Im Rheindelta

Direkt an Hoek van Holland grenzt ’s-Gravenzande. Vor diesen beiden Ortschaften bietet das Rheindelta, das zur besseren Unterscheidung vom Bodenseedelta auch als Rhein-Maas-Delta (die Niederländer setzen mit Rijn-Maas-Scheldedelta noch einen drauf) bezeichnet wird, Gewächshausfalangen, von denen einige den Eindruck erwecken, als würden sie auf ihren schwer umwässerten Landparzellen schwimmen, oder aber, angesichts ihrer hoffnungslosen aquatischen Umzingeltheit, paramilitärische Geduldsübungen absolvieren.

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Hinter den letzten Baumreihen Südhollands läßt sich das Meer erahnen. Die Nordsee wirkt im Juli wie ein Traumbild ihrer selbst. Schutz vor der Unbill diverser küstenklimatischer Erscheinungen bietet an den Stränden in Sichtweite der Rheinmündung u.a. das Elements Beach, eine chillige Strandbar mit Sitzliegen, balinesisch wirkenden Schnitzarbeiten, Palmwedeln und wohltemperierten Houseklängen. Hätten die Wärmegrade ein klein wenig höher gelegen und der Himmel nicht doch allzu holländisch ausgesehen, das Geschehen hätte auch einer auf alternativ getrimmten Bacardi-Werbung entstammen können.

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Passend zur tropisierten Strandgestaltung ein exotischer Fliegender Fisch auf königlich Oranje. Der Himmel wirkt nun auf einmal, auf gut holländisch gesagt: verkeerd.

flying-fish_4 (Bild: Matthias Kühn)

Während unserer Reisevorbereitungen hatten wir von Ortsansässigen in Erfahrung bringen können, daß der Strand von Hoek van Holland “nie, niemals und zu keiner Zeit” menschenleer sei, was wir als leise Andeutung verstanden, daß wir dort auf Touristenmassen stoßen würden, wie sie El Arenal zur Hochsaison aufweist. Noch hatten die Schulferien in den Niederlanden nicht begonnen, wohl aber walteten der Sahara angemessene Sandwehen, weswegen die Touristenmassen ausfielen. Der Strand streckt sich indessen weiterhin in ansehnlicher Breite Kilometer für Kilometer nach Norden. Die Rheinmündung bzw. die Hafenanlagen sind auch noch von Monster bzw Ter Heijde zu sehen, wo die Niederlande ein EU-finanziertes Küstenbefestigungsprojekt mit Namen Zandmotor betreiben, bei dem der “seit fünf Jahren stets vorhandene” Wind, die Meeresströmungen und nicht zuletzt massive Sandaufschüttungen die Natur mit Hilfe ihrer selbst überlisten sollen.