Wolken bauen

(bâtir des nuages – building clouds) lautet der Titel der kommenden Samstag eröffnenden neuen Ausstellung von Roland Bergère in Neuss. Monsieur Bergère ist nicht nur von Beginn an als rheinsein-Chefkorrespondent für frankorheinische Angelegenheiten unermüdlich tätig, sondern mindestens ebenso und noch sehr viel länger als in Köln und weit darüberhinaus wohlbekannter Künstler. Mit Wolken bauen bezieht Bergère sich auf ein Zitat Ludwig Wittgensteins: „Wolken kann man nicht bauen. Und darum wird die erträumte Zukunft nie wahr.“ Eine Aussage, die tatkräftigen Widerspruch geradezu herausfordert.

Nebst dem Wolkenbau widmet sich die Ausstellung u.a. den universellen Prinzipien der Expansion und des Auseinanderdriftens. Bergères Ausstellungen sind von langer Hand vorbereitet. In den Planungen für die aktuelle Präsentation spielte auch der Rhein eine maßgebliche Rolle. So werden Bilder von Anschwemmseln aus der Serie “Strandgüter des Hubble-Flusses” zu sehen sein, die Bergère während eines Jahres bei seinen Uferspaziergängen fotografierte, auf handgeschöpftes Papier bannte und wiederum vom Rhein beschwemmen ließ.

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Zwei Einsichten in den Rheingüter-Produktionsprozeß Höhe Rodenkirchen.

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Die Ausstellung findet vom 26. Januar bis zum 6. April 2013 im ebenfalls rheinverbundenen amschatzhaus, Hauptstr. 18, Neuss-Holzheim statt.
Vernissage ist am 26. Januar um 16.30 Uhr.

Nicht übel, Mr. Hubble!

Im April 1925 erschien in der amerikanischen Zeitschrift Popular Astronomy der Bericht eines Vortrags, welchen Edwin Hubble im Januar desselben Jahres unter dem Titel Cepheid Variables in Spiral Nebulae an der George Washington University gehalten hatte, gefolgt von einem Nachdruck in der britischen Zeitschrift Observatory. Mit dieser Pubikation wurde der Astronom weltbekannt.

Im Juli 1928 unternahm Hubble mit weiteren Teilnehmern der 3. Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union in Leiden eine Reise zu wissenschaftlichen Zentren in den Niederlanden, in Deutschland und in England. Während dieser Reise nahm sich Hubble, ein begeisterter Angler, Zeit, um in Schaffhausen seinem Hobby nachzugehen: Forelle, Barsch, Äsche, Hecht, Zander, Rotauge, Brasse und Karpfen schienen ihm Gründe genug für einen Besuch des Rheinfalls. Beim Weidlingsangeln wurde er seinerzeit von Josef Mändli, Journalist bei den Schaffhauser Nachrichten (damals noch: Schaffhauser Intelligenzblatt), fotografiert:

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Als im März 1929 Hubbles sechsseitiger Artikel A Relation between Distance and Radial Velocity among Extra-Galactic Nebulae erschien, erinnerte sich Josef Mändli seiner Aufnahmen vom Vorjahr. Unter der Überschrift Nicht übel, Mr. Hubble! erklärte Mändli seinen Lesern ausführlich und kompetent den neuen Meilenstein der Astronomie-Geschichte. Zur Illustration verwendete er nochmals seine Aufnahme von Hubble am Rheinfall, allerdings nun in einer bearbeiteten Version, welche den Expansionsgedanken an einem heimatlichen Beispiel illustrieren sollte:

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