Deutzer Brücke

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Presserückschau (Februar 2016)

1
Sogar im Tomasee, den er zuvor als sauber eingeschätzt hätte, habe Rheinschwimmer Andreas Fath hohe Belastungswerte mit Plastikpartikeln festgestellt, berichtet das SWR-Fernsehen. Die Plastikteile gefährdeten im Rhein lebende Tiere, die Kunststoff bei der Nahrungsaufnahme nicht von natürlichen Partikeln unterscheiden können, daneben bestünde Verletzungs- und Erdrosselungsgefahr. Auch zögen die Plastikteile oberflächenaffine Giftstoffe an, die immer wieder in den Rhein geleitet würden und über die Nahrungskette schließlich beim Menschen landeten. Krankheitssymptome bei Muscheln könnten ebenfalls auf die Mikroplastikbelastung der Gewässer zurückgehen.

2
Trocken im Stil, äußerst bündig und dennoch auf positive Aspekte der Zuwanderung hinweisend eine WDR-Meldung zum rheinischen Karnevalsgeschehen: “In Krefeld hat ein 21-jähriger Zuwanderer aus Pakistan (…) nach Polizeiangaben einen 20-Jährigen aus dem Rhein gerettet. Der Mann aus dem Kreis Mettmann war beim Urinieren ausgerutscht und ins Wasser gefallen. Der Pakistaner sprang in den Fluss und rettete den anderen. Beide blieben unverletzt.”

3
“RHINE aus den USA liefern mit “An Outsider” ihr zweites Album ab. Hinter diesem Projekt steht Gabriel Tachell, der das Debüt “Duality” von 2011 im Alleingang aufnahm und nunmehr mit einer vollständigen Band antritt, um dem europäischen Metal im Allgemeinen, dem skandiavischen Metal im Besonderen Tribut zu zollen. Ein Schiff aus Seattle in fremdem Gewässern, wenn man so möchte. Das, aber auch die Art, wie die Musik sich windet und wie sie fließt, soll nach eigenen Angaben durch den Namen RHINE suggeriert werden. Und genau das bietet Tachell auch. Sein Schiff “An Outsider” fährt auf dem Rhein entlang, während vordergründig die “Vertebrae”-ENSLAVED (“Dreaming Of Death” ist ein guter Anhaltspunkt) und die “Ghost Reveries”-OPETH (vor allem der Titeltrack) immer wieder die Segel des US-Amerikaners aufblähen. In voller Fahrt segelt das Schiff so im Zickzack-Kurs zwischen ruhigeren, atmosphärischen Gewässern und aggressiven Wogen hin und her. Durch die geografische Begebenheit des Flusses hat die Musik selbstredend auch eine handvoll teutonischer Einflüsse abbekommen, die sich in den härteren, zum Teil thrashigen Passagen zeigen, sich wahlweise aber auch in Vikinger-Chören offenbaren, die in deutscher (!) Sprache von ihren Schlachten singen – und das noch nicht mal schlecht (“P.R.E.Y”).” (metal.de)

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Der SWR berichtet von einem Fischfang bei Mainz: “Igor Hamm wollte eigentlich Zander angeln. Doch (…) dem 28-Jährigen aus Mainz-Kastel (ging) etwas deutlich Größeres an den Haken. In der Nähe der Bastion Schönborn biss ein Wels an. “Mir tut heute noch der Arm weh. Ich habe bestimmt eine Stunde mit dem Fisch gekämpft”, sagt Hamm (…). Schnell bildete sich ein Grüppchen Schaulustiger am Rheinufer: Spaziergänger blieben stehen, zückten Handykameras. Und auch ein Anglerkollege gesellte sich dazu, um Hamm beim Rausziehen des Riesenfisches zu helfen. “Wir konnten den Wels kaum zu zweit heben”, sagt Hamm, der seinen Fang auf 50 bis 60 Kilogramm schätzt. An Land legte sich der 1-Meter-80-Mainzer neben den Fisch. Nachgemessen habe sich eine Länge von 2,02 Meter ergeben, sagt Hamm.”

5
Eine Prognose über künftige Rheinpegelstände, deren Genauigkeit nachfolgende Generationen überprüfen dürfen, stellt der Meteorologe Peter Krahe von der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz im General-Anzeiger: “Wie sich der Wasserstand in Zukunft entwickeln wird, können Krahe und seine Kollegen (…) nur für die ferne Zukunft tendenziell voraussagen: “Man rechnet mit feuchteren Sommern und trockenen Wintern.” Angewandt auf hydrologische Modelle ergäben die durchschnittlichen Klimaszenarien für den Rhein bei Bonn im Zeitraum 2020 – 2050 im Winter eine Erhöhung der Wassermenge um fünf bis 20 Prozent. Bis zum Ende des Jahrhunderts erwarten die Prognosen im Winter zwischen fünf und 30 Prozent mehr Wasser. Für den Sommer zeigten die Prognosen erst ab 2070 einen markanten Trend – nach unten. Der Rhein könnte dann bis zu einem Viertel weniger Wasser führen als heute.”

