Määnz


Wenn mich emol en Wandersmann deht fage,
woher ich bin unn wo mei Heimat wär’
do wißt ich em nix annerster zu sage:
zu rate iss des ganz bestimmt nit schwer,
bei uns dehäm gibt’s Butzebewel, Monder,
gibts Vilzbach, Triller, Martkt unn Gaadefeld.
gibts Bajass un gibts goldig Oos,
gibts Gockes, Schambes, Nickeloos,
dem Done, Rickes, Balzer seine Welt!

Määnz bleibt Määnz, so lang durch Määnz noch fliesst de Rhoi
Määnz bleibt Määnz, so lang’s noch gibt Weck, Worscht und Woi.

(Ernst Neger)

Mainz, wie es schunkelt

Als Netzfund der Kategorie “semi-bizarrer Beifang” möchten wir das Lied Mainz, wie es schunkelt bezeichnen, das im Dritten Reich als “Schunkelschlager mit militärischen Bläsereinsätzen” offenbar zum Karnevalsrepertoire des Mainzer Lokalmatadors Ernst Neger gehörte. (Nebenbei: welch großartiger Name: Ernst Neger! Dazu kommt uns unvermittelt die jüngste Diskussion um den Austausch vorgeblich diskriminierender Begriffe in Kinderbuchklassikern von Otfried Preußler und Astrid Lindgren vermittels modernerer, vorgeblich wertneutraler Formulierungen in den Sinn. Sollte die political correctness einst auf breiter Front siegen, wird dann auch Ernst Neger umbenannt werden müssen/dürfen? Und was ist mit dem noch viel berühmteren Fall Arnold Schwarzenegger? Anfang der 90er machten uns ghanaische Kommilitonen und Fans des testosterongeladenen Actiontrashs freudestrahlend auf dessen “Pseudonym” aufmerksam: “Weißt du, warum der sich “Schwarz-Neger” nennt? Wow, ist das cool!” Schwarzeneggers Name wurde von unseren Freunden, nicht ohne einen kräftigen Spritzer Humor, als Anbiederung an sein afrikanisches Publikum aufgefaßt. Diskriminierung scheint immer eine Frage der Perspektive, die selbstredend wechseln kann, sei es, z.B., durch gesellschaftlichen Auf- oder Abstieg, Nationalitätenwechsel oder Umpigmentierung. Quod licet Iovi non licet bovi, läßt sich die wohlmeinende Perspektive der Korrektheitsmahner zusammenfassen, die zumeist von einer mißgeleiteten und somit zu brechenden männlich-weiß-europäischen Mehrheits- und Machtperspektive ausgehen, deren Sinn für einseitige Filisterei kein geringer und deren Humorverständnis bisweilen komplexen, selbst erstellten Paragrafenwerken zu folgen scheint. Die Debatte lasen wir ergo, einmal mehr, als eine, die in erster Linie der Deutungshoheit und erst in zweiter, dritter oder garnicht schwerwiegenden persönlichen Erfahrungen, die nach Wandel schrieen, gewidmet war.) Unsere Quelle datiert das Lied, um das es hier eigentlich, wenngleich nur als Beifangausstellung geht, drei Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg. Im Text, der grob mit dem “Der Wacht am Rhein” verquirlt wurde, heißt es in einer für den Landstrich typischen Melange aus rheinischem Fatalismus und zugleich einer mitläuferisch-subtilen Anpassung an tausendjährige Ideen:

“Die Welt, die geht rauf und geht runter
Es knallt und es kracht auch mitunter
Wenn alle die Nerven verliern
Uns kann doch gar nix passiern!

Die Lorelei hält immer noch jahraus, jahrein
Die Wacht am Rhein, die Wacht am Rhein!
Den großen Fels, den kriegen die auch niemals klein
Die Wacht am Rhein, der Wacht am Rhein!

Der Stein der Lorelei wird nie im Rhein versinken
Das wird in tausend Jahren noch wie heute sein”