Gorinchem: eine Route voller Gefahren (2)

(…) Auch die beiden Natursteinskulpturen, von denen die heutige Fähre imgorinchem_5Gorinchemer Hafen bewillkommnet wird, standen da noch nicht herum, als Hugo de Groots Bücherkiste eintraf. Trotzdem gibt es mit diesem Befürworter der Meeresfreiheit eine gewisse Bewandtnis, wo doch die Meeresfreiheit grundlegend war für den weltweiten Aufschwung der meeresfahrenden Republik der Niederlande. Wie die Texttafel zu ihren Füssen schon vermuten lässt, sind die zwei ulkigen Figuren koreanischer Herkunft. Koreanische Orte werden traditionell von solchen Schutzgeistern vor Unheil bewahrt. Ihre Anwesenheit an der Pforte der alten Kleinstadt in der Provinz Zuid-Holland will aber nicht auf eine besondere Beziehung zu heutigen Firmen wie Hyundai, Samsung oder LG hindeuten. Die geht nämlich genau auf jene Zeit zurück, als die niederländische Seeflotte die Weltmeere beherrschte. Gorinchem ist der Geburtsort des nebst Guus Hiddink wohl berühmtesten Niederländers in Südkorea: Hendrik Hamel (1630-1692). gorinchem_6Hier ist er immer noch relativ unbekannt, in Korea aber muss man als Niederländer immer darauf gefasst sein, von neuen Bekanntschaften auf Hamel angesprochen zu werden, und auch nicht von ungefähr: Als erster hat er, wenn auch relativ ungewollt, den Westen bekannt gemacht mit dem Land, das sich im 17. Jahrhundert nach verheerenden Erfahrungen mit zuerst dem japanischen, daraufhin dem chinesischen Mandschu-Nachbar, von der Welt abgeschottet hatte.
1653 als Buchhalter des Schiffes Sperwer von Batavia, dem heutigen Djakarta, zum niederländischen Handelsposten Deshima in Japan unterwegs, musste Hamel miterleben, wie das Schiff bei schlechtem Wetter an der Felsenküste einer Insel zerschellte. Das war die koreanische Insel Jeju, den Niederländern als Quelpart bekannt, wenn auch nur zum Verproviantieren betreten. Die 36 Überlebenden der insgesamt 64 Besatzungsmitglieder wurden schon bald von koreanischen Soldaten aufgegriffen und unter Gefangenschaft gestellt, und hätten Korea eigentlich nie mehr verlassen dürfen. Im Laufe der Jahre verstarben die meisten; nur Hamel und sieben seiner Schicksalsgenossen schafften es 1666 vom heutigen Yeosu heraus die Flucht zu ergreifen, woraufhin dank japanischer Vermittlung auch sieben der acht noch in Korea Zurückgebliebenen in Freiheit gestellt wurden. Der Achte soll sich (als einziger) nicht von seiner koreanischen Ehefrau und Kindern haben trennen lassen wollen.
Die Geschichte wäre ohne Folgen geblieben, hätte nicht die niederländische Handelsgesellschaft VOC der Truppe einen ausführlichen Bericht zu ihren Erlebnissen abverlangt. Der wurde dann von Hamel erstellt, und irgendwie, eigentlich wider Willen des Auftraggebers, wurde der Text dann auch veröffentlicht. Zu beachtlichem Erfolg: Das Buch erzielte mehrere niederländische Editionen, sowie auch französische, deutsche und englische Übersetzungen. Bis ins 19. Jahrhundert war das Journael von Hendrik Hamel sogar der einzige im Westen verfügbare Text über Korea. Auch in den letzten Jahrzehnten hat es noch zwei Ausgaben gegeben: 1989 Hollanders in Korea von H.J. Van Hove, sowie 2003 die mit weit stärkeren Begleittexten ausgestattete Ausgabe De wereld van Hendrik Hamel, herausgegeben von Vibeke Roeper und Boudewijn Walraven (gleichzeitig erschien eine englische Fassung, Hamel’s World). Der Erfolg des Textes ist nachvollziehbar, ist er eben eine gelungene Mischung aus mitreißend erzähltem Erfahrungsbericht und so etwas wie anthropologischer Feldforschung, wobei die Sicht aufs exotische Land nie von christlichen Wertschätzungen benommen wird. Auch streckt dem Text zum Vorteil, dass die Schiffbrüchigen eine zeitlang am königlichen Hofe zu Seoul als Leibwächter zu dienen hatten, sich daher im Machtzentrum einigermaßen auskannten. Umso mehr, weil die Truppe dort Unterstützung fand von einem Jan Janszoon Weltevree aus De Rijp, der 1627 schon auf Quelpart von seinem Schiff hinterlassen worden war, sich dann als Waffenkundiger am Hofe emporgearbeitet hatte, den späteren schiffbrüchigen Landsleuten als Dolmetscher und Berater diente. Und wo er dem Hofe den Umgang mit Schusswaffen beibrachte, brachten Hamel und seine Männer den Koreanern das Bauen mit Zement bei.

