Hobbithöhle in Nendeln

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Das Lachen der Hühner: Rezension (2)

In der aktuellen Juni-Ausgabe von Kultur, dem Monatsblatt für ebensolche und Gesellschaft in Vorarlberg ist eine Rezension zu Das Lachen der Hühner von Karin Jenny erschienen:

“Ein kleiner Lyrikband mit Sonetten handelt von Liechtenstein. Geschrieben von Stan Lafleur, dem Autor, der in Köln am Rhein lebt und sich den Rhein zum Bruder machte. Unzählige Veröffentlichungen erzählen von dieser Affinität. Ein möglicher Grund, warum er für einige Monate in Liechtenstein lebte und als Stipendiat der Kulturstiftung Liechtenstein seinen Blick auf das Fürstentum warf.

In dem kleinen Band „Das Lachen der Hühner“ veröffentlicht Stan Lafleur elf Gedichte/Geschichten, symbolisch für die elf Gemeinden Liechtensteins. Ergänzt werden die Texte durch Scherenschnitte von Helena Becker, die jede der elf Gemeinden Liechtensteins darstellt. Ihre Arbeiten sind losgelöst von den Texten Lafleurs entstanden und bilden einen eigenartigen Kontrast zu dessen sperrigen Texten.

„Fast keine Stimmung vorhanden. Autos parken
ein und aus. tauschen ihre schnell vergänglichen Menschen
in den Pausen dazwischen erneuert sich, ziellos, der Mittag
breiige Sonne, die mit zwei überschüssigen Strahlen die
Fahrbahn beschiesst: Softeis schmilzt auf Asfalt, die Strassen
fliessen sanft entlang an warmgestellten Einfamilienhäusern
vereinzeltes Himbeerblinken, bisweilen durchsegelt die
Luft ein ausgebleichter Geldschein. Wo liegt morgen,
wo gestern, wo heute?…“

Soviel zu Nendeln, dem Strassendorf im Liechtensteiner Unterland. Lafleur nimmt in seinen Texten die Befindlichkeit der „Fremdstauner“ auf, jener Auswärtigen, die der Tristesse dieses Strassendorfes erliegen. „Bremsspurenmandalas zieren Abzweige zu Seitenstrassen…“ Lafleur schmückt seine Sprache aus, als ob er dem Dorf dadurch einen neuen Glanz geben wollte, als ob es ihm leid tun würde, dass der Glanz nicht von selbst da ist. Die von ihm gewählte Interpunktion, die Anfänge mittendrin, das Mittendrin am Anfang verstärken die spröde Atmosphäre, die allem innewohnt. Er setzt die Syntax gegen die Form, das heisst, Lafleur geht damit über die Form hinaus. Er benutzt eine traditionelle lyrische Form „…geruch gärenden geldes“, nämlich die des Sonetts und setzt eine kritisch beobachtende Alltagssprache dagegen.

Seine Texte zu Eschen, Triesen oder anderen Orten sind nicht weniger sperrig, gleichwohl erlebt man sie als schön, wenn man es mag, dass da einer den Spagat zwischen schmückenden Wörtern und entlarvenden Gesten macht. Lafleur entlarvt, kennt kein Erbarmen und scheint doch ein Liebender zu sein, einer, der das, was er so schonungslos beschreibt, liebt.

Vielleicht ist es dieser gelungene Spagat, der diesen kleinen, von schlichten Klammern gehaltenen Band so einzigartig macht. Vielleicht ist es auch deshalb, weil Liechtenstein so schroff keiner beschreiben würde, der in dieser Rheinregion beheimatet ist. Der Rhein in diesen Breitengraden zeigt anderes als jener um Köln. Keine Erkenntnis, die vom Hocker haut – aber eine Möglichkeit, frühere Einfachheit aufzuspüren, sie heute noch zu orten und ihr eine Sprache zu geben. Lafleur schenkt Liechtenstein mit diesem Bändchen ein wunderbares sprachliches Werk, das lange nachklingt. (…)”

***

Stan Lafleur / Helena Becker: Das Lachen der Hühner. Liechtenstein-Gedichte und Papierschnitte, parasitenpresse, Köln 2011. 24 Seiten, ca. DIN A5-Format. Keine ISBN-Nummer.

Bestellbar über den lyrikvertreibenden Buchhandel oder direkt beim Verlag: parasitenpresse@hotmail.com
Bei rheinsein eingehende Bestellungen werden an den Verlag weitergeleitet.
In Liechtenstein sind die Bände in den Buchhandlungen Bücherwurm/Vaduz, GMG/Schaan und Omni/Eschen vorrätig.

