Min Mettmann

Heute ist Welttag des schlechten Gedichts. Aus diesem Anlass öffne ich zögernd die Lade meines Schreibtisches und präsentiere ein zweistrophiges Hymnenfragment auf meine langjährige Heimatstadt Mettmann. Es ist in Altmettmanner Mundart gehalten, einem Dialekt, der 1849 im Zuge der bergischen Dialektreform abgeschafft wurde – neben dem Altvelberter Platt die einzige Mundart, der solch rigorose Behandlung zuteil wurde. Hintergedanke der Obrigkeit war, diese in gesprochener Form nahezu unverständliche Sprache als Medium konspirativer Verschwörungen unbrauchbar zu machen. Mit Erfolg: Man schätzt, dass nur noch 6 bis 8 Sprecher des Altmettmannischen existieren, die meisten davon in bedenklicher gesundheitlicher Verfassung, so dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann dieses besondere mundartliche Artefakt endgültig dem Vergessen anheimfällt. Die Abfassung dieser Hymne strengte meinen ohnehin stetig angespannten Geist derartig an, dass ich Ende der 90er Jahre in eine Nervenkrise verfiel, die mir das Dichten auf Jahre verwehrte. Als ich jedoch erstarkt aus der Krise zurückkehrte, hatte ich plötzlich die Kenntnis des Altmettmannischen verloren, so dass dieses Werk, welches als ultimate Preisung der Kreisstadt angelegt war, als schwächliches Amputat vor seine Leser treten muss.

Min Mettmann
(Fritz Geldmacher in Verehrung)

Wu Batten on Plejsten seij tållen zem Groh,
on flücke sig drejbert en frottlige Klåh
wu dä Düssel sprillet en kwellnissem Blů
on dä Kärpe strifft horpig dèm Angebäch zů:
Då is min Geleiks, min Sprong on min Kosch,
då hult jach min stäte Wins en Jebrosch -
då wall jach mir strejgen em Mårg en em Krůh:
Min Mettmann, min Mettmann wej mooch jach di sů!

Dou bäss om dä Stirten dä grumpeste ned,
häss Worken un Zullen mäd en Hülsten jemed,
un em ůllerste Baasch kast do nämmer änglide:
Dou stiihst sulch äm Befuu jappischlech nå ter Side!
Konz äm Alfruhd näd dringe bi Moulen on Strehn,
Moox däch hälder lufrig mäd dä Biesflappen drähn.
Dou haaks king Jedräh ouver Kanz on Beschů:
Min Mettmann, min Mettmann wej mooch jach di sů!
(…)

(Ein Beitrag von Martin Knepper)

Presserückschau (Juni 2017)

1
Handballmeister
“Die Rhein-Neckar Löwen sind erneut deutscher Handball-Meister. Der Bundesligist aus Mannheim (…) ist zwei Spieltage vor Saisonende nicht mehr von der Tabellenspitze zu verdrängen. Die Löwen profitierten davon, dass Verfolger SG Flensburg-Handewitt kurz zuvor überraschend (…) bei Frisch Auf Göppingen verloren hatte. Die nun fünf Punkte Rückstand auf die Nordbadener kann die SG nicht mehr einholen. Für die Löwen von Trainer Nikolaj Jacobsen ist es nach dem Erfolg im Vorjahr der insgesamt zweite Meistertitel der Vereinsgeschichte. Die Meisterschale bekamen die Löwen (…) aber noch nicht überreicht. Das soll nach dem letzten Saisonspiel am 10. Juni gegen die MT Melsungen nachgeholt werden.” (Süddeutsche Zeitung)

2
Grünes Wasser
“Bei der BASF-Kläranlage in Ludwigshafen ist seit mindestens Pfingstsonntag (…) grün gefärbtes Wasser in den Rhein gelaufen. Verantwortlich dafür sei der Farbstoff Tinolux BBS aus einem Betrieb im Werksteil Süd. Die Produktion dort sei gestoppt worden. (…) Die zuständigen Behörden seien informiert. Die Wasserschutzpolizei hatte die Grünfärbung bemerkt und die BASF informiert. Die in Waschmitteln eingesetzte Chemikalie Tinolux BBS gilt als schwach wassergefährdend. Eigene Messungen der BASF und der Rheingütestation in Worms hätten keine toxikologischen Auffälligkeiten ergeben.” (Rheinpfalz)

3
Plastic Soup Surfer
“Gewissenhaft verschnürt Merijn Tinga seine Taschen und Beutel auf dem Surfboard. Besonders tief verstaut wird der wasserdichte Beutel mit Smartphone und anderen Elektrogeräten. Viel hat der Plastic-Soup-Surfer gar nicht dabei. Tinga paddelt auf dem Surfboard den Rhein von Konstanz bis zur Nordsee hinab. Insgesamt 1035 Kilometer Strecke will er in 28 Tagen zurücklegen und damit auf die Verschmutzung der Meere und Flüsse mit Plastikmüll aufmerksam machen. Plastic Soup ist der englische Begriff für die großen Plastikmüllansammlungen in den Ozeanen.” (Badische Zeitung)

4
Schwimmender Luchs
“Der erst vor einigen Wochen im Pfälzerwald freigelassene Luchs „Cyril“ hat seine neue Heimat schon wieder verlassen. Tierschützer vermuten, dass er durch den Rhein geschwommen ist und sich nun auf rechtsrheinischem Gebiet irgendwo nördlich von Speyer aufhält. (…) „Die Luchse haben ein GPS-Halsband um, das Signale von beiden Seiten des Rheins senden kann“, sagte Jochen Krebühl, Geschäftsführer der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz. Da es an der Stelle, an der Cyril den Rhein überquert hat, keine Brücke gibt, vermuten die Tierschützer, dass er auf die andere Seite geschwommen ist.” (Südwest Presse)

5
Jobmaschine
“Nordrhein-Westfalen, Rheinbahn, Rheinknie, Rheinmetall – kein Wort prägt Düsseldorfer Institutionen so sehr, wie der Name des Stroms, an dem die Landeshauptstadt liegt. Für das Heimatgefühl der Düsseldorfer ist der Rhein, der einem Karnevalsschlager zu Folge der Stadt 20 Kilometer seines Stromverlaufs ganz allein schenkt, wichtiger als jedes andere geografische Element. Das wurde schon früh deutlich, als das nahe Ruhrgebiet sich industrialisierte und Düsseldorfs Lage am Rhein eine andere Rolle bekam. Denn Düsseldorfs vielleicht bekanntester Arbeitgeber Henkel stammt eigentlich von ganz woanders. Als Waschmittelfabrik Henkel & Cie wurde sie 1876 in Aachen gegründet. “Wegen besserer Verkehrsanbindungen und höherer Absatzchancen verlegte Henkel seine Firma 1878 nach Düsseldorf”, so steht es in der Firmenchronik. Und mit besserer Verkehrsanbindung ist einzig und allein der Rhein gemeint. Denn Wurm, Kupfer- oder Goldbach, die größten Gewässer Aachens, können es nicht mal mit der Düssel aufnehmen.” (Rheinische Post)

6
Verbrechen
“In Bonn soll ein Mann (27) versucht haben, eine 25-Jährige zu vergewaltigen. (…) Die Frau schrie laut um Hilfe. Eine Zeugin rief die Polizei. Als der mutmaßliche Vergewaltiger den Streifenwagen bemerkte, ließ er sein Opfer los und rannte zum Rhein. Schließlich sprang er in den Fluss und versuchte, schwimmend zu entkommen. Die Polizei fuhr neben ihm den Rhein entlang, irgendwann konnte sie den Mann mit Hilfe der Feuerwehr aus dem Wasser fischen.” (Der Westen)

