Presserückschau (Mai 2017)

1
Bodennebel
“Am Rhein in Götterswickerhamm hat sich eine Gruppe aus etwa 20 Menschen versammelt. Angeführt von Bürgermeister Dirk Haarmann soll es vom Rhein aus in Richtung des neuen Voerder Marktplatzes gehen. (…) Dort wartet bereits eine größere Menschenmenge auf die Eröffnung des Platzes. (…) “Mit dem Umbau des Marktplatzes soll die Attraktivität des Kernbereichs unserer Stadt erhöht werden (…). Besser konnte die Lage unserer Stadt am Rhein nicht sichtbar gemacht werden”, erklärte der Bürgermeister (…). Mit dem Pegel, der den Wasserstand im Rhein sichtbar macht, der großen 800 zur Markierung des Rheinkilometers in Götterswickerhamm und einer Webcam, die Bilder live vom Rheinufer auf eine Projektionsfläche auf dem Platz überträgt, habe man sich den Fluss in die Stadt geholt. Ebenso mit dem Bodennebel, der den Rheinverlauf darstellt.” (Rheinische Post)

2
Giraffe auf dem Rhein
“Im Rahmen der Literaturtage (…) hat die Mediathek die Straßburger Autorin Ronja Erb eingeladen (…) ihr Kinderbuch “Die Giraffe auf dem Rhein – La girafe sur le Rhin” vor(zu)stellen. Fara, eine Giraffe im Zoo von Rotterdam, soll fortan in einem Zoo in der Schweiz leben. Ein Schiff wird sie dorthin bringen. Auf dieser Reise den Rhein hinauf entdeckt Fara viel Neues und das anfängliche Unbehagen weicht rasch einer freudigen Neugier auf das, was sie erwarten wird. Als das Schiff im Hafen von Kehl anlegt, begibt sich Fara voller Abenteuerlust auf eine Erkundungstour durch Straßburg und Kehl.” (Badische Zeitung)

3
Rheinpromenade Emmerich
“Zahlreiche Besucher kamen (…) zur Eröffnung der Bilderausstellung “Die Promenade von Emmerich am Rhein”. Die Rheinpromenade sei früher nur eine Rheinuferstraße gewesen, an der vor allem gearbeitet wurde. Dort wurden Schiffe ein- und ausgeladen. “Es gab viele Kneipen, auch welche, an denen die Schiffer ihre Post abholen konnten”, sagte Herbert Kleipaß in seiner Einführungsrede. In den 1960er Jahren schaffte man dann den ersten Schritt zu einem Freizeitraum. “Im Juni 1967 wurde die Rheinpromenade nach dem Umbau eröffnet mit Blick auf die längste Hängebrücke Deutschlands. Der Rheinuferweg lud zum Prominieren ein, die Gastronomie veränderte sich von Kneipen zu Speiselokalen.” Die Speditionen wurden immer weniger und von den zehn Zollbooten, die 1980 noch im Einsatz waren, wurden viele für Grenzflüsse in den Osten verkauft.” (Rheinische Post)

4
Reisen im Plastiksitz
“Die Feuerwehr ist (…) zu einem Einsatz auf dem Rhein nach Niederdollendorf ausgerückt. Dort war ein Mann mit einem aufblasbaren Schwimmsitz auf dem Fluss unterwegs. Wie die Feuerwehr (…) mitteilte, hatten Passanten (…) die Feuerwehr alarmiert, weil sie den Mann auf einem Plastiksitz auf dem Rhein treiben sahen. Die Feuerwehr sei daraufhin mit dem Boot ausgerückt und habe den Mann bei Niederdollendorf aus dem Rhein geborgen. Dieser war allerdings in aller Gelassenheit freiwillig auf dem Rhein unterwegs und habe laut Feuerwehr angegeben, bis zur Rheinaue fahren zu wollen. Die Einsatzkräfte ließen den Mann demnach mit einer Verwarnung davonkommen, wiesen ihn aber darauf hin, dass er mit seinem Gefährt in Zukunft nicht noch einmal über den Rhein fahren dürfe.” (General-Anzeiger)

5
Niers versus Rhein
“Dass die Gegend, in der ich aufgewachsen bin, Niederrhein heißt, habe ich Jahrzehnte nicht hinterfragt. Hier fließt eben der Rhein, der Große, der Mächtige, bedichtet und besungen seit der Römerzeit. Aber dann fiel mir auf, was der Rhein in mir auslöste, wann immer ich ihn auf einer Brücke überquerte: nichts. Ich hätte ebenso gut über die Elbe fahren können oder die Donau. Hier Rhein, da raus. Das liegt daran, dass der Rhein in großen Teilen des Niederrheins nicht zum Alltag gehört (…). Die Niers hingegen bleibt länger. Sie fließt durch den Kreis Viersen, und geradezu ewig durch den Kreis Kleve. Ich habe mir das schriftlich geben lassen: Wenn ich mit Niederrhein die Landkreise Wesel, Kleve und Viersen meine, macht die Niers am Niederrhein sieben Kilometer mehr als der Rhein, knapp 82. Doch was sind schon Zahlen, die Niers verkörpert den Niederrhein. Der Rhein kommt mit seinen Hunderten Metern Breite aus der fernen Schweiz herangebraust, er kommt als fremder Koloss und spaltet die Landschaft ins Rechts- und Linksrheinische. Für die Niers aber ist der Niederrhein nicht bloß Transit-, sondern Herzland. Der außerhalb der Region beinahe unbekannte Fluss entspringt in einem Dorf bei Erkelenz, (…) sie fügt sich ein in die Landschaft, anstatt sie zu dominieren und auseinanderzureißen, weil sie zwar breiter wird, aber nie Wasserstraße. Stets bleibt sie so beschaulich wie der Niederrhein selbst, ebenso gemächlich, halb so schnell wie der Rhein. Fließt nicht durch Köln, Düsseldorf oder Duisburg, bloß durch Mönchengladbach, Geldern, Kevelaer, Weeze, Goch. Und kaum hat die Niers den Niederrhein verlassen, endet sie auch schon in der Maas. Von ihren 113 Kilometern fließen bloß die letzten acht durch die Niederlande. Viel weiter kommen die Deutschen auch nicht, wenn sie am 1. Mai und Fronleichnam zum Einkaufen ins Nachbarland fahren.” (Rheinische Post)

6
Die arme Sau
“Zu einer „Preußen-Matinee in Liedern“ hatte die Stiftung Willy-Brandt-Forum am Sonntag eingeladen. Und da der Vorsitzende (…) den Bonner Kabarettisten Norbert Alich eingeladen hatte, sein Programmen „Der Rhein – die arme Sau“ zu präsentieren, war man direkt in den großen Sitzungssaal der Verbandsgemeinde umgezogen. (…) “Mit dem Rhein hat es aber gar nichts zu tun. Geschrieben hat es kein Rheinländer, sondern ein Hamburger Gastronom und Boxpromotor“, verriet Alich und war schon bei seinem Lieblingsthema, den „Fremden“, die „aber auch janix mit dem Rhein zu tun haben“ und sich trotzdem etwa wie Konrad Beikircher erdreisten, als Südtiroler zu erklären, was es mit dem Rhein und seinen Anrainern so auf sich habe. (…) Seit den ollen Römern sei man hier eben der Spielball der Nationen und müsse alles ertragen, vor allem die Bahn mit ihrem Lärm. „Dabei müsste die doch nur einmal die Reifen wechseln, was ich jedes Jahr zweimal machen muss“, monierte Norbert Alich, um sich dann über den furchtbaren Rhein-Reim-Zwang mit klein, sein, Mägdelein und natürlich dem Wein zu ereifern, der sich durch das Liedgut mäandert von der Romantik über Willi Schneider bis zu den Höhnern. „Man könnte doch ganz einfach auf Reben zurückgreifen und wäre schon weg vom Wein“, schlug er vor, um sich dann seinem Lieblingsthema zu widmen: Wer den armen Rhein, die arme Sau, und mit diesem Wort bewusst den Reim „Rhein-Schwein“ vermeidend, so alles gequält hat.” (Blick aktuell)

7
Pferdesegnung
“Im Rahmen seines großen Jubiläumsreitturniers hatte der Reitverein „Dreiländereck“ als besonderen Programmpunkt zu einer Pferdesegnung eingeladen. (…) Insgesamt über 20 Pferdebesitzer versammelten sich dann mit ihren Pferden auf dem großen Springplatz im Reitsportzentrum Lehmann, um an der Segnung teilzunehmen. In Anlehnung an die Lesung aus dem Buch Genesis über Mensch und Tiere wies Dekan Möller auf die Verbundenheit der Menschen mit ihren Tieren hin, da sie alle Geschöpfe Gottes seien. Danach wurde jedes Pferd einzeln mit Weihwasser gesegnet. Einige der Pferde schreckten dabei zwar mit dem Kopf etwas zurück, blieben aber dann brav stehen – dies auch während der Kirchenlieder, die der Musikverein begleitete. Zur Belohnung für das „Durchhalten“, wie Dekan Möller die Vierbeiner lobte, gab es für jedes Pferd von den Ministrantinnen noch eine Karotte.” (Die Oberbadische)

8
Rheintote
“Schockierender Fund in Bonn: Passanten entdeckten (…) eine Leiche, die am Estermannufer im Rhein trieb. Sie alarmierten sofort die Polizei, die zu Land und zu Wasser ausrückte. Auf Höhe des Fähranlegers Graurheindorf konnten die Beamten den Toten bergen. Laut Polizei handelt sich um einen Mann aus Rheinland-Pfalz. Hinweise auf ein Fremdverschulden liegen nicht vor, die Ermittlungen dauern an.” (Express)

