Badischer Rhein

Passend zu Flauberts Begriffsverwirrung folgende Stelle aus Deutschland deine Badener:

“(…) Wo der Wein wächst – und wo wüchse er nicht im Badischen! -, wo im April schon die Spargeln gestochen und im Mittelbadischen die ersten Erdbeeren geerntet werden, wo auf den Hardtfeldern der Tabak blüht und von der Reichenau früh Gemüse kommt, da lebt es sich nicht heroisch, sondern in gesetzter Behaglichkeit, ein Stück Süden schon, unaufdringlich jedoch und nie spektakulär. Von Konstanz bis über Mannheim hinaus ist Baden Rheinland und doch vom “Rheinländischen”, wie es in Deutschland zum Begriff geworden ist für lärmende Schunkelfröhlichkeit, so weit entfernt, wie die alte Holzbrücke über den Strom in Säckingen von Schloß Stolzenfels entfernt ist. Nein, hier ragen keine Trutzburgen hoch, keine mit Wehrzinnen und keine mit dunklen Verliesen, dafür aber in stiller Majestät die Münstertürme von Konstanz und Basel, von Breisach und Straßburg. Ebensowenig spielt sich der Rhein hier romantisch auf. Eher zieht er beschaulich dahin; erst im schweizerischen Schaffhausen braust er dann ein bißchen mutwillig über Felsen. Tannenwipfel spiegeln sich in ihm, Pappeln und Weiden, und wenn er erst an Karlsruhe vorbeigezogen ist, hat er noch eine lange Strecke zurückzulegen, ehe vaterländisch von ihm gesungen wird.
Und wie ist es mit Schwertgeklirr und Wogenprall? Gewiß, gewiß, seit Cäsars Legionen hier mit den Alemannen zusammenstießen, hat sich einiges getan am Oberrhein, und die Namen Mélac und Turenne, des Sonnenkönigs Marschälle, haben weder im Pfälzischen noch im Badischen einen guten Klang, wenngleich dieser Turenne in Sasbach, dort, wo ihn eine verirrte Kugel traf, sein Denkmal hat. Zufällig traf, muß man wohl hinzufügen. Denn wann fielen Marschälle auf dem Schlachtfeld? Nun, das ist lange her. Zudem waren es dynastische Streitereien, keine Volkskriege. So ermangelt der badische Rhein des Schicksalshaften, dies schon deshalb, weil auf beiden Ufern die gleiche Sprache gesprochen wird – Alemannisch. Einleuchtender hat es keiner erzählt als Hermann Landerer in seiner Geschichte vom alten Balthasar, der 1946 in Karlsruhe, in der amerikanischen Besatzungszone gelegen, ein Paar Hosenträger kaufen wolte, weil es diese in der französischen Zone nicht gab. Dazu benötigte er ein Laisser-passer. Auf badisch heißt das ein “Lessebasse”, und dies gab`s nicht ohne militärärztliche Untersuchung. Der Balthasar suchte seine französischen Sprachbrocken zusammen und trat gefaßt vor den jungen Franzosendoktor. Der aber knüpfte ihm das Hemd auf, hörte das Herz ab und sagte auf gut alemannisch: “Schnüüfe, Großvadder.” (…)”

Quelle: Amadeus Siebenpunkt – Deutschland deine Badener. Gruppenbild einer verzwickten Familie, Hoffmann und Kampe, Hamburg 1975

Schiffshebewerk

Bei unseren rheinischen Fußwanderungen durchs Elsaß sahen wir einst, direkt hinter der Brücke von Breisach, eine recht massive, nicht zu unterschätzende Betonwand wie es schien: im Boden versinken. Die sinkende Mauer entpuppte sich bei näherem Besehen als Teil einer ansehnlichen Schleuse, mithilfe derer ganze Containerschiffe bei den oberrheinischen Staustufen auf die verschiedenen Flußniveaus gehievt bzw niedergelassen werden. Die Schleusentechnik ist uns eigentlich seit Kindheit vertraut, dennoch kam das plötzliche Verschwinden einer Wand wie von Geisterhand zunächst mit dem Effekt einiger Überraschung. Was jüngst bei der Lektüre eines Artikels über die Schiffskanalpläne für die Alpen unsere allseitige Überraschung betreffs des Höhenunterschiedebewältigens von Lastschiffen gar noch stärkte: daß es nebst herkömmlicher Schleusen auch sogenannte Schiffshebewerke gibt; ein leibhaftiges davon im lothringischen Arzviller (Wikipedia gibt nähere Auskunft), in dem Schiffe am Rhein-Marne-Kanal, in einer Art Badewanne bergauf und bergab transportiert werden.