7
Ingo
“Eine im Rhein treibende Gummipuppe hat in Mainz einen Großeinsatz ausgelöst. Mehrere Bürger hätten einen leblosen Menschen im Wasser gemeldet, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Daraufhin seien die Einsatzkräfte mit einem Großaufgebot angerückt. Es habe sich dann schnell herausgestellt, dass es sich nur um eine Gummipuppe handle. Für den vermeintlichen Rettungseinsatz war auch ein Hubschrauber alarmiert worden. Allein die Feuerwehr schickte 40 Einsatzkräfte zum Rhein. Die Herkunft der Gummipuppe blieb unklar.” (Stern)
“Der vermeintliche Mensch war bei genauerem Hinsehen eine aufblasbare Puppe. Sie sei männlich, etwa ein Meter 50 groß und mit Pflastern beklebt, so ein Sprecher der Mainzer Feuerwehr. Auf ihrer Schulter stehe der Name “Ingo”.” (SWR)

8
Schwimmnudeln
“Die Polizei will mit einer neuen Kampagne Unfälle auf dem Rhein verhindern. Mit orangen Schwimm­nudeln sollen Schwimmer besser sichtbar werden. (…) Im Rahmen der Kampagne wurden allen Badis am Rhein, ab Eschenz rheinabwärts, orange Schwimmnudeln verteilt. Insgesamt stehen 2000 Stück zur Verfügung. Diese können von den Badegästen gratis mitgenommen werden. Dank diesen Nudeln sollen Schwimmer von Bootsführern besser gesehen werden. Ein Ersatz für Schwimmwesten seien sie aber nicht, betont die Polizei. Die Kosten für die Kampagne belaufen sich auf rund 10 000 Franken. Diese werden von den Kantonspolizeien Thurgau und Schaffhausen getragen.” (Schaffhauser Nachrichten)

9
Biber-Alarm
“Beim Baden im Rhein bei Schaffhausen (Schweiz) sind zwei Schwimmer gebissen worden. Vermutlich war es ein Biber. Ein achtjähriger Junge sei mit dem Schreck und oberflächlichen Wunden davongekommen, doch bei einer Frau habe die Wunde genäht werden müssen (…). Die Schaffhauser Jagdverwaltung wollte deshalb diese Woche südöstlich von Schaffhausen am Rhein Richtung deutsche Grenze Warnschilder noch aufstellen. „Vorsicht Biber, vom Baden wird abgeraten“ soll darauf stehen (…).” (Südkurier)

10
König am Rhein
“Der Wachtelkönig ist kaum zu entdecken, aber dafür um so besser zu hören. In der Emmericher Ward gibt diesen Vogel.
Eine der wohl bemerkenswertesten Arten der Emmericher Ward ist der Wachtelkönig. Auch wir Biologen der Nabu-Naturschutzstation Niederrhein, die das Gebiet naturschutzfachlich betreuen, bekommen ihn nur selten zu sehen. Wenn, dann hört man ihn eher. Er hat ein bräunliches Gefieder und ist etwa so groß wie eine Wachtel. Zudem lebt er versteckt dort, wo die Vegetation sehr dicht und hoch ist. Darin ist er kaum zu entdecken, selbst wenn man genau neben einem Wachtelkönig steht. Darum achten wir auf seine Balz- und Paarungsrufe. Der Wachtelkönig ruft in der Nacht – und ist dann nicht zu überhören. Seine Rufe – ein rhythmisches, schnarrendes Knarren – sind unverwechselbar und auch von weitem zu hören. Bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts konnten noch bis zu vier Brutpaare des Wachtelkönigs in unserem Betreuungsgebiet in Fachsprache „verhört“ werden. Auch wenn die Rheinaue Emmericher Ward mit ihren großflächig extensiven Überflutungswiesen und -weiden bis heute ein Rückzugsgebiet für den gefährdeten Vogel bietet, ist es heute selten mehr als ein Paar.” (NRZ)

11
Rheintote
“Leichenfund am Rhein in Leverkusen! (…) Am Pfingstsonntag meldete sich ein Angler, der den leblosen Körper im Fluss entdeckt hatte, bei der Feuerwehr. Sofort machten sich die Rettungskräfte auf den Weg und zogen die männliche Leiche ans Ufer. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod des Unbekannten feststellen. Die Identität des Mannes war zunächst unklar – ebenso, wie er ums Leben kam. Die Kölner Polizei hat die Ermittlungen übernommen.” (Express)

“Auf dem Rhein in Hessen ist ein Kajakfahrer während eines Gewitters von einem Blitz erschlagen worden. Der Mann wurde am Samstag kopfüber im Wasser treibend bei Lorch aufgefunden, wie die Wasserschutzpolizei (…) in Rüdesheim mitteilte. Der Blitz war der Polizei zufolge direkt in seinen Körper eingeschlagen.” (Stuttgarter Zeitung)

“Ein Mann (73) treibt bewusstlos mit seinem Segelyacht auf dem Rhein (…) bei Rheinkilometer 435. Als die Feuerwehr eintrifft, haben Helfer das Sportboot bereits im Schlepp eines weiteren Sportbootes. Doch der Mann liegt leblos an Deck. Die Feuerwehr versucht während der Schleppfahrt den Mann zu reanimieren, bis sie an der BASF-Anlegestelle ankommen. Dort wartet bereits ein Notarzt der BASF. Der Einsatz wird dabei von der Wasserschutzpolizei Ludwigshafen begleitet. (…) Leider stirbt der 73-jährige Mann trotz aller Reanimationsversuche um 20 Uhr im Krankenhaus. Er hat offenbar einen Herzinfarkt erlitten (…). Die genaue Todesursache ist Gegenstand eines Todesermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Frankenthal und der Kriminalpolizei Ludwigshafen.” (Heidelberg24)

“Passanten haben (…) im Rhein bei Köln-Niehl eine Leiche im Wasser treiben sehen. Dabei handelt es sich sehr wahrscheinlich um den (…) vermissten 16-jährigen Flüchtling. Der junge Mann war (…) in Rodenkirchen zum Schwimmen in den Rhein gegangen und abgetrieben. Nach Angaben der Polizei ist die Identifikation des Toten noch nicht zu 100 Prozent abgeschlossen, allerdings habe der Tote eine dunkle Hautfarbe, wie der aus Guinea stammende 16-jährige Flüchtling. Sein Begleiter sagte (…), dass der Jugendliche nicht schwimmen konnte, aber trotzdem ins Wasser gegangen sei.” (WDR)

Düssel

düssel_2Die Düssel, ein kleiner Fluß, der einer für Deutschland verhältnismäßig großen Stadt ihren Namen verlieh, als diese noch als Dorf an einem großen Fluß, dem Rhein, heranwuchs. “Der Name Düssel geht wahrscheinlich auf das germanische thusila zurück und bedeutet „brausen, rauschen, tosen“, althochdeutsch doson. Um 1065 wird der Bach als Tussale (die Brausende, Rauschende, Tosende) bezeichnet”, vermutet bzw. weiß Wikipedia. Die beschriebenen Eigenschaften lassen sich anhand des Fotos von Rainer Vogel, das einen Düsselabschnitt auf Höhe des Unterbacher Sees widergibt, im Ansatz vorstellen. Grundsätzlich wäre der Name Düssel, nicht zuletzt ob seines Tremas, bestens geeignet für eine überseeische Metal-Band mit Hang zu Germanismen. Der internationale Musikjournalismus könnte sich mit dem etymologischen Spannungsfeld zwischen Dussel und, sagen wir, Rüssel oder Schüssel/Schussel, auseinandersetzen, immer in Hinblick auf urdeutsche Kulte. Und würde in diesem Zusammenhang womöglich auf die in Vergessenheit geratene rheinische Lightspeed-White Noise-Band Schweinebraten stoßen. Doch so weit ist es nicht und also entwässert die Düssel bis auf diese Minute, fleißig und offiziell weitgehend unbeachtet wie vier graugesichtige Kommissionierer in den Henkel-Fabrikhallen, über ihre Düsseldorfer Deltaarme in den Rhein.

