Elztal

Tannenbestandene Hänge rahmen das Elztal mit seinen wenigen Ortschaften, in denen die Reklameschilder für Metzgereien und von Schwarzwaldmarien angepriesenes Schäufele, so will es bei der Durchfahrt erscheinen, beinahe Kirchturmhöhe erreichen. Zwischen den Ortschaften siedeln Supermärkte an der Landstraße, Feuerwehren, Gewerbegebäude in Kastenform, in Planen verpackte Heuballen mustern die Wiesen.

Die Elz, einer der Schwarzwälder  Rheinzuflüsse und Namensgeberin des Tals, ist von der Durchgangsstraße nur an wenigen Stellen sichtbar. Rauchschwaden steigen in die Posterlandschaft. Irgendwo droben in den Hügeln haust seit Jahrhunderten das Glasmännlein, das den Sonntagskindern, die es zu rufen verstehen, drei Wünsche gewährt.

elztal_speedscapeWährend wir an ihr vorüber und durch sie hindurch jagen, kräuseln sich Teile der Landschaft, Wiesen und Äcker intensivieren ihre Farben, die sich einzeln und in abstrahierten Ausschnitten wesentlich moderner präsentieren als das figurative Ensemble, das sie zusammenhalten.

Aus dem Schwarzwald entronnen umfließt die nun kanalisierte Elz (hier bei Denzlingen) den Kaiserstuhl, driftet nach Norden und quert das Gelände der Touristenattraktion Europa-Park, hinter dem sie in den Oberrhein mündet.

Dreisamkeit

fr_dreisamkeit_2Innerstädtische Romantikknautschzone: Blick entlang der rektifizierten Dreisam am Rande Freiburg-Weingartens, einem Hochhausviertel und “sozialen Brennpunkt”, gegen ihre Quellregion im Schwarzwald. Bevor sie Weingarten erreicht, speist die Dreisam die berühmten Freiburger Bächle.

Unter der Güterbahntrasse. Gelegentlich schaut eine Ente vorbei, eine Schmetterlingslibelle (bzw ein Libellenschmetterling), jede Menge Spinnen und ein Graureiher. Jagt ein Zug mit vernichtendem Geschmetter über die Brücke, wird die friedlich-lichtbespielte Wasserfläche kurzfristig aufgewühlt und sterben einige Tiere an Herzversagen.

fr_dreisamkeitViersamkeit inmitten der Dreisam. Im Nordwesten verläßt der Fluß Freiburg und geht auf die Elz zu, die schließlich in den Rhein mündet.

Waldkirch

Waldkirch im Schwarzwälder Elztal besteht zur Hälfte aus einem Naherholungsgebiet, das insgesamt unter den Namen seiner Hauptattraktion, dem „Baumkronenweg“ fungiert. Der auch von Auswärtigen – insbesondere von Elsässern und israelischen Touristen - stark frequentierte Freizeitpark besteht aus mehreren Parzellen: im Tal u.a. aus einem wildbachflankierten See mit Tretbootverleih, Pommesbude samt Leierkastenmann und Bierbänken unter Sonnensegel, auch der passionierte Minigolfer findet seinen Parcours; am Hang erstrecken sich ein Waldlehr- bzw. -fühlpfad und ein Tierpark. Schließlich beginnt, am Fuße des sagenumwobenen Kandels, ein krude beschilderter Aufstieg, der aufgrund der stark differierenden Angaben manche Familie abschreckt: nach über 100 Höhenmetern ist schließlich der Baumkronenweg erreicht, der nochmals bis auf 23 Meter über dem Waldboden in die Wipfel führt und direkte Blicke ins Leben etwa des Wintergoldhähnchens (Foto) ermöglicht.

Digital StillCameraDer Rückweg ins Tal geht am schnellsten über eine am Hang angebrachte Tunnelrutsche (“die längste Europas”), welche den freien Fall propagiert.