“Einsatzkräfte der Feuerwehr haben (…) eine Wasserleiche aus dem Rhein geborgen. Wie ein Sprecher der Einsatzleitstelle auf Anfrage erklärte, sei der oder die Tote bei Rüngsdorf ans Ufer geschwemmt worden. Die Person habe sich augenscheinlich schon längere Zeit im Wasser befunden. (…) Die Einsatzkräfte bargen den Leichnam (…) nahe der Straße Am Schwimmbad aus dem Rhein. Wie ein Sprecher der Polizeieinsatzleitstelle mitteilte, dauern die Ermittlungen zur Identität der Person noch an.” (General-Anzeiger)
“Nach dem Fund einer Wasserleiche im Rhein bei Bonn (…) geht die Polizei davon aus, dass es sich bei dem Mann um das Besatzungsmitglied eines Ausflugsschiffes handelt. Er war vor einiger Zeit von Bord des Schiffes gefallen. Die Ermittler der Wasserschutzpolizei Koblenz gehen offenbar von einem Unglücksfall aus.” (WDR)

“Auf dem Rhein in der Nähe des Düsseldorfer Landtags fand (…) eine dramatische Rettungsaktion der Feuerwehr statt. Trotz stockdunkler Nacht konnten die fast 100 Einsatzkräfte einen Mann aus dem Wasser retten. Wie die Polizei (…) mitteilte, verstarb der Unbekannte allerdings später im Krankenhaus. Passanten hatten die Person im Hafenbecken Höhe der Ausfahrt zum Rhein entdeckt und sofort die Feuerwehr alarmiert. Diese lief mit einem Großaufgebot auf: Löschboot, fünf Rettungsboote mit Wärmebildkameras und 15 Landfahrzeuge mit Rettungstaucher. Außerdem unterstützte aus der Luft ein Polizeihubschrauber die Kräfte vor Ort.” (WDR)

Quel dommage, monsieur, que nous soyons en Allemagne !

(…) Nous avions quitté les chemins briquetés de Hollande. Le pays était toujours très plat, très vert, mi-polders, mi-champs de cultures, avec, çà et là, de petits villages tranquilles, entourés joliment de bouquets de bois, et des petites maisons basses — fermes et laiteries — aux façades chaulées, aux toits de tuiles, dont le rouge jouait discrètement, sous un ciel gris perle, très profond et très doux.

Ce n’était plus la Hollande et ce n’était pas encore l’Allemagne. C’était un reste de Hollande dans très peu d’Allemagne, quelque chose d’intermédiaire qui donnait au paysage je ne sais quoi de plus gentiment mélancolique, un charme de chose très jeune ou très ancienne — je ne saurais dire — assez émouvant.

Et la route unie, sans une courbe, sans un ressaut, invitait à la vitesse.

Nul obstacle nulle part. Pas un caniveau, pas un dos d’âne : une piste bien entretenue de vélodrome. Scrupuleusement, les voitures que nous dépassions tenaient leur droite, et les charretiers, attentifs à leurs chevaux, nous saluaient au passage, sans servilité, presque en camarades.

Brossette me dit :

— Quel dommage, monsieur, que nous soyons en Allemagne !
— Pourquoi donc, Brossette ?
— Parce que je n’aime point ces gens-là… Et puis, monsieur, parce que voilà une route épatante où nous ferions facilement du quatre-vingt-dix… plus, peut-être…

Et, après un silence :

— C’est curieux !… Monsieur est bien sûr, au moins, que nous sommes en Allemagne ?
— Voyons !… Et la frontière ?… Tout à l’heure ?
Il haussa les épaules.
— Ça ? Une frontière ?… Oh ! là là !… Givet, oui… voilà une frontière… Mais du moment que monsieur est sûr ?

Et il grogna :

— Sale pays, tout de même !

Nous marchions lentement, comme dans une forêt enchantée, une forêt pleine d’embûches, de traquenards, de dangers, une forêt pleine d’ours, de tigres et de lions… Anxieux, nous interrogions l’horizon… Nous fouillions du regard, à droite et à gauche, la campagne, avec la peur de voir tout à coup surgir le casque à pointe du Règlement, avec la terreur de tout ce que devait cacher d’inconnu, de barbare, ce calme insidieux.

Et la 628-E8 était impatiente. On la sentait, toute frémissante d’élans retenus… Elle semblait encapuchonner son capot, comme un ardent étalon, son encolure, sous le mors qu’il mâche et qui le maîtrise. On eût dit vraiment qu’elle tirait sur le volant, comme un cheval sur ses guides… Je vis à l’horloge municipale d’un village qu’il était quatre heures et demie. Nous avions plus de deux cents kilomètres à faire, avant d’atteindre Dusseldorf, où nous eussions bien désiré arriver avant la nuit.

Pourquoi, à ce moment, songeai-je à la guerre de 70 ? Pourquoi justement, au lieu de ses horreurs, me revint à l’esprit cet épisode intime et consolant qu’au retour mon père m’avait conté ?

Il avait dû loger, pendant un mois, un général prussien, son état-major et sa suite. Très discret, d’une éducation parfaite, d’une bonne grâce très délicate, ce général n’avait pris de notre propriété que ce qui était indispensable à lui et à ses services. Il s’efforçait, par tous les moyens, de rendre moins humiliante, moins pénible, cette occupation, et il veillait à ce que rien – autant que cela était possible – ne fût changé des habitudes de la maison. Il se conduisait comme un hôte bien élevé, non comme un conquérant.

Un matin, il se fit annoncer chez mon père :

— Je viens d’apprendre, monsieur, lui dit-il, que vous avez un fils à l’armée de la Loire ?… Est-ce vrai ?
— Oui.
— Avez-vous de ses nouvelles ?
— Je n’en ai plus depuis longtemps déjà.
— Depuis quand, exactement ?
— Depuis Patay… soupira mon père.
— Ah !…

Puis :

— Voulez-vous me permettre de m’informer ?… Moi aussi, monsieur, j’ai des enfants… Je sais… Je sais… Cela ne vous désobligera pas que…
— Je vous en serai reconnaissant, au contraire… J’avoue que j’ai de grandes inquiétudes…

Le général demanda quelques renseignements complémentaires… et, saluant :

— À bientôt, j’espère…

Quelques jours après, il se présentait à nouveau… Il était tout souriant :

— J’ai des nouvelles de monsieur votre fils… Il est au Mans… Il se porte très bien… Je suis heureux d’avoir pu…

Puis :

— Je crois que nous touchons au terme de cette affreuse chose…

Puis encore :

— Voulez-vous me permettre de vous serrer la main ?

J’entendais encore mon père me dire qu’il n’avait jamais été plus touché par la bonté d’un homme, et que, jamais, il n’avait serré une main française avec autant de joie qu’il étreignit cette main allemande… C’est que mon père était, lui aussi, un brave homme… Dieu merci, il n’avait rien d’un héros de théâtre.

Sous l’impression de ce souvenir, je m’exaltai :

— Ma foi ! tant pis… m’écriai-je tout à coup… Arrivera ce qui pourra… Allons-y, Brossette, allons-y !

L’air était frais, la carburation excellente. La bonne C.-G.-V., lâchée, bondit et roula comme une trombe sur la route.

— L’accélérateur, Brossette !… Nous verrons bien…
— Sale pays ! répéta Brossette, en réglant ses gaz et donnant méthodiquement de l’avance à l’allumage.

En quelques minutes, nous fûmes à Emmerich, où nous traversâmes le Rhin, sur un bac à vapeur très puissant ; en quelques autres, à Clèves, dont nous escaladâmes les rues sinueuses et montueuses, à la grande joie des promeneurs – c’était un dimanche, – et sous la conduite d’un petit pâtissier, très fier d’être monté sur le marchepied, et qui nous mit gentiment sur notre chemin, de l’autre côté de la ville.

Ah ! quelle route !

Quelle route que cette route où nous mena le petit pâtissier de Clèves, la plus belle de ces belles routes du Rhin, construites par Napoléon, pour les affreux défilés de la guerre, et où, maintenant, passe ce que l’automobilisme apporte avec lui de civilisation moins rude, de sociabilité universelle et d’avenir pacificateur.

Elle était, cette route, bordée d’une double rangée de magnifiques ormes, avec du printemps très tendre, très jeune, entre leurs branches, une poussière de printemps, à peine rose, à peine verte, à la pointe de leurs branches ; elle était large, étalée, comme notre avenue des Champs-Élysées, douce et unie comme si elle eût été tendue de soie, et toute droite, si droite qu’on n’en voyait pas le bout, sinon, là-bas, tout là-bas, aux confins du ciel, un tout mince ruban jaune, un tout petit trait de pastel jaune que nous ne pouvions jamais atteindre… Et le soleil de cette fin de journée faisait avec les entrelacs de l’ombre, comme un tapis, tel que n’en tissèrent jamais les plus subtils artisans de la Perse.

Sur ce sol merveilleux, la machine, emportée au rythme d’un ronflement léger, régulier, infiniment doux – bruit d’ailes ou souffle de vent lointain – glissait, volait, ainsi qu’un oiseau rapide qui rase la surface immobile d’un lac.

Brossette ne disait plus rien, ne répondait plus à mes questions. Il était grave, regardait la route d’un œil légèrement bridé, et il écoutait chanter la belle chanson des cylindres.

Les champs me frappèrent par leur terre grasse, leur air cossu, leurs belles cultures, l’abondance de leurs troupeaux. Les villages, très propres, les seuils lavés, les fenêtres claires, les portes aux cuivres luisants avaient un aspect d’aisance tranquille. Partout cela sentait le travail, la sécurité, la richesse, je ne dis pas le bonheur, car le bonheur, c’est autre chose. Il ne se voit pas tout de suite aux yeux des hommes, comme le bien-être aux fenêtres des maisons. Il ne se voit qu’à la longue, il ne se voit pas souvent, il ne se voit presque jamais.

Nous prîmes de « la benzine » dans une petite ville dont je n’ai pas retenu le nom, ville de cinq mille habitants, à peu près, rebâtie, presque toute neuve, avec des rues larges, coupées de places ombragées, et des maisons où semblait régner un confort solide. Deux ponts, l’un tout neuf, l’autre très vieux, enjambaient, le premier, d’une seule courbe, le second, de deux arches gothiques, les deux bras d’une rivière, que bordaient de petites industries qu’à leur air actif et coquet l’on pressentait prospères.