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Im Schnitt gut zwei Rheintote pro Monat meldet die Presse seit Jahren verlässlich. Die tatsächlichen Zahlen schätzen wir höher ein, da nicht jede/r Rheintote es in die Presse schaffen dürfte und nicht jede Pressemeldung uns erreicht. Diesen Monat war die Rede von drei treibenden Leichen: “Ein Schiffsführer hat eine im Rhein treibende Wasserleiche entdeckt. Sie wurde (…) auf der Höhe Rheinberg im Kreis Wesel in Nordrhein-Westfalen geborgen. Es handelt sich nach Angaben der Polizei um den Leichnam eines etwa 30 Jahre alten, unbekannten Mannes.” (t-online.de) “Ein Angler hat (eine) 94-jährige Frau, die (…) in Bad Krozingen vermisst wurde, auf der Höhe von Hartheim tot im Rhein gefunden. Offenbar ist sie dort ertrunken.” (Badische Zeitung) “Die Polizei Köln zog (…) in der Nähe der Deutzer Brücke eine Frau aus dem Rhein, die offenbar einen Selbstmordversuch unternommen hatte, wie ein Polizeisprecher (…) sagte. Bei der Rettungsaktion entdeckten sie plötzlich eine männliche Leiche im Wasser.” (Focus)

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Wild lebende Flamingos am Rhein: “Im Zwillbrocker Venn ist die nördlichste Flamingobrutkolonie Europas zu Hause. Die langbeinigen Vögel können ab April bei Rangertouren im Naturschutzgebiet beobachtet werden. Den Winter verbringen sie am Ijsselmeer und im Rheindelta.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

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Über die A 13 als Lebensader des Hinterrheintals schreibt Der Bund und daß ihre Wertschöpfung bescheiden geblieben sei. Ein Hotel beim Tunnelportal stehe seit einem Jahrzehnt leer und sei zurzeit eingeschneit: “Bisher zeigte sich das kleine Hinterrhein immer wieder innovativ: Vor kurzem eröffnete im Dorf wieder ein Restaurant – in einem ehemaligen Geissstall. Hier können sich die Wanderer und Skitourengänger verpflegen, die eine der wenigen Ferienwohnungen gemietet haben. Der Kleinbetrieb läuft so gut, dass er eben ausgebaut worden ist. Früh erkannt haben die Bauern im Tal auch den Trend zu Bioprodukten. 1992 stellten sie ihre Produktion allesamt um. Ihr Bündner Bergkäse wird seither in hippen Bioläden in Deutschland und in der Schweiz von Coop verkauft. Im Dorf selbst gibt es einen Tante-Emma-Laden, der allerdings im Herbst schliessen wird.”

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Seeadler Victor überfliegt, von Deutz kommend, Anfang Mai diesen Jahres mit einer Rückenkamera den Rhein zwischen Deutzer Brücke und Hohenzollernbrücke und landet im Rheingarten der Altstadt auf dem Arm des Falkners Jacques Olivier Travers. Das knapp zweiminütige Video ist auf Youtube zu finden. Ein dreiminütiges Hintergrundvideo mit Statements des Falkners zu Victors Rheinüberquerung gibt es bei Spiegel Online.

Presserückschau (Februar 2014)

Ein Monat geheimnisvoller Vorfälle am Rhein war der ausgehende Februar. Die interessantesten Meldungen auf einen Blick:

1
Von einer mysteriösen, 500 oder 591 oder über 600 Meter langen (die Angaben in den Artikeln variieren), zunehmend kräftigeren und gegen Ende taumelnden Blutspur in Leverkusen-Rheindorf berichten Express und der Kölner Stadt-Anzeiger: “Die Spur beginnt an der Peenestraße in Rheindorf-Nord und zieht sich über einen Wirtschaftsweg an der Autobahnbrücke zu A 59 bis an einem Hitdorfer See. Dort endet sie. Die Polizei suchte die Gegend zunächst mit einem Hubschrauber ab. Auch ein Fährtenhund wurde eingesetzt. Der Spürhund, ein amerikanischer Bloodhound, ist speziell auf diese Fälle ausgebildet.” Eine Tauchersuche blieb ergebnislos. Unterdessen hatte ein anonymer Anrufer beim Notruf behauptet, die Spur stamme von ihm, nachdem er “sich geschnitten” hätte. Für die Polizei bleibt der Fall weiterhin ungeklärt.

