rhein, bosphorisch

wustmann_rhein von oben

im anflug wieder auf den grauen
rhein bosphorisch in gedanken an-
und ausgeführt / den styx: ein drama
von türmen und brücken gesäumt

die andere seite der uferwiesen
und rückkehr: wohin? woraus
schält sich diese rheinische
gewissheit geteilter städte am

grund ihrer flüsse / am abgrund?
nie will man im zwielicht bleiben
wo uferschafe grasen könnte man
katzenspuren suchen / man könnte

die tage bis zum nächsten
abflug zählen (man könnte)

(Gedicht und Bild von Gerrit Wustmann)

Presserückschau (Dezember 2013)

Der Dezember war für uns ein weiterer rheinferner Monat, auch wenn sich der Rhein dem Bosporus, an dem wir weilten, gelegentlich, ja beinahe unweigerlich, überlagerte. Bis nach Istanbul drangen indes folgende ausgewählte Pressemeldungen zu uns vor:

1
Kaum jemand interessiert sich stärker für die Geheimnisse des Rheins als die Polizei, weiß die Rheinische Post: “(…) In der Nähe der Anlegestelle des Piwipper Bötchen entdeckten die Beamten zwei Geldschränke. Nun werden die Eigentümer der Tresore gesucht. Zudem interessieren die Fahnder natürlich die Umstände, unter denen die Behälter ins Wasser gelangt sind. Die Polizei geht zurzeit davon aus, dass die Geldschränke aus Straftaten stammen.”

2
“Lachmöwen erfrieren am Rhein”, übertitelt der Hessische Rundfunk eine Meldung, derzufolge vom Rhein bei Wiesbaden Lebensgefahr für Möwen ausgehe: “(…) seit 2007 beobachten Vogelschützer ein Phänomen, für das es noch immer keine plausible Erklärung gibt. Die Vögel verlieren ihre schützende Fettschicht und sehen zunächst nass und struppig aus. Die meist auf dem Wasser schlafenden Tiere durchnässen, sind der Kälte ausgeliefert und sterben schließlich an Unterkühlung. Experten vermuten, dass die Vögel bei der Futtersuche bestimmte Emulgatoren in ihr Gefieder aufnehmen, die ihre Fettschicht wie ein Waschmittel auflösen.”

3
Wenige Tage nach der vielbeachteten Oktokopter-Zustelldrohnenpräsentation von Amazon in den USA, legte die Deutsche Post in Bonn nach: “Geräuschlos flog eine Minidrohne mit einem DHL-Paket über den Rhein und schwebte bei der Post-Zentrale exakt auf die Zielmarkierung. Es war der erfolgreiche Jungfernflug des “DHL Paketkopters”, mit dem die Deutsche Post DHL ein Zukunftsszenario aufzeigte – Luftpost der anderen Art”, berichtet N24 und beschreibt Reaktionen, die auf jene bei der Einführung der Eisenbahn oder des Automobils rekurrieren: “Beim Zuschauer löste der Premierenflug eine Gefühlsmischung zwischen bewunderndem Staunen und Unbehagen über die Folgen der Zukunftstechnik aus. Die Vögel schreckten jedenfalls bei Sicht des unbekannten Flugobjekts auf und flatterten in Schwärmen davon.”

4
Archaische Rituale kamen im Rahmen der Rivalitäten zweier rheinischer Fußballclubs aufs Tapet: “Mit vier gehäuteten Tierköpfen haben Unbekannte zwei Tage vor dem Rhein-Derby zwischen Fortuna Düsseldorf und dem 1. FC Köln in der 2. Fußball-Bundesliga für eine geschmacklose und ekelhafte Provokation gesorgt. An einer Straßenbahnhaltestelle am Kölner Stadion fanden laut Polizei Passanten am Freitagvormittag die Tierschädel in Anspielung auf den Geißbock als Wappentier der Kölner auf einem blutverschmierten Stromkasten vor. Laut Kölner Stadt-Anzeiger soll dort “f95 – Fuck Köln” zu lesen gewesen sein”, stand im Handelsblatt zu lesen.

5
Die soziale Schere in Deutschland geht immer noch weiter auf, berichtet zu Weihnachten die Badische Zeitung mit einem Beispiel aus Weil am Rhein: “”Erschreckend viele Obdachlose”, so Stefan Heinz, Leiter des Erich-Reisch-Hauses, besuchten am Heiligabend die Wärmestube in der Colmarer Straße. Rund 50 Besucher – so viele wie nie zuvor – kamen und suchten etwas Wärme und weihnachtliche Geborgenheit. Es sei ein deutliches Zeichen, dass “die Armut in der Stadt und der Region immer mehr zunimmt”, bemerkte Stefan Heinz. Etwa 300 Euro hätten die Bundesbürger durchschnittlich in diesem Jahr für Weihnachtsgeschenke ausgegeben, so die Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) nach einer Umfrage. Dabei werde aber übersehen, dass es bundesweit immer mehr Menschen gebe, “die überhaupt keine Geschenke machen können und die schon über eine warme Mahlzeit froh sind. Auch in Weil gibt es Personen, die unterhalb der Armutsgrenze leben – und für die ist die Wärmestube oft der einzige Anlaufpunkt”, so Heinz.”

Das wars für 2013. rheinsein wünscht allen LeserInnen einen guten Rutsch!

