Marcel Crépon vom Rheinfall (3)

Den Bodensee stellte ich mir als ein riesiges Waschbecken vor, dessen Stöpsel eine mächtige Hand gezogen hätte. Das Wasser warf sich rücksichtslos in die Tiefe. Weiß sah es aus, wie von einen Mixer geschlagen, schaumige, reine Milch. Meine Begleiterin, trunken von Bier, Sonnenstrahlen, Wasserspiegelungen und Litaneien, nickte stumpfsinnig, schaute jedoch in die entgegengesetzte Richtung. Unter großen weißen Sonnenschirmen hechelten Wanderer. Müde kommentierten sie zahlreiche Reisen, mit dem Fahrrad bezwungene Bergketten, im Eiltempo verschlungene Wälder, durchkreuzte Seen, sehnten sich nach hoch verdienten Getränken und Speisen. Abwesend blickte die Frau auf eine andere Gruppe hinter dem Heldenrund. Der Hitze mit erstaunlicher Lebhaftigkeit trotzend, fotografierten sich gegenseitig neben einer naturgetreu reproduzierten Alpenkuh, die dort ausgestellt war, Inder: Kinder Eltern und Eltern Kinder. Zart gestreichelt wurden die Flanken, liebevoll gehalten die Ohren der Kuh, man mimte ernst das Melken.

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So muss es sich wohl beim Mahashivarati-Fest abspielen, nur mit hunderttausenden Anbetern mehr. Wie hypnotisiert näherte sich die Frau langsam der Skulptur und wurde von den Indern quasi einverleibt. Sie verschwand, tauchte wieder auf. (Wie lange blieb sie dort? Was war unterdessen geschehen?) Unwiderruflich der Schaden: sie sah verstrahlt aus, ihre Augen glänzten wie die Oberfläche eines gomphide glutineux (2). Sie hätte, so erzählte sie, den Eimer unter den Schwanz der Kuh gestellt, wie ihr befohlen worden war. Ida und Aditi hätten ihr das Geheimnis des Emmericher Wappeneimers zugeflüstert: Kuhfladen wurden mit dem Eimer gesammelt, die getrocknet als Brennstoff Verwendung fanden. Die Theorie wäre gewagt, aber nicht uninteressant, kommentierte ich, um etwas zu sagen, dabei höflich zu bleiben, nicht sofort in Lachen auszubrechen. Von reinigendem Urin und Dung, von befreiten kosmischen Kühen lallte die Frau weiter, in höchster ekstatischer Erregung: sie wolle sich nun mit den muhenden Gewässern vereinigen, denn wer im Yama-Reich den Ahnen einen Besuch abstatten möchte, dem würde die Kuh bei der Überquerung helfen. Dass sie ernst machte, merkte ich, als sie ein paar Selfisten liebevoll, doch entschlossen beiseite schob und über das Geländer zu klettern begann. Der Wissenschaft zu Liebe hätte ich sie machen lassen müssen, doch griff ich nach ihrer Bluse und hielt sie ab, zeigte auf das Wasserrad. Dessen gleichmäßige Drehungen, die von Moosen bedeckten, immer wieder ein- und auftauchenden Schaufeln funktionierten fabelhaft als Ablenkung. Sie pflanzte sich davor, ich entfernte mich geschickt Richtung Schlössli Wörth.

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Im Becken am Fuß der Felsen, die stichsägengleich das Wasser zu zerteilen schienen, taumelten und schaukelten gelbe, blaue, rote Schiffe, beladen mit mutigen und aufgeregten Naturfreunden. Auf der Uferpromenade abseits der menschlichen Ströme saß ein Mann auf einer Bank. Einer, der mehr in seinen Kleidern zu geistern schien als von ihnen bekleidet zu werden. Neben ihm waren drei mit Wasser gefüllte Fläschchen aufgestellt. Am Boden der mittleren lagen Sandkörner und Steinchen. “Die erste Flasche ist gefüllt mit Rheinwasser vor dem Fall, die zweite mit Wasser nach dem Fall, die dritte beinhaltet eine Mischung aus beiden”, erklärte der Mann.

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Verkaufte er Rheinwasser an Touristen? Versprach er ihnen Wunder? Zeit böte er an, nichts als Zeit, flüssige Zeit. Konnte er damit Kunden gewinnen? Viele wäre übertrieben gewesen, aber es waren erheblich mehr als damals, als er versuchte hatte mit Rheinwassereis Geld zu machen. Die Kügelchen, die wie Schneebälle aussahen, hatte er eigenhändig hergestellt, ehe sie schmolzen, was recht schnell geschah. Mit genügend Mitteln hätte er in einen Kleinwagen investiert gehabt. Sorbets, Speiseeis vorbereitet, richtige Kugeln, wie aus dem Schnee der Bergeshöhen. “Und was kostet sie, diese Zeit?” – “10 CHF die Flasche, Euros nehme ich auch an.” – “Nicht alle drei zusammen?” Der Mann beugte sich beiseite, nahm aus seinem Rucksack eine leere Mineralwasserflasche, füllte sie mit dem Wasser der Fläschchen. “Das ist Zeit, 10 CHF…”

Erst zurück am Rad fühlte ich mich beruhigt: Kein Eklat, keine aufgeregte Menschenansammlung, weder Polizei noch Rettungsdienst. Die Inder waren weg. Die Frau ebenso, deren Name ich nicht in Erfahrung bringen konnte. Nur das Braunvieh stand da, blickte verträumt in Richtung Fluß, wohin ich ebenfalls zurückkehrte. An der Oberfläche schrieb Gischt in stetigem Schlängeln Texte, die nur von Forellen zu entschlüsseln sind.

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Fast hätte ich vergessen die “Baum-Hieroglyphen” (3) von Mr. Pyeux zu erwähnen. Erinnern Sie sich?

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Andere gesehene und gehörte Dinge verschweige ich hier zunächst.

Im Hochachtung und mit freundlichen Grüßen,

Ihr Marcel Crépon

***

(2) Dt.: Großer Schmierling
(3) Fußnoten und Hyperlinks stammen von der Redaktion

Marcel Crépon vom Rheinfall (2)

Mein Begleiter kannte das Panorama auswendig und legte sich im Schatten der Station zum Schlafen nieder; was also tun, außer die 360°-Einladung anzunehmen? Herrlich war es! Wenn nicht gerade von Wolken retuschiert. Berge, überall Berge, ein Meer von Bergen… graue, blaue, grüne Gesteinswellen, aufgestapelte Sedimente, geschrumpfte Gletscher, in nördlicher nebeliger Ferne kreisten Zeppeline und ich sah: den Bodensee. Ahnte zu sehen, wäre richtiger. Denn soweit sehen meinen Augen längst nicht mehr. Immerhin stimmte die Richtung! Nun, ich besuche oft genug Ihre Seiten, um zu wissen, dass der Rhein in den Bodensee fließt, und aus dem See heraus. Was dazwischen mit ihm geschieht, wissen Sie besser als ich. Doch vielleicht auch nicht ganz genau? Ich entschied mich, der Sache auf den Grund zu gehen, obwohl ich weder des Schwimmens noch Tauchens mächtig bin. Ob das eine Rolle spielen würde? Velle parum est; cupias, ut re potiaris, oportet. (1) Mein Begleiter schlief, ich träumte weiter, und ging. Kam irgendwann auch an, bereit für den nächsten Anschluss. Auf den Gleisen fiel mir eine Frau auf. In der rechten Hand hielt sie einen Eimer, in der linken nichts. Beide, Eimer und Nichts, mussten sehr schwer gewogen haben, denn sie schien erschöpft, schleppte sich gebeugt und seufzend dem Wagen zu. Sie war wie die Uhr am Bahnhof: zeigerlos.

