Presserückschau (Januar 2016)

1
Das hinterste Eck Deutschlands verortet die Welt am Rhein anbetrachts eines Aufsehen erregenden Sexualdelikts: “”Ein Center zum Verlieben” – mit diesem Slogan wirbt das Rhein Center im Stadtteil Friedlingen von Weil am Rhein. Das ockergelbe Shoppingparadies schmiegt sich direkt an die Schweizer Grenze, im Westen, auf der anderen Rheinseite, beginnt dann auch gleich schon Frankreich. Es ist eine abgeschiedene Hafen- und Handelsgegend, mit viel Logistikfirmen und Industrie. 88 Prozent der Einwohner in dem sozial schwachen Stadtteil haben Migrationshintergrund, schon lange klagt Friedlingen über Probleme mit Kriminalität und Verwahrlosung. In diesem hintersten Eck von Deutschland gibt es vor allem für junge Leute nicht viel zu tun und zu erleben. Ein McDonald’s, ein kleiner Park, ein Sportplatz, ein kleines Kulturzentrum, das war’s.”

2
Vage vom Fischfang inspiriert erscheint ein Bericht des Leverkusener Anzeigers über den Fund einer Rheinleiche: “Ein Angler hat (…) am Wiesdorfer Rheinufer eine Wasserleiche gefunden. Etwa bei Kilometer 702, nahe der Schiffsbrücke Wuppermündung, hatte der Mann in Ufernähe in etwa gummistiefel-tiefem Wasser einen leblosen Körper bemerkt und die Polizei alarmiert. Der Einsatzleiter der Feuerwehr sagte, der Angler habe den dümpelnden Körper im Auge behalten und den Notruf gewählt. Er soll später selbst beim Bergen des Toten geholfen haben. Die Leiche zog man an einer Buhne aus dem Strom. Der Einsatzleiter sagte, es handele sich wahrscheinlich um einen Mann, nicht mehr ganz jung, und dass es ihm schien, dass der Körper nicht nur kurze Zeit im Wasser gelegen habe.” Bei der Leiche handelte es sich schließlich um eine seit Tagen als vermißt geltende ältere Frau aus dem Ruhrgebiet.

3
Rheinfluchten: zwei Kriminaltouristen aus Frankreich, schreibt die Aargauer Zeitung, haben sich in Basel auf eine halsbrecherische Flucht vor der Polizei begeben: “Sie rasten durch Quartierstrassen und missachteten ein Rotlicht. Die Polizei verzichtete auf eine Verfolgung, um nicht noch mehr andere Autos zu gefährden (…). Auch durch eine Sperre an der Grenze zu Deutschland liessen sich die beiden nicht aufhalten. Die Barriere, die Grenzwächter beim Zollamt Grenzach-Wyhlen aufstellten, durchbrachen sie und setzten ihre Flucht in Rheinfelden auf deutscher Seite mit stark übersetzter Geschwindigkeit weiter (…). Als sie in Warmbach in einer 30er-Zone ein deutsches Polizeiauto erblickten und bremsen wollten, verlor der Lenker aber die Kontrolle über sein Auto. Es kam zum Zusammenstoss mit zwei parkierten Autos und einem Gebäude. Ein letzter Versuch zu entkommen, unternahmen die Männer zu Fuss. Einer der beiden sprang gar in den kalten Rhein.” Parallel dazu sprang auch in Köln ein Mann auf der Flucht in den Fluß, wie der WDR berichtet: “In Köln ist (…) ein Mann nach einer Verfolgungsjagd mit der Polizei in den Rhein gesprungen. Der 28-Jährige hatte im Stadtteil Deutz versucht, ein Haus in Brand zu stecken. Ein Augenzeuge hatte die Polizei gerufen. Daraufhin war der Mann zu Fuß vor den Beamten zum Rhein geflohen und dort ins Wasser gesprungen. Die Besatzung eines Feuerwehrbootes fischte ihn aus dem Rhein.”

4
Am Tag vor Silvester war ein Spaziergänger nahe der Neckarmündung auf große Blutlachen gestoßen. Die Frankfurter Rundschau berichtet, daß es sich dabei um Hinterlassenschaften eines Gewaltverbrechens handelte: “Vier Wochen nach dem Fund von Blut am Neckarufer in Mannheim hat die Polizei am Sonntag in Südhessen eine tote Frau aus dem Rhein geborgen. Eine Untersuchung habe die genetische Übereinstimmung ergeben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch in Mannheim mit. Die 31 Jahre alte Frau aus Mannheim sei Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Das ergebe sich aus dem Verletzungsmuster. Das Polizeipräsidium habe eine Sonderkommission mit 40 Beamten unter dem Namen “Basalt” gebildet.”

