Presserückschau (September/Oktober/November 2017)

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Etwas ganz Seltsames
“Eigentlich dürften wir den Rhein (…) natürlich nicht zu den Errungenschaften des Abendlandes zählen. Wenn, dann müsste es sich umgekehrt verhalten, denn er ist ja viel älter als dieses. Sucht man nach seinem Ursprung (was übrigens eine original abendländische Vorgehensweise ist), dann landet man im Oligozän, einem eher unromantischen und völlig menschenleeren Zeitalter vor etwa 30 Millionen Jahren. Der Rheingraben entstand damals als Randprozess brutaler Erdplattenverschiebungen, ein Faltenwurf auf dem Grund des Tethysmeers. All das klingt so bizarr, als würde es auf dem Jupiter spielen, und wirklich sind Flüsse, nüchtern betrachtet, etwas ganz Seltsames, das sich schwer festhalten oder (wie wir das im Abendland nennen) definieren lässt: Massen von Wassermolekülen, die sich linienförmig über mineralische Oberflächen hinwegbewegen und dabei, obwohl sich ihre Elemente permanent austauschen, etwas mit sich selbst Identisches bilden, das über Jahrhunderte, ja sogar Jahrtausende hinweg besteht und mit einem Namen anrufbar ist, als wäre es ein lebendiger Mensch.” (Die Welt)

2
Wasserfontänen
“Jubilare müssen zusammenhalten. Und zusammen feiern. Dieser Devise folgt der Chempark Dormagen. Das Werk am Rhein feiert in diesen Tagen sein 100-jähriges Bestehen, die Rheinschifffahrt bei Monheim mit dem Piwipper Böötchen sogar ihr 800-jähriges. Zum Festakt (…) an der Monheimer Fähranlegestelle will die die Werksfeuerwehr einen ganz besonderen Geburtstagsgruß übersenden: Die Kanonen auf ihrem Löschboot werden gigantische Wasserfontänen in die Luft schießen. Bis zu 8000 Liter pro Minute können sie auswerfen, ein beeindruckendes Schauspiel.” (Rheinische Post)

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Ryybutzete
“Über 200 Helfer tragen im und am Wasser dazu bei, dass der Rhein wieder ein grosses Stück sauberer wird. Dass dabei nicht nur der üblichen Müll der ungezogenen Sommergäste des Affenfelsens “auftaucht”, sondern auch zahlreiche kuriose, teils unerklärbare Objekte, geborgen werden, macht die Sache nicht weniger ernst, aber führt immer wieder auch zum Schmunzeln. (…) Bereits am frühen Morgen wurde heute ein vier Meter langer Stahlträger aus der Kleinbasler Rheinseite gehoben (…). Der hat wohl den Seegang auf einem Frachtschiff nicht gut überstanden. In den vergangenen Jahren kam auch einmal ein Kupferkessel voller römischer Sesterzen zum Vorschein. In Anbetracht dessen, dass die Römer nun schon einige Jahre nicht mehr in unserer Region verweilen, ein durchaus merkwürdiger Fund. Das grösste Aufsehen verursachte jedoch eine Tauchergruppe flussaufwärts in Birsfelden. Die fanden doch tatsächlich einen Kleinwagen – wohl auch ein Frachtschiff-Ausreisser.” (Barfi)

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Aliens
“Wie die Wollhandkrabbe sind heute 95 Prozent der größeren wirbellosen Fluss-Tiere des Rheins Einwanderer. Sie stammen ursprünglich aus unterschiedlichen Regionen wie dem Schwarzen Meer, Nordamerika oder Ostasien, von wo sie meist per Schiff in den Rhein gelangten. (…) Die Engländer nennen sie »Aliens« (…) – und für manche heimische Art waren die Neuankömmlinge ähnlich vernichtend wie die Weltraummonster. So haben amerikanische Flusskrebse die europäischen Arten zur Strecke gebracht, weil sie eine gefährliche Krankheit, die Krebspest, mitbrachten, gegen die die heimischen Tiere nicht gewappnet waren. Der Große Höckerflohkrebs kommt aus dem Donaudelta und frisst nun kleinere Arten im Rhein weg.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

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Gemälde aus Duisburg
“Die neue Ausstellung des Künstlers Michael Vogt in der Galerie Liestmann zeigt „Fluss- und Hafenbilder“. Den Rhein malt Vogt gerne in Duisburg. (…) Seine Gemälde, die den Rhein und den Duisburger Hafen zum Thema haben, sind in der Galerie Liestmann noch bis Anfang Januar zu sehen. (…) In der Galerie sind bekannte Motive wie Deichlandschaften, die Homberger Rheinbrücke, Hafenansichten und der Rhein bei Wittlaer zu sehen. Vogt malt vor Ort, setzt sich an den Rhein oder sucht sich den passenden Platz im Duisburger Hafen. Für die dort angefertigten Bilder finden schnell trocknende Farben Verwendung, großformatige Landschaftsbilder malt Vogt mit Ölfarben.” (WAZ)

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Kostümierte Schwimmer
“Da staunten Spaziergänger, als sie kostümierte Schwimmer im Rhein an sich vorbeiziehen sahen: Dazu eingeladen hatte der “Deutsche Unterwasserclub Köln” (DUC Köln). Die Schwimmer starteten an den Poller Wiesen und waren rund eine Stunde lang stromabwärts nach Merkenich unterwegs. Die Sicherheitsvorkehrungen waren hoch, da Schwimmen im Rhein eigentlich verboten ist. Der DUC hatte eigens ein gesondertes Sicherheitskonzept entwickelt. Die Schwimmer trugen alle Neoprenanzüge, eine Marke, Schnorchel und Flossen. Die Wasserschutzpolizei begleitete und umkreiste die Schwimmer mit vielen Booten.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

