Dondorf am Rhein

Der Fernsehzweiteiler Teufelsbraten von Hermine Huntgeburth nach einer autobiografischen Kindheits- und Jugenderinnerung der Dichterin Ulla Hahn (Filmname: Hilla Palm) ist angesiedelt in den proletarischen Nachkriegsbaracken von Dondorf am Rhein. Gestern liefen beide Teile auf Arte und die verblüffenden Bilder ließen uns eine Weile rätseln, wo dieses Dondorf denn genau zu liegen käme. Auf jeden Fall am Niederrhein. Die Brücke, unter der die kleine Hilla gerne am Flußufer spielt, an dem sie einen magischen Buchstein findet, einen gebänderten Kiesel, der alle möglichen und unmöglichen Geschichten enthält, dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit die Uerdinger Brücke sein. Der zugehörige Uferstreifen wiederum könnte an verschiedenen Stellen liegen, in Krefeld, bei Düsseldorf oder Duisburg, wäre aber auch weiter südlich denkbar. Die im Matsch dümpelnde Arbeitersiedlung sieht nach eigens erbautem Kulissendorf aus und ist kaum zu verorten. Industrie muß sich in der Nähe befinden. Bisweilen wird Köln als nächste Großstadt erwähnt. Auch der im Film gesprochene Dialekt, in dem reihenweise starke Zitate purzeln („Mir sin kejn Prolete, mir sin kathollisch“), läßt sich nicht konkret zuordnen: halb klingt er kölsch, dann wieder eher wie das Niederrheinisch aus dem Schützenfestgürtel. Dieses Dondorf scheint letztlich zwischen Bonn und Wesel zu oszillieren, mal liegt offenbar Düsseldorf ganz in der Nähe, mal sogar Wuppertal. Bald war aufgrund dieser Ungereimtheiten klar, daß es sich um eine fiktive Ortschaft handeln mußte: ein derart verschlammt-zurückgeblieben-ubiquitäres Dondorf wäre ansonsten längst eine bekannte Touristenattraktion. Aus den Mündern der Schauspieler klang der Ortsname im Übrigen auch nach „Dorndorf“ bzw „Mondorf“. Und während Hilla vom Kindergartenkind zur Oberstufenschülerin heranwuchs und sogar ihren seltsamen Dialekt ablegte, veränderte sich die Siedlung im Matsch kein Stückchen. Was die Möglichkeit offenläßt, daß dieses seltene Dondorf vielleicht doch real existiert, allerdings für immer in den 50er Jahren gefangen bzw diese, als statisches Mahnmal aus Nachkriegsgrau, Hühnerstall und Gartenkohl, durch sich hindurchlaufen lassend, sodaß es heute nur noch im Film oder sehr weit hinter den Rübenfeldern angetroffen werden kann.