gnogongo

Auf seinem Blog gnogongo dokumentiert Richard Gleim seit 2008 in Fotos und kurzen Texten die Stadt Düsseldorf. Bekannt wurde Richard Gleim als Fotograf der Düsseldorfer Punkszene Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre. Sein Archiv aus diesen Tagen umfaßt 20000 Bilder, darunter viele Konzertfotos aus lokalen Clubs wie dem Ratinger Hof oder dem Neusser Okie Dokie mit Düsseldorfer (Die Krupps, Der Plan, DAF etc) und auswärtigen (Einstürzende Neubauten, Throbbing Gristle, Johnny Thunders etc) Musikern und Bands. Im Gegensatz zu den alten Bildern mit Bühnen- und Publikumsszenen in Schwarzweiß, stehen bei Gleims

gleim_budoka auf rädern

jüngeren Aufnahmen seltener Menschen im Mittelpunkt, etwa dieser junge Budoka auf Rädern. Serienweise fällt der Blick auf rheinische Backsteinfassaden, kuriose Hinterhofecken, frühmorgendliche Straßenkreuzungen, Baustellen und die innerstädtische Botanik entlang der Düssel. Eine Serie widmet sich Büdchen und

gleim_heidis eck

Trinkhallen, wie hier Heidi’s Eck, deren Schaufensterauslage ein Traumleben in Aussicht stellt. Düsseldorfs von den Stadtoberen gern propagierter Hochglanz ist auf Gleims Bildern praktisch nicht zu entdecken. Der Chronist widmet sich überwiegend dem Unspektakulären, Normalen, Leichtzuübersehenden, das bisweilen über sich hinauszuwachsen scheint:

gleim_niedrigwasser 2003 ddorf_kl

Was aussieht wie ein Naturwunder-Kratersee in terrassierter Salzwüste ist eine Düsseldorfer Rheinpfütze während des Niedrigwassers im Jahr 2003

(Alle Bilder: Richard Gleim. rheinsein dankt!)

In Nähe der südlichen Düssel

Ein Bäcker seit 1632,
in Düsseldorf seit 1889,
unweit der Ecke Suitbertus- und Brunnenstraße.
Dem (örtlich) schräg gegenüber:
ein sich Backkönig nennendes Ladenlokal,
ausweislich dessen Beschilderung es heißt: „wir backen, du König.“

Süß, wenn auch weniger lecker
riecht’s um die Ecke aus der Fabrik
in der Fruchtstraße.
Karton & Papier Rohstoff seit 1886.

Von St. Suitbert klingt die Mittagsglocke.
Zwischen den Aluminiumsilos der Fabrik
steigt Rauch auf.

Optimistisch, weiterhin, werden Opel und GM
vertrieben, in einem Autohaus mit Werkstatt in der Buysstraße.
Älterer Verkäufer, Silberfuchs,
und ein ganz junger mit dunklem Haar.

Unweit des Autohandels und der Papierfabrik
kann sich eine Eckkneipe halten, aus der es auch mittags leuchtet.
Nach Schichtende hat man dort Geld und Muße.
Das Zone-30-Schild bemoost.

Von der Ecke Karolinger- und Merowingerstr.
blickt man auf Abbruchgelände.
Ebenso wie vor Ewigkeiten diese Dynastien verschwand
kürzlich auch das zuletzt leerstehende Firmenareal
von Auto Becker, einer Firmengründung der Wirtschaftswunderzeit.
Begriffe wie Autos aus zweiter Hand, vor allem auch Luxusvertrieb von Ferrari
sind in Erinnerung.

Am Düsselufer;
Gebrauchte Fahrräder in großer Zahl,
mit schweren Sicherheitsschlössern am Geländer gesichert.
Gebräuchlichstes Individualfortbewegungsmittel der Gegenwart.

Höhe Bachstraße ein blauer Pontiac Strato Chief.
Viertürig mit Rechtssteuer (seinerzeit vermutlich für den australischen Markt).
Voluminös brummendes Motorröhren, Spritgeruch duftnostalgisch.
Schöner Wagen. Ein solitärer Veteran.
Vielleicht auch besser so. Würden mehr von seiner Sorte herumfahren,
wäre die Luftbelastung stärker und die Kriege um Öl noch härter.

Bleisatz im Fenster einer Druckerei
zeigt, von rechts nach links, deren Bestehen seit 1924 an.
Derweil arbeitet der Inhaber per Mausklick am Flachbildschirm.
Bach- Ecke Martinstraße:
Die genau hundert Jahre nach ihrer Begründung 1843
im Jahr 1943 durch Fliegerbomben zerstörte Bilker Sternwarte
hinterließ in ihren Trümmern den Rest des großen Fernrohrs,
das samt Sockel 1952 als Denkmal aufgestellt wurde,
mit Blickrichtung auf den goldenen Wetterhahn, Turmzierde von
Alt St. Martin, der wohl ältesten Kirche Düsseldorfs,
auf karolingischem Fundament erbaut, welches um 700 datiert.
Der Wetterhahn blickt stolz ins Land und
wenn überhaupt, dann mit gönnendem Wohlwollen
auf die beiden thailändischen Köche,
die an der rückwärtigen Gebäudeseite des ehemaligen Deutzer Hofes
an der Tür zu ihrer Küche rauchend Kaffeepause machen.

Als unauffälliger Passant wird man öfters angelächelt,
freundlich und einfach so,
natürliches rheinisches Laissez Faire.

Von der Benzenbergstraße Höhe Bilker Allee
in Blickrichtung Neusser Straße
wirken die hohen stolzen Gründerzeitgebäude
wie winzige Häuschen
vor dem Hintergrund der in den Himmel ragenden
Chrom- und Glashochhäuser

Doch wer von jenseits, vom Fürstenwall her
nach hier herüberblickt,
erkennt die Bilker Kirche mit ihren Flügeln zu beiden Seiten
wie einen imposanten Vogel,
der sich schützend vor das Viertel stellt.
Gleichwohl einladend.

(Ein Gastbeitrag von GrIngo Lahr. rheinsein dankt!)

De Rijn: een tochtje naar de hoofdstad

Amsterdam, waterrijke stad, deels gebouwd op hout uit het Schwarzwald, is rijkelijk voorzien van bruggen. Maar de stad met de meeste bruggen van Europa ligt aan de rivier waarover dat hout naar hier kwam: de Rijn.
Bruggen kun je opvatten als metafoor: voor de rol van mythen, geschiedenis, cultuur, als constructies van menselijke betekenissen, terwijl het stuk natuur zijn gang gaat. Daarom houd ik hier aan de hand van een paar Rijnbruggen, begeleid door eigen foto’s, een vertelling over de Rijn als mythe in het heden, vervlochten met politiek en toerisme, voort stromend naar de toekomst.

Toegegeven, voor het meest mythische deel van de Rijn is dat niet de meest geëigende aanpak: tussen Mainz en Koblenz heb je er, afgezien van de bijbehorende stadsbruggen, helemaal geen. Maar dat betekent niet, dat dat oord van zwelgende romantiek, tussen zijn steile bergwanden met wijngaarden, probleemloos op zijn plek ligt. Het valt niet op, als je er doorheen treint. Er zijn echter steeds meer mensen die het helemaal niet fijn vinden, dat jij dat doet; die er niet van genieten, dat er vierentwintig uur per dag doorheen wordt getreind, niet alleen door mensen, maar vooral ook door goederen. De Betuwelijn draagt in ernstige mate bij aan de inmiddels continue overlast in het dal van de Mittelrhein, waar het geluid zo heerlijk hangen blijft. Menigeen in die smalle stadjes hoopt diep in zijn hart, dat de schone maagd op de Loreley de treinmachinisten dermate betovert, dat die stomweg oplossen in de woeste baren van het brede water. Of, variërend op Heine’s Loreley-gedicht, waarbij het minstens goed is om te weten, dat ‘Schaffner’ het Duitse woord voor ‘conducteur’ is:

Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schaffner und Bahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lore-Ley getan.

Daar gaat het niet van komen. Zo kun je slechts actie voeren – en dat gebeurt, onophoudelijk, maar met weinig kans op succes: de Rijn als oord van voort tuffende scheepvaart is voor de snelle wereld te langzaam. Het leidt tot de bittere ironie, dat het als ecologisch meest verantwoord beschouwde vervoersmiddel, de trein, die oude plaatselijke idylle van samenleven tussen mens en natuur almaar verder ondergraaft. En de mensen kunnen niet weg: zij raken hun huis aan de spoorbielzen niet kwijt. Ze zitten gevangen in een idylle, die je enkel toeristen toewenst. Maar ook die hebben, met al die herrie op de hotelkamer, er steeds minder trek in.

