Leuchttürme des Rheins: der Täuschturm von Leverkusen-Hitdorf

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Uns ist in alten Mären Wunders viel gesait: nicht alle Leuchttürme dienen der Sicherheit – nein – es gibt auch sogenannte „Täuschtürme“ – sie dienen der Unsicherheit, schlimmer noch: dem Untergang des Gegners!
So ein schelmiger Täuschturm befindet sich zu Leverkusen-Hitdorf.
Man sagt von ihm Folgendes: auf der „falschen“ Rheinseite – „Scheelsick“ tummelten sich die Treverer. Auf der „guten“ Rheinseite die Ubier. Beide Volksstämme hassten sich mordsabartig.
Warum? Das ist seit unvordenklichen Zeiten vergessen – manche munkeln an den Kaminfeuern, es habe sich dermaleinst um eine unschickliche Verquickung der Pissgeschirre gehandelt – der Bube, erzkeck, habe dem Mädel beigewohnet, so aber die Frucht des Leibes empfangen worden wär, sich bei mondloser Nacht ins Welsche davongemacht, andere meinen munkeln zu müssen, das Mädel habe dem Erzbuben heiße Träume gemacht, sich aber denn doch dem mit dem dickeren Klingelbeutel an den Hals, respektive das Gemächt geworfen – einerlei, warum, wieso und überhaupt – so viel Hass war selten respektive nie – es begann mit Handgemeinheiten auf allerlei Geselligkeiten, dann errichteten beide Seiten sogenannte Shitkatapulte und katapultierten allerlei Verdautes, Versautes und Halbverdautes über den unbeirrbaren Strom – als auch das nicht mehr genug, beschloss man ubierseits eine arge Erzbüberei: da auch der Treverer als solcher und überhaupt, gerne zu Schiffe ausfuhr und damals der wilde Strom noch wild und unbezähmt – so man gerne des Nachts allerlei Lagerfeuer, Fackelei und ander Licht entzündet, um Nachen, Kahn, Scholle und Windjammer, zu schweigen von Kajak, Ruderboot und Floß, heimzuführen – erst die eine Seite, dann die andere Seite errichtet einen Leuchtturm an der ärgsten und überhaupt kecksten Stelle – wo der Strom zürnt und die Gefahr groß – und so wurde durch falsches Leuchtfeuer manch’ Barkasse gen Grund, Strudel und Hölle geschickt – das falsche, halblebig Licht täuscht den Binnenseemann – Not und Tod, der Klabautermann, der auch binnenseits zu Werke, triumphieret -
Als die Altvorderen das sogenannt’ Deutsche Reich gründeten, musst’ auf der einen Seite der Täuschturm einem Autobahnanschluss weichen, auf der anderen Stromseit’ aber blieb der Schandturm erhalten – man sagt, „Leverkusen“ geht auf den Brauch zurück, zu trinken bis die „Lever“ – althochdeutsch für „Leber“ „kust“, das ist neuhochdeutsch „versagt“, „Hitdorf“, aber so vermutet der Heimatforscher, sei eine Schwundform von „Shitdorf“, was verweist auf die „Shitkatapulte“, mit denen man sich früher beharkt – also Exkremente, Gülle, Auswurf und anderen Unrat hin- und herüber schoss.
Aus den Ubiern wurden denn die Kölsche Jungs und Maidsche – aus den Treveren die Scheelsicker – und, so steht es geschrieben, man hasst sich bis auf den heutigen Tag.
Seltsam, aber so steht es nun einmal geschrieben.

(Fünfzehnter Teil der Exklusivserie “Leuchttürme des Rheins” von Bdolf)

Leuchttürme des Rheins: der Westwall

Nur unterbrochen vom stolzen Münsterberg zu Breisach, der sich wie ein Wellenbrecher in den mächtigen Strom schiebt, zieht der Alte König Rhein sich pfeilgerade durch sein weitläufiges Delta, das sich wenige Dutzend Kilometer nördlich des Rheinknies zu Basel, auffächert.

Zum Bedauern und Nachteil aller geradlinigen und anständigen Zeitgenossen, tummeln sich allerlei Nachtschattengewächse auf dem altehrwürdigen Gewässer. Namentlich die Flusspiraten stellen ein großes Ärgernis und argen wirtschaftlichen Schaden dar.
Zudem sitzt auf dem abendlichen (das ist das westliche -) Ufer der WELSCHE, welcher ein Volksstamm fremder Zunge und Lebensart, mit dem seit urvordenklichen Zeiten in unschöner Regelmäßigkeit allerlei Fehde und Raufhändel vor sich geht.