Digital StillCameraGegenüber dem Baumkronenweg liegt auf der nördlichen Elzseite die von den Waldkirchern wiederaufbereitete Ruine der ferngerahmten Kastelburg (Foto) aus dem späten 13. Jahrhundert mit ihrem imposanten Turm, durch dessen Zinnen sich das Elztal überblicken läßt. Der Weitblicke sind in der Freiburger Region so viele, daß sich die Landschaft schnell in Fleisch und Blut einprägt und in etwa so verwechselbar wird wie der eigene Körper: der Rhein die Aorta, der Schwarzwald das Abdomen, der Kaiserstuhl die Leber, die Vogesen eine Wave-Frisur aus dunkler Vergangenheit.

Tulla über den Rhein

Der Rhein ist einer der merkwürdigsten Ströme in Europa, wegen seiner Größe, seiner Verbindung mit den Glätschern, und den meisten Seen der Schweiz, seiner Wasserfälle bey Schaffhausen und Laufenburg, der Veränderungen seines Laufs in ältern und neuern Zeiten, der Verschiedenheit seines Gefälles und seiner Geschwindigkeiten, wegen seiner Mündungen in das Meer, und seiner Benutzung zur Flößerey und Schifffahrt.

Der Rhein hat durch seine Geschiebe das Becken des ehemaligen, von Zürich bis Konstanz ausgedehnten Sees von Wallenstadt bis Rheinek, und die Linth von Wesen bis Schmerikon theilweise ausgefüllt, wodurch der ehemalige See in drey Seen, den Bodensee, Wallenstadter und Züricher-See, getheilt wurde.

Vom Bodensee bis Hüningen ist der Spielraum des Rheins größtentheils durch die Gebirge eng begrenzt, und die merkwürdigsten Veränderungen seines Laufes, sind nur die Einschneidungen oder tiefere Bettung, welche Veränderungen durch terrassenförmig übereinander liegende Hochgestade erkannt werden.

So wie der Rhein in das zwischen den Vogesen und dem Schwarzwald liegende Thal tritt, hat derselbe mehr Spielraum, er serpentirt in dem Bett des ehemaligen – nicht problematischen – zwischen dem Schwarzwald und den Vogesen bestandenen Sees, führt jährlich eine große Masse von Kies, Sand und Erde bis zu seinen Ausmündungen in das Meer in Holland, welches Land größtentheils durch den Absatz des Rhein gebildet wurde.

Die Geschichte des Rheinlaufes in den ältern Zeiten liegt bey den Geschichtsschreibern sehr im Dunkeln. Mehr Licht geben die sichtbaren alten Flußbette, die Hochgestade und die alten Inseln.

Nachdem der See sich, durch die allmählig, vielleicht auch plötzlich, entstandene Vertiefung seines Durchflusses, durch die Gebirge zwischen Bingen und Königswinter größtentheils, abgelaufen war, muß das verlassene Bett desselben zwischen den Vogesen und dem Schwarzwald, ziemlich eben gewesen seyn, und jede fortlaufende regelmäßige Vertiefung in dem Seebett, kann nur durch Ausflößung oder Ausschwemmungen, oder endlich durch Ausgrabung und nachherige Ausflößungen entstanden seyn.

Die Breite und die Größe der Krümmungen derartiger Vertiefungen, so wie ihre Vertheilung in mehrere Zweige, lassen immer auf das ehemalige Bestehen eines Flusses, auf seine Größe und seine Geschwindigkeit schließen, wenn gleich diese Vertiefungen nun trockenes Land sind.

Der Rhein theilte sich in den ältern Zeiten oberhalb dem Kaiserstuhl-Gebirge in drey Theile. Der eine ging links in dem jetzigen Gebiet der Ill, der andere längs dem Kaiserstuhl-Gebirge auf der linken Seite, und der dritte rechts dem Kaiserstuhl, längs dem Fuß desselben, zwischen den Vorgebirgen von Riegel und Hecklingen durch.

Man wird den erstern den gallischen Rhein, den zweiten den großen Rhein, oder auch nur Rhein ohne Beinamen, und den dritten den deutschen Rhein, nennen können.