Ze tijgen misschien noordelijker, zoals wij, naar zes, welbeschouwd: zeven, bruggen, in drie staten van voltooiing. We treffen als eerste een bouwwerk dat heel wat van die treinen naar het Rijndal ziet passeren.
Tegelijkertijd werpt zijn naam een gestrenge schaduw over het imago van het Rijnland als oord van gemoedelijkheid en lossere levensstijl: de Keulse Hohenzollernbrücke.
De naam verwijst naar die ene dynastie die het keurvorstendom Brandenburg opstootte in de vaart der volkeren, om dan als koninkrijk Pruisen vanaf 1871 de Duitse keizer te leveren. De eerste van hen, Willem I, ziet u links te paard.
De oude vrije rijksstad Keulen, in 1815 na een Frans intermezzo toegevallen aan Pruisen, werd rap tot vesting omgebouwd, vanuit de gedachte dat het Rijnland ‘de eerste beschermingswal voor de Duitse vrijheid en onafhankelijkheid’ vormde. Dat kreeg eens te meer vorm, zodra de Hohenzollern de keizerstroon bekleedden, en Duitsland, onder rijkskanselier Bismarck, voor het eerst in de geschiedenis tot een staatkundige eenheid werd omgesmeed. Het was de tijd waarin het lied ‘Die Wacht am Rhein’ hoogtij vierde, met zijn roemruchte regel ‘Lieb Vaterland, magst ruhig sein’. Het bolwerk Keulen moest in hoge mate tot die zielenrust bijdragen. En om juist daar de grootsheid van de Duitse cultuur te beklemtonen, werd eindelijk die enorme, onvoltooide gotische kerk afgebouwd, de welbekende Dom, pal aan brug en Hauptbahnhof gelegen.
De komst der Pruisen bracht Keulen een gestrengere mentaliteit dan men er gewoon was. De al sinds jaar en dag bestaande uitlaatklep, geheten carnaval, greep eens te meer om zich heen, aanvankelijk via het uitdagend dragen van Franse uniforms. De Pruisen deden alles om het carnaval te reguleren, maar de bijbehorende vrijheidszin liet zich niet zomaar beteugelen: ze waaierde uit over het Rijnland. Diezelfde wieg van het Rijnlandse carnaval groeide na de Tweede Wereldoorlog uit tot een van de meest liberale steden van Duitsland, zeker ook op cultureel gebied. Al heeft Keulen op dat punt door de opkomst van Berlijn aan betekenis ingeboet, de statusverandering van militair bolwerk naar levendig oord van samenkomst uit zich tegenwoordig minstens nog aan de Hohenzollernbrücke. De hekken tussen spoor en fietsgedeelte worden opgesierd door vrijelijk op te hangen liefdessloten: fietssloten, waarmee paartjes hun verbondenheid uitdrukken.

Zulke staalharde gevoelswarmte geldt in Keulen niet per se voor die andere stad in het Rijnland, waarvan de twee voornaamste, identieke, Rijnbruggen tegenwoordig heel Noordrijn-Westfalen representeren, door hun dagelijks verschijnen in het decor van het WDR-nieuwsmagazine Aktuelle Stunde. Een ervan ziet u hier, gefotografeerd vanonder de ander:
03_rijnbruggende Rheinkniebrücke van Düsseldorf, de Verbotene Stadt, zoals Keulen en Düsseldorf elkaar noemen. Dat gekibbel vindt zijn oorsprong in een van de verkeersknooppunten te Düsseldorf: de Worringer Platz. Worringen was een vlek ter plekke van het plein, waar in 1288 een boerenleger onder graaf Adolf von Berg de Keulse bisschop versloeg, met als resultaat dat het nabije gehucht aan het beekje de Düssel stadsrechten verwierf. Sindsdien is het nooit meer goed gekomen tussen het aloude Keulen en het omhooggevallen dorp, dat bovendien pas rond 1700 wat voor te stellen begon: keurvorst Johann Wilhelm II von Jülich-Berg, op zijn Düsseldorfs Jan-Wellem, legde toen de grondslag voor het moderne Düsseldorf, zowel economisch als cultureel. Ook het voornaamste stadspark, de Hofgarten, is aan hem te danken. Het legde de basis voor de negentiende-eeuwse uitbouw als ‘Gartenstadt’, terwijl de stad ook anderszins zijn vleugels uitsloeg, op een wijze die zich de huidige bezoeker niet eens kan voorstellen.
Die weerklinkt ook niet direct in het ene stuk muziek, dat Keulen en Düsseldorf met elkaar verbindt: de Derde Symfonie van Robert Schumann, bijgenaamd de Rheinische. Schumann schreef zijn stuk in 1851, juist aangesteld als stedelijk muziekdirecteur te Düsseldorf. Inspiratiebron vormde de op dat moment nog niet voltooide Dom van Keulen. De daaraan ontleende sfeer van goedmoedige levensvreugde, ondanks de duistere momenten uit het derde en vierde deel, verleende de symfonie zijn bijnaam. Maar al snel werd Düsseldorf ook de stad van duistere momenten, van vierentwintiguurs-arbeid, met name in de staalindustrie. Ze zijn nagenoeg allemaal weg, maar ooit stond Düsseldorf vol met fabrieken, en daar werkten mensen uit allerlei streken, tegen karig loon, in weinig florissante behuizing. Waar Düsseldorf van de ene kant de stad was van de burgerij, het hogere kader, de fabrieksdirecties, de culturele sector, was ze van de andere kant ook sterk proletarisch. Nog altijd bestaat die scheidslijn: het noorden is het deel met de meeste toeristische aandacht, het deel van de Rijnpromenade met zijn terrassen en Lufthansa-reclamevlaggen, met de moderne architectuur van de Medienhafen, met de Altstadt, die zich op de borst klopt de langste kroegtoog ter wereld te zijn, met zijn musea en galeries en zijn altijd wat sjieke gemoedelijkheid, alsook de ietwat prijzige Königsallee.
Het zuiden is gemiddeld armer: het begint pal achter Hauptbahnhof, met de wijk Oberbilk. Ga van het welgestelde Oberkassel, aan de overkant van de Rijn, naar Oberbilk, en je hoeft maar naar de gevels te kijken om het verschil te zien. Het oude communistische en anarchistische bolwerk Oberbilk, oord van de bloedig neergeslagen Spartacus-opstand van 1919, dan gepaaid met volkstuinen en een centrale drankenkiosk, maakte later mee, dat de geallieerde bommenwerpers de fabrieken spaarden, de huizen echter aan flarden schoten. In de jaren nadien was het ach zo gemoedelijk Rheinische stadsbestuur uitermate laks met de wederopbouw van die wijk vol minder prestigieuze vreemdelingen. Pas de laatste jaren wordt de schade ingehaald, al zal het moderne gerechtsgebouw op de plek van de als laatste buiten werking gestelde staalfabriek niet meteen het gevleugelde gezegde van oude Oberbilkers tenietdoen: ‘In Düsseldorf war ich schon lange nicht mehr.’

