von den Micrometern

§. 15. Hinwiederum von einem meinem Fenster gegenüber liegenden Dache wollte ich den Abstand des Gibels finden. Ich richtete das Fernrohr gegen die unmittelbar vom Giebel abwärts hangenden Ziegel, so daß die Scala des Micrometers Horizontal zu liegen kam. Den Tubum müßte ich bis auf 572 Theile ausziehen, um die Ziegel deutlich zu sehen; damit fand sich, daß die Breite von zween Ziegeln genau 7 Theile des Micrometers bedeckte. Da mir nun bekannt war, daß auf jede Ziegelbreite 1/2 rhein. Fuß gerechnet werden kann, so machte die Breite von zween Ziegeln 1 rhein. Fuß. Damit ließ sich nun nach der Regel Detri

7 : 573 = 1 : 81 5/7

schließen, daß diese Ziegel 81 5/7 rhein. Fuß und daher der Giebel 82 rhein. Fuß von dem Objectivglase des Tubus entfernet seyn mußten. Aehnliche Versuche giengen noch sehr genau bis auf die Entfernung von 700 Fuß an. Denn das Micrometer war in 14 größere, oder 70 kleinere Theile getheilt, und jeder kleinere Theil ließ sich nach einer bloßen Schätzung des Augenmaaßes sehr leicht noch in 10 kleinere Theile theilen, so daß, wenn ich so viele Ziegel zusammen nahm, als die Scale des Micrometers fassen konnte, auf 700 nicht um 1 verfehlt wurde. Daran fehlte es also nicht. Die Hauptfrage war aber wohl diese: ob man immer sicher genug auf jede Ziegelbreite genau 1/2 rhein. Fuß rechnen könne. Denn, wo dieses nicht ist, da wird zwar eben nicht viel fehlen, indessen ist alsdann die darauf gegründete Berechnung nur beyläufig. Uebrigens lassen sich bey Fensterscheiben, zumal wo sie rund und auf den Glashütten, gerundet sind, ähnliche Versuche anstellen. (…)

(aus: Abhandlungen der Churfürstlich=baierischen Akademie der Wissenschaften Fünfter Band, welcher die philosophischen enthält., München 1768)