Presserückschau (September 2016)

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“Die spektakuläre Lichtinstallation am Düsseldorfer Rheinturm könnte bald regelmäßig zu sehen sein. Nach der Premiere beim NRW-Fest soll der “Rheinkomet” zum neuen Wahrzeichen der Stadt werden – nach dem Vorbild des Pariser Eiffelturms. “Nach dem Echo, das wir bislang bekommen haben, sind wir überzeugt, dass der Rheinkomet das neue Wahrzeichen Düsseldorfs werden kann”, sagt Edmund Spohr von der Bürgerstiftung „Dus-Illuminated“. Aus vielen Städten im Umland seien positive Anrufe eingegangen. “Wir haben sogar einen Brief aus dem Vatikan bekommen, der die Installation als ‚Stern des Abendlandes‘ bezeichnet”, freut sich Spohr. Die Stiftung hat das Lichtspektakel gemeinsam mit dem Künstler Klaus Gendrung finanziert und auf die Beine gestellt. Die Idee zur Lichtshow liegt dagegen schon Jahre zurück, denn ursprünglich sollte der Rheinturm eine olympische Flamme zeigen, wenn die Olympia-Bewerbung der Stadt für die Spiele im Jahr 2012 Erfolg gehabt hätte.” (WDR)

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Absturz: “Mehrere besorgte Bürgen hatten (…) den abgestürzten Heißluftballon beziehungsweise einen Feuerball oder gar ein unbekanntes Flugobjekt über der Rettbergsaue inmitten des Rheins gemeldet. Feuerwehr, Wasserschutzpolizei und ein Polizeihubschrauber machten sich sofort auf den Weg zu der großen Rheininsel (3100 Meter lang und bis zu 400 Meter breit).
Sie entdeckten den Heißluftballon, dessen Ballonfahrer sich für die Landung auf der Aue entschieden hatte, weil er das Rheinufer nicht mehr erreicht hätte. Alle drei Insassen des Ballons waren wohlauf und wurden mit einem Feuerlöschboot ans Ufer gebracht.” (Bild)

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“Es ist kein schöner Anblick, der sich (…) Spaziergängern bietet, die an der Altenheimer Rheinbrücke unterwegs sind: Auf französischer Seite dümpeln Hunderte verendeter Fische – und auch auf der deutschen Rheinseite fällt das »Treibgut« auf. Das Fischsterben hat einen natürlichen Grund: Blaualgen. Die Untersuchungen auf französischer Seite sind (…) inzwischen abgeschlossen. Die Ursache des massiven Fischsterbens im Rhein liegt im Plobsheimer Becken gegenüber von Neuried-Müllen. Die toten Tiere werden über den Rhein hinweg ans Ortenauer Ufer geschwemmt. Angefacht durch die Hitze der vergangenen Wochen sind in den Tiefen des Beckens Blaualgen gewachsen. Diese bilden nicht nur einen markanten blauen Farbstoff, sondern auch Bakterien, die Fische und ihre Nahrung, den Plankton, nach und nach vergiften. Zudem binden die Algen den Sauerstoff im Wasser – die Umgebung wird für die Tiere und Einzeller lebensfeindlich.” (Baden Online)

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Rheintote
“In Basel ist (…) ein unbekannter toter Mann aus dem Rhein geborgen worden. Passanten hatten (…) den vor dem Kleinbasler Ufer im Wasser treibenden Körper bemerkt und Alarm geschlagen. Bei der Wiesemündung konnten Polizei und Feuerwehr den Toten bergen. Bisherige Ermittlungen hätten ergeben, dass der Mann offensichtlich schon mehrere Tage im Rhein gelegen habe, teilte die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt mit. Identifiziert werden konnte er noch nicht.” (Aargauer Zeitung)

“Ein Mann ist (…) im Rhein bei Speyer ertrunken. Das bestätigte die Polizei dem SWR. Wasserschutzpolizei, DLRG und Feuerwehr seien im Großeinsatz gewesen. Taucher hätten den Mann aber nur noch tot bergen können. Die Identität des Opfers sowie der Unfallhergang sind noch unklar. Asylbewerber, die sich am Ufer des Rheins befanden, berichteten aber einem Kamerateam vor Ort, der Mann sei mit ihnen befreundet, er stamme aus Afghanistan und habe in ihrem Heim gelebt.”