Comme dans toute l’Allemagne, les édifices administratifs s’imposaient aux contribuables par leur monumentalité un peu effrayante, d’un goût horrible souvent, d’une opulence orgueilleuse et bien assise, toujours. Je m’étonnais grandement de voir, dans un endroit si peu important, tant de magasins de toute sorte, des boutiques de luxe, des soies drapées, des velours à traîne, des maroquineries étincelantes, des bijoux, des étalages de victuailles enrubannées, des charcuteries architecturales, ornées, comme des églises, un jour de fête. Partout l’abondance, la sensualité, la richesse.

Et je me disais :

— Ces objets ne sont pas là pour le simple plaisir de la montre. Il y a donc, dans ce petit pays, des gens qui les désirent et qui les achètent.

Je me disais encore, non sans mélancolie :

— Comme je suis loin de la France, des petites villes de France, de leurs rues mortes, de leurs maisons lézardées, de leurs boutiques sordides et fanées !… Chez nous, on ne travaille qu’à Paris, dans quelques grands centres, quelques villes du Nord, et dans le Sud-Est… Le reste s’étiole et meurt chaque jour. D’immenses richesses dorment inexploitées, partout. Qui donc, par exemple, songe à arracher aux Pyrénées le secret de leurs métaux ? Qui donc oserait confier des capitaux improductifs à cette jeunesse hardie qui, faute de trouver chez elle l’emploi de son activité et de sa force, est contrainte de s’expatrier et de travailler à l’enrichissement des autres pays ?… Comme je suis loin ici, de ces bons Français, rentiers et gogos, qui se disent toujours la lumière et la conscience du monde, et que je vois perpétuellement assis au seuil de leurs boutiques, devant la porte de leur demeure, abrutis et amers, crevant de leur paresse, s’appauvrissant de leur épargne, passant leurs lourdes journées à s’envier, se diffamer les uns les autres ! Nul effort individuel, nul élan collectif… Quand je reviens dans des régions traversées quelques années auparavant, je les retrouve un peu plus sales, un peu plus vieilles, un peu plus diminuées ; et chacun s’est enfoncé, un peu plus profondément, dans sa routine et dans sa crasse. Ce qui tombe n’est pas relevé. On met des pièces aux maisons, comme les ménagères en mettent aux fonds de culotte de leur homme. On ne crée rien. C’est à peine si on redresse un peu ce qui est par trop gauchi, si on remplace aux toits les ardoises qui manquent, les portes pourries, les fenêtres disloquées… N’ayant rien à faire, rien à imaginer, rien à vendre, rien à acheter, ils économisent… Sur quoi, mon Dieu !… Mais sur leurs besoins, leurs joies, leur dignité humaine, leur instruction, leur santé… Affreuses petites âmes, que ce grand mensonge antisocial, l’épargne, a conduites à l’avarice, qui est, pour un peuple, ce que l’artériosclérose est pour un individu. Ce n’est pas de leur bas de laine que la France a besoin, mais de leurs bras, de leur cerveau, de leur travail et de leur joie… Et ce n’est pas leur faute, après tout… On ne leur a jamais dit : « Vivez ! Travaillez ! » On leur a toujours dit : « Épargnez ! » Ils épargnent…

(aus Octave Mirbeau : La 628-E8, Bibliothèque Charpentier – Fasquelle, 1907)

Marcel Crépon vom Rheinfall (3)

Den Bodensee stellte ich mir als ein riesiges Waschbecken vor, dessen Stöpsel eine mächtige Hand gezogen hätte. Das Wasser warf sich rücksichtslos in die Tiefe. Weiß sah es aus, wie von einen Mixer geschlagen, schaumige, reine Milch. Meine Begleiterin, trunken von Bier, Sonnenstrahlen, Wasserspiegelungen und Litaneien, nickte stumpfsinnig, schaute jedoch in die entgegengesetzte Richtung. Unter großen weißen Sonnenschirmen hechelten Wanderer. Müde kommentierten sie zahlreiche Reisen, mit dem Fahrrad bezwungene Bergketten, im Eiltempo verschlungene Wälder, durchkreuzte Seen, sehnten sich nach hoch verdienten Getränken und Speisen. Abwesend blickte die Frau auf eine andere Gruppe hinter dem Heldenrund. Der Hitze mit erstaunlicher Lebhaftigkeit trotzend, fotografierten sich gegenseitig neben einer naturgetreu reproduzierten Alpenkuh, die dort ausgestellt war, Inder: Kinder Eltern und Eltern Kinder. Zart gestreichelt wurden die Flanken, liebevoll gehalten die Ohren der Kuh, man mimte ernst das Melken.

rf_lavache2 (1)

So muss es sich wohl beim Mahashivarati-Fest abspielen, nur mit hunderttausenden Anbetern mehr. Wie hypnotisiert näherte sich die Frau langsam der Skulptur und wurde von den Indern quasi einverleibt. Sie verschwand, tauchte wieder auf. (Wie lange blieb sie dort? Was war unterdessen geschehen?) Unwiderruflich der Schaden: sie sah verstrahlt aus, ihre Augen glänzten wie die Oberfläche eines gomphide glutineux (2). Sie hätte, so erzählte sie, den Eimer unter den Schwanz der Kuh gestellt, wie ihr befohlen worden war. Ida und Aditi hätten ihr das Geheimnis des Emmericher Wappeneimers zugeflüstert: Kuhfladen wurden mit dem Eimer gesammelt, die getrocknet als Brennstoff Verwendung fanden. Die Theorie wäre gewagt, aber nicht uninteressant, kommentierte ich, um etwas zu sagen, dabei höflich zu bleiben, nicht sofort in Lachen auszubrechen. Von reinigendem Urin und Dung, von befreiten kosmischen Kühen lallte die Frau weiter, in höchster ekstatischer Erregung: sie wolle sich nun mit den muhenden Gewässern vereinigen, denn wer im Yama-Reich den Ahnen einen Besuch abstatten möchte, dem würde die Kuh bei der Überquerung helfen. Dass sie ernst machte, merkte ich, als sie ein paar Selfisten liebevoll, doch entschlossen beiseite schob und über das Geländer zu klettern begann. Der Wissenschaft zu Liebe hätte ich sie machen lassen müssen, doch griff ich nach ihrer Bluse und hielt sie ab, zeigte auf das Wasserrad. Dessen gleichmäßige Drehungen, die von Moosen bedeckten, immer wieder ein- und auftauchenden Schaufeln funktionierten fabelhaft als Ablenkung. Sie pflanzte sich davor, ich entfernte mich geschickt Richtung Schlössli Wörth.

rf_dasrad

Im Becken am Fuß der Felsen, die stichsägengleich das Wasser zu zerteilen schienen, taumelten und schaukelten gelbe, blaue, rote Schiffe, beladen mit mutigen und aufgeregten Naturfreunden. Auf der Uferpromenade abseits der menschlichen Ströme saß ein Mann auf einer Bank. Einer, der mehr in seinen Kleidern zu geistern schien als von ihnen bekleidet zu werden. Neben ihm waren drei mit Wasser gefüllte Fläschchen aufgestellt. Am Boden der mittleren lagen Sandkörner und Steinchen. “Die erste Flasche ist gefüllt mit Rheinwasser vor dem Fall, die zweite mit Wasser nach dem Fall, die dritte beinhaltet eine Mischung aus beiden”, erklärte der Mann.

rf_vendeur

Verkaufte er Rheinwasser an Touristen? Versprach er ihnen Wunder? Zeit böte er an, nichts als Zeit, flüssige Zeit. Konnte er damit Kunden gewinnen? Viele wäre übertrieben gewesen, aber es waren erheblich mehr als damals, als er versuchte hatte mit Rheinwassereis Geld zu machen. Die Kügelchen, die wie Schneebälle aussahen, hatte er eigenhändig hergestellt, ehe sie schmolzen, was recht schnell geschah. Mit genügend Mitteln hätte er in einen Kleinwagen investiert gehabt. Sorbets, Speiseeis vorbereitet, richtige Kugeln, wie aus dem Schnee der Bergeshöhen. “Und was kostet sie, diese Zeit?” – “10 CHF die Flasche, Euros nehme ich auch an.” – “Nicht alle drei zusammen?” Der Mann beugte sich beiseite, nahm aus seinem Rucksack eine leere Mineralwasserflasche, füllte sie mit dem Wasser der Fläschchen. “Das ist Zeit, 10 CHF…”

Erst zurück am Rad fühlte ich mich beruhigt: Kein Eklat, keine aufgeregte Menschenansammlung, weder Polizei noch Rettungsdienst. Die Inder waren weg. Die Frau ebenso, deren Name ich nicht in Erfahrung bringen konnte. Nur das Braunvieh stand da, blickte verträumt in Richtung Fluß, wohin ich ebenfalls zurückkehrte. An der Oberfläche schrieb Gischt in stetigem Schlängeln Texte, die nur von Forellen zu entschlüsseln sind.

rf_lavache2 (2)

Fast hätte ich vergessen die “Baum-Hieroglyphen” (3) von Mr. Pyeux zu erwähnen. Erinnern Sie sich?

rf_baumrind

Andere gesehene und gehörte Dinge verschweige ich hier zunächst.