Türkischer Rhein: Dönerschiff Düsstanbul

“Hüseyin Soylu kann es kaum noch erwarten. Denn wenn nichts mehr dazwischen kommt, wird Ende September mit der Düsstanbul das erste Dönerschiff seinen Betrieb aufnehmen und die Kunden mit traditionellem Döner und Bratfisch nach Istanbuler Art versorgen. In der türkischen Metropole am Bosporus wird der Fisch frisch aus dem Wasser geangelt und an die umliegenden Händler verkauft. Im Golzheimer Hafen kommt der Fisch frisch vom Duisburger Großmarkt auf den Teller. Seinen Hafen wird das Schiff nicht verlassen, es bleibt fest im Yachthafen liegen”, schreibt die WZ und täuscht sich in einem Punkt: die Makrelen für die Fischbrötchen (balık ekmek), wie sie etwa in Eminönü am Goldenen Horn unter osmanischen Clownereien auf heftig schaukelnden Booten gebraten und in unüberschaubaren Mengen, begleitet von Steckrübensaft (şalgam suyu) unters Volk gebracht werden, stammen heuer großteils aus Norwegen. Der Bosporus gilt als überfischt und aus dem Rhein ziehen Angler seit ein zwei Jahren vornehmlich Grundeln, ohne daß die Grundel bisher die heimische Kultur des belegten Brötchens maßgeblich bereichert hätte.

Raum – Zeit – Rhein (4)

(XV)
Wo der Rhein überall auftaucht, ist erstaunlich. Nicht erst das Internet hat die Verbreitung des Rheins gefördert. Sein krampfgeädertes (und entsprechend bekämpftes) Ästuar hat zwar als Sternbild am Himmel noch keine namentliche Entsprechung, auch wird das Weltall meist nicht als Fluß (die Sterne nicht als Fische) dargestellt: die flußistische Denk- und Glaubensfase steht der Menschheit erst noch bevor: ihre maßgeblichen Vordenker werden elektronische Filosofen sein, die der menschlichen Selbstbewichtigung entbehren.
Auf Erden indes verströmt sich der Rhein, indem er über sich hinaus weist, in Pfützen, Städten, Büchern. Wenn Guillaume Lejean in den 1860er Jahren Victor Hugos illustrierten Rhein mit ins abyssinische Hochland schleppt, wovon spricht das? Schafft ein deutscher Dichter unweigerlich einen symbolischen Akt, indem er seine Rheinverse in den Bosporus wirft? Modern wirkende Überlagerungen müssen nicht auf romantischen Sehnsüchten basieren. Sie sind viel länger schon modern als gedacht, bereits die Romantik war zu erheblichen Teilen ein virtuelles Produkt, und nicht zuletzt unterliegt jede Deutung von Moderne und Moden, in deren Kern das Verb modern wirkt, aktuellen Moden.

(XVI)
Wenn bei BASF eine Chemikalie namens Trilon B in den Rhein einläuft, erweckt das eine ganze Mindmap unguter Bezugspunkte. Die Namensnähe zu Zyklon B, die Herstellergenealogie, der rote Rhein bei Basel, die B-Bezüge wie Brunnenvergiftungslegenden. Und sausendes Gift aus tausend Lüften. Gorrhs toter Atem. Intravenöse Leitungen. Trilon B, das könnte auch der Name für einen Klonlurch sein, der gollumsch aus dem Wasser klettert, rasch evolviert und mit paßbildartigen Gesichtszügen die heikle Entwicklungsabteilung eines Farmakonzerns leitet.

(XVII)
Der Ursprung des Rheins liegt jenseits wissenschaftlicher Meßtechniken. Er liegt mitten im System, das er speist, seine Koordinaten sind rhetorisch eingrenzbar, bleiben im Kern mythisch. Anders gesagt, wenngleich hoch gepokert: der Rhein entspringt aus Gott.

Zwischenbilanz (5)

Das erste Halbjahr 2012 verbrachten wir weitgehend als literarischer Gastarbeiter am Bosporus. Diese höchst relative Rheinferne (denn unsere unmittelbaren Nachbarn im Künstlerghetto von Kuledibi waren stets Rheinländer) trug zu einer Dämpfung der Artikelfrequenz bei, wie sie auch für die erste Jahreshälfte 2013 zu erwarten steht, in der wir uns vornehmlich mit subterranen Themen beschäftigen werden, welche die Rheinregionen allenfalls gelegentlich streifen dürften. Längere vorübergehende Stillegungen rheinseins im kommenden Halbjahr sind derzeit nicht angedacht, könnten aber notwendig werden. (Bitte nicht wundern, falls mal 14 Tage lang kein neuer Eintrag auftauchen sollte.)

Wichtigstes Jahresereignis hinsichtlich unserer Feldforschungen war sicherlich die Expedition zur Rheinquelle. Vergangenen Sommer gelang uns der langersehnte Aufstieg zum Tomasee, der meist als Hauptquelle des Rheins angesehen wird.

Für die zweite Jahreshälfte 2012 notieren wir die höchsten Zugriffszahlen seit Bestehen und zunehmend externe Kooperationsangebote.

2013 wollen wir uns vermehrt auch Fragestellungen und Analysen zum Thema “Schreiben/Publizieren zwischen Analog und Digital” (Digiloges/anatales Werken) widmen. Dh, dem formalen status quo, seinen Entwicklungsmöglichkeiten, auch den Produktionsbedingungen rheinseins soll mehr Gewicht (evtl in Gramm Papier meßbar) verliehen werden, wobei die üblichen, fahrig-flirrenden Schnellartikelchen hier sicher erstmal nicht aussterben werden.