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Auf “Visionssuche” war sie in den Bergen gewesen, hatte nichts gefunden und sogar ihre Begleitung aus den Augen verloren. Mit unauffälliger, doch fester Dialektik lenkte ich die Unterhaltung auf etwas mir Vertrauteres: den Eimer, den sie auf ihrem Schoß festhielt, während der Zug um den Bodensee baumelte.
Von weit her hatte sie ihn herbeigetragen: von Emmerich. Schaffhausen war ihre nächste Etappe. Auf dem Berg war das visionäre Versprechen fehlgeschlagen, doch vermochte sie dort etwas wahrzunehmen wie: “Schaffhausen, Schaffhausen, schaff es nach Hause, Schaffhausen, wo alles sich offenbaren wird”. Ich verstand kein einziges Wort, außer Schaffhausen, also Rheinfall. Die Frau stotterte etwas über die nur vermutete Herkunft des Eimers auf dem niederrheinischen Stadtwappen, und wie sie in der Turbulenz der Fälle genaueres erfahren sollte. Ich erwiderte nichts, doch war natürlich sofort dabei, und schon marschierten wir den Fluß entlang. Die Hitze. Das brueghelgrüne Wasser. Die Frau. Sie psalmodierte vor sich hin, als ob sie die Wand der Wirklichkeit durchbrechen wollte, sich in Trance versetzen… Warum? Bald kamen wir auf die Höhe eines Holzbaus… “Was ist das?”, fragte sie. Ich: “Da drin werden die todessüchtigen Romantiker aufgesammelt, damit sie nicht am Wasserfall als aufgedunsene Leichen auftauchen und den Anblick zerstören…” Das bis jetzt recht langsam fließende Wasser schien auf einmal in Eile zu geraten, die Oberfläche bewegte sich auf und ab in kleinen sich multiplizierenden Wellen. Sterne funkelten. Darunter ondulierten Algen (wenn Ihnen der Film Die Nacht des Jägers in Erinnerung geblieben ist, können Sie das Bild vervollständigen – schon hallte die Stimme Robert Mitchums über uns hinweg: leaning… leaning…), vielleicht war es das Haar der erwähnten Romantiker? Oder Süßwasserjungfrauen? Meine Fragen ließ die Frau unbeantwortet, sie erhöhte das Tempo ihrer Mantras und Schritte unter nicht zu übersehendem Schweißverlust, den sie mit dem Leeren von Falkenbier-Dosen auszugleichen wusste. Abgesehen von tanzenden Wellen war nichts zu sehen, doch kündigten sich die baldigen Fälle an.

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Plötzlich schien das Wasser vor sich selbst zu fliehen, oder von unsichtbaren Kräften angezogen zu werden. Der Weg, den wir bis jetzt allein gegangen waren, wurde lebendiger, einzeln oder in Gruppen vermehrten sich die Spaziergänger in sich steigernder Polyphonie. Manche folgten hoch gehaltenenen Wimpeln, manchen bevölkerten die Bahnbrücke. Das Getöse wurde lauter, mit zunehmender Nervosität klatschte das Wasser gegen die Pfeiler, dann die Felsen und man bekam den Eindruck, es höre einfach auf. Wo es hätte weiterfließen müssen, war nichts außer einer breiten Öffnung, dann entdeckte man es wieder, seinen Lauf fortsetzend. Da waren wir also. Besucher selfierten, mit Stab, ohne, als hormonell gedopte junge Paare oder halb mumifizierte Greise und alles, was noch dazwischen lebte. (Fortsetzung folgt)

***

(1) Dt.: Wollen reicht nicht. Man muß begehren, damit eine Sache gelingt.

Marcel Crépon vom Rheinfall

Liebes rheinsein,

Eine Wand des Zimmers, das ich zum Sommerende bewohnte, schmückte ein Ölgemälde. Wenn das Motiv (ein Stillleben mit Weintrauben, Apfel, Birne, einem Krug) der klassischen Tradition entspricht, so ist die Darstellung ungewöhnlich, indem der Maler die Vergänglichkeit der Dinge durch einen Schnipser angedeutet hat. Unsichtbar die dafür verantwortliche Hand, umso effektiver das Umkippen der mit verblassten Weintrauben gefüllten Schale. Durchs Fenster ließ sich auf der gegenüberliegenden Wand die Welt erblicken. Felder mit hochgewachsenem Hopfen im Vordergrund, der Bodensee, und im Hintergrund je nach Wetterlage die Voralpen. Berge. Everest, Ventoux, Kilimandscharo, Säntis, Berge sind da, damit wir hinauf gehen können, um, ist der Gipfel erreicht, auf andere Berge Ausschau zu halten. Aber nicht nur, wie ich ihnen nun berichten werde.

Mit dem Namen Agaric werden Sie wenig anzufangen wissen. Nach Pferdeschweiß, rostiger Rüstung und klirrenden Waffen klingt er – tatsächlich handelt es sich um einen Pilz. “Sebastian Münster”, erzählte mir mein Begleiter als wir eine Pause im Schatten einer Lärche einlegten, “erwähnt ihn in seiner “Cosmographie”, zitierte eine, benutzte jedoch zwei Schilderungen Plinius des Älteren, und brachte ein bisschen alles durcheinander. Da wo der Ingelheimer versicherte, der Pilz sei ein ausgezeichnetes Mittel gegen Kopfschmerz, sagte der Römer, er würde Cephalgie verursachen. Eigentlich beschrieb der Gelehrte den Lärchenschwamm (Polyporus officinalis. Bei Plinius: Agaricus officinalis), doch verwendete er dafür eine Zeichnung von Agaricus arvensis.” Mein Begleiter skizzierte die Holzradierung nach. Schnell jedoch bekam ich den Eindruck, dass dieser Agaric mehr einem Atompilz glich als einem Aspirin, oder dem Blatt einer Kreissäge, und nicht nur Migräne, sondern eine Menge anderes verschwinden zu lassen in der Lage war. “Irrtum, im Gegensatz zum Agaric Amanita muscaria ist Agaricus arvensis ganz harmlos, lässt sich ohne Gefahr fürs Kochen verwenden.” Was mich jedoch interessierte waren weniger die medizinischen oder kulinarischen oder sonstigen Eigenschaften des Pilzes, als vielmehr der Beiname, welchen mein Begleiter irgendwann fallen ließ: Schneeball.

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Ich hatte mal von einen Ritter gehört, der statt der üblichen Menagerie, Pflanzen und abstrusen Symbolen, etwas ähnliches als Wappen führte. Stellen Sie sich nur vor wie dieser Ritter einer Lawine gleich in die Schlacht galoppierte und mit Geschrei seinen Feinden drohte: “Ihr verfluchten feigen Säue! Eure Glieder werde ich zerhacken, eure Gedärme aufsaugen, eure Hirne wie Schneebällchen schmelzen lassen!” Schließlich erreichten wir unser Ziel, die Wetterstation auf der Säntisspitze. Unser Ziel war natürlich nicht eigentlich sie, sie stand nun aber da und konnte als solche wahrgenommen werden – und wurde es in der Tat, betrachtete man das bunt bekleidete Volk, das ebenfalls den Gipfel erobert hatte. Manche kamen noch zu Fuß. Einige hielten beim Gehen einen Stab vor sich hoch. Pilger vielleicht, die sich eine besondere Form der Buße ausgedacht hatten? So war es nicht. Keine Jakobsmuschel hing am Ende des Stabs befestigt, sondern: eine Kamera. Andere bevorzugten die Schwebebahn, darunter zwei eifrige alte Damen. Immer wieder ein Stück Zeitung nachlesend, untersuchten sie akribisch den Boden.

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(Fortsetzung folgt)

Victor Hugo am Rheinfall in seinem Gehirn

Mon ami, que vous dire ? Je viens de voir cette chose inouïe. Je n’en suis qu’à quelques pas. J’en entends le bruit. Je vous écris sans savoir ce qui tombe de ma pensée. Les idées et les images s’y entassent pêle-mêle, s’y précipitent, s’y heurtent, s’y brisent, et s’en vont en fumée, en écume, en rumeur, en nuée. J’ai en moi comme un bouillonnement immense. Il me semble que j’ai la chute du Rhin dans le cerveau.