Der Rhein für die gebildeten Stände (3)

Der Rhein durchfließt zuerst Graubündten, macht die Grenze zwischen dem vorarlbergischen Kreise und dem schweizer. Cantone St.-Gallen, scheidet dann, nachdem er den Bodensee verlassen hat, das Großherzogthum Baden und die Schweiz, von Basel an, wo er sich nördl. wendet, dasselbe Großherzogthum und die franz. Departements des Ober- und Niederrheins, sowie den Rheinkreis des Königreichs Baiern; durchströmt nun das Großherzogthum Hessen, das Herzogthum Nassau, die preuß. Provinz Rheinland und zuletzt die Niederlande. Die vornehmsten in denselben sich ergießenden Flüsse sind: die Aar, die Jll, die Kinzig, Murg, der Neckar, der Main, die Nahe, Lahn, Mosel, Erft, Ruhr und Lippe. Viele beträchtliche Städte liegen an seinen Ufern, so in der Schweiz und Deutschland: Konstanz, Schaffhausen, Basel, Alt-Breisach, Speier, Manheim, Worms, Mainz, Bingen, Koblenz, Neuwied, Bonn, Köln, Düsseldorf, Wesel und Emmerich. An Fischen ist der Rhein sehr reich. Man fängt darin Salmen, welche im Frühlinge im Hinaufsteigen aus der See Lachse, hernach aber, wenn sie sich gegen den Herbst wieder nach dem Meere zu wenden, Salmen genannt werden, Rheinstöre, Neunaugen, Hechte, Karpfen, oft zu 20 Pfund schwer u.s.w. An Federwildpret hält sich auf den unzähligen Rheininseln und dessen Ufern eine Menge verschiedener, oft seltener Gattungen auf. Auch führt der Rhein etwas Gold unter seinem Sande, welches theils aus dem Gebirge Helvetiens, theils aus dem des Schwarzwaldes kommt. Eine vorzügliche Wichtigkeit, besonders für das westl. Deutschland, hat der Rhein durch die Schiffahrt. (S. Rheinschiffahrt und Rheinhandel.) Er wird von Chur in Graubündten an befahren; unter Schaffhausen fängt die bequemere Schiffbarkeit des Stromes an; allein die größere Rheinschiffahrt mit schwer beladenen Schiffen beginnt erst bei Speier. Von Strasburg bis Mainz gehen Schiffe, die 2000—2500 Ctr. laden, von Mainz bis Köln Schiffe von 2500—4000 Ctr., und von Köln bis Holland Schiffe, welche 6000 —9000 Ctr. tragen. (S. Flöße.) Außer den Rheinfällen hält man für die Schiffahrt gefährlich: 1) Das Bingerloch, bei Bingen, sechs Stunden unterhalb Mainz. Hier nähern sich die Berge, welche den Rhein einschließen, von beiden Seiten so, daß man bis an das Flußbett hinein den ehemaligen Zusammenhang der gegenseitigen Felsen gewahr werden kann. Diese Felsenwand, die sich von einem Ufer zum andern erstreckte, wurde wahrscheinlich im Laufe von Jahrhunderten durch die Gewalt des Wassers oder durch eine Erdrevolution zum Theil zertrümmert und ließ nun dem Strom eine zwar freie, aber enge Bahn. Karl der Große ließ diese Öffnung erweitern, doch blieb sie noch immer so enge, daß nur ganz kleine Fahrzeuge die Fahrt machen konnten. Erst unter dem Kurfürsten Sigismund von Mainz wurde der Weg für größere Schiffe fahrbar und minder gefährlich. Die einzige Durchfahrt, welche man das Bingerloch nennt, war bis zum J. 1834, wo die preuß. Regierung durch Sprengen dieselbe erweitern ließ, nur 50 F. breit, und auch jetzt ist dieselbe bei niedrigem Wasser nicht ohne Gefahr zu passiren. Daselbst steht auch mitten im Wasser auf einem Felsen Hatto’s Thurm oder der Mäusethurm. (S. Hatto.) 2) Das wilde Gefährt bei Bacharach, wo der Strom im Thalwege mit fürchterlichem Gefälle des Wassers zwischen Felsen und Banken eine Art Trichter bildet. Dasselbe ist nur für die den Strom hinabfahrenden Schiffe gefährlich. 3) Die sogenannte Bank von St.-Goar, wo des Flusses Wellen an eine Gruppe theils sichtbarer, theils verborgener Klippen anprallen und einen Strudel bilden. 4) Der kleine und große Unkelstein bei dem Städtchen Unkel, eine Gruppe Basaltsäulen, die theils unter dem Wasser verborgen sind, theils hervorragen. Die größere Gruppe, der große Unkelstein genannt, ist unter der franz. Herrschaft hinweggeräumt worden, und auch die kleinen Gruppen können bei hohem Wasser von leeren Schiffen überfahren werden.

