Presserückschau (März 2017)

1
Methadon-UFO
“In der Rheinüberwachungsstation (RÜS), die auf der deutschen Seite unterhalb der Palmrainbrücke in Weil liegt, werden (…) Wasserproben dem Rhein entnommen. Die Analytik erfolgt im Labor des Amts für Umwelt und Energie Basel-Stadt (AUE BS). Dort hat man einen Katalog von 670 Stoffen, von denen man weiss, dass sie in Industrie, Haushalt und Landwirtschaft flussaufwärts zum Einsatz kommen. Nach 380 dieser Substanzen fahndet man täglich. Überschreiten sie einen Grenzwert, wird Alarm ausgelöst. Die Konzentration der 290 weiteren Verbindungen wird in anderen Zeitabständen überprüft. (…) Parallel zu dieser Überwachung bekannter Substanzen schaut man mittels eines sogenannten Screenings, was sonst noch im Wasser vorkommt. Mit der Kombination verschiedener Messmethoden (…) bekommt man wie bei einem Radar auf dem Bildschirm gewisse Signale. Bei einigen weiss man aus Erfahrung, um was es geht. Andere sind buchstäblich «Unbekannte Flugobjekte». Ein solches chemisches UFO war (…) Methadon, das man im Rhein nicht erwartete.” (BZ)

2
Rhein im Mittelmeer
“Nach monatelangen Vorbereitungen hat der Tender “Rhein” (…) seinen Heimathafen Kiel verlassen, um sich im Mittelmeer am internationalen Kampf gegen Schleusernetzwerke zu beteiligen. Die “Rhein” steuert zunächst den Hafen von Augusta in Italien an. Sie wird dort den Tender “Main” aus Eckernförde ablösen, der sich seit Oktober an der EU-Operation “Sophia” beteiligt. Laut Marine wechselt in Augusta ein Teil der Besatzung des Tenders “Main” auf die “Rhein”. An Bord werden dann insgesamt mehr als 100 Frauen und Männer sein, darunter Militärpolizei, Ärzte und Sanitätspersonal.” (NDR)

3
Goldfische
“Walter Hirschmann (…) ärgert sich (…): «Manche setzen ­ihre Goldfische im Rhein aus, wohl, bevor sie in die Ferien fahren wollen und niemanden für die Fütterung finden» (…). Er habe selber Goldfische im Unterland, am Übergang der Glatt zum Rhein, gesehen. «Sie fallen einem wegen ihrer roten Farbe sofort auf», sagt Hirschmann. Vom Verzehr rät er aber ab: Sie seien zwar nicht giftig, jedoch schmeckten sie bitter. (…) Das kantonale Amt für Landschaft und Natur (…) be­stätigt, dass Aquariumfische im Rhein zu beobachten sind: (…) Es gebe vereinzelt Goldfische und Koikarpfen, Blaubandbärblinge und amerikanische Sonnenbarsche. Bei den genannten Fischen vermutet der Kanton, dass sie im Rhein «entsorgt» oder aus falscher Tierliebe ausgesetzt werden. «Möglicherweise stammen auch die zahlreichen Kamberkrebse im Rhein ursprünglich aus Aquarien» (…). Zahlen zu diesen ausgesetzten Aquariumfischen erfasst der Kanton nicht.” (Der Landbote)

4
Nicht immer grün
“»Der Rhein und Meißenheim« – dieses »Paar« stand beim zweiten Abend mit Geschichten am Stammtisch im »Eventhaus Sonne« im Mittelpunkt. (…) Es gibt vor und es gibt nach Tulla. Johann Gottfried von Tulla (1770 bis 1828) ist bekannt für seine Rhein-Regulierung. Davor waren sich Fluss und Mensch nicht immer grün. Der wilde Strom mit seinen immer neuen Armen trat oft über seine Ufer. Der Arm, der nach einem Hochwasser ein tieferes Bett geschaufelt hatte, war der Talweg, der die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich bildete – außer wenn das Elsass gerade Deutsch war. Staatsgrenze und Gemarkungsgrenze waren nicht identisch. Meißenheim hatte – wie alle Gemeinden am Rhein – auch Land jenseits des Flusses. Das schlimmste Hochwasser gab es (…) 1876. Bei Wittenweier brach ein Damm. Die Massen flossen übers Land. 1480 war auch gewaltig. 40 Kilometer um Straßburg stand alles unter Wasser. Nach Tulla wurde einiges anders. (…) Die ersten Dampfschiffe tauchten auf dem Rhein auf. Bis dahin undenkbar, musste doch vor der Regulierung manche Schiffe vom Ried bis nach Straßburg von Menschen gezogen werden. Erst danach konnten Pferde eingesetzt werden.” (Baden Online)

5
Mary Roos
“Die Schlagersängerin ist Patin und Namensgeberin für eine neue Event-Autofähre in Bingen. Diese kann man buchen und Partys auf ihr feiern, zum Beispiel eine Schlagerparty.” (ARD)

“Während im Rheingau und im Mittelrheintal wieder über den Bau von Rheinbrücken bei Rüdesheim und nördlich von St. Goar diskutiert und gestritten wird, setzt die Bingen-Rüdesheimer Fähr- und Schifffahrtsgesellschaft ein Zeichen. Mit der „Mary Roos“ hat das traditionsreiche Binger Unternehmen die modernste Autofähre am Rhein in Dienst gestellt. (…) Die Besonderheit ist ihre Zulassung als Fahrgastschiff. Die „Mary Roos“ kann nicht nur quer über, sondern auch längs auf dem Rhein. Dafür ist sie wie ein Ausflugsschiff ausgerüstet und ausgestattet und erfüllt die Auflagen wie beispielsweise Schwimmwesten für bis zu 600 Passagiere.” (FAZ)

6
Atmosferischer Techno
“The ninth release on the DSR-C series comes from Rhine. A new name with his roots in atmospheric techno steps up for his first solo EP. ‘De Storm’ opens the account with a loose collage of textured drums and scuffed-up synths. It makes for a bubbly groove that journeys far off into the night while ‘De Bron’ is more rooted underground, with cavernous echo chambers run through by supple bass synths and icy hi hat trails. Spooky and haunting, its a track to send shivers down your spine. Last of all, ‘Het Meer’ is a watery affair, with aqueous drips and drops, radiant pads and then more tightly coiled drums brushing up against one another to make for something atmospheric but also nicely driven. All three tracks are characterised by a rather tender and reflective mood that makes them all the more unique.” (deejay.de)

7
Distanz und Interesse
“Die Engländer schwanken in ihrem Verhältnis zum Kontinent seit je zwischen Distanz und Interesse. Der romantische Rhein zum Beispiel ist eine touristische Entdeckung reiselustiger Briten. Zu ihren Protagonisten gehört auch der Offizier und Zeichner Robert Batty, von dem ein opulentes Exemplar des ersten mit Stahlstichen illustrierten Rheinbuches Scenery of the Rhine (1826) in der Frühjahrsauktion von Venator & Hanstein aufgerufen wird. Das in vier große Foliobände gebundene Werk beinhaltet Stiche mit Abzügen auf Chinapapier vor der Schrift und die Originalzeichnungen zu 60 Stahlstichen. Die Taxe liegt bei 30.000 Euro. Bewunderer des Rheins gab es auch andernorts. In Wien erschienen 1798 Fünfzig malerische Ansichten des Rhein-Stromes von Speyer bis Düsseldorf von dem Landschafts­malers Laurenz Janscha. Das Spitzenlos der Auktion sollte den Interessenten mindestens 50.000 Euro wert sein.” (Weltkunst)

8
Grundelgruppe
“Seit einigen Jahren verbreiteten sich im Rhein bei Basel invasive Fischarten aus dem Schwarzmeerraum, schreibt der Bundesrat (…). Wahrscheinlich seien die Grundeln als Larven mit grossen Transportschiffen eingeschleppt worden. Die Schwarzmeergrundeln sind eine Konkurrenz für die einheimischen Arten. Besonders betroffen ist die Groppe. Aber auch Alet, Barben und Salmoniden seien bedroht (…). Die Fischfauna habe sich bereits stark verändert. Fünf Arten von Schwarzmeergrundeln werden nun auf die Liste der invasiven gebietsfremden Arten gesetzt. Die Haltung dieser Grundeln in Teichanlagen oder Aquarien wird damit bewilligungspflichtig, und ihre aktive Verbreitung ist verboten. (…) An der Universität Basel (MGU) gibt es eine Grundelgruppe, die sich mit den Bioinvasoren im Rhein beschäftigt.” (Basler Zeitung)

9
Neubürger
“Ihr Name geht darauf zurück, dass sie ihre Vorderpfoten wie beim Händewaschen bewegen, wenn sie etwas Essbares gefunden haben und sich daran machen, es zu verzehren. Waschbären suchen oft an Bachläufen nach Futter. Die Tiere sind possierlich anzuschauen. Doch ihr Aussehen täuscht darüber hinweg, dass mit ihnen nicht unbedingt gut Kirschen essen ist, denn sie sind Raubtiere. Der kluge und anpassungsfähige deutsche Neubürger ist auch im Rhein-Sieg-Kreis auf dem Vormarsch. (…) In der Jagdsaison 2010/2011 wurde ein Waschbär erlegt, fünf Jahre später 2015/2016 waren es schon 15. (…) Darum hat sich der BUND im Rahmen der Landesjagdgesetznovelle dafür ausgesprochen, den Waschbären von der Liste der jagdbaren Arten zu nehmen. Bisher sei es ohnehin nicht gelungen, die Kleinbären durch die Jagd zu dezimieren. Laut Naturschutzbund Deutschland (NABU) liegt das daran, dass sich die Tiere, je stärker sie bejagt werden, umso stärker vermehren.” (Kölnische Rundschau)

10
Kalkschlammabdeckung
“Rund 2500 Kubikmeter Kalkschlamm, den der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF in den 1950er-Jahren im Rhein nördlich von Frankenthal entsorgt hat, werden gut sechs Jahrzehnte später mit einem Deckel aus Spezialkunststoff abgedeckt. (…) Der auf einer Fläche von 2900 Quadratmetern verteilte Produktionsabfall ist (…) für Fische giftig und kann, wenn Menschen oder Tiere mit ihm in Berührung kommen, ätzend wirken. Dass die BASF sich jetzt zu dem aufwendigen Sanierungsverfahren entschlossen hat, hängt mit dem inzwischen häufigen Niedrigwasser im Rhein zusammen.” (Rheinpfalz)