J’écris au hasard, comme cela vient. Vous comprendrez si vous pouvez.

On arrive à Laufen. C’est un château du treizième siècle, d’une fort belle masse et d’un fort beau style. Il y a à la porte deux guivres dorées, la gueule ouverte. Elles aboient. On dirait que ce sont elles qui font le bruit mystérieux qu’on entend.

On entre.

On est dans la cour du château. Ce n’est plus un château, c’est une ferme. Poules, oies, dindons, fumier ; charrette dans un coin ; une cuve à chaux. Une porte s’ouvre. La cascade apparaît.

Spectacle merveilleux !
Effroyable tumulte ! Voilà le premier effet. Puis on regarde. La cataracte découpe des golfes qu’emplissent de larges squames blanches. Comme dans les incendies, il y a de petits endroits paisibles au milieu de cette chose pleine d’épouvante ; des bosquets mêlés à l’écume ; de charmants ruisseaux dans les mousses ; des fontaines pour les bergers arcadiens de Poussin, ombragées de petits rameaux doucement agités. ― Et puis ces détails s’évanouissent, et l’impression de l’ensemble vous revient. Tempête éternelle. Neige vivante et furieuse.

Le flot est d’une transparence étrange. Des rochers noirs dessinent des visages sinistres sous l’eau. Ils paraissent toucher la surface et sont à dix pieds de profondeur. Au-dessous des deux principaux vomitoires de la chute, deux grandes gerbes d’écume s’épanouissent sur le fleuve et s’y dispersent en nuages verts. De l’autre côté du Rhin, j’apercevais un groupe de maisonnettes tranquilles, où les ménagères allaient et venaient.

Pendant que j’observais, mon guide me parlait. ― Le lac de Constance a gelé dans l’hiver de 1829 à 1830. Il n’avait pas gelé depuis cent quatre ans. On y passait en voiture. De pauvres gens sont morts de froid à Schaffhouse. ―

Je suis descendu un peu plus bas, vers le gouffre. Le ciel était gris et voilé. La cascade fait un rugissement de tigre. Bruit effrayant, rapidité terrible. Poussière d’eau, tout à la fois fumée et pluie. À travers cette brume on voit la cataracte dans tout son développement. Cinq gros rochers la coupent en cinq nappes d’aspects divers et de grandeurs différentes. On croit voir les cinq piles rongées d’un pont de titans. L’hiver, les glaces font des arches bleues sur ces culées noires.

Le plus rapproché de ces rochers est d’une forme étrange ; il semble voir sortir de l’eau pleine de rage la tête hideuse et impassible d’une idole hindoue, à trompe d’éléphant. Des arbres et des broussailles qui s’entremêlent à son sommet lui font des cheveux hérissés et horribles.

A l’endroit le plus épouvantable de la chute, un grand rocher disparaît et reparaît sous l’écume comme le crâne d’un géant englouti, battu depuis six mille ans de cette douche effroyable.

Le guide continue son monologue. ― La chute du Rhin est à une lieue de Schaffhouse. La masse du fleuve tout entière tombe là d’une hauteur de « septante pieds ». ―

L’âpre sentier qui descend du château de Laufen à l’abîme traverse un jardin. Au moment où je passais, assourdi par la formidable cataracte, un enfant, habitué à faire ménage avec cette merveille du monde, jouait parmi des fleurs et mettait en chantant ses petits doigts dans des gueules-de-loup roses.

Ce sentier a des stations variées, où l’on paie un peu de temps en temps. La pauvre cataracte ne saurait travailler pour rien. Voyez la peine qu’elle se donne. Il faut bien qu’avec toute cette écume qu’elle jette aux arbres, aux rochers, aux fleuves, aux nuages, elle jette aussi un peu quelques gros sous dans la poche de quelqu’un. C’est bien le moins.

Je suis parvenu par ce sentier jusqu’à une façon de balcon branlant pratiqué tout au fond, sur le gouffre et dans le gouffre.

Là, tout vous remue à la fois. On est ébloui, étourdi, bouleversé, terrifié, charmé. On s’appuie à une barrière de bois qui tremble. Des arbres jaunis, ― c’est l’automne, ― des sorbiers rouges entourent un petit pavillon dans le style du café turc, d’où l’on observe l’horreur de la chose. Les femmes se couvrent d’un collet de toile cirée (un franc par personne). On est enveloppé d’une effroyable averse tonnante.

De jolis petits colimaçons jaunes se promènent voluptueusement sous cette rosée sur le bord du balcon. Le rocher qui surplombe au-dessus du balcon pleure goutte à goutte dans la cascade. Sur la roche qui est au milieu de la cataracte, se dresse un chevalier troubadour en bois peint appuyé sur un bouclier rouge à croix blanche. Un homme a dû risquer sa vie pour aller planter ce décor de l’Ambigu au milieu de la grande et éternelle poésie de Jéhovah.

Les deux géants qui redressent la tête, je veux dire les deux plus grands rochers, semblent se parler. Ce tonnerre est leur voix. Au-dessus d’une épouvantable croupe d’écume, on aperçoit une maisonnette paisible avec son petit verger. On dirait que cette affreuse hydre est condamnée à porter éternellement sur son dos cette douce et heureuse cabane.

Je suis allé jusqu’à l’extrémité du balcon ; je me suis adossé au rocher.

L’aspect devient encore plus terrible. C’est un écroulement effrayant. Le gouffre hideux et splendide jette avec rage une pluie de perles au visage de ceux qui osent le regarder de si près. C’est admirable. Les quatre grands gonflements de la cataracte tombent, remontent et redescendent sans cesse. On croit voir tourner devant soi les quatre roues fulgurantes du char de la tempête.

Le pont de bois était inondé. Les planches glissaient. Des feuilles mortes frissonnaient sous mes pieds. Dans une anfractuosité du roc, j’ai remarqué une petite touffe d’herbe desséchée. Desséchée sous la cataracte de Schaffhouse ! Dans ce déluge, une goutte d’eau lui a manqué. Il y a des cœurs qui ressemblent à cette touffe d’herbe. Au milieu du tourbillon des prospérités humaines, ils se dessèchent. Hélas ! C’est qu’il leur a manqué cette goutte d’eau qui ne sort pas de la terre, mais qui tombe du ciel, l’amour !

Dans le pavillon turc, lequel a des vitraux de couleur, et quels vitraux ! Il y a un livre où les visiteurs sont priés d’inscrire leurs noms. Je l’ai feuilleté. J’y ai remarqué cette signature : Henri, avec ce paraphe : (hier im Original die Abbildung eines einfachen verschnörkelten handgezeichneten, vielleicht lateinischen, vielleicht auch griechischen Buchstabens; Anm. rheinsein) Est-ce un V ?

Combien de temps suis-je resté là, abîmé dans ce grand spectacle ? Je ne saurais vous le dire. Pendant cette contemplation, les heures passeraient dans l’esprit comme les ondes dans le gouffre, sans laisser trace ni souvenir.

Cependant on est venu m’avertir que le jour baissait. Je suis remonté au château, et de là je suis descendu sur la grève d’où l’on passe le Rhin pour gagner la rive droite. Cette grève est au bas de la chute, et l’on traverse le fleuve à quelques brasses de la cataracte. On s’aventure pour ce trajet dans un petit batelet charmant, léger, exquis, ajusté comme une pirogue de sauvage, construit d’un bois souple comme de la peau de requin, solide, élastique, fibreux, touchant les rochers à chaque instant et s’y écorchant à peine, manœuvré comme tous les canots du Rhin et de la Meuse, avec un crochet et un aviron en forme de pelle. Rien n’est plus étrange que de sentir dans cette coquille les profondes et orageuses secousses de l’eau.