5
Dem Plastikanteil des Rheins wenden sich immer mehr Studien zu, die Auswirkungen der zunehmenden Plastikbelastung stehen unter Beobachtung: “Im Rhein bei Düsseldorf schwimmt jede Menge Plastik in kleinster Form. Wissenschaftler haben dort eine hohe Anzahl an Mikropartikeln gemessen. Das sind Teilchen, die bis zu fünf Millimeter im Durchmesser groß sind. (…) In Düsseldorf-Flehe wurde eine Konzentration von rund vier Partikeln pro Kubikmeter Wasser gemessen. In Bad Honnef liegen die Werte noch unter einem Partikel, an der Ruhrmündung bei Duisburg bereits bei über 160. (…) Die derzeitige Untersuchung lässt hingegen offen, wie gefährlich die Plastikpartikelchen für die Gesundheit von Mensch und Tier sind. (…) Im Rhein finden sich in vielfacher Zahl natürliche Partikel ähnlicher Größe, die von dort lebenden Tieren verschluckt werden. (…) Strategien zur Reinigung sind bislang Fehlanzeige: Die Klärwerke können die Konzentration der Teilchen im Fluss nicht verringern. (…) Am hilfreichsten sei es, Plastik wo es geht im Vorfeld zu vermeiden.” (Westdeutsche Zeitung)

Simplex kommt in ein Stadt, die er Köllen heißt

Kaum über acht Tag hatte ich mit meinem lieben Weib im Ehestand zugebracht, da ich in meinem Jägerkleid, mit einem Feurrohr auf der Achsel, von ihr und ihren Freunden meinen Abschied nahm; ich schlich mich glücklich durch, weil mir alle Weg bekannt, also daß mir keine Gefahr unterwegs aufstieß, ja ich wurde von keinem Menschen gesehen, bis ich nach Deutz, so gegen Köln über diesseits Rhein liegt, vor den Schlagbaum kam. Ich aber sah viel Leut, sonderlich einen Bauren im Bergischen Land, der mich allerdings an meinen Knan im Spessart gemahnte, sein Sohn aber dessen Simplicio sich am besten verglich. Dieser Baurenbub hütete der Schwein, als ich bei ihm vorüber passieren wollte, und weil die Sau mich spürten, fingen sie an zu grunzen, der Knab aber über sie zu fluchen: daß sie der Donner und Hagel erschlagen und “de Tüfel dartoo halen solte”; das hörte die Magd, und schrie dem Jungen zu, er sollte aufhören zu fluchen, oder sie wollts dem Vater sagen. Der antwortet der Knabe, sie sollte ihn im Hintern lecken und ihre “Mour dartoo brühen”; der Baur hörte seinem Sohn gleichfalls zu, lief derowegen mit seinem Prügel aus dem Haus und schrie: “Halt du hundert tausend etc. Schelm, ick sall di lehren sweren, de Hagel schla di dan, dat di der Tüfel int Liff fahr”, erwischt ihn damit bei der Kartausen, prügelt ihn wie einen Tanzbären, und sagte zu jedem Streich: “Du böse Bof, ick sall di leeren floeken, de Tüfel hal di dan, ick sall di im Arse lecken, ick sall di lehren dine Mour brühen, etc.” Diese Zucht erinnert mich natürlich an mich und meinen Knan, und ich war doch nicht so ehrlich oder gottselig, daß ich Gott gedankt hätte, weil er mich aus solcher Finsternis und Ignoranz gezogen, und zu einer bessern Wissenschaft und Erkenntnis gebracht; warum wollte denn mein Glück, das er mir täglich zuschickt, in die Länge haben harren können? Da ich nun nach Köln kam, kehrte ich bei meinem Jupiter ein, so damals ganz klug war; als ich ihm nun vertraute, warum ich da wäre, sagte er mir gleich, daß ich besorglich leer Stroh dreschen würde, weil der Kaufmann, dem ich das Meinige aufzuheben geben, Bankerott gespielt, und ausgerissen wäre; zwar seien meine Sachen obrigkeitlich petschiert, er selbst aber, sich wieder einzustellen, zitiert worden, aber man zweifle sehr an seiner Wiederkunft, weil er das Beste so fortzubringen gewesen, mit sich genommen; bis nun die Sach erörtert würde, könnte viel Wasser den Rhein hinunterlaufen. Wie angenehm mir diese Botschaft war, kann ein jeder leicht ermessen; ich fluchte ärger als ein Fuhrmann, aber was halfs, ich hatte drum meine Sachen nit wieder, und überdas keine Hoffnung, solche zu bekommen; so hatte ich auch über zehn Taler Zehrgeld nit zu mir genommen, daß ich also mich nit so lang aufhalten konnte, als es die Zeit erforderte. Überdas hatte es auch Gefahr auf sich, so lange dazubleiben, denn ich mußte sorgen, daß, weil ich einer feindlichen Garnison zugetan wäre, ich verkundschaft würde, und also nicht allein gar um das Meinige, sondern noch dazu in größere Ungelegenheit kommen; sollte ich denn unverrichter Sach wieder zurück, das Meinige mutwillig dahinten lassen, und den Hingang für den Hergang haben, das dünkte mich auch nicht ratsam sein. Zuletzt wurde ich mit mir selber eins, ich wollte mich in Köln aufhalten, bis die Sach erörtert würde, und die Ursach meines Ausbleibens meiner Liebsten berichten; verfügte mich demnach zu einem Prokurator der ein Notarius war, und erzählte ihm mein Tun, bat ihn, mir um die Gebühr mit Rat und Tat beizuspringen, ich wollte ihm neben der Tax, wenn er meine Sach beschleunigte, mit einer guten Verehrung begegnen. Weil er denn hoffte, es würde an mir etwas zu fischen sein, nahm er mich gutwillig an, und dingte mich auch in die Kost, darauf ging er andern Tags mit mir zu denjenigen Herren, welche die Fallimentssachen zu erörtern haben, gab vidimierte Kopie von des Kaufmanns Handschrift ein, und legte das Original vor, worauf wir zur Antwort bekamen, daß wir uns bis zu gänzlicher Erörterung der Sach patientieren müßten, weil die Sachen, davon die Handschrift sage, nicht alle vorhanden wären.
Also versah ich mich des Müßiggangs wieder auf ein Zeitlang, bis ich sehen wollte, wie es in großen Städten hergehet; mein Kostherr war, wie gehört, ein Notarius und Prokurator, daneben hatte er etwa ein halb Dutzend Kostgänger, und hielt stets acht Pferd auf der Streu, welche er den Reisenden ums Geld hinzuleihen pflegte; dabei hatte er einen teutschen und einen welschen Knecht, die sich beides zum Fahren und Reiten gebrauchen ließen, und der Pferd warteten, mit welcher drei- oder vierthalbfachen Hantierung er nicht allein seine Nahrung reichlich gewann, sondern auch ohn Zweifel trefflich vorschlug, denn weil keine Juden in selbige Stadt kommen dürfen, konnte er mit allerlei Sachen desto besser wuchern.