(aus: Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon, Band 9, F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1836)

Der Rhein für die gebildeten Stände (2)

Vom Bodensee bis Basel, wo der Rhein schon eine Breite von 750 F. erhält, hat er ein felsenreiches Bett. Von Basel aus wird sein Bett von vielen Inseln durchschnitten, die jedoch zum größten Theil blos aus Sand- und Kiesbänken bestehen, welche häufig von einer Seite weggerissen und an der andern wieder angesetzt werden. Von Breisach herab trifft man schon mehre bestaudete und selbst angebaute Inseln. Zwischen Strasburg und Germersheim ist das Bett immer noch sehr inselreich, aber der größte Theil dieser Inseln ist mit Gebüsch bewachsen. Zwischen Strasburg und Speier ist der Rhein 1000—1200 F., bei Mainz 1500—1700 F., und bei Schenkenschanz, wo er in die Niederlande eintritt, 2150 F. breit. Die Tiefe des Rheins beträgt 5—28, bei Düsseldorf sogar 50 F. Bei Schenkenschanz theilt er sich in zwei Arme, wovon der südl. die Waal heißt, zwei Drittheile seines Gewässers nimmt, sich hernach zweimal mit der Maas vereinigt und unter dem Namen Merwe in das deutsche Meer fließt. Der nördl. Arm des Rheins hatte vormals in seinem Laufe nach Arnheim zu mehre Windungen; seit 1720 aber hat man von der Waal aus bei dem Dorfe Pannerden einen Kanal gegraben, wodurch das alte Bett des Stroms nun größtentheils vertrocknet ist. Durch diesen pannerdenschen Kanal fließen jetzt die Gewässer des Rheins fort, nachdem sie sich unterhalb Millingen von der Waal getrennt haben. Ehe dieser Arm des Rheins nach Arnheim kommt, theilt derselbe sich wieder oberhalb Westervoort und bildet die sogenannte neue Yssel. Diese Abtheilung des Stroms ist eigentlich der Kanal, den Drusus graben ließ, indem die Gewässer sich bei Doesburg mit der alten Yssel vereinigen und zuletzt sich in die Zuydersee ergießen. Von da, wo sich der Drusische Kanal von dem Rheine trennt, wendet dieser letztere sich nach Arnheim und behält seinen Namen, bis er bei Wageningen und Rhenen vorbei ist, wo er Lech heißt und auf Wyk bei Durstede fließt. Von hier floß sonst der Rhein mit vollem Strome nach Utrecht, jetzt ist aber nur noch ein sehr schwacher Arm übrig, der krumme Rhein genannt. Weiterhin, Vianen gegenüber, ist schon vor mehren Jahren aus dem Lech ein Kanal gegraben worden, welcher nach Utrecht geht und gewöhnlich die Vaart genannt wird. Da derselbe mit Schleusen versehen ist, so kommen auf demselben sehr beträchtliche Schiffe nach Utrecht und von da weiter nach Amsterdam. Unterhalb Vianen sondert sich ein kleiner Arm vom Lech ab, den man die Yssel nennt, und der sich eine Meile oberhalb Rotterdam in die Merwe ergießt. Der Lech fließt von Vianen nach Schoonhofen und geht oberhalb Crimpen op de Lek in die Maas. Von den Gewässern des Rheins, die nach Utrecht fließen, geht abermals ein Arm ab, welcher die Vecht genannt wird und sich nach einem achtstündigen Laufe bei Muyden in die Zuydersee ergießt. Der übrige Rhein fließt von Utrecht nach Leyden, wo er beinahe einem Graben ähnlich sieht. Bei Rhynsburg vorbei kommt endlich dessen kleines Gewässer, drei Stunden von Leyden, nach Katwyk op Rhyn, wo derselbe eine halbe Stunde davon sich noch zu Anfange dieses Jahrh. in den Sand verlor. Sonst hatte der Rhein da einen Ausfluß in die See bei Katwyk op Zee. Nach einigen vergeblichen Versuchen, die alte Mündung wieder zu öffnen, welche durch die entstandenen Dünen verschwunden war, hat man erst seit wenigen Jahren die Schwierigkeiten völlig überwunden, indem man in einem Kanale die in den Sand sich verlierenden Gewässer des Rheins gesammelt hat. Am äußersten Ende desselben befindet sich eine Hauptschleuse, eine zweite inmitten, beim Anfange der Seedünen, eine dritte kleinere beim Ausgang des Kanals aus dem Rhein, und so ist durch Hülfe der Kunst der Ausfluß des Rheins wiederhergestellt worden. Hierbei hatte man den Hauptzweck, die niedrigen Gegenden der Provinz Holland von dem überflüssigen Wasser zu entledigen und dadurch deren Werth zu erhöhen, welcher Zweck auch in hohem Grade erreicht worden ist.