11
Der Rhein als Person
“Wird nach den Flüssen Ganges und Yamuna in Indien bald auch der Rhein rechtlich zu einer Person ernannt? Wenn es nach der Deutschen Umwelthilfe geht: Ja. Sie schlägt vor, den Rhein in einer symbolischen Aktion als Lebewesen einzustufen und ihn so vor Verschmutzung zu schützen. (…) Die beiden heiligen Flüsse der Hindus in Indien genießen künftig die gleichen Rechte wie natürliche Personen. Das heißt: Wer ihnen Schaden zufügt, wird juristisch so belangt, als hätte er einem Menschen geschadet. Umweltschützer in Indien zweifeln aber, ob das Urteil dem Schutz der extrem verschmutzten Flüsse helfen wird. Das neuseeländische Parlament hatte vor kurzem den Fluss Whanganui zur Rechtsperson erklärt, damit die „Interessen“ des 290 Kilometer langen Wasserlaufs vor Gerichten eingeklagt werden könnten.” (Augsburger Allgemeine)

12
Rheintote
“Die Polizei ist (…) zu einem Einsatz nach Unkel ausgerückt. Am Rheinufer war dort (…) eine Wasserleiche entdeckt worden. Die Polizei musste sie aus dem Fluss bergen. Wie die Beamten in Koblenz mitteilten, handelt es sich um eine weibliche Person. Nähere Einzelheiten sind noch nicht bekannt. So gebe es nach Angaben der Polizei derzeit keine Hinweise auf die Identität der Frau. Auch sei noch unklar, wie lange der Körper dort schon gelegen habe, bevor er gefunden wurde.” (General-Anzeiger)

“In Niederkassel haben Spaziergänger (…) eine Leiche im Rhein entdeckt. Die Feuerwehr barg den Leichnam im seichten Wasser am Ufer und brachte ihn an Land. Bisher ist nur bekannt, dass es sich bei der Leiche um einen Mann handelt.” (WDR)

“Bei Schaan trieb (…) eine leblose Frau im Rhein. Zuerst war nicht klar, ob die Person noch lebt oder nicht. Kurze Zeit später liess die Liechtensteinische Polizei wissen: «Die Person konnte nur noch tot geborgen werden.» Der leblose Körper sei bei einer Fussgängerbrücke auf der Höhe des Ortes Schaan entdeckt worden. Wie die Landespolizei am Abend mitteilte, handelt sich um eine noch unbekannte Frau. Das Fürstliche Landgericht hat eine Obduktion angeordnet. Noch ist völlig unklar, ob es sich um einen Unfall, ein Verbrechen oder einen Suizid handelt.” (Vaterland)

“Drei Wochen nach seinem Sturz von einer Brücke in den Rhein ist ein 32-jähriger Mann tot aus dem Fluss geborgen worden. Die Leiche des Mannes wurde (…) bei Mannheim von zwei Jetski-Fahrern entdeckt (…). Die Wasserschutzpolizei brachte den Toten an Land. Es handele sich um den aus Mannheim stammenden Mann, der Anfang März bei Ludwigshafen von einer Brücke in den Rhein gestürzt war. Er wurde seither vermisst, auch umfangreiche Suchaktionen waren ergebnislos geblieben. Die Polizei geht von einem Unglück aus. Hinweise auf ein Verbrechen oder die Beteiligung anderer Personen gebe es nicht.” (Stuttgarter Nachrichten)

Au lieu de les mettre en prison, on les a mis en Alsace…

Après avoir traversé le Rhin à Kehl, en dépit de nos lettres de recommandation et de nos beaux cachets rouges, nous avons dû passer par de longues et coûteuses formalités douanières. Absolument libre, en Allemagne, la circulation automobile subit en Alsace des règlements vexatoires, qui ont pour résultat de gêner beaucoup le commerce alsacien. Les hôteliers, les marchands, et surtout les propriétaires de ces luxueux garages installés dans les villes, supplient le gouvernement de rapporter des mesures qui les ruinent, en éloignant, de plus en plus, les automobilistes de ces régions admirables, hier encore très fréquentées pour la joie et au bénéfice de tout le monde. Mais le gouvernement reste sourd à ces doléances. Il a encore de la défiance, une sorte de rancune sourde contre ce pays.

Je n’avais pas revu Strasbourg depuis 1876. Faut-il dire que je ne l’ai pas reconnue ? À l’exception du quartier de la cathédrale, et de ce vieux quartier si pittoresque, qu’on appelle la petite France, rien d’autrefois n’est resté. Et encore, ces derniers vestiges, où nous nous retrouvons, vont bientôt disparaître. La pioche y est déjà. Aujourd’hui Strasbourg est une ville magnifique, spacieuse, et toute neuve, la ville des belles maisons blanches et des balcons fleuris. Nous n’en avons pas une pareille en France. Les larges voies des nouveaux quartiers, luisantes comme des parquets suisses, les universités monumentales, tous ces palais élevés à l’honneur des lettres, des sciences, et des armes aussi, par lesquels l’Allemagne s’est enfoncée jusqu’au plus profond du vieux sol français, ces jardins merveilleux, ce commerce actif qui, partout, s’épanouit en banques énormes, en boutiques luxueuses, et cette armée formidable qui veille sur tout cela, doivent faire réfléchir bien douloureusement ceux qui gardent encore, au cœur, d’impossibles espérances. Ah ! je plains le pauvre Kléber qui assiste, sur sa place, impuissant et en bronze, au développement continu d’une cité à qui il a suffi d’infuser du sang allemand pour qu’elle acquît aussitôt cette force et cette splendeur. Telle fut, au moins, ma première impression.

Je n’ai pas la prétention, en traversant une ville, de juger de sa mentalité. Un voyageur est dupe de tant d’apparences ! Et tant de choses lui échappent !… Mais j’ai longuement causé avec un Alsacien très intelligent, qui ne se paie pas de mots. Il m’a dit :

— Strasbourg est complètement germanisée… Quelques familles bourgeoises résistent encore. Mais leur résistance se borne à ressasser, en français, d’anciens souvenirs, le soir, autour de la lampe… Elles n’ont ni influence, ni crédit. N’oubliez pas, non plus, que le prêtre, en ce pays très catholique, s’est fait tout de suite l’agent le plus ardent, le plus écouté de la conquête définitive. Par intérêt, par politique, le prêtre est devenu profondément, agressivement allemand. Il n’a même pas attendu le dernier chant du coq gaulois, pour renier sa patrie !… Au vrai, il n’y a plus ici que très peu d’Alsaciens, noyés sous un flot d’Allemands qui, après l’annexion, sont venus en Alsace, comme on va aux colonies, prospecter des affaires et chercher fortune. Ce n’est pas la crème de l’Allemagne. Nos fonctionnaires, tous allemands aussi, ne sont pas, non plus, la crème des fonctionnaires. Beaucoup avaient de vilaines histoires, là-bas… Au lieu de les mettre en prison, on les a mis en Alsace… Et ils espèrent se faire pardonner, en affichant un zèle exagéré… Ils sont rigoureux, formalistes, très durs, et nous tiennent sous une tutelle un peu humiliante… Par exemple, nous avons ce qu’il y a de mieux comme armée… Sous ce rapport, on n’a pas lésiné, pas marchandé… vingt mille hommes !… Les meilleurs, les plus solides régiments de tout l’Empire… Oh ! nous n’en sommes pas très fiers… Je dois dire pourtant que les militaires ont beaucoup perdu de leur arrogance, de leur morgue… Les officiers sont affables, se mêlent davantage à la vie générale, vivent en bonne harmonie avec l’élément civil… Beaucoup sont riches et font de la dépense… Et puis, les musiques, qui se prodiguent dans les squares et sur les places, sont excellentes…

Comme je lui parlais de l’énorme développement de la ville :

— Oui !… fit-il assez vaguement… C’est surtout un décor, derrière lequel il y a bien de la misère… pour ne rien exagérer, bien de la gêne. Quoique l’Alsace ait un sol fertile, et qu’elle soit, pour ainsi dire, la seule province agricole de tout l’Empire, nous n’en sommes pas plus riches pour cela. La crise économique, qui frappe les centres industriels de la métropole, nous atteint, nous aussi… Les impôts nous écrasent… La vie est horriblement chère, quarante-cinq pour cent de plus qu’autrefois… Matériellement, nous ne sommes donc pas très heureux… Moralement, politiquement, nous restons, sous l’autorité de l’Allemagne, ce que nous étions sous celle de la France : soumis, passifs, et mécontents… On se trompe beaucoup en France sur la mentalité et la sentimentalité de l’Alsacien. Il n’est pas du tout tel que vous le croyez, tel que le représentent de fausses légendes, et toute une littérature stupidement patriotique… L’Alsacien déteste les Allemands, rien de plus exact… Vous en concluez qu’il adore les Français… Grave erreur ! S’il est vrai que dans l’imagerie populaire et les dictons familiers d’un pays se voie et se lise l’expression de ses sentiments véritables, vous serez fixé tout de suite quand vous saurez, de quelle façon peu galante et pareille, l’Alsacien traite les Allemands et les Français. Il dit des Allemands qu’ils sont des schwein, des porcs ; il appelle les Français, des « welches » !…

Je croyais avoir entendu : des belges. Je lui en fis la remarque.

— Welches… belges…, c’est le même mot, répondit-il. Et croyez que, dans son esprit, ceci n’est pas moins injurieux que cela. Au fond, ça lui est tout à fait indifférent d’être Allemand ou Français… Ce qu’il voudrait, c’est être Alsacien… Ce qu’il rêve ?… Son autonomie… Seulement, saurait-il s’en servir ?… J’ai bien peur que non… Un esprit de discipline traditionnel, atavique, le fait obéir, en rechignant, obéir tout de même, tantôt à la France, tantôt à l’Allemagne… Mais, livré à lui-même, je crains qu’il ne se perde dans toutes sortes de querelles intestines. Je ne crois pas qu’il sache, qu’il puisse se conduire tout seul… Il a besoin qu’on le mène par la bride… Fâché, il devient vite agressif, abondamment injurieux… Si vous connaissiez son patois ?… Oh ! bien plus riche en couleurs que l’argot parisien… Excellent homme, d’ailleurs, qu’il faut aimer, car il a de fortes qualités…

Il sourit, et je pus constater que son sourire n’avait aucune amertume.