(aus Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch, Drittes Buch, Kapitel 23)

Auf den Spuren Willy Brandts (6)

Der Kölner Willy-Brandt-Platz liegt im rechtsrheinischen Stadtteil Deutz. Die Wahl der Schäl Sick scheint die Theorie der allgemeinen Nachrangigkeit und Trostlosigkeit der nach Willy Brandt benannten öffentlichen Orte zu stützen.

Leicht ließe sich auf den Gedanken verfallen, daß der Deutzer Willy-Brandt-Platz mitnichten einen Platz darstellt: sein Straßenschild, verankert im Trottoir des Gotenrings, markiert einen unbestimmten Abschnitt mit angrenzenden Parkstreifen anstelle eines Platzes. Es dürfte eigentlich den Fußweg meinen, der den Gotenring mit der Lanxess Arena (vormals: Kölnarena) verbindet und zu

dessen rechter Seite eine konische Rasenfläche mit einem Platz tatsächlich verwechselt werden könnte, jedoch offenbar nicht wird, da der gepflegte Rasen, im Gegensatz zu seiner unmittelbaren Umgebung, völlig unbevölkert bleibt.

Bei näherem Betrachten erweist sich der aus Betonplatten bestehende Rundweg um die Arena, die aufgrund ihrer Bogenarchitektur den Volksnamen Henkelmännchen trägt, ebenfalls als Willy-Brandt-Platz; zusammengenommen ergibt seine Architektur aus der Luft gesehen einen Löffel, in dessen Vertiefung die Arena liegt. Um die Arena mit ihrer Kapazität von 20.000 Zuschauern herum stehen mobile Kaffee-, Wurst- und Bierbuden.

Die äußere Begrenzung des Rundwegs bilden massive Gebäudekomplexe. Darin befinden sich neben den städtischen Gewerbe- und Bauaufsichtsämtern einige Lädchen, in denen der Kunde sich enthaaren lassen oder betrinken kann. Der Komplex wird mit mehreren der in Köln zahlreichen Fälle politischer und behördlicher Unfähigkeit zum Nachteil der Bürgerschaft in Verbindung gebracht.

Adlercam

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Seeadler Victor überfliegt, von Deutz kommend, Anfang Mai diesen Jahres mit einer Rückenkamera den Rhein zwischen Deutzer Brücke und Hohenzollernbrücke und landet im Rheingarten der Altstadt auf dem Arm des Falkners Jacques Olivier Travers. Das knapp zweiminütige Video ist auf Youtube zu finden. Ein dreiminütiges Hintergrundvideo mit Statements des Falkners zu Victors Rheinüberquerung gibt es bei Spiegel Online.

Köln in Köln (7)

In Köln boomen seit ein paar Jahren Wand-, Pfeiler- und Fassadenmalereien. Das Straßenbild gewinnt dadurch an Farbe, indes scheint die Motivwahl häufig nicht sonderlich originell. Viele der flächigen Gemälde zeigen zusammengeschusterte Kölnsilhouetten: Dom, Rhein, Fernsehturm, Groß St. Martin und Hohenzollernbrücke sind beliebte Motive mit Wiedererkennungswert.

