Das Kindlein von Pfäfers

Vor rund einem Monat kam die über 80-jährige Rentnerin Cecilia Giménez zu Weltruhm, indem sie in einer Kirche in Borja (Nordspanien) ein blätterndes Jesus-Fresko auf eigene Faust restaurierte, und mit dem Ergebnis, das an das Abbild einer Monchichi- oder Mecki-Puppe erinnerte, in hohem Maße Sympathien und Spott auf sich zog. Die Dreierfolge (Original, letzter Zustand vor der Restaurierung, neuer Zustand) des Bildes wurde infolge der vielbeachteten Nachricht zu einem der bekanntesten Triptychen des Internets. Während Presse und professionelle Kunstwelt von Zerstörung sprachen, fanden sich Laienstimmen sonder Zahl, welche Giménez Übermalung als Verbesserung verteidigten.

Abrupt an diese Vorfälle erinnert fühlten wir uns in der ehemaligen Klosterkirche von Pfäfers, als wir auf folgende Darstellung des Kindleins samt Gottesmutter stießen:

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Die nachlässig frisierte Perücke, der pausbackig-babyhaft-debile, gebannt sich im Szeptergold spiegelnde Ausdruck, die pompöse Kleidung samt neckisch sitzender Bombastkrone: all das schien spontan restaurierungsbedürftig bzw längst unerkannt restauriert, für eine Jesusdarstellung jedenfalls aufrüttelnd oder doch zumindest ungewöhnlich und somit in jedem Fall Kunst.

Nach dem Kirchenbesuch stießen wir in Pfäfers auf den uns unbekannten, irritierenden Begriff Störmetzger. Wohl ein Schweizer Ausdruck. Bei Störmetzgern handelt es sich um Metzger, die außer Hauses metzgen. So werden sie auf Bauernhöfe gerufen, wenn dort ein Tier zu schlachten und zerlegen ansteht. Wäre Störmetzger nicht aber auch ein passender Begriff für selbständig-mobile Einsatzkräfte in der Kunstrestaurierung und ein wunderbares Lehnwort im amerikanischen Englisch? (Aus dem amerikanischen Englisch zurück ins Deutsche geholt würde sich der Horrorfaktor, der dem Wort zweifellos innewohnt, noch subtil vervielfachen.)