Aus diesem Grund sah sich die weltliche Obrigkeit genötigt, den betreffenden Stromabschnitt aufs Sorgfältigste zu befestigen und zu sichern.

Auf der ganzen Länge bis weit nördlich der Festung Straßburg, schlussendlich bis auf Höhe des Badischen Jerusalems, der Erzresidenz seiner Markgräflichen Magnifizenz, des Markgrafen höchstselbst, der Planstadt Karlsruhe, zieht sich eine Perlenschnur trutziger Wehrtürme.

Denn dort sind nicht nur Leucht-Vorrichtungen installiert, sondern jeder Turm ist vom Fundament bis zum dachseitigen Wetterhahn mit fortschrittlichsten Waffen-Installationen versehen. Weil im Inneren jeweils ein elektroid-mechanischer ewiger Paternoster seine Bahn zieht, nennt man sie auch die Westwall-Maschinentürme.

Manch einem Flusspirat, der sich plötzlich im Lichtkegel eines Westwall-Turmes wiederfand, pfiffen im gleichen Moment Projektile um seine ungesetzlichen Ohren… und mancher Welsche, mit einschlägigen Absichten „gesegnet“, musste angesichts der herabhagelnden Granaten von seinem Schandwerk ablassen und sich in seinen heimischen Graben oder Bunker verziehen –

Dank unseres hochwohllöblichen Markgrafen, seiner erlauchten Magnifizenz Ludwig, steht der Wall, Turm an Turm, ein jeder in kunstgerechter Entfernung zwecks Benutzung optischer Telegraphen, und die pflichteifrigen Besatzungen halten den Strom von Befleckung durch Schandbuben rein und schützen unsere Ufer vor den Tückebolden aus dem Welschenland –

(Ein Gastbeitrag und zwölfter Teil der Exklusivserie “Leuchttürme des Rheins” von Bdolf. rheinsein dankt!)

Leuchttürme des Rheins: der „Harte Gustav“ zu Hartheim

Hartheim, ein kleines Fischerdorf am weitläufigen Delta des jungerwachsenen Stroms. Endlos die Verzweigungen, Verschachtelungen, Irr- und Abwege des Gewässers. Tümpel, kleine Seen, Wasserlöcher, manche Sackgassen, manche gefährliche Fallen für Fahrensmann und Binnenschiffer…

Wie wichtig, dem schmucken Schiff den Weg zu weisen, die Fahrrinne im Hauptstrom, dem schiffbaren, zu weisen –

Diesen so essentiellen Dienst leistet der „Harte Gustav“ zu Hartheim am Rhein.

Mächtig steht dessen gewaltiger Turm am Eingang der Hartheimer Gemarkung.

Wichtiger noch als heute, in diesen unseren aufgeklärten, ja fast entzauberten Tagen, war es in unvordenklicher Vergangenheit – als allerlei Tückebolde, Zwerge, Kobolde, Ghoule, Untote und halblebiges Diebesgesindel, auf Beutezug nach Gold, Gut und Fleisch vom lebenden Menschen versuchten, den unbedarften Schiffer ins Verderben zu locken –

Manch Skelett gab durch dunkle Künste die blondgelockte nackerte Loreley und lief dem Käpt’n am Steuerruder vor sein Fernglas – auf dass er geraden Kurs aufgab und mit Mann und Schiff ins Verderben lief…

Mag sein, dass das Miasma aus Fäulnis, Sumpf und uralten Gräbern am Rand des Stroms die Machenschaften des Halb- und Ganztotenreiches die Handreichungen wider geordnetes Schifffahrtswesen bestärkten –

Allein, der mächtige Markgraf Sulzhardt sah dem unheiligen Treiben lange Zeit von seiner Sulzburg aus zu, sprach dann ein entschlossenes „Samen Aleikum!“, was in der Markgräfler Mundart so viel bedeutet wie „Nu isch aba gudd!“, erhöhte zweckgebunden Steuer, Zins und Abgaben und ließ am Eingang der Gemarkung den gewaltigen „Harten Gustav“ errichten, „Gustav“ für seinen Urgroßvater, dem zu Ehren, „Hart“ wegen des Flurnamens und der Entschlossenheit, alles an Schindluderei und unheiliger Halblebigkeit auszutilgen.