Diese Ehrenfelder Wandmalerei bietet einen Blick vom Deutzer Ufer über den Fluß auf eine sympathisch zurückhaltende Kathedrale.

Die gleiche Perspektive – diesmal mit Nashornvogel und Kathedrale in vollem Saft – auf der Außenmauer des Kölner Zoos.

Auch in den umliegenden Ortschaften, wie hier in Kerpen-Sindorf, lassen sich Köln-Darstellungen finden. Um Verwechslungen auszuschließen, steht der Stadtname mit angeschrieben.

Früher Tweet

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Dernières lettres inédites de Napoléon 1er. Tome 1. Collationnées sur les textes et publiées par Léonce de Brotonne (Paris, 1903)

Presserückschau (August 2013)

Der August bescherte dem Sommerloch veritable Rheinquallen, doch was passiert? Die Presse berichtet einfach nicht! Überhaupt spielten sich beinahe alle relevanten Rheinmeldungen des Monats in Köln, einer auf mittlere bis ernsthafte Katastrofen spezialisierten Metropole, ab:

1
“Zwei Tage nach der Kollision zweier Schiffe auf dem Rhein steht fest, dass die Ruderanlage des Ausflugsschiffs Willi Ostermann intakt war. Der Kapitän hatte behauptet, das Ruder sei ausgefallen. Das Schiff war am Samstag ungebremst mitten auf dem Fluss gegen den 95 Meter langen belgischen Salz-Frachter Brizo geprallt. Eine Hochzeitsgesellschaft war mit rund 150 Gästen an Bord, acht mussten mit Schnittverletzungen, Prellungen und Schürfwunden behandelt werden.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

2
Zwei Darstellungsweisen eines tragischen Vorfalls:
“Ein Angler hat einen britischen Touristen aus dem Rhein bei Köln gerettet. „Der Mann hatte auf einmal heftigen Zug auf seiner Angel“, sagte ein Sprecher der Polizei am Dienstagmorgen. Das sei aber kein dicker Fisch gewesen, der daran gezappelt habe, sondern ein 20 Jahre alter Tourist von der Insel. Der Angler zog den hilflosen Briten daraufhin an Land.” (Focus)
“Aus Zeugenbefragungen ergebe sich nun ein neues Bild vom Ablauf, sagte ein Polizeisprecher. Demnach haben die beiden englischen Touristen (20, 22) im Wasser einen Wettlauf entlang der Buhne Richtung Flussmitte gemacht. An einer Stelle fällt der Untergrund plötzlich steil ab. Die Männer verloren buchstäblich den Boden unter den Füßen und gerieten in Panik. Der 20-Jährige hielt sich geistesgegenwärtig an der Schnur einer Angel fest, die ein Angler auf der Buhne aufgestellt hatte. An der Rute ist eine Glocke befestigt, die bimmelt, sobald ein Fisch anbeißt. Der Angler saß einige Meter weiter und grillte, als er die Glocke klingeln hörte. „Er lief zu der Angel, sah den Mann im Wasser, sprang sofort in den Fluss und zog ihn raus“ (…). Für den 22-Jährigen dagegen kam jede Hilfe zu spät. Er ging unter und trieb vermutlich ab.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

3
“Niedriger Wasserstand, offensichtlich unvorsichtige Schiffsführer und ein Rheinabschnitt in Köln, der als „Deutzer Platte“ dieser Tage traurige Berühmtheit erlangt hat: Nachdem innerhalb von zwei Tagen vier Schiffe auf Grund gelaufen sind, musste die am stärksten befahrene Wasserstraße Europas mehr als 36 Stunden gesperrt werden.” Woher der Begriff Deutzer Platte aufgetaucht ist, bleibt unklar, fest steht jedoch, daß er den Bereich zwischen Severinsbrücke und Deutzer Brücke bezeichnet. (Kölner Stadt-Anzeiger)

4
Die Kölner Nachrichtenfalanx wird von lediglich einer bezeichnenden Meldung des Südkuriers flankiert: „Ein Schwan wurde (…) am Rhein bei Weil am Rhein von einem freilaufenden Hund angegriffen und schwer verletzt. (…) Der Schwan war durch den Angriff des Hundes so schwer verletzt worden, dass er vom zuständigen Jagdpächter von seinen Leiden erlöst werden musste.“

 

Johanna Schopenhauer besucht Köln und vergleicht die Stadt mit Bordeaux, Hamburg, Paris, London und Berlin

