Presserückschau (Februar 2017)

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Versunkene Lokomotive
“Die Suche nach der im Jahr 1852 im Rhein versunkenen Lok geht weiter. (…) Zwar hatte sich die Hoffnung, dass ein Teil der metertief im Kiesboden vermuteten Lok möglicherweise bis an die Oberfläche des Rheinbodens ragen könnte, nach einer Suchexpedition rheinland-pfälzischer Polizeitaucher Mitte August 2015 zerschlagen. Das ändere jedoch nichts an der Tatsache, so die beteiligten Wissenschaftler, dass genau an dieser Stelle in einigen Metern Tiefe unter dem Rheinboden ein rund 20 Tonnen schwerer und etwa sechs Meter langer Eisenkörper läge. Bereits vor einigen Jahren hatten sie nach zwei Jahrzehnten intensiver Suche mithilfe von Magnetresonanz-Messungen den vermuteten Unglücksort entdeckt. Die 1852 gebaute Lok wäre heute die älteste noch erhaltene deutsche Dampflokomotive. Sie war in den Anfangsjahren der deutschen Eisenbahngeschichte von der Fabrik Emil Kessler in Karlsruhe gebaut worden und sollte mangels Schienenstrecke auf einem Lastensegler an die Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahngesellschaft ausgeliefert werden. Bei einem Unwetter riss sich die sechs Meter lange und 20 Tonnen schwere Lok los und fiel von Bord des Schiffes in den Rhein. Mehrere Versuche, sie mit Hilfe speziell geschmiedeter Ketten, die von den Ufern aus von 400 Männern durch den Rhein gezogen wurden, und aus London angereister Taucher zu bergen, schlugen fehl. Sie geriet langsam in Vergessenheit und galt anderthalb Jahrhunderte lang als verschollen.” (SWR)

2
Digitalisierung
“Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes hat eine Befliegung des Rheins von Frankenthal bis Biblis beauftragt, um die digitale Bundeswasserstraßenkarte anhand von Luftbildern aktualisieren zu können. Für diese Kartenerstellung werden Markierungsarbeiten in unmittelbarer Nähe zum Rhein durchgeführt. Diese Signalisierungsarbeiten beinhalten die farbliche Markierung von Lampen, Treppen, Einlaufrohren, Durchlässen oder Stromkästen mit weißer Farbe oder weißen Plastikstreifen, die mit Nägeln befestigt werden. Beschäftigte der beauftragten Firma führen die nötigen Arbeiten vor Ort aus. Die Bevölkerung wird gebeten, die Markierungen nicht zu entfernen.” (Echo-Online)

3
Rheingolf
“Die vier Credos der Rheingolf Messe 2017 lauten: Testen, informieren, shoppen und verreisen.” (Golfpost)

“Ein Golfball nach dem anderen fliegt im hohen Bogen in den Rhein. Einer verfehlt nur haarscharf den Kopf eines Kanufahrers, ein anderer zielt auf das beliebte Ausflugsschiff „Moby Dick“. Vor dem Bonner Amtsgericht muss sich jetzt ein 34-Jähriger verantworten. Er ist für sein außergewöhnliches Golfspiel wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs angeklagt.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

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Geburtstagsgeschenk
“Sieben Jahre ist Mika erst alt, aber er hat schon eine eigene Kamera, “die ist in Tarnfarbe”, erzählt er ein bisschen schüchtern. Mika steht nicht gern im Rampenlicht. Sein Hund Erni dafür umso mehr. Am liebsten macht der Schüler Bilder von ihm, am Rhein, wenn er mit Mama (…) dort spazieren geht. Er dokumentiert die Natur und das Wetter, Erni natürlich, und den Wasserstand. In letzter Zeit aber findet Mika immer mehr Müll am Rhein, in den Buchten am Wasserwerk, dort, wo die Familie gerne unterwegs ist. Plastiktüten und Eierkartons, ausrangierte Gartenmöbel und vor allem Glas. (…) Manchmal schnappt der Siebenjährige sich eine Mülltüte und räumt auf am Rhein. (…) Als Opa Edgar jetzt am Wochenende seinen 80. Geburtstag feierte, haben Mika und seine beiden älteren Brüder Joshua (12) und Jannis (12) ihm einen Müllsammel-Tag am Rhein geschenkt.” (Rheinische Post)

5
Rhein Vikings
“Die Zeit des Kleckerns ist vorbei, jetzt wird geklotzt. Und weil weder der Neusser HV noch der ART Düsseldorf dazu allein in der Lage sind, gründen sie eine Handballspielgemeinschaft, die in der kommenden Saison als HC Rhein Vikings für Furore sorgen will. Ob das in der zweiten oder der dritten Liga sein wird, ist allerdings noch offen.” (Rheinische Post)

