Bingen.

Es ist so viel vergangen,
Wie wandernd, leichter Wind,
Das Prangen, das Verlangen
Vorbeigezogen sind.

Vorbei wie das Getöne,
Das uns so hoch entzückt;
Es ward vom Lebensföhne
Versengt, gebleicht, erdrückt.

Doch raget hoch, gewaltig
Erinnerung empor,
Hellglänzend, vielgestaltig,
Und führt den Geisterchor.

Es zieht in neuen Wellen
Der ew’ge Strom vorbei, -
Geknechtete Rebellen
Im Herzen macht er frei.

(aus Carmen Sylva: Mein Rhein!, Leipzig 1884)