Pendant que la barque s’éloignait du bord, je regardais au-dessus de ma tête les créneaux couverts de tuiles et les pignons taillés du château qui dominent le précipice. Des filets de pêcheurs séchaient sur les cailloux au bord du fleuve. On pêche donc dans ce tourbillon ? Oui, sans doute. Comme les poissons ne peuvent franchir la cataracte, on prend là beaucoup de saumons. D’ailleurs dans quel tourbillon l’homme ne pêche-t-il pas ?

Maintenant je voudrais résumer toutes ces sensations si vives et presque poignantes. Première impression : on ne sait que dire, on est écrasé comme par tous les grands poèmes. Puis l’ensemble se débrouille. Les beautés se dégagent de la nuée. Somme toute, c’est grand, sombre, terrible, hideux, magnifique, inexprimable.

De l’autre côté du Rhin, cela fait tourner des moulins.

Sur une rive, le château ; sur l’autre, le village, qui s’appelle Neuhausen.

Tout en nous laissant aller au balancement de la barque, j’admirais la superbe couleur de cette eau. On croit nager dans de la serpentine liquide.

Chose remarquable, chacun des deux grands fleuves des Alpes, en quittant les montagnes, a la couleur de la mer où il va. Le Rhône, en débouchant du lac de Genève, est bleu comme la Méditerranée ; le Rhin, en sortant du lac de Constance, est vert comme l’océan.

Malheureusement le ciel était couvert. Je ne puis donc pas dire que j’aie vu la chute de Laufen dans toute sa splendeur. Rien n’est riche et merveilleux comme cette pluie de perles dont je vous ai déjà parlé, et que la cataracte répand au loin ; cela doit être pourtant plus admirable encore lorsque le soleil change ces perles en diamants et que l’arc-en-ciel plonge dans l’écume éblouissante son cou d’émeraude, comme un oiseau divin qui vient boire à l’abîme.

De l’autre bord du Rhin, d’où je vous écris en ce moment, la cataracte apparaît dans son entier, divisée en cinq parties bien distinctes qui ont chacune leur physionomie à part et forment une espèce de crescendo. La première, c’est un dégorgement de moulins ; la seconde, presque symétriquement composée par le travail du flot et du temps, c’est une fontaine de Versailles ; la troisième, c’est une cascade ; la quatrième est une avalanche ; la cinquième est le chaos.

Un dernier mot, et je ferme cette lettre. À quelques pas de la chute, on exploite la roche calcaire, qui est fort belle. Du milieu d’une des carrières qui sont là, un galérien, rayé de gris et de noir, la pioche à la main, la double chaîne au pied, regardait la cataracte. Le hasard semble se complaire parfois à confronter dans des antithèses, tantôt mélancoliques, tantôt effrayantes, l’œuvre de la nature et l’œuvre de la société.

(aus Victor Hugo: Le Rhin, Lettres à un ami, 1842)

Frühe Rheinbeschreibung von Pomponius Mela

“Rhenus, ab Alpibus decidens, prope a capite duos lacus efficit, Venetum et Acronium: mox, diu solidus, et certo alveo lapsus, haud procul a mari huc et illuc dispergitur; sed, ad sinistram, amnis etiam tum, et donec effluat, Rhenus; ad dextram, primo angustus et sui similis, post, ripis longe ac lace recedentibus, iam non amnis, sed ingens lacus, ubi campos implevit, Flevo dicitur; eiusdem nominis insulam amplexus, fit iterum arctior, iterumque fluvius emittitur.”

(Pomponius Mela, De chorographia libri tres)

Simrock über den Rheinfall

Der Große Laufen

Der Rheinfall bei Schaffhausen hat nicht nur den Namen dieser Stadt in aller Welt berühmt gemacht, sondern er ist es eigentlich, dem sie Entstehung und Blüte verdankt. Dies geschah nicht etwa durch den Besuch der Fremden, welche ein so einzigartiges Naturschauspiel zu betrachten zahlreich herbeieilen – obwohl auch diese nicht ganz unbedeutend dazu beitragen mögen –, sondern durch das natürliche Stapelrecht, das der Rheinfall zugunsten der Stadt, besser, als es ein kaiserliches Privilegium vermöchte, begründet hat. Da kein Schiff, ohne in tausend Stücke zu zertrümmern, den Rheinfall hinab kann, so müssen alle Güter, die aus dem Bodensee usw. hierhergelangen, oberhalb Schaffhausen ausgeladen, auf der Achse durch die Stadt geführt und unterhalb des Wasserfalls wieder an Bord genommen werden. Die großen Schiffe fahren daher nur bis nach Schaffhausen; kleinere, aus leichten Tannendielen – sogenannte Lauertannen – gezimmerte, werden wie ihre Ladung durch die Stadt, am Wasserfall vorbeigetragen und unterhalb desselben wieder auf den Strom gesetzt. Vermutlich lag hierin der Grund der ersten Ansiedlung, aus der Schaffhausen, dessen Name auch von Schiff oder dem lateinischen Scapha abgeleitet wird, hervorging. Dabei könnte aber befremden, daß Schaffhausen eine gute Stunde oberhalb des Wasserfalls liegt; deshalb müssen wir des Umstands gedenken, daß schon vor der Stadt die Schiffahrt durch einen Felsendamm gehemmt wird, der bei niederem Wasserstand sichtbar hervorragt. Er besteht, gleich der Felswand und den Felszacken des Wasserfalls, aus Kalksteinen, was den Zusammenhang beider Steinmassen mit dem hier auslaufenden Juragebirge bestätigt. Die Volkssprache nennt die Felsen des Damms die Lächen.

Bei Schaffhausen hört man den Rheinfall schon toben und brausen. Er befindet sich aber erst bei dem Züricher Schlößchen Laufen, das auf der linken Rheinseite auf einem hohen Felsen liegt. Dieser bildete wohl einst mit dem Steindamm, den hier der Rhein zu durchbrechen hatte, eine fortlaufende Bergwand, von der die Felsblöcke, die sich jetzt mitten im Strom dem Sturz entgegenstemmen, nur Überbleibsel sind.
Die Tiefe der Felswand, die sich der Rhein herabzustürzen hat, beträgt etwa siebzig bis achtzig Fuß. Aber eben da er den Anlauf zum Hinabspringen nimmt, stemmen sich ihm drei (früher fünf) Felsblöcke entgegen, welche aus der Wand emporragen. Einer derselben wird ganz überströmt, die übrigen nur bei dem höchsten Wasserstand. Der überströmte Felsen ist dem Schloß Laufen am nächsten, an dessen Fuß das Gerüst Fischenz, ein hölzerner, balkonartiger Vorbau über dem Abgrund, die vorteilhafteste Stellung gewährt, um den ganzen vollen Eindruck des erhabenen Schauspiels mit einem Mal zu gewinnen.

