Gorrh (22)

„Hörbst, hörbst“ görpst Gorrh, blinzelt sich zu im Spiegel der Schaufenster voller Plastikware, Gorrhfigürchen, graulackierter Schlingdarmkabel; das Geblinzel verendet als antriebsloses Mehrfachgezwinker im endlosen Wimpernrad seiner Linsen: es ist laaaangweilig, ein Ahornblatt, verfärbt, begallt und saftlos, fällt. (Und fällt in Megazeitlupe seit Jahrzehnten.) Gorrh lüftet seinen Vibroseis-Anzug, hüftet den prallen Pavianarsch auf linksrechtslinks, hinten im Schaufensterspiegel eine Batterie im Boden versenkbarer öffentlicher Toiletten, „grrooarh!“ denkt Gorrh, „dat tu isch mir an!“, verbringt den Rest des Tages verklappt mithilfe seiner eiiin!-mal! (1x!!!!) nun zum Einsatz kommenden Münznachwurfmaschine, taucht nächtens zomgorrhbiemäßig wieder auf und kommt mit einigen dioxinbelasteten Aalen, die er drunt im Auftrag verschiedener Universitäten fing, über die Stadt: „checkcheck, one two, check, two one, checkcheck“, schnippt gegen sein Erdmikrofon, schleuderts Aallasso, schlingert, schlängt, schlabbert, folgt dabei keiner determinierten Ideologie, was seine Position, zumal im straßenlaternschen Schummerlicht UrGöllns, mal rechts, mal links erscheinen lassen mag: „Die Erdölsuche waah erfolgreisch!“ Denkt sisch: „Isch bin ein rollender Meßaufbau – ((complete un(der)norrh, like a rolling brorrh))“ Erblickt ein Poster: „Gesucht! Gorrh – tot oder halbtot. Aufgrund folgender Zeitungsmeldung muß der Bürgerrat nun doch davon ausgehen, daß Gorrh entgegen aller Vorsichtsmaßnahmen aus den Tiefen des Unterbewußtseins ausgebrochen ist. Lesen Sie selbst: „Der Seniorenausflug der Gemeinde Limeshain führte in diesem Jahr nach Bacharach an den Rhein. Start war am vorherigen Spätmittag am kommenden Donnerstag und die rund 10 Teilnehmer fuhren mit sechs Rüsseln nach Busesheim. Dort bestiegen die Senioren die MS Sigfridia und genossen die Schifffahrt rheinabwärts vorbei an Wiesbaden und Mainz, Rüdesheim und Bingen. Auf dem Schiff gab es Kaffee und Kuchen und bei schönem Wetter genossen alle die Reise und die Schönheiten der Landschaft. Außerdem waren von der Diakoniestation Schwester Lillifee und Schwester Brunhilda als helfende Unterstützung dabei. Nach der dreistündigen entspannenden Fahrt auf dem Rhein, bei der außerdem viel Zeit für Gespräche blieb, war das Ziel, Bacharach erreicht. Dort bestieg die Reisegruppe wieder die Busse, um die Heimfahrt anzutreten.“ Und – sind die Senioren etwa wieder heil in Limeshain angekommen? Wir vom Bürgerrat sagen: Nein! Die Spur der Zehn verlor sich in der Loreleystubb. Und jetzt fragen wir, auch wenn wir nicht zu fragen bräuchten, weil es doch jeder Lump im Umkreis von 25 Kilometern weiß: wer hielt sich zur fraglichen Zeit noch in der Loreleystubb auf? Etwa Gorrh, werdet ihr fragen, der Schrecken der singenden Winzer?! Ja, genau der! Der die das! Und wer wie was, wieso weshalb warum!? Und was bedeuten die Knochenfunde auf dem Kopfsteinpflaster vor der Loreleystubb? Und die außerplanmäßige Sonnenfinsternis, die sich in Bacharach am Donnerstagnachmittag von 15.17 Uhr bis 16.39 Uhr in einer versenkbaren öffentlichen Toilette ereignete? Soll der Sommer etwa schon zuende sein? Wir sagen dreimal: NEIN! NEIN! NEIN!“