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Rhein im Rhein
“Die Dienstzeit der 1852 bei der Maschinenbau-Gesellschaft Emil Keßler in Karlsruhe gebauten Dampflokomotive RHEIN hatte noch gar nicht begonnen, da versank sie für nunmehr 165 Jahre bei Germersheim in den Fluten des Rheins. Als sie mit einem Segelboot über den Rhein von Karlsruhe bis Deutz transportiert werden sollte, geriet dieses in einen Sturm – die Lokomotive rutschte von der Ladefläche, und so gilt sie bis heute als verloren. Ein Forscherteam hat sich nun aufgemacht, die wohl älteste erhaltene Dampflokomotive Deutschlands wiederzufinden und hoffentlich auch bald bergen zu lassen. 2012 gelang es ihnen, den genauen Unfallort der Lokomotive mit Hilfe modernster Messtechnologien zu lokalisieren. Prof. Dr. Bernhard Forkmann, Mitautor des Buches “Lok im Rhein”, gewährt in seinem Vortrag Einblicke in die langwierige Suchaktion und die neusten Forschungsergebnisse zur Lokomotive RHEIN.” (Lok Report)

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Sanaziun cumpletta
“La renovaziun totala dals implants da las ovras electricas Hinterrhein SA è terminada. Dapi la fin d’avust èn tut ils implants puspè en funcziun ed ils custs da 300 milliuns francs èn tegnids en, uschia communitgeschan las ovras electricas Rain posteriur. Gia il 2005 han ils responsabels fatg ponderaziuns davart ina sanaziun cumpletta, il 2011 han cumenzà las emprimas lavurs. En tut eran radund 50 interpresas participadas vid il project. Dal temp cun la pli auta activitad da lavur han radund 300 persunas lavurà il medem mument vid la renovaziun.” (RTR)

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Rheinunterquerung
“Auf sieben Brücken kann man in Köln den Rhein überqueren – unterqueren kann man ihn nur an einer Stelle. Rund fünf Meter unter der Rheinsohle befindet sich ein begehbarer Tunnel (…). Zwei große Stahltüren mit mehreren Riegeln muss der Mitarbeiter der Rhein-Energie öffnen, um den Weg ins unterirdische Köln freizugeben. Es geht zu einem hochmodernen Bauwerk unter dem Rhein, der genau an Kilometer 688,6 untertunnelt ist. Der 461 Meter lange Fernwärmetunnel beginnt auf Höhe der Messe, nahe der Hohenzollernbrücke und führt auf direktem Weg auf die andere Seite unter den Musical-Dome.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

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Bücher als Schlüssel
“Jemanden in der Schule zu erleben, der sechs Sprachen beherrscht, das ist beeindruckend. Und dann noch jemanden zu erleben, dessen Leben in einer slumähnlichen Vorstadt von Lyon begonnen hat und der jetzt Romanautor ist und ehemaliger französischer Minister war, das ist dann richtig beeindruckend. Und so fielen dann auch die Bewertungen von Schülerinnen und Schülern der Graf-Anton-Günther Schule aus, in deren Forum Azous Begag kürzlich zu Gast war, um über sich, seine Bücher und sein Leben zu erzählen. In seinem Leben habe es eine erstaunliche Entwicklung gegeben. Und dafür seien Bücher der Schlüssel gewesen und natürlich die Möglichkeit, sich in so vielen Sprachen verständigen zu können. Sprache wird hier als Schlüssel für den sozialen Aufstieg deutlich, aber auch als Schlüssel für Integration in eine fremde Kultur. „Witzig und locker drauf“ sei er gewesen, meinten zwei Schülerinnen, und das macht wohl auch seinen Erfolg aus, wenn er auch vielleicht etwas zu wenig an seinem für das Abitur in Französisch wichtige Roman „Et tranquille, coule le Rhin“ orientiert hat.” (Nordwestzeitung)

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Rheinspange
“Wenn irgendwo im Land NRW ein neues Stück Straße eröffnet wird, bleibt selten der Hinweis auf die lange Planungsdauer aus. Oft sind 20 Jahre, 30 Jahre, gar 40 Jahre vergangen. Das soll sich ändern – ausgerechnet beim größten Neubauprojekt, das seit Jahrzehnten in der Region ansteht. Die Rede ist von der Rheinquerung, die nun offiziell „Rheinspange“ heißt und als neue Autobahn die A 59 bei Spich mit der A 555 bei Godorf verbinden soll. Die Beteiligung der Öffentlichkeit begann (…), ohne dass die Planer auch nur eine Skizze vorweisen konnten. Genau das ist der neue Ansatz, den das Landesverkehrsministerium und der Landesbetrieb Straßen NRW erstmalig verfolgen: erst reden, dann planen.” (General-Anzeiger)

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Alleinstellungsmerkmal Maislabyrinth
“Aus einer ursprünglich dünnen Tagesordnung ergab sich im Dalheimer Gemeinderat eine grundsätzliche Debatte darüber, wie sich die Gemeinde künftig in Sachen Tourismus ausrichten soll. Vor einem Jahr hatte man, zunächst für zwölf Monate auf Probe, den Beitritt zum Verein Rhein-Selz Tourismus beschlossen. Nun schob Ortsbürgermeister Willhard Leib (FWG) nachträglich die Diskussion über die Fortsetzung der Mitgliedschaft in den Sitzungsplan. Die Mitgliedschaft kostet 50 Cent pro Einwohner, im Falle Dalheims also rund 500 Euro. Dass dafür eine hinreichende Gegenleistung erbracht wird, war im Rat umstritten. Außer dem Maislabyrinth habe man, so Gertrud Henning (BfD), eigentlich wenig zu bieten. „Ich kann den Nutzen für Dalheim nicht erkennen, 500 Euro auszugeben, um einen Hochglanz-Flyer für die Rheinfront zu finanzieren“, hielt René Muth (CDU) fest. Da die Gemeinde nicht allzu solvent sei, tue dieser Betrag bereits weh. „Unser Angebot ist nicht überreich“, stieß der Erste Beigeordnete Engelbert Sauter (CDU) zunächst ins selbe Horn, verwies dann aber neben dem „Alleinstellungsmerkmal“ Maislabyrinth auch auf die Weinbergsrundfahrten, das für den gesamten Landkreis bedeutsame Germania-Denkmal sowie den Multifunktionsplatz. Das alles über die Gemeindegrenzen hinaus zu bewerben, könne durchaus nützlich sein.” (Allgemeine Zeitung)