Im Hochachtung und mit freundlichen Grüßen,

Ihr Marcel Crépon

***

(2) Dt.: Großer Schmierling
(3) Fußnoten und Hyperlinks stammen von der Redaktion

Marcel Crépon vom Rheinfall (2)

Mein Begleiter kannte das Panorama auswendig und legte sich im Schatten der Station zum Schlafen nieder; was also tun, außer die 360°-Einladung anzunehmen? Herrlich war es! Wenn nicht gerade von Wolken retuschiert. Berge, überall Berge, ein Meer von Bergen… graue, blaue, grüne Gesteinswellen, aufgestapelte Sedimente, geschrumpfte Gletscher, in nördlicher nebeliger Ferne kreisten Zeppeline und ich sah: den Bodensee. Ahnte zu sehen, wäre richtiger. Denn soweit sehen meinen Augen längst nicht mehr. Immerhin stimmte die Richtung! Nun, ich besuche oft genug Ihre Seiten, um zu wissen, dass der Rhein in den Bodensee fließt, und aus dem See heraus. Was dazwischen mit ihm geschieht, wissen Sie besser als ich. Doch vielleicht auch nicht ganz genau? Ich entschied mich, der Sache auf den Grund zu gehen, obwohl ich weder des Schwimmens noch Tauchens mächtig bin. Ob das eine Rolle spielen würde? Velle parum est; cupias, ut re potiaris, oportet. (1) Mein Begleiter schlief, ich träumte weiter, und ging. Kam irgendwann auch an, bereit für den nächsten Anschluss. Auf den Gleisen fiel mir eine Frau auf. In der rechten Hand hielt sie einen Eimer, in der linken nichts. Beide, Eimer und Nichts, mussten sehr schwer gewogen haben, denn sie schien erschöpft, schleppte sich gebeugt und seufzend dem Wagen zu. Sie war wie die Uhr am Bahnhof: zeigerlos.

rf_gare

Auf “Visionssuche” war sie in den Bergen gewesen, hatte nichts gefunden und sogar ihre Begleitung aus den Augen verloren. Mit unauffälliger, doch fester Dialektik lenkte ich die Unterhaltung auf etwas mir Vertrauteres: den Eimer, den sie auf ihrem Schoß festhielt, während der Zug um den Bodensee baumelte.
Von weit her hatte sie ihn herbeigetragen: von Emmerich. Schaffhausen war ihre nächste Etappe. Auf dem Berg war das visionäre Versprechen fehlgeschlagen, doch vermochte sie dort etwas wahrzunehmen wie: “Schaffhausen, Schaffhausen, schaff es nach Hause, Schaffhausen, wo alles sich offenbaren wird”. Ich verstand kein einziges Wort, außer Schaffhausen, also Rheinfall. Die Frau stotterte etwas über die nur vermutete Herkunft des Eimers auf dem niederrheinischen Stadtwappen, und wie sie in der Turbulenz der Fälle genaueres erfahren sollte. Ich erwiderte nichts, doch war natürlich sofort dabei, und schon marschierten wir den Fluß entlang. Die Hitze. Das brueghelgrüne Wasser. Die Frau. Sie psalmodierte vor sich hin, als ob sie die Wand der Wirklichkeit durchbrechen wollte, sich in Trance versetzen… Warum? Bald kamen wir auf die Höhe eines Holzbaus… “Was ist das?”, fragte sie. Ich: “Da drin werden die todessüchtigen Romantiker aufgesammelt, damit sie nicht am Wasserfall als aufgedunsene Leichen auftauchen und den Anblick zerstören…” Das bis jetzt recht langsam fließende Wasser schien auf einmal in Eile zu geraten, die Oberfläche bewegte sich auf und ab in kleinen sich multiplizierenden Wellen. Sterne funkelten. Darunter ondulierten Algen (wenn Ihnen der Film Die Nacht des Jägers in Erinnerung geblieben ist, können Sie das Bild vervollständigen – schon hallte die Stimme Robert Mitchums über uns hinweg: leaning… leaning…), vielleicht war es das Haar der erwähnten Romantiker? Oder Süßwasserjungfrauen? Meine Fragen ließ die Frau unbeantwortet, sie erhöhte das Tempo ihrer Mantras und Schritte unter nicht zu übersehendem Schweißverlust, den sie mit dem Leeren von Falkenbier-Dosen auszugleichen wusste. Abgesehen von tanzenden Wellen war nichts zu sehen, doch kündigten sich die baldigen Fälle an.

rf_algues

Plötzlich schien das Wasser vor sich selbst zu fliehen, oder von unsichtbaren Kräften angezogen zu werden. Der Weg, den wir bis jetzt allein gegangen waren, wurde lebendiger, einzeln oder in Gruppen vermehrten sich die Spaziergänger in sich steigernder Polyphonie. Manche folgten hoch gehaltenenen Wimpeln, manchen bevölkerten die Bahnbrücke. Das Getöse wurde lauter, mit zunehmender Nervosität klatschte das Wasser gegen die Pfeiler, dann die Felsen und man bekam den Eindruck, es höre einfach auf. Wo es hätte weiterfließen müssen, war nichts außer einer breiten Öffnung, dann entdeckte man es wieder, seinen Lauf fortsetzend. Da waren wir also. Besucher selfierten, mit Stab, ohne, als hormonell gedopte junge Paare oder halb mumifizierte Greise und alles, was noch dazwischen lebte. (Fortsetzung folgt)

***

(1) Dt.: Wollen reicht nicht. Man muß begehren, damit eine Sache gelingt.

Rheinzitat (36)

(Der Emmericher Lokalarchivar Bernhard) Lensing wusste zu berichten, dass der Rhein im Laufe der Jahrhunderte um rund 80 Kilometer kürzer geworden ist. Aber bei allen Eingriffen von Menschenhand und Veränderungen aus eigener Urkraft: “Man kann sich auf den Rhein nicht verlassen.” (Gefunden in der WAZ)

Presserückschau (April 2016)

1
“Kaum irgendwo sonst in Deutschland fahren so viele Menschen mit dem Fahrrad wie am Niederrhein. (…) Kein Wunder also, dass sich am Niederrhein sogar ein eigenes Verleihsystem für Fahrräder etabliert hat. (…) Diese befinden sich vor allem in Hotels, an Bahnhöfen und Radstationen. Auch im Infocenter an der Rheinpromenade Emmerich stehen zehn der insgesamt 1000 in der Fahrradflotte vorhandenen Räder zur Verfügung. Es handelt sich dabei um “apfelgrüne Gazellen”, hochwertige Unisex-Räder, die bei der niederländischen Firma “Koninklijke Gazelle” von Hand gefertigt werden. Da die Sattelhöhe per Schnellspanner ohne Werkzeug einstellbar ist, ist das Rad für alle Größen geeignet. Gel-Sattel, bedienungsfreundliche Sieben-Gang-Schaltung, eine sichere Rücktrittbremse, ein leichtläufiger Nabendynamo für Licht und eine Spezialbereifung gegen Plattfüße bieten einen großen Fahrkomfort.” (Rheinische Post)

2
In Mainz sahen Passanten in Höhe des Kaisertors eine Person “im Rhein schwimmen und untergehen”. Die Person sei “mehrfach wenige Meter in Richtung Flussmitte geschwommen und wieder zum Ufer zurückgekehrt (…). Beim letzten Versuch, das Ufer zu erreichen, sei die Person untergegangen. (…) Nach den ersten Ermittlungen der Polizei handelt es sich bei dem Vermissten um einen 23 Jahre alten Zuwanderer aus Eritrea.” (Rüsselsheimer Echo)

3
§Seit mehreren hundert Jahren ist zum ersten Mal wieder ein Biber im Rheingau gesichtet worden. Davon ist jedenfalls der Naturschutzbund Hessen überzeugt (…). Es sei aber noch rätselhaft, woher das Tier komme. Es könne vom Oberrhein hergeschwommen sein, zum Beispiel aus dem Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue vorbei an Mainz und Wiesbaden. Möglich sei aber auch, dass er aus der Nahe gekommen sei, bei Bad Kreuznach gebe es ein Bibervorkommen. Die Tiere nutzen große Ströme wie Rhein, Rhône und Elbe zur Ausbreitung.” (Wiesbadener Kurier)

4
“Zwischen Volta-Platz und Rheinufer wird (…) nicht nur die modern gestaltete Rheinufer-Promenade mit dem Namen „Elsässerrheinweg“ eingeweiht, sondern auch ein grenzüberschreitender „Dreyland-Dichterweg“, den neben dem Kanton Basel-Stadt auch die Städte Huningue und Weil am Rhein realisiert haben. (…) Das Gedicht auf einer Tafel im Weiler Rheinpark, verfasst von Werner Richer, lautet:

Wiil am Rhii

E Fluss, wo trennt,
e Bruck, wo bindet,
kei Hass, wo brennt,
e Bruck, wo findet
e Fremde heim,
e Bruck zue eim.

Es wurden 24 Tafeln realisiert, davon werden sieben auf der französischen Seite, acht auf deutscher und neun auf Schweizer Seite installiert. Die Autoren wurden so angeordnet, dass pro Land je vier Gedichte aus den Nachbarländern zu lesen sind.” (Weiler Zeitung)

5
Die Häfen Basel-Nord und Basel-Süd sollen ausgebaut werden, der Weiler Hafen ein neues Terminal erhalten: “Das Güterverkehrsaufkommen wächst laut aller Prognosen weiter. Während die Kapazität auf der Straße ausgereizt scheint, bieten Schiene und Schifffahrt noch Reserven. Vor dem Hintergrund sind die Aus-, Umbau und Modernisierungsprojekte der Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) in Basel zu sehen, aber auch das Containerterminal, das im nördlichen Teil des Weiler Hafens angedacht ist – zumal Container als Transportgefäß der Zukunft gelten. Unter dem Strich summieren sich die Vorhaben auf Investitionen von bis zu 250 Millionen Euro.” (Badische Zeitung)

6
“Polizisten haben in Düsseldorf einen Einbrecher aus einem Wasserloch an einem alten Flussbett des Rheins gezogen. Der 25-Jährige war (…) zusammen mit einem 23 Jahre alten Komplizen in ein Wohnhaus eingestiegen und hatte Schmuck gestohlen. Dabei waren die beiden aber so laut, dass Nachbarn verdächtige Geräusche hörten und die Polizei alarmierten. Mit Hilfe eines Hubschraubers konnte die Polizei die beiden Männer schnell aufspüren. Den 23-Jährigen erwischten sie unter einem Carport. Der andere Einbrecher hatte sich in ein Sumpfgebiet geflüchtet und war in das Wasserloch gestiegen. Er ließ sich von den Beamten widerstandlos aus dem Morast ziehen (…)” (Berliner Zeitung)