So kam es und heuer leuchtet es…

(Ein Gastbeitrag und elfter Teil der Exklusivserie “Leuchttürme des Rheins” von Bdolf. rheinsein dankt!)

Leuchttürme des Rheins: das Große Delta

Nördlich des Rheinknies windet sich der gewaltige Strom durch ein wildes, fast grenzenloses Delta, bei genauer Betrachtung zieht es sich bis weit hinter den Zusammenfluss mit dem Neckar, wenn sich bald das vereinigte Paar Rhein und Neckar durch die felsigen Klüfte und Abgründe Rheinhessens windet…
Kundige erinnern sich, der geniale Konstrukteur und Ingenieur Tulla habe in der markgräflichen Gewerbeakademie zu Mannheim einen Entwurf erarbeitet, den Fluss nördlich des Rheinknies bis weit hinter die markgräfliche Residenzstadt in ein künstliches Bett zu zwingen, einerseits wegen besserer Beschiffbarkeit, andererseits um weitere Flächen für Bevölkerung, Landwirtschaft, Industrie und allgemeines Gewerbe zu gewinnen – allein, ein unglücklicher Ehrenhändel, der im Tod des genialen Konstrukteurs ausging, habe das kühne Projekt verhindert – bis heute wagte sich niemand mehr an eine derartige Herausforderung…
Ein Weniges hinter dem Rheinknie sitzt der Pralle Hans-Erwin, der erste einer langen Reihe mächtiger Leuchttürme, die, aufgereiht wie eine Perlenschnur, die mäandrierende Fahrrinne ausweisen und sowohl dem Fracht- wie dem Personenschiffer den Weg weisen, im Besonderen zur Nacht, wenn die Orientierung im konfusen Delta sonst praktisch unmöglich –
Das nächste Schifffahrtszeichen ist dem weiblichen Geschlechte gewidmet – die Dulle Greet steht in einer Entfernung, die den Austausch lichttelegraphischer Zeichen ermöglicht, ein weiterer Gewinn neben dem alleinigen Stromverkehre –
Die Leuchttürme sind mit einem auffälligen Gewirr dicker und dickster elektrischer Stränge verbunden, muss doch die Elektrizität im Historischen Kraftwerk zu Rheinfelden-Lauffenburg gewonnen werden und vermittels Überlandleitung an ihren Einsatzort transportiert werden, am Prallen Hans-Erwin wird sie eingespeist und in der Folge von Turm zu Turm weitergereicht.
Stromabwärts reihen sich in sinnfälliger Folge der Fidele Hanspeter; der Lässige Kasper; die Grüne Minna; der Heilige Sei-Bei-Uns; der Helle Gunki; die Fette Metze; der Horige Hudeli; und am Ende der Stromtrasse Fidelia mit den breiten Schenkeln; dort sind wir schon auf Höhe Hardtheims – aber das ist eine andere Geschichte…

(Ein Gastbeitrag und zehnter Teil der Exklusivserie “Leuchttürme des Rheins” von Bdolf. rheinsein dankt!)

Leuchttürme des Rheins: das Rheinknie leuchtet

Von weitem findet der unerschrockene Binnenschiffer den Fluss aber auch das angrenzende Umland außergewöhnlich beleuchtet, so er sich der Metropole Basel nähert.
Manche empfinden das Licht als „taghell“, andere relativieren eine derartige Aussage.
Manch Kapitän soll des Nachts hinter seinem Steuerruder die Gazetten studieren, bevor er zur Nachtruhe in den mächtigen Rheinhafen zu Basel einläuft und so die Glühbirnen seines Fahrzeuges schonen.
Die wirkmächtige Beleuchtung verdankt sich dem ungeheuren Leuchtturm zu Basel am Rhein.
Gut fünfhundert Meter erhebt er sich in die chemiedurchwölkten Lüfte. Genau hat noch niemand seine Höhe zu messen vermocht – zu gewaltig aufragend das Bauwerk.
Man sagt, ein Gutteil, der in den beiden Basler Teilkantonen erzeugten Elektrizität werde für den gewaltigen Strahler des Leuchtturmes benötigt. Was wiederum kein Problem darstellt, erfreuen sich doch die angrenzenden Stadtquartiere einer geradezu märchenhaften Illumination.
Er steht auf dem westlichen Ufer, da wo das Gewässer seinen gewaltigen Bogen ausführt.
Niemand weiß, wann das enorme Bauwerk errichtet wurde. Klar ist, es stand lange, bevor sich Menschen am Strom niederließen.
Die Stalaktiten und Stalagmiten unter den mächtigen umlaufenden Galerien und Balkonen legen ein unmissverständliches Zeugnis größter Zeiträume ab.
Auch finden sich in den verbauten Steinen allerorten fossile Lebensformen – als Abdrücke – die von einer Fauna und Flora lange vor der uns bekannten zeugen.
Der imposante Turm muss also deutlich älter als die Gattung des Menschen sein.
Ist er ein Rätsel, so gibt er doch Licht.