Preis für Besteller aus Deutschland: 9 Euro (inklusive Porto und Verpackung)
Preis für Besteller außerhalb Deutschlands: 9 Euro / 12 Schweizer Franken (plus Portopauschale)
Ladenpreis: 9 Euro / 12 Schweizer Franken

Das Lachen der Hühner: Bonusmaterial

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Das Lachen der Hühner ist womöglich die erste künstlerisch-literarische Kompaktbeschreibung des Fürstentums Liechtenstein in der Moderne. Von Anfang an war der Band auf je elf Gedichte und Bilder veranschlagt, den elf Gemeinden des Landes zu entsprechen. Rheinsein zeigt nun in einer Miniserie, exklusiv und den Start des Bandes begleitend, etwas Bonusmaterial: Bilder und Texte, die es nicht in den Band schafften. Den Auftakt macht eine Stadtansicht von Vaduz (von Helena Becker).

Stan Lafleur / Helena Becker: Das Lachen der Hühner. Liechtenstein-Gedichte und Papierschnitte, parasitenpresse, Köln 2011. 24 Seiten, ca. DIN A5-Format. Keine ISBN-Nummer.

Bestellbar über den lyrikvertreibenden Buchhandel oder direkt beim Verlag: parasitenpresse@hotmail.com
Bei Rheinsein eingehende Bestellungen werden an den Verlag weitergeleitet.
In Liechtenstein sind die Bände in den Buchhandlungen Bücherwurm/Vaduz, GMG/Schaan und Omni/Eschen vorrätig.

Preis für Besteller aus Deutschland: 9 Euro (inklusive Porto und Verpackung)
Preis für Besteller außerhalb Deutschlands: 9 Euro / 12 Schweizer Franken (plus Portopauschale)
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Miss Liechtenstein

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Beim Besuch der Wahlen zur Miss Oberland im Rahmen des Vaduzer Jahrmarkts hatten wir uns eine radikale Kuhgrippe zugezogen, an der wir bis heute laborieren. Deshalb konnten wir auch nicht den Eschener Jahrmarkt besuchen, auf dem Miss Unterland, Miss Euter und Miss (Gesamt-)Liechtenstein (Siegerin Kenia oben im Bild) gekürt wurden – sodaß wir die Geschehnisse im Nachhinein den Zeitungen entnehmen mußten. Auch nach Eschen (wie zuvor schon nach Vaduz) waren demnach eigens neutrale Schweizer Kuhsachverständige geladen, die schärfsten, modernsten Kühe ausfindig zu machen. Kuhadäquate Fachbegriffe (Unteranlage, Drittlaktation, Rot- und Schwarzflecken, Cheibli, Vählatr) gehen uns nun wie auch immer locker von der Zunge. Und einige neue Kuh- (Amanda, Alwina, Andorra, Bella, Edelweiß, Elektra, Enzian, Gämsli, Hanni, Malta, Para, Primel, Tiffany, Toplady, Venus, Zora) stehen fürder neben nicht minder feschen Stiernamen (Eros, Glenn, Prinz, Zaster) auf der Bedichtungsliste.