2
FAZ-Reporter Dieter Bartetzko wurde von einem Rentner in Bingerbrück zu einem alten Gewölberaum geführt, in dem ein versteckter Kunstschatz lag. In “zweiundzwanzig faulenden Bananenkartons” lagerten Kannen, Krüge und Schalen, die der Reporter dank seines Kunstgeschichtsstudiums als spätmittelalterlich einstufte. Da viele der Gefäße mit Inventarnummern gezeichnet sind, dürfte es sich bei dem Schatz, so Bartetzko, um Diebesgut, womöglich aus dem Landesmuseum Mainz, handeln. Neben mittelalterlichen Gefäßen umfaßt der Fund auch Fliesen, die nach Bartetzkos Einschätzung aus der Renaissance oder dem Frühbarock stammen könnten. In einem Karton stieß der Reporter auf zwei Totenschädel und Knochen, die nun von der Polizei untersucht werden müssen. Für den Nibelungenhort dürfte der Schatz deutlich zu jung sein. Im Mainzer Landesmuseum werden indessen keine Stücke der gefundenen Art vermißt.

3
“Rocker-Arm im Rhein gefunden” titelt die BILD und zeichnet eine Landschaft mit Körperteil: “Das Rheinufer im Duisburger Stadtteil Mündelheim, Schafe grasen, ein Spaziergänger geht mit seinem Hund Gassi. An diesem idyllischen Ort machte ein Angler eine grausige Entdeckung: Am Ufer wurde ein abgetrennter Arm angespült. Als Gerichtsmediziner das Körperteil untersuchen, wird schnell klar: Es handelt sich um ein grausames Verbrechen. Denn der Arm wurde nicht durch eine Schiffsschraube abgetrennt, sondern mit einem scharfen Messer.” Polizei und Staatsanwalt hielten sich mit der Preisgabe von Informationen bedeckt, schreibt die BILD, weiß jedoch, daß der Arm posthum abgetrennt wurde und welcher Gemeinschaft er angehörte: “(…) Auf dem Unterarm prangt die Tätowierung „AFFA“ (Angel forever, forever Angel). Im Klartext: Der Arm gehörte einem Hells Angel.”

4
Drei Personen verschwanden Mitte des Monats im Rhein bei Köln, zwei tauchten wieder auf. Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, “eine 30-Jährige Frau (sei) mit einem neun Monate alten Jungen unter der Mülheimer Brücke in den Rhein gestiegen. Eine Passantin bemerkte dies und konnte das Kind noch aus dem Wasser ziehen. Sie zog es aus und wärmte es unter ihrem Mantel. Die Mutter des Jungen konnte vom Boot einer Segelschule gerettet werden. (…) Kurz vorher war von der Deutzer Brücke ein dunkel gekleideter Mann mit kurzen roten Haaren in den Rhein gesprungen. Er konnte in den Fluten nicht gefunden werden.” Eine spätere Version des Artikels bezeichnete den “dunkel gekleideten Mann” als “47-jährige Frau”.

5
In Köln und Leverkusen werden rund 300 Löcher ins Erdreich gebohrt, um die Bodentragfähigkeit für eine neue Autobahn-Rheinbrücke zu eruieren: “Mit einem gut 40 Meter langen Bohrer durchlöchern die Straßenbauer ab sofort den Boden in Ufernähe, um dessen Beschaffenheit zu prüfen. Auf diese Weise soll der spätere Verlauf der Trasse bestimmt werden. In den kommenden sechs Monaten werden (…) Bohrungen zwischen Köln-Niehl und Leverkusen-West durchgeführt (…). Um Fahrer nicht abzulenken, ist das Bohrfeld von einem Sichtschutz verdeckt.” (Kölnische Rundschau)

Presserückschau (August 2013)

Der August bescherte dem Sommerloch veritable Rheinquallen, doch was passiert? Die Presse berichtet einfach nicht! Überhaupt spielten sich beinahe alle relevanten Rheinmeldungen des Monats in Köln, einer auf mittlere bis ernsthafte Katastrofen spezialisierten Metropole, ab:

1
“Zwei Tage nach der Kollision zweier Schiffe auf dem Rhein steht fest, dass die Ruderanlage des Ausflugsschiffs Willi Ostermann intakt war. Der Kapitän hatte behauptet, das Ruder sei ausgefallen. Das Schiff war am Samstag ungebremst mitten auf dem Fluss gegen den 95 Meter langen belgischen Salz-Frachter Brizo geprallt. Eine Hochzeitsgesellschaft war mit rund 150 Gästen an Bord, acht mussten mit Schnittverletzungen, Prellungen und Schürfwunden behandelt werden.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

2
Zwei Darstellungsweisen eines tragischen Vorfalls:
“Ein Angler hat einen britischen Touristen aus dem Rhein bei Köln gerettet. „Der Mann hatte auf einmal heftigen Zug auf seiner Angel“, sagte ein Sprecher der Polizei am Dienstagmorgen. Das sei aber kein dicker Fisch gewesen, der daran gezappelt habe, sondern ein 20 Jahre alter Tourist von der Insel. Der Angler zog den hilflosen Briten daraufhin an Land.” (Focus)
“Aus Zeugenbefragungen ergebe sich nun ein neues Bild vom Ablauf, sagte ein Polizeisprecher. Demnach haben die beiden englischen Touristen (20, 22) im Wasser einen Wettlauf entlang der Buhne Richtung Flussmitte gemacht. An einer Stelle fällt der Untergrund plötzlich steil ab. Die Männer verloren buchstäblich den Boden unter den Füßen und gerieten in Panik. Der 20-Jährige hielt sich geistesgegenwärtig an der Schnur einer Angel fest, die ein Angler auf der Buhne aufgestellt hatte. An der Rute ist eine Glocke befestigt, die bimmelt, sobald ein Fisch anbeißt. Der Angler saß einige Meter weiter und grillte, als er die Glocke klingeln hörte. „Er lief zu der Angel, sah den Mann im Wasser, sprang sofort in den Fluss und zog ihn raus“ (…). Für den 22-Jährigen dagegen kam jede Hilfe zu spät. Er ging unter und trieb vermutlich ab.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

3
“Niedriger Wasserstand, offensichtlich unvorsichtige Schiffsführer und ein Rheinabschnitt in Köln, der als „Deutzer Platte“ dieser Tage traurige Berühmtheit erlangt hat: Nachdem innerhalb von zwei Tagen vier Schiffe auf Grund gelaufen sind, musste die am stärksten befahrene Wasserstraße Europas mehr als 36 Stunden gesperrt werden.” Woher der Begriff Deutzer Platte aufgetaucht ist, bleibt unklar, fest steht jedoch, daß er den Bereich zwischen Severinsbrücke und Deutzer Brücke bezeichnet. (Kölner Stadt-Anzeiger)

4
Die Kölner Nachrichtenfalanx wird von lediglich einer bezeichnenden Meldung des Südkuriers flankiert: „Ein Schwan wurde (…) am Rhein bei Weil am Rhein von einem freilaufenden Hund angegriffen und schwer verletzt. (…) Der Schwan war durch den Angriff des Hundes so schwer verletzt worden, dass er vom zuständigen Jagdpächter von seinen Leiden erlöst werden musste.“

 

Der Dom zu Cölln. Ein Fragment

Fünffach wölbt sich die Dekke auf Gruppen gothischer Säulen,
Höher hebt sich der Chor, stolzer getragen empor,
Schön ist das Innre geziert mit Erzen und Marmor und Teppchen
Und ein purpurner Tag bricht durch die farbigen Fenster. -
Aber dort, wo die Dunkelheit dichter sich webt durch die Säulen,
Hauchet ein Modergeruch dumpf aus der Tiefe herauf,
Alda schlafen die Helden der Kirche im hüllenden Sarge
Und ihr Bildniß ruht drauf, sie falten die Hände zum Beten,
Und ihr starrender Blick hat sich zum Himmel gewandt.
Staunend seh ich sie an, mir ist, als müßten sie reden,
Aber sie starren noch fort, wie sie es Jahrhunderte thaten
Und mich schauert so tief, daß also stumm sind die Todten.
Doch da hebt sich Gesang, und Orgeltöne, sie schweben
Feiernd die Dome hinauf, wo glänzende Heilige beten
Aber es wandlen die Töne sich und in Fitt`che der Engel
Und umrauschten melodisch wogend die heiligen Bilder.
Und zum Himmel verkläret sich alles – Musik, und Farben, und Formen,
Aus dem entzückten Auge verschwinden die Gräber, die Todten,
Und den stummen Grüften entsteiget ein freudiges Jauchzen. -
Ja ich habe die Auferstehung gesehen im Auge des Geistes.
Und das Leben der Kunst, es führte die Seele zum Himmel.
Dichtkunst! Du Seele der Künste, Du die sie alle gebohren,
Du beseelest das Grab, steigest zum Himmel empor.

