lästern die Oberdollendorfer gerne über das benachbarte Niederdollendorf – und haben damit gar nicht mal so unrecht. Alle Jahre wieder nämlich setzt Vater Rhein die Uferpromenade und die anliegenden Straßen unter Wasser. (…) 1895 hatten die beiden Schiffer Hoitz und Käufer mit Motorbooten den Fährverkehr von Niederdollendorf über den Rhein aufgenommen, alte Quellen verraten jedoch, dass schon über die Jahrtausende hinweg Boote Personen und Güter von einem zum anderen Ufer transportierten. Besonders stolz ist man in Niederdollendorf darauf, dass vor der eigenen Haustür einst sogar die erste elektrische Fähre in Deutschland verkehrte. Am 11. Juli 1908 hatte das damals hochmoderne Fährschiff den Betrieb aufgenommen, am 7. März 1945 setzt die Fähre das letzte Mal von Godesberg nach Niederdollendorf über. (…) Sieht man einmal von den Jahren ab, in denen Väterchen Frost den Rhein bei Bonn hat völlig zufrieren lassen, was zuletzt 1929 der Fall war, hatten die Dollendorfer zweimal in der Geschichte die Gelegenheit, zu Fuß den Fluss zu überqueren: 1918 gab es eine Pontonbrücke, die während des Ersten Weltkrieges den deutschen Fußtruppen einen schnellen Rückzug ermöglichen sollte. 27 Jahre später bauten US-Pioniere die „Hodges-Bridge“ zwischen Bad Godesberg und Niederdollendorf, die als einer der wichtigsten Nachschubwege der Alliierten fungierte. “Da durften auch Personen drüber, aber man musste sich vorher entlausen lassen”.”

5
“Bei einem Ausritt mit ihrem Pferd ist eine Frau in Chur (…) auf einer Insel mitten im reissenden Rhein gestrandet. Das Pferd entschied sich selbstständig zum Gang ins Wasser und war nicht zum Umkehren zu bewegen. (…) Ursprünglich wollte die Frau das Pferd am Rheinufer in der Nähe von Felsberg lediglich tränken. Doch das Tier begab sich gleich in den Rhein und war nicht dazu zu bewegen, umzudrehen. Stattdessen schritt es unbeirrt weiter, bis es die künstlich geschaffene Insel erreichte. Fürs Zurückkehren war dann die Strömung zu stark.” (Blick)

6
“Im Revolutionsjahr 1848 kommt es auf dem Rhein zu einem bedenkenswerten Zwischenfall. “Gegen Mittag passierte ein Schlepp-Dampfschiff der Düsseldorfer Gesellschaft bei Kaiserwerth vorbei, als dort plötzlich sieben Gewehrschüsse nach demselben gerichtet abgefeuert wurden”, heißt es im entsprechenden Polizeibericht. Ein Schuss pfeift haarscharf am Kopf eines Knechtes vorbei. Bei den Verbrechern handelt es sich weniger um Revolutionäre als vielmehr um konservative Kreise: Vermutlich sind es Vertreter des Berufs der Treidler, die die Schiffe mit ihren Pferden vom Ufer aus durch die Gewässer ziehen. Die Erfindung der Dampfschifffahrt macht dieser seit römischen Zeiten auf dem Rhein praktizierten Tradition den Garaus. 1809 meldet der Amerikaner Robert Fulton sein Dampfschiff zum Patent an. Auf dem Rheim als der meistbefahrenen Wasserstraße Europas macht der schottische Kapitän William Wagner den Anfang. Am 8. Juni 1816 legt er mit seinem Schaufelraddampfer “Defiance” vom Ufer ab und fährt den Rhein hinauf über Köln. Es ist ein nie dagewesenes Spektakel, das auch den niederländischen König aufs Schiff lockt. Und Wilhelm I. reist extra mit der Kutsche nach Rotterdam, um das Schiff zumindest im Hafen zu bewundern. Längs der Strecke aber sollen sich die Bauern ob des Schiffs, das treidlerlos wie von Geisterhand bewegt wird, bekreuzigt haben.” (WDR)

