Topographia Germaniae: Baden

Ligt in der Mordnaw / oder Ortenaw / welche an einem Gebürg hergehet / vnd den Fluß Kintzig hat. Ist ein kleines / aber an Wein / Korn / vnd Hanff / ein sehr fruchtbares Ländlein. Es ist Baden die Hauptstatt deß Marggraffthumb Baden: Welche sich in der besagten Mordnaw anfahet / vnd gegen Occident an dem Rhein / vnd gegen Orient an dem Schwartzwald endet / wiewol sie sich zum guten Theil hinein in den Schwartzwald ziehet. Es ligt diese Statt in der Höhe / vnnd gar vneben / vnnd hat fast vmb / vnd vmb Berge: So aber von Reben / vnnd Wießwachs / lustig seyn / 5. Meil von Straßburg / vier von Durlach / vnd 1. Meil vom Rhein. Der Nahme kompt jhr von den warmen Bädern allda / welche zu den Kranckheiten / so von kalten Flüssen herkommen / wider den Krampff / sonderlich das Podagra / vnd den bosen Magen / dienen. Der Haupt-Orth / oder Kessel / darauß das Wasser in grosser Menge quillet / ist sonderlich zu sehen. Vnd solches Wasser / so Schwefel / Saltz / vnd Alaun führet / siedheiß. Es seyn sonsten noch eylff Quellen / welche alle hell / vnd eines Geschmacks / aber doch an jhrer würcklichen Hitz vnd Wärme / sehr vngleich seyn. Wird nicht allein in die gemeine Bäder / vnd Brunnenkästen / durch Teuchel vnd Röhren / sondern auch in die Wirts- vnd meiste Häuser / geleytet. Hergegen ist das kalte Wasser / vnd der liebe kühle Wein / desto rarer daselbsten. Vnd wegen solcher Bäder / die entweder M. Aurelius Antoninus, oder Caracalla, die Keyser erfunden / ist dieser Ort sehr alt. Vnd hat es vor diesem vil Badleut da geben: Wie dann die Gartenfrüchte in grosser Menge / vnd sehr gut wachsen: Vnd ein Vberfluß an gesunden Speisen / sonderlich von Fischen / als Grundeln / Forellen / Salmen / vnd Krebs / vnnd allerley Geflügel / zur Schnabelweyd gehörig / da zu finden. Ist der Zeit der Römisch-Catholischen Religion / vnd ligen in der StattKirchen etliche Marggrafen von Baden. Das Fürstliche Schloß / oder Residentz / ligt noch höher / als die Statt: Vnnd ist vor diesem Krieg / wegen vieler schöner Sachen / zu besichtigen gewesen. (…)

Zitiert nach Wikipedia. Gemeint ist natürlich das heutige Baden-Baden.

Von Ettlingen nach Mühlburg

Was weiß Dielhelm über Ettlingen? (Der Rheinische Antiquarius ist übrigens derzeit um rund 600-800 Euro antiquarisch per ZVAB zu haben. Das liegt etwas außerhalb meines Budgets. Ich werd mir das vorerst weiter über Googles Scan-Bibliothek am Bildschirm gönnen. Muß ohnehin bald mal wieder meine Augen checken lassen.) Nun, viel weiß er nicht, aber was er vermutet, hat es doch in sich, zumal sich unbeweisbare Geschichten von angeblichen Trojanergründungen am Rhein hartnäckig halten: „Ettlingen ist eine kleine Stadt und Amt in der marggrafschaft Baadenbaaden. Anfangs war sie nur ein Dorf, und soll lange vor Christi Geburt schon von einem Trojaner, namens Phorcys, der es Posidonopolis genennet, mit Pforzheim seyn erbauet worden. In ersten Zeiten gehörte es dem Abt zu Cronweissenburg; ist aber nachgehends vom Kaiser Otto dem III. dem Marggrafthum Baaden einverleibet worden, daher es auch noch kommen soll, daß die Weissenburger durch Ettlingen zollfrey sind. Inzwischen ist es das Vaterland Francisci Irenici, welche unter dem Kaiser Maximiliano dem I. gelebet hat, und dessen Exegelis Germaniae oder Beschreibung von Deutschland in 12. Büchern den Gelehrten wohl bekant ist. (…)“ Wohl wohlbekannt war, ist hier anzumerken. Dielhelm beschreibt dann noch das Ettlinger Stadtwappen und nennt die vier Markttage („auf Matthias, Jacobi, Martini und vor Christag“) und zieht dann, ohne Rüppurr und sonstige Siedlungen, die eigentlich dazwischen liegen mußten, zu streifen, weiter nach dem heutigen Karlsruher Stadtteil Mühlburg, das einen der schönsten nichtssagenden Einträge erhält, die ich aus zahlreichen Rheinbeschreibungen kenne: „Mühlberg ist ein kleiner Ort, und liegt etwas einsam, zwey Stunden von Durlach und eine kleine vom Rhein, vormals hat es ein schönes und festes Schloß gehabt.“

