C. G. Jung bringt den Rhein ins Spiel

„Symbole sind schon vor dem Bewußtsein da. Das ist der Grund, warum wir uns unserer eigenen Riten zutiefst unbewußt sind. Viele von ihnen sind unerklärlich. Ist jemand hier, der mir eine befriedigende Erklärung für unseren Weihnachtsbaum geben könnte? Nehmen wir an, ein Chinese käme vorbei und fragte Sie, was er bedeutet. Sie würden sagen: «Es ist zum Gedenken an den Tag, an dem unser Erlöser geboren wurde.» – «Aber ist das in Ihren heiligen Büchern vorgeschrieben? Gibt es irgendeinen Beleg, daß in einem Stall in Bethlehem ein solcher Baum war?» Wir sind genauso dumpf und dumm wie der Primitive, der die aufgehende Sonne begrüßt.
In meiner Heimatstadt Basel kommen jedes Jahr am 13. Januar drei maskierte Tänzer, ein Vogel Greif, ein Löwe und ein wilder Mann, auf einem Floß den Rhein heruntergefahren; sie legen an und tanzen in der Stadt umher, und niemand weiß warum. Das ist eine wunderliche Sache in einer modernen Stadt. Derartiges ist früher als der Verstand und das Bewußtsein entstanden. Am Anfang war die Tat, und erst später entwickelten die Menschen Meinungen darüber oder ein Dogma, eine Erklärung für ihr Tun.“
(C. G. Jung, Gesammelte Werke: Traumanalyse. Nach Aufzeichnung des Seminars 1928-1929, 4. Seminarsitzung, 30 Oktober 1929)

„Das «Vaterland» bedeutet Grenzen, das heißt bestimmte Lokalisation, der Boden aber ist mütterliche Erde, ruhend und fruchtbar. Der Rhein ist ein Vater, wie der Nil, wie der Wind, Sturm, Blitz und Donner. Der Vater ist auctor und Autorität, daher Gesetz und Staat. Er ist das in der Welt sich Bewegende, wie der Wind, das mit unsichtbaren Gedanken – Luftbildern – Schaffende und Lenkende. Er ist der schöpferische Windhauch – pneuma – Spiritus – atman, der Geist.“
(C. G. Jung, Gesammelte Werke: Zivilisation im Übergang, Seele und Erde)

Zillis (3)

zillis_judaskuss_klDeckenbilder aus der Kirche St. Martin in Zillis. Oben links eine Szene aus Jesu Gefangennahme (Zweikampf zwischen Petrus und Malchus, dem es ans Ohr geht), rechts der Judaskuß. Unten Szenen aus dem Kindermord zu Bethlehem.
zillis_kindermord_kl