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Little Britain
“Viele Wanderer im Kasbachtal in der Nähe von Koblenz sind verblüfft. Aus heiterem Himmel kommen sie an roten Telefonzellen, einer lebensgroßen Queen-Figur, einer vollbusigen Hexe mit Wildschweinen an der Leine und einem britischen 52-Tonnen-Panzer vorbei. Das spleenige Privatgelände “Little Britain” in Linz am Rhein, hat schon Landtag und Innenministerium von Rheinland-Pfalz beschäftigt. Nachbarn sind erbost.(…) Der nach Deutschland eingewanderte Brite Gary Blackburn (…) ist 2016 “not amused” bei der Brexit-Entscheidung in seiner Heimat. Als Antwort darauf beginnt er, sein kleines kostenloses Freilichtmuseum auf seinem Betriebsgelände an einem Wanderweg zum Rheinsteig aufzubauen. Die Hütte des legendären Räubers Robin Hood, Palast-Wachsoldaten, ein roter Briefkasten, Ritterrüstungen und alte englische Autos zeugen vom britisch-skurrilen Humor des 53-jährigen Baumchirurgen aus dem Hinterland.” (T-Online)

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R3
“Der Rheinhafen Lauterbourg ist mit einem etwa 40 Hektar großem Gewerbegebiet und neuen Hafenanlagen Standort der neuen trimodalen Logistikplattform R3FLEX des Straßburger Hafens. (…) Diese Investition trägt der steigenden Nachfrage vor allem durch den wachsenden Containerverkehr am Standort Straßburg Rechnung. (…) Am Oberrhein gilt die Erweiterung des Lauterbourger Hafens als eine der letzten Möglichkeiten zum Ausbau von Arealen am Rheinufer. 40 Stunden Schifffahrt von Rotterdam und Antwerpen entfernt haben sich bereits Unternehmen wie Dow Chemicals France, Comptoir Agricole de Hochfelden, Béton Fehr oder auch Eiffage Métal in Lauterbourg angesiedelt. (…) Die Marke R3FLEX unterstreicht durch ihre Namensgebung und die Abkürzung R3 (Rhine, Rail, Road) die Multimodalität des Hafenareals durch die parallele Anbindung an Rhein, Schiene und Straße.” (Pressebox)

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Tender Rhein
“Fünf Monate ist der Tender “Rhein” im Mittelmeer vor der libyschen Küste im Einsatz gewesen – um Menschen zu retten und Schleuserkriminalität zu bekämpfen. (…) 25.000 Seemeilen legte das Schiff während seiner Mission zurück – das entspricht einer Erdumrundung. Die “Rhein” war Teil der humanitären Operation “Sophia”. Die 67-köpfige Besatzung der “Rhein” rettete 2.100 Menschen aus dem Mittelmeer. (…) Die Deutsche Marine hat mit ihren Schiffen in den vergangenen zwei Jahren nach eigenen Angaben mehr als 22.000 Flüchtlinge im Mittelmeer aus Seenot gerettet.” (NDR)

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Maghrebiner am Rhein
“Maghrebiner stellten römische Kaiser, frühchristliche Denker und waren Wegbereiter eines Wissenstransfers, an dessen Ende die Zeit der Aufklärung in Europa stand. Die scheinbar zusammenhangslos ausgewählten Exponate der Ausstellung (Anm.: „Drucke und Handschriften aus fünf Jahrhunderten. Die Sammlung der Gesellschaft für Kultur und Wissenschaft des Maghreb” im Romaneum zu Neuss) – wertvolle alte Handschriften und Drucke, in lateinischer, deutscher, französischer und arabischer Sprache – stehen in einem großen Sinnzusammenhang: Sie spiegeln den offenen und durchlässigen Kulturraum Maghreb wider, der vermeintlich fremde Elemente absorbierte und dabei in der Lage war, sich selbst neu zu erfinden. Auch in Neuss hat der Maghreb Spuren hinterlassen: Vor fast 2.000 Jahren errichten die ersten Maghrebiner die Erftmündung am Rhein. Die Ala Afrorum, eine ursprünglich aus Nordafrikanern aufgestellte römische Kavallerieeinheit, war Ende des 1. Jahrhunderts im römischen Novaesium stationiert und hatte ihre Wurzeln in Africa proconsularis, dem heutigen Algerien, Tunesien und Libyen.” (neuss.de)

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Archäologische Sensation
“Eine 9,7 Millionen Jahre alte Entdeckung sorgt für Kopfzerbrechen bei deutschen Wissenschaftlern. (…) Wie das Mainzer Naturhistorische Museum (…) mitgeteilt hat, entdeckten ein Team deutscher Archäologen im ehemaligen Flussbett des Rheins ein rätselhaftes Gebiss. Die Zähne scheinen keiner in Europa oder Asien entdeckten Art zu gehören. Sie ähneln am ehesten denen der frühen Homininskelette von Lucy (Australopithecus afarensis) und Ardi (Ardipithecus ramidus), die in Äthiopien entdeckt wurden. Doch der neue Fund aus Eppelsheim bei Mainz ist mindestens vier Millionen Jahre älter als die afrikanischen Skelette. Diese Tatsache irritierte die deutschen Wissenschaftler dermaßen, dass sie die Veröffentlichung des Fundes zunächst für ein Jahr zurückhielten.” (RT Deutsch)

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Notlandung
“Es hätte ein kurzer Rundflug zur Loreley werden sollen – und wurde ein ziemliches Abenteuer. Ein vom Flughafen in Finthen gestartetes Klein-Flugzeug mit drei Insassen ist (…) aufgrund eines Defekts auf dem Rhein bei St. Goar notgelandet.” (Allgemeine Zeitung)