Das Gorinchemer Museum hat, nach langer Vorbereitungszeit, erst seit diesem Jahr geöffnet, in einem späteren errichteten Haus an der genauen Stelle, wo einst Hamels Geburtshaus stand. Es erzählt mittels in Südkorea hergestellten Maquetten der jeweiligen Aufenthaltsorte im Kurzen die Geschichte von Hamel;gorinchem_7 darunter, wie in diesem Bild zu sehen, das Fort zu Yeosu, Hamels letzte koreanische Bleibe. Pro Maquette sind weiterführende Videos abzurufen. Hier im Foto sieht man links gerade einen Ausschnitt des Yeosuer Hendrik Hamel-Museum, das es noch nicht gab, als ich selber 2002 zur Vorbereitung eines Romans die Stadt besuchte. Das niederländische Museum bietet darüber hinaus noch eine Einführung zur niederländischen Schifffahrt zu Zeiten von Hamel, sowie mehrere Schenkungen aus koreanischen Museen, darunter koreanische Gebrauchsgegenstände und Töpferware, insbesondere eine recht schöne Seladonsammlung. Auch kann man sogar das Originalkonvolut des Hamel-Textes bewundern. Das Ganze wird vervollständigt von einem absonderlichen Raum für Wechselausstellungen koreanischer Künstler. Man wird aber hart dagegen anzukämpfen haben, dass Korea in den Niederlanden immer noch als eine Art Ersatz-China oder Reserve-Japan empfunden wird; bestenfalls als Heimatsort der nördlichen Kim-Dynastie oder als Auto- und Elektroniklieferant Interesse erregt. Daran hat auch die koreanische Filmindustrie oder gar Psy’s „Gangnam Style“, das nicht nur an den amerikanischen Rap, sondern auch an die traditionell koreanische Gesangkunst des P’ansori anknüpft, vorerst kaum etwas ändern können.
gorinchem_8Das breite Lächeln eines der Mitarbeiter bleibt aber als Hoffnungsschimmer. Damit endet hier vorerst auch meine Erkundung des Waals, denn Gorinchem an der Merwede fällt ohnehin schon außerhalb jenes Rahmens. Aber vielleicht regt das Lächeln noch zu weiteren Erkundungen an, entweder der Breite der Merwede entlang, oder gar rückwärtsgewandt: Übersprungenes gibt es ja immer. Man soll sich von einem Thema nicht einbetonieren lassen. Und auf weitere Gänge des tapferen “Ventjager” bin ich eh gespannt. Bis nach Korea wird er es allerdings nicht schaffen. Schade eigentlich.

Der niederländische Autor Lucas Hüsgen erkundet für rheinsein den – oder wie es heute häufiger in Gebrauch ist: die Waal, einen der niederländischen Rheinabschnitte. Diesmal stößt er in einem Zweiteiler bei Gorinchem auf Verbrechen (Teil 1) und Koreanisches (Teil 2).