Schon oberhalb des Sturzes mußte sich der Strom in ein enges Felsenbett zwängen lassen, aus dem zahllose Klippen empor starrten. Darüber schäumend vor Unmut, gelangt er mit starkem Gefälle in die Nähe der Felszacken, wo der Boden schon unter ihm weicht und der Fall, obwohl erst allmählich, beginnt. In gewaltsamer Eile schießt er gegen die Felsblöcke hinab, an denen sein Fall sich bricht, der erst jetzt eigentlich geschehen soll. Beim Anprall gegen die Felsen zerstäubt ein Teil des Wassers und steigt als dichte Nebelwolke in die Höhe, ein anderer bildet siedende, schäumende Gischt, ein dritter wälzt sich in großen Massen über den Felsen und gelangt hinab in den Kessel, wo das Sieden, Schäumen und Strudeln von neuem anhebt. Denkt man sich dies in der größten Geschwindigkeit hintereinander und zugleich nebeneinander, da ein Teil des Wassers schon im Kessel zischt und brandet, wenn der andere erst gegen die Felsen prallt und über sie hinausspritzt; denkt man sich dieses Schauspiel bei jedem der Felsblöcke mit der Abänderung wiederholt, daß nur der erste Felsen überströmt wird, und läßt man dann die Sonne sich entschleiern, um den mannigfaltigsten, herrlichsten Farbenwechsel hervorzubringen, indem sie die vom Wind gekräuselten Säume des Schaums vergoldet, den Wasserspiegel mit Glanz überstrahle und im aufsteigenden, schnell bewegten Dunst den flüchtigen Regenbogen hervorzaubert, dessen Oberes von der Luft hin und her getrieben, vom neu aufwallenden Nebel verwischt und doch gleich wieder neu erzeugt wird, während der Fuß ruhig und unbeweglich in Gischt und Schaum des Kessels steht – faßt man dies alles in eine Vorstellung zusammen, so hat man ein schwaches Bild dessen, was an dem Phänomen sichtbar ist. Auf das Ohr wirkt gleichzeitig das ungeheuere Donnergetöse des Sturzes so gewaltsam, daß man es in stiller Nacht auf zwei Meilen weit hört, in der Nähe aber niemand sein eigenes Wort vernimmt. Auch dem Gefühl macht es sich durch die Lufterschütterung und den Staubregen bemerkbar, der den Zuschauer in kurzer Zeit durchnäßt, wenn er sich dem Anblick zu unbedachtsam hingibt.
Vom Gerüst Fischenz kann man die dem anderen Ufer näher liegenden Fälle nicht deutlich erblicken, deswegen begibt man sich wohl nach einem in der Nähe des Schlosses stehenden Pavillon oder fährt nach dem jenseits liegenden Schlößchen Wörth, das auch das schaffhausische Laufen genannt wird, wo man sich der Mitte des Falls gerade gegenüber befindet, obwohl schon in zu großer Entfernung. Noch ungünstiger ist der Standpunkt bei den Neuhauser Mühlen auf dem rechten Ufer, wo sich alles verkürzt und der kleinere Sturz den größeren verdeckt. Hat man nun noch die Neuhauser Höhe besucht, wo man eine Übersicht der ganzen Gegend gewinnt, so wird man sich wieder hinübergezogen fühlen, um den unvergleichlichen Anblick, der nur auf dem Gerüst Fischenz ganz genossen werden kann, noch einmal zu erleben; es wäre denn, daß man für diesmal auf der Schaffhauser Seite zurückzukehren gedächte, um bei anderer Stimmung oder Beleuchtung, z. B. bei Nacht und Mondenschein, das erhabene Naturschauspiel sich noch einmal aufführen zu lassen.

In einer im Jahre 1797 niedergeschriebenen skizzenhaften Beschreibung des Rheinfalls bemerkt Goethe, das Wunderbarste daran seien ihm die Felsen, welche sich in dessen Mitte so lange hielten, da sie doch vermutlich von derselben Gebirgsart seien wie der klüftige Kalkstein, der die Felsen beider Ufer bilde. Allein seitdem sind in diesem Jahrhundert zwei der fünf Felsen im Strombett zusammengestürzt, welche weder die ersten gewesen sein mögen, noch die letzten bleiben werden. Bedenkt man, daß schon ein Tropfen durch öfteres Niederfallen einen Stein höhlt, wieviel größer muß die Wirkung eines ganzen Stroms in Jahrtausenden sein? Wenden wir dies auf Vergangenheit und Zukunft an, so wird sich dort eine Zeit ergeben, wo die jetzt durchbrochenen Felsen des Strombetts mit jenen der Ufer dem Rhein einen Damm entgegensetzten, den er nicht sogleich bewältigen konnte, wodurch vielleicht die Ausbildung der beiden großen Seehecken begünstigt wurde. Das vorschauende Janusantlitz blickt hingegen auf das gerade Widerspiel, auf ein vollkommen ausgewaschenes, von allem Widerstand gesäubertes Strombett, in dem der Rhein ruhig hinwandelt, leichte Kähne wie die stolzen Dampf- und Segelschiffe auf dem glatten Rücken tragend. Daher ist dem schaulustigen Leser, der den größten Wasserfall Europas noch nicht gesehen hat, allen Ernstes zu raten, den Besuch desselben nicht allzulange hinauszuschieben: nach tausend Jahren fände er vielleicht die Stelle, wo er einst schaute, nicht wieder auf.

Der Rheinfall wird im Munde des Volkes jener Gegend nicht anders als der Laufen, und zwar der Große Laufen, genannt, wenn man ihn von dem Kleinen Laufen, einem zweiten, nicht so bedeutenden Fall des Rheins, der sich weiter unten bei Laufenburg befindet, unterscheiden will. Die beiden Laufen genannten Schlößchen und jenes Laufenburg führen ihren Namen ohne Zweifel erst von den entsprechenden Wasserfällen, wie auch das leberbergische Städtchen Lauffen von dem schönen Fall der Birs benannt ist. Gewöhnlich findet man die umgekehrte Angabe; selbst Glutz-Blotzheim sagt, zuweilen trage der Rheinfall den Namen des Schlosses. Ob der Name Laufen deutsch oder keltisch sei, ist schwer zu sagen; mit dem deutschen Zeitwort »laufen« hat er aber wohl nichts zu schaffen. Eher möchte man einen Zusammenhang mit Lawine vermuten, da das althochdeutsche louuin, von dem dieses Wort abgeleitet wird, einen Gießbach bedeutet.

Schaffhausen selbst ist als Geburtsstadt Johannes von Müllers berühmt. In seinem Münster hängt die große, 1486 gegossene Glocke, welche die aus Schillers Gedicht berühmte Umschrift führt: »Vivos voco, mortuos plango, fulgura frango.« Was der sogenannte große Gott von Schaffhausen, der nach dem rheinischen Antiquarius 22 Fuß lang war, eigentlich für ein Heiliger gewesen ist, wird vielleicht noch auszumitteln sein. Der gleich benannte Schweizer Kanton, der einzige, der nach Graubünden noch auf der rechten Rheinseite liegt, bildet gleichsam den Brückenkopf zwischen Deutschland und der Schweiz. Um so weniger dürfen wir die merkwürdige Brücke vergessen, welche ehemals die Stadt mit dem jenseits liegenden Züricher Flecken Feuerthalen verband. Diese Brücke, meldet Eichhof, war zwar nur aus Holz, aber ein Meisterstück in ihrer Art, ein Hängewerk, das, außer an den Ufern, nur auf einem einzigen Pfeiler ruhte oder vielmehr auch auf diesem nicht einmal ruhte, wenigstens ist darüber gestritten worden. Man behauptet nämlich, des Künstlers Plan wäre gewesen, nur einen einzigen Bogen über den Fluß zu legen; da er aber von der Stadtobrigkeit angewiesen worden war, sich jenes von einer ehemaligen steinernen Brücke noch vorhandenen Pfeilers zu bedienen, so hätte er zum Schein dem Befehl sich gefügt, aber seine Baueinrichtungen auf eine Art gemacht, daß in der Tat gleichwohl kein Teil durch denselben getragen worden sei. Dieser Künstler war nur ein gewöhnlicher Zimmermann von Tuffen im Kanton Appenzell, Hans Ulrich Grubenmann mit Namen, und man muß gestehen, daß in dieser Hinsicht, auch angenommen, daß durch den gedachten Pfeiler wirklich zwei Bogen entstanden wären, die Brücke dennoch Bewunderung verdient hätte, denn immerhin wären, da diese in ihrer Ausdehnung 364 englische Fuß betrug, auf die Öffnungen der beiden Bögen folgende Maße gekommen: auf die des größten 193 und auf die des kleinsten 171 Fuß. Ein einzelner Fußgänger, der über dieselbe hinschritt, fühlte das Gerippe unter seinen Füßen zittern, und dennoch trug sie schwerbeladene Lastwagen wie jede andere. Ihr Bau, der von 1754 an in drei Jahren vollendet wurde, hatte über 60 000 Reichstaler gekostet; ein einziger Tag vernichtete sie, da sie in dem Krieg zwischen Österreich und Frankreich zu Anfang dieses Jahrhunderts bei einem Rückzug der Franzosen in Brand gesteckt wurde.