7
“Auftakt für das grenzüberschreitende Projekt „Veiligheid zonder Grenzen – Sicherheit ohne Grenzen“ des Löschzuges Rindern der Freiwilligen Feuerwehr Kleve und der Brandweer Millingen aan de Rijn: (…) Die Feuerwehren sind aus ihrer Sicht auf die gegenseitige Unterstützung angewiesen, denn die Probleme sind bei beiden Gruppen ähnlich. Aktuell ist durch eine staatsvertragliche Vereinbarung gewährleistet, dass die Feuerwehr aus Rindern den Kameraden aus Millingen aan de Rijn zur Unterstützung dienen kann. Es fehlt jedoch eine staatsvertragliche Regelung, damit die Brandweer Millingen aan de Rijn in der Bundesrepublik Deutschland ebenfalls ihre Fertigkeiten und Kenntnisse einbringen kann. Diese Regelung zu erreichen ist eines der Ziele des dreijährigen, grenzüberschreitenden Projektes, welches durch die europäische Union unterstützt wird.” (WAZ)

8
“Unter Palmen liegen mit einem gekühlten Getränk in der Hand und bei Sonne satt entspannen – bis es so weit ist, müssen sich die Bad Säckinger noch ein wenig gedulden. Eigentlich sollte die Strandbar am Rheinuferweg schon Anfang dieses Monats zum Genießen und Entspannen einladen, doch bedingt durch den regnerischen Juni, herrscht auf dem schmalen Grünstreifen zwischen Diebsturm und den WC-Anlagen immer noch gähnende Leere.” (Badische Zeitung)

9
“Nach schweren Unwettern in Rheinland-Pfalz sind bei einem Bahnunglück am Rhein (…) zehn Menschen verletzt worden. Ein Regionalexpress entgleiste (…) zwischen Oberwesel und Bacharach wegen eines Erdrutsches. (…) Bei dem Bahnunglück am Rhein wurden nach Angaben der Bundespolizei der Lokführer und neun Reisende verletzt. Der Regionalexpress RE 4251 war zwischen Koblenz und Frankfurt am Main unterwegs, als der vordere Zugteil um 05.35 Uhr entgleiste. In der Region hatten die schweren Unwetter zu einer Reihe von Erdrutschen geführt und Gleise unterspült. Der Streckenabschnitt zwischen Oberwesel und Bacharach wurde komplett gesperrt.” (Welt)

10
“Es ist ein gigantisches Städtebauprojekt für Straßburg und setzt die nach der deutschen Annektierung der Elsassmetropole 1871 begonnene Öffnung zum Rhein fort. Mit der »ZAC des deux Rives« (Zone d’aménagement concerté) wird unmittelbar an der Grenze am Rhein gegenüber von Kehl in den nächsten 15 Jahren ein neuer Stadtteil entstehen. Früher hatte das Viertel »Port du Rhin« einen schlechten Ruf. Seit einigen Jahren macht die Straßburger Stadtführung aber enorme Anstrengungen, um das einstige Problemviertel zu einem lebenswerten Stadtteil zu entwickeln. Das zeigen der neue »Place de l’Hippodrome« mit den beiden Kirchen, die deutsch-französische Kinderkrippe und die Neubauten neben dem Straßburger Teil des Zwei-Ufer-Gartens.” (Baden Online)

Straßburger Tanzwut

“An einem Julitag im Jahr 1518 begann eine Frau durch Strassburgs Strassen zu tanzen. Sie tanzte tagelang. Bald schlossen sich ihr weitere Personen an; bis Ende August hatte das Tanzfieber mehrere hundert Personen erfasst. Als alle Anstrengungen versagten, die Epidemie einzudämmen, und als die von der Anstrengung geschwächten Opfer der Tanzwut reihenweise zu sterben begannen, wiesen die Behörden sie aus der Stadt. Sie führten sie in die Vogesen zu einem Schrein des heiligen Vitus, dessen Altar die Tanzwütigen in roten Schuhen umschreiten mussten. Laut Überlieferung gebot erst dieses Ritual dem unheimlichen Geschehen Einhalt.” (NZZ)