Die Brücke von Ewijk

Gute zehn Kilometer stromabwärts von Nijmegen findet sich eine Grazie. Sie ist aus Beton. Verbindet sich aber teils mit einer anmutigen Landschaft, in der üppige Weiden sich am Wasser vergnügen, fast als hätte es nie Menschen gegeben, die sie hätten kappen wollen. Und als gäbe es nirgendwo auch nur das geringste Zeichen menschlichen Eingreifens. ewijkDem ist in der Wirklichkeit natürlich nicht ganz so: Den Weiden begegnet man an einem kleinen See im Deichvorland, Teil eines Naturschutzgebietes namens Beuningse Uiterwaarden. Bis vor 25 Jahren jedoch bestand dieses Areal, das sich von der westlichen Stadtgrenze von Nijmegen her über zehn Kilometer entlang des Waal erstreckt, noch aus ökologisch geringwertigen Weideland. 1989 wurde es dann abgegraben und umgekrempelt um dem Fluβ mehr Freiraum zu bieten, so wie gleichzeitig der Natur neue Entwicklungsmöglichkeiten (auch wenn dabei Interessen hin und wieder auf einander prallen: Schutz einer besonderen Salamander-Art vs. Klimawandelmaβnahmen) und den urbanen Menschen Erholungschancen.
Denen ist ein freier Zutritt gestattet, den man wenn erwünscht über die Betongrazie erwirbt. Sie ist nämlich eine Brücke, und zwar die Verkehrsbrücke zu Ewijk. Betrachtet man sie von östlicher Seite her, fügt sie sich geschmeidig in die Landschaft, als wären die beiden seit jeher für einander gemacht worden. Von westlicher Seite her, wo noch die Nutzlandschaft vorherrscht, erscheint sie wie von solcher Zweisamkeit ein Herold, Mahnzeichen für schutzbedürftige Naturschönheit. ewijk_2Eine Brücke bleibt aber immer ein Zweckgebäude. Um sich als solches umso besser zu behaupten, wird sie jetzt (zum ersten Mal seit ihrer Eröffnung 1976) einer weitreichenden Renovierung unterzogen, was aus deutscher Sicht, gewohnt die eigenen Brücken zerfallen zu sehen, wie eine Märchengeschichte aus irgendeinem Schlaraffenland erscheinen dürfte. Es kommt aber noch romantischer. Die ursprüngliche einige Brücke ist nicht länger einsam: Jetzt liegen zwei neben einander, ewijk_3und zusammen tragen sie einen Namen, der sogar auf die historische Bedeutung der ganzen Region verweist: die Tacitusbrücke. Tacitus nämlich berichtet in seinen Historien vom Aufstand der Bataven, ringsherum des heutigen Waal angesiedelt, die gegen die Römer aufbegehrten. Dieser Aufstand breitete sich aus über die ganze Region rundum Noviomagum (Nijmegen) und Colonia Ulpia Traiana, (Xanten). Die Geschichte wird von Tacitus aber nicht zu Ende erzählt: Sie bricht ab an einer ehemaligen Brücke, wo Delegationen der beiden Kriegsparteien sich zu einem Abkommen begegnen.
Es hat eine Weile gedauert, aber jetzt ist sie endlich wiederhergestellt, diese Brücke. Damit auch der Verkehr wieder ungehindert flieβen kann, ewijk_4über diese wichtige Verbindung zwischen Nord und Süd: keine Staus mehr, wie es lange der Fall war. Darüber hinaus ist die Konstruktion der ersten Brücke erneuert und befestigt worden, wo sie doch zu zerbrechen drohte. Und wer sieht denn schon gerne so nah an einem Naturschutzgebiet eine ganze Herde Autos ins Wasser donnern? Die ganze Neugestaltung der Brücke soll für 30 Jahre reichen, wobei natürlich zu hoffen ist, dass sich der Verkehr in Zukunft in Grenzen hält, denn sonst bräuchte man vielleicht irgendwann ein drittes, zusätzliches Teil.
Und die Abgase, und wie steht es um den Klimawandel? Ach, der Fluβ hat eben mehr Freiraum, wenn auch nicht uneingeschränkt. Sowohl stromaufwärts wie auch stromabwärts wird, genauso tüchtig wie an der Brücke selber, an den Buhnen herumgewerkelt. Auch die werden näher ausgebreitet und befestigt, westwärts dabei von weidenden Kühen moralisch unterstützt: Wasserwerke ewijk_5und Viehstapel, holländischer geht’s kaum. Nur, was dürfte jenes unscheinbare, gestreifte Gebäude am Ufer gegenüber wohl auf sich haben? Wenn es auch sieht wie irgendeine Lagerhalle, hat es, noch keine fünf Kilometer von der Tacitusbrücke entfernt, weitreichende Bedeutung für die jüngste Geschichte der Niederlande. Die Wildgänse, die sich zu dieser Jahreszeit wieder sammeln in der Region, kümmert es nicht: Auch die zahmen Gänse des linken Ufers sehen es sich ohne Aufruhr an, als wäre das Kapitol sicher wie eh und je. ewijk_6Es hat aber mal Zeiten gegeben, wo am rechten Ufer Menschenmassen kundtaten von der Angst, die Sicherheit der Niederlande wäre von gestreiften Bauten bedroht.
Darüber mehr im nächsten Beitrag.

(Lucas Hüsgen erkundet für rheinsein den Waal in Text und Bild. Mehr über den niederländischen Autor und Übersetzer auf seiner Website.)

Bemerkung über den wahren Lauf des Rheins, und über die physischen Ursachen seiner Dauer.