Dertig kilometer noordelijk is het probleem van uitgewiste industrie nog wat radicaler: in Duisburg, de stad met de meeste bruggen van Europa, een goede 700. Een ervan is kapot, maar dat komt niet door de Tweede Wereldoorlog.
04_rijnbruggen Het oude bruggenhoofd, met zijn burchtachtige uitstraling, werd pas echt toonbeeld van vooruitgang, toen het van zijn spoorbrug werd ontdaan, die vanaf 1873 de huidige wijken Rheinhausen en Hochfeld met elkaar verbond. In Rheinhausen, ginds aan de linkeroever, stichtte ietwat later de familie Krupp het Hüttenwerk Rheinhausen, binnen de kortste keren het grootste hoogovens-complex van Europa, gelijk opgaand met de razende ontwikkeling van Duisburg als geheel. Al snel voldeed de brug niet meer, waarop ze in 1927 werd vervangen door die ernaast, al is dit de derde versie, in 1949 aaneengelast op basis van restanten van de eersteling, zelf in 1945 opgeblazen door de zich terugtrekkende Duitse troepen. Het provisorische karakter ontgaat je niet, als je het bijbehorende fietspad neemt. Reis je er dan met de trein overheen, ben je er wat minder gerust op.
Al geldt die slechte staat voor een op de zeven Duitse bruggen, ze tekent ook Duisburg. Lang was die grootste binnenhaven van Europa op het kruispunt van Rijn en Ruhr, een moloch van zware arbeid. Het Rheinische van de goedmoedige levensvreugde ging vooral op in ‘Maloche’, het Duitse woord dat treffend de vermoeienis van zijn betekenis uitdrukt: keihard ploeteren. Dat gold voor duizenden mensen uit verre streken, die soms met zijn vijven één bed moesten delen. En dat harde werken bleef maar doorgaan, ook na de verregaande destructie tijdens de Tweede Wereldoorlog en de wederopbouw: bij een extreem lage werkloosheid moesten steeds meer arbeiders van buiten worden aangesleept, primair vanuit Turkije.
Vanaf de jaren 1970 verloor de staalindustrie echter stilaan de concurrentie met opkomende Aziatische machten. Zo werd Rheinhausen in 1987 uitvalsbasis van een van de grootste arbeidersopstanden uit de geschiedenis, uit protest tegen de sluiting van de hoogovens. Die uiterste solidarisering tussen arbeiders van verschillende herkomst mocht niet baten: het Hüttenwerk ging ten einde. Nu rest enkel nog het oude receptiegebouw, ergens tussen containerterminals.
Duisburg is die teloorgang nog altijd niet te boven, ondanks alle pogingen tot ‘Strukturwandel.’ Waar ooit het bevolkingsaantal enkel steeg, loopt het nu drastisch terug: wijken vervallen, steeds minder belastinggeld stroomt binnen bij een stad die steeds verder rood staat. Tal van projecten om Duisburg te laten aansluiten op het Rijnland als oord van het goede leven, mislukken, al kan niets op tegen het debacle van de Love Parade met zijn eenentwintig doden in 2010, toen nieuw Rijnlands elan belangrijker was dan levensvatbaarheid.
In Duisburg is minstens één sector wel succesvol: de rosse buurt, de grootste van Europa. Een van de belangrijkste pandjesbazen daar is – vanwege Rheinhausen, waar die rosse buurt niet is – dit jaar in het nieuws geweest. Hij bezit daar een appartementencomplex uit de jaren 1960: niet meer tiptop, maar voor Roemeense, en zeker voor Bulgaarse Roma, een oord van ongekende luxe. Die nieuwe bewoners waren een tijdlang echter nog niet gewend aan vuilnisophaal – niet zo handig in Duitsland. De omwonenden niet blij met de rotzooi, demonstraties volgden, de pandjesbaas werd uitgemaakt voor uitbuiter (maar de vraag was enorm, het aanbod beperkt; had hij veertig mensen voor bodemprijzen in één appartement gestald, was het ook niet goed geweest), extreemrechts bemoeide zich ermee, waarop linkse activisten lukraak buurtbewoners in elkaar mepten.
Toen een groep bewoners het voor de nieuwe buren opnam, leek de Rheinische gedachte van de smeltkroes van culturen, gepaard aan de herinnering aan bittere tijden, dan toch de overhand te krijgen. Maar de sociaaldemocratische burgemeester en de politiewoordvoerder moesten zo nodig zeggen, dat ze die EU-burgers weg wilden hebben. Het rood-rood-groene stadsbestuur hielp nog een handje mee door de kwestie te reduceren tot een aangelegenheid van de politie, terwijl die vooral de nieuwelingen op criminele activiteiten had onderzocht: naar bleek, ten onrechte. De stigmatiserende law and order-variant van het Rijnlandse model, de sociaaldemocratische idee van overheidsinzet tot rechtvaardige maatschappelijke samenhang, kreeg zijn logische vervolg: nergens in Noordrijn-Westfalen verwierven bij de recente Bondsdagverkiezingen de drie extreemrechtse partijen zoveel aanhang. Die voelden zich afgelopen weekend voldoende gesterkt voor een nog veel uitgesprokener racistische demonstratie, toegejuicht door mensen uit de buurt. In een andere wijk werd de afgelopen dagen zelfs een huis met vier Roma-families in brand gestoken. De buurt schaarde zich echter meteen rond de slachtoffers.
Misschien biedt het oude bruggenhoofd in zijn nieuwe functie toch iets van hoop: aan zijn overkant is een uitgebreid observatiecomplex ingericht, inclusief speeltuin. Zodat men over de burchtachtige mentaliteit goed Rijnlands lachen kan.

Ook in het noordelijker Wesel moet je autoriteiten niet te serieus nemen:
05_rijnbruggenhet gevaarlijke spoorlijntje op de voorgrond, deel van de Rijnpromenade, leidt naar buiten bedrijf genomen industrie. De spoorbrug aan de overkant heeft evenzeer haar beste tijd gehad. Ze werd, evenals de brug te Duisburg, in 1945 door de Duitse troepen opgeblazen. Hier kwam het nooit tot eerherstel: de kosten wogen niet op tegen de te verwachten opbrengst. Gezien de geschiedenis was dat verstandig. Al vanaf haar ingebruikname in 1874 was ze een financieel blok aan het been. Ze maakte deel uit van een project om Hamburg met Parijs te verbinden, met Venlo als scharnier. Maar de aanleg van deze meest geavanceerde brug van haar tijd, was zo kostbaar dat van meet af aan een toeslag moest worden berekend, terwijl de streek tussen Wesel en Venlo niet draagkrachtig genoeg was.
Dat gebied aan de overzijde heet de Niederrhein: een wonderschone, maar onzekere streek, want niemand weet waar zij precies haar grenzen heeft. Vast staat, dat de streken rond Kleve en Geldern er deel van uitmaken, maar daar is alles mee gezegd. Volgens de een behoort Mönchengladbach in het zuiden er wel bij, volgens de ander niet, wat ook weer geldt voor het noordelijke Wesel. De onzekerheid wordt versterkt door de historische positie van de streek, als meest Nederlands stukje Duitsland, tot diep in de achttiende eeuw zelfs ‘Niederlande’ genoemd. De wisselwerking tussen oost en west zwakte pas af onder Bismarck, minstens door diens bestrijding van het plaatselijke dialect, een mengelmoes van Nederlands, Limburgs en Duits.
Het gevoel van uitzondering binnen Duitsland zit echter dieper. Vijf eeuwen lang hadden de Romeinen in hun belangrijke nederzetting Ulpa Traiana, dichtbij het huidige Xanten, hun eigen ‘Wacht am Rhein’ tegen de Germanen. Maar dat Ulpa Traiana nooit de positie van Keulen bereikte, hangt samen met de reden, waarom de Niederrheiners zich eerder negatief met de Rijn identificeren. In hun streek konden zich, even afgezien van het zuidelijke Moers, nooit havensteden ontwikkelen, vanwege de fluctuerende loop van het water. Dit lot trof Ulpa Traiana in de derde eeuw na Christus: de haven verzandde, toen de rivier een nieuwe bedding vond.
Zo identificeert zich de traditionele Niederrheiner eerder met de eigen directe omgeving dan met de Niederrhein als geheel, anders dan in menige andere Duitse streek het geval. Die onzekere identiteit raakt inmiddels wat nader omschreven, door de opkomst van het toerisme, wat tot grotere regionale trots leidt. En niet voor niets: de Niederrhein nodigt alleen al uit tot prachtige fietstochten. Maar dat toerisme geldt meer de oude stadjes met hun rijke geschiedenis dan het water; meer de weidse uiterwaarden en de dijken dan de Rijn zelf; meer een riviertje als de Niers dan de grote Rijn; meer het landschap met zijn lommerrijke, kronkelende openheid dan het schaduwloze kronkelen van de Rijn. Al met al is de Niederrhein de streek waar de Rijn als mislukte grensrivier het minste bestaat; waar de mythe langs de mensen afglijdt.