“Kaum hat man Bonn im Rücken, so ist auch, wie durch einen Zauberschlag, alles Schöne und Herrliche verschwunden, das bis dahin am Rhein uns entzückte. Zwischen öden, kahlen und flachen Ufern wogt der prächtige Strom der ihm nahenden unwürdigen Auflösung im schmählichen Sande fast traurig und widerwillig entgegen, und dem verwöhnten Auge bietet nur selten hie und da sich ein Punkt, auf welchem es mit einigem Wohlgefallen verweilen möchte. Der Weg zu Lande von Bonn nach Köln, unerachtet der schönen Chaussee, auf welcher man in weniger als vier Stunden ihn zurücklegt, ist unbeschreiblich öde und langweilig; wir zogen daher, unerachtet des schlechten Wetters, zu unserm Weiterkommen das Dampfschiff vor; ich war nun schon muthig genug geworden, um erfahren zu wollen, wie man auch bei Regen und Sturm sich auf demselben befindet. Nachmittags gegen drei Uhr geht es von Bonn ab, und langt zwischen sechs und sieben Uhr in Köln an. (…)
Der Abstand zwischen den üppigblühenden Ufern der Garonne und den öden flachen Umgebungen dieser uralten Hansestadt ist freilich sehr groß, dennoch fiel die Lage von Bordeaux mir auf das lebhafteste hier ein. Wie dort die Garonne, so bildet auch hier der sehr breite Rhein einen weiten prächtigen Bogen, um den Köln, wie Bordeaux an der Garonne, in einem großen Halbzirkel sich hinzieht, an dessen äußerem Ende der schöne alte Beienthurm steht. Haus an Haus, Giebel an Giebel, über welche die zahlreichen Thürme der vielen Kirchen emporsteigen, deren Köln in früheren Zeiten, die Kapellen mit eingerechnet, so viele in seinen Mauern eingeschlossen haben soll, als das Jahr Tage hat. In ihrer Mitte erhebt sich eine räthselhafte dunkle kolossalische Gestalt. Es scheint kein Gebäude zu sein, dafür ist es zu groß, aber auch, der zu regelmäßigen Form nach, kein isolirt dastehendes Felsenstück; es ist der Dom, dieses hohe ehrwürdige Denkmal des kühnsten Emporstrebens des menschlichen Geistes und der Unzulänglichkeit menschlicher physischer Kraft, dessen erster Anblick auf mich einen unbeschreiblich schwermüthigen Eindruck machte. Seit Jahrhunderten harrt diese ursprüngliche große Ruine der Vollendung entgegen, und wird es immer; noch steht der Krahn, an welchem die mächtigen Quadern hinaufgewunden wurden; die Arbeiter haben Feierabend gemacht, Feierabend für ewige Zeiten, und kaum vermögen ihre Urenkel noch mit großer Anstrengung das begonnene Riesenwerk vor gänzlichem Verfall zu bewahren.
Trübe wandte ich den Blick von der schmerzlich schönen Erscheinung ab, er fiel zufälligerweise auf die großen Schiffsmühlen dicht vor Köln; getäuscht durch die schnelle Bewegung, in welcher der Strom uns auf sie zuführte, kamen sie wie formlose kolossale Seeungeheuer mir vor, mit gräulichen Flügeln, die halb rudernd, halb fliegend auf uns zueilten, um uns zu empfangen, oder auch in den Grund zu segeln. Jetzt landeten wir an der Brücke, der Anblick der vielen Masten im Hafen, die vielen Nachen, die mit Obst, Gemüse und Lebensmitteln aller Art beladenen Marktschiffe, das rege, thätige Leben ringsumher erinnerte mich lebhaft an Hamburg, obgleich dieser Hafen am Rhein nur ein sehr kleines Miniaturbildchen jenes großen weltberühmten an der Elbe genannt werden darf.
Sowie wir den Fuß ans Land setzten, entstand unter den in Köln nicht einheimischen Passagieren eine Art Wettlauf. Alles eilte dem nahen Gasthofe »zum großen Rheinberge« zu. Glücklicherweise war unser Quartier vorher bestellt, sonst hätten wir schwerlich noch Raum in demselben gefunden. Der erste Blick aus dem Fenster erklärte mir am folgenden Morgen, was die Reisenden bewegt, diesen Gasthof vor den vielen andern, zum Theil weit größern und elegantern in Köln vorzugsweise zu wählen: es ist die unvergleichlich schöne Lage desselben, hart an den Ufern des Rheines. Die große schöne Schiffsbrücke, die zu dem Köln gegenüberliegenden Städtchen Deutz hinüberführt, liegt gerade vor den Fenstern, sie wird auch als Spaziergang benutzt, und ist vielleicht der angenehmste, gewiß der lebhafteste um Köln. Das nie stockende Gewimmel von Fuhrwerken und Fußgängern auf derselben, der Anblick des Stromes, dessen weitere Windung, in welcher er den Niederlanden zueilt, das Auge verfolgt; das reich angebaute Ufer, der Stadt gegenüber, das tägliche Ankommen und Abgehen der mainzer und niederländischen Dampfschiffe, das lustig sich regende Leben im Hafen, Alles dieses zusammen bietet ein stets wechselndes, mannichfaltig bewegtes Schauspiel, dessen man in den ersten Tagen nie überdrüssig werden zu können meint, und auch so leicht nicht überdrüßig wird.
Die Stadt Köln macht, wenn man ihre Straßen betritt, keinen besonders freundlichen und erheiternden Eindruck, sie ist eine seltsame Zusammensetzung von Schön und Häßlich, von Alt und Neu, wobei ersteres immer noch das Uebergewicht behält, von beklemmender Düsterheit und freundlicher Helle. In steter Furcht, überfahren zu werden, betäubt vom Lärmen der Lastträger, der Karrenschieber und aller Unlust, eines in sehr beschränkten Räumen allerlei Gewerbe treibenden Volkes, windet man sich auf schlechtem, schlüpfrigem Steinpflaster durch düstre, enge Straßen, von hohen, die Luft beengenden Giebelhäusern umgeben.
Ringsumher, und in lockender Mannichfaltigkeit, stehen in großen Läden hinter hellen Spiegelscheiben Kunstsachen und alle erdenkliche Artikel des Luxus ausgestellt, aber man wagt nicht vor denselben betrachtend zu verweilen, wie in London oder Paris, denn an Trottoirs für die Fußgänger ist hier nicht zu denken. Mit jedem Athemzuge trinkt man den erstickenden Qualm von Thran, Oel, Leder, Unschlitt und allen möglichen Waarenartikeln ein, die ringsumher Gewölbe, Keller und Speicher anfüllen. Man biegt um eine Ecke und plötzlich ändert sich die Scene, wenngleich nicht auf lange Zeit. Breite, helle Straßen liegen vor uns, große, geräumige, zuweilen mit Bäumen besetzte Plätze und der Duft der Resede, der Rosen, des Jelängerjeliebers weht aus naheliegenden Gärten herüber, deren Köln in seinen Mauern weit mehrere und größere umschließt, als man bei der übrigens sehr engen Anlage der Stadt es erwartet.
Die Bauart der Häuser bietet das nämliche Gemisch von Alt und Neu. Die Zahl der älteren, mit der Giebelseite der Straße zugewendeten Häuser bleibt freilich noch immer bei weitem die überwiegende, aber selbst in engen Straßen, zwischen hohen und niedrigen, vielleicht mehrere Jahrhunderte alten Häusern, erheben sich im modernen Geschmack erbaute ansehnliche Wohngebäude; über die Eingangsthüre der alten Häuser steht gewöhnlich eine Art fratzenhafter Maske als Verzierung, die aus der ältesten Zeit herstammt, und vom Volke Grienkopf oder Grinnkopf genannt wird. Was aber sowol die alten wie die neuen Häuser mit einander gemein haben, sind die spiegelhell polirten Fenster mit den schneeweißen Vorhängen hinter denselben, und überhaupt die hier schon beginnende niederländische Reinlichkeit, die sich aber leider nicht bis hinaus auf die Straßen erstreckt. In Hinsicht des Straßenkothes wetteifert Köln mit Paris, der alten Lutetia, was aber in einer so lebhaften Handelsstadt, bei der Enge der meisten Straßen, nicht leicht abzuändern sein möchte. Auch müde laufen kann man sich in Köln so gut als in Paris und Berlin, und vermißt dabei schmerzlich die, selbst in mancher kleineren Stadt, auf bestimmten Plätzen immer bereitstehenden Fiacker, um bei zu großer Ermüdung oder bei einem plötzlichen Regenschauer schneller und bequemer fortkommen zu können. Wie alle kleinen Städte längs dem Rhein, streckt auch diese große, in unverhältnißmäßiger Länge zu ihrer Tiefe, sich längs dem Ufer hin, und ein Gang von einem Ende der Stadt bis zum andern dehnt sich dadurch oft zu einer kleinen Fußreise aus, die durch das unbequeme Steinpflaster sehr ermüdend werden kann. (…)”

