Neger am Rhein

Im Rheinland saugen die Neger den Boden aus. Sie schwängern die Frauen in Kompagnie, gehen straflos aus, lachen über alle Proteste der Bevölkerung. Die Haltung der Bevölkerung ist in Deutschland vorbildlich: es gibt keine Meldung von Mord und Totschlag. Diese Leute, denen die Frauen kaputtgemacht werden, sind von Lynchjustiz himmelweit entfernt. Sie knirschen mit den Zähnen, aber dazu gehen sie auf den Abtritt, daß es niemand hört. Sie nageln die Neger nicht an die Türen, sie sägen die Neger nicht entzwei, sie ballen die Fäuste im Sack und onanieren nebenbei. Sie beweisen, daß ihnen Recht geschieht. Sie sind die Überreste des großen Krieges, der Abschaum der Bevölkerung, die niedergehauenen Mäuler, das entmenschte Massenvieh, deutsche Bürger von 1920.

(aus Bertolt Brecht: Werke: Journale I (1913-1941), Tagebücher 1913-1922)

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In England sowohl als in Italien ist der Zwiespalt in den Anschauungen der besseren bodenständigen Staatskunst und dem Wollen des jüdischen Weltbörsentums klar, ja manchmal kraß in die Augen springend.
Nur in Frankreich besteht heute mehr denn je eine innere Übereinstimmung zwischen den Absichten der Börse, der sie tragenden Juden und den Wünschen einer chauvinistisch eingestellten nationalen Staatskunst. Allein gerade in dieser Identität liegt eine immense Gefahr für Deutschland. Gerade aus diesem Grunde ist und bleibt Frankreich der weitaus furchtbarste Feind. Dieses an sich immer mehr der Vernegerung anheimfallende Volk bedeutet in seiner Bindung an die Ziele der jüdischen Weltbeherrschung eine lauernde Gefahr für den Bestand der weißen Rasse Europas. Denn die Verpestung durch Negerblut am Rhein im Herzen Europas entspricht ebensosehr der sadistisch-perversen Rachsucht dieses chauvinistischen Erbfeindes unseres Volkes wie der eisig kalten Überlegung des Juden, auf diesem Wege die Bastardisierung des europäischen Kontinents im Mittelpunkte zu beginnen und der weißen Rasse durch die Infizierung mit niederem Menschentum die Grundlagen zu einer selbstherrlichen Existenz zu entziehen.
Was Frankreich, angespornt durch eigene Rachsucht, planmäßig geführt durch den Juden, heute in Europa betreibt, ist eine Sünde wider den Bestand der weißen Menschheit und wird auf dieses Volk dereinst alle Rachegeister eines Geschlechts hetzen, das in der Rassenschande die Erbsünde der Menschen erkannt hat.
Für Deutschland jedoch bedeutet die französische Gefahr die Verpflichtung, unter Zurückstellung aller Gefühlsmomente, dem die Hand zu reichen, der, ebenso bedroht wie wir, Frankreichs Herrschgelüste nicht erdulden und ertragen will.
In Europa wird es für Deutschland in absehbarer Zukunft nur zwei Verbündete geben können: England und Italien.

(aus Adolf Hitler: Mein Kampf, 855. Auflage 1943)

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Zyklisch kehren Ängste sich in Pogromschwangerschaften. Sprache dient als Mittel der Aufstachelung, die politischen Lager ergehen sich in Fehleinschätzungen, begleitet von Propagandalügen (das rechte) sowie zynischer Ironie (das linke) und steuern gemeinsam, als befänden sie sich in einer unlösbaren Situation, auf die Katastrofe zu. Für den ungeschulten Leser sind die Geisteshaltungen hinter beiden Texten kaum zu unterscheiden. Weder Brecht noch Hitler haben sich in ihren Texten häufig zum Rheinkomplex geäußert, doch gehören beider Äußerungen definitiv zu den unpoetischsten, die wir bisher gesammelt haben.