Die mündliche Sage behauptet, die alten Alemannen hätten am Rheinfall Pferdeopfer dargebracht. Wem könnten diese gegolten haben als dem Stromgott, der sich hier gewaltiger als irgendwo zeigt? Auch ein Volkslied, das am ganzen Rhein, von den Quellen bis zur Mündung, gesungen wird, spielt in dieser Gegend. Einzelne Strophen desselben haben sich nur in niederländischen Mundarten erhalten. Erfreut, die Einförmigkeit des prosaischen Vortrags mit diesem schönen Lied unterbrechen zu können, teilen wir es hier so vollständig mit, wie es sonst nirgends gefunden wird.

(aus Karl Simrock: Der Rhein – das darin enthaltene Lied vom Zimmergesell sparen wir an dieser Stelle aus.)

Die Zukunft des Bodensees vor 100 Jahren

Wir leben in der Anfangszeit eines neuen Rheines. Sein Bild wird allmählich in tausend Einzelstrichen auf den Blättern der Fachzeitschriften und in weitreichenden Erörterungen lebendig. Die Möglichkeiten des Rheines, mit vielfältig verzweigten Energien immer tiefer in das Leben der Menschen hineinzuwirken, immer tiefer eine Wasserstraße in das Land zu werden und schließlich den Bodensee zum größten Binnenhafen Europas zu machen, gelten besonders für den Teil des Rheines, der fast noch dem Hochgebirge angehört, sie rufen Erwartungen auf, je mehr sich die Lage Europas unter dem Stachel von Versailles verschlimmert und je mehr die wirtschaftlichen, industriellen, verkehrstechnischen, topographischen und gesetzgeberischen Vorarbeiten fortschreiten. Wie ein gotischer Dom in seinem Emporwachsen die Stämme und Lichter des Waldes und das Felsgetüm des Berges wiederholt, aber das Vergängliche beiseite läßt, so plant eine kollektive und faustische Phantasie die ingenieurmäßige Gestaltung des Flusses, die Entfesselung und Zähmung in einem ist.
Der Oberrhein besteht aus zwei Flügeln, und sein Angelpunkt ist Basel. Der eine Flügel endet im Bodensee, der andere in jener Breite des Stromes, die schon zum Vorhof des Weltmeeres wird. Beide Flügel bieten schwierige und verlockende Aufgaben für eine staatenbauliche Kunst, die bereit ist, Verantwortung für das Schicksal von Millionen künftiger Menschen zu tragen. Natürlich ist dies hier nur eines der Probleme, die überall in der Welt vorhanden sind, wo man aufgehört hat, das Werden von Massenstädten und Industriegebieten dem Zufall zu überlassen. Es besteht die Absicht, den Bodensee durch eine Höherlegung seines Spiegels zum Speicher gewaltiger Wassermassen zu machen, deren Abfluß dann gleichmäßiger sein wird als bisher. Die Wasserkräfte des Oberrheins entsprechen der Brennkraft, die in den Vorräten eines unerschöpflich großen Kohlenbergwerkes schlummert. Man will sie in vierzehn Kraftwerken gewinnen, die mit den Wasserkräften des Schwarzwalds zusammen die Möglichkeiten einer neuen Industrielandschaft bieten, die ganz Baden, Schwaben, das Elsaß und die Nordschweiz umfassen könnte. Niemand zweifelt, daß die Aufgabe lösbar sei, aber die Lösung ist durchaus nicht sicher. Sie kann eine schlechte und kleinliche werden. Dann wird dieser Teil Europas vor anderen Ländern zurückbleiben, vielleicht für immer. Wenn aber die Lösung glückt und eine große Hand verrät, so werden künftige Geschlechter sie bewundern. Das Gemüt der Planenden müßte wohl ein wenig dem Gehäuse ähnlich sein, in dem einst Dürer den heiligen Hieronymus darstellte, mit dem Hund und dem Löwen schlafend zu seinen Füßen, in stillster Unbefangenheit den menschlichen Leidenschaften gegenüber, die so rasch erwachen, um sich über irgendeinen Brocken zu zerfleischen.

(Alfons Paquet: Der Rhein, eine Reise, Frankfurt/Main 1923)

Louis Lourmais durchschwimmt den Rhein

rheinschwimmer louis lourmais

Der Bretone Louis Lourmais startete Ende der 50er-, Anfang der 60er-Jahre einige Aktionen als Extremschwimmer – darunter die Durchschwimmung des Rheins der Länge nach. War zuletzt im Rahmen ähnlicher Projekte von Ernst Bromeis und Andreas Fath auch der vor zwei Jahren verstorbene Linzer Klaus Pechstein wieder ins Rampenlicht gerückt, der als erster Mensch den Rhein komplett der Länge nach durchschwommen haben soll, grub Thomas Förster für seinen Dokumentarfilm Flussgeschichten – Der Rhein, für den er Pechstein interviewte, auch Archivmaterial aus, das Louis Lourmais beim Rheindurchschwimmen zeigt. Lourmais soll erst bei Schaffhausen, also weit unterhalb der Quellen, in den Rhein gestiegen sein, somit auch die Bodenseequerung vermieden haben, wodurch ihm der an sich fragwürdige Rekord “Komplettdurchschwimmung” (denn der Rhein ist nicht ein Rhein und in Passagen der Quellregionen, auch unterhalb des Tomasees unschwimmbar) aus heutiger Sicht verwehrt bleibt. Rund 1000 Rheinkilometer absolvierte Lourmais, teilweise schwimmerisch begleitet von seiner Frau Liliane, bevor er in Rotterdam von der niederländischen Schwimmmeisterin Cocky Gastelaars und einer Abordnung Froschmänner in Empfang genommen wurde. Lourmais ist somit der früheste, bisher bekannte Rheindurchschwimmer, was ihm einen Ehrenplatz in der Ahnengalerie dieser Spezies einbringen sollte.

rheinschwimmer louis lourmais_2 (Bilder: Screenshots)

Fessenheim

fessenheim_tsunamiIn seiner Novelle Fessenheim von 2013 läßt Jürgen Lodemann den Bodensee abkippen und somit einen Tsunami das Rheintal verheeren. An vielen Stellen erweckt Fessenheim den Anschein, als habe es sich noch nicht von diesem Tsunami erholt. Unser Bild zeigt Spuren der großen Flut an einer Hauswand in der ehemaligen, den Überschwemmungen zum Opfer gefallenen, schlierigen, staubigen Hauptstraße Rue de la Libération, in der erstaunlicherweise ein paar Masten, Stangen und Regenrinnen überlebt haben.

Bemerkung über den wahren Lauf des Rheins, und über die physischen Ursachen seiner Dauer.

