sic fulgent littora rheni (2)

sic fulgent_zons_claudiaRheinwiesen bei Zons, aufgenommen von Claudia

Rheinbow

claudia_rheinbow (Ein Bild von Claudia. rheinsein dankt!)

Fußbad im Rhein

fussbad

(Ein Gastbeitrag von claudia. rheinsein dankt!)

Radtour am Rhein

(Rheinsein bedankt sich für diesen Gastbeitrag bei claudia!)

Erst einmal durchfuhren wir Wittlaer und kreuzten dann im Zickzackkurs die Felder. Ich schaute auf die sich verändernden Häuser: Sie schienen immer größer und luxuriöser zu werden. Mit dem Bus war ich die Strecke auch schon gefahren, aber vom Fahrrad aus sieht man doch mehr. Plötzlich lag der Ort hinter uns und die flache Feldlandschaft breitete sich vor uns aus. Die Gerüche waren sehr organisch und die Farben erdig und dunkel, von Feuchtigkeit gesättigt. R. sieht Dinge, die ich nicht wahrnehme. So entdeckte er viele Muschelschalen und Walnüsse, die anscheinend von Raben auf die Wege geworfen worden waren, damit die Vögel den Inhalt zu sich nehmen konnten. Das fand ich spannend. Aus Dokumentarfilmen wusste ich, dass Vögel so etwas machen. Aber hier? Muscheln? Der Beweis lag auf dem Weg. Und Raben sind intelligente Tiere. Wir zickzackten weiter bis wir die Uerdinger Brücke erreichten. Der Rhein hatte extrem niedriges Wasser, die schlammbedeckten Kiesel erstreckten sich über eine riesige Fläche. Auf der Wiese waren etliche Menschen mit sehr verschiedenen Drachen beschäftigt. Die Weite der Landschaft tat gut. Am anderen Rheinufer befanden sich Industrieanlagen und Lagerhallen. Bayer war hier ebenso vertreten wie eine Speiseölfirma und ein Guanodüngerwerk. Die Gebäude, die am Uerdinger Hafen standen, waren zum Teil recht alt und nicht von einer so anonymen Architektur geprägt wie viele neuere Gebäude, deren Zweckmäßigkeit oft etwas abweisend wirkt. Solche Gebäude passierten wir später auch noch. Ein kleiner Abstecher brachte uns zu einem Teil des Krefelder Hafens. Eine stählerne Brücke führte über das Wasser. Die Brücke war alt und es gab Holzbohlen, auf denen wir fuhren, neben der Straße. R. erzählte, dass die Uerdinger Brücke im zweiten Weltkrieg zumindest zum Teil zerstört worden und dann wieder komplett aufgebaut worden war. Dann durchfuhren wir das Industriegebiet, kleinere und größere Firmen, Hallen und Produktionsstätten zogen an uns vorbei. Als wir an einem Schild vorbeifuhren, das auf Cargill hinwies, dachte ich daran, dass diese Firma sehr dominant in Bezug auf den Verkauf gentechnisch veränderten Getreides und Sojas ist. Gerade für Entwicklungsländer hat das üble Folgen. Wohl auch aus weit entfernten Landen stammte das Guano, dessen strenger Geruch uns in die Nase stieg als wir an einer (ich denke) Düngerfirma vorbeifuhren. Da war ich doch froh, als wir nach links abbogen und auf den Rhein zufuhren. Wir folgten einem Weg durch ein Naturschutzgebiet bis zum Rheinufer. Das Ufer war sehr weitläufig, weil der Wasserstand so niedrig war. Die Szenerie hatte etwas urtümliches an sich, obwohl überall Spuren von Menschen in Form von mehr oder weniger verwitterten Abfällen zu sehen waren. Die Weiden waren gigantisch, wie Zelte breiteten sie ihre Zweige aus. Der Strand bestand aus feinem Sand und Steinen. Der größte Teil der Kiesel war von getrocknetem Schlamm bedeckt. Hier floss normalerweise Vater Rhein, durch dessen Bett wir nun voller Entdeckungsfreude wanderten. R. entdeckte einen verrosteten Stahlzylinder, der auf einer abgetragenen Betonschicht lag. „Guck mal, hier liegt eine Bombe. Die kann doch nicht mehr hochgehen? Hier sind Flügel dran und da muss der Sprengkopf gewesen sein. Bestimmt war hier mal etwas gebaut, das dann bombardiert worden ist.