Brechtscher Rhein

Der Rhein.
Das ist einer der schönste Ströme der Welt
Denn er bringt sehr viel Geld

(Bertolt Brecht: Werke, Bd. 14, Gedichte und Gedichtfragmente 1928-1939)

HEL über Köln

Fixpoetry bringt diese Woche unter dem Titel Apocalypso Ausschnitte aus einem Briefwechsel zwischen HEL (Herbert Laschet-Toussaint) und Ulrich Bergmann. Beide unterhalten sich darin achtzehn Jahre lang über Deutschland und Europa, dh, den Unter- und Wiederaufgang des Abendlands inkl. Kapitalismus, Sozialismus, Faschismus, Katholizismus, 68ern, Türken, Literatur (Thomas Mann, Günter Grass, Bertolt Brecht, Social Beat) und natürlich Beuys. Das alles sind rheinische Themen, Bergmann lebt in Bonn und HEL schleicht als genuin belgischer Rheinländer nur deswegen allnächtlich über Berliner Endmoränen, weil dort seit den späten 80ern das offizielle deutsche Dichterreservat eingerichtet ist. Dabei denkt HEL auch an seine früheren Wirkungsstätten und kommt zu erstaunlichen Schlüssen über eine verkannte Stadt: “(…) Meinhofs analysen stimmen bis heute: äußere wie innere verelendung und die krankheiten daraus, von straßenkindern schleppe genannt; wir haben die Auschwitzimaschleppe: das ist ein krater, den man noch in einer million jahren vom weltall aus sehn wird, wie das Nördlinger Ries, und wir gehn auf dünner lavakruste .. na Sie verstehn schon: Köln mag einen schuß zivilisierter sein aus römischer zeit, luperkalisch, ubisch, druidisch, dafür hat’s 2000 jahre katholenterror aufm buckel. (…)” Der Briefwechsel über sieben Web-Etappen ist hier nachzulesen.

Die Rottenkinckschow am Rhein

Eine langgehegte Hoffnung erfüllte sich, als am gestrigen Donnerstagabend die Rottenkinckschow erstmals in Köln gastierte. Das veranstaltende Literaturhaus hatte ins Blue Shell geladen. Bei der Rottenkinckschow handelt es sich um eine wandernde und zu jeder Ausgabe selbst rundumerneuernde Literaturshow der Damen Ann Cotten, Monika Rinck und Sabine Scho. Von denen letztere diesmal verhindert war, weswegen die verbliebenen sie verwegen mittels einer die Scho bzw ihre Abwesenheit in Erinnerung rufenden ansehnlichen, offensichtlich mit viel Liebe hergestellten Pappkameradin auf der Bühne (eben: nicht!) ersetzten. Ersetzen oder nicht ersetzen lautete also sofort eine zentrale Frage des Abends, der unter dem Motto Reparatur stand, das mit vier weiteren Submotti und unterhalb (?) dieser Ebene wiederum mit sonderlichem Aktionsgebaren und Gefrase aufwartete, von dem sich bisweilen annehmen ließ, daß es unter Einsatz knapp an der Wahrnehmungsschwelle agierender, verstandesübersteigernder bzw verstandesübersteigender Mittel zustande gekommen oder ausgeteilt worden sein könnte. Der Auftakt bestand jedoch ganz normal in Brechts berühmten Lied von der Tünche. Dem karnevalsoptimierten Kölner Publikum bereitete es verhaltene Freude, heutige Literatinnen im DIY-Punk-Stil auf der Bühne Couplets singen zu hören. Wo repariert wird, entsteht automatisch auch Reklamationsbedürfnis: die Rhythmusgruppe aus tschechischen Fruchtbarkeitsfetischen klang für die hinteren Ränge deutlich zu leise abgemischt. Für eine der folgenden Nummern hatte Miss Cotten vorab im Kölner Literatenumfeld rekrutiert: Swantje Lichtenstein und noch einer (immerhin fünf der aktuell sechs oder sieben Kölner Literaten fanden sich gestern im Blue Shell wieder) hatten beim Verlesen eines ursprünglich niederländischen Reparatur-Manifests aus den 70er Jahren zu assistieren. Nur war der Text nun auf Englisch vorhanden und sollte auf der Bühne spontanverdeutscht werden. Mit Ach und Krach gelang das Experiment: jeder erfolgreich absolvierte Paragraf wurde nach Berliner Sitte mit einem Schluck Vodka aus dem kreisenden Flachmann besiegelt. Die Show durfte nun kippen. Frohgemut schlug sie sich in einen Schlingerparcours aus Stehgreifverspultheits-Längen und bezwingendem Witz um das veritable Reparaturinstrument Psychoanalyse. Plötzlich hatte das Publikum vorgefertigt richtige Antworten auf absurde, von der Bühne erschallende Fragen zu verlesen und wurde willkürlich mit Geschenken (darunter ein halber Klarsicht-Bratensack) bedacht. Nach solcherart geistiger wurde dasselbe Publikum zum Ausgleich zu roher körperlicher Mitarbeit agitiert: Rotten und Kinck verteilten Wackelpudding und Wackelpuddingzerstörungswerkzeuge, um aus dem folgenden Verhalten auf Neurosesorten der Kölner Showklientel zu schließen. Dazwischen immer mal wieder ein Liedchen oder ein Gedicht. Herausstechend: ein heiß gestricktes Interview mit dem Kunstwerkereparateur Schmittge, dessen zentrale Aussage „es gibt definitiv nichts, was nicht kaputtzukriegen wäre“ dereinst als verspäteter Leitsatz der Postmoderne dienen wird. Am Ende hatte Rinck (falls sies war) eine Maske vorm Gesicht und Cotten bastelte aus einem gängigen Föhn einen funktionierenden Lichtvakuumator, mit dem sie den gesamten Bühnenraum einschwärzte: die Showgirls verschwanden im ausgeknipsten Raum. Die Requisiten waren da längst aufgeraucht und getrunken.