“Furchtbare Gewissheit haben die Angehörigen des Mannes, der (…) beim Baden im Rhein verschwunden war: Helfer der Feuerwehr bargen (…) die Leiche des 46-Jährigen – just an der Stelle, wo er zwei Tage zuvor zum letzten Mal gesehen worden war. Die Schwester des Niederkasselers, so bestätigte die Polizei in Siegburg, hatte den Toten entdeckt. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten war sie noch einmal ans Rheinufer gegangen, wo sie tatsächlich den leblosen Körper ihres Bruders im Wasser bemerkte.” (Kölnische Rundschau)

“Tot geborgen wurde ein 22-Jähriger, der (…) bei Köln-Rodenkirchen untergegangen war. Er sei bei Wesel tot im Wasser gefunden worden, sagte ein Polizeisprecher.” (WDR)

“Ein 10-jähriger Bub ist (…) in Eglisau ZH im Rhein ums Leben gekommen. Er war zunächst mit Kollegen von einem drei Meter hohen Quai in den Fluss gesprungen. Später kletterte er auf einen Baum und versuchte, über ein Boot am Ufer zu springen. Dabei schlug der Junge mit eritreischen Wurzeln gemäss Angaben der Kantonspolizei Zürich auf dem Boot auf, fiel ins Wasser und tauchte nicht mehr auf. Taucher der Seepolizei bargen ihn rund eine Stunde später leblos in acht Metern Tiefe.” (Neue Luzerner Zeitung)

An historische Rheintote erinnert der Express: “Hans Doll ist pensionierter Kripo-Beamter. (…) Vor 60 Jahren war er einfacher Polizeibeamter und gerade dreißig mal 30. Er berichtet: “Ich arbeitete damals für die Wache am Wiener Platz. (…) Und ich war oft mit dem Kraftrad auf Streife.” (…) So auch im September 1956. (…) Plötzlich sah Doll am Ufer etwas liegen. „Ehrlich gesagt, konnte ich gar nicht genau erkennen, was es war. Aber es sah irgendwie menschenähnlich aus. Also bin ich die Böschung runter. Den Anblick, der sich mir bot – schrecklich. Den werde ich mein Lebtag nicht vergessen. Da lagen die sterblichen Überreste eines Menschen – total aufgequollen.” (…) Doll schaffte es, den toten Arbeiter einen Meter aus dem Wasser zu ziehen. (…) Doll erinnert sich auch an die Gespräche auf der Dienststelle nach dem Unglück beim Bau der Severinsbrücke: “Damals erzählte man sich, dass ein toter Arbeiter im Pfeiler der Severinsbrücke einbetoniert worden sei – da gab es keinen Zweifel.” Am 21. September 1956 brechen die Stützen der Brückenpfeiler weg. Beton, Wasser und Geröll begraben die Bauarbeiter, die in einem Senkkasten arbeiten: Mindestens fünf sterben.”

