Belgisch-rheinische Sprachforschung

In Belgien scheinen alle beachtlichen, aufsehenerregenden Dinge wie nebenbei zu geschehen. Mitte der 90er, als sich kuriose (und meist schauerliche) Meldungen aus Belgien häuften, begannen wir, die entsprechenden Zeitungsausschnitte zu sammeln, die sich bald zu einem sehr speziellen Gruselordner fügten. So berichtete, mitten in der Klon-Debatte, die an Tieren wie dem Schaf Dolly sich entfachte und mit der Angst hantierte, daß bald auch Menschen geklont werden könnten, der Express davon, daß letzteres bereits geschehen sei, und zwar versehentlich in Belgien. Den Artikel schmückten Bilder zweier Lütticher Wissenschaftlerinnen, die freimütig über ihr Laborversehen plauderten. Die Geschichte fiel danach flugs unter den Tisch – ob in Belgien heute tatsächlich geklonte Jugendliche unterwegs sind: darüber läßt sich nur spekulieren. Ein anderer Bericht (ebenfalls aus dem Express) handelte von einer kleinen Gruppe enthusiastischer junger Belgier, welche sich die Love Parade zum Vorbild genommen hatten und auf der heftig beschallten Ladefläche eines (einzigen) LKWs tanzend durch Brüssel düsten, bis ihnen bei einer zufälligen Tunneldurchfahrt aufgrund der niedrigen Bauweise derselben die Köpfe abgetrennt wurden. Unser Interesse an Meldungen aus Belgien flachte um die Jahrtausendwende zugunsten rheinischer Vorkommnisse ab, welche sich jedoch gelegentlich nicht ganz voneinander trennen lassen. Im Folgenden geben wir einen Bericht des belgischen Publikationsorgans de redactie vom 21. Februar 2012 wider, der sich mit einem der letzten Rätsel der niederländischen Sprachwissenschaft befaßt hat – und wieder von einem Zufall gesteuert wurde. Es geht um die etymologische Abstammung des Wortes „fiets“ (dt: Fahrrad):

„Gunnar de Boel, Professor für vergleichende Sprachwissenschaft an der Genter Universität, kippte mit einem deutschen Freund aus dem “südlichen Rheinland” zusammen Apfelwein. Im Gespräch nannten sie das Getränk „Viez“ (ein uns bekannter saarländischer Begriff für den Most, Anm. rheinsein): „Vize-Wein“ sozusagen, befanden die Trinker, bzw: Weinersatz. De Boel stellte dabei die Verbindung zum niederländischen Wort „fiets“ her und vertiefte die Hypothese gemeinsam mit seinem Kollegen Luc de Grauwe: im Deutschen sei das neuartige (in seiner Urform, der Draisine, am Rhein erfundene, Anm. rheinsein) Fahrrad laut der bahnbrechenden Theorie seinerzeit „Vize-Pferd“ (also: „Zweiterklasse-Pferd“, „Ersatz-Pferd“) genannt und später mit „Viez“ abgekürzt worden, ganz so wie „Automobil“ später zu „Auto“ wurde. Das Wort müsse dann nach Belgien und in die Niederlande geschwappt sein. 1870 sei „fiets“ zum ersten Mal im Niederländischen aufgetaucht, seit 1886 aber stritten sich die Sprachkundigen über dessen Herkunft, ohne eine angemessene Theorie hervorgebracht zu haben – was nun endlich der Vergangenheit angehöre.“
(Wenn wir an dieser fantastischen Hypothese etwas zu bemängeln haben, dann allenfalls, daß der erhellenden Kraft des Apfelmosts in der Berichterstattung deutlich zu wenig Referenz erwiesen wird. Desweiteren hätten wir eine eigene Schnelletymologie in die Debatte zu werfen, eine Idee, die uns auf gleichsam belgische Weise während einer Trance zufiel: könnte sich aus dem weithin bekannten Urbegriff “Vize-Pferd” nicht direkt das Wort “Fahrrad” entwickelt haben? Man achte nur auf den jeweils gemeinsamen An- (V gesprochen wie F) und Ablaut (d). Nein? Aber dann gewiß doch der Begriff Veloziped (Pääd: rheinisch für Pferd, Velozi enthält dieselben Buchstaben wie Vize). Und jetzt belegen Sie mal, wie Sie vor rheinsein auf diesen sensationellen sprachwissenschaftlichen Zusammenhang gekommen sind!)

Rheinschafe (2)

entweder begehen die kölner rheinschafe camouflage (um das prädationsrisiko zu mindern? um, paradoxerweise, einfach mal nur zu schauen wie es ist, unsichtbar zu sein?) – oder aber sie wurden abtransportiert (zur schlachtbank, zum schächter oder um sich nicht zu sehr mit regenwasser vollzusaugen). wegsindse. und falls nicht bald ein paar frische vom himmel fallen, muß die diesjährige forschungssaison für beendet erklärt werden.

oh lord, won`t you save us from more sheepy thoughts?

- es sind nicht die schafe, die ruckeln. es ist die un/wetterfühlige landschaft hinter den schafen, welche sich hospitalistisch hin- und herbewegt und so die schafe in einem licht erscheinen läßt, als würden sie selber ruckeln: trompe l`œil de luxe!

- verschaftheitsfloskeln: der wind hat, vom schaf-an-sich veranlaßt, mir ein lied erzählt: „allein bin ich in der nacht, meine seele wacht und lauscht / herz, hörst du, wie es klingt, in den pappeln am rhein singt und rauscht / der wind hat mir ein lied erzählt von einem schaf, unsagbar schön / es weiß, was meinem herzen fehlt, für wen es schlägt und glüht / es weiß für wen“

- kein rheinschaf: shrek, ein neuseeländischer merino-hammel, nach aussage sissi stein-abels im kölner stadt-anzeiger von gestern das berühmteste schaf der welt (was zu bezweifeln steht, wußten wir von shrek im gegensatz zu seinen berühmten mitschafen dolly & shaun bisher nichts) ist tot. shrek wurde 16 jahre alt. wir zitieren: „(…) Shrek hatte im April 2004 weltweite Berühmtheit erlangt, als er nach sechsjährigem Eremitenleben mit 27 Kilo Wolle auf dem Leib in einer Höhle der felsigen Bendigo Mountains in der Region Central Otago entdeckt wurde. Er konnte sich kaum noch bewegen und musste in Sicherheit getragen werden. Zusammen mit seinem Besitzer John Perriam, einem wohlhabenden Farmer, hat Shrek seit seiner Rettung für “Cure Kids”, eine wohltätige Organisation zur Unterstützung schwer kranker Kinder und damit verbundener Forschungsprojekte, mehr als 150 000 NZ-Dollar (83 700 Euro) gesammelt und indirekt mit seinem Engagement ein Vielfaches dieser Summe in die Kassen gebracht. “Das war sein Dank dafür, dass er noch am Leben war”, sagte Perriam. (…)“

- his sheepy sheepness, shrek, the sheep / shepherds us, cause live`s a cheat