Nach Emiland Estienne’s Aufsatz im 2ten Bande der Annales de Statistique S. 14

Man ist in Frankreich ganz allgemein der Meinung, dass der Rhein am Gotthardsberge entspringt: das ist ein Irrthum. Wenn man sagt, dass man über den Gotthardsberg geht, so versteht man, wie Saussure und alle Alpenbewohner, jenen erhabenen Rücken, welcher das Thal Urseren von dem Thale Levantine, zwischen dem Dorfe l’Hopital gegen Norden, und dem Dorfe Ayrolo gegen Süden scheidet. Nun, die berge, auf welchen die Quellen des Rheins liegen, sind vom Gotthardsberge ganz unterschieden, welcher wenigstens drey Myriameter (beynahe 6 Meilen) von der nächsten Rheinquelle entfernt ist.
Der Rhein, lateìnisch Rhenus, entspringt auf den Bergen von Graubünden, wo er drey unterschiedliche Quellen hat, welche aber durch die regelmässige Schmelzung des Eises und durch die Herabsenkung der Wolken, die der Wind dahin treibt und der beeiste Gipfel dieser hohen Berge anzieht, ihre Entstehung und Dauer erhalten.
Die erste dieser Quellen , oder vielmehr jene, die am meisten gegen Norden liegt, ist unter dem deutschen Namen Vorderrhein, Nieder- und Unterrhein bekannt; diese Quelle entsteht aus vielen kleinen Bächen, welche durch ihre Vereinigung einen Gussbach formiren, in einer Spalte des Cima del Badur, welches der höchste von allen jenen Bergen ist, die zusammen das, was man Crispalta nennet, das ist, jene Gebirgskette ausmachen, welche gegen Westen Graubünden von dem Thale Urseren scheidet.
Die zweyte Quelle, welche den Namen Mittel-Rhein fUhret, kömmt vom Cadelin, der einen Theil des schrecklichen Luch- Mannier ausmacht.
Nach einem Laufe von sieben bis acht Meilen fällt diese Quelle in den Unter-Rhein, nahe bey der Abtey Disenty. Endlich die dritte Rheinquelle, oder der Hinter-Rhein (hohe Rhein), welche am meisten gegen Süden, und eben desswegen von seiner Mündung am weitesten entfernt liegt, entspringt am Vogelberge, Colme dell’Uccello, und vereiniget sich mit den andern zwey Aesten bey dem Schlosse und der Brücke Reichenau, von wo der Rhein seinen natürlichen Lauf gegen Coire nimmt, wo er anfängt schiffbar zu werden, das Rheinthal von Tyrol scheidet, und sich in den Konstanzersee ergiesst, bey Stein aus diesem See herausgeht, von hier seinen Lauf gegen Westen nimmt, dann bey den Mauern von Diessenhofen und Schaffhausen vorbeyfliesst, eine kleine Weile unterhalb dieser letzten Stadt den berühmten Wasserfall zu Lauffen bildet, wo das Wasser bey 15 metres hoch sich mit sehr grossem Geräusch zwischen Felsen hinabstürzt, Waldshut, Lauffenbourg, Seckingen und Rheinfelden bewässert, nach Basel kömmt, welches er in zwey sehr ungleiche Theile vertheilet, dann die Sçhweitz verlässt und indem er seinen Lauf nach Norden richtet, Frankreich von Deutsehland scheidet bis auf die Gränzen Bataviens, wohin er noch bis drey Kilometres über die Schenkenschanz hinausgehet.
Kaum kommt der Rhein in das Batavische Gebieth, so theilt er sich in zwey Arme , einen südlichen und einen nördlichen, mittels eines Kanals (der, neue Kanal genannt) der im Anfange des letzten Jahrhunderts bey Panderen, einem beylaufig einen Myriameter oberhalb Niwegen gelegenen Dorfe, errichtet worden ist.
Der südliche Arm, oder der Waal, nach einen Lauf von einigen Meilen über Niwegen, Thiel und Bommel, vereinigt sich bey Fort André mit der Maas, und bildet durch diese Vereinigung die Insel Bommel, unterhalb welcher der Waal und die Maas sich neuerdings vereinigen und unter dem Namen der Merwe fortfliessen, die sich nachdem sie bis unterhalb Gorcum gekommen, südlich in eine grosse Anzahl Aeste ausbreitet, welche eine Menge kleiner unter dem flamandischen Namen Waarden bekannter Inseln machen, hernach fliesst dieser Fluss nordwestlich gegen Rotterdam, wo er den Namen Maas wiederum annimmt, und gegen Briel geht, und sich da in das Meer ergiesst. Der nördliche Arm erhält den Namen Rhein. Kaum kömmt er auf die Höhe von Arnheim, dem vornehmsten Orte des batavischen Départements von Geldern, so zertheilt er sich neuerdings, um den neuen Yssel zu formiren, der seinen Lauf nördlich gegen Doesburg richtet, wo der alte Yssel, der von den westphälischen Gebirgen herabkömmt, sich mit ihm zu einem einzigen Flusse vereiniget, welcher dann in den Zuiderzée fällt.
Der zweyte Theil des Rheins aber theilet sich bey Utrecht wieder in zwey Arme, deren einer sich gegen Norden unter dem Namen Vecht wendet, und bey Veesp und Muyden vorbeyfliesst, und in den Zniderzée fällt.
Der andre Arm, der den Namen Rhein behält, geht seinen natürlichen Lauf durch Woerden, und entladet sich, ehe er nach Leiden kömmt, eines beträchtlichen Theils seines Wassers, das durch drey verschiedene Gänge iu den Harlemersee ausfliesst.
1) Durch den Heimans-Water, einen Kanal, welcher beym Dorfe Oudshorn N. Oe. von Alpher anfängt, und an den Drasemersee endet, der mit dem Harlemer durch einen eine halbe Meile langen Kanal verbunden ist.
2) Durch den Does, einen andern Kanal, der westlich eine Meile von Leyden anfängt, und gleichfalls an den Brasemersee endet.
3} Endlich durch den Kromezyl bey Leyden, der in das Kager-Meer, oder in den Kagersee fällt, welcher ein Busen oder eine Ausdehnung des Leydnersees ist, der einen Theil des grossen Harlemersees ausmacht.
Also geht der Rhein, nachdem er 0,900 seines Wassers vertheilet, nach Leyden, und verliert fich in den Catwykschen Sandhügeln, deren Entstehung im Jahre 860 den Aussluss dieses Flusses ins Meer zerstöret hat.