Von täuschenden Brückenbögen und wahren Standpunkten

Schaffhausen. Wirthshäuser: Krone. Schiff. Sehenswerth die Brücke über den Rhein, die von Hans Ulrich Grubenmann von Tüffen aus dem Kanton Appenzell in drey Jahren verfertigt wurde, während sein Bruder Iohann die zu Reichenau in Graubündten 240. Fuss lang in Einem Bogen baute. Die Schaffhauser Brücke ist ein Häng- oder Sprengwerk, 364. englische Fuss lang. Ulrich und Iohann Grubenmann behaupteten, diese Brücke stehe nicht auf dem Pfeiler; in einigen Reisebeschreibungen wird das Gegentheil gesagt. Viele Männer aus Schaffhausen, die stete Augenzeugen waren, haben mir versichert, dass die Brücke wirklich nicht auf dem in dem Rhein stehenden Pfeiler (der von der alten steinernen Brücke übrig geblieben ist,) ruhte, sich aber nach und nach darauf gesetzt hat; und ein grosser Baumeister hat behauptet, dass sie wahrscheinlich eingestürzt seyn würde, wenn der Pfeiler nicht da gewesen wäre. Vor wenigen Jahren musste sie mit vielen Kosten wieder hergestellt werden. Grubenmann behauptete auch immer, die Brücke bestehe aus Einem Bogen; er hat darinn vollkommen recht, wenn man inwendig auf der Brücke die Lage der Balken auf beyden Seiten betrachtet, die nur einen einzigen grossen Bogen ausmachen.
(…) Oeffentliche Promenaden sind keine; das Vergnügen des Spatzierens muss man durch Steigen erkaufen. (…) Intressante Aussichten sind: Auf dem alten aus den Zeiten der Römer noch existierenden Bollwerk Unnoth oder Munnoth; auf dem Schießplatz; auf der Enge, einem Hügel, der nach Klettgäu sieht.
Eine der merkwürdigsten Naturscenen der Schweitz ist der Rheinfall bey dem Schloss Lauffen, eine gute halbe Stunde von Schaffhausen. Ich rathe jedem Reisenden, dieses Schauspiel zuerst von der Zürcher-Seite zu sehen und zu geniessen: Deswegen muss man von Schaffhausen nach dem Schloss Lauffen gehen, und wenn man, von Zürich oder anderswo her, über Eglisau nach Schaffhausen reist, so muss man die Strasse über Rheinau nehmen, die gerade auf das Schloss Lauffen führt: Auf diese Art vermeidet man, den Rheinfall in einem Standpunkt zu erblicken, der durchaus für jeden, der ihn zum erstenmale sieht, äusserst ungünstig ist. Von dem Schlosse steigt man herab, und begiebt sich, ohne zuerst in den Pavillon auf der Mitte des Weges zu treten, gleich auf das kleine Gerüst dicht an dem Fall; denn hier ist der wahre Standpunkt. – Um ihn hernach von vorne und von der Seite auf dem Schaffhauser-Gebiet zu sehen, so lässt man sich über den Rhein nach dem Schlösschen im Wört fahren: Wenn man in dem Kahn gleich und ruhig sitzt, darf man sich gar nicht fürchten, bey dieser kurzen Ueberfahrt Gefahr zu laufen. Oben auf dem Felsen, wo Laufen liegt, am äussersten Rande steht das gedachte Lusthäuschen, wo man auf den Rheinfall herab, auf das Dorf Neuhausen gegenüber, und auf die Hügel sieht, zwischen denen der Rhein sich durchkrümmt. Die Höhe des Rheinfalls ist nach seiner Wassermenge verschieden, 60 – 80. Fuss hoch; im Monat Juny ist er gewöhnlich am vollsten und grössten. Man muss ihn Morgens, Abends, und bey hellem Mondschein sehen, wenn man alle Schönheiten dieser ausserordentlichen Scene geniessen will. – Des Abends gewinnt er besondre Reize, durch den Contrast der umliegenden Gegend die nun im Schatten liegt mit der noch beleuchteten Hauptparthie.