Karlsruhe

Auch meine erst im Jahr 1715 gegründete Heimatstadt Karlsruhe, ein fächerförmiges, daher in sämtlichen Schulatlanten vermerktes Stadtplanungsprojekt des Markgrafen Karl-Wilhelm von Durlach (ein heutiger Vorort Karlsruhes) findet im Rheinischen Antiquarius, mit seinen rund 1000 begeisternden, spätbarocken, voller Überraschungen steckender Seiten, Erwähnung: „Eine Stunde von Durlach liegt Carlsruhe eine ganz neu und sehr regelmässig angelegte Stadt, Residenz und Lustschloß an der mühlberger Allee, mitten in dem grossen Haardwald (Das Wort Hard oder, wie es nach der Mundart und Aussprache muß geschrieben werden Haard, bedeutet eigentlich einen großen Strich Holz oder Waldung und zwar von Harz= oder Tannenholz) (…) Den 28. Jan. 1715. wurde allda der Anfang zu bauen gemacht, der Platz ausgesteckt und darauf den 17. Jun. von dem damals regirenden Marggrafen Carl Wilhelm zu Baaden und Hochberg der Grundstein selbst gelegt, zu welcher Zeit er zugleich den Orden der Treue oder des Friedens aufrichtete, wie auch den Riß von der Stadt und Schloß selbst verfertigte. (…) Der Garten vor dem Schloß ist klein aber artig, und zählt man darinnen an Pomeranzen Citronen= Lorbeer= und dergleichen Bäumen über viertausend Stük, worunter zweytausend siebenhundert Orangebäumen sind, deren die schönsten an Höhe zwar die ludwigsburger übertreffen, an der Dicke aber selbigen bey weiten nicht gleich kommen. In etlichen Vertiefungen des Gartens hat man von kleinen Citronenbäumen artige freye Espaliers angelegt nebst einem Vogelhause für dreyhundert Canarienvögel, welche des Sommers im Garten herumflogen und freywillig wieder in ihre Behausung kamen; Allein im Winter des Jahrs 1728. wurde beym Einheitzen des Ofens etwas versehen. Denn das Feuer ergrif ein Stük Holz, so in der Stube befindlich war, daß also die Vögel vom Dampf erstikten, ehe man sie retten konte. (…) Der vornehmste Fehler von Carlsruh bestehet in den Mangel des Wassers. Wie denn die ganze Gegend eine sandigte Ebene ist, in welcher des Sommers wegen des vielen Sandes übel zufahren ist. Die wenigen Wasserkünste im dasigen Garten werden vermittelst Pumpen von Leuten gezogen.“ Knapp dreihundert Jahre später kenne ich nur wenige Städte, die ähnlich viele Brunnen und Fontänen betreiben wie Karlsruhe. Wasserplätschern scheint in der Innenstadt allgegenwärtig. Wegen der Kanarienvögel wird mir aber heut noch schwer ums Herz.