Zu Weihnachten gab es eine Sonderedition von Das Lachen der Hühner zu verzeichnen, eine streng limitierte, überarbeitete, numerierte und signierte Auflage unseres Erfolgsgedichtbands über Liechtenstein.

Abschließend möchten wir erneut auf einen jungen Ismus hinweisen, der sich noch tüchtig auswachsen soll, nämlich den

Terrilismus
Die literarische Methode des Sammelns, Sortierens, Häufens und Schichtens, eine multiple Technik, deren sich rheinsein zum Wachstum bedient und aus der es sich gleichzeitig speist, hat im November 2012 in Loos-en-Gohelle in Nord-Pas-de-Calais eine Entsprechung im sogenannten Terrilismus gefunden, den wir gemeinsam mit dem französischen Kollegen Dominique Sampiero und dem polnischen Fotografen Arek Gola entwickelten, wobei sich Terrilismus auf das französische Wort terril, zu deutsch Abraumhalde, bezieht. Neben dem Potjevleeschismus bildet der Terrilismus eine der beiden Hauptsäulen des Topowskismus, den zu erläutern an dieser Stelle zu weit führte.
Abraumhalden bestehen aus mehreren (Abfall-)Produkten des Bergbaus, darunter Kohle, Schiefer und andere Gesteine, die weiter verwertet werden können, z.B. im Straßenbau oder als künstliche Berge (Wander-, Ski- und Gleitschirmsport). Nicht selten entzünden solche Halden sich selbst und beginnen von innen zu glimmen und schwelen (wobei neue Minerale entstehen), auch vermögen sie Rauch auszuatmen und seltene Vegetationen und Tiere anzuziehen. Es ist diese terrilistische Technik des Sammelns, Häufens und Schichtens, des Fusionierens und Recycelns u.a. Merkmal/Ausdruck moderner/neuartiger literarischer Arbeitsweisen, wie sie in der (ausnahmebestätigten) Regel, wenn wir uns dafür interessieren/daran werkeln, mit fünf bis zehn Jahren Verzögerung einen Medienhype erfahren. (Vor 2014 ist also eher nicht mit einem solchen Hype zu rechnen.)

Unseren LeserInnen wünschen wir einen guten Rutsch und ein gesundes, glückliches 2013!

Presserückschau (November 2012)

Nachdem in Basel Spaziergänger einen beinahe hummergroßen Signalkrebs aus dem Rhein gezogen hatten, vermeldet nun auch kindernetz.de eine „Krebsjagd am Rhein“. Während das Schweizer Boulevardblatt Blick ganz pragmatisch die kulinarischen Qualitäten des Tiers herausgestellt hatte, berichten die auf Kinder spezialisierten Reporter, daß „der große Krebs gefangen werden müsse, weil er sonst kleineren Krebsen schade“. Weitere bedeutende Rheinnachrichten des Novembers:

1
Der General-Anzeiger berichtet von Diskussionen um einen künftigen Wasserbus auf dem Rhein in Bonn. Die Idee kam aufgrund bevorstehender Großbaustellen zustande: “Nach Auffassung des BDA (Bund deutscher Archtiekten) soll der Rhein unter dem Motto „R(h)ein in die Stadt“ als Natur- und Erlebnisraum zum Kernthema der innerstädtischen Entwicklung werden: Der Rhein also als Vernetzungsraum, der Verbindungen mit unterschiedlichen Qualitäten schafft, und ein Gestaltraum, der die beiden Seiten des Bonner Stadtbildes am Fluss zeigt und die besondere Qualität der „Stadt am Rhein“ zum Ausdruck bringt. Der Wasserbus soll mit zahlreichen kurzen Verbindungen über den Rhein die beiden Bonner Seiten miteinander verweben. Dabei stehen nach der Idee weniger die touristischen Ziele im Vordergrund, als vielmehr „die Verbindung der unterschiedlichen Wohn- und Arbeitswelten“. Im Idealfall soll sogar die Angliederung an den ÖPNV gelingen, was dessen Attraktivität für die Bürger steigern und die Bonner Stadtstraßen entlasten würde.“ Eine unsererseits längst und angesichts des regen Bosporus-Fährverkehrs sogar schmerzlich vermißte Idee, die auszugraben auch anderen Städten am Rhein gut zu Gesicht stünde.

2
„Vier von fünf Vorarlbergern rechnen jederzeit mit einem Hochwasser, geht aus einer Befragung der IRR (Internationale Rheinregulierung) unter 600 Bürgern beidseits des Rheins hervor“, teilt der ORF mit. Und weiter: „Die Hochwassersicherheit am Alpenrhein soll spätestens ab 2017 innerhalb von 20 Jahren bei Kosten von 400 Mio. Euro nachhaltig erhöht werden. Geplant ist, die Abflusskapazität des Rheins zwischen der Illmündung und dem Bodensee von derzeit 3.100 Kubikmeter pro Sekunde auf 4.300 Kubikmeter pro Sekunde zu steigern. Dieser Richtwert entspricht einem Hochwasser, wie es statistisch gesehen ein Mal in 300 Jahren auftritt. Das Hochwasser-Schadenspotenzial im Rheintal wird allein auf Vorarlberger Seite mit 2,66 Mrd. Euro beziffert.“

