Presserückschau (März 2013)

Der März war arm an rheinspezifischen Meldungen. Die aufregendste Nachricht, nämlich daß Google Maps den Rhein gegen die Ruhr vertauschte, haben wir an anderer Stelle bereits dokumentiert. Schließlich tauschte Google den neuen Ruhrverlauf so zügig wieder zurück gegen den des alten Rheins, daß vielen Zeitungen, die darüber berichteten, nicht einmal mehr der  Screenshot-Beweis gelang. Hier die restliche Auswahl unserer Pressedurchsicht:

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Von rheinischen Hauptbaumarten und Ahorn-Sechsern im Waldlotto kündet der Bonner General-Anzeiger: „(…) Das Holz aus den Wäldern zwischen Siebengebirge und Kottenforst hat bundesweit einen sehr guten Ruf. Die sogenannte Wertholzversteigerung Rheinland war in diesem Jahr geprägt durch eine gute Nachfrage und stabile Preise. 23 Bieter gaben Angebote für 508 Stämme von 19 verschiedenen Baumarten (insgesamt 713 Festmeter Holz) ab. (…) Die Eiche war die Hauptbaumart, die zur Versteigerung kam. (…) Dieses Mal gab es allerdings keinen Stamm, der sich preislich von der Masse absetzen konnte. Im Vorjahr hatte ein Ahorn bei der Versteigerung 7650 Euro erzielt.“

2
Über die Wittelsbacher-Ausstellung in Speyer befindet der Deutschlandfunk: „Die berühmtesten Pfälzer der näheren Zeitgeschichte sind Fritz Walter und Helmut Kohl. Sie finden sich, allerdings nur als Pappmaschee, in einer Art Walhalla großer Söhne (und einiger Töchter) der Pfalz am Ende der Ausstellung. Dort sieht man auch Max Slevogt und Ernst Bloch, den BASF-Gründer Friedrich Engelhorn und Henry John Heinz, der als Kind pfälzischer Einwanderer in den USA die segensreiche Ketchupsoße erfand. Diese doch eher virtuelle Versammlung pfälzischer Persönlichkeiten macht auch schon das Grundproblem der Ausstellung deutlich: Es war unheimlich schwer, Exponate zu finden. Eigentlich soll die Zeit der Wittelsbacher bebildert werden, also jenes Jahrhundert zwischen 1816 und 1918, in dem die linksrheinische Pfalz von Bayern aus regiert wurde.“

3
Warum der Rhein auf dem Landeswappen von Nordrhein-Westfalen seit Jahrzehnten in die falsche Richtung fließt erklärt die Rheinische Post: „Die Landesflagge von Nordrhein-Westfalen hat (…) grün-weiß-rote Querstreifen. Das wurde (…) so in einem Gesetz festgelegt. Es ist vor 60 Jahren, am 10. März 1953, in Kraft getreten. Die FDP wollte damals Schwarz-Rot-Gold auch für NRW, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Das Grün, so wurde im Landtag erläutert, stehe für das Rheinland und das Rot für die rote Erde Westfalens. Das Gesetz von 1953 bestätigt zugleich die Gestaltung des Landeswappens: Es zeigt im linken Feld einen “linksschrägen” silbernen Wellenbalken, der den Rhein symbolisiert. Dass der Flusslauf in die falsche Richtung weist, nämlich von Südwest nach Nordost, ist keine Schludrigkeit des Wappengestalters, sondern den Regeln der Heraldik geschuldet. Im rechten Feld ist das traditionelle westfälische Ross zu sehen und unten im Wappenschild die lippische Rose.“

4
„Der Kies im Rhein soll wieder rollen“ titelt die Badische Zeitung in Anlehnung an einen berühmten Bob Dylan-Song. Der „Masterplan Geschiebe“ soll dafür sorgen, das Geschiebe am Hochrhein wieder in Gang zu bringen und damit die Lebensgrundlagen für Fische und Kleintiere im Rhein zu erhalten: „Mit dem Bau der insgesamt elf Kraftwerke am Hochrhein habe der Rhein einen großen Teil seiner Selbstreinigungskraft verloren, nur noch bei den kleineren Kraftwerken funktioniere sie einigermaßen. Vor dem Stau sei durch die natürliche Strömung das sogenannte Geschiebe – Kies – ständig über den Flussboden gerollt und habe dabei die Sedimente aufgewirbelt. Nach dem Stau sei es damit insbesondere bei den großen Kraftwerken vorbei gewesen, Kies und Sedimente verbacken, den Fischen fehlen Laichmöglichkeiten. Das Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt etwa sei eine regelrechte Geschiebefalle. Dort liege eine regelrechte Schlammwand. Es könne nur helfen, wenn jetzt an geeigneten Stellen Kies ans Ufer geschüttet und bei Hochwasser immer wieder etwas davon mitgeschwemmt werde.“

5
Tierische Sensation am Hochrhein: „Die Welt der Romane hat Moby Dick, den weißen Wal; Freunden des Katastrophenfilms bleibt der weiße Hai auf ewig unvergessen. Weil am Rhein hat nun sein weißes Reh.“ Der sportliche Leiter, Platzwart und Jugendtrainer des FV Haltingen hat es auf einem Bolzplaz entdeckt und gefilmt, schreibt die Badische Zeitung und erklärt: „Nach Ansicht der Fachzeitschrift “pm”, die sich dem Thema “Albinos” ausführlich gewidmet hat, ist es wahrscheinlicher vom Blitz getroffen zu werden, als ein solches Tier zu Gesicht zu bekommen.“

Daß Papst Franziskus einst als Jorge Mario Bergoglio in Boppard die deutsche Sprache erlernte und daß auf der Rheinfähre Kaiseraugst-Herten nun Käsefondue angeboten wird, beschließt die Meldungen für diesen Monat.