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Irre Verfolgungsjagd
“Auf der Flucht vor der Polizei ist ein 24 Jahre alter Mann in den Rhein gesprungen, um von Frankreich nach Deutschland zu schwimmen. Während ihm ein französischer Polizist in der Dunkelheit nachschwamm, verfolgte ihn ein zweiter Beamter mit einem Kanu, das er am Ufer entdeckt hatte (…). Als die Kräfte des 24-Jährigen nachließen, fasste ihn ein Beamter und brachte ihn auf deutscher Seite bei Weil am Rhein ans Ufer. Dort wurde der unterkühlte Mann vom Notarzt versorgt und danach in eine Klinik nach Frankreich gebracht.” (Berliner Kurier)

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Jamaika am Rhein
“Am Bonner Hauptbahnhof haben sie das Schild „Bundesstadt Bonn“ durch eines ersetzt, auf dem „Stadt der Vereinten Nationen“ steht. Das bringt mehr fürs Bonner Selbstbewusstsein. Im November findet am Rhein der Klimagipfel statt. Danach aber wäre es höchste Zeit, wieder mal ein neues Schild anzubringen: „Bonn – Hauptstadt von Jamaika“. Wenn im 600 Kilometer entfernten Berlin wirklich eine Koalition aus Union, FDP und Grünen zustande kommt, hat das viel mit der alten Hauptstadt am Rhein zu tun. In der saturierten Bürger- und Studentenstadt haben alle drei Jamaika-Parteien ihre gefestigten Milieus: Grüne und FDP sammelten bei der Bundestagswahl 16 und 14 Prozent der Zweitstimmen, für die CDU blieben da noch 30 Prozent. Im Bonner Rathaus regiert seit 2014 eine Jamaika-Koalition, die ein schwarz-grünes Bündnis ersetzt hat.” (Neue Presse)

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Rheintote
“Nachdem Ende August Arbeiter im Rhein Teile einer verstorbenen Person gefunden haben, ist die Identität der Toten nun mithilfe eines DNA-Vergleichs geklärt. Die Arbeiter hatten die Leichenteile bei Baggerarbeiten im Rhein bei Rees gefunden.
Wie die Polizei mitteilt, handelt es sich bei der Frau um eine 72-jährige, in Köln geborene Frau. Die Seniorin war am am 22. Dezember 2016 aus einem Krankenhaus in Dormagen verschwunden war und galt seitdem als vermisst.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Eine Joggerin hat (…) eine Person entdeckt, die im Rhein trieb. Sie löste einen Großalarm aus, bei dem auch ein Hubschrauber zum Einsatz kam. Doch jede Hilfe kam zu spät. Um 7.35 Uhr habe die Joggerin eine leblose Person im Rhein entdeckt, als sie über die Theodor-Heuss-Brücke lief. Am linken Rheinufer treibe ein Körper im Wasser. Wenig später sei sie aus einem Polizeihubschrauber heraus lokalisiert worden. In Höhe der Rotterdamer Straße sei die Leiche dann auf der linksrheinischen Seite von Feuerwehrleuten in Spezialanzügen aus dem Wasser gezogen worden. Es handelte sich um einen 66-Jährigen aus Düsseldorf. “Er war bekleidet und hatte einen Ausweis dabei”, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Ein Notarzt habe dann um 8.20 Uhr versuchte, den Mann wiederzubeleben. Doch der Arzt konnte nur noch dessen Tod feststellen.” (NRZ)

“Die 91-Jährige Senioren aus Rheinberg, die (…) vermisst wurde, ist (…) im Rhein tot aufgefunden worden. (…) Die Leiche wurde im Rhein bei Ossenberg gefunden. Angaben zur Todesursache konnte die Polizei (…) noch nicht machen. Die Polizei hatte (…) unter anderem mit einem Hubschrauber nach ihr gesucht.” (NRZ)

“Duisburg. Ein Arbeiter (43) ist (…) auf dem Gelände der Hüttenwerke Krupp Mannesmann mit einem Minibagger in den Rhein gestürzt. Zunächst fehlte jede Spur von dem Mann, jetzt ist er tot geborgen worden. Wie die Polizei berichtet sei der Arbeiter der Firma „Buss Imperial“ ins Hafenbecken gestürzt.” (Der Westen)

Dormagen (2)

dormagen_eingang_umleitungAuswegloser Eingang, einwegloser Ausgang

dormagen_aalschokker_holzsteleErinnerung an die Tradition des Aalfischens auf einer Stele am Rathausplatz. Im benachbarten Worringen bewirbt ein Händler noch den Aal (auf Vorbestellung) in seltener Kombination: “Gase, Gänseeier, Räucheraal und Weihnachtsbäume”.

dormagen_german hüzünRheinische Saudade

dormagen_rheinische ästhetikRheinische Ästhetik

dormagen_korrosion_witterungstattooDösender Zeitgeist. Wetter auf Müllcontainer. Dormagen 2017

Szene bei Kaiserswerth

ansicht bei kaiserswerth

“als junger wollte ich mal einen roman schreiben, von einem mädel mit braunem haar, das an den kreidefelsen der küste an der ostsee entlangreitet, wo man bunte feuersteine findet, das mädel wird dann meine frau und reitet mit mir in ihr dorf, wo ihr stamm lebt, ein schwarm fische schwimmt rheinauf, einer rheinab, die aale schlängeln sich am schiff vorbei, in der ferne der flughafen, ausläufer der häuser und pappeln und gebüsche mit vogelnestern noch relativ nackt am rande des ortes kaiserswerth, pappeln, braune äcker gefurchtes feuchtes land, startende flugzeuge, gegenüber auch wieder pappeln und weiden, der lanker kirchturm, das schiff ist vermutlich ein tankschiff mit ethanol und fährt rheinauf nach dormagen, fast alles aus unserer kultur ist ja daraus gemacht, wem es gehört der hat auch geld und macht, millionen jobs in der industrie hängen davon ab, mikroplastik sammelt sich in den meeren, zerriebene kleinteile, rheinaufwärts geht es nach kölle und bis in die schweiz. in manchen der container auf den schiffen ist schmuggelgut, etwas zum rauchen und träumen, aus rotterdam, aus übersee, erreicht hier die gebraucher in den metropolen…”

(Ein Beitrag unseres Niederrhein-Korrespondenten Rainer Vogel)

Presserückschau (Februar 2017)