3
Erneut der General-Anzeiger berichtet unter dem Titel „Potemkin am Rhein“ über die zweifelhafte Eröffnung des Gemeinsamen Extremismus- und Terrorabwehrzentrums (GETZ) in Köln, das sich nicht recht vom Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) und dem Gemeinsamen Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus/-terrorismus (GAR) unterscheiden lasse. So sei die politische Prominenz der Eröffnung zahlreich ferngeblieben: „Auch der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, ein CDU-Mann, fehlte. Der improvisierte Zustand des Zentrums legt zusätzlich Zeugnis davon ab, dass da hopplahopp etwas präsentiert werden musste: Potemkin am Rhein. (…) Wer gemeinsam gegen Terror und Extremismus kämpfen will und dann noch nicht mal die Gründungsfeier einvernehmlich hinkriegt, muss sich über Hohn und Spott nicht wundern: “Getz geht´s los”, lautet einer der einschlägigen Sprüche.“

4
„Der Klimawandel wird Deutschland mehr Überschwemmungen und Hitzerekorde über 42 Grad bringen. Eine weitere Folge sei, dass Flüsse wie der Rhein „öfter mal austrocknen“, sagte Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung“ – berichtet ntv. Eine Meldung, die natürlich wieder gegen regen Fährverkehr spricht.

5
Ob die folgende Meldung über eine Spezies namens Hulecoeteomyia japonica bezeugt, daß der Klimawandel bereits im Gange ist? Über das unerwüscht zugewanderte Insekt berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger: „Die aggressive asiatische Buschmücke vermehrt sich in Deutschland immer stärker. In NRW erstreckt sich die Population bereits über ein großes Territorium zwischen Köln und Koblenz. Die Mücke gilt als Überträger des gefährlichen West-Nil-Fiebers.“ Am Oberrhein ist die Mücke indessen schon etwas länger bekannt.

6
Die Rhein-Zeitung über tierische Migration und ihre Effekte: „Im Rhein lebten heute bereits allein mehr als 45 Arten wirbelloser Einwanderer, heißt es. Die Neuankömmlinge verdrängen dabei die heimischen Arten. Angesichts der bedrohten Artenvielfalt spricht Stefan Stoll von einer „McDonaldisierung“. „Überall gibt es nur noch das gleiche Angebot“, erklärt der Biologe.“ Das gleiche, aber ein anderes, oder etwa nicht? Schwingt hier das angestammte Verdammen terrestrischer Migrationsbewegungen aus Angestammtenmund mit? Und wo landen die verdrängten Arten? In Mägen? Oder drängen sie anderswo hin?

7
Eine bauplanerisch-neoromantische Meldung hat der Südkurier parat. Sie betrifft Rheinfelder Pläne für die Internationale Bauausstellung 2020: „Das Rheinfelder Rheinuferprojekt mit Pavillon, Fischaufstieg, naturnahen Uferabschnitten mit Kiesbänken und Felsen auf der deutschen Seite und zeitgenössischer Landschaftsarchitektur mit Stadtpark auf Schweizer Seite ordnet sich in diese Leitidee ein. Der Rhein zwischen beiden Rheinfelden soll bei der Bevölkerung „Liebe“ wecken mit Erlebnissen und Ausblicken, die ans Wasser locken.” Der Gedanke des Rheins als “Verführer”, fährt der Artikel fort, sei seitens der Rheinfelder als verpflichtender Anspruch aufzufassen.

8
Daß Thomas Gottschalk seinen Wohnsitz Schloß Marienfels verkaufen will, war vielen Zeitungen, darunter der Frankfurter Rundschau, eine quasi-makelnde Nachricht wert: „Allerdings müssen Interessenten bedenken, dass alle Räume von Thea Gottschalk höchstpersönlich gestaltet wurden. Thea Gottschalk suchte ihrem Mann stets die Kleider für seine „Wetten, dass ..?“-Moderationen aus. Man kann sich also die Pseudo-Prunk-Melange in den Gemächern vorstellen. Andererseits hat der Käufer die Chance, demnächst auf den Touristenschiffen genannt zu werden. Wenn auch nur als Besitzer des Schlosses, das mal Thomas Gottschalk gehörte.“

9
Der Duisburger Kriminalpolizei gelang es, einen kuriosen Vermißtenfall aufzuklären. Nachdem vor knapp einem Jahr bei Rees-Mehr (Oberkörper) und im Emmericher Yachthafen (Unterkörper) ein männlicher Torso aufgetaucht war, konnte dieser zunächst nicht identifiziert werden, denn: „die Polizei (kam) aus einem wesentlichen Grund nicht auf (einen bekannten, Anm.: rheinsein) Vermissten: Er war etwa 1,70 Meter groß. Die Gerichtsmedizin hatte aber errechnet, dass die Leiche im Rhein zu einem Mann mit der Größe von fast 1,90 Metern gehören müsse. Sie war einer fehlerhaften Formel in der Neuauflage eines verwendeten Lehrbuchs aufgesessen“, berichtet die Rheinische Post.

Last but not least: wurde im November entlang des Rheins und einiger seiner Nebenarme der Karneval ausgerufen (so gut wie alle lokalen Tageszeitungen berichteten), und in Köln, meldet der Kölner Stadt-Anzeiger, werden kommende Hochwasser ab sofort „in den Rhein zurückgepumpt“.