(Ein Gastbeitrag und neunter Teil der Exklusivserie “Leuchttürme des Rheins” von Bdolf. rheinsein dankt!)

Leuchttürme des Rheins: die HEROLDe zu Rheinfelden

Die Törichten bezichtigen den Hochrhein als nicht schiffbar.

Doch höret des HERRN Wort: „Verdammnis und Verderbnis aller Körpersäfte, sintemalen der Fortpflanzungssubstanz, den KLEINGLÄUBIGEN…!“, ja so spricht der HERR und hat Recht – dem munteren Fahrensmann ist auf dem Hochrhein soviel Wasser unter dem Kiel wie dem Kleingeist kurz vor Rotterdam – Rheinfelden, das für Banausen, Ignoranten, Idioten, Kleingeister, Schwachköpfe und Querulanten das Ende der „Schiffbarkeit“ markiert, hin oder her – wer das Pergament und die heiligen Tätowierungen seines Kapitänspatentes auch nur für drei Groschen würdig ist, befährt ohne Schuld und Angst den Hochrhein, der Loter lotet so oder so die Wassertiefe und wer es wert ist, ein Steuerruder in seinen verschwielten Händen zu führen, der segelt dortselbst wie in der Gnadenmutter Schoß – so sicher und unangefochten wie zwischen Bingen und St. Täublein – der Rest mag sich mit Wanderungen zu Lande aufhalten –

Diffiziler als Wasserstand und Flachwassernavigation ist allerdings die Schwierigkeit der Wirklichkeit.

Die Klugen wissen es: unzählig ist die Zahl der Welten, die sich parallel zueinander schmiegen – und manchmal verwechselt es, gerade im Zuge der Bewegung, den Strang, auf dem man sich beweget, lebet – gefährliche, ja höchst verderbliche Wechsel mögen vorkommen, Verhängnis, ja Verdammnis liegt im Wesen dieses Phänomens –

Justament vor Rheinfelden gabelt sich die Wirklichkeit – ostwärts wie westwärts – und mehrere parallele Welten schmiegen sich an den noch jugendlichen Rhein …

Zu warnen den Fahrensmann und die Fahrensfrau, so wurden errichtet die stolzen Leuchttürme „HEROLD OST“ im Westen und „HEROLD WEST“ im Osten, jeweils exakt fünf dreiviertel archimedäische Meilen vom Stromkilometer Sechsundsechzig, angezeigt durch einen Monolithen aus kaschubischem Obsidian auf dem Pier des Flachwasserhafens von Rheinfelden.

Nur wer die Lichtzeichen rechtzeitig achtet, bleibt auf dem ihm angestammten Pfad durch Realität und Existenz, den schaurigen Rest holen die Flußnymphen – so ist es eingerichtet seit der Zeit vor der Zeit von unserem HERRN und der Gnadenmutter höchstselbst –

(Ein Gastbeitrag und achter Teil der Exklusivserie “Leuchttürme des Rheins” von Bdolf. rheinsein dankt!)

