Tulla über den Rhein

Der Rhein ist einer der merkwürdigsten Ströme in Europa, wegen seiner Größe, seiner Verbindung mit den Glätschern, und den meisten Seen der Schweiz, seiner Wasserfälle bey Schaffhausen und Laufenburg, der Veränderungen seines Laufs in ältern und neuern Zeiten, der Verschiedenheit seines Gefälles und seiner Geschwindigkeiten, wegen seiner Mündungen in das Meer, und seiner Benutzung zur Flößerey und Schifffahrt.

Der Rhein hat durch seine Geschiebe das Becken des ehemaligen, von Zürich bis Konstanz ausgedehnten Sees von Wallenstadt bis Rheinek, und die Linth von Wesen bis Schmerikon theilweise ausgefüllt, wodurch der ehemalige See in drey Seen, den Bodensee, Wallenstadter und Züricher-See, getheilt wurde.

Vom Bodensee bis Hüningen ist der Spielraum des Rheins größtentheils durch die Gebirge eng begrenzt, und die merkwürdigsten Veränderungen seines Laufes, sind nur die Einschneidungen oder tiefere Bettung, welche Veränderungen durch terrassenförmig übereinander liegende Hochgestade erkannt werden.

So wie der Rhein in das zwischen den Vogesen und dem Schwarzwald liegende Thal tritt, hat derselbe mehr Spielraum, er serpentirt in dem Bett des ehemaligen – nicht problematischen – zwischen dem Schwarzwald und den Vogesen bestandenen Sees, führt jährlich eine große Masse von Kies, Sand und Erde bis zu seinen Ausmündungen in das Meer in Holland, welches Land größtentheils durch den Absatz des Rhein gebildet wurde.

Die Geschichte des Rheinlaufes in den ältern Zeiten liegt bey den Geschichtsschreibern sehr im Dunkeln. Mehr Licht geben die sichtbaren alten Flußbette, die Hochgestade und die alten Inseln.

Nachdem der See sich, durch die allmählig, vielleicht auch plötzlich, entstandene Vertiefung seines Durchflusses, durch die Gebirge zwischen Bingen und Königswinter größtentheils, abgelaufen war, muß das verlassene Bett desselben zwischen den Vogesen und dem Schwarzwald, ziemlich eben gewesen seyn, und jede fortlaufende regelmäßige Vertiefung in dem Seebett, kann nur durch Ausflößung oder Ausschwemmungen, oder endlich durch Ausgrabung und nachherige Ausflößungen entstanden seyn.

Die Breite und die Größe der Krümmungen derartiger Vertiefungen, so wie ihre Vertheilung in mehrere Zweige, lassen immer auf das ehemalige Bestehen eines Flusses, auf seine Größe und seine Geschwindigkeit schließen, wenn gleich diese Vertiefungen nun trockenes Land sind.

Der Rhein theilte sich in den ältern Zeiten oberhalb dem Kaiserstuhl-Gebirge in drey Theile. Der eine ging links in dem jetzigen Gebiet der Ill, der andere längs dem Kaiserstuhl-Gebirge auf der linken Seite, und der dritte rechts dem Kaiserstuhl, längs dem Fuß desselben, zwischen den Vorgebirgen von Riegel und Hecklingen durch.

Man wird den erstern den gallischen Rhein, den zweiten den großen Rhein, oder auch nur Rhein ohne Beinamen, und den dritten den deutschen Rhein, nennen können.

Wegen Mangel an Localkenntnissen kann eine nähere Beschreibung des gallischen Rheins nicht gegeben werden. Die Städte Colmar, Gemar und Schlettstadt dürften auf dem linken Ufer desselben, und Straßburg, welches auf der vorspringenden Spitze des aufgeschwemmten Gebirges erbaut ist, bey der Vereinigung des gallischen Rheins mit dem großen Rhein, stehen.

Wann der gallische in einen Altrhein überging, und ob er noch zur Zeit, als die Römer an den Rheinufern waren, schiffbar war, ist unbekannt.

Der deutsche Rhein floß längs dem Fuße des Schwarzwald-Gebirgs, parallel mit dem großen Rhein, so wie gegenwärtig die Ill, und nahm in seinem Lauf die Flüsse Dreysam, Elz, Schutter, Kinzig, Rench, Murg, Alb, Pfinz und alle die kleinen Flüsse und Bäche des Schwarzwaldes, vielleicht auch den Neckar auf.

Der deutsche Rhein änderte seinen Lauf in einzelnen Distrikten wenig, in andern sehr bedeutend, letzteres zwischen der Kinzig und der Murg, und unterhalb Malsch, wo er in mehrere Arme sich theilte, bis gegen den Neckar. Da wo bedeutende Flüsse aus dem Gebirge treten, wurde sein Lauf durch den Ausschub dieser Flüsse vom Fuße der Gebirge abgetrieben, wie sehr deutlich an der Murg und der Alb zu ersehen ist.

Sein linkes Ufer war nur längs dem Kaiserstuhl mehr als das rechte, sonst aber das rechte Ufer bey weitem mehr, als das linke, bewohnt. Ein Beweis hiefür ergibt sich aus der Thatsache, daß noch gegenwärtig in der Strecke von Schwarzach bis Karlsruhe nur die Orte Sandweiher und Beyertheim am linken Ufer liegen. Die Ursache dieser Ungleichheit der Bewohnung läßt sich sehr leicht aus der Fruchtbarkeit des rechten, und Unfruchtbarkeit des linken Ufers, und der geringen Entfernung des rechten Ufers des großen Rheins von dem deutschen, erklären.

