Munggafürz

munggafuerz

Einen grandiosen Blick aufs Rheintal und das umgebende Bergpanorama mit Gipfeln wie den Drei Schwestern (die, vormals menschliche Kinderlein, wegen sonntäglichen Blaubeersammelns, eine wenig bekannte christliche Strafe, versteinert wurden), Altmann, Alvier oder Säntis genießen diese Murmeltiere (lokal: Mungga) nebst tyischen Alphüttengetränken wie Schümlipflümli, Chrüüterlutz und eben Munggafurz in ihrer Freizeit auf etwa 1450 Metern Höhe. Zum Jassen fehlt ihnen heute der Vierte. So pfeifen sie kleinen Zierhunden hinterher und überlassen sich dem Sommerdunst, der mit der Brise von den Hängen schwappt. Veranlaßt vom kaum ortbaren Glocken der Kühe, den gleißenden Reflexionen auf den Hüllblättern der Silberdistel und den älplerischen Signalen schwach blinkender Enziankelche beginnen sie bald mit Schunkeln und Schenkelklopfen. Ihr ohnehin schon zungenbrecherischer Dialekt ist nun praktisch nicht mehr zu verstehen: sie behalten viele Wörter, Halbsätze und Sätze über lange Zeit in den Pausbacken ein, bevor sie sie, als nun gleichzeitiges Gemisch, um die Schneidezähne herum ins Freie entlassen: eine völlig sinnfreie Diskussion, die ihnen einen Heidenspaß zu bereiten scheint. (Aufgabe: diese Sprache erlernen und verschriftlichen (spezielle Partitur!), sie vor dem Aussterben bewahren, mehr noch: ihr zu breiter Popularität verhelfen.)

Planken

In Planken der Friedhof ist ganz neu, so neu, daß er noch keine Gräber beherbergt und laut Hirschenwirt ist das auch das Wissenswerteste über Planken mit seinen 150 Stimmbürgern, das gern auf „Gedanken“ gereimt wird, im einschlägigen Vers- und Liedgut. Die Hauptstraße bildet zugleich die Schadstoffgrenze, die im Nebel gebunden auf dieser Höhe eingelagert werden. Aromen von fauligen Holzäpfeln und Müllautos. Einen Laden besitzt die Ortschaft nicht. Dafür einen touristisch noch kaum erschlossenen Ausblick auf die Rheinebene, bei längerem Betrachten hebt sie sich dem Beschauer entgegen, wühlt ihn sich unter, befördert den Austausch von Himmel und Erde, während die Werkkomplexe von Hilti und Hilcona routiniert innerhalb dieser verwirrenden Koordinaten einher asseln in steten Gedanken an weitere Asfalttrassen und im Toggenburger Loch mehrmals täglich die Sonne untergeht. Ein manierierter Storch stakst durch die wiesengrünen Zeiten und Hänge. Östlich Planken erheben sich die Drei Schwestern, von der Jungfrau persönlich in Fels gebannte jugendliche Blaubeersammlerinnen, die den allgemeinen Fehler der Sonntagsarbeit mit den persönlichen Untugenden des Geizes und der Hartherzigkeit kombinierten, bis sie auf ihre Meisterin stießen. Bis heute spricht freigeistiger Trotz gegen das Oberste Gericht, sowie eine gewisse Auseinandersetzung mit der Nachbarschaft aus wohlgesetzten Inschriften auf schindelhölzernen Fassaden: „Ihr glaubt der Jäger sei ein Sünder / weil selten er zur Kirche geht. / Im grünen Wald ein Blick gen Himmel / ist besser als ein falsch Gebet.“ Und aufklärerisch äußert sich der stolze Jägergeist: „Kommst Du an eines Waidmanns Pforte / und siehst ein Hirschgeweih daran / lies daraus ohne Schrift die Worte / dieser Schuss war wohl getan“.