Leuchttürme des Rheins: Skyppy, der Furtwächter zu Waldshut

Aus dem Bodensee, Richtung Nordsee, vorbei am Rheinfall zu Schaffhausen, bald die arge Furt zu Waldshut.
Wohl tuet dem Schiffer, so er rechtzeitig gewarnt, vor den Untiefen der Furt.
Warnen tut das Leuchtfeuer des anmutigen Leuchtturmes „Skyppy“, Hüter der Furt.
„Skyppy“, weil auf dem Halbinselchen vor dem Bauwerke sich der Künstler Kippenberger dermaleinst selbst in eine gewaltige Wanne mit Alabaster-Gips gestürzet und solange er noch der Regung mächtig war, aus sich selber eine Staue geformet: Skyppy, das Buschkänguru.
So steht er nun im Angesicht der Furt für alle Zeit, des Nachts geisterhaft angestrahlt vom Leuchtwerke des Leuchtturmes. Der alte, eigentliche Name ist längst vergessen, der Volksmund, den Schönen Künsten nicht sehr aufgeschlossen, verfolgte mit Hohn und Spott die Handlungen des Künstlers, so der Martin Kippenberger eingegipset ward und langsam am Erstarren, in seiner Gestalt als Skyppy, das Buschkänguru, so wollt niemand Hilfestellung leisten, so man der Meinung ward, ein Künstler weniger, oh, wie das spart Steuergelder und man müsse sich nun nicht mehr streiten mit dem Maestro um kühlen Trunk, suchte dieser doch gerne die Spelunken, Ausschänke und Volksbelustigungen auf und genehmigte sich dort manchen Schoppen auf ander Leuts Kosten -
so schnell ward denn der Name des Leuchtturmes vergessen, auch wenn er noch stehen soll auf einem Pergament aus unvordenklicher Zeit, was schlummern soll, vergessen, in irgeneinem Winkel des Schultheiss-Amts zu Waldshut, mag so sein, oder auch nicht.
Weiß gischtet das Schnellwasser in der Furt und der Schiffer und Fahrensmann ist wohlberaten, dem Fingerzeig des Leucht-Gebäudes zu folgen, sagen doch manche, das Licht wäre ein Fingerzeig des Wahren Seins-Gottes geheiligt und gepriesen sein Name.

(Ein Gastbeitrag von Bdolf. rheinsein dankt!)

Leuchttürme des Rheins: Aggregat XZ – am Rheinauslass Konstanz westwärts

Manche wissen es: der Rhein kommt vom Berg, mündet in den Bodensee, durchfließt diesen und begibt sich bei Konstanz wieder in seine eigenes Bett -
Der Volksmund ist – wie so oft – schlauer: die Obrigkeit errichtete den Leuchtturm am westwärtigen Auslass des Bodensees – auf dass der wackere Schiffer und Binnenfahrensmann unbehindert wieder den Weg in Richtung West – Nord, also den Niederungen am Unterlauf, schließlich in die Nordsee und weiter finden möge – und man gab dem stolzen Turm eine nüchtern-technische Bezeichnung – „Aggregat XZ“ gemäß den terminologischen Usancen im Deutschen Wasser-; Forst-; Luft- und Bahnsignalbau – da das „Konzil“ nicht fern liegt – also das Gebäude, wo das Konzil zu Konstanz dermaleinst tagte – bekanntlich wurde da aus drei Päpsten einer gemacht – so benamt man in Kreisen des einfachen, aber schöpferischen Volkes, den Leuchtturm oft einfach „das leuchtende Konzil“, manche sprechen auch vom „strahlenden Sphincter“, weil es sich ja gewissermaßen um den Anus des Bodensees handelt.
Niemand in der See- und Hafenmetropole spricht das Bauwerk mit seiner technischen Bezeichnung an.
Für jeden Seemann, der beim Eintritt in den Rheinstrom durch Sandbänke, Stromschnellen und beutegieriges Wassergetier sein Leben lassen muss – und dass sind nicht wenige – errichtet man im Vorgärtlein des Leuchtturmes ein Kreuz aus Treibholz.
Der kleine Wald aus Totenkreuzen ist unüberschaubar.

(Ein Gastbeitrag von Bdolf. rheinsein dankt!)

Leuchttürme des Rheins: Bregenz (Übergänge – Rites de Passage)