(J. G. Ebel: Anleitung auf die nützlichste und genussvollste Art in der Schweitz zu reisen, Zürich. Bey Orell, Gessner, Füssli und Compagnie 1793)

Ansicht vom Rheinfall im März 1797

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Ich habe Ihnen versprochen, meinen diesmaligen Aufenthalt am Rheinfall zu schildern, damit Sie eine Vergleichung mit jener Beschreibung anstellen könnten, die ich Ihnen das erstemal als ich die Schweiz betrat, schickte. Sehen Sie, ich halte Wort, aber erwarten Sie kein Seitenstück zu meiner damaligen Schilderung. Der erste Eindruck ist immer auch in feiner Art der Einzige. Man kann dieselbe Naturscene oft und immer groß finden, aber nur einmal wirft ihre Größe uns zu Boden und nöthigt dem unterliegenden Gefühl eine stumme staunende Verehrung der Natur ab.
Wer den Rheinfall zum ersten mal in feiner ganzen erschütternden Grösse, mit der über allen Ausdruck gewaltigen Schnelligkeit, von der Seite des Schlosses Lauffen sieht, der bebt gewiß vor dem Bild zurück, von dem man sich, ohne es gesehn zu haben, nie eine Vorstellung machen kann, die dem Eindruck selbst entspräche. Ganz anders ist die Wirkung, wenn man von der Straße, die nach Eglisau führt, den Fall in seiner ganzen breiten Ausdehnung sieht. Dort erscheint er niedriger als er würklich ist. Man sieht von der ungeheuren Schnelligkeit wegen der Entfernung wenig, und das Getöse, das man schon von weitem vernahm, frappiert nicht mehr.
Was würden Sie erst sagen, wenn sie jezo den Rheinfall von dem letztgenannten Standpunkt sähen? Sie würden mit Recht fragen, wie schon mancher Reisende fragte: ist das der Rheinfall, den Meiners schildert?
Bey grossem Wasser sieht man den Strom auch von fern wie einen Wall von Schaum in einer grossen Einemasse (Ensemble) herabstürzen, aus dessen Wirbeln nur die zwey oder drey Felsenbrocken ragen. Bey niedrigem Wasser erblickt man ein großes Steinlager über und durch welches ein, dem Ansehen nach unbedeutender Fluß herabkommt, und eine Menge kleiner Wasserfälle bildet.
Ich hatte eh’ ich auf die Höhe dem Fall gegen über gekommen war, schon viel davon gehört, wie klein er jezo sey, dem ohngeachtet, fand ich ihn noch unter meiner Erwartung. Das Wasser schien von keiner Kraft getrieben zu seyn, es schien mehr herabzurieseln als zu stürzen. Das einzige, was dem Fall dennoch immer Reize gibt, ist die blendende Weisse des Wassers, das durch die hervorguckenden Steine noch mehr in die Augen fällt.
Ich ließ mich bald zu der Stelle überfahren, wo der Eindruck an gewaltigsten ist, zu der kleinen Galerie, die man in den Hauptsturz hineingebaut hat. Ohne Schwierigkeit fuhr man jetzt hinüber, da die Wallungen und Bebungen sonst diese Ueberfahrt schwer und sogar gefährlich machen. Man konnte bequem zu den beyden grossen Felsentrümmern, die in der Mitte stehen, gelangen, die sonst ganz von Wasser umgeben sind. Eine Menge kleinerer Felsenabsätze umringten jene zwei berühmten Felsenstücke. Gleichwohl hatte der Fall auf dieser Seite immer noch eine imponierende Gewalt, und weil man näher hinzu tretten konnte, sah man vielleicht noch mehr als bey großem Wasser, und konnte alles ruhiger geniessen.