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Versunkene Lokomotive
“Die Suche nach der im Jahr 1852 im Rhein versunkenen Lok geht weiter. (…) Zwar hatte sich die Hoffnung, dass ein Teil der metertief im Kiesboden vermuteten Lok möglicherweise bis an die Oberfläche des Rheinbodens ragen könnte, nach einer Suchexpedition rheinland-pfälzischer Polizeitaucher Mitte August 2015 zerschlagen. Das ändere jedoch nichts an der Tatsache, so die beteiligten Wissenschaftler, dass genau an dieser Stelle in einigen Metern Tiefe unter dem Rheinboden ein rund 20 Tonnen schwerer und etwa sechs Meter langer Eisenkörper läge. Bereits vor einigen Jahren hatten sie nach zwei Jahrzehnten intensiver Suche mithilfe von Magnetresonanz-Messungen den vermuteten Unglücksort entdeckt. Die 1852 gebaute Lok wäre heute die älteste noch erhaltene deutsche Dampflokomotive. Sie war in den Anfangsjahren der deutschen Eisenbahngeschichte von der Fabrik Emil Kessler in Karlsruhe gebaut worden und sollte mangels Schienenstrecke auf einem Lastensegler an die Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahngesellschaft ausgeliefert werden. Bei einem Unwetter riss sich die sechs Meter lange und 20 Tonnen schwere Lok los und fiel von Bord des Schiffes in den Rhein. Mehrere Versuche, sie mit Hilfe speziell geschmiedeter Ketten, die von den Ufern aus von 400 Männern durch den Rhein gezogen wurden, und aus London angereister Taucher zu bergen, schlugen fehl. Sie geriet langsam in Vergessenheit und galt anderthalb Jahrhunderte lang als verschollen.” (SWR)

2
Digitalisierung
“Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes hat eine Befliegung des Rheins von Frankenthal bis Biblis beauftragt, um die digitale Bundeswasserstraßenkarte anhand von Luftbildern aktualisieren zu können. Für diese Kartenerstellung werden Markierungsarbeiten in unmittelbarer Nähe zum Rhein durchgeführt. Diese Signalisierungsarbeiten beinhalten die farbliche Markierung von Lampen, Treppen, Einlaufrohren, Durchlässen oder Stromkästen mit weißer Farbe oder weißen Plastikstreifen, die mit Nägeln befestigt werden. Beschäftigte der beauftragten Firma führen die nötigen Arbeiten vor Ort aus. Die Bevölkerung wird gebeten, die Markierungen nicht zu entfernen.” (Echo-Online)

3
Rheingolf
“Die vier Credos der Rheingolf Messe 2017 lauten: Testen, informieren, shoppen und verreisen.” (Golfpost)

“Ein Golfball nach dem anderen fliegt im hohen Bogen in den Rhein. Einer verfehlt nur haarscharf den Kopf eines Kanufahrers, ein anderer zielt auf das beliebte Ausflugsschiff „Moby Dick“. Vor dem Bonner Amtsgericht muss sich jetzt ein 34-Jähriger verantworten. Er ist für sein außergewöhnliches Golfspiel wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs angeklagt.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

4
Geburtstagsgeschenk
“Sieben Jahre ist Mika erst alt, aber er hat schon eine eigene Kamera, “die ist in Tarnfarbe”, erzählt er ein bisschen schüchtern. Mika steht nicht gern im Rampenlicht. Sein Hund Erni dafür umso mehr. Am liebsten macht der Schüler Bilder von ihm, am Rhein, wenn er mit Mama (…) dort spazieren geht. Er dokumentiert die Natur und das Wetter, Erni natürlich, und den Wasserstand. In letzter Zeit aber findet Mika immer mehr Müll am Rhein, in den Buchten am Wasserwerk, dort, wo die Familie gerne unterwegs ist. Plastiktüten und Eierkartons, ausrangierte Gartenmöbel und vor allem Glas. (…) Manchmal schnappt der Siebenjährige sich eine Mülltüte und räumt auf am Rhein. (…) Als Opa Edgar jetzt am Wochenende seinen 80. Geburtstag feierte, haben Mika und seine beiden älteren Brüder Joshua (12) und Jannis (12) ihm einen Müllsammel-Tag am Rhein geschenkt.” (Rheinische Post)

5
Rhein Vikings
“Die Zeit des Kleckerns ist vorbei, jetzt wird geklotzt. Und weil weder der Neusser HV noch der ART Düsseldorf dazu allein in der Lage sind, gründen sie eine Handballspielgemeinschaft, die in der kommenden Saison als HC Rhein Vikings für Furore sorgen will. Ob das in der zweiten oder der dritten Liga sein wird, ist allerdings noch offen.” (Rheinische Post)

6
Refurbishment
“Die (Ludwigshafener; Anm. rheinsein) Rhein-Galerie war im September 2010 eröffnet worden, nach knapp zwei Jahren Bauzeit. Das Einkaufszentrum auf dem ehemaligen Gelände des Zollhofhafens hatte damals am Rheinufer einen neuen Zugang geschaffen, dem Einzelhandel zusätzliche 130 Geschäfte beschert und war mit großen Hoffnungen in die kommenden Jahre gestartet – auch mit dem Wunsch, dass täglich 25 000 Kunden in das Center strömen. Heute kommen im Schnitt 13 290 Besucher pro Tag in die Mall. Und das, obwohl die Einkaufscenter Entwicklungs Gmbh (ECE), die das Haus betreibt, 939 037 erreichbare Kunden im Einzugsgebiet zwischen Worms und Landau sowie Mannheim und Speyer angibt. Das in unmittelbarer Nähe gelegene Rathauscenter, das ebenfalls unter ECE-Ägide steht und 1979 eröffnet wurde, besuchen pro Tag 32 000 Kunden. Dort gibt es 75 Läden. Um die Differenz zwischen Prognose und Realität zu verringern, hat die ECE ein „umfangreiches Refurbishment“ angekündigt. (…) Die Außenterrasse direkt am Rhein wird (…) verschönert – das bislang eher triste Kantinen-Ambiente soll eine neue Optik erhalten: „Grundidee des neuen Designkonzepts ist es, eine besondere Atmosphäre mit echtem Hafen-Flair am Rhein entstehen zu lassen.“ (…) Im Außenbereich sind außerdem zwei neue Anleger für Flusskreuzfahrtschiffe geplant, die ebenfalls im Jahr 2017 gebaut werden sollen.” (Echo)