Wegen Mangel an Localkenntnissen kann eine nähere Beschreibung des gallischen Rheins nicht gegeben werden. Die Städte Colmar, Gemar und Schlettstadt dürften auf dem linken Ufer desselben, und Straßburg, welches auf der vorspringenden Spitze des aufgeschwemmten Gebirges erbaut ist, bey der Vereinigung des gallischen Rheins mit dem großen Rhein, stehen.

Wann der gallische in einen Altrhein überging, und ob er noch zur Zeit, als die Römer an den Rheinufern waren, schiffbar war, ist unbekannt.

Der deutsche Rhein floß längs dem Fuße des Schwarzwald-Gebirgs, parallel mit dem großen Rhein, so wie gegenwärtig die Ill, und nahm in seinem Lauf die Flüsse Dreysam, Elz, Schutter, Kinzig, Rench, Murg, Alb, Pfinz und alle die kleinen Flüsse und Bäche des Schwarzwaldes, vielleicht auch den Neckar auf.

Der deutsche Rhein änderte seinen Lauf in einzelnen Distrikten wenig, in andern sehr bedeutend, letzteres zwischen der Kinzig und der Murg, und unterhalb Malsch, wo er in mehrere Arme sich theilte, bis gegen den Neckar. Da wo bedeutende Flüsse aus dem Gebirge treten, wurde sein Lauf durch den Ausschub dieser Flüsse vom Fuße der Gebirge abgetrieben, wie sehr deutlich an der Murg und der Alb zu ersehen ist.

Sein linkes Ufer war nur längs dem Kaiserstuhl mehr als das rechte, sonst aber das rechte Ufer bey weitem mehr, als das linke, bewohnt. Ein Beweis hiefür ergibt sich aus der Thatsache, daß noch gegenwärtig in der Strecke von Schwarzach bis Karlsruhe nur die Orte Sandweiher und Beyertheim am linken Ufer liegen. Die Ursache dieser Ungleichheit der Bewohnung läßt sich sehr leicht aus der Fruchtbarkeit des rechten, und Unfruchtbarkeit des linken Ufers, und der geringen Entfernung des rechten Ufers des großen Rheins von dem deutschen, erklären.

In vielen Gegenden sind die alten Läufe, die bestandenen Inseln, die Hochgestade sehr deutlich zu erkennen, in andern sind ihre Spuren mehr oder weniger durch Anschwemmungen der Flüsse des Schwarzwaldes ausgelöscht; häufig folgt das Wasser im ungezwungenen Zustand dem alten Lauf.

Wie lange der deutsche Rhein bestanden, und zu welchen Zeiten bedeutende Aenderungen mit ihm vorgefallen sind, dürfte schwerlich in der Geschichte aufgefunden werden. Indessen läßt sich mit Zuverläßigkeit behaupten, daß er zur Zeit, als die Römer ihre Herrschaft bis an den Rhein ausgedehnt hatten, noch ein schiffbarer Strom war. (…)