Für ein Mahler ist der Rheinfall vielleicht gerade bey kleinem Wasser am interessantesten. Es läßt sich doch eher die Möglichkeit denken ein Bild davon zu machen, indem man nicht blos Wasser, sondern die Struktur des Felsenbettes sieht. Man sieht in dem Wasser das mannigfaltigste Farbenspiel, indem die unten liegenden Felsen theils durchschimmern, teils dunkle Vertiefungen bilden, über welche die Wasserstrahlen zauberisch hinschiessen. Der Nebelstaub der den Fall im Sommer umgiebt, ist jetzt nicht so stark etwas zu verdecken, sondern breitet sich mir wie ein lieblicher Duft über das grosse Tableau, so daß man nicht nur wenn die Sonne scheint, kleine Regenbogen, sondern zugleich das magische Spiel des Sonnenlichts auf dem wallenden Wasser genau betrachten kann.
Nachdem ich lange still gestanden und unaufhörlich mit dem Bilde, das noch in meiner Seele war, das vor mir liegende verglichen hatte, fuhr ich mit meinem Schiffmann wieder auf die Schaffhauser Seite zurück, um von den Dratmühlen aus, den Fall zu betrachten. Der ganze obere Theil des Catarakts war von Felsenstücken unterbrochen. Fast in der Mitte des Stroms war eine Stange aufgerichtet, zum Zeichen wie weit man habe kommen können. Ein alter Arbeitsmann der meine Verwunderung sah, wies mir den Weg durch die Drathmühlen. Ich stieg auf den Bord des Canals herab, durch welchen das Wasser in die Mühlen geführt wird, und erreichte, ohne daß mir das Wasser in die Schuhe gedrungen wäre, den ersten Felsenvorsprung und klimmte nun weiter fort, bis ich eine Stelle erreichte, wo die beiden alten Felsenpfeiler nahe vor mir stunden, und wo rings um mich Wasser rauschte und brauste. Ich übersah den kommenden und den größten Theil des stürzenden Stroms, nur den eigentlichen Sturz in die Tiefe konnt ich nicht sehen. Eine beklemmende Empfindung ergriff mein Herz, ohngefähr wie die seyn mag, wenn man in den Crater des Vesuvs herabschaut. Seit vierzig Jahren sagt’ ich mir, saß auf dieser Stelle Niemand, und nach wenigen Tagen wird es wieder zur Unmöglichkeit, vielleicht für ein halbes oder ganzes Jahrhundert. Mein Auge hieng an den Felsentrümmern, die jetzt einmal auszuruhen schienen, nachdem sie den langen Kampf mit der Gewalt des Stromes gekämpft haben. Das ausgewaschne ihrer Formen, die Löcher die überall wie hineingebohrt sind, geben eine ziemlich lebhafte Vorstellung von dem Wühlen und Arbeiten des herabschiessenden Wassers. Es ist unbegreiflich wie diese Felsen, die meistens aus Nagelfluh bestehn, so lange Jahre hindurch einer solchen Kraft, wie der Strom hier äußert, haben wiederstehen können.
Wie sehr hätte ich gewünscht, Sie mein Freund an meiner Seite zu haben, und in der beredten Sprache des stummen Staunens Ihnen meine Einpfindungen mitzutheilen und die Ihrigen zu belauschen. Worte hätten ohnehin das schmetternde Getöse verschlungen. Gewiß hätte Sie, wie mich, auch eine gewisse Wehmuth zuletzt ergriffen. Das ewige ununterbrochene Fortströmen der Fluth hat etwas ermüdendes, das die Seele nicht aushält. Unaufhaltsam, wie der Gang der Nothwendigkeit ist ihr Lauf wie er seit Jahrhunderten war.