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Baggervorhaben
“Die wichtigste Wasserstraße in Deutschland ist der Rhein. „80 Prozent aller Güter in der deutschen Binnenschifffahrt werden über den Rhein transportiert“, sagt Jens Schwanen, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Binnenschiffer. „Die Transporteure sind dringend auf den Ausbau der Wasserstraße angewiesen“, fügt er hinzu. Bei Niedrigwasser komme es regelmäßig zu Beeinträchtigungen. Der Klimawandel werde das Problem extremer Pegelschwankungen perspektivisch verstärken. Abhilfe soll in NRW die geplante Vertiefung des Rheins zwischen Duisburg und Dormagen bringen. Das Vorhaben mit der Projektnummer W 27 ist seit 2016 im Bundesverkehrswegeplan als „vordringlich“ eingestuft. Bis 2030 soll der Rhein zwischen Stromkilometer 722,5 und 769 um zirka 30 Zentimeter ausgebaggert werden. Zwischen Duisburg uns Neuss ist eine Fahrrinnentiefe von 2,80 Meter geplant, zwischen Neuss und Dormagen-Stürzelberg ist eine Rinne von 2,70 Meter vorgesehen. Die Gesamtkosten werden mit 201 Millionen Euro veranschlagt.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

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Rheintote
“Zahlreiche Einsatzkräfte sind (…) Richtung Rheinufer nördlich von Sandhofen gefahren. Eine Spaziergängerin hatte dort im Bereich zwischen Kläranlage und Kirschgartshausen eine im Wasser treibende Person gesichtet und den Notruf gewählt. Daraufhin rückten der Wasserrettungszug der Berufsfeuerwehr ebenso wie deren Feuerlöschboot und die Wasserschutzpolizei aus, auch die DLRG Mannheim, Heddesheim, Ladenburg und Weinheim wurden alarmiert. Schon bald sichtete aber der Rettungshubschrauber “Christoph 53″, der ebenso in den Mannheimer Norden beordert worden war, die im Rhein treibende Person. Polizisten zogen sie dann aus dem Wasser. Der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen. Todesursache und Todeszeitpunkt sind aber noch nicht geklärt.” (Bergsträßer Anzeiger)

“In Höhe der Zoobrücke hat die Feuerwehr (…) eine Leiche aus dem Rhein geborgen. Spaziergänger hatten den leblosen Körper (…) im Fluss treiben sehen und die Rettungskräfte alarmiert. Laut Polizei handelt es sich bei dem Toten um einen Mann im Alter von etwa 30 Jahren oder jünger.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Die Suchaktion im Rhein bei Wörth ist zu Ende: Taucher fanden (…) die Leiche eines Mannes, die Polizei geht von Selbstmord aus. Zuvor lief eine großangelegte Suchaktion mit Hubschrauber und Feuerwehr. Die Wörther Polizei unterstützte das federführende Polizeipräsidium Karlsruhe bei der Suche. Auf der Rheinbrücke zwischen Wörth und Karlsruhe kam es wegen des Einsatzes zu Verkehrsbehinderungen.” (Rheinpfalz)

Rhein-Kreis Neuss (2)

rkn_fenster im himmelAus Kraftwerkschloten gequollene Wolkenbäusche verteilen sich auf gefensterte Himmel

Über die Felder geht es von Köln mit dem Zug in den Rhein-Kreis Neuss, der erst seit 2003 so heißt und seither mit grafisch eigenständiger Beschilderung verblüfft. Verblüffend desweiteren, falls das zügig vorüberziehende Landschaftsbild nicht trügt: bei Pulheim wird neuerdings Wein angebaut. Je weiter sich die Landschaft von Köln wegbewegt, desto flacher, ausgeglichener, leerer erscheint das offene Feld. In der Ferne arbeiten die Wolkenmaschinen des Braunkohlegebiets auch am Wochenende. Wir erreichen Rheydt: der Rhein ist in diesem Teil des Rheinlands mindestens 20 Kilometer entfernt, hier fließt die Niers, die in der niederländischen Provinz Limburg in die Maas mündet. Im Rhein-Kreis Neuss dominieren das Schützenfest, die Enge in der Weite und die Miniatur: so berichtet uns ein Bäckermeister im Ruhestand wie er in Ermangelung akzeptabler Rheinnähe in der Niers, die an seinem Wohnort kaum einen halben Meter Wasserstand erreicht, das Schwimmen erlernt habe. Entlang der Straßen ziehen sich niersgespeiste Wasserrinnen, die Entengrütze, Eisvogel und Bisam beheimaten. Abends konnte man in dieser Gegend einst die Tage mit einem dicken Wumms umkippen hören.

rkn_horizontEinminütiges Horizontgold am Rande des Braunkohlegebiets Garzweiler

Auch nach Dormagen im Rhein-Kreis Neuss geht es von Köln aus über die Felder, diesmal mit dem Fahrrad, entlang des Rheins. Die kleineren Ortschaften um Köln wirken in ihrer provinziellen Mittelmäßigkeit gefangen. Daß Köln längst selbst provinziellen Anstrich trägt, scheint ihrer Ausrichtung gen Dom keinen Abbruch zu tun. In der Dormagener Fußgängerzone Kölner Straße findet, wie bei jedem unserer Besuche, ein Flohmarkt statt. Vergessen hatten wir, das Dormagen das wahrscheinlich am wenigsten fotogene Städtchen am gesamten Rheinlauf vorstellt: nichts, aber auch garnichts am Dormagener Zentrum bewirkt den Wunsch, den Auslöser zu betätigen. Unsere Frage nach touristischen Sehenswürdigkeiten beantwortet eine Einwohnerin mit Schulterzucken, besinnt sich aber und erzählt mit sorgsam bedachten Worten: daß die Kirche, der Pfarrer habe das einmal erwähnt, wegen ihres freistehenden Turms etwas Besonderes sei, worüber ein Schild genauere Auskunft gebe; daß, falls wir uns neu einkleiden wollten, dafür ein für Dormagener Verhältnisse gar nicht so schlechter Laden existiere, den sie guten Gewissens empfehlen könne; daß es bei den Ladenflächen zwar viel Leerstand gebe, man aber einen guten Latte Macchiato bekommen könne wie man ihn auch außerhalb Dormagens, sie sei erst vor zwei Jahren zugezogen, kenne; daß ihr einzig ein kleiner Lebensmittelladen fehle, der türkisches Fladenbrot und Antipasti biete, „etwas zum Schnubbeln“ wie sie es nenne. Mit diesen Hinweisen ausgestattet, machen wir uns zügig auf den Rückweg. Am ChemPark zücken wir in einem Anflug von Verzweiflung doch noch die Kamera, um die Stadt nicht völlig unabgebildet zu verlassen.