Het was allemaal heel anders gelopen, als de rivier er zo bij gelegen had.
Ja, dit is Rijnwater, maar niet de Rijn bij Arnhem. Het bruggetje waarvan hier de eerste taludsporen verschijnen, wordt aangelegd over het zogeheten Meertje, het stroompje, dat parallel aan de grote oude Nijmeegse Waalbrug is gelegen. Het is niet minder dan een brug van nieuw elan, rechtstreeks samenhangend met het elegante bouwwerk dat twee kilometer stroomafwaarts nu bijna voltooid is.
Met zijn tweeën maken ze deel uit van een project dat Nijmegen tot stad van de toekomst moet maken.
Wie in Nijmegen woont, hoeft maar naar de Waalkade te gaan om overweldigd te raken door de kracht van het water, zoals het zich onder de oude Waalbrug door slingert: een schouwspel van ootmoed en ontzag, daar waar de rivier voor een stuk relatief smal is. Door klimaatverandering dreigt zich dat natuurgeweld tot ongekende proporties te kunnen ontwikkelen. Zo wordt inmiddels gewerkt aan een project, waarbij een ontlastende nevengeul gegraven wordt, er aldus een eiland ontstaat. Tegelijkertijd moeten nevengeul en eiland het toerisme bevorderen.
De grote brug is binnen dat project bestemd om de verkeersstromen vanuit het nieuwe, grotendeels al voltooide Nijmegen-noord soepeler te laten verlopen. Maar wie serieus bedacht is op ecologische consequenties, zou er juist voor moeten zorgen dat in de eigen contreien vooral extra landbouwgrond beschikbaar komt, zodat we heel wat minder voedsel vanuit verder gelegen streken moeten laten aanrukken. In plaats daarvan is Nijmegen nu voorzien van een flink Vinex-complex, waar het even kan duren voor je bij het winkelcentrum belandt.
Het eerdere bruggetje moet het de toerist op zijn beurt makkelijker maken om direct vanaf de Waalkade langs de boorden van de Waal te wandelen. Anders zou hij, in de Vierdaagse-stad Nijmegen, een hele kilometer moeten omlopen. In de uiterwaarden komen dan nog heel wat meer plastic flessen terecht. En mede vanwege diezelfde hoop op toerisme komt ook almaar dichterbij de dag, waarop in het Valkhof-park, met zijn weidse uitzicht, een imitatie-donjon zal verrijzen, die in zijn magere up moet herinneren aan de immense burcht die er ooit stond, zinnebeeld van Rijnlandse grootsheid.
Om het bijbehorende optimisme te beklemtonen, heeft men op de spoorbrug een Nescio-citaat gepoot. Logisch zou zijn: ‘‘Op een zomermorgen om half vijf, toen de zon prachtig opkwam, is hij van de Waalbrug gestapt.’’ Dat kun je een toerist niet aandoen. Zo staat er nu: ‘Zij staarde in de Waal. Mooi hè? Toen leunde ze haar bovenlijf uit ‘t raampje en keek naar Nijmegen, dat daar lag op de heuvels aan de rivier, zoo on-Hollandsch, zwak romantisch, […].’ Et cetera, maar die romantiek staat wat haaks op het rondom gerealiseerde inzicht, dat klimaatverandering de grootsheid van de Rijn tot een gevaar kan maken. Immers: als het IPCC gelijk heeft met de voorspelling, dat we in het slechtste geval in het jaar 2100 een temperatuurstijging van 4,80 C tegemoet kunnen zien, dan leven sommige kinderen van nu tegen die tijd in een wereld zonder besneeuwde Alpentoppen. In de winter komt al hun regenwater vrolijk deze kant op; in de zomer is er misschien nauwelijks water. De Nijmeegse pleziervaart zou een heel seizoensgebonden onderneming kunnen worden; de Rijn als constante stroom eens te meer een mythe.
Wat ook kan, is dat de recente, nauwelijks besproken waarschuwing van verzekeringsgigant Swiss Re bewaarheid wordt, en wel, dat in het jaar 2100 de Randstad onder water staat. Dan biedt onze oude Middeleeuwse hoofdstad Nijmegen vanuit zijn hippe donjon uitzicht over de Baai van Arnhem, en is de benedenstroomse Rijn voorgoed een mythe, samen met de Betuwelijn.

(Ein Gastbeitrag von Lucas Hüsgen. rheinsein dankt! Mehr über den niederländischen Autor und Übersetzer gibt es auf seiner Homepage. Dort zu finden ist auch der hier präsentierte Text, erweitert um einige Anmerkungen zum Schicksal der Roma in Duisburg.)

Victor Tissot über Düsseldorf, Heinrich Heine und Herrn Kinz

Si Cologne est la métropole du pays rhénan, une capitale un peu sombre et un peu triste avec ses vieilles rues gothiques, Dusseldorf est la ville aimable et gracieuse, la ville artiste par excellence, le Paris de l’art en Allemagne.

Les peintres de Dusseldorf ont fait d’aussi bonnes affaires que les peintres de l’avenue de Villiers ils exportent dans les deux Amériques, et tout chevalier de la palette de quelque renom possède aujourd’hui son hôtel à pignon bariolé.

Plus avancée même que celle de Paris, l‘Association des artistes de Dusseldorf est depuis 1842 dans ses meubles, et quels meubles! Un palais princier, un monument qui n’a pas son égal. Ce n’était qu’un modeste pavillon il y a une quarantaine d’années, au milieu d’un terrain immense situé aux extrémités de la ville, où la Dussel promenait sous les arbres ses eaux paresseuses.

(…)

Henri Heine, le plus français des Allemands, naquit à Dusseldorf.

On a mis une toute petite plaque sur la façade de la maison paternelle du grand poète, qui appartient aujourd’hui à un boucher, M. Kinz. (Ob “Herr Kinz” eine Kunstfigur vorstellt, die für Tissot die Versingularisierung von Hinz und Kunz repräsentieren soll, konnte noch nicht geklärt werden; Anm.: rheinsein)

Ce boucher est un lettré, et sa femme, quand elle n’inscrit pas sur ses livres les côtelettes, les biftecks et les aloyaux vendus, est plongée dans la lecture de quelque ouvrage de Heine.

C’est elle qui fait habituellement les honneurs dela maison aux admirateurs de son poète de prédilection.

Les visiteurs sont toujours les bienvenus, les époux Kinz sont heureux de trouver là une occasion toute naturelle de montrer leurs prédilections littéraires.

- Ah ! monsieur, s’écria M. Kinz, en m’arrêtant en bas de l’escalier, voyez-vous, ce qui doit arriver arrive. Voila vingt ans que je me suis dit que j’aurais la maison de Heine; j’ai fini par l’avoir.

J’aime les poètes et les philosophes, je les mets bien au-dessus des peintres et des artistes car, vous et moi, monsieur, nous pourrions aisément, en nous appliquant bien, peindre un tableau ou faire une statue, mais jamais nous n’arriverons à écrire un beau livre ni à formuler des pensées profondes, si nous n’avons pas l’inspiration. Henri Heine l’avait! Inclinons-nous devant son génie.

Voilà vingt ans, comme je vous l’ai dit, que l’idée d’avoir cette maison me tourmentait. L’autre jour, Mme Friedlander, l’ancienne propriétaire, me fit appeler et me dit: “Kinz, avez-vous toujours l’intention d’acheter la maison de Heine? – Si j’en ai l’intention, madame, mais c’est une envie folle!”

“Et nous voilà tombant aussitôt d’accord sur le prix, courant chez le notaire, dressant l’acte séance tenante, de sorte que le soir même, en soupant, je dis à ma femme que nous allions déménager. D’abord elle fit la grimace, nous venions d’acheter la maison que nous habitions mais lorsqu’elle sut qu’il s agissait de la maison de Henri Heine, elle fut toute joyeuse. Tenez, voici la porte brune dont parle le poète et sur laquelle sa mère lui apprenait à écrire les lettres avec la craie. “Si je suis devenu écrivain, dit Henri Heine, dans le Tambour Legrand, cela a coûté assez de peine à ma mère!” Et cependant la brave femme n’avait pas la main légère; Henri était un enfant terrible, la seule chose qui l’empêchait de jouer quelque méchant tour aux voisins, c’était la crainte d’être fouetté.”