Am Rande des Rhein-Lech-Kontinuums

In Augsburg am Lech traf Rheinsein während des Brecht-Festivals u.a. Monika Rinck wieder. Wir waren uns elektronisch aus dem Forum der 13 und erstweltend von der ein oder anderen Gelegenheit bekannt. Monika Rinck betreibt nicht nur ein höchst besuchenswertes Begriffsstudio, sondern schreibt und liest mit die wohlklingendste und anspielungsreichste Lyrik der Gegenwart – somit lag die Frage nah, ob sie den Rhein in einem ihrer Texte behandelt habe (spinxend natürlich auf einen Rheinsein-Gastbeitrag). Habe sie in ihrer Dichtung bisher nicht, sagte Monika (und zog umgehend ein Büchlein aus ihrer Tasche hervor), aber ob mich dieses vielleicht interessiere:

“A riddle is the purely originated.” In its context, this sentence begins the fourth strophe of Hölderlin’s DER RHEIN and can be read backward and forward. Origin as riddle. Riddle as origin. Like the source of the Rhine, pure origin is hard to specify. “Even poetry can scarcely unveil it,” says the poet. I suspect Celan likes the pun that informs Hölderlin’s riddle. His line breaks and word divisions emphasize the parts of Hölderlin’s German word Reinentsprungenes, which means “purely originated” but also sounds like “Rhine-originated” and perhaps even suggests “Der Rhein-originated.” Pure source, the river Rhine and the poem “Rhine” come together on one point from which the rich sense flows. If language were a commerce, punning words would be its usury. Aristotle tells us that usury is the most unnatural sort of wealth-getting because it allows money to breed money out of itself instead of being spent as it was intended. Analogously, punning generates an unnatural supplement of significance from a sound that properly expends itself in one meaning alone.”
(aus: Anne Carson – Economy of the Unlost. (Reading Simonides of Keos with Paul Celan) 1999.)

Doch, das interessierte mich sehr, schließlich bin ich Verfechter der Tausendrheinthese, die besagt, daß der Ursprung des Rheins zum einen ein vielfacher, zum andern unenträtselt ist und somit einen Tick eher in poetischen als geologischen Gefilden liegt, noch eher aber in den kosmischen mit ihren (von uns) un/entdeckten Zugängen (zu uns) – und ich dachte oder besser: empfand, so sollte es eigentlich immer sein: du stellst eine Frage und dein Gegenüber packt in Hinterkopf und/oder Tasche und holt eine strahlende Assoziation hervor.