Die Rheinkiesel-Kultur

“Liebes rheinsein,

der Weg ist das Rad, das seine Kreise absolviert, solang der Pedaltritt kräftig genug ist – lernt man auf dem über 1000 Kilometer langen EV15 (1). Droht jedoch die Symbiose zwischen Wille und Muskeln zum Stellungskrieg zu werden, in dem dem “Ich will” das “Ich kann nicht mehr” gegenübersteht, bleibt nichts anderes übrig als den Sattel würdevoll zu verlassen, und anstatt den Ehrgeiz auf dem heißen Asphalt sinnlos schmelzen zu lassen, den strapazierten Muskeln und dem stumpfsinnig geworden Hirn eine Pause zu gönnen. So lernten wir auf einer Etappe Mr. Airon kennen. Mr. Airon ist der stolze, doch recht zurückgezogen lebende, kamerascheue Besitzer des “Musée régional” in einer Ortschaft im Département Bas-Rhin.

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Ihn ausfindig zu machen fordert Geschick und Ausdauer. Leicht zu verfehlen sind die geschlossenen Fensterladen mit der verwischten und abgeblätterten Inschrift, die auf das Museum hinweist, doch keinen Eingang erwähnt. Nach mehreren Versuchen gelangten wir tatsächlich ins einräumige Sanctum sanctorum. In Kisten, Kartons, Schubladen aufbewahrt, auf Regalen gestapelt, dicht nebeneinander an die Wände genagelt, geschraubt, geklebt, zusammengeschnürt, am Boden liegend oder von der Decke hängend warten Mr. Airons Sammelstücke (erworben oder gefunden), wenn nicht unbedingt auf den Besucher, dann auf die Verdichtung der Staubschichten, oder wie der Besitzer halb ironisch mitteilt: die nächsten Flügelschläge eines Engels. Langsam ans Halbdunkel gewöhnt, entdeckt das Auge dem Rost ergebenes Eisen, von Würmern befallenes Holz, von Schimmel überzogenes Leder, primitive agrarische Geräte, post-industrielle Werkzeuge, Postkarten, Fotos, Jagd- und Angeltrophäen, ausgestopfte Nagetiere und Vögel, in Formalin schwebende Reptilien, mit Nadeln befestigte Insekten, Flußkrebse, Knochen, Federn, getrocknete Pflanzen, und zuletzt Gesteine verschiedenen Ursprungs.

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Unermüdlich durchkreuzt Mr. Airon die Umgebung beider Rheinufer mit seinem Dreirad, besucht Kiesgruben, Sümpfe, Felder, Antiquariate. Sorgfältig gräbt er in Sand und Erde, erkundigt Flohmärkte, erforscht Wälder, verhandelt, tauscht mit Gleichgesinnten. Seine Sammlung führt den Besucher tief durch die Zeiten, von der modernen Antiquität bis hin zum Objekt “von vor sehr langer Zeit”, versichert uns der Inhaber, auch wenn er für die Datierung stärker seinem Instinkt vertraut als irgendwelchen wissenschaftlichen Verfahren, und seine Funde mittels einer großzügigen “Plus-Minus”-Bandbreite einschätzt. Man mag sich schnell über die Echtheit diverser Fossilien seine Gedanken machen, wie auch über manchen Kieselstein, welchen Mr. Airon zwischen Jungpaläolithikum und Neolithikum einordnet. Darunter dieses Exemplar, das er, mutig auf eine morsche Leiter kletternd aus einer Schachtel zog, und auf dessen Oberfläche er das Sternzeichen Lyra zu erkennen meinte, wenngleich ungenau dargestellt.

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Natürlich hatte der prähistorische Mensch nicht an Lyra gedacht. Was er tatsächlich sah oder sich vorstellte, wird uns für immer verborgen bleiben. Vielleicht korrespondierte einfach das Erscheinen der Konstellation bzw. seines Hauptsterns im April mit bestimmten Veränderungen am und im Fluß, vielleicht schmeckte das Wasser (angereichert mit Mineralien aus der Schneeschmelze) besser als sonst und hatte sogar positive Wirkungen auf die Gesundheit. Vielleicht tauchten bestimmte Fischarten auf? Auch wäre zu berücksichtigen, daß Lyra im Sommer kulminiert: schön sind die Tage, warm und hell, gemeinhin Zeit für Schöpferisches – warum also nicht den Fluß, an dessen Ufer man lebt, nachahmen? Wer sonst als ein begabter früher Rheinanwohner könnte diese magischen Motive auf den Stein gezaubert haben? Auf diese Weise hätte entstehen können, was Mr. Airon “so etwas wie eine “Rheinkiesel-Kultur”" zu nennen pflegte, die später mit der Michelsberger Keramik ihren Höhepunkt fand.