— Je vous dis mes craintes… Craintes tout idéales, n’est-ce pas ?… Car l’autonomie de l’Alsace, voilà une question qui n’est pas près de se poser…

Il ajouta :

— Peut-être, de devenir Allemands, y avons-nous gagné un peu de dignité humaine… Tenez, sous l’Empire, Colmar était ignoblement sale, puante, décimée par la fièvre typhoïde. Elle n’avait pas d’eau, et en réclamait, à grands cris, mais vainement, depuis plus de cent ans. Le lendemain même de la conquête, le premier acte du gouvernement allemand a été d’amener, du Honach, d’abondantes sources d’une eau excellente, avec laquelle on a inondé et purifié la ville… Oui, les Allemands nous ont appris la propreté et l’hygiène, ce qui n’est pas négligeable, et l’insouciance de l’avenir, ce qui nous a fait une âme moins sordide et moins âpre. L’Allemand – je ne dis pas le juif allemand – l’Allemand ignore l’économie. Il est – non pas fastueux – car le faste suppose une imagination dans le goût, ou une ostentation dans la personnalité, que l’Allemand n’a pas, – mais très dépensier. Il dépense tout ce qu’il a, et souvent plus que ce qu’il a, au fur et à mesure de ses désirs et de ses caprices, presque toujours enfantins et coûteux. Un détail assez curieux… À Berlin – je dis Berlin, c’est toute l’Allemagne que je pourrais dire – le jour même des vacances, plus de deux cent mille familles quittent la ville… Elles vont s’abattre un peu partout, mais particulièrement en Suisse… Vous avez dû les rencontrer, au bord de tous les lacs, au sommet de toutes les cures d’air… Ces braves gens, un peu naïfs, un peu bruyants, un peu encombrants, emportent avec eux tout l’argent qu’ils ont chez eux… Soyez sûr qu’ils ne rentreront à la maison que lorsqu’ils auront usé jusqu’à leur dernier pfennig… Aussi les universités, les collèges, les pensions, qui connaissent ces mœurs-là, obligent-ils les pères de famille à payer, avant de partir, la future année scolaire de leurs enfants… Sans cela… cette fameuse instruction !…

Il se mit à rire.

— Eh bien, nous devenons, un peu, comme ça…
— En somme ? quoi ? interrogeai-je… vous n’êtes pas trop malheureux, sous le régime allemand ?

Il répondit simplement :

— Mon Dieu !… On vit tout de même… Quand on ne peut pas être soi… d’être ceci, ou bien cela… Turc, Lapon, ou Croate… allez… ça n’a pas une grande importance…
— Et la Lorraine ?
— Ça, c’est une autre histoire… Elle est restée française, jusque dans le tréfonds de l’âme… Sourires ou menaces, rien n’entame ce vieux sentiment, obstiné et profond… comme l’espérance…

(aus Octave Mirbeau: La 628-E8, Bibliothèque Charpentier – Fasquelle, 1907)

Märckelse

En Märckelse hets äängfänge
Märckelse lejt ärn Rhin
en Märckelse hän mer s guldene kalb gstoche
en Märckelse hän mer d demokrätie entdeckt
en Märckelse hän mer d granze gsprangt
en Märckelse hets äängfänge
Märckelse em Elsass

(aus André Weckmann: „Schang d’sunn schint schun lang“; Association Jean-Baptiste Weckerlin, Strasbourg 1975)

Presserückschau (Oktober 2016)

1
Paradies auf Erden
“Forscher wollen in einer badischen Kleinstadt das Paradies auf Erden schaffen. Acht Jahre lang soll in Gaggenau (Kreis Rastatt) ausgelotet werden, welche Lebensumstände ein besonders hohes Alter ermöglichen. Die Wissenschaftler wollen verschiedene Maßnahmen in Kitas, Schulen, Seniorenheimen und bei ansässigen Betrieben testen. Es geht beispielsweise um städtische Strukturen, mit denen Ältere vor Vereinsamung bewahrt werden können. Oder um eine für Körper und Seele möglichst optimale Arbeitswelt. Hinter dem Projekt stehen die Uni-Kliniken in Mannheim und Tübingen sowie das Mannheimer Zentrum für seelische Gesundheit.” (Spiegel)

2
Marathonrudern
“42 Kilometer über den Rhein mit seinen teils tückischen Windungen: Das 45. Düsseldorfer Marathonrudern war eine große Herausforderung, die diesmal 180 Mannschaften aus ganz Europa annahmen. Sie starteten (…) beim RTHC Bayer Leverkusen und ruderten von dort zum Gelände des RC Germania in Düsseldorf-Hamm. “Der Schmerz geht, und der Stolz kommt” lautete das Motto.”" (Rheinische Post)

3
Fahrradfriedhof
“Es sind traurige Bilder, die der Rhein da zum Vorschein bringt… Bei niedrigem Wasserstand kommt so allerlei verloren geglaubtes Hab und Gut wieder ans Licht. Aktuell kursieren unter anderem im Kölner NETT-Werk Fotos, die einen regelrechten Fahrrad-Friedhof im Rhein zeigen.” (Express)

4
Reifenfriedhof
“Mit einem Fall von Umweltkriminalität muss sich die Niederkasseler Stadtverwaltung jetzt beschäftigten. Unbekannte haben im Rhein zwischen Rheidt und Niederkassel-Ort zahlreiche alte Autoreifen entsorgt. Die Reifen, die offenbar bereits vor längerer Zeit in unmittelbarer Ufernähe in den Fluss geworfen worden waren, wurden kürzlich von Spaziergängern entdeckt. Begünstigt wurde der Fund durch das derzeitige Niedrigwasser des Rheins.” (Kölnische Rundschau)

5
Lachse und Kontrastmittel
“30 Jahre nach dem Großbrand im Schweizer Chemieunternehmen Sandoz bei Basel tummeln sich wieder viele Lachse im Rhein. 2015 seien rund 800 dieser sensiblen Wanderfische gezählt worden, teilte die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (…) mit. Der Bau vieler weiterer Kläranlagen und andere millionenschwere Investitionen hätten gezeigt, «dass es möglich ist, aus der Kloake Rhein wieder einen weitgehend sauberen Strom zu machen». Weltweit gelte dies in der Fachwelt als ein positives Beispiel der Umweltpolitik. Dennoch bleibt laut der IKSR viel zu tun. Beispielsweise gebe es neben der Verschmutzung mit Mikroplastik noch viele Mikroverunreinigungen wie Medikamente, Hormone der Antibabypille, Insektizide, Duftstoffe aus Reinigungsmitteln und Röntgenkontrastmittel.” (proplanta)

6
Mundartdichtung
“Die Sprache und der Einsatz für den Dialekt verbinden: Das zeigte sich bei der Autorenbegegnung (…) im Weiler Kesselhaus. Auf dem Podium saßen sieben Dichterinnen und Dichter aus drei Ländern, die Kostproben aus ihrer aktuellen Lyrik und Prosa vortrugen (…). Roter Faden bei dieser Mischung aus Lesung und Talkrunde war der grenzüberschreitende Dreyland-Dichterweg. Auf dieser Strecke vom Rheinpark in Friedlingen über Hüningen bis zum Voltaplatz in Basel sind 24 Bronzetafeln angebracht, auf denen ausgewählte Mundartautoren aus dem Dreiland vorgestellt werden. (…) Den Anfang machte der Elsässer Edgar Zeidler. “Was wir gemeinsam haben, ist die alemannische Sprache, die alemannische Kultur”, sagte der Mundartforscher, “diese Wurzeln sollten wir nicht verleugnen.” Zeidlers Texte sind politisch, kritisch, nachdenklich, gehen auf zeitgemäße Themen ein. So las der Autor auf den Punkt gebrachte Gedichte über offene Grenzen, offene Herzen, offene Arme, aber auch über den aufkeimenden gefährlichen Nationalismus, die globalisierte Welt und die Internetgeneration, die nicht mehr kocht, nicht mehr backt, nicht mehr strickt. Als “Grande Dame” begrüßte (Kulturamtsleiter; Anm.: rheinsein) Paßlick die Baslerin Hilda Jauslin, die in Allschwil lebt. Ihre Inspirationen holt sie aus dem Alltag, aus Beobachtungen in der Natur. Hilda Jauslin las sensible Gedichte über das Dreiland: “Drei Länder, drei Dialekte, drei Belchen”, über Grenzen, Schlagbäume, Stacheldraht, Überwachung und den Rhein, der unaufhörlich weiter fließt. Beim Blick auf den “Ryy” werden die Gedanken leicht und weit, heißt es in einem Gedicht der Baslerin, die auch eine anspielungsreiche Geschichte über einen alten Mann und den Dreiländerblick las.” (Badische Zeitung)

7
Neozoon
“Sie sieht aus wie eine Tarantel, ist aber keine. Die haarige Kräuseljagdspinne breitet sich derzeit im Süden von Deutschland aus. Wissenschaftler der Zoologischen Staatssammlung München haben den genetischen Code der Spinne entschlüsselt, die kürzlich erstmals in München entdeckt wurde (…). Eigentlich ist die haarige Spinne, die bis zu fünf Zentimeter groß werden kann, im Mittelmeer-Raum zu Hause, soll aber inzwischen das gesamte Oberrheintal besiedelt haben. Seit etwa zehn Jahren ist sie angeblich in Deutschland auf dem Vormarsch. Forscher vermuten, dass das Tier von Menschen eingeschleppt wurde, weil die ersten Funde an Nord-Süd-Hauptverkehrsachsen belegt sind.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

8
Grenzfunktionen
“Als die Alemannen den zugefrorenen Rhein um das 5. Jahrhundert herum überquerten und sich auf der anderen Seite des Flusses niederließen, schufen sie einen gemeinsamen linguistischen Raum, in dem man alemannische Dialekte spricht. Paradoxerweise wurde der Rhein noch nie so leicht überquert wie heute, die badischen und elsässischen Dialektsprechenden scheinen jedoch ihre sprachliche Nähe nicht wahrzunehmen. Noch erstaunlicher: Die Dialekte des Elsass’ und Baden-Württembergs folgen verschiedenen Entwicklungen. Das zeigt jedenfalls eine erste deutsch-französische Studie, an der Pascale Erhart, Dozentin an der Unistra und Leiterin des Département de dialectologie alsacienne et mosellane, beteiligt ist. „Thema des Forschungsprojekts“, erklärt sie, „ist es, zu verstehen, wie der Rhein als Landesgrenze diesen gemeinsamen Raum trennt. Tatsächlich verschwinden die lokalen Dialektcharakteristika gerade unter dem Druck nationaler Standards. (…) Es verhält sich tatsächlich so, als würde eine sprachliche Grenze die politische ablösen.“” (Unistra)

