Freiburger Notizen

Über Freiburg wacht der Windbohrer, ein Eichenmann von Thomas Rees, mit seinem forsch in den Himmel gerichteten Handwerkzeug, droben aufm Schauinsland, wo ich in Bdolfs, des dunkelsten Denkers, Begleitung ein wenig rumheideggerte, wacht also dort, dh steht vielmehr da, als Symbol für sinnlose Verschwendung, beobachtet von Weißtannenwesen, beglotzt von Touristen, selten sogar be(gegen)heideggert von Semi- über Anti- bis Nonheideggerianern. Mit den Skulpturen hats Freiburg. Inmitten der sozialen Brennpunkte Freiburg-West tun sich einladende (und nicht etwa versengte, zerkraterte bzw vermüllte) Rasenflächen auf und bieten Grundfläche wie Sichtschneise für Kunst im Freien, die aufgrund ihrer friedfertigen Mächtigkeit den Passanten zum Nichtstun verleitet: ein gewaltiger skulpturaler Wasserhahn speist einen noch gewaltigeren skulpturalen Schlauch von gewiß 100 Metern Länge, aus dessen Ende es in ein kleines Bassin tröpfelt; ein Graffito auf dem Metallschlauch behauptet: „Jules, den spülts“. Gegenüber parkt Chicken Man`s verbarrikadiertes Imbißkabuff, ein Pkw-Anhänger, der schon zigtausende halber Hähnchen beherbergt haben mag. (Doch wer ist Chicken Man? Ein Juju-Priester?) Nächst St. Albert vom Sozialen Brennpunkt und der Heiligen Esso-Nachttanke ein Wegkreuz: „Dieses Kreuz wurde errichtet zur Sühne für den Tod des Bischofs von Strassburg Konrad von Lichtenberg. Er fiel hier im Kampf gegen die Stadt durch die Hand eines Freiburger Metzgers 29. Juli 1299“ Christenfetische, getränkt mit Blut, verklärt zu Überwesen. St. Albert sieht denn auch aus, als würden dort in 20 Jahren einige Punksenioren als (wegen Altersmilde bzw -schwachsinn) zurückgewonnene Schäflein trillernde/n a capella-Versionen (im 20er Jahre-Stil) von God save the Queen von den Sex Pistols wahlweise zu Gehör bringen oder lauschen. Menschentreffs an Straßenbahnhaltestellen. Die sich der Innenstadt zustülpen, wo zyklopische grüne Kugelmonster unter einem säulengestützten Hofdurchgang graue Hochhauswälder erklimmen, Brücken im braunen Himmel enden, gesichtslose Menschen auf leeren Autobahnen Parcours laufen, der Rap-Dämon STN hat seinen Namen zwischen quallöse Geschöpfe in Silber und Grau gesetzt, doch über den apokalyptischen Himmeln aus Spraylackdosen schlumpft der echte über der Alternativspießermetropole mit ihren Multikultibrillenträgern und intellektuellen Bettlern, die lässig auf dem Pflasterboden hocken („Freiburger Schneidersitz“): „Du, ich brauch noch e bissle Kleingeld für de neue Pschyrembel.“