Der Junge Rhein aber mündet in den Bodensee.
Mäandernd über den Lauf der Zeiten hinweg veränderte der junge Strom sein Bett.
Insofern stellte sich eine große Frage – wo den Leuchtturm platzieren, der die Einfahrt vom See in den jungen Fluss ostwärts markieren sollte?
Alle Jubeljahr eine neue Mündung, alle Jubeljahr Versandung, Irrflusslauf, Ausbaggern mit Handschaufeln und Delphinkarren – dazu Versumpfung und Vernässung im weitläufigen Delta der Rheinmündung – gut für Schlauchboot und Floß, aber schlecht für Weiße Flotte und Schiffskiel.
Also wurde auf dem Konzil zu Nonnenhorn beschlossen, dem Fluss ein verbindliches Bett aufzuzwingen und selbiges durch steten Eifer und ewige Tat beizubehalten.
Die größten Gelehrten und Wasserbauer des Dreiländerecks Großbayern, Ostmark und Eidgenossenschaft gewannen im Gelände einen Eindruck der vollständigen Situation und einigten sich in der Folge auf einen verbindlichen Flusslauf, den sie mit blauer Tinte auf eine genaue Karte des Gebietes eintrugen.
Dieser Flusslauf wurde mit großer Vehemenz im Gelände umgesetzt, endlose Großklafter Erdreich mussten bewegt werden, Gräben gegraben, andere zugeschüttet, höchst feine künstliche Wasserläufe angelegt, Röhren verdohlt, natürliche Feuchtigkeitsverhältnisse reguliert, Bachbetten genutzt und etwelche andere Tätigkeiten ausgeführt werden.
Nach Murren fügte sich der Junge Rhein in sein neues Bett.
An der Stelle des Überganges wurde ein artiges Lichthäuserl errichtet – geweiht dem Angedenken des später seliggesprochenen Käpt’n Bahabs, dem Urvater der Bodenseepiraten.
Seitdem ist nur selten noch ein Schiff auf Grund gelaufen oder zerschellet, weil es die Einfahrt in den jungen Fluss nicht gefunden.

(Ein Gastbeitrag von Bdolf, der sich in einer Serie mit den Leuchttürmen des Rheins beschäftigt. Die mythischen Gründe des Bregenzer Leuchtturms waren bereits Gegenstand einer ersten Betrachtung des dunkelsten Denkers. rheinsein dankt!)

Leuchttürme des Rheins: die Wacht zu Bregenz – Hüterin des Deltas

Erhaben stürzt der Strom von den Ausläufern des Alpengebirges – kurz verlässt er die Gefilde der Eidgenossenschaft und quert die Bezirke der Ostmark.
„Brigantium“ nannten die Söhne Roms die Ansiedlung, wo der Rhein sich vielfältigst verzweigend in den Bodensee – auch gerne schelmisch „das schwäbische Meer“ genannt – ergießt.
Heute benennt man sie „Bregenz“.
Aber schon der weise und weltgewandte Römer wusste, viel halblebiges Gelichter nutzt das Gebirg für seine Zwecke – Versteck und Hinterhalt – zu schweigen von weglosem Sumpf und trügerischem Morast, wo nur Tier und Pflanz ihr Auskommen finden – aber keines Menschen Fuß zu setzen ist, respektive ist selbiger verloren, so er es wider allen Sinn und Verstand versucht -
Vom Berg her kommt der Zwerg. Klein an Gestalt, grenzenlos in seinem Hass wider die Sterblichen. Hass und Verblendung. Vom Sumpf herauf steigt der seelenlose Untote nebst dem Wiedergänger. Und ungezählt und namenlos ist alles Gelichter dazwischen – Blutsauger, Wechselbalg, Höllenbrut und überhaupt alle Kostgänger des Leibhaftigen -
Schon vor der Ankunft der Söhne der Wölfin hielt man am Alpenabgang Wacht gegen die Geschöpfe der Nacht. Manch Zeichen ward geschlagen, manch zaubermächtiger Spruch gesagt und und nicht wenige Jünglinge und Jungfrauen zur Abwehr des Bösen im Sumpf versenkt…
Der Römer als solcher war stets auf der Hut gegen alles, was sich gegen sterbliche Menschen und die ewigen Götter verschworen – mancher Turm und Mauer ward errichtet -
Als das Reich der Mittelmeerkinder im Westen fiel, blieb den Hintersassen nichts, als die Füße in die Hand zu nehmen – vor der Mitternacht noch geweihten Boden zu gewinnen …
Erst als wieder Recht und Ordnung Einzug gehalten – unter dem zu lobenden Landesherren Freimut Ritter zu Bürzelpracht – belehnt vom seinerzeitigen Kaiser Otto dem Schleimnasigen – wurde ein mächtiger Turm mit einem großen Licht errichtet – die Kleinhirnigen tönten voll des Spottes, man wollten den Flößen, Schaluppen und Kähnen einen gar zu großen Leuchtturm errichten – da, wo der noch jugendliche Strom vom Gebirg herabströmt, seinen Verzweigungen im Dickicht der Niederungen zum Schwäbischen Meere hin – aber die, mit den großen Gehirnen Gesegneten, wissen – es geht nicht darum, dem Fahrensmann und Schiffer den Weg zu weisen, sondern das Gelichter des Derherrseibeiuns in seine Schranken…

(Ein Gastbeitrag von Bdolf. rheinsein dankt!)

