Via Mala: ein unbeschreibliches Gemisch von Angst und Muth

So zogen wir von Tusis aus, an einem düstern Morgen, über den kleinen Flus Nolla, in das wilde Gebirge hinein. Nachdem wir eine Zeitlang einen jähen, schlangenweis sich emporwindenden Pfad hinan, und dann in ein enges finstres Thal  hinabgestiegen waren,  befanden wir uns in der Via Mala. Stellt euch ein hohes Felsengebirge vor, das vom Gipfel herab in eine schmale Kluft auseinander gesprengt ist; unten in einer schwindlichten Tiefe der Rhein, der sich mit lauter Wasserfällen zwischen den Oefnungen der Felsen durchdrängt; in der Mitte der schroff aufsteigenden, oft überhängenden Felsenwände läuft an einem schmalen Rande, unmittelbar über dem Abgrunde des Stroms, der Weg in beständigen Krümmungen fort, und springt dann auf das entgegengesetzte Ufer. Die Brücke, die den Uebergang macht, ist mit einem einzigen kühnen Bogen über die Kluft hinüber gesprengt. Ich stieg iezt vom Pferde ab, um mit desto mehr Sicherheit mir einen Anblick, der der Einzige in seiner Art ist, zu verschaffen. Ich weis nichts mit der Empfindung zu vergleichen, die ich hatte, als ich über den Rand der Brücke gelehnt, in die schwarze Tiefe hinabsah, und das dumpfe Tosen des Stroms hörte, der hier einen Kessel bildet, und durch eine enge Ritze in Felsen weiter abfließt. Der schaudervolle Gedanke: da hinab zu stürzen! wiegt sich mit dem Bewußtseyn, du bist in Sicherheit! auf und ab; ein unbeschreibliches Gemisch von Angst und Muth erfüllt die Seele. Augen und Ohren empfangen die Eindrücke des Erhabnen; eine gewisse Tiefheit, ein feyerlicher Ernst ist die herrschende Empfindung. Und so wie einem in einer lachenden, heitern Gegend nicht selten ein paar Zeilen aus einem frohen Gesange, glückliche Stellen aus einem, mit der schönen Natur vertrauten Lieblingsdichter einfallen: so glaubt man hier in dieser furchtbaren Kluft, die Bilder jener gräßlichen Scenen aus den Gefilden der Hölle zu finden, mit denen Dante und Milton einst unsre Imagination erschütterten.
Nicht weit von dieser Stelle, war vor einiger Zeit ein Saumroß, von einer herabfallenden Schneelaue ergriffen und in den Flus hinab gestürzt worden. Weil sich unter seiner Ladung auch ein Beutel mit hundert Thalern befand, so wurde ein Prämie von sechs Dukaten, glaub ich, demjenigen geboten, der das halsbrechende Unternehmen wagen und den Beutel herausziehen würde. Unter den Einwohnern von Tusis fand sich auch wirklich ein solcher Wagehals. Er wählte sich noch einige Gehülfen, versah sich mit Stricken, Stangen und dergleichen Geräthen; so weit es möglich war, kletterten sie an der jähen Felsenwand hinab, und als sie nicht weiter fortkommen konnten, ließ sich jener an Stricken in die Tiefe hinunter, suchte so zwischen Felsen und Wasser schwebend, mit einem Haken das Gepäck von dem zerschmetterten Saumrosse loszumachen, und brachte auch einen Sack herauf, welches zum Glück gerade derjenige war, in dem sich die hundert Thaler befanden. Schade, daß dieser Muth um sechs Ducaten feil war! Als wir heute von Tusis ausreisten, begegneten wir eben dem Manne, der dieses unglaubliche Abentheuer bestanden hatte; dis gab denn Gelegenheit, daß Herr von Salis uns die Geschichte an Ort und Stelle erzählte.
Wir hatten auch einen wunderschönen und seltsamen Anblick an den unzähligen Eiszapfen, die gleich silbernen Franzen, an allen Ecken der feuchten Felsen, oft in Mannsgröße herabhingen.
Zwey Stunden brachten wir fast in der Via Mala zu, die sich endlich in das Schamserthal öfnet.