Quelle: Wikisource

Schon wieder die linksrheinische Strecke

Gelbgepappelter Ufersaum, oktobrische Schraffagen/Frottagen, der Weg zieht sich selbst nach als graubrauner Lippenstift der stets verschandelbaren Landschaft, eine Spur ins Diesseits, Eisentrasse, Lenorluft, die Schiffe auf dem Rhein verschieben sich gegeneinander in unwirkliche Fahrtrichtungen, brechen aus dem Abteilfenster, Bug voran, unter den zeitlupenhaft durch den Himmel berstenden Trümmern der Brücke von Remagen, die Macht des Tanklasters, legolandartige Industrie brettert vorbei, mir vis-à-vis, im adretten braunen Kleidchen, marineblaue Strumpfhose, Rehlederstiefeletten: Loreley mal wieder, mysteriöses, ursprünglich wohl aus den morgenbetauten Gräsern der norddeutschen Tiefebene bei bleichem Vollmond als Traum aufgestiegenes Gesicht, beinahe asiatische Augen allerdings, drunter schnieke Tränensäckchen, Stupsnase, perfekte Lippen, naturblond getöntes Wuschelhaar, professionell natürliche, zuvorkommende Erscheinung, liest regungslos (registriert?) Kunstmagazine, döst, gleicht das mäßige Rheinglitzern alle zehn Flußkilometer mit der Farbmischung ihrer Iriden ab, rümpft, als das Abteil plötzlich in strengen Beschlag aggressiven Odeurs fernöstlicher Basisfischsauce gerät, nur für Fachleute erkennbar die Nase, lächelt huldvoll, beschwichtigt von den eiligen Entschuldigungen einer vietnamesischen Reisenden, die ihren Koffer durch den Gang zieht, ein riesiges Objekt, das inwendig nach Zerscherbtem tönt, aus dessen beachtlichen Schnittwunden zerstampfte fermentierte verflüssigte Sardellenreste triefen. Banalitäten aus dem Bordlautsprecher, Loreley schaut ihrem Felsen entgegen, zwei Gestalten in roten Windundwetterparkas kraxeln da oben rum, ergrautes Ehepaar im Partnerlook, indefinite Zufriedenheit legt sich um Loreleys Augen und Mundwinkel, mittägliche Lichtschimmer schneiden und sägen die verherbsteten Gebirgskuppen in Streifen und Schiefertafeln. Loreley, der Kunstpostillen überdrüssig, zieht das Zeit-Magazin aus ihrem Reisetäschchen, aus den Sonntagszeitungen ringsum steigen bürgerliche Feuilletonsatzketten, ewige Beschwörung fabulöser, herbeigeredeter Schönheit (auch Traurigkeit), wie sie mir gegenübersitzt mit ihrem unsagbar hübschen Gesicht, zitronig-limoniges Laub da draußen, frischt den dunklen germanischen Herbst etwas auf, mit seinen zaubrischen Pilzen, die gewiß dort (und nicht zu knapp) untern Uferbäumen dünsten, würzt die vom flechtenfarbenen Tafelwald in die Irre gezogenen Blicke zusätzlich zur dick im Raum stehenden Fischsauce mit weiterer, ganz offenbar notwendiger Exotik, mit großer Selbstverständlichkeit ergo schält Loreley eine Mandarine vor den urtümlich dahinziehenden Schwarzwaldbuckeln, die als dunkle Einladungen in eine andere Welt wie lahm sich wiegen im mit Blei gesetzten Regen, Kinzig und Elz fließen in gleichsam chemischer Notwendigkeit aus ihren Talöffnungen dem Rhein zu, ihm ihr Silber beizumengen, gegen die Denkrichtung stiefele ich durchs feuchte Ufergras der Dreisam im Abenddämmer, begleitet vom nervenprägenden Sound der Autobahn, den wilden Pflanzen, droben im Wingert energischen Schritts, fetzenhaft gekleidet, Freund Barthel beim Mostholen, in der Dreisam versiegt Loreleys nurmehr unbeteiligter Blick, die Welt darf nun untergehn, in den gestaffelten Stufen der schnellfließenden zischen, verkauften Schatten gleich, Schl-, Schm- und Schn-Fische, steht ein etwas drohgebärdiger Schw-Fisch, die gezackten Rückenflossen ragen ausm Flachwasser: der Schwand. In psychogene Optik versetzt leuchtet wie ein austropfendes Herz in Rot und Gelb, den badischen Farben, das Riesenrad in der Mitte einer in die Ebene gelegten Stadt, deren äußere Koordinaten von Hochhausblöcken markiert werden. Später am Abend treffen sich deren hipste Bewohner im The Great Räng Teng Teng, einer unterirdisch gelegenen Location, zum Gutelaunerocknroll von Muck & The Mires mit Köpfen und Oberkörpern zu wippen und Teile ihres Verstandes zu verlieren, dieweil Torpedo Tom mit den Armen schlenkert, worauf Anna Conda verstrahlten Blicks zu twisten und der Obstler (“aus einem dieser Dörfer dort”) übern Tresen zu kriechen beginnt. Aus dem Räng Teng Teng führen nurmehr schummrige Tunnel, aber immerhin direkt in die erdige Nacht des wilden bezähmten Oberrheins, dessen mosttrunkene Barthel sich um diese Stunde in Parklücken betten, bis die Supermärkte öffnen, an einem neuen, in die scheinbar ewige Zeit geschobenen Tag.