Karoline von Günderrode (1780-1806), aus dem Nachlaß, entnommen  aus Wortblume.de, einer Website, die Werke deutschsprachiger Dichterinnen versammelt.
Der Kölner Dom war zu Zeiten Karoline von Günderrodes augenscheinlich-deutlich Fragment, ist heuer, quasi-vollendet, zwar augenscheinlich weniger, aber doch weiterhin Fragment, und wird für immer Fragment bleiben. Rheinseits südlich des Kölner Domes befindet sich in Köln derzeit die Deutzer Brücke, auf der in der Nacht zum vergangenen Samstag “eine junge Frau (…) gegen 3.30 Uhr (…) auf die Brüstung kletterte und von dort in den Rhein stürzte” (Express). Karoline von Günderrode erdolchte sich als junge Frau an einem Sommerabend gegen 22 Uhr in Winkel am Rheinufer. Kreise schließen sich, um weiterzukreisen. Woran findet die Menschheit Gefallen? Und wo nordet sie sich, Gefallen zu finden, ein?

Fischmenschmischwesen und Musik

Die Hoodsche Schiffsgesellschaft in Up the Rhine entpuppt sich als ein skurriler Haufen, der sich gegenseitig teils bis aufs Äußerste abhold doch wie selbstverständlich im Vernichten fremdländischer Sitten und Gebräuche, hier: Holland, überbietet, das den rheinfahrenden Briten in diesem von lockerer Lyrik unterbrochenem Briefroman viel zu sehr unter Wasser steht. „Nimeguen is as nigh to heaven as Beckenham in Kent; and a thousand miles north or south, east or west, make no odds in our journey to a world that has neither latitude nor longitude. Now I am here, I am not sorry to have had a peep at such a country as Holland; but being described by so many better hands, in books of travels, besides pictures, I need not enlarge. If you only fancy the very worst country for hunting in the whole world, except for otter-dogs, you will have it exactly. Every highway is a canal; and as for lanes and bridle-roads, they are nothing but ditches. By consequence, the lives of the natives are spent between keeping out water and letting in liquor, such as schiedam, aniseed, curacoa, and the like; for, except for the damming they would be drowned like so many rats, and without the dramming, they would be martyrs to ague and rheumatics, and the marsh fever. Frank says, the Hollanders are such a cold-blooded people, that nothing but their ardent spirits keeps them from breeding back into fishes; be that as it may, I have certainly seen a Dutch youngster, no bigger than your own little Peter, junior, toss off his glas of schnapps, as they call it, as if it was to save him from turning into a sprat.“ Immer wieder diese Ansätze von Fischmenschmischwesen, bei den alten Sumerern, Akkadern, Chaldäern, in afrikanischen Buschmythen und neuzeitlichen Mangas und nun auch bei den Niederländern der Spätromantik, aus Sicht der verantwortlichen Briten. Es muß mit der Sehnsucht nach dem Davontreiben zu schaffen haben, mit der Sehnsucht nach der Einheit mit den Elementen, vielleicht auch der Sehnsucht nach Verschwommenheit und Stille, welche letztere in der Moderne nurmehr vorübergehend und in Absolutheit eigentlich überhaupt nicht zu haben ist. Mag daran liegen, daß sich das Dröhnen der Geschichte der Natur überlagert hat, ich kann nur jedem raten, sich die Geräusche des Rheins einmal vom Drachenfels aus anzuhören, es ist das Röhren der Zivilisation, dem ein wunderbares Panoramafoto mit kleinen Schönheitsfehlern vorgeschoben die Welt wie auf einer Fotoshopvorlage zusammenfaßt: die Ebenen der einzelnen Epochen werden einfach geschichtet und verschmolzen, das aus ihren Zwischenräumen gequetschte Dröhnen sammelt sich in geografischen und sonstigen Kuhlen und wummert dort vor sich hin. Manchmal kommt dabei eine fantastische Musik heraus, wie gestern, als ich zufällig die Deutzer Brücke als Quelle einer tranceartig ächzenden Tonfolge ausmachte, fünf, sechs weitere Flaneure hatten es auch bemerkt, sonst niemand, und nach einigen Minuten brach sie wieder ab, eine tödlich schöne Musik, für einige Herzschläge aus dem allgemeinen Dröhnen geschält. Da wären wir bei lebenden (musikalischen) Brücken, ein wieder anderes Thema.