6
Refurbishment
“Die (Ludwigshafener; Anm. rheinsein) Rhein-Galerie war im September 2010 eröffnet worden, nach knapp zwei Jahren Bauzeit. Das Einkaufszentrum auf dem ehemaligen Gelände des Zollhofhafens hatte damals am Rheinufer einen neuen Zugang geschaffen, dem Einzelhandel zusätzliche 130 Geschäfte beschert und war mit großen Hoffnungen in die kommenden Jahre gestartet – auch mit dem Wunsch, dass täglich 25 000 Kunden in das Center strömen. Heute kommen im Schnitt 13 290 Besucher pro Tag in die Mall. Und das, obwohl die Einkaufscenter Entwicklungs Gmbh (ECE), die das Haus betreibt, 939 037 erreichbare Kunden im Einzugsgebiet zwischen Worms und Landau sowie Mannheim und Speyer angibt. Das in unmittelbarer Nähe gelegene Rathauscenter, das ebenfalls unter ECE-Ägide steht und 1979 eröffnet wurde, besuchen pro Tag 32 000 Kunden. Dort gibt es 75 Läden. Um die Differenz zwischen Prognose und Realität zu verringern, hat die ECE ein „umfangreiches Refurbishment“ angekündigt. (…) Die Außenterrasse direkt am Rhein wird (…) verschönert – das bislang eher triste Kantinen-Ambiente soll eine neue Optik erhalten: „Grundidee des neuen Designkonzepts ist es, eine besondere Atmosphäre mit echtem Hafen-Flair am Rhein entstehen zu lassen.“ (…) Im Außenbereich sind außerdem zwei neue Anleger für Flusskreuzfahrtschiffe geplant, die ebenfalls im Jahr 2017 gebaut werden sollen.” (Echo)

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Baggervorhaben
“Die wichtigste Wasserstraße in Deutschland ist der Rhein. „80 Prozent aller Güter in der deutschen Binnenschifffahrt werden über den Rhein transportiert“, sagt Jens Schwanen, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Binnenschiffer. „Die Transporteure sind dringend auf den Ausbau der Wasserstraße angewiesen“, fügt er hinzu. Bei Niedrigwasser komme es regelmäßig zu Beeinträchtigungen. Der Klimawandel werde das Problem extremer Pegelschwankungen perspektivisch verstärken. Abhilfe soll in NRW die geplante Vertiefung des Rheins zwischen Duisburg und Dormagen bringen. Das Vorhaben mit der Projektnummer W 27 ist seit 2016 im Bundesverkehrswegeplan als „vordringlich“ eingestuft. Bis 2030 soll der Rhein zwischen Stromkilometer 722,5 und 769 um zirka 30 Zentimeter ausgebaggert werden. Zwischen Duisburg uns Neuss ist eine Fahrrinnentiefe von 2,80 Meter geplant, zwischen Neuss und Dormagen-Stürzelberg ist eine Rinne von 2,70 Meter vorgesehen. Die Gesamtkosten werden mit 201 Millionen Euro veranschlagt.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

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Rheintote
“Zahlreiche Einsatzkräfte sind (…) Richtung Rheinufer nördlich von Sandhofen gefahren. Eine Spaziergängerin hatte dort im Bereich zwischen Kläranlage und Kirschgartshausen eine im Wasser treibende Person gesichtet und den Notruf gewählt. Daraufhin rückten der Wasserrettungszug der Berufsfeuerwehr ebenso wie deren Feuerlöschboot und die Wasserschutzpolizei aus, auch die DLRG Mannheim, Heddesheim, Ladenburg und Weinheim wurden alarmiert. Schon bald sichtete aber der Rettungshubschrauber “Christoph 53″, der ebenso in den Mannheimer Norden beordert worden war, die im Rhein treibende Person. Polizisten zogen sie dann aus dem Wasser. Der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen. Todesursache und Todeszeitpunkt sind aber noch nicht geklärt.” (Bergsträßer Anzeiger)

“In Höhe der Zoobrücke hat die Feuerwehr (…) eine Leiche aus dem Rhein geborgen. Spaziergänger hatten den leblosen Körper (…) im Fluss treiben sehen und die Rettungskräfte alarmiert. Laut Polizei handelt es sich bei dem Toten um einen Mann im Alter von etwa 30 Jahren oder jünger.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Die Suchaktion im Rhein bei Wörth ist zu Ende: Taucher fanden (…) die Leiche eines Mannes, die Polizei geht von Selbstmord aus. Zuvor lief eine großangelegte Suchaktion mit Hubschrauber und Feuerwehr. Die Wörther Polizei unterstützte das federführende Polizeipräsidium Karlsruhe bei der Suche. Auf der Rheinbrücke zwischen Wörth und Karlsruhe kam es wegen des Einsatzes zu Verkehrsbehinderungen.” (Rheinpfalz)

Kernkraftwerk Biblis

Das abgeschaltete Kernkraftwerk Biblis, direkt am Rhein, fotografiert am 31. März 2015 aus dem Eurocity auf der linksrheinischen Strecke. Ein Orkan zwang den Zug, einen der seltenen, die an diesem Tag fuhren, zu verlangsamter Fahrt und Stillständen. Die nuklearweißen Kühltürme auf dem oberen Bild erwecken den Eindruck einer strahlengereinigten Landschaft, während sie auf dem unteren Bild geisterhafte Durchlässigkeit suggerieren.