(aus: Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon, Band 9, F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1836)

Rhein vs Niger

4-Seasons, das Hausmagazin des Reiseausstatters Globetrotter, führt in einer aktuelleren Ausgabe ein Interview mit dem Reiseschriftsteller Michael Obert, der aus Breisach stammt und u.a. den Niger von der Quelle bis zur Mündung bereist hat: „(…) Ich bin am Rhein aufgewachsen, habe im Fluss schwimmen gelernt, jede freie Minute geangelt, den Frachtschiffen nachgesehen und mich an Bord geträumt. Irgendwann hat sich der Niger in meinem Kopf festgesetzt – und die Idee, dass ich ihn einmal auf voller Länge bereisen würde. (…)“ Am Niger glauben die Flußleute, daß es auf dem Stromgrund Dörfer gibt, in denen Götter und Geister wohnen. Im Gegensatz zu den Geschichten der Rheingläubigen werden die des Nigers nach wie vor hauptsächlich in mündlichen Überlieferungen weitergegeben, sind drum jedoch nicht weniger alt oder sogar älter und gleichzeitig womöglich lebendiger. Ein in Europa ausgebildeter Geisteswissenschaftler aus dem Kamerun erzählte uns vor Jahren, daß er in seiner Heimat auf dem Land Leute kenne, die für eine Weile auf dem Flußgrund lebten, teils, indem sie sich in Tiere verwandelten. Dies erzählte er mit demselben Ernst, mit dem er über die Filosofen der Aufklärung sprach: Transformationsprozesse und ihre vielfältigen Ausprägungen. Mitteleuropa zähmt die wilden Ströme, und baut dann gigantische Bagger um Begradigungsfolgen auszugleichen, auch diese begehbaren Druckkammern, die auf den Rheingrund gelassen werden, mit deren Hilfe die Fahrrinne gereinigt wird: der technische Fortschritt implantiert sich der Natur, es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann der erste Mischwald aus herkömmlichen und elektronischen Bäumen entsteht – Westafrika pflegt weiterhin mystisch-zaubrische Naturtechniken und läßt dem Fluß seinen selbstgewählten Lauf. Auf die Frage, was für ihn Heimat bedeute, beschreibt Obert ein Ritual, das wenig europäisch anmutet: „Wenn ich meine Mutter in Breisach besuche, gehe ich hinunter an den Rhein, an eine Stelle, wo ich als Junge oft zum Angeln saß. Dort tauche ich meine Hände ins Wasser. Lange Zeit ist das für mich am ehesten „Heimat“ gewesen: meine Hände in „meinem“ Fluss spüren. Mittlerweile fühle ich mich überall auf der Welt geborgen, aufgehoben, zugehörig, wo ich die Hände in die Strömung tauchen kann. (…)“ Bei Breisach herrscht Dreirheinigkeit: Grand Canal, Tullarhein, Altrhein. Uns am ehesten vorstellbar, daß Obert eine Stelle am Altrhein meint. Obert erzählt im weiteren, wie Patrick Leigh Fermors „Die Zeit der Gaben“ ihn zur Reiseschriftstellerei inspiriert habe und davon, was den Rheinanwohner mit dem Nigeranwohner verbindet: „Schon als Junge spann ich Geschichten über den Rhein zusammen: Auf dem Grund des Flusses lebten Wesen, halb Mensch, halb Tier, ich sprach mit ihnen, brachte ihnen Geschenke, bat sie um kleine Gefallen. Ich glaube, ich habe nie aufgehört, nach dieser geheimnisvollen Welt und den Wesen, die sie bevölkern, zu suchen. Dann komme ich an den Niger – und dort ist diese Welt ganz alltäglich, dort leben die Geister auf dem Grund des Flusses, Menschen gehen bei ihnen in die Lehre, heiraten sie sogar oder tanzen mit ihnen, andere verwandeln sich in Krokodile, Seekühe werden zu Frauen. Am Niger ist die Welt des kleinen Jungen vom Rhein plötzlich lebendig geworden – uralt, fantastisch, rätselhaft.“