(aus Samuel Gottlieb Bürde: Erzählung von einer gesellschaftlichen Reise durch einen Theil der Schweiz und des obern Italiens, Halberstadt 1795)

Nie ankommen – Köln Poem

Vergangenes Jahr hat der Sprungturm Verlag Jens Hagens Köln-Poem Nie ankommen herausgegeben, ein geschmackvoll schlicht gestaltetes Buch, dem eine CD mit vom Autor eingesprochenen Gesamttext beiliegt – für lyrische Publikationen eine gute, beinahe schon zwingende Idee.

Das erzählerische Langgedicht ist in vier eigenständig lesbare Teile gegliedert. Der erste davon, Dann geh ich mit Picasso in den Park, läßt sich als Grundanstrich betrachten. Mit Köln hat er leidlich wenig zu schaffen, scheint vielmehr überwiegend in Frankreich angesiedelt, zumindest tauchen als konkrete Ortsangaben einzig ein Kernkraftwerk an der Loire, der Boulevard périphérique und das Meer bei Trévignon auf. Auch das Personal verweist zu Teilen auf den südwestlichen Nachbarn, der immerhin 20 Jahre lang (von 1794 bis 1814) die Kölner Geschicke bestimmte: neben diversen Rock- und Jazzgrößen, Till Eulenspiegel und Richard Wagner, Brutus und General Custer tauchen die drei Musketiere samt d’Artagnan, Arthur Rimbaud, Victor Hugo und der Enkel von François Villon auf. Es könnte sich bei diesem Auftakt um einen Traum handeln, der Geschichten und Geschichte durcheinanderwirft und auf die einsetzende Postmoderne verweist, einen raschen Irrlauf durch einen Hippie-Bezugspunkteparcours, in dem die apokalyptischen Reiter in Limousinen vorfahren, ein für den Entstehungszeitraum typischer Bewußtseinsstrom, der das Fegefeuer, Werbeplakate, Betonterrassen, Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten, Motocrossmaschinen, Liveauftritte bei der Fernsehfasenacht, strahlende Substanzen und bekannte Songzeilen der Beat-Ära mit sich reißt, durcheinanderwirbelt und wieder ausblendet, um schließlich den Vorhang zu lichten für den zweiten Teil:

Fragmente vom Rudolfplatz. Der Platz mit der Hahnentorburg, an der berüchtigten Ringstraße gelegen, zugleich Knotenpunkt für über- und unterirdische Stadtbahnlinien steht für das Abenteuer Großstadt, Autos gegen Menschen, Wasserwerfer gegen Demonstranten, erotisch geladene Straßenszenen. Wieder blendet Jens Hagen geschichtliche Epochen übereinander: Mittelalter, preußische Herrschaft, Drittes Reich, das 1960er-Ganovenmilieu an den Ringen und die studentischen Feminismusdebatten der 80er-Jahre. Das Personal besteht nun aus Gestalten des Kölner Stadtgedächtnisses: Die heilige Ursula, Albertus Magnus, Stephan Lochner, Thomas von Aquin, Jacques Offenbach, Orgels-Palm und Rolf Dieter Brinkmann tauchen auf, Jens Hagens Freund, der Straßenmaler und Musiker Manni Löhe, geleitet „im sozialen Netz von Schnaps und schalem Biergeruch“ als kölnisiertes Mischwesen zwischen Dantes Vergil und dem Rattenfänger von Hameln tanzend und flötend durch die Assoziationsstränge. Der Rhein erreicht den Platz in selbstbezüglicher Karnevalsverkleidung („Am Rhein nur / Tschingpeng / Rrammtamm / Geborrrarängtschingwummplängsein…) und verliert sich im umgebenden Ambiente des Gemüsemarkts, der Kaufhäuser, Spielhallen, Nachtbars. Heißes Pflaster Köln hieß ein Film Ernst Hofbauers von 1967 über die Kriminellenszene an den Ringen. Direkt diesem Film entsprungen scheint Hagens Rudolfplatz-Protagonistin Pretty Woman, eine Prostituierte, die ihre Einnahmen an Zuhälter abliefert und Schläge kassiert, um erneut übers Pflaster zu stöckeln. Das tausendjährige Kölle präsentiert sich als mosaikartiges, aus durcheinandergewürfelten Momentaufnahmen diverser Asfaltwahrheiten bestehendes, von Zitaten Jim Morrisons oder der Rolling Stones durchsetztes Fresko, zusammengestaucht aus Spiegelbildern innerer Filme, einem Hechtsprung in die Hinterlassenschaften der Kallendresser oder dem sonnenbeschienenen Totentanz eines handelsüblichen Nachmittags.