Diese Felsentrümmer, die nur für eine kurze Zeit einen Aufenthalt gestatten, werden für das Herz, Bilder jener süßeren Hoffnungen und Wünschen, mit denen wir uns in der Welt anzusiedeln gedenken. Eh wir uns dessen versehn, kommen die anschwellenden Fluthen der ewigen Abwechslung wieder und zwingen uns fortzueilen oder sie reissen uns mit sich in die Tiefe. – Ich hatte mich in allerhand Betrachtungen versunken, auf ein Felsenstück niedergelassen; die Sonne schien lieblich, dennoch war es eine für die Gesundheit gefährliche Stelle, Der Nordwind und der Wasserstaub mochten Ursache seyn, daß mich ein Schauder überfiel. Es war mir nicht anders, so sehr hatte das mich ringsumgebende Getöse meine Nerven erschüttert, als drohte der Strom mir den Rückweg abzuschneiden, weil ich es wagte, das Werk seiner Verheerung in der Nähe zu betrachten.
Sie können sich vorstellen wie ungewöhnlich eine solche Niedrigkeit des Wassers seyn muß, da von Schafhausen aus, wo sehr viele Personen den Rheinfall nie gesehen haben, seitdem das Wasser so klein war, täglich Wallfahrten hieher geschehen sind, welches kaum dann zu geschehen pflegt, wann der Fall am brilliantesten ist.(*) Die Ursache der geringen Wassermenge ist keine andere, als diese: daß im lezten Winter sehr wenig Schnee gefallen, und der in diesen Gegenden im Frühjahr gewöhnliche Regen fast gänzlich ausgeblieben ist; dabey hat eine solche Kälte geherrscht, daß in den Gebirgen die Auflösung des Schnees oder Eises unmöglich groß seyn konnte.
Sehr ermüdet kann ich Abends nach Schafhaufen. Das Getöse das sonst bis zur Stadt dringt, verschwand, nachdem ich mich kaum eine halbe Viertel Stunde weit entfernt hatte. So wenig auch der Rheinfall jetzt als Catarakt auffallend oder imponierend ist, so sehr freut es mich doch jetzt seine Struktur, kennen gelernt zu haben. Jene Wasserkugeln und Schaumhügel, die bey grossem Wasser so frappante Würkung machen, sind mir jetzo erklärt. – Es ist mir als hätt ich das untermalte Bild eines großen Meisters gesehn, worinn die Hauptwürkung der Ausführung geschickt vorbereitet ist. Man kommt nach einigen Tagen wieder und wird von der Schönheit des Bildes doppelt gerührt, weil man auch weiß, wie es angelegt war.
Ich wollte ich könnte Ihnen jetzt eine genaue Zeichnung von dem Rheinfall wie er sich jetzt dem Auge darstellt, schicken, und in zwey Monaten Sie selbst bey der gewaltigsten Szene, die man in der Natur sehen kann, umarmen. Sie würden dann meiner jetzigen Beschreibung keinen Glauben beymessen wollen, weil man fast gezwungen ist, zu der ungeheuren Kraft, einen außerordentlichen, unerschöpflichen Vorrath von Wasser sich vorzustellen. Aber haben Sie nie erfahren wie die Natur mit unserer Phantasie spielt? Ihr Sonnenstrahl und ihr Frühling macht uns, jetzt Sturm und Verheerungen vergessen als wären sie nie da gewesen, und ein andermal scheint es uns, der Wiederstreit der Elemente kehre nie mehr wieder zur Ruhe. Ist das derselbe Rheinfall würde ich in einigen Wochen sagen müssen, in dessen Mitte ich ruhte, und an dessen unzähligen Absätzen des fallenden Wassers sich mein Auge ergötzte? Freund! es giebt kein grösseres Bild des ewigen Umwechselns der Dinge, als dieses von dem noch meine ganze Seele voll ist, und es müßte kein seeligeres Gefühl geben, als vor diesen Bilde einen Freund zu umarmen von dessen Treue Zeit und Erfahrung uns versicherten, und seine Entzückung auf das Gefühl überzutragen: Alles ändert sich – nur das Herz des Biedermanns nicht! Leben Sie wohl.