Pendant ce discours, nous étions montés jusqu’au premier étage.

Ici, nouvelle allocution émue :

- Tenez, Monsieur, la pièce où nous sommes servait de chambre d’étude au poète. Voyez cette petite armoire dont l’intérieur est divisé en compartiments, c’est Heine qui l’a rangée ainsi pour y serrer ses livres, ses cahiers, ses jouets; il avait dix ans alors et quel esprit d’ordre il n’a rien oublié, pas même une petite cachette pour ses économies… La voici !…

La religion juive était suivie à la lettre dans la maison, Henri avait un respect tout particulier pour le jour du sabbat, qui est un jour de repos.

Un samedi toute la rue est en émoi, le feu s’est déclaré chez un voisin, les pompes arrivent, tout le monde fait la chaîne. Notre poète, qui est parmi les curieux; répond, quand on lui présente un seau. “Je n’y toucherai pas, c’est le jour du sabbat..”

Cependant il savait comment s’y prendre pour éluder la loi. Il raconte que ses amis et lui étant allés se promener, arrivèrent devant de belles grappes de raisin qui pendaient sur la route lui s’élança sur la treille et mordit les raisins à belles dents, les uns après les autres.

“Que fais-tu là? lui crièrent ses camarades, c’est aujourd’hui le jour du sabbat!

- Mais je ne fais pas de mal, riposta Henri; si le Talmud me défend de prendre quoi que ce soit avec les mains, il ne m’interdit ni de mordre ni de manger!”

Un bureau de placement est installé aujourd’hui dans la partie de la maison qui servait de comptoir à M. Heine, le père du poète qui, de marchand de grains, s’était fait négociant en draps de Lyon. (…)

(aus: Victor Tissot, De Paris à Berlin : mes vacances en Allemagne (1886))

Experimentelles Rheinradeln

Aus den Augen lauernder Hornschafe, die an den Düsselschnellen weideten, entronnen, ausgelaufen, Fahrt aufgenommen: die Blicke streiften Brombeerhecken, gelbe (sowie als Zwetschgen getarnte) Mirabellen, schwarze Holderbeeren, rispenweise schlaff in die Luft getunkt; so fuhren wir ein Rennen gegen den Straßenverlauf, der jedoch im Vorteil war, da er jederzeit durch seine eigenen Schlaglöcher abtauchen (und wieder auftauchen) konnte. Als wir auf Höhe der Waschmittelwerke zum Fluß durchbrachen, hatten wir bereits die Sonne verloren. Zur Sicherheit trugen wir eine weitere als 50 Cent-Münze auf dem Herzen: ein allzeitbereites Ja/Nein-Orakel von symbolischer Rundheit und mit angemessenem Nennwert. Rechts und links der Straße standen schwammbewachsene Pappelruinen und gaben exotisch wirkende Skulpturen zwischen Berlepsch, Berlepsch, Berlepsch. Die Fähre nach Zons konnte im Zeitraffer aufgefädelt werden, dh, an einen Faden gelegt, mithilfe dessen (und mittels einigen Geschicks) sie sich in irrem Tempo abspulen ließ. Dutzende Male ließen wir das Gefährt hin- und herswitchen, bis ein kolossales Dieselroß unter Schnauben und Gasen das Spiel beendete. Wir setzten über, riefen den Regen herbei, Höhe Rheinfeld bereits traf er ein. Erst tröpfelte er, entschloß sich dann zu sprühen, am Schluß formierte er sich zu hochwirksamen Güssen. Das Wasser stieg, das Radeln bekam Nuancen von Schwerelosigkeit, auf dem patxaranfarbenen Fluß krochen schneckengleich die Tanker. Kaninchenfische kamen uns schwarmweise entgegen, zwischen ihren Vorderzähnen formten sie niedliche Luftblasen, das langgezogene I eines Bussardhechtes schwang über die Algenwiesen. Unter Wasser schien es weiter zu regnen. Die Natur verlangte nach expliziter Darstellung. Um die von Wogenwürfen exzentrisch verzerrte Mülldeponie wuchsen und wucherten sie: Wolliges Honiggras, Weiches Honiggras, Stinkender Storchenschnabel, Gemeiner Reittierschnabel, Acker-Vergißmeinnicht, Hügel-Vergißmeinnicht, Kleinblättrige Nachtkerze, Geharnischtes Ferkelkraut, Volltrauerblume, Echtes Labkraut, Wiesen-Storchenschnabel, Mauer-Fellmutterblume, Mittlerer Wegerich, Marxistischer Wegerich, Schmalblättriger Wegerich, Einjähriges Rispengras, Schmierenhafer, Wiesen-Rispengras, Espe/Zitterpappel (zitterte! zitterte!), Schwermütiges Weidenröschen, Kriechendes Fingerkraut, Vogelkirsche, Schielter, Späte spröde Traubenkirsche, Apfel-Rose, Geteilter Wahn, Gelber Wahn, Mauerwahn, Fischmiere, Faultraum, Gewöhnliches Pfaffenhütchen, Liguster, Echte Kamille, Fleischweide, Rote Heckenkirsche, Feld-Heimhimse, Weiße Lichtnelke, Wald-Nabelmiere, Kleines Habichtskraut, Witwenblume, Schäfchenriegel, Schafschwingel, Zypressen-Wolfsmilch, Gesamtheitlicher Natternkopf, Kugel-Distel, Dreierlei, Kleine Wetterblume, Feld-Ahorn, Schafgarbe, Berg-Ahorn, Gewöhnliche Ochsenzunge, Wohlriechendes Fluchtgrün, Acker-Schafknöttel, Kopf-Binse, Kleine Wasserlinse, Geißfuß/Giersch, Rotes Straußgras, Gemeine Quecke, Schwarz-Erle, Gewöhnliche Felsenbirne, Quendelblättriges Sandkraut, Acker-Schmalwand, Wiesenkerbel, Dreizahn, Knoblauchs-Rauke, Weinbergs-Lauch, Heilige Birke, Weiche Trespe, Taube Trespe, Schwarz-Nessel, Wiesenflockenblume, Hain-Buche, Kanadischer Katzenschweif (schweifte! schweifte!), Sand-Hornkraut, Gemeiner Rheinfarn, Schlehe, Haselnuß, Ergriffener Weißdorn, Weißer Hartriegel, Roter Hartriegel, Fingierter Hartriegel, Männlicher Wurmfarn, Gewebter Dornfarn, Sal-Weide, Wünschel-Weide, Korb-Weide, Bruch-Weide, Purpur-Weide, Wasser-Schwertlilie, Kleiner Sauerampfer, Häschenmoos, Kriechender Hahnenfuß, Niederfliegendes Marderkraut, Kleiner Vogelfluß, Klebriges Labkraut, Wegwarte, Sicherheitsriegel, Knabenbinse, Stumpfblättriger Ampfer, Geschlingelte Schmiele, Gemeiner Heutropfen, Zaungiersch, Kraftbeere, Weiße Taubnessel, Große Brennessel, Springkraut, Geflügeltes Johanniskraut: Flora der Heimat! Der Wassergeruch, getüncht mit Blütengrüßen, vermittelte Gefahr, als ein heißer Strahl flüssiger Elektrizität aus den Wolken herabschoß: der eigentlich stabile Rahmen unseres Rades zerschmolz getroffen innert eines Lidschlags zu einem Klumpen mit überraschenden Rundungen. Donner grollte wie Möpse atmen. Es kam jetzt noch dicker. Irgendwer hatte weitflächig den Himmel eingeschwärzt. Die Leuchttiere waren in Deckung gegangen, aber das Gewitter lockte ungeheure Insekten hervor, Würmer mit Flügeln, Flossen und Stacheln und diese Viecher suchten den Dialog. Wir gingen tief in uns, so tief, daß niemand uns mehr folgen konnte. Höhe Merkenich traten wir triefend wieder hervor: die Feuerwehr war gerade dabei, die Keller leerzupumpen.