rkn_dormagen chemparkEs gibt nichts zu fotografieren in Dormagen

Presserückschau (Oktober 2015)

Mutmaßliche Verseuchungen des Rheins mit Industriestoffen und umgehende Dementi der angeblichen Verursacher dominierten die Rhein-Schlagzeilen des ersten Monatsdrittels: berichtet wurde u.a. von Einleitungen der Chemikalien Pyrazol bei Dormagen und PFT (Perfluorierte Tenside) bei Düsseldorf, desweiteren von einer großflächigen Ölverschmutzung bei Basel. Weitere Einzelheiten unterschlagen wir an dieser Stelle und gehen über zu den bemerkenswertesten Meldungen des Oktobers:

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Die Bedeutung des Rheins für Köln beleuchtet der Kölner Stadt-Anzeiger. 600 Schiffe, bis zu 135 Meter lang und 17 Meter breit, passieren täglich die deutsch-niederländische Grenze und etablieren den Fluß als eminente Handelsroute: “Die Bedeutung des Rheins und der Binnenschifffahrt dürfte sogar weiter wachsen. Denn die „Zara“-Häfen (Zeebrügge, Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam) werden derzeit kräftig ausgebaut. Was in den belgischen und niederländischen Seehäfen ankommt, wird dort umgeschlagen und oft auf Rheinschiffen nach Deutschland transportiert – und umgekehrt. Der Warenverkehr zwischen Holland und Deutschland gehört mit einem Umfang von jährlich 160 Milliarden Euro zu den größten Handelsvolumina in der Welt.” Die NRW-Binnenhäfen erreichen dabei gemeinsam nahezu das Umschlagsvolumen des Hamburger Seehafens. Als Transportweg nehmen die Wasserstraßen in Deutschland bisher hinter Straße und Schiene den dritten Rang ein: “Trotz einiger aufsehenerregender Havarien gehört das Binnenschiff zu den sichersten Transportmitteln. Fast ein Viertel der darauf im ersten Halbjahr 2015 beförderten Güter fiel deshalb in den Bereich Gefahrgut wie Benzin, Heizöl, Methanol, Säuren, Ammoniak. Am häufigsten verschifft werden auf dem Rhein aber Erze, Steine und Erden. Es folgen Kokerei- und Mineralölerzeugnisse sowie Kohle, Rohöl, Gas und chemische Produkte. Ford lässt per Schiff Neuwagen ins Ausland verfrachten.”

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“Weil er Phosphor mit Bernstein verwechselt hat, erlitt ein Mann in Neuss schwere Verbrennungen. (…) Am Rhein fand er einen tischtennisball-großen, feuchten Gegenstand. Diesen hielt er nach eigener Aussage für Bernstein. Der Mann nahm den vermeintlichen Bernstein laut Feuerwehr Neuss in seiner Hosentasche mit. Als er im Auto bereits auf dem Weg nach Hause war, entzündete sich die Kugel. Der Rentner erlitt schwere Verbrennungen am Oberschenkel sowie an Hand und Arm. Mit einem Rettungshubschrauber wurde er in eine Spezialklinik für Verbrennungen nach Köln-Merheim geflogen.” In Neuss handelte es sich um den ersten bekannt gewordenen Phosphorfund. Insgesamt sei der hochgiftige und entzündliche Weiße Phosphor, der von Bernstein optisch nicht zu unterscheiden sei, am Rhein extrem selten. Bisher gefundenes Material stamme aus durchgerosteten Fliegerbomben. Weitaus häufiger tauchten komplette Kampfmittel in Flußnähe auf, berichtet die WAZ.

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Ein ungewöhnlicher Todesfall beschäftigt die Kölner Polizei zur Monatsmitte. Auf der Zoobrücke hatte sich ein Auffahrunfall mit Blechschaden ereignet: “Als Polizisten hinzukamen, sicherten sie die Unfallstelle ab und sprachen mit dem Seat-Fahrer. Der 39-Jährige sei langsam zum Brückengeländer gegangen, plötzlich über die Brüstung gestiegen und hinunter gesprungen. Er war sofort tot. Es gebe nicht den geringsten Hinweis darauf, dass der Mann sich womöglich einer Polizeikontrolle entziehen wollte, berichtete ein Ermittler. Im Polizeicomputer habe der Kölner keinen einzigen Eintrag gehabt.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

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Eine mysteriöse Autofahrt in den Rhein bei Urmitz vermeldet das Netzportal Arcor: “Zeugen hatten (…) beobachtet, wie nahe der ehemaligen Nato-Rampe auf Höhe des Atomkraftwerks ein Wagen in den Rhein fuhr, abgetrieben wurde und unterging.” Das von Rettungskräften geborgene Vehikel wies keinen Insassen auf.