An einem Junitag im Jahr 2016 begann eine Frau in Straßburg ganz alleine auf einem der Gastronomieschiffe am Quai des Pêcheurs zu tanzen. Bis auf die Tänzerin war niemand an Deck zu erblicken. Nachdem wir eine Weile erstaunt dem einsamen Tanz auf der Ill zugesehen hatten, hörten wir vom Ende eines benachbarten Quais Housebeats erschallen und sahen aus der Ferne mit selbstgeschneiderten abstrakten Applikationen verkleidete Menschen einem Umzugswagen folgen, auf dem zwei halbnackte Männer sich ekstatisch zuckend und offenbar tanzend bewegten. Der Wagen verschwand samt Tross und Polizeibegleitung im Straßengewirr der Stadt, das auch uns aufnahm. Auf unbekannte Weise verschlug es uns in die Rue des Orphelins, wo auf einer Bühne junge Frauen zu afrikanischen Rhythmen Formation tanzten. Bevor wir selbst der an zahlreichen Ecken willkürlich aufflammenden Tanzwut, für die keinerlei offizielle Erklärung vorlag, erliegen würden, machten wir uns auf, die Stadt zu verlassen. Allein, ein Gewitter gewaltigen Ausmaßes hielt uns für eine knappe Stunde in Hauseingängen und unter Garagenvorsprüngen zurück, zumal das Parkhaus Petite France, in dem unser Vehikel untergebracht war, vom niedergehenden Starkregen teilweise unter Wasser gesetzt wurde. Mochten die allenthalben zu beobachtenden Tänze dem Regenmachen gegolten haben, so ließe sich ihre Wirkung als schnell einsetzend und überaus effizient bezeichnen.

Zurückgekehrt, suchten wir nach Erklärungen für die Straßburger Spontantänze und stießen auf Historisches – bzw. neuzeitliche Berichte über die Chroniken des Jahres 1518 (wie oben zitiert). Die Menschen hätten seinerzeit in Straßburg “nicht aus Freude, sondern aus Angst und Verzweiflung” getanzt. Zeitgenössische Ärzte hätten auf Gehirnüberhitzung infolge “heißen Bluts” als Tanzursache geschlossen. Aktuelle Interpretationen hingegen ziehen Mutterkorn-Vergiftungen bzw spätmittelalterlich-heidnisches Kultverhalten als tanzeingebend in Betracht. Wikipedia behandelt das Fänomen Tanzwut mit einem Artikel, der den Straßburger Fall von 1518 in eine Reihe ähnlicher Fälle einordnet: “Der Frankfurter Historiker Gregor Rohmann hat 2012 eine neue Interpretation der Hintergründe der Tanzwut des 14. bis 17. Jahrhunderts vorgelegt. Demnach handelt es sich nicht um eine Form von „Hysterie“ oder der durch Halluzinogene induzierten Ekstase, sondern um ein auf religiösen Vorstellungen beruhendes Krankheitskonzept: Wer unfreiwillig tanzte, agierte so das Gefühl aus, von Gott verlassen zu sein. (…) Die wichtigsten Tanzwut-Ausbrüche fanden (…) 1374, 1463 und 1518 statt. Alle drei Fälle erfassten nicht etwa ganz Europa oder auch nur größere Gebiete, sondern jeweils relativ gut eingrenzbare Verbreitungsräume im Rhein-Mosel-Maas-Raum: 1374 vom Oberrhein bis nach Belgien, 1463 im Eifelgebiet, 1518 in Straßburg.” Ein rheinisches Fänomen!
Hinweise auf Starkregen und Gewitter wie jüngst in Straßburg ließen sich im Zusammenhang mit den historischen Ausbrüchen – ob nicht vorhanden oder nicht beachtet – nicht entdecken: für die Forschung möglicherweise ein Hinweis, dem nachzugehen sich lohnen könnte.