7
“Seit Langem versuchen Naturschützer und Fischer am Rhein heimischen Jungfischen Lebensräume zu geben. Ob sie damit Erfolg haben, ist jedoch zweifelhaft. Denn statt der erhofften Barben oder Maifische ziehen sie Grundeln aus dem Strom. (…) Die Süßwasserfische schnappen schneller zu als andere. Sie gelten als aggressiv und robust. Experten warnen, dass sie heimische Rheinfische wie den Gründling verdrängten. (…) Tatsächlich machen Grundeln bis zu 60 Prozent des Fangs von Rheinanglern aus, heißt es bei der Oberen Fischereibehörde in Düsseldorf. Die Schwarzmundgrundel dominiert dabei. Im Gewichtsvergleich sind es aber kleine Fische: Nur vier Prozent der gesamten Fischbiomasse im Rhein sind Grundeln.” (WAZ)

8
“Wer zurzeit am Bad Godesberger Rheinufer unterwegs ist, kann ihn nicht übersehen: den sogenannten Nassbagger, mit dem das Wasser- und Schifffahrtsamt Köln (…) rund 3500 Kubikmeter Sand und Kies aus dem Rhein schaufelt. (…) Durch die hohen Wasserstände in den vergangenen Monaten haben Kiesablagerungen dafür gesorgt, dass die Fahrrinne des Flusses schmaler und flacher geworden ist (…). Das soll sich nun ändern. Rückt der Bagger wieder ab, wird die Fahrrinne wieder 2,50 Meter tief und 150 Meter breit sein. Doch das dauert seine Zeit. Gut zwei Wochen lang wird in der Nähe des Rüngsdorfer Schwimmbades, zwischen Rheinkilometer 645,9 und 646,6, gearbeitet.” (General-Anzeiger)

9
“Le canal des Français” heißt das Grabensystem, das einst im 17. Jahrhundert angelegt wurde, um das Grundwasserniveau im Burggraben um die Festung La Citadelle zu regulieren. 6000 Soldaten lebten in der von Vauban geplanten Festung einst zwischen dem Rhein und der Stadt Straßburg. Der “Canal des Français” bildete eine Grenze und leitete das Wasser in Richtung Norden ab, bis es hinter dem heutigen Stadtviertel Robertsau durch die Felder in die Ill fließen konnte. Die heute bestehenden Hafenbecken existierten damals ebenso wenig wie der Rhein-Marne-Kanal. Gut 50 Jahre ist her, dass der “Canal des Français” aufgegeben, teilweise zugeschüttet und überbaut wurde. Für rund eine Million Euro hat die Stadt Straßburg Teile des einstigen Kanals wieder ausgegraben, so dass sie sich mit Grundwasser füllen konnten.” (Badische Zeitung)

10
“Bei dem in der Nähe von Düsseldorf im Rhein entdeckten Leiche handelt es sich um den 20-jährigen Marius B. aus Bonn.
Die rechtsmedizinische Untersuchung des Verstorbenen hat ergeben, dass es sich zweifelsfrei um den (…) vermissten 20-Jährigen aus Bonn handelt. Er war nach einer Feier in Niederkassel nicht nach Hause zurückgekehrt und spurlos verschwunden. Nach Angaben der Rechtsmediziner und dem derzeitigen Ermittlungsstand ergeben sich keine Hinweise auf ein Gewaltverbrechen. (…) Die Kripo geht inzwischen davon aus, dass Marius B. (…) nach dem Besuch des Junggesellenfestes in Niederkassel in den Rhein gefallen und dann ertrunken ist. Er muss allerdings noch einige Zeit zu Fuß unterwegs gewesen sein, da das Gebäude, in der die Jungesellenfeier stattgefunden hat, nicht unmittelbar am Rhein liegt. Die Strömung muss den Leichnam dann bis Düsseldorf getragen haben.” (WDR)

11
“Anlässlich des 30. Jahrestags der Atomkatastrophe von Tschernobyl haben tausende deutsche, französische und schweizerische Atomkraftgegner auf mehreren Brücken über den Rhein an die Opfer des Unglücks erinnert und gegen Atomenergie demonstriert. Bei den Protesten zwischen dem schweizerischen Basel und dem französischen Straßburg forderten die Demonstranten (…) insbesondere die Schließung des umstrittenen französischen Atomkraftwerks Fessenheim. Laut (…) der Initiative Stopp Fessenheim demonstrierten auf den beiden Rhein-Brücken zwischen Marckolsheim und Sasbach sowie in Chalampé jeweils 1200 Menschen. Auf der Europabrücke zwischen Kehl und Straßburg nahmen laut einem AFP-Reporter 300 Demonstranten an einer Kundgebung teil. Das an der deutschen Grenze am Rhein gelegene Fessenheim ist das älteste Atomkraftwerk Frankreichs und steht wegen zahlreicher Pannen in der Kritik.” (Donaukurier)

12
Nicht unüblich sei es, daß Rehe versuchten den Rhein zu durchschwimmen um ans andere Ufer zu gelangen und dabei verendeten, berichtet der WDR. In Duisburg haben Hafenarbeiter an zwei Tagen im April insgesamt drei Rehe aus einem Hafenbecken gerettet: “Die Tiere zittern förmlich und sind völlig erschöpft. Die Männer bringen die Rehe jedes Mal auf’s Land und wärmen sie dort mit Decken auf. Und die sind so geschwächt, dass sie nicht ein mal fliehen wollen. Innerhalb weniger Minuten sind die Tiere aber wieder fit und werden in die Freiheit entlassen. Wie die Tiere ins Wasser gekommen sind, wissen die Tierretter nicht.”

13
“„Go bananas“ heißt im Englischen: ausflippen. Das passt. Denn ein bisschen verrückt ist Les Donohue-Bromley auch, der auf seiner „Go Banana“-Tour auf einem aufblasbaren Bananen-Boot 4000 Kilometer über diverse Flüsse von Rotterdam bis ans Schwarze Meer in Bulgarien gelangen will. Per Anhalter über den Rhein kam er (…) in Emmerich an. (…) Start der Reise war ausgerechnet am 1. April, weshalb viele seine Tour schon als Aprilscherz abtaten. Bisher hat er schon allerhand erlebt: Er wurde schon zweimal von Hochschulen eingeladen (Rotterdam und Wageningen), hat eine Terror-Übung der Feuerwehr in Arnheim miterlebt, ist singend auf einer Bühne in einer Bar geendet, hat sich mit einem niederländischen Schwertkampfmeister in Ritterausrüstung duelliert (und verloren), wurde ins Kriegsmuseum eingeladen, hat als erster Gast auf einem eine Stunde jungen Schiff in Arnheim ein Fünf-Gang-Menü verspeisen dürfen, bevor dieses auf seine Jungfernfahrt nach Amsterdam startete.” (WAZ)

Nijmegen

nijmegen_bombardementIn Nijmegen lassen sich, über die Stadt verteilt, aus verschiedenen Anlässen offiziell applizierte Gedichte entdecken. Nicht so viele wie in Leiden, wo über hundert muurgedichten als integraler Bestandteil des öffentlichen Raums fungieren. Aber doch eine erstaunliche Anzahl: die ersten drei fielen uns bei der Anreise mit dem Bus von Emmerich ins Auge. In einem Schaufenster bei einer Bushaltestelle war großflächig die “Route Brandhaarden Bombardement Nijmegen 22 Feb 1944″ annonciert, mit Begehungsplan und drei Gedichten, die auf das Ereignis Bezug nehmen. Die Bombardierung der Stadt, die an die 800 Menschenleben kostete, ging von amerikanischen Lufteinheiten aus, die Nijmegen mit der deutschen Nachbarstadt Kleve verwechselten.

nijmegen_maulwurfEin Gedicht von Victor Vroomkoning ist auf einer Wandtafel an der Außenmauer der Stevenskerk anzutreffen. Es stellt den heldenhaften Widerständler “tegen een onmenselijke staat” als nachtaktiven, namen- und gesichtslosen Maulwurf dar, der sich selbst keinesfalls als Held versteht, dieweil er sein Leben für die Freiheit der Stadt einsetzt.

nijmegen_marikenMit Mariken van Nieumeghen befaßt sich das Gedicht des Belgiers Louis Paul Boon, der zu den bedeutendsten Autoren niederländischer Sprache der Neuzeit gezählt wird. Mariken ist eine aus dem Mysterienspiel (hier der vollständige Text) bekannte Figur der Stadtgeschichte aus dem frühen 16. Jahrhundert. Nach einer Kränkung, die ihr zuteil wurde, verschreibt sich Mariken dem Teufel und sündigem Lebenswandel. Später findet sie auf den christlichen Weg zurück. Heute stehen gleich zwei Mariken-Skulpturen in der Nijmeger Innenstadt.

nijmegen_spielplatz“wij willen een handvol kinderen, wijn, en / een speelplaats flink door de zon afgerost” (Gedichtzeilen an einer Spielplatzmauer von Hans Lodeizen)