9
Rheintote
“Rettungskräfte haben (…) in Wesel eine Leiche aus dem Rhein geholt. (…) Wie die Polizei (…) mitteilte, meldete eine Anruferin (…) eine im Rhein treibende Person. Polizei, Feuerwehr und Notarzt rückten zum Rhein bei Wesel aus. Mit einem Hubschrauber wurde nach der Person gesucht. Gegen 13.10 Uhr fand man einen leblosen und unbekleideten Mann. Die Polizei geht davon aus, dass der Mann Ende 40 oder Anfang 50 Jahre alt ist. Die Ermittlungen der Polizei laufen. Es gilt herauszufinden, wer der Mann ist und woran er gestorben ist.” (Rheinische Post)

“Mindestens zwei Tote, mehrere Verletzte und ein hoher, noch nicht absehbarer Sachschaden – das ist die vorläufige Bilanz einer gewaltigen Explosion und mehrerer Brände auf dem Gelände des Chemieriesen BASF in Ludwigshafen. Bei den Getöteten handelt es sich dem Unternehmen zufolge um zwei Mitarbeiter. Außerdem würden noch zwei Menschen vermisst, teilte BASF am Abend mit. Zunächst war von sechs Vermissten die Rede gewesen. (…) Es gebe auch noch keine näheren Erkenntnisse, welcher chemische Stoff in Brand geraten sei. In dem Hafen würden Flüssiggase, aber auch brennbare Flüssigkeiten verladen. (…) Nach der Explosion wurden demnach Wassersperren zwischen dem Landeshafen Nord und dem Rhein errichtet.” (SHZ)

Presserückschau (Juni 2016)

1
Rhine Guards: “Wenn (…) im Rahmen des Schützenfestes in Eller (…) die Showparade auf dem Getrudisplatz startet, schlägt die Stunde der Rhine Guards. Das umtriebige Brass & Drums Corps hebt sich von anderen Musikkapellen ab, sind die 25 Mitglieder (davon zwölf Jugendliche) doch am amerikanischen Original des Drums & Bugel Corps des US Marines Corps angelehnt. Auch bei der Rangbezeichnung: Der 1. Vorsitzende (…) ist der Colonel, der musikalische Leiter (…) der First Sergeant. Das Repertoire reicht von dem St. Louis Blues Marsch über die Marines Hymn bis hin zum herzerweichenden Amazing Grace (mit Dudelsack!). Disziplin und Kleiderordnung werden großgeschrieben, von der Schirmmütze bis zu den Schnürriemen muss alles stimmig sein.” (Rheinische Post)

2
“Zwischen Etzgen und Laufenburg können sich Möchtegern-Piraten und andere Wasserratten zwei Stunden lang treiben lassen. Das Gefährt besteht aus zusammengezurrten Baumstämmen, ist dreissig Quadratmeter gross, sechs Tonnen schwer, mit einem Schwimmkörper versehen, aber optisch – ein Floss. Herr des Flosses ist Captain J-C alias J-C Weiersmüller. Seit mittlerweile drei Jahren bietet er Flossfahrten auf dem Rhein an. (…) Noch liegt das Floss auf seiner Trockenstelle in Bad Zurzach. (…) Bis zu sechs Fahrgäste kann er mit seinem Floss transportieren. Sie dürfen sich unterwegs durchaus auch einmal als Flösser versuchen und mit dem Riemen das Gefährt steuern. So kriegen die Passagiere einen Einblick in das Leben von einst. Die Flösserei war bis ins 19. Jahrhundert und zum Ausbau der Eisenbahn ein bedeutendes Gewerbe entlang der Flüsse.” (Aargauer Zeitung)

3
“Die Handballer der Rhein-Neckar Löwen sind erstmals in ihrer Vereinsgeschichte Deutscher Meister. Der frischgebackene Titelträger gewann am letzten Spieltag hoch bei Absteiger TuS N-Lübbecke und hielt damit Verfolger SG Flensburg-Handewitt auf Distanz. Das Gastspiel in Ostwestfalen war von Beginn an eine klare Sache. Nach acht Minuten stand es 6:2 für die Löwen, nach 24 Minuten 15:7 und zur Pause 17:10. Die Löwen waren dabei in allen Belangen überlegen, zeigten sich in der Defensive stark und in der Offensive treffsicher. (…) Am Ende hatten die Rhein-Neckar Löwen mit 35:23 gewonnen. Insgesamt gewannen die Löwen 28 von 32 Bundesliga-Spielen. Für die Löwen geht mit dem Titelgewinn eine Art Trauma zu Ende. Denn in den vergangenen zwei Jahren belegte das Team jeweils den zweiten Platz hinter dem THW Kiel – 2014 fehlten dabei nur zwei Tore zur Meisterschaft.” (sportschau.de)

4
Der General-Anzeiger resümiert 1050 Jahre Dollendorf: “”Oberdollendorf liegt am Rhein, Niederdollendorf im Rhein”, lästern die Oberdollendorfer gerne über das benachbarte Niederdollendorf – und haben damit gar nicht mal so unrecht. Alle Jahre wieder nämlich setzt Vater Rhein die Uferpromenade und die anliegenden Straßen unter Wasser. (…) 1895 hatten die beiden Schiffer Hoitz und Käufer mit Motorbooten den Fährverkehr von Niederdollendorf über den Rhein aufgenommen, alte Quellen verraten jedoch, dass schon über die Jahrtausende hinweg Boote Personen und Güter von einem zum anderen Ufer transportierten. Besonders stolz ist man in Niederdollendorf darauf, dass vor der eigenen Haustür einst sogar die erste elektrische Fähre in Deutschland verkehrte. Am 11. Juli 1908 hatte das damals hochmoderne Fährschiff den Betrieb aufgenommen, am 7. März 1945 setzt die Fähre das letzte Mal von Godesberg nach Niederdollendorf über. (…) Sieht man einmal von den Jahren ab, in denen Väterchen Frost den Rhein bei Bonn hat völlig zufrieren lassen, was zuletzt 1929 der Fall war, hatten die Dollendorfer zweimal in der Geschichte die Gelegenheit, zu Fuß den Fluss zu überqueren: 1918 gab es eine Pontonbrücke, die während des Ersten Weltkrieges den deutschen Fußtruppen einen schnellen Rückzug ermöglichen sollte. 27 Jahre später bauten US-Pioniere die „Hodges-Bridge“ zwischen Bad Godesberg und Niederdollendorf, die als einer der wichtigsten Nachschubwege der Alliierten fungierte. “Da durften auch Personen drüber, aber man musste sich vorher entlausen lassen”.”

5
“Bei einem Ausritt mit ihrem Pferd ist eine Frau in Chur (…) auf einer Insel mitten im reissenden Rhein gestrandet. Das Pferd entschied sich selbstständig zum Gang ins Wasser und war nicht zum Umkehren zu bewegen. (…) Ursprünglich wollte die Frau das Pferd am Rheinufer in der Nähe von Felsberg lediglich tränken. Doch das Tier begab sich gleich in den Rhein und war nicht dazu zu bewegen, umzudrehen. Stattdessen schritt es unbeirrt weiter, bis es die künstlich geschaffene Insel erreichte. Fürs Zurückkehren war dann die Strömung zu stark.” (Blick)

6
“Im Revolutionsjahr 1848 kommt es auf dem Rhein zu einem bedenkenswerten Zwischenfall. “Gegen Mittag passierte ein Schlepp-Dampfschiff der Düsseldorfer Gesellschaft bei Kaiserwerth vorbei, als dort plötzlich sieben Gewehrschüsse nach demselben gerichtet abgefeuert wurden”, heißt es im entsprechenden Polizeibericht. Ein Schuss pfeift haarscharf am Kopf eines Knechtes vorbei. Bei den Verbrechern handelt es sich weniger um Revolutionäre als vielmehr um konservative Kreise: Vermutlich sind es Vertreter des Berufs der Treidler, die die Schiffe mit ihren Pferden vom Ufer aus durch die Gewässer ziehen. Die Erfindung der Dampfschifffahrt macht dieser seit römischen Zeiten auf dem Rhein praktizierten Tradition den Garaus. 1809 meldet der Amerikaner Robert Fulton sein Dampfschiff zum Patent an. Auf dem Rheim als der meistbefahrenen Wasserstraße Europas macht der schottische Kapitän William Wagner den Anfang. Am 8. Juni 1816 legt er mit seinem Schaufelraddampfer “Defiance” vom Ufer ab und fährt den Rhein hinauf über Köln. Es ist ein nie dagewesenes Spektakel, das auch den niederländischen König aufs Schiff lockt. Und Wilhelm I. reist extra mit der Kutsche nach Rotterdam, um das Schiff zumindest im Hafen zu bewundern. Längs der Strecke aber sollen sich die Bauern ob des Schiffs, das treidlerlos wie von Geisterhand bewegt wird, bekreuzigt haben.” (WDR)

7
“Auftakt für das grenzüberschreitende Projekt „Veiligheid zonder Grenzen – Sicherheit ohne Grenzen“ des Löschzuges Rindern der Freiwilligen Feuerwehr Kleve und der Brandweer Millingen aan de Rijn: (…) Die Feuerwehren sind aus ihrer Sicht auf die gegenseitige Unterstützung angewiesen, denn die Probleme sind bei beiden Gruppen ähnlich. Aktuell ist durch eine staatsvertragliche Vereinbarung gewährleistet, dass die Feuerwehr aus Rindern den Kameraden aus Millingen aan de Rijn zur Unterstützung dienen kann. Es fehlt jedoch eine staatsvertragliche Regelung, damit die Brandweer Millingen aan de Rijn in der Bundesrepublik Deutschland ebenfalls ihre Fertigkeiten und Kenntnisse einbringen kann. Diese Regelung zu erreichen ist eines der Ziele des dreijährigen, grenzüberschreitenden Projektes, welches durch die europäische Union unterstützt wird.” (WAZ)

8
“Unter Palmen liegen mit einem gekühlten Getränk in der Hand und bei Sonne satt entspannen – bis es so weit ist, müssen sich die Bad Säckinger noch ein wenig gedulden. Eigentlich sollte die Strandbar am Rheinuferweg schon Anfang dieses Monats zum Genießen und Entspannen einladen, doch bedingt durch den regnerischen Juni, herrscht auf dem schmalen Grünstreifen zwischen Diebsturm und den WC-Anlagen immer noch gähnende Leere.” (Badische Zeitung)

9
“Nach schweren Unwettern in Rheinland-Pfalz sind bei einem Bahnunglück am Rhein (…) zehn Menschen verletzt worden. Ein Regionalexpress entgleiste (…) zwischen Oberwesel und Bacharach wegen eines Erdrutsches. (…) Bei dem Bahnunglück am Rhein wurden nach Angaben der Bundespolizei der Lokführer und neun Reisende verletzt. Der Regionalexpress RE 4251 war zwischen Koblenz und Frankfurt am Main unterwegs, als der vordere Zugteil um 05.35 Uhr entgleiste. In der Region hatten die schweren Unwetter zu einer Reihe von Erdrutschen geführt und Gleise unterspült. Der Streckenabschnitt zwischen Oberwesel und Bacharach wurde komplett gesperrt.” (Welt)