(aus: Johanna Schopenhauer – Ausflug an den Niederrhein und nach Belgien im Jahr 1828, Kapitel 9: Köln)

Preisverfall

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Diesen 500000 Euro teuren Rheinblick (oben) hatte der Kölner Express heute für 70 Cent im Angebot. Bei rheinsein gibt es ihn sogar (nebst vielen weiteren Rheinblicken mehr!) vollkommen gratis!

Kurdischer Rhein: Heidewitzka!

Nach einem Pressebericht wurde am gestrigen Sonntagnachmittag an der Kölner Trankgassenwerft das Müllemer Böötche “Colonia 6″ von ca. zehn Mitgliedern der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) gekapert. Die Rheinpiraten entrollten Flaggen mit dem Konterfei ihres in der Türkei inhaftierten Anführers Abdullah Öcalan, forderten die Verlesung eines politischen Manifests über die Bordlautsprecher und wollten das Steuer übernehmen, was der Kapitän ihnen jedoch verweigerte. Zur Zeit der Kaperaktion waren zehn Passagiere auf dem Ausflugsbötchen. Einer von ihnen soll die Polizei alarmiert haben. Die Wasserschutzpolizei nahm die Piraten, die keinen Widerstand leisteten, fest. Die Kurden würden seitdem, verlautet die Sonntag spätabends zuletzt aktualisierte Meldung,  im Deutzer Hafen vom Staatsschutz vernommen.