Die Goldene Boos

Frauenstimmrecht gibt es in Liechtenstein seit 1984. Drei Jahre später wurde die Todesstrafe abgeschafft. Die letzte in Liechtenstein zum Tode verurteilte und hingerichtete Person war am 26. Februar 1785 Barbara Erni, bekannt als die Goldene Boos. Am 15. Februar 1743 kam sie in Feldkirch als Tochter eines heimatlosen Paares zur Welt. 1779 heiratete sie den weithin als Verbrecher bekannten Tiroler Franz. Vier ihrer fünf Kinder starben noch im Kindesalter. Um der Armut zu entkommen, faßte Barbara schließlich einen Plan wie sie auf Kosten anderer zu Geld gelangen konnte. Innerhalb von sechs Jahren gelangte sie mit ihren Methoden zu Ruhm und bekam dank ihres rotblonden Haars den Spitznamen Goldene Boos verpaßt. Ihr wurden eine riesige Gestalt und übermenschliche Kräfte nachgesagt. Mit einer großen hölzernen Brustlade wanderte sie durch die Landeam jungen Rhein. Wo immer sie übernachtete, verlangte sie, die Holzlade, die einen wertvollen Schatz enthalte, solle im besten Zimmer des Hauses aufbewahrt werden. Statt eines Schatzes barg die Lade ein Geheimnis: in ihr war ein kleiner Mann versteckt. Ob es sich dabei um den Tiroler Franz oder einen anderen handelte, verschweigt die Geschichte. Zu nachtschlafener Zeit kam das Männlein aus seinem Versteck hervor und räumte die Wertsachen der Gasthäuser ab. Auf diese Weise sollen beide zu einigem Vermögen gekommen sein. Dieser waghalsige Trick, der neben Körperkraft sicher nicht weniges an mündlicher Überzeugungsarbeit gefordert haben mußte, ging über lange Zeit immer wieder neu auf, bis Barbara in Eschen (wo heute eine Gasse nach ihr benannt ist) damit aufflog und auf Schloß Vaduz für 276 Tage in eine winzige Zelle ohne Tageslicht gesteckt wurde. Ein anonym verfaßtes „Gefangenenlied der Goldenen Boos“ („ach ist doch kein Mensch auf Erde / der mich noch erlösen werde“) fand Eingang ins lokale Volksgut. Bei ihrem Prozeß gestand Barbara Erni mindestens 17 Diebstähle. Am 7. Dezember 1784 wurde sie zum Tode verurteilt, vornehmlich wohl, um eine abschreckende Wirkung auf die Ganoven des Umlands auszuüben, denen Liechtenstein mehr und mehr als sichere Zufluchtsstätte galt. Schließlich wurde sie auf den Rofenberg geschleppt, wo sich eine Menge von über tausend Schaulustigen versammelt hatte. Der Landammann brach den Stab über sie. Weil Liechtenstein keinen eigenen besaß, mußte ein Henker von außerhalb bestellt werden. Im Alter von 42 Jahren wurde Barbara Erni professionell enthauptet. Das weitere Schicksal ihres kleinen Komplizen ist nicht überliefert.

Durchs Unterland (2)

Mauren vereint in sich nicht nur ein locker gepflanztes und für das ganze talweite, erst im Osten enorm steil aufschießende Land ausgesprochen ansehnliches Häuserensemble, dessen alten bäuerlichen Notwendigkeiten geschuldete Komposition in der Neuzeit weiter den natürlichen (= non-artifiziellen) Eindruck wahrt, sondern auch drei europäische Metropolen, denn wie Rom liegt Mauren über sieben (im Lokalfall sogar saftige) Hügel verteilt, mit Moskau gemein hat Mauren den Roten Platz (besitzt darüberhinaus, genau wie Rüppurr, noch einen Schwarzen), und das architektonisch so erstaunliche neue Vaduzer Parlamentsgebäude verliert einiges an Überraschungseffekt, kennt man nur bereits das Maurner Gemeindehaus, das ganz genauso einem gelb vermauerten Kasperletheater entlehnt ist wie der nur um weniges imposantere metropolitane Prachtbau der Landeshauptstadt. Zentral plaziert die Büste Peter Kaisers, welcher die„bahnbrechende“ (Wikipedia) „Geschichte des Fürstentums Liechtenstein: nebst Schilderungen aus Churrätiens Vorzeit“ verfaßte und dem von Passanten längs seiner Büste zum wenigsten regionale Bekanntheit bis auf den heutigen Tag attestiert wird. Nicht ganz denselben Bekanntheitsgrad erreicht/e bis heute Johann Georg Helbert, dem die entsprechende Skulptur vorm Pfründehaus in Eschen aufgestellt wurde und der als erster Chronist Liechtensteins gilt, wogleich die Nase über den eigenen Gartenzaun hinauszustrecken um 1800 im Tümle noch eher als ehrenrührig galt. Im Pfründehaus-Schaukasten ist eine tönerne Schabmadonna abgebildet, praktisch abnutzbares Bittgut katholischer Prägung. Eine rasante Fahrt vorbei an der „Schwarzes Loch“ genannten Hilti-Lagerhalle, sowie am Papstdenkmal im Sportpark (das, auf magisch-trianguläre Weise einem Besuch Karol Wojtylas vor 25 Jahren gewidmet selbst außerirdische Kornkreiszeichner anzulocken verstand) nendelt Rheinsein der oberländischen Absorptionslinie entgegen, an der ganze angefangene Tage zu verpuffen vermögen um als gewesene, als Unterbau, als sonstewas Eingang in die Annalen zu finden.