10
“Es ist ein gigantisches Städtebauprojekt für Straßburg und setzt die nach der deutschen Annektierung der Elsassmetropole 1871 begonnene Öffnung zum Rhein fort. Mit der »ZAC des deux Rives« (Zone d’aménagement concerté) wird unmittelbar an der Grenze am Rhein gegenüber von Kehl in den nächsten 15 Jahren ein neuer Stadtteil entstehen. Früher hatte das Viertel »Port du Rhin« einen schlechten Ruf. Seit einigen Jahren macht die Straßburger Stadtführung aber enorme Anstrengungen, um das einstige Problemviertel zu einem lebenswerten Stadtteil zu entwickeln. Das zeigen der neue »Place de l’Hippodrome« mit den beiden Kirchen, die deutsch-französische Kinderkrippe und die Neubauten neben dem Straßburger Teil des Zwei-Ufer-Gartens.” (Baden Online)

Straßburg (4)

strasbourg_störcheDesweiteren auffällig im Straßenbild: das enorme Storchenaufkommen,

strasbourg_jeannalaetseppalaein halsnasenohren- und augenbefreites Ehepaar aus Hoplasheim mit regionaltypischem Haustier,

strasbourg_d choucrouteriedie massive Präsenz der Surkrutstub (Restaurants mit Schwerpunkt auf Sauerkrautgerichten),

strasbourg_copilotder zusätzlich auf den Fahrersitz geschnallte Kopilot

strasbourg_notausgangsmännchenund das lokale Design des Notausgangsmännchens.

Rhingold

Es hucke drej herre ám Rhin
un speele Ruhr uf fránzeesch un uf ditsch
metme zaichebrätt dr aant
met millioneschecks de zwait
met gummiknéttel de drétt.

Es hucke drej herre ám Rhin
un wérfle e bumbischs schicksál erüs
vive Fessenême! roeft der aant
pfui Márckelse! breelt de zwait
panzer nach Whyl! bellt de drétt.

Es brunze drej herre ám Rhin
em námme vun technik mácht un finánz
e phenoolrischel dr aant
quäcksélwerlách de zwait
sálzige sudd de drétt.

Es spalte drej herre ám Rhin
goldiche áxe kärne atom
hauklotz esch mín land.
Es hucke drej herre ám Rhin
ánn kejje mr se nin?

(Als “Volksdichter ohne Volk” und “Schriftsteller seiner Zeit” wurde André Weckmann bezeichnet, der besonders in den 1970ern in Erscheinung trat und dessen Themenschwerpunkte die Nuklearanlagen im Elsaß sowie die elsässische Identität darstellten.
Der Text, der auch als Lied vertont wurde, stammt aus dem Band „Schang d’sunn schint schun lang“; Association Jean-Baptiste Weckerlin, Strasbourg 1975)

Presserückschau (März 2016)

1
“Eine Panne im umstrittenen Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass vor knapp zwei Jahren soll wesentlich dramatischer verlaufen sein als bisher bekannt. Einem Bericht der “Süddeutschen Zeitung” (…) zufolge waren am 9. April 2014 nach einer Überflutung wegen eines Lecks in Block 1 die Steuerstäbe zum Abschalten des Reaktors nicht mehr manövrierfähig. (…) Der Block wurde laut “SZ” erst durch Einleitung von Bor ins Kühlsystem abgeschaltet – ein äußert seltenes Vorgehen. Der Betreiber des Akw, der staatliche französische Stromkonzern EDF, hatte zwar von dem Leck berichtet, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. Auf der achtstufigen internationalen Störfallskala Ines wurde der Vorfall lediglich auf Niveau 1 eingestuft. Die Überschwemmung habe damals eine “Abfolge von technischem Versagen und Chaos” nach sich gezogen (…). So sei eines der beiden parallelen Sicherheitssysteme ausgefallen, weil Wasser in Schaltschränke gelaufen sei.” (Donaukurier)

2
“Es gibt Szenarien, da muss man zweimal hingucken, um zu verstehen, dass man nicht völlig verrückt geworden ist. So ging es wohl einigen Duisburgern (…), als ein offensichtlich toter Pottwal auf der Ladefläche eines Transporters durch die Innenstadt rollte. Wenig später lag das fast 20 Meter lange Tier am Ufer des Rheinpreußenhafens in Homberg. Eine Schulklasse begutachtete es neugierig, die Kinder konnten kaum fassen, was sie da sahen. Wenig später kamen Forscher, um den Wal zu untersuchen. Auch das Duisburger Ordnungsamt kam zur Unfallstelle. Hatte sich der Wal vielleicht verirrt, ist er etwa über die Nordsee in den Rhein geschwommen und dann gestorben? Fehlanzeige: Der Pottwal am Duisburger Rheinufer hat nie gelebt. Es handelt sich um eine lebensgroße Attrappe, die zu den Aktionen des Kulturfestival Duisburger Akzente gehört.” (Rheinische Post)

3
“Die Ansicht ist wenig spektakulär: ein abgesperrtes Loch in der Erde, dessen Boden leicht mit Wasser bedeckt ist und auf dem ein Bagger und ein Container stehen. Trotzdem bedeutete der 16 Meter tiefe Schacht gestern Anlass zur Freude auf dem Chempark-Gelände Wiesdorf. Denn er ist der Anfang eines neuen Tunnels unter dem Rhein zwischen Leverkusen und Köln-Merkenich. Und so feierte Chempark-Betreiber Currenta mit mehreren Dutzend Gästen aus Unternehmen und der Politik die Taufe der Rheinunterquerung. Sie trägt nun den Namen “Martina”. Patin und Namensgeberin ist Currenta-Mitarbeiterin Martina Jacobs-Wellenberg, die das Projekt seit Beginn begleitet.” (Rheinische Post)

4
Loreena McKennitt feiert ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum, berichtet die Fachzeitschrift Powermetal im Stil einer Werbeanzeige: “Nun schiebt ihr Label Quinlan Road noch die Livescheibe “Troubadours On The Rhine” nach, wiederum strikt limitiert auf 5000 Kopien und in hochwertigem 180g-Vinyl. Doch neben der hochwertigen Aufmachung ist das Schöne daran natürlich in erster Linie das Schöne darin. Loreena spielte dieses Konzert auf Einladung des Radiosenders SWR1 (…) am 24. März 2011, in Mainz. (…) Insgesamt (…) eine (große, schwarze) runde Sache, die ein Muss für alle Folkfans darstellt. Und die Tatsache, dass die Aufnahmen vom schönen Mainz am Rhein stammen, sollte insbesondere die Rheinländer auf den Plan rufen. Da dürften die 5000 Exemplare schnell vergriffen sein.”

5
“Im Rahmen der 37. Duisburger Akzente “Nah und Fern – 300 Jahre Duisburger Hafen” läuft im Ruhrorter Museum der Deutschen Binnenschifffahrt noch bis zum 9. April die Sonderausstellung “Neue Horizonte – Dynamik im Fluss” über den Erfinder Paul Schatz (1898-1979), der als deutsch-jüdischer Emigrant in der Schweiz lebte (…). Dazu spielte (…) das “Ensemble Neue Horizonte Bern” (…) sein Programm “Im Fluss”. (…) Sämtliche Kompositionen von “Im Fluss” beschäftigen sich mit den Themenkomplexen Fluss, Wasser und Hafen, aber auch Strömung, Schleuse, Handelsumschlagplatz, Schwäne, Rhein, Donau und Moldau sowie weiterem Nahen oder Fernen. Der formale Rahmen leitet sich von Paul Schatz und seinem umstülpbaren Würfel ab (den übrigens der Westdeutsche Rundfunk vor 50 Jahren zum Logo seines Dritten Fernsehprogramms machte). Der taumelnden Bewegung des Oloids passt sich auch die in jedem Konzert andere Reihenfolge der Stücke an. Genauer gesagt, bleibt die Abfolge gleich, nur Anfang und Ende verschieben sich.” (Rheinische Post)

6
Rettung aus Rheinnot: mehrere Schafe hatten sich laut Anrufen von Spaziergängern bei der Krefelder Feuerwehr im Fluß befunden: “Ein freilaufender Hund hat (…) eine Schafsherde in Panik versetzt. Ein Tier wurde in den Hals gebissen. Es wusste sich nicht anders zu retten, als in den Rhein zu springen. Ein Passant und ein Polizist in zivil, retteten das verletzte Tier in Ufernähe aus dem Wasser. Vom Hund keine Spur.” (Rheinische Post) Der Verbleib der restlichen Schafe, die sich ebenfalls in den Fluß gestürzt haben sollen, ist ungeklärt.

7
“Ein ausgebüxtes Rind hat (…) einen Polizeieinsatz der Stadtpolizei Chur verursacht. Das Tier war zuerst stadtauswärts auf den Zuggeleisen unterwegs. Danach stapfte es zum Rheinufer. (…) Als eine Polizeipatrouille vor Ort eintraf, waren bereits mehrere Personen dabei, das entwichene Rind von den Geleisen wegzutreiben. (…) Nach einiger Zeit ging das Rind zum Rheinufer und überquerte den Fluss schwimmend. Es strandete völlig erschöpft am gegenüberliegenden Ufer von Haldenstein. Dort konnte das Tier schliesslich von Bauern mit einem Seil hochgezogen werden.” (Schweizer Bauer)

8
“In Baden-Württemberg hat ein 22-Jähriger sein Auto versehentlich in den Rhein gelenkt. Er und sein Beifahrer kamen glimpflich davon. Ein Passant hatte (…) den Zwischenfall in Breisach am Rhein beobachtet und den Notruf gewählt. (…) Kurz darauf meldete sich (…) der Fahrer des Wagens. Er und sein ebenfalls 22 Jahre alter Beifahrer hatten sich alleine befreit und waren durchs eiskalte Wasser zum Ufer geschwommen. Danach gingen beide nach Hause, um die nassen Kleider zu wechseln. Der Polizei zufolge ist der Unfallverlauf inzwischen geklärt: Der Fahrer war (…) beim Rückwärtsfahren auf einen Grünstreifen geraten und hatte die Kontrolle über das Auto verloren. Der Wagen rollte daraufhin die Böschung zum Rhein hinunter und stürzte in den Fluss. Das Fahrzeug ging unter und soll nun geborgen werden.” (Spiegel)

