Das blaue Wunder: Ernst Bromeis schwimmt durch den Rhein (3)

Vor vier Tagen wurde in der Presse bekanntgegeben, daß Ernst Bromeis sein Projekt auf Höhe Breisach abgebrochen hat. Selber hatte Bromeis womöglich nie Rekorde angekündigt, die Presse schrieb davon, daß derartige Aussagen vielmehr von seinem Sponsor Schweiz Tourismus laut wurden, der Bromeis auch aus marketingstrategischen Gründen dazu angehalten haben soll, noch vor der Sommersaison in den Rhein zu steigen – wodurch der Schwimmer mit allzu kaltem Flußwasser konfrontiert wurde. Kurz nach Bromeis` Start sei außerdem “bekannt geworden”, daß im September 1969, wenige Wochen nach der ersten Mondlandung, der heute 71jährige Klaus Pechstein aus Linz am Rhein “nach eigenen Angaben und Medienberichten” den Fluß durchschwommen habe – also knapp 43 Jahre vor Bromeis.

Bezeichnend, wie mittels nachlässig recherchierter bis großspuriger Bewerbung ein eigentlich sympathisches heimatabenteuerliches Projekt zu einem Produkt aus Marketinggefasel und resultierendem Medienhype funktioniert wird, das im Grunde über den Schwimmer (ist er noch einer oder vielmehr bereits Kajakfahrer? wie lange muß er für Marketingzwecke durchhalten? bis zu welchem Punkt kauft die Presse aufgebauschte Slogans ab?) hinweg variiert. Der sportliche Aspekt weicht der täglichen Rechtfertigung, die Leistung hechelt vom ersten Tag nahezu chancenlos ihrer Ankündigung hinterher.

Uns stellte sich gar die Frage: brauchte es für dieses Projekt wirklich einen Menschen oder wäre Schweiz Tourismus mit einer rheindurchschwimmenden Quietscheente besser beraten gewesen? Durchaus denkbar, daß eine Marketingkampagne auch die Kräfte des Rheinstroms, als dessen Spielball Bromeis sich in Interviews betrachtete, zumindest zeitweise außer Kraft zu setzen imstande wäre. Irre Behauptungen besitzen oft erstaunliche Qualitäten.

Die Behauptung, die uns nunmehr jedoch am meisten interessiert, ist diejenige diverser Blätter über Klaus Pechstein. Denn die Informationen zu diesem Schwimmpionier blieben spärlich: wo genau der Mann seinerzeit ins Wasser gestiegen ist und wo er wieder herausstieg, wie er welche Hindernisse überwunden hat, mit oder ohne Neopren und sonstige Hilfen, auf welche Weise die Presse damals berichtete und wie Klaus Pechstein seine damalige Aktion selber einschätzt – auf harte Fakten wurde bisher bei der Berichterstattung weitgehend verzichtet.

Eine Teilantwort immerhin bietet das Fachmagazin swim: “”Er (Klaus Pechstein, Anm.: rheinsein) ist damals Mitte September gestartet und die ganze Strecke in 30 Tagesetappen ohne Flossen bis nach Hoek van Holland gekrault”, erzählt seine Tochter Christiane Pechstein (…). Dass niemand von dem Rekord etwas wusste, findet Pechstein nicht verwunderlich, schließlich gab es damals noch kein Internet und die Medienberichterstattung war auch nicht so detailliert. Aber immerhin hätte es ihr Vater zu Dieter Kürten ins “aktuelle Sportstudio” geschafft.”