Montaigne am Rheinfall

“Nous vinsmes passer le Rhin à la ville de Keyserstoul qui est des alliées des Souisses, & catholique, & delà suivimes ladite riviere par un très-beau plat pais, jusques à ce que nous rencontrâmes des saults, où elle se rompt contre des rochiers, qu ils appellent les catharactes, comme celle du Nil. C´est que audessoubs de Schaffouse le Rhin rencontre un fond plein de gros rochiers, où il se rompt, & audessoubs, dans ces mesmes rochiers, il rencontre une pante d`environ deux piques de haut, où il faict un grand sault, escumant & bruiant estrangement. Cela arreste le cours des basteaus & interrompt la navigation de la ditte riviere. Nous vinsmes souper d`une trete à SCHAFFOUSE, quatre lieues. Ville capitale de l`un des cantons des Souisses (…); on (…) rapporta que la peste y estoit. A Schaffouse nous ne vismes rien de rare. Ils y font faire une citadelle qui sera assés belle. Il y a une bute à tirer de l`arbalestre, & une place pour ce service, la plus belle, grande & accommodée d´ombrage, de sieges, de galeries & de logis, qu`il est possible; & y en a une pareille à l`hacquebute. Il y a des moulins d`eau à sier bois, comme nous en avions veu plusieurs ailleurs, & à broyer du lin & à piller du mil. Il y a aussi un abre de la facon duquel nous en avions veu d`autres, mesme à Bade, mais non pas pareil de grandeur. Des premieres branches, & plus basses, ils se servent à faire le planchier d`une galerie ronde, qui a vint pas de diametre; ces branches, ils les replient contre-mont, & leur font embrasser le rond de cette galerie, & se hausser à-mont, autant qu`elles peuvent. Ils tondent après l`abre, & le gardent de jetter jusques à la hauteur qu´ils veulent donner à cette galerie, qui est environ de dix pieds. Ils prennent là les autres branches qui viennent à l`abre, lesqueles ils couchent sur certennes clisses pour faire la couverture du cabinet, & depuis les plient en bas, pour les faire joindre à celles qui montent contre-mont, & remplissent de verdure tous ce vuide. Ils retondent encore après cela l`abre jusques à sa reste, où ils y laissent espandre ses branches en liberté. Cela rend une très belle forme & est un très bel abre.”

