Flotter Dreier auf dem Rhein bei Basel

Basel_Havarie

Wie es im Schweizer Basel zu einer Kettenhavarie mit drei Schiffen kam und warum eines der großen Silvesterfeuerwerke nicht wie gewohnt von Bord des Baggerschiffes „MS Merlin“ abgefeuert werden konnte, berichtet Bruno Haase in einem Gastbeitrag für rheinsein:

Egal von welcher Seite ein Schiff präsentiert wird, kieloben liegend sieht es nicht so schön aus. Genau diese Ansicht bot das 52 Meter lange Baggerschiff am 4. August 2014 gegen 08:20 Uhr, auf dem Hochwasser führenden Rhein bei Basel.
Vor dem Entladen von Geschiebe an einer von Schweizer Behörden zugewiesenen Stelle unterhalb der Dreirosenbrücke geriet das Schiff der Schweizer Wasserbau AG außer Kontrolle. Zur Positionssicherung sollten wie bei solchen Ladevorgängen üblich zwei Stelzenbeine auf den Gewässergrund abgesenkt werden. Jedoch misslang dieses Manöver in der starken Strömung. Nun trieb das Schiff stromabwärts, wobei es in westlicher Ufernähe wiederholt zu ruckartigen Bodenberührungen kam. Durch dieses abrupte Aufsetzen der Stelzen rollte das voll beladene Schiff so heftig um seine Längsachse, dass Ladung verrutschen und Wasser in die Laderäume eindringen konnte und damit das spätere Kentern verursacht wurde.
Die Schweizer Wasserschutzpolizei barg die vierköpfige Besatzung rechtzeitig, wobei der wagemutige Schiffsführer zuletzt und recht spektakulär von Bord ging. Dieser war beim Durchkentern unter Lebensgefahr auf den Kiel des Baggerschiffes geklettert. Anschließend blieb das Schiff mit seinem Kranaufbau längsseits in der Fahrrinne stecken.
Etwa zeitgleich begann der Schiffsführer des 88,5 Meter langen Kreuzfahrtschiffes “MS Olympia” ein Ablegemanöver vom innerstädtischen Anlegeplatz „Steiger St. Johann“, ließ ein Frachtschiff auf Bergfahrt passieren und fuhr rückwärts unter der Dreirosenbrücke hindurch zu Tal. Nach der Brückendurchfahrt drehte das Schiff auf, um die Etappe nach Breisach zu beginnen. Während diesem Standardmanöver kam der Funkspruch, dass der Rhein für die Schifffahrt gesperrt sei. Als jetzt der Schiffsführer die Gefahr erkannte, versuchte er noch abzudrehen. Mit voller Breitseite trieb das mit zwei 785 PS starken Caterpillar-Motoren ausgestattete Schiff auf den gekenterten Havaristen zu.
„Was macht der? Was macht der? Ja, jetzt wird’s aber Zit! Scheiße! Fuck! Isch der blöd?“ (Kommentar eines am Ufer stehenden Schweizer Zuschauers zum Kollisionskurs der “MS Olympia”)
Alle Ausweichversuche scheiterten. Es kam zum seitlichen Aufprall des Kabinenschiffes, was wiederum das feststeckende Baggerschiff in Bewegung setzte. Es bleibt unklar, warum sich die „MS Olympia“ nicht aus eigener Kraft der Kollision entziehen konnte. Eventuell stand zur Talfahrt nur eine der beiden Maschinen zur Verfügung. Auch wenn es nach dem Aufprall so schien, als wenn sich das Kreuzfahrtschiff vom Havaristen wegbewegen könnte, so gelang dies zuerst nicht. Schlimmer noch, die starke Strömung hebelte das Vorderschiff der “MS Olympia” in Richtung des am Ostufer vertäuten Kreuzfahrtschiffes “MS Lafayette”. Ein Besatzungsmitglied versuchte noch etwas hilflos, eine Wolldecke zwischen beide Schiffe zu positionieren, da krachten schon beide Bugspitzen aneinander. Beim tonnenschweren Aufpralldruck wurde das Bersten von Halteseilen befürchtet. Ein hektisch wiederholtes Kommando: „Weg von den Tauen!“, versetzte einige am Ufer stehende Zuschauer in Aufregung, worauf diese sich aus der Gefahrenzone entfernten. Beide Kreuzfahrtschiffe wurden letztendlich nur leicht beschädigt, konnten noch am Abend ihre Routinen fortsetzen und es gab bei allen Unfällen keine Verletzten.
Nur das Baggerschiff musste, weiterhin kieloben liegend, am West-Kai des Basler Rheinhafens gesichert werden. (Unser Bild)
Nach einer anfänglichen Vollsperrung im Unfallbereich, durfte die Wasserstraße bald wieder, wenn auch nur einseitig befahren werden. Da bei der Havarie der „Merlin“ Diesel in den Rhein floss, löste dies einen trinationalen Notfall-Einsatz aus. Am 22. Oktober ist es dem Bergungsteam der Schweizer Wasserbau AG gelungen, nach Monate langen Vorbereitungen, das Baggerschiff zu heben und es in das „Hafenbecken I“ zu schleppen. Vor dem finalen Abpumpen wurden noch im Rumpf befindliche Fische in den Rhein entlassen. Nun konnte das ramponierte Schiff den ermittelnden Behörden übergeben werden.
Als Startplatz für das vernebelte Silvesterfeuerwerk 2014/15 wurde frühzeitig ein anderes, wenn auch kleineres Schiff gefunden.