Emmerich (4)

emmerich_panoramakugel
Wie viele andere kleine Grenzstädte verlegt sich auch Emmerich auf den Einkaufstourismus. Die Schaufenster bieten teils bizarre Kunststoffprodukte und Emmerich-Devotionalien (Uhren, Tassen, Poster, Aquarien), die ausgestellte Provinzmalerei erfüllt mit Stolz ihre Quote, eine auffällige Überproportionalität erreicht die Zahl der auf Hörgeräte spezialisierten Läden (der augenscheinlich ambitionierteste zeigt die vier Hörrohre Beethovens als Frontrelief in Ziegelrot). Ladenschilder sind häufig zweisprachig (deutsch/niederländisch) verfaßt, manche Läden richten sich in ihren Aushängen sogar ausschließlich an die Kundschaft aus dem Nachbarland. In der mäßig bevölkerten Fußgängerzone Christoffelstraße scherzten drei niederländische Bohèmiens über zum Verkauf stehende Ölgemälde von bescheidener Qualität. Beinahe hätten wir für künftige rheinsein-Notizen neue

emmerich_kugelschreiber Kugelschreiber erstanden – wäre nicht der Laden wegen Urlaubs geschlossen gewesen. In der Fußgängerzone stießen wir auf den sprechenden Straßennamen Hinter dem Schinken, dessen Bedeutung (wie zuvor schon die Bedeutung des Emmericher Wappeneimers) jedoch verschlossen blieb: in der näheren Umgebung ließ sich weder ein realer Schinken, noch ein etwaiges Schinkenmonument aufspüren. Der Buntheit der Plastikprodukte, dem Anblick der in knalliger Optik beschrifteten Schnellimbisse und Nagelstudios überdrüssig wandten wir uns den Sakralgebäuden, markanten Eckpfeilern des Emmericher Stadtbilds zu. Den Turm

emmerich_st aldegundisvon St. Aldegundis erblickten wir in Fensterscheiben gespiegelt und hinter Wohngebäuden verschanzt an verschiedenen Stellen der Stadt – allein: einen Zugang zu finden gelang uns nicht, weswegen wir geneigt sind, die Kirche als überaus gelungene optische Täuschung zu betrachten. Sehr wohl zugänglich gab sich hingegen die direkt am Rhein gelegene Pfarrkirche St. Martini. Der Kirchenschatz weist Splitter vom Kreuz und der Lanze Jesu auf, die auf wundersame Weise die weite Strecke an den Rhein überwanden, um in Emmerich steckenzubleiben. Im Schiff stießen wir auf verwirrende visuelle Eklektik,
emmerich_st martini darunter byzantinisch anmutende Mosaiken, zu Mauerwerk gestapelte Gesangbücher (“wall of written sound”), einen körperlosen Jesus und seltsame Schnitztiere im Chorgestühl, die jeweils auf eigene Winkel des Gebäudes verteilt das Gefühl erzeugten, durch mehrere katholische wie mindestens eine protestantische Kirche zugleich uns zu bewegen, eine zurückhaltend gemischte Heiligkeit mit Wirkung, die sich noch verstärkte, als wir durchs Portal ins Freie schritten, wo das Leuchtband des Rheins aufwartete, als wolle es uns ins grandiose, wenngleich winterlicher Depression nicht ganz enthobene, Zentrum von Licht und Wasser katapultieren.

Emmerich (3)

emmerich_rheinmuseumDas Rheinmuseum hatte während unseres Besuchs gerade Mittagspause. Ein Teil seiner Exponate läßt sich auf der Straße sowie von der Straße aus begutachten: auf den Fensterbrettern sind, von Gardinen leicht verhangen, Schiffsmodelle plaziert, ein Taucher samt Glocke ist im Inneren erkennbar sowie Stellwände, die den Eindruck machen, als seien sie von Pappe. Die Sammlung wirkt aus dieser Betrachterposition aus der Zeit gefallen, dünn und wenig motiviert. Zwar weckten insbesondere die angekündigten Fische unser Interesse, jedoch nicht in zureichendem Maß, um die Museums-Mittagspause abzuwarten.

emmerich_katjesOhne die am Niederrhein noch in Blüte stehende Mittagspause kommt der Katjes-Werksverkauf an der Emmericher Promenade aus. Ob es Zufall ist oder rheinischer Einfluß, daß mit Haribo (Bonn) und Katjes (Emmerich) die führenden Hersteller des Landes von Lakritz und Fruchtgummis ihren Stammsitz am Fluß haben, ist bisher kaum untersucht. Die Emmericher Lakritzproduktion soll ursprünglich aus der bereits bestehenden Fliegenfängerproduktion hervorgegangen sein, deren Absatz im Winter zu wünschen übrig ließ: verbindendes Element war der für beide Produkte benötigte Zuckersirup.

emmerich_klk oleo_3Der Emmericher Maschinenbaubetrieb und Kaffeestraßenpionier Probat ist bis heute Weltmarktführer für Anlagen zur Kaffeeveredelung, direkt am Rhein befindet sich die Ölfabrik KLK, in der “eine Reihe von Fettsäuren, gehärteten Fettsäuren und Glycerine durch die Spaltung pflanzlicher Öle” produziert werden. Auf der stadtabgewandten Fabrikmauer befinden sich einige Portraits (der Arbeiter?) von unbekannter Hand, die auf den von einem Trafohäuschen

emmerich_trafohäuschenrhein

verstellten, jedoch auf seine Verstellung mit wildem Strich als Tryptichon (hier Mittelteil und rechter Flügel) applizierten Fluß blicken.

Emmerich (2)

emmerich_eimerichEmmerichs Name soll auf eine Villa Embrici zurückgehen. Das Stadtwappen ziert ein Eimer. Emmerichs Historiker rätseln bis heute über seine Bedeutung. Fünf Erklärungsansätze gebe es, hörten wir, doch keiner davon sei wissenschaftlich haltbar. Am ehesten wahrscheinlich sei die Erklärung, daß der Eimer es als Hochwasser-Schöpfgerät ins Stadtwappen gebracht habe, im Grunde liege die Verbindung zwischen Eimer und Stadt jedoch im Unklaren. Auf die Frage, wie die lokale Aussprache für Eimer laute, bekamen wir zur Antwort: “Emmer”.

emmerich_schlemmerichDementsprechend, lautet unser gänzlich unwissenschaftlicher Blitzgedanke, könnte Emmerich von Eimer abgeleitet sein, mithin eigentlich Eimerich bedeuten, das Ich und den Eimer als Wortbestandteile verknüpfend, die den existentiellen Kampf des Individuums mit seinem wasserfassenden Werkzeug gegen den übermächtigen Gottvater Rhein repräsentieren oder die Selbsterkenntnis, die auf dem Grund eines mit Wasser gefüllten Eimers liegen mag, der die weiten niederrheinischen Himmel und darin das Gesicht des Betrachters spiegelt. Solche Gedanken werden in Emmerich jedoch nicht gepflegt – vielleicht nicht zuletzt, weil gängige Claims der vom Tourismus profitierenden Branchen bei stärkerer Eimergewichtung in unerwünschte Richtungen kippen könnten.

emmerich_glück_hüschMit dem Wesen des Niederrheiners (“weiß nix, kann aber alles erklären”) hat sich wie kaum ein anderer der im Jahre 2005 verstorbene Kabarettist Hanns Dieter Hüsch befaßt. In Emmerich klebt sein Foto in mehreren Schaufenstern. Falls wir die Bildmotive richtig interpretieren, dürften sie bedeuten: “Hier kaufte Hüsch etwas ein” oder “Hier hat Hüsch sich die Auslage angeschaut”. Hüschs Gedicht “Glück ist ein Geschenk”, in dem Gottes Feriendomizil in der Gegend erwähnt wird, ist hingegen unmißverständlich in die Uferpromenade eingelassen.

Emmerich

emmerich_auf wiedersehenDie Landschaften des Niederrheins liegen bis gegen Mittag im Morgendunst, als wir sie mit der Regionalbahn queren. Das Großraumabteil, in dem zwischen Köln und Düsseldorf gerade noch so eben ein Sitzplatz zu ergattern war, hat sich kurz hinter Duisburg komplett geleert. An der Endstation in Emmerich sitzen drei pummelige Gestalten in der Kälte auf einer Bank und schauen sich mit schwer deutbarem Grinsen die wenigen Ankommenden an. Zwischen Bahnhof und Stadt liegt eine staubige Straße mit beachtenswertem Leerstand. Am Abzweig zum Zentrum weist dieses Schild auf einen lokalen Gastronomiebetrieb und entbietet dem Besucher einen leicht irritierenden Gruß.

Zwischen Bahnhof und Stadt befindet sich der Hafen, der zwar deutlich kleiner als der Duisburger ist, dessen Umschlag er jedoch an nicht wenigen Tagen übertreffen soll. Tatsächlich werden, als wir das Hafenbecken passieren, gerade fleißig Container verschoben.

emmerich_friendsDie Emmericher Rheinpromenade ist gesäumt von Restaurants, die auf Touristen ausgelegt sind. Der Fluß habe hier “seine breiteste Stelle in Deutschland”, wird uns stolz erklärt. Die Szenerie verweist bereits (ein wenig) auf die Nordsee, die Emmericher Rheinbrücke erinnert in Konstruktion und Farbe stark an die Golden Gate Bridge. Touristen verirren sich im März trotz solcher Attraktionen nur wenige in diese westliche Ausbeulung der Deutschlandkarte, an welcher der Rhein die Grenze zu den Niederlanden in sich aufnimmt und übertritt. Fehlende Touristen auf den Terrassen ihrer Promenade ersetzen die pragmatischen Emmericher durch Schaufensterpuppen wie dieses auf den Rhein blickende Paar.

Über dem Fluß dräuen holländische Himmel. Wildgänse streuen ihre Alfabete in den Westen, aus manchen Flugformationen entstehen bewegte Himmelsgedichte. “Touristen gefällt der Anblick. Aber fragen Sie mal die Bauern, was die von denen halten!” Die Gänse, die zu Zehntausenden am Niederrhein einfallen, vernichteten die Frühgerste. Ob die Bauern ausschließlich mit Groll auf die Vögel schauen? Der Fluch der schönsten Himmelserhabenheit jedenfalls lautet bei Emmerich, auf profanem Fraß zu fußen.

Brennender Rhein


Von einem Schiffsunglück mit drei Toten (andere Quellen berichten von zwei Toten), zahlreichen Verletzten und zwei gesunkenen Schiffen an der deutsch-niederländischen Grenze bei Emmerich im Jahr 1960, bei dem wie anno Null der Rhein gebrannt hat, handelt dieser Kurzfilm der Polygoons Wereldnieuws, dem niederländischen Äquivalent zur deutschen Kino-Wochenschau, auf Youtube eingestellt vom Nederlands Instituut voor Beeld en Geluid (Institut für Bild und Ton) in Hilversum, das die Bild- und Schallausstrahlungen der öffentlich-rechtlichen Sender der Niederlande komplett archiviert. Das Unglück wurde seinerzeit als das schlimmste der gesamten Rheinschifffahrtsgeschichte betrachtet, insgesamt sollen ein Dutzend Schiffe kollidiert sein und zehn davon gebrannt haben.

