Massaker in Alphen an den Rijn

„Bij een schietpartij bij een winkelcentrum in Alphen aan den Rijn zijn zeker 7 doden gevallen. Vijftien personen zijn zwaargewond geraakt. De dader heeft zichzelf door het hoofd geschoten“, berichtet De Telegraaf am 09 April. Der Amoklauf in einem Einkaufszentrum wird von Augenzeugen umgehend getwittert und erreicht dadurch binnen Minuten das Augenmerk der Öffentlichkeit. Alphen liegt an der Mündung des kleinen Flußes Aar in den Oude Rijn, klärt Wikipedia auf, eine römische Siedlung, heute mit einer vor über hundert Jahren dorthin versetzten Kornmühle, einem Vogelpark, einem Archäologiepark und kleineren bis mittleren Industrien, Gewerbegeländen und seiner Vieh- und Milchwirtschaft – also durchaus denkbar als Prototyp des cleanen, holländischen Städtchens, als belebtes Architekturmodell: mit schnurgeraden zielführenden Straßen und säuberlich davon abgetrennten, beinahe ebenfalls straßenbreiten Fahrradwegen, geschmückt mit Kunstrasenflächen und Ostergrünpappeln entlang augenschmeichelnder Kanäle, ein weitläufiges Tischmodell, in dem zu Forschungszwecken über das Wesen der Gattung Miniaturmenschen in abgesteckten, zweckorientierten, rundumüberwachten Arealen typische Alltage hinter sich bringen: Arbeiten, Einkaufen, Schlafen. Von Grund auf sind die meisten der etwa tipp-kickmännchengroßen Probanden freundlich und bereit miteinander auszukommen. Doch ihre Charaktere sind vielfältiger und tiefer als die rosigen Gesichter unter dichten rotblonden Haarschöpfen ausdrücken. Selbst der normalste Alltag produziert wohlgemessene Gewinner, Verlierer, Mitläufer, Radikale. Deren jeweilige Prägung wird einerseits deutlich, etwa in äußeren Merkmalen wie Automarken, Ehejahren oder Anstecknadeln – andererseits zieht sie sich auch in Hinterköpfe zurück. „Het is onduidelijk wat zich precies in het winkelcentrum heeft afgespeeld. Ooggetuigen melden afzonderlijk van elkaar dat een man (de 24-jarige Tristan van der Vlis inwoner van Alphen aan den Rijn) met mogelijk een automatisch wapen om zich heen heeft geschoten.“ Das Modellstädtchen prosperiert vor sich hin. Doch eines gewöhnlichen Wochenendes geschieht nahezu unangekündigt eine gewaltige, gewalttätige Eruption mitten aus dem Undeutlichen. Als sei er aus den Asfaltflächen der Großparkplätze geboren, marschiert zwischen Waschmittelpaketen und Hinterglaskleintieren, in diffusem Licht, seine letzte Energie gebündelt, im Stile eines Infanteristen ein junger Mann auf die Pforten des Todes zu. Sie befinden sich mitten im Einkaufszentrum. Warum will er hier sterben? Weil ihm dies der Ort dünkt, an dem er die meisten Begleiter findet? Einige der potentiellen Begleiter twittern sich in höchster Not aus Tristans Todessog, indem es ihnen gelingt, in den Kanal zwischen realer und virtueller Welt zu flüchten. Ein letzter Schuß. Kleinere Geräusche übertönen die zu vermutende Stille. „De eigenaar van een dierenwinkel in het winkelcentrum vertelt aangeslagen (…) hoe hij verschillende dodelijke slachtoffers op de grond zag liggen. (…): „Ik zag de dader met een grote mitrailleur voorbij komen. Ik heb heel veel schoten gehoord.”" „Unvorstellbar.“ „Unbegreiflich.“ Das Alarmsystem hat versagt, das Miniaturmodell mitteleuropäischer menschlicher Verhaltensweisen verschwimmt unter den nun lebensgroß aufscheinenden blutverschmierten Körpern in ihrer fleischlichen Realität. Schock, Entsetzen und Trauer breiten sich aus. Die auf dem Reißbrett sich zwar nur völlig undeutlich abzeichnende, nach Murphys Gesetz jedoch unabwendbare Katastrofe ist in natura eingetreten. Die öffentliche Erkenntnis indes besteht in der Verweigerung derselben, geleitet von einer Art Höhenangst beim Blick in die eigenen Abgründe: „Ich kann nicht verstehen, was in einem solchen Menschen vorgehen muß.“