“ Wir sahen viele verrostete metallene Gegenstände und reimten uns die dazugehörigen Geschichten zusammen. Die Sonne senkte sich bereits während wir noch über Schlamm und Steine gingen und immer neue Entdeckungen machten. Auch das Rätsel, wie die Raben an die Muscheln kamen, löste sich: Das Niedrigwasser hatte riesige Muschelbänke freigelegt. Teilweise hatte die Landschaft etwas Surreales an sich. Wie ein Monolith stand eine verrostete Waschmaschine in der weiten Ebene und zahlreiche deplaziert wirkende Gegenstände, die der Rhein freigegeben hatte, verschmolzen gleichzeitig wieder mit der verschlammten Umgebung. Da gab es zum Beispiel einen uralten Einkaufswagen oder zahlreiche dicke Stahlseile, die zu zerreißen eine gewaltige Kraft nötig gewesen sein muss. Nach nochmaliger Rast nahm R. ein Oktoberbad im Rhein. Der Mond war riesig groß aufgetaucht, die Sonne war noch tiefer gesunken. R. stapfte mutig ins Wasser, das erstaunlich lange nicht tiefer zu werden schien. Dann endlich konnte er eintauchen ins kalte Nass. Der Rhein war so schmal und schien so seicht zu sein, dass ich zeitweise befürchtete, R. könnte ans andere Ufer schwimmen. Dort befindet sich der Biergarten Aschlöksken, der noch zu Wittlaer gehört. R. kam aber nach dem erfrischenden Bad zurück. Er wusste um Stromschnellen und ertrunkene Rheinschwimmer. Obwohl auch ich gut kaltes Wasser vertrage, blieb ich an Land. Ich bin noch nie im Rhein geschwommen. Während wir die Fahrräder durch den feinen weißen Sand schoben, ging die Sonne unter. Der Himmel verfärbte sich rötlich, der unrealistisch große Mond stieg über dem jenseitigen Ufer immer höher: Eine blassblaue große Scheibe vor leuchtendblauem Himmel, der von Wolken durchzogen war. Während wir Pause machten überlegten wir, ob die in der Dämmerung sich schnell fortbewegenden Tiere Ratten oder Igel waren. Wir kamen aber zu keinem Ergebnis. Die Rufe der Vögel klangen anders als tagsüber, es waren auch die Stimmen von Vögeln dabei, die am Tag nicht zu hören sind. Ab und zu klang das Zirpen einer Zikade. Während wir noch unseren Gedanken über das Angenehme an abendlichen Spaziergängen im reizarmen Dunkel nachhingen, lief ein großer Krebs an uns vorbei. Er sah wie seine Artgenossen an der Nordsee aus, handtellergroß, mit dunklem Körper, langen dünnen Beinen und kleinen Zangen, die er erhob, als wir ihn im Lichtschein von R.s Handy in Augenschein nahmen. So ein Tier hatte ich hier nicht erwartet. Wir waren beide fasziniert und beobachteten den Krebs, dessen Beine auf dem steinigen Grund leise tapsten. R. hatte schon weiße Krebse am Rhein gesehen, mir waren kleine längliche Krebse im Süßwasser begegnet, aber dies war eine wirklich außergewöhnliche Begegnung. Wir schoben weiter unsere Fahrräder und ließen uns vom Mondlicht verzaubern, dass gleißend vom Rhein reflektiert wurde. Wenn man es so malen würde, würde das Bild wohl als kitschig und unrealistisch angesehen werden. Ohne Kameras konnten wir das Naturschauspiel entspannt auf uns wirken lassen. Etwas später stießen wir auf einen befahrbaren Weg, der es uns erlaubte, wieder auf die Fahrräder zu steigen.

Lagerfeuer am Rhein, Sternenhimmel

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Ein Gastbeitrag von claudia.

Vogelflug bei Nacht über dem Rhein

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Ein Gastbeitrag von claudia.

Rheingans

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Ein Gastbeitrag von claudia und Rainer. Die Sonne steht im Westen.

Lagerfeuer am Rhein, Überflug der Gänse

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Ein Gastbeitrag von claudia und Rainer. Rheinsein dankt!