Nach Emiland Estienne’s Aufsatz im 2ten Bande der Annales de Statistique S. 14

Man ist in Frankreich ganz allgemein der Meinung, dass der Rhein am Gotthardsberge entspringt: das ist ein Irrthum. Wenn man sagt, dass man über den Gotthardsberg geht, so versteht man, wie Saussure und alle Alpenbewohner, jenen erhabenen Rücken, welcher das Thal Urseren von dem Thale Levantine, zwischen dem Dorfe l’Hopital gegen Norden, und dem Dorfe Ayrolo gegen Süden scheidet. Nun, die berge, auf welchen die Quellen des Rheins liegen, sind vom Gotthardsberge ganz unterschieden, welcher wenigstens drey Myriameter (beynahe 6 Meilen) von der nächsten Rheinquelle entfernt ist.
Der Rhein, lateìnisch Rhenus, entspringt auf den Bergen von Graubünden, wo er drey unterschiedliche Quellen hat, welche aber durch die regelmässige Schmelzung des Eises und durch die Herabsenkung der Wolken, die der Wind dahin treibt und der beeiste Gipfel dieser hohen Berge anzieht, ihre Entstehung und Dauer erhalten.
Die erste dieser Quellen , oder vielmehr jene, die am meisten gegen Norden liegt, ist unter dem deutschen Namen Vorderrhein, Nieder- und Unterrhein bekannt; diese Quelle entsteht aus vielen kleinen Bächen, welche durch ihre Vereinigung einen Gussbach formiren, in einer Spalte des Cima del Badur, welches der höchste von allen jenen Bergen ist, die zusammen das, was man Crispalta nennet, das ist, jene Gebirgskette ausmachen, welche gegen Westen Graubünden von dem Thale Urseren scheidet.
Die zweyte Quelle, welche den Namen Mittel-Rhein fUhret, kömmt vom Cadelin, der einen Theil des schrecklichen Luch- Mannier ausmacht.
Nach einem Laufe von sieben bis acht Meilen fällt diese Quelle in den Unter-Rhein, nahe bey der Abtey Disenty. Endlich die dritte Rheinquelle, oder der Hinter-Rhein (hohe Rhein), welche am meisten gegen Süden, und eben desswegen von seiner Mündung am weitesten entfernt liegt, entspringt am Vogelberge, Colme dell’Uccello, und vereiniget sich mit den andern zwey Aesten bey dem Schlosse und der Brücke Reichenau, von wo der Rhein seinen natürlichen Lauf gegen Coire nimmt, wo er anfängt schiffbar zu werden, das Rheinthal von Tyrol scheidet, und sich in den Konstanzersee ergiesst, bey Stein aus diesem See herausgeht, von hier seinen Lauf gegen Westen nimmt, dann bey den Mauern von Diessenhofen und Schaffhausen vorbeyfliesst, eine kleine Weile unterhalb dieser letzten Stadt den berühmten Wasserfall zu Lauffen bildet, wo das Wasser bey 15 metres hoch sich mit sehr grossem Geräusch zwischen Felsen hinabstürzt, Waldshut, Lauffenbourg, Seckingen und Rheinfelden bewässert, nach Basel kömmt, welches er in zwey sehr ungleiche Theile vertheilet, dann die Sçhweitz verlässt und indem er seinen Lauf nach Norden richtet, Frankreich von Deutsehland scheidet bis auf die Gränzen Bataviens, wohin er noch bis drey Kilometres über die Schenkenschanz hinausgehet.
Kaum kommt der Rhein in das Batavische Gebieth, so theilt er sich in zwey Arme , einen südlichen und einen nördlichen, mittels eines Kanals (der, neue Kanal genannt) der im Anfange des letzten Jahrhunderts bey Panderen, einem beylaufig einen Myriameter oberhalb Niwegen gelegenen Dorfe, errichtet worden ist.
Der südliche Arm, oder der Waal, nach einen Lauf von einigen Meilen über Niwegen, Thiel und Bommel, vereinigt sich bey Fort André mit der Maas, und bildet durch diese Vereinigung die Insel Bommel, unterhalb welcher der Waal und die Maas sich neuerdings vereinigen und unter dem Namen der Merwe fortfliessen, die sich nachdem sie bis unterhalb Gorcum gekommen, südlich in eine grosse Anzahl Aeste ausbreitet, welche eine Menge kleiner unter dem flamandischen Namen Waarden bekannter Inseln machen, hernach fliesst dieser Fluss nordwestlich gegen Rotterdam, wo er den Namen Maas wiederum annimmt, und gegen Briel geht, und sich da in das Meer ergiesst. Der nördliche Arm erhält den Namen Rhein. Kaum kömmt er auf die Höhe von Arnheim, dem vornehmsten Orte des batavischen Départements von Geldern, so zertheilt er sich neuerdings, um den neuen Yssel zu formiren, der seinen Lauf nördlich gegen Doesburg richtet, wo der alte Yssel, der von den westphälischen Gebirgen herabkömmt, sich mit ihm zu einem einzigen Flusse vereiniget, welcher dann in den Zuiderzée fällt.
Der zweyte Theil des Rheins aber theilet sich bey Utrecht wieder in zwey Arme, deren einer sich gegen Norden unter dem Namen Vecht wendet, und bey Veesp und Muyden vorbeyfliesst, und in den Zniderzée fällt.
Der andre Arm, der den Namen Rhein behält, geht seinen natürlichen Lauf durch Woerden, und entladet sich, ehe er nach Leiden kömmt, eines beträchtlichen Theils seines Wassers, das durch drey verschiedene Gänge iu den Harlemersee ausfliesst.
1) Durch den Heimans-Water, einen Kanal, welcher beym Dorfe Oudshorn N. Oe. von Alpher anfängt, und an den Drasemersee endet, der mit dem Harlemer durch einen eine halbe Meile langen Kanal verbunden ist.
2) Durch den Does, einen andern Kanal, der westlich eine Meile von Leyden anfängt, und gleichfalls an den Brasemersee endet.
3} Endlich durch den Kromezyl bey Leyden, der in das Kager-Meer, oder in den Kagersee fällt, welcher ein Busen oder eine Ausdehnung des Leydnersees ist, der einen Theil des grossen Harlemersees ausmacht.
Also geht der Rhein, nachdem er 0,900 seines Wassers vertheilet, nach Leyden, und verliert fich in den Catwykschen Sandhügeln, deren Entstehung im Jahre 860 den Aussluss dieses Flusses ins Meer zerstöret hat.

(Archiv für Geographie und Statistik, ihre Hülfswissenschaften und Litteratur mit vorzüglicher Rücksicht auf die österreichischen Staaten: Verfasset von einer Gesellschaft Gelehrten u. Hrsg. Von Joseph Marx Freiherrn von Liechtenstern, Wien 1802)

Leuchttürme des Rheins: Skyppy, der Furtwächter zu Waldshut

Aus dem Bodensee, Richtung Nordsee, vorbei am Rheinfall zu Schaffhausen, bald die arge Furt zu Waldshut.
Wohl tuet dem Schiffer, so er rechtzeitig gewarnt, vor den Untiefen der Furt.
Warnen tut das Leuchtfeuer des anmutigen Leuchtturmes „Skyppy“, Hüter der Furt.
„Skyppy“, weil auf dem Halbinselchen vor dem Bauwerke sich der Künstler Kippenberger dermaleinst selbst in eine gewaltige Wanne mit Alabaster-Gips gestürzet und solange er noch der Regung mächtig war, aus sich selber eine Staue geformet: Skyppy, das Buschkänguru.
So steht er nun im Angesicht der Furt für alle Zeit, des Nachts geisterhaft angestrahlt vom Leuchtwerke des Leuchtturmes. Der alte, eigentliche Name ist längst vergessen, der Volksmund, den Schönen Künsten nicht sehr aufgeschlossen, verfolgte mit Hohn und Spott die Handlungen des Künstlers, so der Martin Kippenberger eingegipset ward und langsam am Erstarren, in seiner Gestalt als Skyppy, das Buschkänguru, so wollt niemand Hilfestellung leisten, so man der Meinung ward, ein Künstler weniger, oh, wie das spart Steuergelder und man müsse sich nun nicht mehr streiten mit dem Maestro um kühlen Trunk, suchte dieser doch gerne die Spelunken, Ausschänke und Volksbelustigungen auf und genehmigte sich dort manchen Schoppen auf ander Leuts Kosten -
so schnell ward denn der Name des Leuchtturmes vergessen, auch wenn er noch stehen soll auf einem Pergament aus unvordenklicher Zeit, was schlummern soll, vergessen, in irgeneinem Winkel des Schultheiss-Amts zu Waldshut, mag so sein, oder auch nicht.
Weiß gischtet das Schnellwasser in der Furt und der Schiffer und Fahrensmann ist wohlberaten, dem Fingerzeig des Leucht-Gebäudes zu folgen, sagen doch manche, das Licht wäre ein Fingerzeig des Wahren Seins-Gottes geheiligt und gepriesen sein Name.