Leuchttürme des Rheins: „Mittelwerk“

Sowohl solche, die auf Schusters Rappen unterwegs, wie auch diejenigen, die auf stolzem oder schwankem Kahn auf Reisen, wundern sich: der große Turm unterhalb des St. Gotthard, wo der Strom mit Gezisch herab geschossen kommt und sich in die gemächlichere Gangart der Ebene fügt.
Gar ein manches hat den leuchtenden Turm schon mit dem lichten Vollmonde verwechselt, ging irre oder wurde irre, allein durch die enorme Helligkeit.
Das „Mittelwerk“, wie man ihn von Seiten der Obrigkeit benamt, hat eine ganz eigene Bewandtnis.
Der Rheinstrom ist dortorten noch gar jung – kaum dem Laufställchen des Quellunterlaufs entwachsen, kaum einmal tiefer als vier Dezi Klafter, selten, dass sich ein wackerer Flößer so weit quellwärts untersteht, seine Reise zu beginnen – ein paar Kähne der eidgenössischen Ordnungsmächte, dann und wann ein Lustschiffchen derer, die eher auf Gold, denn auf Rosen gebettet -
Warum das mächtige Leuchten, das gar der Frau Luna Konkurrenz macht?
Schon zu Zeiten, wo sich der wehrhafte Eidgenosse vom Landvogt Gessler nie nichts mehr vorschreiben lassen wollte, begann man dortorten Tunnel, Gänge und Klüfte auszuheben. Solang der schurkische Landvogt mit der vollen Streitmacht derer zu Habsburg sein Wesen treiben konnte, musste man sich auf Listen und Ränke besinnen.
Eine der kühnsten Rankünen bestand in der vollständigen Aushöhlung des eidgenössischen Untergrundes zum Zwecke der clandestinen Kriegsführung. Der gesamte oberirdische Verkehr sollte nach unterirdisch verlagert werden, damit der erzwiderliche Erzschurke Gessler in Diensten der Habsburgischen Endschurken, keinen Zugriff mit seinen Machtmitteln mehr hätte.
So begann die Untertunnelung der Innerschweiz.
„Aber mit des Geschickes Mächten ist kein ewger Bund zu flechten…!“ – die fünf gar heißen Sommer und die sieben milden Winter im Gefolge des Schicksalsjahres 1497 sorgten für ein gar gewaltiges Abschmelzen der benachbarten Gletscher – besonders des Sankt Mons Pubis wie des Innerhodeneisbodens – die Tunnel, Gänge und Klüfte liefen voll Wasser und waren nicht mehr durch Wanderer, Reiter und Ochsen- wie auch Pferdefuhrwerke befahrbar.
So kam deren Nutzung durch submarine Wasserfahrzeuge.
Das Mittelwerk zeigt den eidgenössischen Submarin-Fahrzeugen den Eingang zu den gewaltigen subterranen Tunneln, Gängen und Klüften und diese sowie die Tatsache an sich sind ein ganz gewaltiges Staats-Geheimnis.
Niemand ahnt, dass die Schweizer Marine sich fast vollständig auf unterseeische Operationen spezialisiert hat – und alle Feinde der Eidgenossenschaft werden auf Grund dieser Tatsache ahnungslos in ihr Verderben rennen!

(Ein Gastbeitrag von Bdolf – rheinsein dankt!)

Leuchttürme des Rheins: Gotthard

„… lighthouse might house the key ….” (Van der Graaf Generator)