Teil 3, City Poem, entfaltet sich in einer Klammer aus Haikus über den abendlichen und morgendlichen Rhein. Radiosounds, gewiß aus dem WDR-Programm, Liedfetzen und Nachrichtenschnipsel erklingen, das Geraune geht über in typisches Alltagsgeschehen der Innenstadt, ein von kleinen Leuten bevölkertes Panorama mit Currywurst-Geruch und seitlichen Einflüsterungen: „Wollen wir fernsehen? / MTV bei C&A / Auf sechzehn Monitoren?“. Der Text widmet sich den wandelnden Massen der Fußgängerzone und Altstadt, lupt auf einzelne Passanten und ihre Hunde: „Dackel sind verrückt.“ Das Personal besteht nun aus anonymen Gestalten, Tieren und Verlierern: dem Schlurfer mit dem weißen Mantel, dem Einbeinigen, der immer Zigarettenstummel sucht, der Zwangsverschickerin vom Ausländeramt, einem durchtrainierten deutschen Oberunterfifi, dem Ratten- und dem Taubenpack, den Streifenbullen und Fisternöllchen, dem Yogi auf dem Warmluftschacht. „Gesellschaftskunde gucken“ heißt das in City Poem, wenn Börsenmeldungen, Protestsongs und Werbebotschaften auf Stadtflaneure treffen: „Am Tage sind die Straßen hier Vollstress / Aber nachts gehört die City unsereins“. Unter dem Kölner Pflaster liegen in Abwandlung eines berühmten Sponti-Spruchs das Breitbandkabel und Agrippinas, der Stadtmutter, Kanapee, auf dem sie mit wer weiß schon wem alles rumfummelte. Zwischenzeitlich geht der Gaul mit dem Dichter durch, sein Parlando gerät in Endreime oder den Sog des Rhythmus von Carl Perkins Blue Suede Shoes, um sich schließlich wieder zu beruhigen und auf leisen Sohlen in eine Chargesheimer-Ausstellung zu entführen, dessen Schwarzweißfotos das Kölnklischee maßgeblich prägten. Zum endgültigen Herunterkommen dient die Überquerung der Lebensader: „Die Brücke, morgens. / Nach langem Gehen hellwach, / Schau ich auf den Rhein.“

Zeitwärts, ufernah, der letzte Teil, ist bei fortgesetzter Plakativität der intensivste, spirituellste. Er handelt von Aufbruch-, Sehnsuchts- und Fluchtbestrebungen der Kriegs- und Nachkriegsgeborenen in eine bessere Welt wie sie in Liedern, Träumen, Geschichten, Kindheitserinnerungen, in der Nacht, im Rausch der „Säfte des Waswärewenn“ millionenfach vorkommt. Den Bombeneinschlägen entronnen, verlegt sich das Entkommenwollen auf das Nazinachfolgeland, es gilt der herrschenden normiert-numerierenden Spießigkeit, dem Versauern bei dumpfer Fabrikarbeit, dem Krieg in den Medien, dem Haste-was-biste-was-Denken, wichtigtuerischen Geschwafel und Einig-tschland-Wufftata, dem Karrierezwang Paroli zu bieten. Die Seitwärtszeituhr des Erfinders Stolk schlägt dem Erzähler den Takt und hilft ihm, in die Utopien fördernde Kindheit zurückzureisen: „Erforschten in Rinnsalen die Quellen des Nils, / Schossen Liebesperlen aus Pistolen“, der Rhein mutiert flugs zum Mississippi Huck Finns oder zu Stevenson’schen Schauplätzen: „An Wolkenrändern / Im Dunst überm Fluss schweben / Schatzinselmöwen.“ Den Sehnsüchten linker Jugendjahre verschnitten präsentiert das Gedicht deren gerechte Ergebnisse, Beispiele für inneren Wertewandel „vom Kreml ins Weiße Haus“, „von Al Fatah zum Muttertag“, „vom Schwarzen Block ins Blumenkästchen“, „von Dobermann auf Schäferhund“. Ob sich Glück mit einer Kurve nachzeichnen läßt? Nie ankommen oder: Ein Atheist im Kreuzgang sollte der vierte Teil ursprünglich heißen, in dem der Fluß für die Möglichkeiten des Unmöglichen auch noch im Jetzt das Bild liefert: „Am Rhein hier weit weg / Der Schiffe Tuckern erzählt / Von allem und nichts“