Neuf-Brisach

In der nur gelegentlich von motorisierten Rasern durchbrochenen Sonntagsruhe legt sich die Landschaft in aller Sorgfalt und mehreren Klarlackschichten über sich selbst. Um Mittag herum kündigen sich für den Abend Regenwolken an, erst wollen sie aber noch was über die Vogesenkämme zockeln. Vorm Basler Tor (wieviele Basler Tore hab ich in den letzten Tagen gesehen: zehn? zwanzig?) der oktogonal-sternförmigen Vauban-Festung Neuf-Brisach am Square Rhin et Danube ein Denkmal in Schwertform („à nos frères d`armes 1870-71“) einerseits und ein sehr zurückhaltendes laminiertes Pappschildchen mit einer Hommage eines anonymen Autors an die Ehemaligen andererseits: „Oyez… Oyez vous qui passez. Jeunes gens souvenez vous la plus part ont disparu, ceux qui restent sont fatigués par le poids d`années. Comme toi ils ont eu vingt ans mais pour eux c`était la guerre. Ils ont combattu, ils ont connu la misère, ils ont vu la mort, ils ont souffert dans leurs chair et dans leur coeur, mais toujours ils ont gardé l`espoir du retour et d`un monde meilleur. Ils ne demandaient rien. Mais je vous dis, fermez les yeux et ayez une pensée pour eux. Merci.“ Dazu ein Bild mit Soldaten, hinter die Festungsmauer geduckt. Kaum ist der Vaubansche Stern geentert, erklingt Musik: aufm Rasenstreifen an der Mauer ist heut ein Freiluft-Super-Karaoke eingerichtet, wo die auch am Wochenende weißbekittelte Bäckereiverkäuferin Blondietitel und französische Schlager nachsingt, notfalls mit Vollplayback. Abgerissenes Publikum, Bier aus Plastikbechern. Der erste Eindruck innerhalb der Mauern bestätigt sich an jeder Ecke: ein versifftes Örtchen, das schon als militärische Festung niemals sonderlich taugte und nun hinter seinen denkmalgeschützten Wällen gegen jeden Ausbau gefeit im eigenen Saft vor sich hingart. Erinnert mich an die Geschichte jenes elsässischen pot-au-feu, eines ewigen Eintopfs in einem riesigen Kessel, der in einem namenlosen Traditions-Restaurant jeden Tag wieder neu aufgefüllt doch immer noch Reste vom Vortag enthalten soll, sodaß er bis heute die geschmacklichen Essenzen vergangener Jahrhunderte enthalte. In einem Schaufenster ausgestellte Einmachgläser enthalten Choucroute garniture royale (mit Bauchspeckstreifen) und Baeckaoffa, einen früher auf der Restwärme der Brotbacköfen erwärmten Eintopf. In einem weiteren Schaufenster steht auf einem handgeschriebenen Zettel, daß Väter ganz besondere Menschen sind. In der Mitte des Städtchens der Exerzierplatz, auf dem heuer Markt gehalten wird. Erinnert stark an Saarlouis. Vauban halt: mauerdick, mit Graben außenrum und Glacis in jede Himmelsrichtung. Man stellt sich lebhaft die Louis XIV-Perücken beim sternförmigen Spaziergang übern staubigen Kopfstein vor: voltieren, hecken, zecken. Die Kirchglocken sind mittlerweile (als Friedenssymbol) mit denen des Breisacher Münsters abgestimmt und beide Städte jumeliert. Nun denn, und weil außer einer langsam näher rückenden Regenfront so ziemlich gar nichts los ist: auf zurück gen Breisach!

Vogelgrun

Nähert man sich dem Département Haut-Rhin von Breisach aus zu Fuß, stehen zur Linken einige, amerikanischen Vergnügungsmeilen entnommene/entkommene, Buden zur Disposition, welche Tabaklädchen, Restaurants, eine Music-Bar, ein Pornokino und zuguterletzt, auf den letzten Quadratmetern Deutschlands, einen McDrive vorstellen; zur Rechten Mirabellenbüsche. Ein altes japanisches Sprichwort besagt: „Hebst du den Blick, siehst du keine Grenzen.“ Es geht flugs übern Rhein, der auf Breisach („Stadt der grenzenlosen Vielfalt“) zu deutlich schmaler ausfällt als der Rheinseitenkanal mit seinen Vogelgruner Schleusen. Leider wegen Umbauarbeiten geschlossen hat der den Kraftwerken angeschlossene vielversprechende Nixengarten, der bekannte und unbekannte Pflanzen und Wesen im Repertoire aufweist. Schneekugellandschaft mit sinnvollen Fresken an den Maschinenräumen des Kraftwerks und sommerhimmelblau gestrichenem Strommastenfeld vor unscharf konturierten Vogesen. Der Ortskern: Village fleuri, die Opuzien tragen ihre kleinen roten feinbestachelten Früchtchen. Viele deutsche Namensschilder. Das „Echo du Rhin“, transportiert von der „Harmonie de Kunheim“: Ländler-Blasmusik auf vergilbenden Plakaten. Tournoi de belote, Schafskopf auf Französisch. Das Dorf ist schnell durchschritten, auffällig das malvenblaue Rathaus, jedweden optischen Erinnernswert im Keim erstickend die gegenüberliegende Place du Souvenir. Wikipedia sagt: „Dr Name kommt von “Vogelgrien” un meint nit e griene Vogel, sundern dr Wortteil grien wiist uf e Sandbank im Rhin hin, wo wohrschins von Vögel als Raschtplatz gnutzt worde isch.“ Auf dem Vogelgrüner Wappen stürzt sich eine weiße Raubtaube vor grasgrünem Himmel diagonal in den mit Silberwellen stilisierten Rhein.