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Rheinapplizierte Mietvehikel meldet die Kölner Lokalpresse (Express, Xtra): “Fahrradfahren macht fit, man ist an der frischen Luft – und landet manchmal im Rhein! Das versicherte uns zumindest die KVB-App (…): Einige Meter nördlich von der Mülheimer Brücke stand laut KVB-App ein Leihrad im Rhein. Seit Mai bietet die KVB einen Leihrad-Service für die Stadt an. Einloggen, losradeln und einfach am Ende seiner Tour irgendwo in Köln abstellen. Per GPS lassen sich die Räder orten, auf einer interaktiven Karte kann man nach Rädern in seiner Umgebung suchen.” Für die “im Rhein” abgestellten Mieträder ist die fehlerhafte GPS-Ortung des KVB-Systems verantwortlich, welche Standorte ungenau, im berichteten Fall um 150 Meter verschoben, angibt. Die KVB sind in Köln allerdings nicht die einzigen Anbieter mit feherhafter Ortung. Auch Mietautos der Firma DriveNow wurden potentiellen Abholern auf Smartfone-Apps schon als “im Rhein parkend” angegeben.

Presserückschau (Februar 2015)

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Mensch vs. Tier: “Im Kampf gegen die Mücken am Oberrhein wollen die Schnakenjäger demnächst auch eine ferngesteuerte “Drohne” einsetzen – wenn die Behörden grünes Licht geben. Das Fluggerät solle bei der Bekämpfung auf kleineren Flächen wie Regenrückhaltebecken verwendet werden und in diesen Fällen Flüge mit dem Hubschrauber überflüssig machen.” (morgenweb.de) Allerdings steht die Bewilligung noch aus: laut behördlichen Vorschriften dürfen Drohnen nicht schwerer als 25 Kilogramm sein. Die Kabs (Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage) möchte jedoch ein Fluggerät einsetzen, das 60 Kilo Kampfmittel tragen kann.

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Mensch vs. Tier (2): Unter der boulevarddadaistischen Überschrift “Ein neues WALzeichen fürs Revier” berichtet BILD von einer geplanten Skulptur, die rund 50 Jahre nach seinem Besuch an den Belugawal im Rhein erinnern soll und ergeht sich in weiteren Wortspielen: “Walkommen, Rhineheart: Dem weißen Wal, der 1966 vor den Ufern Duisburgs gesichtet worden war, will der Oberhausener Künstler Jörg Mazur jetzt ein Denkmal setzen.” Die Aufstellung der Stahlskulptur soll via Crowdfunding finanziell abgesichert werden und laut Mazur daran erinnern, daß das Auftauchen des Wals das Umweltschutzgesetz zur Renaturierung des Rheins ausgelöst habe: “Reinhart heißt nicht nur mein Vater, es bedeutet auch ,weiser Ratgeber‘ – und auf englisch wird es zum Herzen des Rheins…”

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Abyss: “Von der Rheinbrücke bei Rees sind zwei junge Leute (…) in die Tiefe gestürzt. Sie hatten Glück: Beide landeten nicht im Fluss, sondern etwa vier Meter tiefer auf einem Vorsprung. Die jungen Leute mussten mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. (…) Zum genauen Unfallhergang konnte die Polizei zunächst keine Angaben machen.”(Rheinische Post)

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Noch ein Sturz: “Auf einem Tankschiff im Rhein ist (…) der Kapitän ums Leben gekommen. (…) Der 54-Jährige war in einen drei Meter tiefen Tank gestürzt, der Benzol enthalten hatte. Das Schiff lag in Höhe des Worringer Hafens vor Anker.” (Kölner Stadt-Anzeiger) Unklar war zunächst, ob der Niederländer an den Sturzfolgen oder an Giftdämpfen gestorben ist. In einer ersten Meldung hatte es geheißen, das Schiff sei bei Dormagen auf dem Rhein getrieben.

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Mensch vs. Tier (3): “Platzverweis für Tiger in Not” war eine Woche vor Beginn des Straßenkarnevals eine Kölner Polizeimeldung überschrieben, die das Boulevardblatt EXPRESS als Steilvorlage aufnahm: “Über Notruf 110 wurde (…) ein hilfloser Tiger am Rheinufer gemeldet. Erwartungsvoll und mit Unterstützung der Feuerwehr näherten sich die Polizisten vorsichtig dem Einsatzort. Doch statt tierischer Laute klang betrunkenes Rufen entgegen… (…) Ein Jeck im Tigerkostüm hatte nachts auf seiner Trommel gespielt, als plötzlich ein Drumstick den Abflug machte. Katzenartig sprang er hinterher, kam aber die Böschung nicht wieder hochgekraxelt. Um sein Kiesbett herum strömte der Rhein. (…) Der Tiger soll nicht gefaucht haben…”

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Maximallängentourismus: “Flusskreuzfahrten im „Fünf-Sterne Segment“ bietet laut Duisburg-Marketing (DMG) der Anbieter Scenic Cruises, der ausschließlich Gäste aus dem angelsächsischen Sprachgebiet (Australien, Kanada, USA, Großbritannien) an Bord habet. Die luxuriösen Schiffen tragen allesamt Namen von Edelsteinen (Jewel, Pearl, Diamond oder Jade) und sind 15 Tage auf der „Romantic Rhine & Moselle River Cruise“ von der Schweiz bis nach Amsterdam und entgegengesetzt auf Tour. Die Schiffe für die Kreuzfahrt auf Rhein und Mosel sind zwischen 2009 und 2015 erbaut worden, jeweils 135 Meter lang (die erlaubte Maximallänge auf dem Rhein) und haben drei Decks, zudem Lounges, Bars und Restaurants. Die Schiffe bieten 169 Passagieren Platz – viel Platz.” (Der Westen)

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Kein Zustand: “Der Oberbürgermeister von Bingen Thomas Feser spricht sich für den Bau einer weiteren Rheinbrücke aus. Diese soll Bingen mit Rüdesheim verbinden. Feser reagiert damit auf das aktuelle Verkehrschaos rund um die Schiersteiner Brücke. Es sei kein Zustand, dass der Rhein im 21. Jahrhundert eine Grenze darstelle, die man nicht überwinden könne. (…) Auch eine Mautbrücke hält Feser nicht für ausgeschlossen. Kritik übte der Binger Oberbürgermeister an Umweltschützern, die sich gegen den Bau aussprechen. Er sei davon überzeugt, dass Flora und Fauna sich sehr schnell auf Veränderungen einstellen könnten.” (SWR)