Presserückschau (Juli 2015)

1
Für die Kölner Presse spektakulär erwies sich die Rheinquerung einiger neuer Biertanks für eine der ansässigen Kölsch-Brauereien: “6,5 Meter Durchmesser – damit passen die Tanks für den neuen Standort der Gaffel-Brauerei nicht unter jeder Brücke hindurch. Das Bonner Logistik-Unternehmen Viktor Baumann transportierte sechs, jeweils 23 Meter lange Behälter für Bier und Getreide deshalb auf einem schwimmenden Ponton von Sürth auf die Porzer Seite. „Das ist die einzige Möglichkeit“, sagte Matthias Götz, zuständig für die Organisation des Transports. Am Montag und Dienstag wurden im Godorfer Hafen jeweils drei Behälter per Schiff angeliefert. Lkw brachten sie zur Sürther Nato-Rampe. Samt Lkw-Anhänger wurde die schwere Fracht auf den Ponton verladen und ans andere Ufer gebracht. Für den Transport auf der Straße mussten Ampeln aus dem Weg gedreht und Halteverbote eingerichtet werden.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

2
Frachter oder Schnäpel: “Eine mögliche Vertiefung des Rheins sorgt für Streit zwischen Bund, Land und Häfen auf der einen Seite und den Naturschutzverbänden auf der anderen Seite. Bislang hat der größte deutsche Strom zwischen Duisburg und Köln nur eine Minimalwassertiefe von 2,50 Meter.” Technisch betrachtet vertieft sich der Rhein, indem er Geschiebe vor sich her treibt, von selbst. Aus Naturschutzgründen wird der Fluß an diversen Stellen aufgeschüttet. Die angestrebte Vertiefung zur Entlastung der Binnenschifffahrt ginge daher bis auf wenige Stellen wie etwa die Werther Platte bei Kaiserswerth natürlich vonstatten. Naturschützer sehen durch eine Rheinvertiefung die Auenlandschaften als Laichstätten für aktuell seltene Rheinfische in Gefahr: “Der Nordseeschnäpel gilt seit 1940 als ausgestorben. 2008 wurde er erstmals wieder nachgewiesen. Im Rahmen eines Forschungsprojektes fing ein Angler im Jahr 2011 (…) bei Kalkar gleich zehn Nordseeschnäpel. Das Tier wird auch als Rheinschnäpel und Kleine Schwebrenke bezeichnet und stammt aus der Familie der Lachse.” (Rheinische Post)

3
Neuro-Rhine: “Den Oberrhein als grenzüberschreitenden Forschungsstandort sichtbar und ihn international wettbewerbsfähig machen – dies sind die Ziele der Wissenschaftsoffensive Oberrhein. 2012 ist dazu eine erste Initiative der Trinationalen Metropolregion Oberrhein (TMO) gestartet. Nun wurden sieben Projekte aus den Bereichen Medizin, erneuerbare Energien und Geisteswissenschaften (…) abgeschlossen. Leuchtturmprojekte nennt man so etwas. Es geht um Exzellenz. Am Oberrhein geht es zudem um die Entwicklung grenzüberschreitender Netzwerke. Zum Beispiel “Neuro-Rhine”. Das Projekt hat erforscht, wie degenerative Erkrankungen im Gehirns entstehen. Wissenschaftler der Universitäten Straßburg, Freiburg, Basel und des Saarlandes suchten dabei nach Lösungen zur Prävention von Alzheimer und von Erkrankungen des Nervensystems. Sie identifizierten Moleküle, die giftige Einlagerungen im Gehirn hemmen und damit die Entstehung von Alzheimer-Symptomen verlangsamen können. Die Beteiligten sprechen davon, dass aus dem Projekt ein echter Know-how-Transfer hervorgegangen sei – und zwei Patente.” (Badische Zeitung)

4
“Eine völlig neue Generation von Arbeitsschiffen sorgt nun für freie Fahrt auf dem Rhein. Gestern wurde die „Cassius“ getauft. Sie folgt auf den „Hamster“, der 49 Jahre seinen Dienst auf dem Rhein tat. (…) Die Arbeit an Bord ist vielseitig, die Verkehrssicherung steht an erster Stelle. Wenn mal ein Container oder auch ein Lukendeckel über Bord geht, dann kann dieses Hindernis die Fahrrinne blockieren. Mit Radar wird es schnell aufgespürt. Auch die Kontrolle von Uferböschungen, Schifffahrtszeichen und anderen schwimmenden Anlagen auf dem Rhein gehört zum Tagesgeschäft der beiden Mitarbeiter auf dem Schiff.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

5
Rheinmuscheln könnten zu begehrten Objekten der Elektronikindustrie werden: “Im Rhein lebende Muscheln reichern in ihren Schalen Lanthan und Samarium an. Das stammt aus einer Fabrik in Worms, die Katalysatoren herstellt. (…) Auf Gadolinium, eine anderes Selten-Erd-Metall aus der medizinischen Diagnostik, das in fast allen Flüssen und Seen vorkommt, haben Wassertiere dagegen keinen Appetit.” Seltene Erden, berichtet ingenieur.de, “sind teure Metalle, die in immer mehr elektronischen Geräten wie in Smartphones enthalten sind”.

6
Der einzige Schießplatz der Schweiz, auf dem alle Arten von Armeepanzern gleichzeitig schießen können, feiert sein 50-jähriges Bestehen, der Schießplatz Hinterrhein: “Wer im Kanton Graubünden einen Haufen schwarze Beret-Träger sucht, ist auf dem Schiessplatz Hinterrhein am richtigen Ort. Seit 50 Jahren üben dort Panzertruppen den Ernstfall. Bekannt ist der Schiessplatz vor allem für seine besondere Lage. Klar wird das Jubiläum am Freitag mit lauten Schüssen eingeläutet.” (Südostschweiz)

7
“Vorbei ist die Zeit, in der jeder Aal aus dem Rhein auf dem Teller landete. Der Rheinfischer Rudi Hell setzt eine alte Tradition fort und fängt den Fisch für die Forschung – und ertrinkt fast in Müll. Der erste Aal, den Rheinfischer Rudi Hell an diesem Morgen sieht, hängt tot wie eine Socke über dem Schiffstau in der Strömung. “Das waren die Wasserkraftturbinen”, meint er und macht gleich ein Foto von dem toten Fisch. Hell ist zwar Fischer, aber er tickt mittlerweile ein bisschen wie die Wissenschaftler: Hingucken, dokumentieren, weitergeben. So funktioniert Datensammlung. (…) Seine Vorfahren haben rund 300 Jahre lang vom Fischfang gelebt. Immer waren es Aale: Der fette Fisch ließ sich immer gut verkaufen. Dann kamen die 70er-Jahre, als der Rhein Kilometer gegen den Wind nach Chemie stank. (…) An manchen Tagen ist nur Plastikmüll im Netz: Tüten, Eimer, Blumentöpfe, was die Leute so in den Rhein werfen. Oben am Ufer hat Hell dafür jetzt sogar einen Container aufgestellt. Der wird alle zwei Wochen geleert.” (Welt)

8
Ein auf dem Rheingrund bei Emmerich von einem Taucher gefundener Pkw mit niederländischem Kennzeichen gibt der Polizei Rätsel auf, berichtet die Rheinische Post: “Möglicherweise wurde mit ihm (…) eine Straftat verübt und die Täter haben ihn dann später im Rhein entsorgt. Wie lange der Pkw im Rhein liegt, ist natürlich auch nicht klar. Sicher ist nur: Er ist vom Baujahr 1998 und schon ordentlich verrostet. Weil der Wagen zudem komplett mit Rheinschlamm voll war, gehen die Ermittler davon aus, dass er bereits mehrere Jahre im Fluss gelegen hat. Dafür spricht auch die Lage im Wasser. Das Fahrzeug ist durch die Kraft des Flusses vermutlich dorthin getrieben worden, dann auf den Boden gesunken und mit dem Rheinsand bedeckt worden.”