9
“Erneut haben Unbekannte zwei große Bäume an der Rheinallee (in Königswinter; Anm.: rheinsein) vergiftet. (…) Eine stolze Platane und ein Ahorn mussten deshalb (…) in Höhe der Hubertusstraße am Rheinufer gefällt werden. Ebenfalls (…) wurden zwei weitere Bäume gefällt, die bereits im vergangenen Jahr Opfer von Giftanschlägen geworden waren, und eine Pappel, die unmittelbar am Rheinufer stand und angesägt worden war. Die Stadt hat innerhalb von nur neun Monaten insgesamt fünf Strafanzeigen gegen Unbekannt bei der Polizei erstattet.” (General-Anzeiger)

10
“Jubel bei den Rhine River Rhinos: Die Rollstuhl-Basketballer aus Wiesbaden haben den Aufstieg in die Erste Bundesliga perfekt gemacht. Die Mannschaft von Cheftrainer Cliff Fisher setzte sich am letzten Spieltag bei den SKG Rolling Choclate in Heidelberg mit 89:53 durch und sicherte sich die Meisterschaft in der Zweiten Liga.” (Wiesbadener Tagblatt)

11
“Die Programmiersprache rhine aus der Feder von Ramkumar Ramachandra ist eine typisierte, von Elixir inspirierte Sprache, die die LLVM-Just-in-time-Kompilierung nutzt und einen vollständigen abstrakten Syntaxbaum, sowie N-D-Tensoren, First-Class-Funktionen und Typinferenz bietet. Die von Ramachandra im GitHub-Repositorium des Projekts vorgestellten Sprachfeatures umfassen beispielsweise die Typannotation ~Int (In rhine werden nur Argumenttypen kommentiert; Rückgabetypen werden inferiert) sowie die Funktion ~Function(Int -> Int -> Int. Letztere nimmt zwei Integer auf und gibt einen zurück, wobei etwas Haskell-Syntax eingestreut wird. (…) Eine Besonderheit von rhine ist der AST. Dieser nimmt starke Anleihen bei der LLVM-Zwischenschicht (IR), umfasst jedoch auch einige höher angesiedelte Konzepte, wie beispielsweise Tensoren. Er ist Ramachandra zufolge als SSA zu betrachten und verfügt über einen eingebetteten UseDef-Graph, weshalb Analysen und Transformationen sich besonders leicht gestalten sollen.” (Jaxenter)

12
“Einsatzkräfte der Polizei und der Rheinhausener Feuerwehr haben in Duisburg-Friemersheim die Reste einer Leiche aus dem Rhein geborgen. Ausgerückt waren auch ein Boot der Wasserschutzpolizei sowie Taucher. Da der Torso relativ ufernah im Rhein trieb, kamen letztere nicht zum Einsatz. Zur Identität der toten Person ist noch nichts bekannt. (…) Fingerabdrücke der aufgefundenen linken Hand werden derzeit ausgewertet. “Die Leiche ist auch nicht mehr ganz frisch”, sagt Feuerwehr-Einsatzleiter Thorsten Stolz. Sie sei vermutlich schon eine Weile stromabwärts getrieben und auch in Kontakt mit Schiffschrauben gekommen.” (WAZ) “In Duisburg hat eine Passantin am Rheinufer Leichenteile gefunden. Der menschliche Unterkörper war im Bereich Alsumer Steigs angeschwemmt worden (…). Erst vergangene Woche war rheinaufwärts beim Duisburger Ortsteil Friemersheim ein lebloser Oberkörper geborgen worden. Taucher der Feuerwehr zogen die Leiche aus dem Wasser. Eine DNA-Analyse soll nun klären, ob die Leichteile von der selben Person stammen. (…)” (Welt)

13
“Die Quecksilber-Belastung deutscher Flüsse liegt (…) vielerorts weit über dem zulässigen Grenzwert. Die Umweltqualitätsnorm von 20 Mikrogramm Quecksilber je Kilogramm Fisch werde in den großen Flussgebieten Rhein, Elbe und Donau dauerhaft und flächendeckend um das fünf- bis 15-fache überschritten (…). Quelle dafür sei eine Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Parlamentsanfrage. Zwar stoßen Dutzende deutsche Braun- und Steinkohlekraftwerke in geringen Dosen Quecksilber aus, Umweltschützer machen aber vor allem giftige Dämpfe aus Braunkohlekraftwerken für die Umweltbelastung mit dem Schwermetall verantwortlich.” (n-tv)

Monsieur Crépon auf den Spuren von Victor Hugo (3)

Stets nach der Kaulquappe schielend, welche sorglos durchs Wasser zu fliegen schien, merkte der Mann nicht wie ich ab und an diskret meine Augen schloss. Und so hörte ich im Halbschlaf wie er das Geheimnis des hugoschen Rheins entschlüsselt hatte. “… kurz nach der Reise.” – “Die Reise? Welche Reise?” Er und Henriette (seine Frau) waren die Strecke der Schriftsteller nachgefahren. Sie am Steuer, er hinten im Wohnwagen. Sie erinnern sich wie es um die Augen der Gemahlin bestellt war und werden mir zustimmen, wenn ich behaupte, daß diese Reise das reinste Kamikaze-Unternehmen gewesen sein muß. Doch hatten sie es überlebt. Während sie mit dem Verkehr kämpfte, saß er bei heruntergelassenen Gardinen im Wohnbereich. So konnte er sich ungestört über Kopfhörer Hugos Prosa als mp3-Aufnahme ins Gehör träufeln lassen, sich vom Text (von Henriette gelesen) mitreißen lassen, sich in hugoeske Emphase steigern, sehen was der berühmte Reisende damals sah, schilderte, beschrieb, träumte, witzelte. Was hätte er auch sonst anfangen können? Fotografieren? War denn noch etwas zu fotografieren übrig? Vorbei die Zeiten, in denen August Sander leere Rheinlandschaften festhalten konnte (8). Wie wahr die Bemerkung: “Fest steht, daß, als sie den Rhein schuf, die Natur eine Wüste geplant hatte; daraus machte der Mensch eine Straße.” (9) Wer nicht auf einem Kreuzfahrtschiff tanzte, tüftelte auf einem Tanker, joggte den Fluß entlang, raste zwei- oder vierrädrig über die Straße, leckte auf Wasserskiern an der Gefahr, prahlte mit Bikini und Motorboot, kämpfte sich im Kanu voran… Er aber wollte anderes, erhabeneres. Nur von der Stimme seiner Frau inspiriert hatte er das Buch gefühlt; diese Stimme und die geistige Energie Hugos waren die Kräfte gewesen, die seine Hände übers Papier geführt hatten. Um diese etwas diffuse Darstellung in die reale Welt zurück zu verfrachten, fragte ich, ob während der Fahrt nicht vielleicht etwas besonderes geschehen wäre. Beide blickten mich verständnislos an. “Nichts war geschehen.” Dann die Frau: “Außer vielleicht dieser Mann in Reichenstein?” Abends hatten sie auf dem Campingplatz gesessen und Mr. Prason darüber gegrübelt, ob die drei Mädchen aus Brief XX die Rheintöchter (10) symbolisieren könnten. Trotz widriger linguistischer Umstände hatten sie den Besitzer des Campings darüber befragt. Der hatte von Richard Wagner nichts weiter gehört, doch wußte er einen Mann, der Rheintöchter bastelte. Es wäre für ihn kein Umstand, sie zu ihm zu führen. Auf einem Regal standen sie in Reih und Glied gestellt: Flugabwehrraketenmodelle…, aus Kunststoff, Holz, Metall, aus Pappkarton sogar. Alle schön bunt bemalt, nicht wirklich vorschriftsmäßig, eher psychedelisch, sodaß sie wie Totems aussahen. “Rheinboote habe ich auch!” kündete der Mann fröhlich-höhnisch, mit eindrucksvollen Gebärden und Mundgeräuschen, die wohl auf die Testabschüsse und deren bescheidene, wenn nicht lächerliche Ergebnisse hinweisen sollten. (11) Mein vorsichtiger Versuch, die drei Mädchen vielleicht als eine Reminiszenz an Macbeths weird sisters zu interpretieren, wurde kommentarlos ignoriert und man gelangte zum Hauptgericht, welches zuvor dem Antiquar in großer Aufregung, wie Sie wissen, offenbart worden war. Von Konkordanzen war die Rede, von Schmetterlingen, Skarabäen, Spinnen, verschlüsselten Buchstaben, Analogien, verschleierten Inhalten, Visionen, Zahlenkombinationen; verborgene Botschaften lauerten zwischen den Zeilen, die ungeduldig darauf warteten ans Licht zu sprühen. Kurz: Mr. Prason hatte ein Gestell zusammengeschraubt und das passende Gebäude dazu kam schnell zum Vorschein. Als Eckstein diente das Zitat “Quo versu dicere non est / Signis perfacile est” (12), aus dem erwähnten Brief XX. Zeichen gab es schließlich zur Genüge, man mußte sie nur aufspüren und adäquat befragen. Der mit ägyptischen Hieroglyphen verglichene geflügelte Drache (13); die Suche des Autors im Wallraf-Richartz-Museum nach einer “ägyptischen Mumie”; die Erwähnung der Isis; das humoreske Auftauchen von Ptah, Osiris, Memnon, Merenptah, Ramses II. und die Beschreibung – mit Skizzen – des Grabes Ramses V.; weiterhin das Antlitz des Sarkophags im Mainzer Dom, das einen mumienartigen Blick aufwies, usw., usw. Meinen Zustand nach diesem karussellartigen Diskurs als Schwindelanfall zu bezeichnen wäre weit untertrieben, ich taumelte buchstäblich zwischen Faszination und Übelkeit, schaute auf Mr. Prason, der von seinen Entdeckungen und deren Deutungen ins Schwitzen geraten war. Ich fragte ihn, ob Le Rhin nicht als politisches Buch konzipiert und angekündigt worden war. “Die Politik Hugos habe ich in zwei Pinselstrichen erfaßt: preußisches und Pariser Blau mischen sich im Rhein, das ist alles. Le Rhin, Monsieur, hat genauso viel mit Politik zu tun wie ich mit der Vermessung von Böschungswinkeln. Hugo ist ein Bote, ein Visionär gewesen, kein Politiker.” – “Und sein Engagement gegen die Todesstrafe?” – “Wo kein Kopf ist, kann das so wichtige Mundöffnungsritual nicht vollgezogen werden, darum geht es.” Mr. Prason witterte meine Skepsis; den Gnadenschuß erhielt ich, bevor ich seiner Behauptung zustimmen oder sie widerlegen konnte. Aufgestanden war er, und setzte seinen Monolog weiter fort: “Und die Schmetterlinge auf dem Friedhof?! (14) Wenn die moderne Forschung weiterhin über die Symbolik der auf Särge gemalten Lepidopteren rätselt, so wußte Kant eines: “Das Sinnbild der alten Ägypter für die Seele war ein Papillon, und die griechische Benennung bedeutete eben dasselbe. Man sieht leicht, daß die Hoffnung, welche aus dem Tod nur eine Verwandlung macht, eine solche Idee samt ihren Zeichen veranlaßt habe.” (15) Bei Hugo sind Elsaß bzw. Schwarzwald Flügelhauben eines “großen schwarzen Schmetterlings” (16), eindeutige Vorboten.” Über den Inhalt der Botschaft erkundigte ich mich lieber nicht, bekam aber dennoch eine Antwort: “Sie gibt uns erneut Bescheid über die visionäre Gabe Hugos. Und so geht es das gesamte Buch über, die ganze Zeit, vom Gestern zum Morgen.” – “Hugo reiste aber flußaufwärts, also eigentlich umgekehrt.” – “Was wissen Sie schon?” Wenig, fürchtete ich, und ließ Mr. Prason sein “großes Finale” weiter erzählen. Er beschrieb die Ekstase Hugos am Rheinfall, wie das gewaltige Getöse sein Hirn zu füllen schien, wie er aus der Zeit trat, wie die Stunden durch seinen Geist, dem Wasser im Abgrund gleich, ohne Spuren oder Erinnerungen hinterlassend vorüberzogen. Da war der Dichter, meinte Mr. Prason, ins Licht hineingetreten und hatte alles verstanden, einfach alles. Denn wie sagte Paracelsus: “La vraie philosophie est aussi facile à distinguer que le bruit du Rhin ou que celui des tempêtes. Car enfin ce que les yeux voient, ce que nos mains touchent, notre tête le perçoit et le comprend.” (17) Er aber, Mr. Prason, hatte weitergeforscht und auf einer Abbildung des Rhein-Manuskripts den endgültigen, alles erklärenden Schlüssel des Ganzen entdeckt. Eine Passage des Briefs XVII war von einer Zeichnung begleitet. Zwei lange, flexible, sich kreuzende Stangen erinnerten an eine riesige Spinne, deren Beine in den Rhein tauchten. Die im Buch gedruckte Zeichnung unterscheidet sich vom Original. Wo in ersterem ein Baum zu erkennen ist, zeigte sich auf dem Manuskript eine in weißer Farbe aufgetragene Korrektur. Mr. Prason zog einen Briefumschlag aus seinem Buch, und zeigte mir beide Illustrationen.