Türkischer Rhein: Schäl Sick

Wie sich wasserlaufdurchzogene Städte (in den Augen der Literaten) gleichen, zumindest ähneln: rheinerfahren erwähnt Théophile Gautier in seinem 1853 erschienenen Reisebuch Constantinople das Kölner Panorama, um dasjenige Kadiköys ins rechte Licht zu setzen:

“Une promenade à Kadi-Keuï est un plaisir que les habitants de Péra se refusent rarement les jour de fête, surtout ceux qui ne sont pas encore assez riches pour posséder une maison de campagne sur le Bosphore, entre les palais d`été des beys et des pachas.
Kadi-Keuï (village des juges) est un petit bourg de la rive d`Asie qui fait face au Sérail, dans l`endroit où la mer de Marmara commence à s`étrangler pour former l`embouchure du Bosphore. Sur l`emplacement de Kadi-Keuï s`élevait autrefois la ville de Chalcédon ou Chalcédoine, bâtie par Archias, sous les Mégariens, vers la vingt-troisième olympiade, six cent quatre-vingt-cinq ans avant Jésus-Christ; voilà déjà une antiquité respectable. Cependant, quelques auteurs attribuent la fondation de Chalcédoine à un fils du devin Chalchas, au retour de la guerre de Troie; d`autres a des colons de Chalcis, en Eubée, qui valurent à la nouvelle cité le surnom de ville des Aveugles, pour avoir choisi cette place lorsqu`ils pouvaient prendre celle où s`étala plus tard Byzance. Ce reproche ne nous semble aujourd`hui guère mérité, car de Kadi-Keuï on a la plus admirable perspective du monde, et Constantinople déploie sur l`autre rive, à travers la gaze argentée de sa légère brume, la magnificence de ses dômes, de ses coupoles, de ses minarets, de ses masses de maisons peintes, entrecoupées de touffes d`arbres. – Quand on veut jouir du panorama de Cologne, il faut aller se loger à Deutz, de l`autre côté du Rhin; pour bien voir Stamboul, il n`y a pas de meilleur moyen que de prendre une tasse de café sur le port de Kadi-Keuï.”

war den Morgen ganz taschenmesserartig zusammengeknickt

Bonn, am Sonntag nach Pfingsten (11. Juni 1865)