(*) Der Rheinfall ist wirklich seit vielen, vielleicht seit mehr als hundert Jahren, selbst auch in dem so langwierigen kalten Winter von 1784, auf 1785, nicht so klein gewesen wie dermahlen.

(Karl Gotthard Graß: Fragmente von Wanderungen in der Schweiz, Zürich 1797)

Presserückschau (Oktober 2013)

Ob am Rhein praktisch nichts mehr passiert, ob wir aufgrund andauernder Rheinferne ein wenig den Blick für doch vorhandene Geschehnisse verloren haben, ob die Oktobersonne das Sommerloch erneut aufgerissen hat oder unsere ausgeklügelten Suchalgorithmen sich nur noch auf Irrelevantes stürzen: der Oktober wartet mit gerade einmal vier archivierenswerten Meldungen auf, von denen die erste und die letzte vor allem deswegen aufgenommen wurden, weil sie eine tausendjährige Tradition mit einer weiteren Tausendjahresgarantie verknüpfen. Daß die anderen beiden von wenig mehr handeln, als daß Steine in den Rhein geschüttet werden, veranlaßt uns darüber nachzudenken, ob künftig an dieser Stelle auch – notfalls selbstproduzierte – Meldungen über Uferbesucher plaziert werden sollten, die Steine übers Wasser hüpfen lassen:

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Aus einer Ankündigung für die Sendung Rhein kulinarisch des SR Fersehens: „Hier “huldigt” man “Weck, Worscht und Woi”, denn kulinarisch lieben es die Mainzer durchaus deftig. Auf dem Wochenmarkt präsentieren die Bauern der Region ihr reichhaltiges Angebot. Und was ein echter “Meenzer” ist, der lässt sich beim Bummel die heiße Fleischwurst nicht entgehen.“

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Die Axpo schüttet für Millionen Franken Kies in den Hochrhein zwischen Koblenz und Rheinau, meldet der Landbote. Als Besitzerin des Wasserkraftwerks Eglisau-Glattfelden sei sie dazu verpflichtet, um den Geschiebebetrieb des Rheins aufrechtzuerhalten: “Ein solcher Betrieb meint, dass ein Fluss Steine an einem Ort ab- und an einem anderen Ort wieder antransportiert. Da ein Kraftwerk nicht nur Wasser, sondern auch Geschiebe staut, ist der natürliche Geschiebehaushalt gestört.”

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Auch bei Spijk wurde der Rhein mit rund 425.000 Tonnen Basalt und Kalkstein aus Steinbrüchen in Belgien und Deutschland aufgefüllt. In der Grenzregion hatten sich bis zu fünf Meter tiefe Kolke in der Rheinsohle gebildet. Wo es am Hochrhein um bessere Laichmöglichkeiten, somit um den Erhalt mehr oder minder gefährdeter Fischarten (siehe Meldung 2) geht, geht es am Niederrhein um die Aufrechterhaltung der Schifffahrt: “Ungefähr 200 Schiffsladungen (…) wurden unter Wasser eingebaut. Schiffe mit geteiltem Laderaum und Ortungsgeräten – sogenannte Klappschuten – brachten das Gestein ins Wasser. Mittels Satellitennavigation wurde es exakt und passgenau auf dem Grund des Rheins verteilt. (…) Erstmals kam das Schiff “Catharina 6″ einer niederländischen Firma erfolgreich zum Einsatz. Der rund 20 Meter lange Schlepper mit Heimathafen Rotterdam ist mit einer Art Unterwasser-Egge ausgerüstet”, weiß 02elf.net zu berichten.

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Und noch eine kulinarische Nachricht aus dem Rheingau: “Wenn die letzten Trauben vom Stock geschnitten sind und es in den Kellern brodelt, dann sind die Rüdesheimer wieder unter sich. „Jetzt wird’s gemütlich“, sagen sie (…). Den Federweißen feiern die Rüdesheimer nun schon seit über 25 Jahren. Mit Budenzauber der Rheingauer Art und vielen (oft ganz spontanen) Darbietungen, mit Zwibbelkuche und Schmalzebrote und mit ganz viel persönlichem Einsatz. Auch die Herbst-Muck ist unterwegs mit Rebenkranz und Tonscherbe. (…)” – so steht es auf rheingau.net zu lesen.

