Entlang der Mosel

mosel_luxembourgWohl bekanntester Nebenfluß des Rheins ist die Mosel, gebürtige Französin mit luxemburgischen Einflüssen, maßgeblich besungen von Ausonius im vierten

mosel_wasserbilligIn Wasserbillig (luxemburgisch Waasserbëlleg) fließt die Sauer in die Mosel

Jahrhundert nach Christus. Die heutige Moselstrecke der Bahn bedient Trier und führt von Koblenz nach Luxembourg und retour über Ortschaften mit irritierenden Namen wie Pommern, Bengel, Wecker, Igel oder Moselkern,

mosel_wein

ausgerufen von einer supersexy luxemburgischen Bandansagestimme mit laszivem französischen Akzent. Über den Ortschaften klangvoll benamte Steillagen, welche die aufdringliche Schönheit des Moseltals bestimmen und auf Dauer so eintönig gestalten, daß dem Bahnreisenden neue visuelle Anreize gesetzt wurden, darunter

mosel_hochmoselbrücke

mit der Hochmoselbrücke zwischen Ürzig und Zeltingen-Rachtig der derzeit umstrittenste.

Rom am Rhein

Als wir die Dokumentation Der Rhein – Strom der Geschichte schauten, fehlte uns die Vertiefung der angerissenen Themen. Die rund fünfhundert Jahre währende römische Herrschaftsperiode am Rhein war innerhalb weniger Minuten abgewickelt worden: erstaunlicherweise mit Bildern und Szenen aus einer anderen Produktion: Rom am Rhein (von Christian Twente aus dem Jahr 2015, ein Dreiteiler à 45 Minuten).

Rom am Rhein ist eine Mischung aus wissenschaftlich-dokumentarischen und erzählerischen Elementen, Computeranimationen und Schauspielszenen. Sie gibt einen guten Überblick eher über kulturelle Auswirkungen der römisch-germanischen Ära denn über Kriege und Herrscher, die von anderen Produktionen (etwa über die Varusschlacht) bereits abgedeckt wurden.

Der erste Teil fokussiert auf Köln, behandelt Konflikte zwischen Römern und Germanen, thematisiert das so wacklige wie effiziente römische Befriedungsprogramm, die Ansiedlung römischer Bevölkerung am Rhein (“ubi patria ibi bebe”) und die Widerstände einzelner Gruppen bzw. des Stammes der Bataver gegen das neue System.
Der zweite Teil zeigt die Etablierung römischer Errungenschaften (Steinbauten unter Einsatz von Zement, befestigte Straßen, fließend Wasser, Thermen, Kanalisation, Glasarbeiten, Weinbau, Amfitheater etc), die mit dem Rückzug der Römer teilweise für weit mehr als 1000 Jahre aus dem deutschen Kulturgut wieder verschwinden würden.
Durch den dritten Teil, der die Herrschaft Konstantins des Großen und das Aufkommen des Christentums behandelt, führt der Dichter Ausonius, der das germanische Mädchen Bissula liebte.

Aufs Detail blickend, ohne sich darin zu verlieren, forscht der Dreiteiler möglichst vielen Aspekten des römisch-germanischen Lebens nach, Unterhaltungselemente verhindern den Anschein trockenen Geschichtsunterrichts. Ein perfekter Einstieg für Interessenten an römischer Geschichte entlang des Rheins, und insbesondere auch für (Latein)Schüler.

Alle drei Teile sind Stand dieses Eintrags bei Youtube verfügbar.

Mosella

Transieram celerem nebuloso flumine Navam,
addita miratus veteri nova moenia Bingo,
aequavit Latias ubi quondam Gallia Cannas
infletaeque iacent inopes super arva catervae.
5unde iter ingrediens nemorosa per avia solum
et nulla humani spectans vestigia cultus
praetereo arentem sitientibus undique terris
Dumnissum riguasque perenni fonte Tabernas
arvaque Sauromatum nuper metata colonis:
et tandem primis Belgarum conspicor oris
Noiomagum, divi castra inclita Constantini.
purior hic campis aer Phoebusque sereno
Iumine purpureum reserat iam sudus Olympum.
nec iam, consertis per mutua vincula ramis,
quaeritur exclusum viridi caligine caelum:
sed liquidum iubar et rutilam visentibus aethram
libera perspicui non invidet aura diei.
in speciem quin me patriae cultumque nitentis
Burdigalae blando pepulerunt omnia visu,
culmina villarum pendentibus edita ripis
et virides Baccho colles et amoena fluenta
subter labentis tacito rumore Mosellae.

(aus Decimus Magnus Ausonius: Mosella)

Bissula

Der erste bekannte Donau-Rhein-Mosel-Dichter war Ausonius. Von ihm stammen u.a. die folgenden Verse über Bissula, eine hübsche germanische Gefangene, die sich mit den Römern zu arrangieren versteht. Bissula: welch ein Name. Direkt sehe ich einen Sandalenfilm vor mir, geölte Bodybuilder in knappen Fetzen und leichten Panzern, Kurzschwerter, stromlinienförmige Vollbärte, Blicke, als gälte es damit Löcher in Bergwände zu bohren. Dann Umblende auf Scharen ausgesuchter Mädchen mit Kakaobutter- oder Rosenmilchhaut, ebenfalls nur von wenigem leichten Tuch bedeckt. Desweiteren standardmäßig ausgestattet mit himmelblauen oder tiefbraunen Augen und mittels modernsten Shampoos und Spülungen gepflegtem schimmernden Haupthaar, das in perfekter Harmonie zu gezupften Wimpern und Brauen fließt. Das ganze sinnliche Styling korrespondiert mit dem schauspielerischen Einsatz einer raffinierten Kombination aus rehhafter Verschrecktheit mit katzenhaftem Mut, der Film läuft in jeder Szene, etwas holprig zwar, aber doch mit voller Wucht und Absicht hinaus auf das Zurschaustellen hocherotischer Archetypen, plaziert vor dem, was an bombastischen Kulissen, und ergänzt von dem, was an bombastischer Orchestrierung eben so zu bekommen war. Auftritt Bissula (in etwa: die junge Senta Berger), die in Gefangenschaft ihr Wald- und Höhlenleben abstreift, auch wenn sie es bisweilen schmerzlich vermißt, vor allem, solange sie an einen jungen, aber bereits sehr vollbärtigen Germanen denkt, doch die Zivilisation bezähmt mehr als die Hälfte ihres wilden Herzens, so wie es auch uns, den Nachfahren Bissulas, ergangen ist (offiziell zumindest), das ganze in rauschförderndem Technicolor:

Decimus Magnus Ausonius
Ubi nata sit Bissula et quomodo in manus domini venerit

Bissula, trans gelidum stirpe et lare prosata Rhenum,
conscia nascentis Bissula Danuvii,
capta manu, sed missa manu dominatur in eius
deliciis, cuius bellica praeda fuit.
matre carens, nutricis egens nescivit ere…
illico inexperto libera servitio,
sic Latiis mutata bonis, germana maneret
ut facies, oculos caerula, flava comas.
ambiguam modo lingua facit, modo forma puellam
haec Rheno genitam praedicat, haec Latio.