Rheinischer Jedi

Eine unserer Studentinnen machte uns auf den Fall eines Mannes aus Königswinter aufmerksam, der sich seit Jahren für einen Jedi-Ritter ausgibt und deshalb im soeben verflogenen September Ärger mit der Justiz bekam. Der Mann hatte einen Imbißbesitzer (sic!) verletzt, weil dieser ihm nicht den dem Jedistand gebührenden Respekt entgegengebracht hätte. Zuletzt griff er einen Postboten, der ihn beim Meditieren gestört hatte, mit Schlägen ins Gesicht an. Bei der darauf folgenden Gerichtsverhandlung verlangte er von den Richtern, sie hätten sich vor ihm (als Jedi) zu verbeugen. Das Gericht entschied die Einlieferung des Mannes in eine psychiatrische Klinik. So berichteten es zumindest diverse Zeitungen.
Unsere Studentin nahm den Fall zum Anlaß, den Jedi-Kodex auf Übereinstimmungen und Unvereinbarlichkeiten mit der rheinischen Lebensweise zu untersuchen. Sie kam zum Schluß, daß der Rheinländer an sich, zumindest außerhalb des Karnevals (dort etwa als Darth Vader kostümiert), nicht sonderlich fürs Jedi-Dasein tauge. Freilich war ihre Untersuchung vorwiegend kreativ-komödiantischer Natur und an gängigen Stereotypen orientiert.
Bleibt anzumerken: der Jedi im Schnellimbiß hat sich im rheinischen Alltag bisher allem Anschein nach nicht etabliert. Oder aber er bleibt bei „Currywurst Pommes“ derart unauffällig, daß er für Dritte nicht als Jedi zu erkennen ist. Ohnehin verbietet ihm sein Kodex Aggressionen gegen Schnellimbißbesitzer oder Postboten. Der Mann aus Königswinter scheint daher ein von Laien nur schwer zu beurteilender Ausnahmefall. Was wiederum bedeutet: über den tatsächlichen Jedianteil an der rheinischen Bevölkerung kann allenfalls spekuliert werden. Was wir hiermit bis auf Weiteres zu unterlassen versprechen.

Die Schaaner Commendatoren

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Ganz Liechtenstein wird beschützt von zwei Ordensrittern der Künstlerin Anna Chromy. Nachempfunden sind sie nur den mächtigsten Gestalten der erweiterten Erdgeschichte (wie etwa Darth Vader, den Dementoren aus dem Geiste Joanne K. Rowlings oder den Nazgûl aus Tolkiens Mittelerde-Saga), und plaziert hinter Gebüschen der Buchser Einfallstraße nach Schaan (bzw der Schaaner Ausfallstraße nach Buchs), einer rechts, einer links, doch beide gleich sinister an Ausstrahlung und Verstand. Nachts atmen sie schwärzeste Schwärze (Sterne prallen an ihnen ab), tags schaun sie einfach nur introvertiert-bös und versenden im Aktivfall heftige, gebündelte Rheinwellen. Als meditative Meister zielgerichteter Absorption trinken sie nebst jenen Seelen, die dem Vaterlande schaden, ausschließlich mit Kohlensäure versetztes Mineralwasser aus Vals, das sie, anders als die Seelen, die sie auf immer und schwer zerdrängt bei sich behalten, völlig schamlos am Orte ausscheiden – auf welchem Wege sie es beziehen, ist bis dato unbekannt. Ansonsten brüten sie meist einsam-zweisam vor sich hin – es ist alles andere als ratsam sich ihnen zu nähern; viele haben es jedenfalls nicht versucht und die kennt niemand mehr. Die seltenen Bilder der beiden im Volksmund „Licht“ und „Stein“ genannten Landeswächter stammen aus Sicherheitsgründen von einem mit Periskopkamera ausgestatteten Satelliten. Um sie ins Internet stellen zu können, leider bekomm ich sie nicht direkt gegenübergestellt, wurden sie zuvor sorgfältig römisch-katholisch-elektronisch exorziert.