Weil das keineswegs alles gewesen sein kann, holen wir den Läusekamm und suchen die Nachrichten nochmals genaustens ab. Und siehe da, es läßt sich doch noch ein verstecktes Ei hervorzaubern: ”Auf der Rhein-Ministerkonferenz (…) haben sich die Rhein-Anrainerstaaten darauf verständigt, dass der Lachs in Zukunft leichter aus dem Atlantik den Rhein bis nach Basel hochwandern kann. Konkret geht es darum, dass die Stauwehre durch Fischtreppen durchlässiger für den Lachs werden sollen. (…) Die Rhein-Ministerkonferenz mit Deutschland, der Schweiz, Österreich, Liechtenstein, Frankreich und dem belgischen Wallonien hatte zuletzt vor sechs Jahren getagt. Jetzt beschlossen die Umweltminister außerdem, die Wasserqualität des Rheins zu verbessern. Dazu sollen Rückstände von Medikamenten, Insektiziden und Hormonen bekämpft werden.” (SWR, Landesschau aktuell)

Porsche im Rhein

Beim Filtern sommerlochartiger Zeitungsmeldungen sind wir neben Loreley-Havarien (mit ihrer langen Geschichte) und Krokodilaufkommen im Rhein (mit ihrer mittellangen Geschichte) auf eine dritte bedenkliche Häufung (vergleichsweise sehr jungen Datums) gestoßen.

So berichtet das Oldtimer-Magazin meinklassiker.com von einem schmerzhaften Anblick, der am 29. Januar 2011 einen neuen Trend in der öffentlichen Rezeption eingeläutet haben mag: „Einen mit der vorderen Wagenhälfte im Wasser stehenden und erheblich beschädigten Porsche 356 C entdeckten Spaziergänger am Morgen (…) am Rheindamm unterhalb der Maxauer Brücke in Karlsruhe. Den Beamten der alarmierten Wasserschutzpolizei blutete das Herz, als sie den frisch restaurierten Oldtimer aus dem Rhein zogen. Nach (…) bisherigen Ermittlungen hatten Unbekannte den anthrazit-farbenen Wagen aus einer Garage im Rheinhafengebiet entwendet (…). Wieso die Täter das (…) Liebhaberfahrzeug dann (…) die befestigte Uferböschung hinab schoben und offenbar im Rhein versenken wollten, sollen nun die Ermittlungen der Kriminalpolizei klären.“

Etwas klarer liegt der Fall bei einem jüngst im Rhein geparkten Porsche auf Schweizer Terrain: „Wie die Kantonspolizei Zürich am Montag mitteilte, fuhr ein 24- Jähriger am Sonntag gegen 21 Uhr zum Einwasserungsplatz für Boote in Eglisau. Dort überliess er seinem 29-jährigen Kollegen das Steuer. Als dieser mit dem Wagen losfahren wollte, hatte er einen falschen Gang eingelegt: der Sportwagen machte einen Satz und landete im Rhein. Die beiden Männer konnten das Fahrzeug verlassen und ans Ufer schwimmen. Hilflos mussten sie mitansehen, wie die starke Strömung den Sportwagen in die Mitte des Rheins zog und das Auto dort schliesslich in den Fluten versank. (…)“ Soweit der Tagesanzeiger. Wie die Sache ausging, erfuhr die gesamte Schweiz aus der nationalen Tagesschau: „Der Occassionswagen ist so stark beschädigt, dass man nicht mehr damit fahren kann. An Land wird das kaputte Auto auf einen Abschleppwagen gehievt. Dieser transportiert es zum Stützpunkt der Zürcher Kantonspolizei nach Bülach. Der Eigentümer des Wagens darf das Auto dort besichtigen. Sein Kollege, der den Unfall verursacht hat, wird sich gemäss dem Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich, wegen Nichtbeherrschen des Fahrzeuges verantworten müssen und gebüsst werden. (…)“

Wer von unseren Lesern ebenfalls einen Porsche im Rhein beobachtet: rheinsein freut sich über Berichte und Bilder, um den möglichen Trend zu verifizieren.