Presserückschau (Februar 2016)

1
Sogar im Tomasee, den er zuvor als sauber eingeschätzt hätte, habe Rheinschwimmer Andreas Fath hohe Belastungswerte mit Plastikpartikeln festgestellt, berichtet das SWR-Fernsehen. Die Plastikteile gefährdeten im Rhein lebende Tiere, die Kunststoff bei der Nahrungsaufnahme nicht von natürlichen Partikeln unterscheiden können, daneben bestünde Verletzungs- und Erdrosselungsgefahr. Auch zögen die Plastikteile oberflächenaffine Giftstoffe an, die immer wieder in den Rhein geleitet würden und über die Nahrungskette schließlich beim Menschen landeten. Krankheitssymptome bei Muscheln könnten ebenfalls auf die Mikroplastikbelastung der Gewässer zurückgehen.

2
Trocken im Stil, äußerst bündig und dennoch auf positive Aspekte der Zuwanderung hinweisend eine WDR-Meldung zum rheinischen Karnevalsgeschehen: “In Krefeld hat ein 21-jähriger Zuwanderer aus Pakistan (…) nach Polizeiangaben einen 20-Jährigen aus dem Rhein gerettet. Der Mann aus dem Kreis Mettmann war beim Urinieren ausgerutscht und ins Wasser gefallen. Der Pakistaner sprang in den Fluss und rettete den anderen. Beide blieben unverletzt.”

3
“RHINE aus den USA liefern mit “An Outsider” ihr zweites Album ab. Hinter diesem Projekt steht Gabriel Tachell, der das Debüt “Duality” von 2011 im Alleingang aufnahm und nunmehr mit einer vollständigen Band antritt, um dem europäischen Metal im Allgemeinen, dem skandiavischen Metal im Besonderen Tribut zu zollen. Ein Schiff aus Seattle in fremdem Gewässern, wenn man so möchte. Das, aber auch die Art, wie die Musik sich windet und wie sie fließt, soll nach eigenen Angaben durch den Namen RHINE suggeriert werden. Und genau das bietet Tachell auch. Sein Schiff “An Outsider” fährt auf dem Rhein entlang, während vordergründig die “Vertebrae”-ENSLAVED (“Dreaming Of Death” ist ein guter Anhaltspunkt) und die “Ghost Reveries”-OPETH (vor allem der Titeltrack) immer wieder die Segel des US-Amerikaners aufblähen. In voller Fahrt segelt das Schiff so im Zickzack-Kurs zwischen ruhigeren, atmosphärischen Gewässern und aggressiven Wogen hin und her. Durch die geografische Begebenheit des Flusses hat die Musik selbstredend auch eine handvoll teutonischer Einflüsse abbekommen, die sich in den härteren, zum Teil thrashigen Passagen zeigen, sich wahlweise aber auch in Vikinger-Chören offenbaren, die in deutscher (!) Sprache von ihren Schlachten singen – und das noch nicht mal schlecht (“P.R.E.Y”).” (metal.de)

4
Der SWR berichtet von einem Fischfang bei Mainz: “Igor Hamm wollte eigentlich Zander angeln. Doch (…) dem 28-Jährigen aus Mainz-Kastel (ging) etwas deutlich Größeres an den Haken. In der Nähe der Bastion Schönborn biss ein Wels an. “Mir tut heute noch der Arm weh. Ich habe bestimmt eine Stunde mit dem Fisch gekämpft”, sagt Hamm (…). Schnell bildete sich ein Grüppchen Schaulustiger am Rheinufer: Spaziergänger blieben stehen, zückten Handykameras. Und auch ein Anglerkollege gesellte sich dazu, um Hamm beim Rausziehen des Riesenfisches zu helfen. “Wir konnten den Wels kaum zu zweit heben”, sagt Hamm, der seinen Fang auf 50 bis 60 Kilogramm schätzt. An Land legte sich der 1-Meter-80-Mainzer neben den Fisch. Nachgemessen habe sich eine Länge von 2,02 Meter ergeben, sagt Hamm.”