(Ein Gastbeitrag von Bdolf. rheinsein dankt!)

Leuchttürme des Rheins: Aggregat XZ – am Rheinauslass Konstanz westwärts

Manche wissen es: der Rhein kommt vom Berg, mündet in den Bodensee, durchfließt diesen und begibt sich bei Konstanz wieder in seine eigenes Bett -
Der Volksmund ist – wie so oft – schlauer: die Obrigkeit errichtete den Leuchtturm am westwärtigen Auslass des Bodensees – auf dass der wackere Schiffer und Binnenfahrensmann unbehindert wieder den Weg in Richtung West – Nord, also den Niederungen am Unterlauf, schließlich in die Nordsee und weiter finden möge – und man gab dem stolzen Turm eine nüchtern-technische Bezeichnung – „Aggregat XZ“ gemäß den terminologischen Usancen im Deutschen Wasser-; Forst-; Luft- und Bahnsignalbau – da das „Konzil“ nicht fern liegt – also das Gebäude, wo das Konzil zu Konstanz dermaleinst tagte – bekanntlich wurde da aus drei Päpsten einer gemacht – so benamt man in Kreisen des einfachen, aber schöpferischen Volkes, den Leuchtturm oft einfach „das leuchtende Konzil“, manche sprechen auch vom „strahlenden Sphincter“, weil es sich ja gewissermaßen um den Anus des Bodensees handelt.
Niemand in der See- und Hafenmetropole spricht das Bauwerk mit seiner technischen Bezeichnung an.
Für jeden Seemann, der beim Eintritt in den Rheinstrom durch Sandbänke, Stromschnellen und beutegieriges Wassergetier sein Leben lassen muss – und dass sind nicht wenige – errichtet man im Vorgärtlein des Leuchtturmes ein Kreuz aus Treibholz.
Der kleine Wald aus Totenkreuzen ist unüberschaubar.

(Ein Gastbeitrag von Bdolf. rheinsein dankt!)

Leuchttürme des Rheins: Abschnitt Bodensee – Lindau

Die Wahre Schifffahrt ist die Schifffahrt der Herzen.
So geht es vom Jungen Rhein in den Bodensee, in Constantium weiter in des Stromes Bett.
Zuvörderst will aber der Bodensee (immerhin 41 m Höhendifferenz O-W infolge Erdkrümmung) gequeret sein.
Dem Schiffer erscheint ein Licht, so der Sturm aufkommt, auf Hoher See – der rettende See zu Lindau, selbiges im Bayerischen gelegen.
Das Hafenbecken errettete manchen wackeren Fahrensmann – oder –frau vor der Sturmnot, dem Seebeben und dem Tsunami.
Auf der westwärtigen Mole findet sich ein artiger Leuchtturm, nicht übermäßig in der Höhe, den Maßgaben des – verglichen mit der Hohen See – durchaus mäßigen Bodensees.
Er weiset mit seinem Licht den Weg ins sichere Becken, Rettung vor dem Zorn des Sturmgottes und dem allfälligen Treiben der Seeteufelschaft.
Gegenüber wollte der glorreiche König Ludwig – weiser Herrscher über die Bayernlande – seinem Geliebten, Oberst Freiherr von Maßgiebel, ein Denkmal seiner Anmut setzen. Zu diesem Behuf sollte der gnädige Herr Freiherr als ein Löwe dargestellt werden, der das zierlich-sanfte Antlitz des großbayerischen Wehrmannes statt des Löwengesichtes tragen sollte.
Dies hinwiederum wurde in den seinerzeitigen Zeiten als ein groß Skandalum angesehen, weswegen der glorreiche König Ludwig einen gewöhnlichen, aber großen, Löwen auf die ostwärtige Mole setzen ließ.
Im Herzen aber trug der weise König Ludwig das Abbild seines Geliebten.

(Ein Gastbeitrag von Bdolf und fünfter Teil seiner Serie über die Leuchttürme des Rheins. rheinsein dankt!)

Wo ich lande fliegst du auf

mbuettiker_Schwalbe über dem Rhein

Das nahe und das ferne Dort ein stetes Fliessen in seiner Mitte ein Wiederkehren und Abschiednehmen im Flug das Überbrücken zweier Zeiten im Hier der Fluss und seine Ufer sage ich dir berühren sich nie wo du landest

mbuettiker_ Wo ich lande fliegst du auf

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rheinsein präsentiert Marianne Büttiker: Une traversée de Bâle / Au bord du fleuve, in der wirklichen Welt noch bis zum 8. November 2014 zu sehen in der Galerie Hilt, St. Alban-Vorstadt 52, Basel.

Auf dem zweiten Bildpaar unserer kleinen Serie mutiert ein den Rhein überblickender Sperling auf der Basler Mittleren Brücke, dem “ältesten noch existierenden Rheinübergang zwischen Bodensee und Nordsee” (Wikipedia), zu einer dahinjagenden Schwalbe (ihrem Schatten, einem Schwalbengedanken) bzw. zu einem Symbol über Flüchtigkeit, Kommen und Gehen. Marianne Büttikers Miniatur (Öl auf Karton) mißt im Original ganze 6 x 5 cm.

Leuchttürme des Rheins: Bregenz (Übergänge – Rites de Passage)

Der Junge Rhein aber mündet in den Bodensee.
Mäandernd über den Lauf der Zeiten hinweg veränderte der junge Strom sein Bett.
Insofern stellte sich eine große Frage – wo den Leuchtturm platzieren, der die Einfahrt vom See in den jungen Fluss ostwärts markieren sollte?
Alle Jubeljahr eine neue Mündung, alle Jubeljahr Versandung, Irrflusslauf, Ausbaggern mit Handschaufeln und Delphinkarren – dazu Versumpfung und Vernässung im weitläufigen Delta der Rheinmündung – gut für Schlauchboot und Floß, aber schlecht für Weiße Flotte und Schiffskiel.
Also wurde auf dem Konzil zu Nonnenhorn beschlossen, dem Fluss ein verbindliches Bett aufzuzwingen und selbiges durch steten Eifer und ewige Tat beizubehalten.
Die größten Gelehrten und Wasserbauer des Dreiländerecks Großbayern, Ostmark und Eidgenossenschaft gewannen im Gelände einen Eindruck der vollständigen Situation und einigten sich in der Folge auf einen verbindlichen Flusslauf, den sie mit blauer Tinte auf eine genaue Karte des Gebietes eintrugen.
Dieser Flusslauf wurde mit großer Vehemenz im Gelände umgesetzt, endlose Großklafter Erdreich mussten bewegt werden, Gräben gegraben, andere zugeschüttet, höchst feine künstliche Wasserläufe angelegt, Röhren verdohlt, natürliche Feuchtigkeitsverhältnisse reguliert, Bachbetten genutzt und etwelche andere Tätigkeiten ausgeführt werden.
Nach Murren fügte sich der Junge Rhein in sein neues Bett.
An der Stelle des Überganges wurde ein artiges Lichthäuserl errichtet – geweiht dem Angedenken des später seliggesprochenen Käpt’n Bahabs, dem Urvater der Bodenseepiraten.
Seitdem ist nur selten noch ein Schiff auf Grund gelaufen oder zerschellet, weil es die Einfahrt in den jungen Fluss nicht gefunden.

(Ein Gastbeitrag von Bdolf, der sich in einer Serie mit den Leuchttürmen des Rheins beschäftigt. Die mythischen Gründe des Bregenzer Leuchtturms waren bereits Gegenstand einer ersten Betrachtung des dunkelsten Denkers. rheinsein dankt!)