Notizen von unterwegs (4)

Der erste Winterabend. Über den Gropiusbauten des Dammerstocks, in die Karlsruher Himmel eingefügt, flachdachflache airbrushne Sonnenuntergänge aus dem Fantasygenre. Dann, wenige hundert Meter weiter, beim Schulterblick zurück vom Schwarzwaldkreuz, das den Verlust von Johnny’s P.S. Stube, dem legendären Wellblechimbiß an der südlichen Stadteinfahrt, mit der kalten Trauer einer ewigen Baulücke kompensiert, entzündet sich die frisch gewendete Sonne komplett. Autos fliehen vom Land Richtung Stadt, fädeln ein in die Bahnunterführung. Rechter Hand grüßt, 40 Meter hoch, Pimmel mit Hut, Wegweiser zum Straßenstrich, der ausrangierte Wasserturm. Der Weg ins Stadtzentrum seit Jahren verstellt von Bauzäunen. Dahinter wird Nacht produziert und in die Luft gepumpt. Innert zehn Minuten ist der Sonnenuntergang vertrieben. Durch das Dunkel über die Bauzäune hinweg fliegt ein Weihnachtsmann mit Rentierschlitten, aus dessen Auspuff Goldregen sprüht. Landet mitten auf dem Christkindlesmarkt. Es riecht nach Sauerkraut mit Zuckerwatte.