Wie Volker vor Kriemhild von Siegfried sang und wie Siegfried nach Worms kam

hausmusik

Besinnlich geht es zu am Hof von Worms mit seinen geometrisch-schlichten Butterblumen(?)-Bodenfliesen in klassischem Schwarz-Weiß. Kriemhild bewahrt so blond es geht am Fenster, durch das kosmische Strahlung einzudringen droht, höfische Haltung. Barde Volker trägt in Vorwegnahme Bob Dylans Vernuscheltes zu Siegfrieds Einzigartigkeit vor. Aus der Amfore wird in Kürze, von dem bedächtigen Pagen in Lumpenclown-Outfit entfacht, ein wenig Wasserdampf als atmosfärischer Bühnennebel steigen. Ein höchst getragenes Konzertevent.

alberich

Unterdessen lauert stöckchenbekränzt (und später tarnbekappt) der zauselige Alberich in einer Baumspalte draußen vor der Stadt auf den frischbesungenen Drachentöter, der nackter Brust im Nebel auf einem reinweiß-glänzenden Schimmel einhergeritten kommt. Alberich springt den Reiter an, es entspinnt sich ein kurzer Kampf “Heros vs unsichtbarer Zwerg” mit bekanntem Ausgang: die fisselige, aber wirkungsvolle Tarnkappe wechselt den Besitzer und Alberich führt seinen Bezwinger durch rheinische Schluchten- und Höhlenlandschaften zum Nibelungenschatz, der von gefesselten Zwergensklaven wie ein Himmel unter der Erde emporgestemmt wird. Nebst unermeßlichem Geschmeide enthält er auch das Schwert Balmung, eine in Feuer und Blut geschmiedete Wunderwaffe, mit der Siegfried den Zwergenkönig tötet, als dieser ihn erneut attackiert. Endlich ist der

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Weg frei nach Worms (hier eine Stadtansicht mit Flachdachwächter) und zu Kriemhild mit den fast knielangen Zöpfen. Unterwegs haben sich Siegfried noch ungefähr zwölf Könige als Vasallen angeschlossen, hier queren Herr und Gefolge die Wormser Brücke, um von König Gunther entgegen Hagens Rat im Wormser Schloß mit seinem Elchgeweih und der deutlich gewagter als die Bodenfliesen gemusterten Bettwäsche bewillkommnet zu werden:

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Der zweite Gesang von Fritz Langs Nibelungen endet bei 49:31 Minuten mit dem berühmten Doppelehedeal. Zum Abschluß noch ein Portrait von Kriemhild (gespielt von Margarete Schön) mit den fast knielangen Zöpfen (hier nur schulterlang im Bild), die vor Siegfrieds Ankunft von einem schrecklichen Traum mit schwarzen Schattenaalen, die sich in lichttaubenschlagende Falken wandeln, heimgesucht wurde:

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Neues aus dem Sommerloch

Das 2009er Sommerloch hat sich geöffnet. Zwei Stadt-Anzeiger-Reporter durchschwimmen DLRG-begleitet den Rhein. Modrig, ein bißchen sauer und nach Diesel soll er in der Flußmitte schmecken. Ansonsten: kräftige Strömung. Noch ist diese Saison kein neues, unbekanntes Wesen daraus aufgetaucht, die Leser dauerhaft bei der Stange zu halten. Im Taubergießen geht die Sage von einem Schwarzen Schwan, der sich in den Tiefen des Bannwalds versteckt. Wer ihn je erblickt, braucht sich um sein irdisches Glück keine Sorgen mehr machen. Aber das weiß man bei der Kölner Presse nicht. So sinnend wandle ich durchs neue Rheinauhafenviertel, klinisch sauber glänzen die bereits fertiggestellten Gebäude in einzelnen, die Gewitterwolken umtastenden Sonnensalven. Vereinzelte Büromenschen in Stehgruppen wirken wie geleckte hyperrealistische Skulpturen „Aus dem Geschäftsleben“. Gleißen frisch gepreßter Münzen in der Luft. Stadtbekannte Künstler und Dichter schleichen über die Baustelle, als böte sie tatsächlich Inspiration. Verhaltene Grüße unter Kollegen und Bauarbeiter, die auch von Playmobil sein könnten. Eingeleitete Zellteilung in Glas und Beton. Die Stadt pellt sich aus sich selbst, macht ein paar hübsche Versuche in aalglatter Lebenssimulation. Hochpreisig, selbstredend. Bleifarben walzt der modrig-saure Dieselrhein. Eine silberlegierte Sonnensalve brennt für einen Moment sämtliche Geräusche aus der Luft. Gruppenbilder mit Rhein auf der Altstadtpromenade. Besoffene auf den Wiesen, Gaukler in Krachledernen, verhuschte Bob Dylan-Interpretinnen. Auf der Domplatte schließlich tobt eine gigantische Flashmob-Wasserschlacht, höchst inoffizieller Versuch, dem Sommer das weit aufgerissene Maul zu stopfen. Der löstige Kölner ruft aufgebracht seine ratlose Schmier, Touristen filmen, lachen, applaudieren.