Türkischer Rhein oder: wie kam der Rhein nach Kuledibi?

Es gibt Zufälle, die spotten jeder Beschreibung. Seit Wochen und Monaten weilen wir nun in Istanbul. Und dann das: unterm Bett, einer bisher völlig unbeachteten Fluchtecke unserer Exilwohnung in Kuledibi, fanden wir bei einer recht kopflosen Suchaktion: nichts! – als: ein Druckwerk, dessen Titel

“Köln – Mainz – Köln. Eine Dampferfahrt auf dem Rhein. Schiffsinspektor Küpper erzählt…”

angesichts des Fundorts, zumal das Objekt definitiv nicht von uns selbst in die Wohnung eingeschleust wurde, den Augenblick aufzureißen und eine poetische  Blickverbindung ins womöglich ewige Weltenrund, zumindest aber bis ans Niehler Gestade herzustellen schien. Ja, Kruzitürken! Auf den ersten Blick hielten wir ein verstaubtes Epos in Händen, ein Langgedicht, dessen Textkörper zwar aufgrund zweifelhafter Motivation seitenweise eingekästelt war, sich jedoch in vertraut ausschauende, ca fünf- bis zehnzeilige Abschnitte teilte und auf lyriktypische Weise umbrochen war.
Ein rheinsein unbekanntes Langgedicht über den Rhein? Unter unserem Bett in Istanbul? What the heck!
Bei näherer Betrachtung entpuppte sich die vor lauter Überraschung erträumte Sensation, eine Entdeckung, die jener des Nibelungenlieds gleichkäme, justemang und ausgerechnet unter unserem Exilbett gemacht zu haben, leider, als flüchtiger Trug. Da standen gar keine Verse, sondern weitgehend willkürlich umbrochene, meist in sich geschlossene Mitschriften eines typischen Mittelrhein-Schifffahrtsgeschehens aus Inspekteurssicht – mithin recht originalgetreu das, was der Titel bereits versprach, erzählt nicht in der hohen Kunst der Poesie, sondern in profan getönten Gedankenfetzen, darunter alleinstehende, meist aber solche, die, immer schön in Fahrtrichtung, auf den nächsten Gedankenfetzen wiesen, eine Flußlinie von Gedankenfetzen also, “wenn alles fließt, geht vieles den Bach hinab”, verbunden von Zitaten, die eine gewisse Belesenheit des Autors nahelegten, wobei hier für “gewisse” genausogut “ungewisse” stehen könnte, ein stream of consciousness, allenthalben gebändigt vom mitschwingenden dream of the subconscious, eine straighte Micheliade, nicht ohne Witz, mit rheinisch-tolerantem Kleingeist gewürzt, zumindest bis knapp zur Hälfte der Strecke, einer Marke, an der wir die Lektüre vorerst abbrechen mußten, weil wir, wie beinahe täglich, gen Bosporusdampfer eilten; doch gelang es uns, folgenden Fetzen im Gedächtnis auf den vapur mitzuschleppen, um Küpper-Rheinisches versuchsweise dem Allgemein-Bosporidischen zu überlagern:

“Und der Maschinist des uns auf der linken Seite
passierenden Tankschiffs “Neckartank” stand außen-
bords und pinkelte in den Rhein.
War das ein Applaus auf dem Oberdeck.
Eine Dame versteckte schnell das Fernglas —
als ich an ihrem Tisch vorbeikam.
Eine andere Dame, die auch ohne Lorgnette eine
scharfe Beobachterin zu sein schien, blieb un-
gerührt ob des urinalen Spektakels. Eigenartig.”

Das Ergebnis solch experimenteller Ausschnittsüberblendung – durch den Bosporus schwammen gerade Delfine – bliebe wohl dem geistigen Auge vorbehalten, also eher ungreifbar, dachten wir, bis eine Möwe es sich vor unsern tatsächlichen Augen schnappte und davonflog.

Falls sich ein/e Leser/in findet, der/die uns plausibel erklären/nachweisen  kann, wie das Buch unter unser Exilbett gelangt ist, bekommt er/sie es von uns geschenkt/zurückerstattet.

Bert Küpper: Köln – Mainz – Köln. Eine Dampferfahrt auf dem Rhein. Schiffsinspektor Küpper erzählt…, Briedel/Mosel 1996

Türkischer Rhein: Schäl Sick

Wie sich wasserlaufdurchzogene Städte (in den Augen der Literaten) gleichen, zumindest ähneln: rheinerfahren erwähnt Théophile Gautier in seinem 1853 erschienenen Reisebuch Constantinople das Kölner Panorama, um dasjenige Kadiköys ins rechte Licht zu setzen:

“Une promenade à Kadi-Keuï est un plaisir que les habitants de Péra se refusent rarement les jour de fête, surtout ceux qui ne sont pas encore assez riches pour posséder une maison de campagne sur le Bosphore, entre les palais d`été des beys et des pachas.
Kadi-Keuï (village des juges) est un petit bourg de la rive d`Asie qui fait face au Sérail, dans l`endroit où la mer de Marmara commence à s`étrangler pour former l`embouchure du Bosphore. Sur l`emplacement de Kadi-Keuï s`élevait autrefois la ville de Chalcédon ou Chalcédoine, bâtie par Archias, sous les Mégariens, vers la vingt-troisième olympiade, six cent quatre-vingt-cinq ans avant Jésus-Christ; voilà déjà une antiquité respectable. Cependant, quelques auteurs attribuent la fondation de Chalcédoine à un fils du devin Chalchas, au retour de la guerre de Troie; d`autres a des colons de Chalcis, en Eubée, qui valurent à la nouvelle cité le surnom de ville des Aveugles, pour avoir choisi cette place lorsqu`ils pouvaient prendre celle où s`étala plus tard Byzance. Ce reproche ne nous semble aujourd`hui guère mérité, car de Kadi-Keuï on a la plus admirable perspective du monde, et Constantinople déploie sur l`autre rive, à travers la gaze argentée de sa légère brume, la magnificence de ses dômes, de ses coupoles, de ses minarets, de ses masses de maisons peintes, entrecoupées de touffes d`arbres. – Quand on veut jouir du panorama de Cologne, il faut aller se loger à Deutz, de l`autre côté du Rhin; pour bien voir Stamboul, il n`y a pas de meilleur moyen que de prendre une tasse de café sur le port de Kadi-Keuï.”

Zwischenbilanz (4)

Wir nehmen diesen tausendsten Primäreintrag nach rund drei Jahren rheinsein im Internet zum Anlaß für eine weitere Zwischenbilanz. Über die fragwürdige – denn rheinsein läßt sich nicht ausschließlich über Primärposts definieren – Jubiläumszahl hinaus paßt jedoch auch ihr Zeitpunkt für kurze Rück- und Ausblicke.

Im Jahr 2011 gab es ein neues Büchlein (Das Lachen der Hühner), das sowohl als eigenständige Publikation, als auch als rheinsein-Derivat betrachtet werden kann. Für einen handgearbeiteten Gedicht-Bild-Band aus einem unabhängigen Kleinstverlag geht es ganz ordentlich übern Tresen. Wir durften rheinsein in einigen Lesungen und Vorträgen präsentieren, eine Besonderheit/Neuheit war die aus rheinsein-Material zusammengestellte Liechtenstein-Show, eine weitere unser Lehrauftrag an der Düsseldorfer Fachhochschule zum Thema „Rheinische Identität“, das die Studenten in Spoken Word-Performances umzusetzen hatten. Die Stichwortwolke, rheinseins lexikalisches Register, wuchs auf über 2600 Begriffe an. Falls wir unsere Statistiken richtig deuten, sorgt insbesondere die thematische Bandbreite für zahlreiche Seitenaufrufe. Die häufigsten bzw lustigsten Suchanfragen zusammenzustellen, verkneifen wir uns heute – vielleicht ein andermal.

Von Februar bis Juno 2012 wird rheinsein die Artikelfrequenz stark herunterdimmen. Denn wir verbringen diese Zeit aus beruflichen Notwendigkeiten am Bosporus – erhoffen jedoch, dort einen bisher noch unbekannten Rheinnebenarm zu entdecken. Zu erwarten steht nach dem bisher ca werktäglichen demnächst also vorübergehend ca ein wöchentlicher (evtl an einem festen Tag erscheinender) Neueintrag. rheinsein wird dafür insbesondere auf Gastbeiträge angewiesen sein. (Der geneigte Leser und alle hier mitlesenden Korrespondenten möge/n dies bitte als Aufforderung verstehen. Wir sammeln bereits ein wenig auf Halde.) Falls wir für die Zwischenzeit ein Bosporus-Blog einrichten, geben wir`s hier bekannt.

Im Hintergrund grummeln derweil einige noch nicht spruchreife Optionen für die zweite Jahreshälfte 2012. Was immer sich ergibt: hier wird es zu erfahren sein.

Schaaner Weih- und Rauhnächte

Es seien die Rauhnächte Tage außerhalb der Zeit, Türen zu Zwischenwelten, in denen Menschen sich in andere Wesen verwandelten, Tiere in menschlichen Dialekten weissagten (wer sie jedoch dabei belauschte, stürbe sogleich), ganz allgemein sich aus dem Rauhnachtalltag detailliert das kommende Jahr voraussagen ließe und Träumen dabei eine spezifische Bedeutung zukomme, weswegen sie besonders beachtet werden sollten.