[...] Am Freitag den 2. Juni reiste ich nach Köln herüber zum niederrheinischen Musikfest. An demselben Tage wurde dort die internationale Ausstellung eröffnet. Köln machte in diesen Tagen einen weltstädtischen Eindruck. Ein unendliches Sprachen- und Trachtengewirr – ungeheuer viel Taschendiebe und andre Schwindler – alle Hotels bis in die entlegensten Räume gefüllt – die Stadt auf das Anmuthigste mit Fahnen geschmückt – das war der äußere Eindruck. Als Sänger bekam ich, meine weißrothe seidne Schleife auf die Brust und begab mich in die Probe. Du kennst leider den Gürzenichsaal nicht, ich habe Dir aber in den letzten Ferien eine fabelhafte Vorstellung erweckt durch den Vergleich mit dem Naumburger Börsensaal. Unser Chor bestand aus 182 Sopranen, 154 Alten, 113 Tenören und 172 Bässen. Dazu ein Orchester aus Künstlern bestehend von etwa 160 Mann, darunter 52 Violinen, 20 Violen, 21 Cellis und 14 Contrebässe. Sieben der besten Solosänger und Sängerinnen waren herangezogen worden. Das Ganze wurde von Hiller dirigirt. Von den Damen zeichneten sich viele durch Jugend und Schönheit aus. Bei den 3 Hauptconzerten erschienen sie alle in Weiß, mit blauen Achselschleifen und natürlichen oder gemachten Blumen im Haar. Eine jede hielt ein schönes Bouquet in der Hand. Wir Herren alle in Frack und weißer Weste.
Am ersten Abend saßen wir noch bis tief in die Nacht hinein zusammen und ich schlief endlich bei einem alten Frankonen auf dem Lehnstuhl und war den Morgen ganz taschenmesserartig zusammengeknickt. Dazu leide ich, beiläufig bemerkt, seit den letzten Ferien an starkem Rheumatismus in dem linken Arm.
Die nächste Nacht schlief ich wieder in Bonn. Den Sonntag war das erste große Conzert. “Israel in Aegypten von Händel”. Wir sangen mit unnachahmlicher Begeisterung bei 50 Grad Reaumur.
Der Gürzenich war für alle drei Tage ausgekauft. Das Billet für das Einzelconzert kostete 2-3 Thaler. Die Ausführung war nach aller Urtheil eine vollkommene. Es kam zu Scenen, die ich nie vergessen werde. Als Staegemann und Julius Stockhausen “der König aller Bässe” ihr berühmtes Heldenduett sangen, brach ein unerhörter Sturm des Jubels aus, achtfache Bravos, Tusche der Trompeten, Dacapogeheul, sämmtliche 300 Damen schleuderten ihre 300 Bouquets den Sängern ins Gesicht, sie waren im eigentlichsten Sinne von einer Blumenwolke umhüllt.
Die Scene wiederholte sich, als das Duett da capo gesungen war.
Am Abend begannen wir Bonner Herren alle zusammen zu kneipen, wurden aber von dem Kölner Männergesangverein in die Gürzenichrestauration eingeladen und blieben hier unter
carnevalistischen Toasten und Liedern, worin der Kölner blüht, unter vierstimmigem Gesange und steigender Begeisterung beisammen. Um 3 Uhr Morgens machte ich mich mit 2 Bekannten fort; und wir durchzogen die Stadt, klingelten an den Häusern, fanden nirgends ein Unterkommen, auch die Post nahm uns nicht auf – wir wollten in den Postwägen schlafen – bis endlich nach anderthalb Stunde ein Nachtwächter uns das Hotel du Dome aufschloß. Wir sanken auf die Bänke des Speisesaals hin und waren in 2 Sek. entschlafen. Draußen graute der Morgen. Nach 1 1/2 Stunde kam der Hausknecht und weckte uns, da der Saal gereinigt werden mußte. Wir brachen in humoristisch verzweifelter Stimmung auf, giengen über den Bahnhof nach Deutz herüber, genossen ein Frühstück und begaben uns mit höchst gedämpfter Stimme in die Probe. Wo ich mit großem Enthusiasmus einschlief (mit obligaten Posaunen und Pauken.) Um so aufgeweckter war ich in der Aufführung am Nachmittag von 6–11 Uhr. Kamen darin doch meine liebsten Sachen vor, die Faustmusik von Schumann und die a dur Symph. v. Beethov. Am Abend sehnte ich mich sehr nach einer Ruhestätte und irrte etwa in 13 Hotels herum, wo alles voll und übervoll war. Endlich im 14ten, nachdem auch hier der Wirth mir versicherte, daß alle Zimmer besetzt sein, erklärte ich ihm kaltblütig, daß ich hier bleiben würde, er möchte für ein Bett sorgen. Das geschah denn auch, in einem Restaurationszimmer wurden Feldbetten aufgeschlagen, für eine Nacht mit 20 Gr. zu bezahlen.
Am dritten Tage endlich fand das letzte Conzert statt, worin eine größere Anzahl von kleineren Sachen zur Aufführung kam. Der schönste Moment daraus war die Aufführung der Sinfonie von Hiller mit dem Motto “es muß doch Frühling werden”, die Musiker waren in seltner Begeisterung, denn wir alle verehrten Hiller höchlichst, nach jedem Theile ungeheurer Jubel und nach dem letzten eine ähnliche Scene nur noch gesteigert. Sein Thron wurde bedeckt mit Kränzen und Bouquet, einer der Künstler setzte ihm den Lorberkranz auf, das Orchester stimmte einen 3fachen Tusch an, und der alte Mann bedeckte sein Gesicht und weinte. Was die Damen unendlich rührte.
[...]
Fritz

(aus: Friedrich Nietzsche, Briefwechsel, Kritische Gesamtausgabe, Erste Abteilung, Zweiter Band, September 1864 – April 1869)

Eisgang bei Cölln 1784

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Eigentliche Vorstellung Zum Imerwärende Andencken Des Traurigen Schicksals der Stadt Cölln. Da im Jahr 1784 der Gewaltigen Rhein Strom Sich durch Die Zum Höchsten grad gestiegene Kält 16 Fus Dieff Zusamen Sackte, Und 47 Täg Maur Fest die Schwerste Läst Von Einem Uffer Zum Anderen Beförderte. je Tieffer nun die Zufrierung des Stroms Ware, desto Gewaltsamer Muste der Aufbruch Sein. Da am 27 Feb Wurden Durch den Gewaltsamen Drang des Eises 4 Krahnen Zugrunde gerichtet. Die Landbrück. Schiffbrück. Eisbock Seind von den Rassenden Strom Mit genohmen Worden, 16 Holländischen und Viele Oberländische Schif Zu Grunde Gegangen. Die Stadt Mauren Umgeworffen Samt den Angräntzenden Häuser, und Unzähligen Menschen Zerschmettert, das Waßer Ware bey Diesem Sturm 11 Schuhe, 3 Zoll Höher als 1740. Wodurch Dan Beynächst die Gantze Stadt in Wasser Gesetzet wurde. Auch hat Diese Entsetzliche Hohe Flut jenseit dem bayen thurm Einen ausbruch Gethan. Wovon Viele Felder über Schwemmet. Auch alle Graben Rings um die Stadt Mit Wasser Angefüllet, und der unter der Müntze Ausgebrochene Flut hat in Mauenheim Und andere Örther Viel Schaden gethan. A. Deutz Hat Etlige Häuser und allen Ihr Vieh Verlohren. B. Mülheim hat 161 Häußer und Viel Menschen Eingebüßst. C. Roden Kirchen Hat Gleiches SchicKßall Gehabt. AltenMarcK und HeumarK waren 4 bis 7 Fuß unter Wasser Gesetz

(Kupferstich von J. P. Goffart)