Auch die Binnenschifffahrt bedarf der Leuchttürme.
Um einen geregelten nautischen Betrieb auf dem Rhein zu gewährleisten, unterhalten die Anrainerstaaten zahlreiche Leuchttürme.
Manche halten es für übertrieben, schon in der Nähe der Quelle einen solchen positioniert zu haben.
Doch handelt es sich um einen der wenigen Leuchttürme der Schweiz und nicht wenige Eidgenossen sind stolz auf diese maritime Errungenschaft.
Auch wenn es auf dem „sehr jungen“ Rhein wenig schifffahrtliche Aktivität zu erhellen gibt –
So werden doch regelmäßig Flöße zu Wasser gelassen und auch das eine oder andere Wasserfahrzeug will sicher geleitet werden, offiziell ist der Rhein bekanntermaßen zwar nur bis Rheinfelden schiffbar, jedoch erfordern zahlreiche geheime navale Militärprojekte der Schweiz eine Befahrung bis weit in die Quellgebiete.
Vor unvordenklicher Zeit stand neben dem Gotthard ein ebensolcher Bergriese, quasi spiegelbildlich. Bekrönt war der Berg – der Teufelsweich – durch die Feste der Hübener, deswegen Hüburg genannt. Auf dem Gotthard stand die Feste der Drübener, entsprechend die Drüburg benamt.
Als der schreckliche Krieg zwischen Hübenern und Drübenern mit der Niederlage der Hübener endete, waren diese gezwungen worden, die Hüburg zu schleifen und das Teufelsweich-Massiv abzutragen. Bis auf den Talgrund.
Die Drüburg ließ man mangels weiterer kriegerischer Verwicklungen verkommen.
Als letztes stand ihr mächtiger Bergfried. Als die Rheinschifffahrt Auftrieb nahm, trug man den Bergfried ab und baute ihn nahe des mächtigen Stroms wieder auf.
Der Einbau einer mächtigen Beleuchtungsanlage verwandelte ihn in einen Leuchtturm.
Als solcher warnt er die Schiffer vor den Untiefen und Klippen von Sankt Sack und weist ihnen den sicheren Weg in die Marina von Bad Wurschel.

(Bdolf, der dunkelste Denker, mit einem Gastbeitrag über maritime Errungenschaften im Ursprungsgebiet des Rheinstroms. rheinsein dankt und verweist zusätzlich auf diesen Eintrag.)

De Kinäs mach d’Rhii gäl!

De Urhahn

Wenn de Urhan balzä düät
Des goht eim siedig heiß ins Blüäd -
Maidli – chum!“

(Gerhard Jung: „De Urhahn“)

He!
„De Kinäs hett de Geli Fluss – un’ mir hän de Rhii“, so denkt sich de Greger Max. Nochdenklich lässt er si Zittig sinke.
„Greger Max“, hießt er bii de jungi Lüt – er striicht doch immer gern durch Mülle, nachts, un’ frogt jungi Lüt, ob sie mit ihm nicht wond mitem heimgo – „er hätt doch au ganz tolli Musik vum Greger Max!“, so said er immer.
Wege sellere Musik vom Greger Max wird er no halt Greger Max gheisset.
G’hirotet isch er scho, aber er macht scho ä arg schwule Iidruck – do denk doch gli, der wott der an die Wäschi go – auch wenn sini Aldi im Neschd nebendra liegt.
Überhaupt sini Aldi… di isch immer im Edeka an de Kass un goscht umenand – ihre Alde goht wenn’s nur goht uff Friburg in die „Regina-Bar“, des isch so ä Puffbar, wo die lose Wiiber mit obe rum nix a umenander hocke, jo, so goschd’s Wib vom Greger Max umenand.
Wenn de selle Kerle nachts triffsch, no frogt er dich au gern: „No sag ämol – kenn mer kaini, die wo de Schlitz quer hätt? Wenn de mir eini bringsch, no kriegsch hundert Mark vu mer.“
Aber obwohl er ä Aldi hätt und immer vu Wiiber schwätzt, macht er doch ä schwuli Iidruck.
Do wärsch bigott froh, wenn e numhes einä zum Mitsuffä sücht und de mit heilem Fidele wieder us dr Stub chömmsch.
Hüt het er ä güäts z’Niini cha – z’schaffä hätt er jo eh nit, d’Chies kummt jo vu d’ Wohlfahrt – und er hätt Zittig gläsä, do hän sie gschriebe, de Kinäs isch ganz mächtig am vorwärts go.
Wütig springt er uff.
„No losemol…“, denkt er do bi sich, „wenn di nu alli chömma – Herrgottsdundergipfel – no wird’s do eng bi üs im Ländle…!“
Uff de Schreck brucht er nu erst ämol ä Chriisiwässerle.
Heidenei, des tüät güäd!
Scho cha er viel besser überlege -
Vu selle Kinäse gits doch glatt Milliarde – he! Wenn selli alli do akomme wodde – Jo leck mich doch am Stengel! Do hätts ni wieder ä Platz nit! Di fresse dr noch’s allerletschd Hoor vom Nischel! Di sinn imstand!
Do müäsch doch ebbis düä! D’Regierung holt am End no die alle ins Land – Und denn wird usm Rhii de Gel’ Fluss!
Uff de Schreck muss sich de Greger Max noch ä Chriisiwässerle extra genehmige…

(Ein Gaschtbeitrag von Bdolf (2013), rheinsein dankt.)