hugo_08 spinnenLe Rhin, manuscript – BnF [NAF 13387] – Le Rhin (Paris, 1906)

(Fortsetzung folgt)

***

(8) s. August Sander, Rheinlandschaften 1929-1946 (München, 1975).
(9) “Il est évident qu’en faisant le Rhin la nature avait prémédité un désert ; l’homme en a fait une rue.” V. Hugo, Le Rhin, lettre XXV (Paris, 1842).
(10) Die Rheingold-Premiere fand erst 1869 statt!
(11) s. W. Dornberger, Peenemünde (Esslingen/München, 1984).
(12) Horaz, Satiren.
(13) ibid. Lettres VII, XII, XIV, XX, XXIII.
(14) ibid. Lettre XVIII.
(15) Vorkritische Schriften, B. I.: Träume eines Geistersehers, erläutert duch Träume der Metaphysik.
(16) ibid. Lettre XXXI.
(17) in: J.-A. Bordes-Pagès, Paracelse : vie, travaux et doctrines (Foix, 1878).

Monsieur Crépon auf den Spuren von Victor Hugo

Es sind die schweren letzten Tage des Winters, die uns melancholisch stimmen, in denen die stetig wachsende Zahl unserer Toten im Bewußtsein rumort und wir uns fragen, wo die eine oder der andere Weggefährtin/Weggefährte abgeblieben sein mag. Mit den Februarblumen, die nichts als den März im Sinn haben, brechen zugleich die Pioniere des Frühlings aus der Erde, entstehen über Nacht verletzliche Krokuskolonien in den Parks, entlang grauer Hauptstraßen prozessieren bündelweise Osterglocken und künden Jesu Passion, die Bäume bilden baumelnde Primeln, ein fragiler Aufbruch, in den hinein datenstarke Post von Marcel Crépon uns erreicht, der zuletzt im elsässischen Rhinau für rheinsein auf Spurensuche sich begeben hatte, dann undercover ging, und nun mitten aus Paris sich mit erstaunlichen Erkenntnissen zurückmeldet, die wir in fünf Teilen voller Wunder und gelüfteter Geheimnisse präsentieren dürfen:

Liebes rheinsein,

“… mein Arm war sozusagen gelähmt, und mein Wille ohnmächtig, weder ihn, noch meine Hand oder einen Finger zu bewegen; dann bekam ich den Eindruck, jemand würde meinen Arm in Bewegung setzen, und gleich mit welcher Geschwindigkeit er agierte, konnte ich ihn daran nicht hindern. [...] Da diese Bewegungen denen des Schreibens ähnelten, holte meine Frau Papier und Stift [...], dann beruhigte sich meine Hand und zu unserem Erstaunen fing sie mit Schreibübungen an [...], erst waren es Striche, dann Pfosten… usw.” So in etwa schilderte einer Ihrer Landsleute (1) seine erste Erfahrung mit seiner Mediumnität, so beschrieb Mr. Prason fast mit den gleichen Worten seine Begegnung mit dem Rhein Hugos. Wie ich Mr. Prason traf, und was dann geschah, erzähle ich Ihnen nun.

Es fing beim “Ägypter” an, ein Buchantiquariat mitten in einer Betonwüste. Die Kundschaft ließe sich als “äußerst zurückhaltend” bezeichen. Wie konnte der “Ägypter” da überleben? Wie kam er, bzw. wie kamen die Einwohner auf seinen Spitznamen? Mit Edmund Purdom hatte er kaum Ähnlichkeit, eher sah er wie Georges Moustaki aus, vielleicht deshalb? Vielleicht waren es die Bücher, die die Wände tapezierten und dem Laden das Aussehen einen Grabkammer verliehen? Lange dachte ich, die Leute würden Regale mit Büchern füllen, um ihre Wohnzimmer zu isolieren, doch stellte ich beim “Ägypter” fest, daß dies nicht immer der Fall ist. Die kalorische Eigenschaft der Meisterwerke glich Null, es herrschte dort Winter wie Sommer eisige Kälte. Ein zweites Zimmer gab es im Keller, MILP (2) genannt. Dort stapelte sich in Kartons, Kisten, auf verstaubten Regalen ein Durcheinander an Gedrucktem. Das Chaos vor dem Chaos nach dem Chaos. Bloße, zusammengebundene geistige Papiertücher, wie der “Ägypter” giftete: kaum gelesen, schon weggeworfen und vergessen. Oder, betrachtete man das Hirn als Ausscheidungsorgan: reines, mehrlagiges, beschmiertes Klopapier. Nach Fäulnis leicht duftend verschwanden dort langsam die Früchte des Schreibens im Zeitalter seiner krebsartigen, endlosen Ausbreitung. In dieser Welt gab es nichts, worüber kein Wort verloren wurde, und nichts wurde niedergeschrieben, ohne ausgiebig schriftlich kommentiert zu werden.

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Vom gleichgültigen Blick des “Ägypters” verfolgt besuchte ich ab und an diesen Unort. In einer Ecke wußte ich einen Turm aus alten Ausgaben des JORF (3), den ich all zu gern durchblätterte, auf der Suche nach Perlen wie dieser:

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Die Zeiten in Rhinau sind mir unvergesslich geblieben, doch einen Ort, an dem ich schon einmal war, kann ich unmöglich ein zweites Mal besuchen. Ob es mit Instinkt oder mit mir unbekannten geomagnetischen Kräften zu tun hat? Auf jeden Fall ist es eine Art Fluch. Die Wahrscheinlichkeit, daß das Rheinwasser, welches in der Nordsee verschwindet, irgendwann erneut im Tomasee fließen wird, ist zweifellos höher als die Wahrscheinlichkeit, daß ich Rhinau je wiedersehen werde. Aber die gute Frau Graff, wie hätte sie der Forderung gerecht werden können? Sie hätte ja eine Zeitreise vollbringen müssen, um vor Gericht erscheinen zu können und somit zu beweisen, daß sie zwar verschwunden, doch nicht verstorben war. Vor allem hätte sie erst die Anzeige lesen müssen… Meine Entdeckung ließ den “Ägypter” unberührt. Aus einem Lautsprecher mit parkinsonschem Innenleben zitterte und vibrierte eine Stimme mit viel Pathos und genauso vielen Aussetzern: “… silence du soir, … noir, … pour l’oreille … l’âme … de cette ombre disant … les eaux, … plaines … pleines …, dès que tout se tait, tout commence à parler.” (4)

- Meine Lieblingssendung: 7 um 11, also 7 Gedichte um 11 Uhr. Was Sie gerade hören, auch das was von Parasiten gefressen wird, stammt von Hugo, Victor.
- Hätte ich nicht erkannt, habe ihn auch kaum praktiziert.
- Kann man, muß man nicht, wie eine Nachbarin sagt. Er ist aber schwer zu vermeiden.
- Ich kann es. Was Poesie angeht, komme ich ganz gut damit (ich ließ die JORF-Seiten flattern) aus, dazu eine kleine wissenschaftliche Abhandlung und dabei versuchen, das Vornehmste zu begreifen, das übrige respektvoll beiseite zu lassen und über das restliche wohlwollend zu lächeln. Zur Zeit befasse ich mich mit Alfred Wegener, denn mich interessiert die Frage, ob die Kontinentaldrift auf den Gedanken zu übertragen wäre. (Fortsetzung folgt)

***

(1) B. Cyriax, Wie ich ein Spiritualist geworden bin (Leipzig 1893). In: Gabriel Delanne, Le phénomène spirite (Paris, 1897).
(2) Mein Index librorum prohibitorum.
(3) Journal Officiel de la République Française.
(4) V. Hugo, Oeuvres complètes: Océan – Tas de pierres (Posth.)