(Archiv für Geographie und Statistik, ihre Hülfswissenschaften und Litteratur mit vorzüglicher Rücksicht auf die österreichischen Staaten: Verfasset von einer Gesellschaft Gelehrten u. Hrsg. Von Joseph Marx Freiherrn von Liechtenstern, Wien 1802)

De Hollandsche natie. (Voorgezang.)

Bardenzang.
Koor van Barden.

Barst los! Bezielt u, heilge soaren!
De lofzang ruisch’ deze eiken rond:
‘t Gevoel stroome uit u hart, gewijde priestrenscharen!
Heft aan, o Wodans harpenaren!
‘t Geld de eer van d’ouderlijken grond.

Twee Barden.

(…) Wat oorden, in zijn kronklend zwieren,
De Rijngod met zijn urn bespaat,
Het schoon gewest der Batavieren
Schenkt hij een’ dubblen waterschat.
Waar wrocht natuur ooit schooner weiland,
Dan hier, op dit gelukkig eiland?
De grond biedt hier een zee van graan,
‘t Wild springt in schaauw der eiken kruinen,
En ‘t strand schenkt ons zijn eeuwge duinen
Ter borstweer tegen d’oceaan.
Roemt, Romers! op uw lauwerbosschen!
Onze eik staat als der boomen vorst.
Wat pocht ge op purpren druiventrossen!
Het nat des Rijns lescht ook den dorst.
Wat stoft ge op marmren schouwtooneelen!
Daar moet gij, slaven! zelf op spelen,
Bevallig sneven naar de kunst!
Gelukkig, zoo gij, in uw sterven.
Een nietig oogmerk moogt verwerven,
Een schandlijk blijk van ‘s dwinglands gunst. (…)

(Das Lob der Bataver, der germanischen Frühbevölkerung der Niederlande, im Vorgesang von Jan Frederik Helmers’ Epos „De Hollandsche natie“, in einem exemplarischen Ausschnitt. Die Barden preisen das konservativ-erdverbundene Germanentum im Abgleich mit dem römischen Fortschritt: der Rheingott sorgt für alles Notwendige, das Eigene ist das Wahre und Gute, das Fremde überflüssiger Bockmist. Die Dünen bilden das mehrdimensionale Elektroenzefalogramm der rheingeäderten Volksseele. Helmers trotzige Spitze, der Bataver habe, weil er das Rheinwasser besitze, den Wein nicht nötig, findet gleichsam vorab bei Tacitus ihre Relativierung: “Potui umor ex hordeo aut frumento, in quandam similitudinem vini corruptus: proximi ripae et vinum mercantur. Cibi simplices, agrestia poma, recens fera aut lac concretum: sine apparatu, sine blandimentis expellunt famem. Adversus sitim non eadem temperantia. Si indulseris ebrietati suggerendo, quantum concupiscunt, haud minus facile vitiis quam armis vincentur.”)