27. auf 28. Dezember: Wir schwammen in einem blasenwerfenden Käsemeer (moitié-moitié, Gutedel, Herisauer Kirsch, recht wenig Maisstärke), die Schwimmbewegungen blieben trotz der Behinderungen, welche der anhaftende, Fäden ziehende Käse verursachte, flüssig: langsamer, gleichmäßiger, richtungsloser Crawl. Das Meer glich einer sich ins Endliche dehnenden, mithin zuckenden Scheibe, in schwer definierbarer Entfernung umgeben von unerklimmbaren Steilküsten aus weihnachtsbeleuchteter Caquelon-Keramik. Es zog uns in die Tiefe, wir tauchten. Je tiefer wir gelangten, desto flüssiger und durchsichtiger wurde das Käsegewässer, bald verwandelte es sich in ätherisch glimmenden, geheimnisvolle Rheinströme enthaltenden Schnaps, bald in simpelst bewohnbare Blasen aus Landluft, ein Zicklein tollte umher, wir sprachen es an: „Hoi, Zicklein, sag an, was ist deine Lieblingsfarbe?“ „Kartoffel“, antwortete das Zicklein, „oben grün, unten braun.“ Wie zum Beweis trug das Zicklein wildes Kartoffelgrün auf seinem Köpfchen, durch das der Föhnwind mit Buchstabengewalt rauschte, sodaß einzelne Wörter aus dem Gebüsch auf des Tieres Schädel zu Boden rieselten. Dort schnürten sich die Wörter wie Gewürm zu Sätzen, die lauter groben Unsinn ergaben. Lange befaßten wir uns mit dem Humbug nicht; schnitten stattdessen dem Zicklein einen Mistelzweig mit vielen schönen viscinösen Beeren, den es mit den Worten verschmähte, daß Knollen ihm hundertmal lieber wären, mindestens. Was blieb da zu tun? Wir küssten das Zicklein, es verwandelte sich in eine hübsche Bauerntochter, die sofort mit dem Traktor davonfuhr. Über dessen Auspuffgasen drehte sich der Himmel einige Male um die eigene Achse und bot, kaum wieder zum Stillstand gelangt, eine schwarze Tür. Dahinter lag das bekannte Hallenbad, in dessen 50-m-Becken der Bosporus sich sammelt und mal nach links, mal nach rechts strömt. Wir betraten den Ort zum ersten Mal. Auf den Startblöcken saßen Angler. Von hinten sahen sie ganz korrekt wie Türken aus. Obgleich Ausländer, gesellten wir uns ihnen zu. Als Angellaie bewiesen wir zunächst einiges typisches Ungeschick im Umgang mit Haken, Köder und Wurftechnik. Man staunte, lachte und unterwies uns schließlich, auf daß kein Unglück geschehe, mit reichlich Lässigkeit in angemessener Handhabung des Geräts. Und siehe da: kaum hatten wir die Angel ins Schwimmbecken (i.e. den Bosporus) ausgeworfen, straffte sich die Leine: „Ein schneller Fang, aber ein schwerer Fang“, behauptete der Türke zur Linken. Indem er beide Arme an seinen Körper preßte und seinen Körper in rückwärtige Schräglage brachte, zeigte er, wie wir zu ziehen hätten. Nach kurzer Zeit war unsere erste Angelbeute aus den Tiefen des Orkus hervorgezogen: ein leeres 20 Liter-Aluminium-Faß der Marke „Super Beer“. Wir fingen noch zwei magere Fische und einige Badelatschensohlen. Unterdessen senkte sich der Wasserspiegel des Bosporus bis auf wenige Zentimeter über seinem nun gut sichtbaren Kachelboden. Bald verloren wir das Interesse an diesem Türkensport. Der Notausgang bei den Umkleiden führte auf eine wacklige Fußgängerhängebrücke, die nur von wenigen Türken beschritten wurde. Sie bestand aus lose verbundenen Holzplanken, überspannte das Goldene Horn und sah sehr unzuverlässg aus. Ein Warnschild wies auf das für Brückenquerungen zulässige Höchstgewicht: 85 kg pro Türke, 95 kg pro Ausländer. Zwar wogen wir ein paar Kilo mehr, doch das scherte uns nicht. Den Türken war es auch egal. Alle gingen möglichst zügig über die Brücke. Unten warf das Meer öligschwarze Kräuselwellen. Die wenigen Menschen auf dem Weg schwiegen eisern, ihre Gesichter waren zu beschnäuzerten Masken erstarrt; einige von ihnen kämpften, ohne daß sie es sich anmerken lassen wollten, mit der Seekrankheit. Am Ende der Brücke fehlten Planken. Um an Land zu gelangen, war ein Sprung vonnöten, den nicht jeder wagte, da das Land aus glitschigem Fels bestand und der Abgrund zwar kein allzu tiefer, dafür umso schwarzer und öliger war. Mit der Kraft beider Schenkel drückten wir uns von der letzten Brückenplanke ab – und landeten mitten auf der weihnachtsbeleuchteten Schaaner Landstraße mit ihrem regen Verkehr Richtung Vaduz und Nendeln.

Der Traum ist noch nicht zur Gänze ausgedeutet (unsere Experten streiten seit Stunden um diverse Details), auch ist unklar, ob es sich ausschließlich um Traumsequenzen handelt, da einige Fotos existieren, die auf das Gegenteil (nämlich reale, vor allem mit Lichtern und Tieren, also klassisch ausgestattete Weih- und Rauhnachtserlebnisse) schließen lassen. Da wir versichern können, noch am Leben zu sein, werden die darauf zu erblickenden Tiere immerhin nicht wirklich in Menschensprachen gesprochen haben. (Fortsetzung folgt)

Verlaine anbetrachts der nächtlichen Seine in Paris und einiger weiterer ihm in den Sinn kommender Gewässer

Nocturne parisien

À Edmond Lepelletier

Roule, roule ton flot indolent, morne Seine. –
Sous tes ponts qu`environne une vapeur malsaine
Bien des corps ont passé, morts, horribles, pourris,
Dont les âmes avaient pour meurtrier Paris.
Mais tu n`en traînes pas, en tes ondes glacées,
Autant que ton aspect m`inspire de pensées

Le Tibre a sur ses bords des ruines qui font
Monter le voyageur vers un passé profond,
Et qui, de lierre noir et de lichen couvertes,
Apparaissent, tas gris, parmi les herbes vertes.
Le gai Guadalquivir rit aux blonds orangers
Et reflète, les soirs, des boléros légers.
Le Pactole a son or, le Bosphore a sa rive
Où vient faire son kief l`odalisque lascive.
Le Rhin est un burgrave, et c`est un troubadour
Que le Lignon, et c`est un ruffian que l`Adour.
Le Nil, au bruit plaintif de ses eaux endormies,
Berce de rêves doux le sommeil des momies.
Le grand Meschascébé, fier de ses joncs sacrés,
Charrie augustement ses îlots mordorés,
Et soudain, beau d`éclairs, de fracas et de fastes,
Splendidement s`écroule en Niagaras vastes.