Ein Grieche endet im Rhein

Chalampe-Neuenburg-SchiffbrückeSchiffsbrücke Chalampé-Neuenburg

Über die Brücken vom badischen Neuenburg ins elsässische Chalampé, weiter auf der Rheinstraße in nördlicher Richtung. Nach 9 Kilometer links ab nach Blodelsheim in die „Rue du Canal d’Alsace“ bis zur Kirche. Jetzt rechts in die „Rue de l’Église“, hier auf den Parkplatz und zum Nordeingang. Beim Betreten des Friedhofs den Blick nach rechts hinten wenden. Eine weiße Marmorplatte erinnert an ein tragisches Ereignis:

grabstein spiro sklawunos

Er kannte Deutschland gut, war in Hamburg, Leipzig und anderen Städten, arbeitete beim Frankfurter Baukonzern Philipp Holzmann, war Mitglied in einer Ortsgruppe der Deutsch-Griechischen Gesellschaft in Patras. Nach erfolgreich abgeschlossenem Ingenieurstudium an der Technischen Universität in Karlsruhe, plante er vor der Heimreise nach Hellas eine Bootsfahrt auf dem Rhein. Zusammen mit einem Freund als Begleiter, in einem Kahn stromabwärts vom Hochrhein bis nach Mainz. Über 400 Kilometer auf dem schon seit Wochen Hochwasser führenden Strom.
Doch die Reise endete jäh bei Rheinkilometer 199 vor Neuenburg. Das Boot zerbrach bei der Kollision mit der 200 Meter langen Schiffbrücke, welche hier seit 1873 über den Rhein führte. Kurz zuvor hatten sie noch die alte Eisenbahnbrücke unterquert, vielleicht abgelenkt vom imposanten Bauwerk, sahen sie die sich schnell nähernde Gefahrenstelle zu spät.
Sein Begleiter schaffte es gerade noch ans deutsche Ufer, während Spiro Sklawunos von den schäumenden Wellen verschluckt wurde.

Sechs Wochen später, am 12. September fand man am französischen Ufer bei Blodelsheim eine männliche Leiche. Vielleicht 25 bis 30 Jahre alt, eher klein. In der rechten Hosentasche eine Reichsmark und eine Uhr, sonst nichts. Da die Identität nicht feststellbar war, begrub man den Unbekannten anonym auf dem Friedhof der elsässischen Gemeinde. Erst später und nach längeren Ermittlungen konnte die griechische Familie den Verbleib des 23-jährigen klären und die letzte Ruhestätte ausfindig machen. Die Eheleute Albertine und Eugen Sitterle aus Blodelsheim pflegten dann das Grab die ganzen Jahre, obwohl sie den jungen Mann und seine Familie nicht kannten. Die Gedenktafel des Grabes wurde nach abgelaufener Ruhezeit auf Initiative von Emile Decker, einem Heimatforscher aus Blodelsheim, an der jetzigen Stelle angebracht. Die traurige Geschichte vom Neuenburger Stadtarchivar Winfried Studer veröffentlicht, der dazu schrieb:

„Die Tafel erinnert auch daran, dass eine Blodelsheimer Familie einem ihr nicht bekannten jungen Mann, der zufällig auf der Gemarkung Blodelsheim gefunden wurde, einen letzten Dienst erwiesen hat.“ Vergelt‘s Gott…! kann der Europäer da nur sagen.

(Für rheinsein zusammengestellt von Bruno Haase)

Rheingold – Gesichter eines Flusses

Den Dokumentationsfilm von Peter Bardehle und Lena Leonhardt hatten wir vergangenes Jahr im Kino verpaßt. Nun lief er auf Arte. Wie die als Vorbild dienende Doku Die Nordsee von oben wurde der Film mit einer Hubschrauber-Cineflexkamera gedreht, die gestochen scharfe Luftaufnahemn auch aus großer Entfernung ermöglicht. Entstanden sei “ein bildgewaltiger und poetischer Film, der viele unbekannte Gesichter des gewaltigen Flusses zeigt”, verlautbart das Senderinfo. Tatsächlich besteht die Stärke des Streifens in seinen Bildern. Wie in den meisten Rheindokus geht die Reise von den Alpen Richtung Nordsee. Bereits die Arte-Doku Der Rhein von oben hatte den Fluß aus der Vogelperspektive unter Einsatz von Cineflextechnik abgehandelt: viel Unbekanntes zeigt Rheingold – Gesichter eines Flusses dem regelmäßigen Betrachter der regelmäßig von öffentlich-rechtlichen Sendern produzierten Dokumentationen definitiv nicht. Am heimischen Screen entsteht immerhin der Eindruck, daß die Bilderfolge im Kino enorme Sogkraft entfalten dürfte.

tomaseeDer Tomasee aus Sicht der fliegenden Kamera

Dafür sollte dann allerdings der Text ausgeblendet bleiben. Vater Rhein schwadroniert nämlich persönlich (Sprecher: Ben Becker) von seinen Befindlichkeiten. Als Pendant werden historische und sonstige Infohäppchen (Sprecherin: Anne Moll) aus dem Off gereicht. Ben Beckers tiefe Stimme soll das historische Alter des Stroms repräsentieren und Bedeutungsschwere vermitteln. Während die Kamera die Alpenfalten von oben abfährt und beeindruckende Strukturen und Lichtverhältnisse freilegt, erklingt ein bisher unbekannter Schöpfungsmythos: “Vor langer Zeit hausten noch Wunderwesen in den Bergen. Es gab Riesen, deren Scheitel fast bis zur Sonne reichte. Sie wären verbrannt, wenn nicht unser aller Mutter, das Meer, ihnen Wind, Eis und Schnee geschickt hätte. Zum Dank sandten ihr die Riesen zwei Wassermänner mit einem Gruß. Die Berge rückten zur Seite. So wurde ich geboren.” Der altbackene Text, den Vater Rhein in selbstreflexiver Absicht vor sich hinmurmelt, klingt bis auf die zitierte, vermutlich selbstgestrickte Schöpfungspassage, ganz nach den üblichen Bauweisen der letzten rund hundert Rheindokumentationen. Auch von den zwischengeschalteten Informationen wirkte nahezu jede einzelne aus vorangegangenen Filmen bekannt.

sandozRoter Rhein: Archivmaterial zur Sandoz-Katastrofe

soldatenfriedhof im elsaßSoldatenfriedhof im Elsaß

Ein durchgehendes Erzählmotiv bildet Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner: Elektrizität als modernes Rheingold, die ehemaligen Fiebersümpfe im Kühkopf als mutmaßliche Schatzinsel des Nibelungenhorts, der Tagebaubetrieb Garzweiler als Symbol menschlicher Gier und Maßlosigkeit, der dereinst vom Rhein geschwemmt werden soll. Neben der weiblichen Off-Stimme beschäftigt sich auch die Filmmusik von Steffen Wick und Simon Detel in elektronischen Remixes mit dem monumentalen Wagner-Stoff. Als klassische Bilderoper taugt der Film trotz auch aus der Vogelperspektive längst bekannter Landstriche und Szenen in hohem Maße, die akustischen Komponenten begannen wir nach einer Viertelstunde zu verdrängen.

speyrer domBlick auf den Fluß und den Speyrer Dom

rotterdamer hafenVon Robotern errichtete und ständig umgeschichtete Containerstadt im Rotterdamer Hafen

Der Film ist bis zum 26. September 2015 in der Arte-Mediathek verfügbar und wird darüberhinaus am 02. Oktober 2015 um 8.55 Uhr wiederholt.

Die Zukunft des Bodensees vor 100 Jahren

Wir leben in der Anfangszeit eines neuen Rheines. Sein Bild wird allmählich in tausend Einzelstrichen auf den Blättern der Fachzeitschriften und in weitreichenden Erörterungen lebendig. Die Möglichkeiten des Rheines, mit vielfältig verzweigten Energien immer tiefer in das Leben der Menschen hineinzuwirken, immer tiefer eine Wasserstraße in das Land zu werden und schließlich den Bodensee zum größten Binnenhafen Europas zu machen, gelten besonders für den Teil des Rheines, der fast noch dem Hochgebirge angehört, sie rufen Erwartungen auf, je mehr sich die Lage Europas unter dem Stachel von Versailles verschlimmert und je mehr die wirtschaftlichen, industriellen, verkehrstechnischen, topographischen und gesetzgeberischen Vorarbeiten fortschreiten. Wie ein gotischer Dom in seinem Emporwachsen die Stämme und Lichter des Waldes und das Felsgetüm des Berges wiederholt, aber das Vergängliche beiseite läßt, so plant eine kollektive und faustische Phantasie die ingenieurmäßige Gestaltung des Flusses, die Entfesselung und Zähmung in einem ist.
Der Oberrhein besteht aus zwei Flügeln, und sein Angelpunkt ist Basel. Der eine Flügel endet im Bodensee, der andere in jener Breite des Stromes, die schon zum Vorhof des Weltmeeres wird. Beide Flügel bieten schwierige und verlockende Aufgaben für eine staatenbauliche Kunst, die bereit ist, Verantwortung für das Schicksal von Millionen künftiger Menschen zu tragen. Natürlich ist dies hier nur eines der Probleme, die überall in der Welt vorhanden sind, wo man aufgehört hat, das Werden von Massenstädten und Industriegebieten dem Zufall zu überlassen. Es besteht die Absicht, den Bodensee durch eine Höherlegung seines Spiegels zum Speicher gewaltiger Wassermassen zu machen, deren Abfluß dann gleichmäßiger sein wird als bisher. Die Wasserkräfte des Oberrheins entsprechen der Brennkraft, die in den Vorräten eines unerschöpflich großen Kohlenbergwerkes schlummert. Man will sie in vierzehn Kraftwerken gewinnen, die mit den Wasserkräften des Schwarzwalds zusammen die Möglichkeiten einer neuen Industrielandschaft bieten, die ganz Baden, Schwaben, das Elsaß und die Nordschweiz umfassen könnte. Niemand zweifelt, daß die Aufgabe lösbar sei, aber die Lösung ist durchaus nicht sicher. Sie kann eine schlechte und kleinliche werden. Dann wird dieser Teil Europas vor anderen Ländern zurückbleiben, vielleicht für immer. Wenn aber die Lösung glückt und eine große Hand verrät, so werden künftige Geschlechter sie bewundern. Das Gemüt der Planenden müßte wohl ein wenig dem Gehäuse ähnlich sein, in dem einst Dürer den heiligen Hieronymus darstellte, mit dem Hund und dem Löwen schlafend zu seinen Füßen, in stillster Unbefangenheit den menschlichen Leidenschaften gegenüber, die so rasch erwachen, um sich über irgendeinen Brocken zu zerfleischen.

(Alfons Paquet: Der Rhein, eine Reise, Frankfurt/Main 1923)