5
Eine Prognose über künftige Rheinpegelstände, deren Genauigkeit nachfolgende Generationen überprüfen dürfen, stellt der Meteorologe Peter Krahe von der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz im General-Anzeiger: “Wie sich der Wasserstand in Zukunft entwickeln wird, können Krahe und seine Kollegen (…) nur für die ferne Zukunft tendenziell voraussagen: “Man rechnet mit feuchteren Sommern und trockenen Wintern.” Angewandt auf hydrologische Modelle ergäben die durchschnittlichen Klimaszenarien für den Rhein bei Bonn im Zeitraum 2020 – 2050 im Winter eine Erhöhung der Wassermenge um fünf bis 20 Prozent. Bis zum Ende des Jahrhunderts erwarten die Prognosen im Winter zwischen fünf und 30 Prozent mehr Wasser. Für den Sommer zeigten die Prognosen erst ab 2070 einen markanten Trend – nach unten. Der Rhein könnte dann bis zu einem Viertel weniger Wasser führen als heute.”

6
Im Schnitt gut zwei Rheintote pro Monat meldet die Presse seit Jahren verlässlich. Die tatsächlichen Zahlen schätzen wir höher ein, da nicht jede/r Rheintote es in die Presse schaffen dürfte und nicht jede Pressemeldung uns erreicht. Diesen Monat war die Rede von drei treibenden Leichen: “Ein Schiffsführer hat eine im Rhein treibende Wasserleiche entdeckt. Sie wurde (…) auf der Höhe Rheinberg im Kreis Wesel in Nordrhein-Westfalen geborgen. Es handelt sich nach Angaben der Polizei um den Leichnam eines etwa 30 Jahre alten, unbekannten Mannes.” (t-online.de) “Ein Angler hat (eine) 94-jährige Frau, die (…) in Bad Krozingen vermisst wurde, auf der Höhe von Hartheim tot im Rhein gefunden. Offenbar ist sie dort ertrunken.” (Badische Zeitung) “Die Polizei Köln zog (…) in der Nähe der Deutzer Brücke eine Frau aus dem Rhein, die offenbar einen Selbstmordversuch unternommen hatte, wie ein Polizeisprecher (…) sagte. Bei der Rettungsaktion entdeckten sie plötzlich eine männliche Leiche im Wasser.” (Focus)

7
Wild lebende Flamingos am Rhein: “Im Zwillbrocker Venn ist die nördlichste Flamingobrutkolonie Europas zu Hause. Die langbeinigen Vögel können ab April bei Rangertouren im Naturschutzgebiet beobachtet werden. Den Winter verbringen sie am Ijsselmeer und im Rheindelta.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

8
Über die A 13 als Lebensader des Hinterrheintals schreibt Der Bund und daß ihre Wertschöpfung bescheiden geblieben sei. Ein Hotel beim Tunnelportal stehe seit einem Jahrzehnt leer und sei zurzeit eingeschneit: “Bisher zeigte sich das kleine Hinterrhein immer wieder innovativ: Vor kurzem eröffnete im Dorf wieder ein Restaurant – in einem ehemaligen Geissstall. Hier können sich die Wanderer und Skitourengänger verpflegen, die eine der wenigen Ferienwohnungen gemietet haben. Der Kleinbetrieb läuft so gut, dass er eben ausgebaut worden ist. Früh erkannt haben die Bauern im Tal auch den Trend zu Bioprodukten. 1992 stellten sie ihre Produktion allesamt um. Ihr Bündner Bergkäse wird seither in hippen Bioläden in Deutschland und in der Schweiz von Coop verkauft. Im Dorf selbst gibt es einen Tante-Emma-Laden, der allerdings im Herbst schliessen wird.”