Nie ankommen ist ein lyrisches Konzeptalbum mit vier Longsongs im Sound der 70er-Jahre. Bei der ersten Lektüre haben wir die Verse in Zimmerlautstärke skandiert, das Schriftbild forderte dazu auf: Klanglichkeit und Rhythmus stellen tragende Komponenten der Textkomposition vor. Jens Hagens Vortrag auf CD wirkt bei den ersten drei Teilen, die im Studio eingesprochen wurden, gelassen, beim letzten, einem Livemitschnitt, getrieben. Seine Worte sprechen von den Träumen einer Generation, die im Geflecht der Zeitalter längst von moderneren Trieben überwuchert werden, so wie in Nie ankommen rückblickend-vorausschauend „die Halbwertszeit der Mandelblüte“ berechnet wird, deren essentielle Eigenschaften in Schönheit, Kürze und Wiederkehr bestehen.

Jens Hagen: Nie ankommen. Köln Poem, Sprungturm Verlag, Köln, Hardcover, Leineneinband, 19 x 14 cm, 104 Seiten plus Audio-CD, 19.90 Euro, ISBN: 978-3-9815061-8-1

Wernerkapelle

Endlich musste ich mich gegen das alte Bacharach selbst wenden. Der Ort hat das Gepräge hohen Altertums – sein Name schon Ara Bachi deutet auf römischen Ursprung – dann aber die Menge verfallener Türme an den Stadtmauern – das höchst besondre wunderliche Bauwesen der Häuser mit ihren braunen Gebälk, ihren vorgebauten Stockwerken, überall von Wein umrankt, die alten Kirchen, wie das alles so in die enge nach dem Rhein geöffnete Talschlucht hineingelagert ist, es gibt einen höchst eigentümlichen Anblick.

Längst nun war ich durch früher betrachtete Abbildungen gespannt, die merkwürdigen Ruinen der Wernerikirche zu sehen, und ich ließ es deshalb meinen ersten Gang sein, um noch bevor der Abend tiefer herabsänke mich an diesen alten Baulichkeiten zu weiden.

Aus enger Straße durch ein altes Kirchhofpförtlein manche Stufen hinauf, kam ich erst auf den kleinen Kirchhof der mit vielem Anbau alter Kapellen umgebenen und mit einem alten durch byzantinische Bogenstellung verzierten Turm geschmückten Stadtkirche, und vor mit lagen auf naher mittler Anhöhe, am Fuße eines viel höhern wieder mit Burgruinen gekrönten Felsens die öden Mauern der Wernerikirche, durch deren leere, nur noch mit den zierlichsten steinernen Rosetten versehenen Fenster die Luft zog, während die Wolken von oben frei auf den grasbewachsenen Boden der ehemaligen Kirche hereinsahen. Schnell stieg ich die Stufenreihe bis dahin noch hinan, durchging die Räume der nicht großen, aber den besten Stil des 14. Jahrhunderts verratenden, und aus einem festen roten Wasgauer Sandstein gebauten Kirche und suchte mir dann einen Standpunkt aus, von welchem ich zeichnend eine bleibende Erinnerung an diese außerordentliche Umgebung mitzunehmen vermöchte.

Wie ich nun da oben stand, die im reinsten Verhältnis geschwungenen hohen gotischen Bögen mit den reichen Fensterverzierungen sich in den Abendhimmel erhoben, die glatten Strebpfeiler und zierlichen Spitzsäulen in den eigentümlichen, gesättigten braunroten Ton ihres Gesteins, und noch so scharf, als wären sie erst eben aus der Hand des Steinmetzen gekommen, das späte Tageslicht wiederschienen, dahinter aber das gelbliche Mauerwerk des Stadtkirchenturms mit seinen rundbogigen Fenstern und hoher schiefergedeckten Turmspitze aufragte, als ich weiterhin über der tiefer unten liegenden Stadt mit ihren alten Wehrtürmen, und durch die Fensterbögen der Ruine den von hohen Bergesabhängen eingeschlossenen Rhein erblickte, und als nun das sonore, den morgenden Sonntag ankündende Abendläuten näher und ferner erklang, da ergriff mich ein Gefühl tiefer nachhaltiger Rührung; ich gedachte an Dante:

“Era già l’ora che volge’l disio
A’ naviganti, e’ntenerisce’l cuore
Lo di c’án detto a’ dolci amici: a Dio;
E che lo nuovo peregrin, d’amore
Punge, se ode squilla di lontano,
Che paia’l giorno pianger, che si muore”

Gewiss ich gestehe ein so sonderbares, so neues und doch so heimatliches Gefühl nie gehabt zu haben! Es war mir als habe ich nun erst ein Vaterland, mein Vaterland gefunden!

Hier ist ja dasselbe, was uns in Italien so mächtig ergreift: eine großartige Natur, ein weltgeschichtlicher Boden, und bedeutende Monumente, in deren Fortbildung wie in deren Zerstörung mannigfaltige vorübergegangene Perioden einer großen Zeit ihre tiefsinnigen Lettern gegraben haben!

Ja mir ist es mehr als Italien, denn es ist mein Land, es ist Deutschland, und nimmer werden römische Bauwerke so zu unserm Geiste sprechen, als der unserm Volke ganz eigene, in ihm geborene, mysteriöse reine Stil, wie er in diesen Bögen noch atmet, und in der kleinsten Fensterrose sich spiegelt!

Und tönt nicht selbst in dem sonoren Klange dieser Abendglocken das reine Silber wieder, welches in jenen Jahrhunderten das gläubige Volk zu Glockenspeise herzubrachte, wenn eine neue Glocke gegossen werden sollte? ja ist nicht am Ende gerade die Pietät, wann und wo wir sie gewahr werden, das was uns am Menschen das Herrlichste bleibt, und ist sie es nicht deren Nachgefühl hier noch heute beiträgt, dem aus vergangenen Zeiten stammenden Glockenklange eine geheime Anziehung zu unserm Geiste zu verleihen!

Als ich meine Zeichnung vollendet, und tiefe Abenddämmerung eingetreten war, stieg ich hinab zur Stadt, und wanderte noch durch eins der verfallenen Epheu- und Wein-umrankten Tore zum Rhein. Da lagen nun die großen Rheinschiffe, der Fluss wallte so ruhig an die flachen Ufer, so dunkel und hoch streckten hüben und drüben die Bergrücken sich längs des Stroms, ruhend von der Arbeit und in ihren Gesprächen vertieft saßen oder standen die Leute des Orts vor ihren gebrechlichen Häusern, über welchen überall die Trümmer aus vergangenen Jahrhunderten aufragten, kurz alles alles stimmte zu einem einzigen großen Moll-Akkord zusammen, und erregte mir die seltsamsten Gedankenzüge.

Noch musste ich es als den Schlussstein dieses mir für mein Leben merkwürdigen Tages und Abends betrachten, als ich, eingetreten in meine Wohnung, gerade gegenüber dem Fenster der Treppe zu meinem Zimmer, noch einmal die hohen Fensterbögen der Wernerikirche auf dem Grunde des Sternenhimmels in ihrer völligen Reinheit und Zierlichkeit erblickte.

Ich werde Euch nicht vergessen!

(aus: Carl Gustav Carus: Paris und die Rheingegenden. Tagebuch einer Reise im Jahre 1835, Leipzig 1836; zitiert nach dem Goethezeitportal, das eine schöne Text- und Bildzusammenstellung zu Bacharach im 19. Jahrhundert als “Ort kultureller Erinnerung” aufweist.)