L`Eurotas, où l`essaim des cygnes familiers
Mêle sa grâce blanche au vert mat des lauriers,
Sous son ciel clair que raie un vol de gypaète,
Rhythmique et caressant, chante ainsi qu`un poète.
Enfin, Ganga, parmi les hauts palmiers tremblants
Et les rouges padmas, marche à pas fiers et lents
En appareil royal, tandis qu`au loin la foule
Le long des temples va hurlant, vivante houle,
Au claquement massif des cymbales de bois,
Et qu`accroupi, filant ses notes de hautbois,
Du saut de l`antilope agile attendant l`heure,
Le tigre jaune au dos rayé s`étire et pleure.

– Toi, Seine, tu n`as rien. Deux quais, et voilà tout,
Deux quais crasseux, semés de l`un à l`autre bout
D`affreux bouquins moisis et d`une foule insigne
Qui fait dans l`eau des ronds et qui pêche à la ligne
Oui, mais quand vient le soir, raréfiant enfin
Les passants alourdis de sommeil ou de faim,
Et que le couchant met au ciel des taches rouges,
Qu`il fait bon aux rêveurs descendre de leurs bouges
Et, s`accoudant au pont de la Cité, devant
Notre-Dame, songer, cœur et cheveux au vent!
Les nuages, chassés par la brise nocturne,
Courent, cuivreux et roux, dans l`azur taciturne.
Sur la tête d un roi du portail, le soleil,
Au moment de mourir, pose un baiser vermeil.
L`hirondelle s`enfuit à l`approche de l`ombre,
Et l`on voit voleter la chauve-souris sombre.
Tout bruit s`apaise autour. À peine un vague son
Dit que la ville est là qui chante sa chanson,
Qui lèche ses tyrans et qui mord ses victimes;
Et c’est l`aube des vols, des amours et des crimes.

– Puis, tout à coup, ainsi qu`un ténor effaré
Lançant dans l`air bruni son cri désespéré,
Son cri qui se lamente et se prolonge, et crie,
Éclate en quelque coin l`orgue de Barbarie:
Il brame un de ces airs, romances ou polkas,
Qu`enfants nous tapotions sur nos harmonicas
Et qui font, lents ou vifs, réjouissants ou tristes,
Vibrer l`âme aux proscrits, aux femmes, aux artistes.
C`est écorché, c`est faux, c`est horrible, c`est dur,
Et donnerait la fièvre à Rossini, pour sûr;
Ces rires sont traînés, ces plaintes sont hachées ;
Sur une clef de sol impossible juchées,
Les notes ont un rhume et les do sont des la,
Mais qu`importe! l`on pleure en entendant cela!
Mais l`esprit, transporté dans le pays des rêves,
Sent à ces vieux accords couler en lui des sèves;
La pitié monte au cœur et les larmes aux yeux,
Et l`on voudrait pouvoir goûter la paix des cieux,
Et dans une harmonie étrange et fantastique
Qui tient de la musique et tient de la plastique,
L`âme, les inondant de lumière et de chant,
Mêle les sons de l`orgue aux rayons du couchant!

– Et puis l’orgue s`éloigne, et puis c’est le silence,
Et la nuit terne arrive, et Vénus se balance
Sur une molle nue au fond des cieux obscurs;
On allume les becs de gaz le long des murs,
Et l`astre et les flambeaux font des zigzags fantasques
Dans le fleuve plus noir que le velours des masques;
Et le contemplateur sur le haut garde-fou
Par l`air et par les ans rouillé comme un vieux sou
Se penche, en proie aux vents néfastes de l`abîme.
Pensée, espoir serein, ambition sublime,
Tout, jusqu`au souvenir, tout s`envole, tout fuit,
Et l`on est seul avec Paris, l`Onde et la Nuit!

– Sinistre trinité! De l`ombre dures portes!
Mané-Thécel-Pharès des illusions mortes!
Vous êtes toutes trois, ô Goules de malheur,
Si terribles, que l`Homme, ivre de la douleur
Que lui font en perçant sa chair vos doigts de spectre,
L`Homme, espèce d`Oreste à qui manque une Électre,
Sous la fatalité de votre regard creux
Ne peut rien et va droit au précipice affreux;
Et vous êtes aussi toutes trois si jalouses
De tuer et d`offrir au grand Ver des épouses
Qu`on ne sait que choisir entre vos trois horreurs,
Et si l`on craindrait moins périr par les terreurs
Des Ténèbres que sous l`Eau sourde, l`Eau profonde,
Ou dans tes bras fardés, Paris, reine du monde!

– Et tu coules toujours, Seine, et, tout en rampant,
Tu traînes dans Paris ton cours de vieux serpent,
De vieux serpent boueux, emportant vers tes havres
Tes cargaisons de bois, de houille et de cadavres!

(aus: Paul Verlaine – Poèmes saturniens, 1866)