O du mein Niederrhein

“Hoiho, Jakobine …!”
Die Achterkajüte spiegelte sich in ihrer eigenen Helle, tiefrot und purpurn, als sähe der brennende Herbst durch die niedrigen Fenster. Das machten die schmucken Geranienstöcke, die hinter den schmalen Gardinen standen, das tat das warme Sonnenlicht, das mit diesen blühenden Stöcken spielte, mit ihrem satten Glanz die weißlackierten Wände austapezierte, tiefrot und purpurn, und in dieses Leuchten hinein musizierte es mit dem munteren Vortrag einer Schlegelpfeife. Der schwefelgelbe Kanarier war es, der aus der Nebenkabine seine Stimme vernehmen ließ, frisch und ungebunden, wie’s sich für den Begleiter eines Rheinkapitäns ziemte. Jedereins mit feinfühligen Ohren konnte sich daraus einen Vers vom Jungfernkranz und veilchenblauer Seide zusammenreimen.
“Hoiho, Jakobine! Mein Herzensdöchting, ich hab’ was ganz Besonderes übergeholt. Wenn’s erlaubt ist, möcht’ ich’s in der Achterkajüte verstauen. Also – wie wär’s damit?”
“Reiner …!”
Wie ein Schrei kam es hoch. Da legte Hemskerk seinen Arm in den des Angerufenen und sagte: “Soweit wären wir jetzt. Wir zwei beide sind einig geworden. All right! Durch dick und dünn bis zum letzten. Auch Edelmänner – und Adel verpflichtet, wie Riswyk behauptet. Hier endet mein Lotsenamt. Das deine beginnt. Drum ‘rin in die Koje und fröhliche Talfahrt.”
Hierauf wandte er sich, ging straff über die Riemen. Dann blieb er stehen.
Über ihm holte es aus. Hoch und dumpf kam es von einem grauen Turme herunter.
Er zählte die einzelnen Schläge.
“Neun Uhr”, sagte er schließlich. “Noch zwei Stunden, dann heißt das: Loswerfen! Abfahren! Adjüs Emmerich! Bonus! Möge bis dahin alles gerichtet sein. Auch für mich. Kein pro und contra mehr. Alles im Lot. Damit auch für mich ‘ne fröhliche Talfahrt”, und er sah den Möwen nach, die immer zutunlicher wurden… und stellte sich sein Döchting vor… und sang mit verhaltener Stimme über Deck hin, nicht schön, aber er brummelte doch:
“Es war ‘ne kapteinische Tochter,
Ein wunderschönes Weib.
Die ging des Abends spazieren,
Um sich zu delektieren
An Lust und Zeitvertreib … Hoiho!”
und die kapteinische Tochter stand inmitten der Achterkajüte, noch den Namen “Reiner” auf den blutleeren Lippen, die Augen starr auf die kleine Treppe gerichtet, die schnirkelartig deckabwärts führte.
Nach heißem Ringen und Kämpfen, nach all den Anfechtungen, die sie während der grauen Nachtstunden heimgesucht hatten, erhob sich Jakobine siegreich zwischen Dielen und Decke, gefestet in sich, von der Hoheit und Heiligkeit des eigenen Wertes durchdrungen. Keine Zweifel mehr, kein Begehren mehr nach Dingen, die nach Sünde schmeckten. Ihr Blut rauschte ganz anders, reiner und frohwilliger. Sie fühlte sich als Herrin und Königin über ihr pochendes Herz, über die verzehrenden Wahngebilde der verflossenen Heimsuchungen. (…)

(Joseph von Lauff: O du mein Niederrhein)

Harro haut Rhein

Parallel zu Chris Leys Paddelsurf-Weltrekordversuch läuft derzeit eine lustige Rheinaktion der ProSieben-Wissenssendung Galileo. “Extremreporter” Harro Füllgrabe will „den Vater aller deutschen Flüsse für sich erobern. Auf dem Rhein will der “Galileo”-Abenteurer innerhalb einer Woche quer durch die Bundesrepublik schippern. Start der Reise ist Weil am Rhein, Ziel Emmerich an der holländischen Grenze. Auf seiner 680 Kilometer langen Fahrt darf der Reporter sich von Schiffen, Booten, Frachtern und Wassergefährten aller Art transportieren lassen – und auch von Ufer aus gezogen werden, z.B. mit einem Fahrrad. Aber: Der “Galileo”-Weltenbummler darf jedes Gefährt nur einmal für höchstens 100 Kilometer verwenden. Harro Füllgrabe muss auf dem Rhein reisen und auf dem oder direkt am Wasser essen und schlafen. “Galileo” berichtet jeden Abend ab 19:05 Uhr über seine neusten Erlebnisse.

Um die Herausforderung zu meistern ist Harro Füllgrabe auf die Hilfe seiner Fans angewiesen. Über Facebook erfahren die jederzeit, wie der Abenteurer die letzte Etappe hinter sich gebracht hat, wo er gerade ist und was er braucht.“ Das trifft zu, wie rheinsein bestätigen kann: während der Paddelsurfweltrekordanwärter Ley vom Social Media-Radar verschwunden ist, lädt das Team von  TV-Reporter Füllgrabe zahlreiche Bilder des “verrückten Harro” auf diversen Rheinfahrzeugen ins Netz. Abends dann wohl auch im Fernsehen:

“Harro, hau Rhein!” – Die “Galileo”-Sommeraktion von Montag, 26. bis Freitag, 30. August 2013 um 19:05 Uhr auf ProSieben.

Presserückschau (Mai 2013)

Erneut nimmt die Konfrontation von Mensch und Tier (aber auch von Mensch und Mensch) einen beträchtlichen Teil der Schwerpunkte in der Presseberichterstattung entlang der Rheinschiene ein. Hier in kurzen Zusammenfassungen die wichtigsten Meldungen des diesjährigen Wonnemonats:

1
Zu einem kalkulierten Skandal geriet die Tannhäuser-Premiere im Wagner-Jahr in Düsseldorf. Die WZ schreibt vom Aufstand des Opernpublikums: “„Geh in Therapie!“, „Aufhören!“ „Das ist keine Kunst!“ und immer wieder „Sch…!“ – lautstark haben Zuschauer in der Rheinoper ihrem Ärger und Entsetzen Luft gemacht. Provoziert von einem Bühnenbild, das Kammern zeigt, in denen nackte Frauen und Männer mit Nebel scheinbar vergast werden, einem Tannhäuser, der mit Nazibinde am Arm seine Familie exekutiert. Für einige gab es schon in der ersten halben Stunde kein Halten mehr. Türenknallend verließen sie die Oper. Der überwiegende Teil blieb. Nicht zuletzt, um Regisseur Burkhard C. Kosminski beim Schlussapplaus auf der Bühne niederzubuhen. Einige pöbelten ihn bei der anschließenden Premierenfeier rüde an.” Das Thema hielt sich schließlich den gesamten Monat in der Presse, nachdem die theatrale Aufführung von Intendant Christoph Meyer zugunsten einer rein konzertanten abgesetzt wurde, um das Gesundheitsrisiko des Publikums zu mindern, nachdem zahlreiche Premierenbesucher ärztliche Hilfe benötigt hätten.

2
Warum es am Rhein so schön ist, ist eine häufig beantwortete Frage. Die Frankfurter Rundschau reiht sich mit einem Bericht über die Ausstellung “Еrhabene Natur, vaterländischer Strom, romantischer Rhein” im Flörsheimer Heimatmuseum in den Reigen ein: “Sanft geschwungene Hügel, in Abendrot getauchte Burgen und Fischer, die sich vergnügt am Ufer unterhalten – in den Bildern des in Flörsheim geborenen Malers Christian Georg Schütz dem Älteren zeigt sich eine Idealvorstellung der Rheinlandschaften, in dessen Mittelpunkt stets der mächtige Fluss steht. Zusammen mit seinem Neffen und Patenkind Christian Georg Schütz dem Jüngeren prägte er Mitte des 18. bis ins erste Viertel des 19. Jahrhunderts die Idee der Rheinromantik und war daran beteiligt, den Rhein vom schnöden Transportweg zum Reiseziel für gut Betuchte zu stilisieren.”

3
Auf dem Koblenzer Bahnhofsvorplatz vor dem McDonalds-Restaurant hat ein Mann am Pfingstsonntag eine Ratte gehäutet und verspeist, berichtet die Rhein-Zeitung: „Anschließend sei er mit der Haut auf seinem Gesicht auf dem Bahnhofsvorplatz umhergelaufen.“

4
Am Pfingstmontag spielte ein Reh mit der Basler Bevölkerung Katz und Maus. An verschiedenen Stellen der Stadt, darunter im Rhein, sei das Tier auf- und abgetaucht wie die Basler Zeitung berichtet: „Es wurde schliesslich unter dem Applaus von Passantinnen und Passanten von Mitarbeitenden der Polizei aus dem Rhein gefischt und später im Wald bei Bettingen wieder ausgewildert, wie das Justiz- und Sicherheitsdepartement Basel-Stadt mitteilte.“

5
Bei Hinterrhein hat ein Wolf zunächst ein Reh und einige Tage später ein Schaf gerissen. Mit Hilfe seines Fernrohrs schoß ein Wildhüter Handyfotos des Räubers über seiner Wildbeute, von denen eines auf der Webpräsenz der Südostschweiz publiziert wurde. Die seit Generationen von Schafzucht lebenden Bewohner Hinterrheins befürchten unterdessen, daß die Obrigkeit den Wolf schützt, sodaß er nach und nach ihre Herden auffressen werde.

6
“Drogen, Waffen, Geldverschiebung – der deutsch-schweizerische Grenzübergang auf der A5 in Weil am Rhein ist das Tor zur EU und die Reuse für Schmuggelgut jeder Art”, konstatiert auto motor und sport und informiert seine Leserschaft über Arbeitsmethoden der Grenzwächter: “Sieben oder acht Mal hat der Zollbetriebsinspektor schon die Geldzählmaschine vor sich gefüttert, doch sie gibt immer wieder mit vernehmlichem Piepsen Fehlermeldungen von sich. Schließlich nimmt der Apparat doch noch die Arbeit auf und quittiert artig den Durchlauf der beiden Bündel mit 500-Euro-Scheinen: 100.000 Euro, die ein Mann aus Belgien bei sich trug, als er aus der Schweiz nach Deutschland einreisen wollte.”

7
Der Sonntag aus Freiburg berichtet von einer vertrackten Situation: nach EU-Richtlinien sei vom Baden an Hoch- und Oberrhein abzuraten, weil es insbesondere bei empfindlicheren Personen zu Haut- und Schleimhautreizungen oder Magen-Darm-Beschwerden führen könne, dieweil die Schweizer Behörden das Baden an genau denselben Stellen der Entscheidung des Bürgers überlassen. Immerhin: „Der Rhein ist so sauber, daß sich sogar der Lachs wieder darin wohlfühlt.“

8
Die “Rheinwoche” gilt als “längste Fluss-Segelregatta Europas”, klärt die Rheinische Post auf. Sie führt in drei Tagesetappen von Hitdorf über Krefeld und Rees nach Emmerich. Die Teilnehmer segeln um das “Blaue Band vom Rhein” und dürfen sogar auf Sensationen entlang der Rennstrecke hoffen: “Bei gutem Wetter bereitet auch die Jugendfeuerwehr der Stadt Rees im Rahmen ihres Pfingstzeltlagers den Seglern einen unvergesslichen Empfang. Denn in Höhe des Pegelturmes wollen die jungen Feuerwehrleute die vorbeifahrenden Schiffe mit einer spektakulären Wasserwand begrüßen.”