In vielen Gegenden sind die alten Läufe, die bestandenen Inseln, die Hochgestade sehr deutlich zu erkennen, in andern sind ihre Spuren mehr oder weniger durch Anschwemmungen der Flüsse des Schwarzwaldes ausgelöscht; häufig folgt das Wasser im ungezwungenen Zustand dem alten Lauf.

Wie lange der deutsche Rhein bestanden, und zu welchen Zeiten bedeutende Aenderungen mit ihm vorgefallen sind, dürfte schwerlich in der Geschichte aufgefunden werden. Indessen läßt sich mit Zuverläßigkeit behaupten, daß er zur Zeit, als die Römer ihre Herrschaft bis an den Rhein ausgedehnt hatten, noch ein schiffbarer Strom war. (…)

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Karlsruhe (2)

Karlsruhe liegt 1 1/2 St. vom Rhein, im Hartwalde, der gegen Norden und Westen einen Theil der Stadt umgibt. Der erste Grundstein zur Erbauung eines Jagdschlosses, an welches sich nachher die Stadt anreihte, die jetzt 24 Straßen und gegen 14,000 Einwohner zählt, wurde 1715 gelegt.
Merkwürdigkeiten sind:
1. Das Schloß. Von dem Thurme desselben (der Bleythurm genannt), welcher den Mittelpunkt aller Anlagen von Karlsruhe ausmacht, hat man eine weite und reiche Aussicht. In demselben befindet sich die sehr bedeutende Hofbibliothek, eine auserlesene Naturalien=Sammlung und eine Anzahl schöner Gemählde.
2. Die neue kathol. Kirche, im antiken Styl erbaut.
3. Die nah vollendete lutherische Kirche.
4. Das Gemähldekabinet, in welchem man, außer vielen vorzüglichen Mahlereyen, eine reiche Sammlung von Kupferstichen und Handzeichnungen so wie Abgüsse der vorzüglichsten Antiken findet. Eine Zeichnungsschule ist damit verbunden. Die Aufsicht hat Herr Director Becker.
5. Das Museum, in welchem den Winter über auch Bälle und Concerte gegeben werden. Die Fremden müssen von einem Mitgliede eingeführt werden.
6. Die architektonische Schule, unter Leitung des trefflichen Architekten Weinbrenner.
7. Die Veterinalschule, von dem als ausübender Arzt und als Schriftsteller geschätzten Medicinalrath und Leibmedicus. Dr. Teuffel, dirigirt.
8. Das Lyceum und die damit verbundene Realsschule.
9. Der gegen 6000 Sorten umfassende botanische Garten, unter Aufsicht Herrn Hofraths Gmelin.
10. Der Hofgarten und Fasanengarten. Beyde haben herrliche Parthieen.
11. Der im ächt Englischen Styl angelegte Garten der Frau Markgräfin (Mutter des Großherzogs) mit einer Gothischen Kapelle, welche das treffliche, vom verstorbenen Scheffauer verfertigte, Denkmal auf ihren bey Arboga in Schweden verstorbenen Gemahl enthält. Vom Thurme der Kapelle hat man eine herrliche Aussicht gegen das Gebürg hin. Die beyden Gebäude haben eine ansprechende Lage und enthalten einige schöne Mahlereyen.
12. Das prächtige Hotel der Frau Reichsgräfin von Hochberg, mit einem sehr geschmackvoll angelegten Garten. In dem Palais ist besonders der schöne große Saal mit trefflichen Landschaften von Kunz sehenswerth.
13. Das vorzüglich eingerichtete physikalische Kabinet, im Lyzeumsgebäude, unter Direction des als Naturforscher rühmlich bekannten Hofrath Bökmann.
14. Das Theater, von Weinbrenner erbaut, ganz im Styl der alten Römischen Theater und mit strenger Rücksicht auf die Gesetze der Akustik. Die Bühne besitzt einen großen Vorrath an schönen Decorationen und die erlesenste Garderobe. Gewöhnliche Spieltage sind: der Sonntag, Dienstag und Donnerstag.
15. Die Steinschleiferey, worin Achate, Marmor, Rheinkiesel x. verarbeitet werden.
16. Das Forstinstitut, unter Aufsicht der beyden geschätzten Forstmänner Laurop und Fischer.
17. Das Hospital, welches eine musterhafte Einrichtung hat.
18. Die jüdische Synagoge.
Mehrere Gebäude, wie das Zeughaus, das Ettlinger Thor, x. verdienen noch die Aufmerksamkeit des Reisenden.
Eine starke Viertelstunde von Karlsruhe, gegen das Gebürg hin, in dem Dorfe Beyertheim, sind seit einigen Jahren sehr bequeme Bäder an der Alb angelegt. In dem dabey befindlichen Gasthause ist des Sonntags eine table d`hôte und werden an den Mittwochen (die schöne Jahreszeit über) Bälle gegeben.
Karlsruhe hat vier Buchhandlungen, drey gewöhnliche und zwey Steindruckereyen.
Unter den hier lebenden Künstlern sind rühmlich bekannt: Hofmahler Becker; Hofmahler Feodor, der jetzt einen Cyclus aus der Geschichte des Erlösers für die lutherische Kirche, grau in grau, mahlt; Kupferstecher Haldenwang (einer der vorzüglichsten Landschaftsstecher seit Woollet); Bildhauer Kayser; Hofmahler Kunz, einer der ersten Thiermahler; Architekt weinbrener, der auch manche Kunstschätze besitzt.
Gasthöfe: 1. Der Darmsädter Hof; 2. zum Erbprinzen (wo die Pferdepost ist); 3. zum römischen Kaiser; 4. zum goldnen Kreuz (wo sich das Büreau der Postwagen befindet); 5. zum Zähringer Hof.

(aus: Alois Wilhelm Schreiber: Handbuch für Reisende am Rhein)