Gorrh (13)

Gorrh, nach einer langwierigen Fase psychischen und fysischen Niedergangs etwas ausgefranst, flämmt das Mittelrheintal ab, verübt Brandrodung, rupft die Kraftwerke von Biblis und Mülheim-Kärlich aus ihren Verankerungen und löst in einem beiläufigen Arbeitsgang (als zünde er sich ne Fluppe an, als Nichtraucher!) die Kernschmelze aus, verharrt dann, nachhaltig zufriedengestellt, an einer Flußschlinge, bis das Gebiet wieder bewohnbar wird. Nicht auch nur ansatzweise erahnbare Zeiträume vergehen. Gorrh meditiert, während sich über ihm das Universum in weiterhin kaum ergründlicher Motivation dehnt, spannt und krampft. Dann aber, eines schönen Morgens: klettern nach und nach die Wilden aus den Wäldern, verlassen ihre unbeschreiblich neu- und fortevolvierte Pflanzenwelt und beginnen einen Kult um das einsame Wesen (sie nennen es „Große Kröte“), das schon immer dort am Ufer hockte. Gorrh, der lange keine Menschen mehr aushalten mußte und die Zwischenzeit zum Nachdenken reichlich genossen hatte, entschließt sich zur Gastfreundschaft, insbesondere gegenüber den Rheinschiffern auf ihren primitiven Plankenbooten, da diese ihn dauern. Gorrh hält Symposien mit enormem Zulauf. Spricht von den Dingen der Vorzeit, von Zyklik, Treu und Glauben. Serviert ein feines Tröpfchen dazu, welches die Geister der Wilden aus den Wäldern bis in den Weltraum erhebt. Natürlich schafft das Neider. Bald muß sich Gorrh vor dem Bischof von Trier für seine angeblichen Ausschweifungen verantworten, findet aber Gnade, als er im Empfangsbereich zerstreut Hut und Mantel an einem Sonnenstrahl aufhängt. Der Ruf seiner Wundertätigkeit weitet sich aus, es kursieren Gerüchte, d.h. Bestrebungen, denen zufolge Gorrh das Bischofsamt angetragen werden soll (was ihn entsetzt). Auf seinem Rückweg durch die Wälder (Gorrh pfeift, die Sorglosigkeit in Person, alte deutsche Schnulzen) wird er von wohltätig gesinnten Räubern überfallen, die ihn den Armen zum Fraß vorwerfen wollen. Gorrh disputiert, wiegelt ab, läßt die Schinderhanseln am Leben und ruft drei Heimathirsche herbei, die mittels Milchgaben und anschließender Selbstentleibung einen Butter- und Fleischberg schaffen, den die Politik jedoch kurz darauf seiner Bestimmung, die Armen zu speisen, entbindet. Gorrh weiß all das, nebst seiner persönlichen Lebenserfahrung hat er den gesamten Homer gelesen, es geht ihm darum, dem allgemeinen Hang zu Unverstand und Resignation immer wieder kleine Nadelstiche zu versetzen. Den Wein der Räuber verwandelt Gorrh in guten Wein, dergleichen Gesten mehr – kurzum das übliche Hastenichgesehn. Es sammeln sich Geschichten („wie Gorrh gegen die Strömung trieb“) und um diese Geschichten herum Agglomerationen. Doppelstädte mit Industrien entstehen längs des Stroms. Gorrh heilt, seiner angeborenen Überdrüssigkeit offenbar ledig, die Frauen der Mächtigen und verwaltet das Wetter. Diverse Ehrenämter erfüllen ihn mit dem Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, auch mit Stolz. Doch die Traurigkeit ist dem Tier nicht auszutreiben (wußte bereits der Physiologus). Nach einem langen Abend in der Schenke „Zum Kürassier“ verliert Gorrh völlig den Bezug zu seiner Umgebung. Er grubbert und drillbohrt sich ins Erdreich, Ziel unbekannt. So kommt die Große Kröte einem ganzen Zeitalter abhanden. (An der Stelle aber, an der Gorrh verschwand, pulsiert heute der Geysir von Andernach.)