Gruß aus Düsseldorf

Gruss-aus-Duesseldorf

“Solang der Rhing no Holland flüsst, / Die Düssel sich en der Rhing ergüsst, / Steht Düsseldorf an eschte Stell / Als Radschlägerstadt on Mostertquell.”

Rhein, Düssel, Wahn und Tod: die Persilfrau?

Äußerst rheinbasiert geht es zu in Bernhard Mollers „Historicvm Pro Illvstrissimi Principis“ (Ac Domini, D. Ioannis Guilhelmi Iuliae, Cliuiae Montiumq. Ducis, Marchiae et Rauensburgi Comitis, Domini in Rauenstein, etc. nec non Illvstrissimae Principis Ac Dominae, D. Iacobae Marchionissae Badensis, Comitissae Spanheimen: etc. Ad XVI. mensis Iunii Anno 1585. celebratis nuptiis), seinerzeit verlegt zu Dußeldorpiij – das von der Bayerischen Staatsbiliothek lobenswerterweise digitalisiert und für wissenschaftliche Zwecke zum pdf-Download bereitgestellt wurde. Eine Übertragung ins Deutsche konnte ich bisher nicht finden, der Text deutet, soweit überflogen, auf ein bisher weitgehend übersehenes Zeugnis der Rheinliteratur mit folgendem Beginn:

Rhene Gothardino descendens vertice prodi:
En iterum nostro placidus succure labori.
Tu quoq. Cambyses, Tragico iam carmine plenus,
Nec tamen ad finem laetus ponare seorsim:
Post paucos repetende dies. Non praelia dicam,
Quae contra Dominos populosa rebellio mouit,
Vel Dominos inter disceßio legibus vrsit.
Secretae ferro redeant ad foedera gentes.
Pax animos religet: pax arma releget ad Indos,
Ad Turcas, dederant nondum qui nomina Christo.
(…)

Ein literarischer Kavalierstart in prämotorisierten Zeiten, möchte ich meinen. Nun ja. Räume und Zeiten durchwirken sich, und nehmen sich somit auch vorweg. Götter haben mit ihren Zehennägeln Flußrinnen in die, auf ihren langen Reisen durchs Universum als Jausenstation vorgefundene, Erde geritzt, dann nachlässig ihre Spuren verwischt, ohnehin diesen genuinen Geruch von Göttlichkeit hinterlassen, der sich eben nicht so schnell verzieht. Genauso, wie sie sich vorwegnehmen, schleichen Betrachtensweisen, Methoden und Maßnahmen aber auch sich selbst hinterher, jeder Gewinn an Geschwindigkeit etwa fordert einen Ausgleichsverlust an Wahrnehmungskapazität. Moller langt mit seinem frühgewonnenem, jugendlich frisch durch Geografie und Weltgeschichte katapultierenden Alpenschwung bereits auf Seite 3 bei des Rheines Vermählung mit der Düssel an und somit in der Gegend seines bewidmeten Fürstenpaares (Jahre bevor Jakobe im Düsseldorfer Schloßturm mysteriös ums Leben kam und Jahrhunderte später womöglich als Vorbild für die weiße Persilfrau diente):

(…) subito Rheni subit arua volatu
Pone Diana subit paucis comitata puellis:
Venatu ripas Rheni vestigat vtrasq.
Foecundas Lucina faceis, ceu pronuba gestat
Quid? solito citius se dedunt flumina Rheno?
Miror, qua gelidus se Rheno Dussela nubit,
Dat nitidum castro nomen quoq. Principis vrbi,
Siue latus Rheni dextrum, seu specto sinistrum:
Mista venit Sigenis Agro: venit Eruetis orbe
Nata peregrino: iunctis venit edita syluis
Duna: venit reliquis neq. Dussela tardior vndis.
Omnia concurrunt glomerato flumina nexu;
Nexu circumeunt venerabilis oscula Rheni.
(…)

Der Düsseldorfer Lyrikleser

In den frühen 90ern hatte ich in Düsseldorf eine Band namens Schweinebraten. Gespielt haben wir nur einmal, unplugged, obgleich unser Konzept auf elektrisch verstärktes Grundrauschen angelegt war. Wir behielten die Klamotten an, obwohl das ausgeklügelte Konzept eigentlich Nacktauftritte vorsah und wir rockten nur ein zwei Minuten, indem wir einen Präpunkklassiker von The Troggs coverten – vorgesehen waren ursprünglich neutönerische Eigenkompositionen von mindestens einer LP-Seitenlänge Dauer. Immerhin, wir hatten einen fantastischen Bandnamen, um den wir bis heute im gesamten Rheinland beneidet werden. Mit einem der Bandmitglieder, Dan „Don“ Dose rauschte ich jüngst an Silvester durch die tiefgefrorene Düsseldorfer Nacht, zuvor hatten wir in Erinnerung an alte Tage einige Cocktails in Bier gelöst, die Cocktails waren von einer Fernsehmoderatorin mit Kußmund und nach Augenmaß gemischt worden und alles, was der geneigte Leser sich unter einer solchen Aussage vorstellen mag, trifft zu. Drinnen schoß man mit Silvesterraketen, draußen hatte es ca. zweistellige Minusgrade, Eiswind langte in die kaum beleuchteten Bilker Straßen und griff an entblößte Nacken, an dunklen Kreuzungen warteten noch dunklere Würgeengel um ein frohes neues Jahr zu wünschen. Alle Straßenschilder tauschten in dieser Nacht heimlich ihre Positionen oder versteckten sich hinterm schwarzen Spiegel der dümpelnden Düssel, der Weg weitete sich, das Pflaster unter unseren Füßen verweigerte uns seine Bettstatt, es wollte uns leiden statt liegen sehen. So zogen wir durch Raum und Zeit und ignorierten nach Möglichkeit das empörte Grunzen der am Wegesrand geparkten Autos, die, von unserer Rede aufgestört, ihre Reviere zu verteidigen trachteten. Allein der ausgeschwitzte Alkoholfilm auf der Haut und der ganze Rindertalg in unseren Gesichtern verhinderten den sicheren Tod, denn Alkohol und Talg tarnten uns, wir waren als Menschen nicht mehr erkennbar. Woher der Talg kam – fragt mich nicht! Es kam auch der Morgen, über uns spreizte sich lasziv das berühmte Stadttor, Glas und Stahl knirschten in unseren Schädeln, und ich erinnerte mich vage an einen Auftritt in der Staatskanzlei, in der obersten Etage des Gebäudes, während dem ich den Rhein, auf lyrische Weise, als Würstchen tituliert hatte. Der aber schien sich glücklicherweise nicht zu erinnern und zog wenige Meter von uns entfernt in üblicher Manier durch seine Kurven. Auf der Uferpromenade kam uns aus der Morgensonne ein Mann in schulterhohem Stechschritt entgegen, seine präzise formschöne Bahn visierte er über einen imaginären Faden, den er mit nackten Händen vor sein Gesicht hielt, aus Augenhöhlen, die einen rußgefärbten Tunnel ins Garnichts verhießen. Dieser wirrhaarige Mann, dem wir begegneten, war der berühmte ewige Lyrikleser, der zwischen den Jahren bisweilen am Rhein auftaucht, immer dann, wenn es ihm gelingt, sich mithilfe der Bewußtseinsdroge LSD manifest zu machen. Häufig hatten wir vergeblich nach ihm gesucht, nun bestätigte sich das alte Sprichwort, daß sich alles von selbst findet. Wir fanden kurz darauf auch die gesamte Stadt, einschließlich Bilks, wieder in geordnetem Zustand vor, und am Telefon erzählte uns Costa „Quanta“ Costa, ein weiteres Schweinebraten-Gründungsmitglied, gewohnt lakonisch sein vorweggenommenes Jahresfazit: daß heuer nämlich die 69er Jahrgänge mal schön 40 würden.