Kaiserstuhl

Wenn der Kaiserstuhl den Rheinblick vom Freiburger Münster blockiert, vielleicht bietet er ja selbst einen? Der höchste Gipfel trägt den attraktiven Namen Totenkopf, erreichbar über ein gewisses Liliental, in dem der Wanderer sich angeblich mit Schneckensuppe stärken kann. Mit einem passenden Song der Vietnam Veterans („sweet little girl, lily of the valley“) zwischen den Synapsen stapfe ich los, durch sanft ansteigende Weinlagen, an schwer behangenen, verheißungsvoll glühenden Kirschbäumen vorbei, begleitet von dunklen rotgeränderten Faltern, während die Sonne an den Härtegraden von Kopf und Schuhsohlen feilt. Schon bald bietet sich eine feine Aussicht auf das Breisacher Münster, Vogesen und Schwarzwald, das Band des Rheines läßt sich hinter Baumreihen jedoch nur ahnen. Vor mir öffnet sich ein Hohlweg im Löß, der per äolischem Transport auf den Vulkangrund gelangt tatsächlich aus Rheinschlamm besteht, dh, der Rhein ist akut präsent, ich bewege mich durch einen Trockenfluß mit halluzinogener Lichtgestaltung und psychedelischem Vogelgezwitscher, der Bienenfresser soll diese Gegend bevölkern, die Gottesanbeterin und aus den Lößhöhlen gurrt und knurrt der Wolpertinger bzw sein Fernsehprogramm. Hin und wieder ein Weinbauer, der seine Rebstöcke streichelt und sie mit magischen Formeln bespricht. Gelegentlich Baumschatten beim selbstischen Tanz. Fernes Aufscheinen von Feen mit Mützen und zügiges Fadeout derselben. Seltsam gebaute Insekten mit noch seltsamerer Flugmethodik zu allerseltsamsten Brummlauten, friedlich gestimmt. Im Liliental plötzliches Seniorenaufkommen. Die Schneckensuppe gibt es nur im Internet. Dafür gibt es hier bereits den Wein, der rundherum noch reift und wächst. Bergab nehme ich die Straße. Auf Wasenweiler zu kirschts, beerts und obsts in gelungener Pracht, fröhliche Nixen bevölkern kleine Seerosen-Teiche, in Wiese und Gehölz verstecken sich Affen-, Helm-, Mädchen- und Brand-Knabenkraut vor dem Schwertblättrigen Waldvögelein, Wasenweiler selbst ist dafür eine typische von der Sonne erschlagene Neubausiedlung am Nachmittag.

Rheinwörterbuch (3)

Restrhein
Beispiel: „Zu den großen technischen Herausforderungen gehört dabei die Frage, wie Fische zukünftig vom Vollrhein bzw. vom Unterwasser des Kraftwerks Vogelgrün in den Restrhein nördlich Breisach gelangen können.“ (Umweltschutz, Fischbautechnik)

rheinsam
Beispiel: „Rheinsam : pour clarinette, alto et piano / François Rossé.“ (Musik)

Rheinzeit
Inbisoutoftimesein. Beispiel: „Ausschnitt aus Rheinzeit…Zauberer versucht Gedanken zu lesen…“ (Unterhaltungswesen)

Vollrhein
Beispiel: „Zu den großen technischen Herausforderungen gehört dabei die Frage, wie Fische zukünftig vom Vollrhein bzw. vom Unterwasser des Kraftwerks Vogelgrün in den Restrhein nördlich Breisach gelangen können“ (Umweltschutz, Fischbautechnik)

verunrheinigt
Beispiel: „irgendwie “verunrheinigt” bzw. kann nicht mehr als String zum Integer iReslut verwurstet werden…“ (Informatik)