Le Styx des Alpes (2)

(…) Au-dessus des bains commence la gorge proprement dite de la Tamina ; point d’autre bruit que le grondement sourd des eaux ; plus de trace de créature vivante ; parfois seulement peut-être un petit oiseau voyageur vient, comme un troubadour égaré, passer dans cette solitude, pour la fuir aussitôt épouvanté. Munis du billet qu’il faut prendre pour visiter la Tamina, nous avonçons sur la rive droite : tout ce que nous avons vu jusqu’à ce moment n’est qu’un prélude.
Cependant la petite route a fini ; il nous faudra suivre l’espace d’un démi-kilomètre un sentier formé par de solides madriers soutenus par les rochers qui pendent au-dessus du gouffre. On rampera, pour ainsi dire, le long de l’affreuse paroi : c’est un paysage de Dante, c’est un château de l’enfer ; mais quelle terrible architecture! Le site est grandiose et terrifiant, unique et incomparable. Il me semble lire sur les sombres rochers la parole désolante : Laissez là l’espérance!
L’obscurité se fait : à dix pas je ne reconnais pas mon compagnon, et les personnes qui nous précèdent s’agitent comme des spectres. On se parle peu ; on sent et on admire en frissonnant. Les vagues écumantes roulent sous les voûtes sombres avec un murmure lugubre, ou frappent avec éclat, jaillissent et relentissent sur le roc, et ruissellent des saillies aiguées, puis retombent dans les fonds ténébreux, et s’écoulent, grondant en tonnèrres prolongés.
À mesure qu’on avance, la voix du torrent, renforcée par l’écho, nous absorbe davantage ; le plancher qui nous porte est trempé de l’eau dégouttant des rochers. À chaque endroit particulièrement saillant et terrible nous nous disons : Que deviendrions-nous si un madrier manquait sous nos pieds? C’est ici un vrai Styx, dont les eaux réduites par des nombreuses chutes en tourbillons d’écume, peintes en noir par les débris enlevés aux rochers, aident par leur sombre aspect à rendre le site plus funêbre. Que d’années aura-t-il fallu au torrent pour se frayer un passage à travers cet affreuse crevasse!
Mais éloignons un moment le regard des profondeurs pour voir au-dessus de nous. L’oeil, le plus souvent, n’aperçoit que les parois des rochers qui semblent se joindre à deux cent mètres de hauteur ; d’autre fois un petit espace de firmament, quelques parcelles du bleu d’azur planent au-dessus du gouffre, et sourient au voyageur qui se meut au fond du noir abîme. Les rochers eux-mêmes dessinent dans la voûte du ciel des curieuses mosaîques, des figures géométriques, des lacs, des pelouses dont les fleurs sont les étoiles. J’aimerais à contempler ces bouches au moment d’un orage, lorsque l’éclair y glisse sa lumière ardente, et fait resplendir d’un feu sinistre et les rochers et les flots bouillonnants.
Quoiqu’il ne soit pas possible de voir d’un seul coup d’oeuil tout le passage, il y a néanmoins un endroit où la plus grande portion en est visible ; on fait bien de s’y arrêter un moment, pour concentrer et graver les impressions ressenties. Ça et là nous rencontrons un voyageur ; en voici un devant nous qui brandit sa canne ; on dirait Télémaque écartant de son épée les ombres aux enfers. Les touristes les plus timides se penchent en marchant vers le rocher, comme s’ils y cherchaient un refuge ; les plus hardis, cramponnés à la balustrade, s’amusent à voir le cours tourmenté de la Tamina ; la plus grande largeur du torrent n’est que de dix mètres.
Cependant, vers les hauteurs, les rochers se sont rapprochés de plus en plus ; enfin, à deux cent cinquante mètres au-dessus de nos têtes, ils se sont joints pour former ce que l’on appelle le “pont naturel” (Naturbrücke).
En cet endroit se trouve la grotte d’où s’échappe la source renommée de Pfaeffers. Un jeune homme est là et sert de guide. La lumière est toujours prête pour éclairer l’étranger à travers cette galerie latérale longue de trente mètres.

(F. A. Robischung, Un touriste alpin à travers la forêt de Bregenz et la Via Mala (1881))

rhein! rhein!

„— Moi, Ben Hammed, matricule 807, j’ai à dire aussi sur El-Bordj. Moi, j’avais un chef, sergent B…, qui crevait ma peau de coups de cravache. « Crève, sale tronc de figuier », disait-il. Moi, travailler tout le jour et moi pas d’eau, pas manger, pas rien. Il me faisait mettre un caillou dans la main, fermer la main et avec sa cravache : rhein ! rhein ! dessus. Comment que ça se fait, moussieu ?“

(Albert Londres – Dante n’avait rien vu, Paris 1924; El-Bordj bezeichnet ein ehemaliges französisches Militärstraflager in Nordafrika)