In Hochachtung und mit freundlichen Grüßen,
Ihr Marcel Crépon”

***

(1) EV15: EuroVelo 15 (Rheinradweg)

Straßburg (2)

strasbourg_archives departementalesForm und Struktur: Fassade der Archives départementales du Bas-Rhin

strasbourg_fachwerkFachwerk auf gestückeltem Fenstervorhang im Gerberviertel La Petite France

strasbourg_fleischfarbene schollenBeliebt sind Wandanstriche, die mit dem rosa Vogesensandstein des Liebfrauenmünsters korrespondieren: Hämatom- und Hausschweinfarben

strasbourg_illDie schlammbraune Ill wirft wilde Muster

Monsieur Crépon erkundet das Elsaß (5)

abb06Schàrel Grians: Le cours du Rhin / Der Rheinlauf

“(…) Die Idee war, dieses ”Stück” der Muttererde einzudrücken und die damit erzeugten kleinen Gräben mit Rheinwasser zu füllen. Doch billig war das nicht zu bekommen. Also überlegte Grians sich etwas anderes. Zunächst dachte er daran, den Rheinlauf aus einem Brett herauszuschneiden, doch versagte seine Stichsäge, gefolgt von seiner Geduld, als er sich wohl oder übel mit Hammer und Beitel ans Holz machte. Zuguterletzt sah er keine andere Lösung, als seine Zeichnung neu zu skalieren und mit einer Gartenschaufel in den Boden zu graben. Als seine Frau spitz bekam, daß Schàrel mit seiner Kreativität den Garten zu verstümmeln drohte, widersetzte sie sich vehement – der Garten war ihr Gebiet.

Der Garten! Eine größtenteils mit Unkraut bedeckte Ödnis, den sie von ihrem Ur-Großvater (ja, der, der so angeekelt war von diesem Stück undankbarer Erde, daß er sich als Goldwäscher in der Gegend versuchte, und die paar Francs die er damit verdiente, versoff wie ein ungläubiger Bürgermeister (9)), geerbte hatte, und der höchstens ungenießbare Kartoffeln ausspuckte… Ein Vorwurf, den Madame Grians schlagartig konterte: ihre Ahnen hätten wenigstens den Rhein gesichtet, anders als die seinen (10), die nie über die Tränke ihrer Kühe hinausgeschaut hätten…

Er: Und wer schoß im Sumpf wie’n wilder Bischof Biber, Otter und Schwäne (11), um sie auf dem Markt als Stallkaninchen oder Huhn zu verkaufen, wenn nicht dein Großvater?
Sie: Und wer denunzierte Maillet? Wie ist Maier im Knast gelandet? (12)
Er: Und wer behauptete, den Platz zu kennen, an dem der duc d’Enghien (13) am Rheinufer gesessen hatte, schmerzerfüllt in Tränen ausbrach, und nichtsdestotrotz stoisch urinierte? Wer ließ die verblüfften Touristen zahlen, damit sie sich vor zwei vergilbten Binsen verbeugen könnten?
Sie: Und hinter welcher Tapete (14) hat deine Tante ihre Jungfräulichkeit verloren?
Er: Und wer klaute die Steine der Befestigungsanlage (15), nachdem sie abgebrochen worden war?
Sie: Und wer drohte, sich von der Brücke (16) in den Rhein zu stürzen, weil seine Frau es mit dem Gehilfen des Consumgeschäfts (17) und sonst wem trieb?
Er: Und wer machte krumme Geschäfte mit Rohan (18)?
Sie: Und wer warnte 1870 die Preußen (19)?
Er: Und wie viel habt ihr 1938 kassiert, als ihr eure Grundstücke am anderen Ufer freiwillig an Kuhn (20) verkauft habt?

emmaseimerLes seaux d’Emmele / Emmeles Eimer

Danach kam nichts mehr. Diese Beleidigung war wirklich nicht zu überbieten. Einen Augenblick fürchtete ich, daß beide aufeinander losgehen würden, um sich gegenseitig zu erwürgen. Doch stattdessen brachen sie in Gelächter aus, und Grians erzählte ruhig weiter. Er hatte Emmele versprochen, das benötigte Wasser mit einigen ihrer ”Eimerchen“ zu schöpfen; davon geschmeichelt hatte sie ihre Zustimmung erteilt. (…)” (Fortsetzung folgt)

(9) “Werde ich angeklagt dass ich am Palmsonntag sie grob bengell und knoepff gescholten ; antworte ich, nit der gestalt, sondern faule geselle, habe ich sie geheisssen, weillen der burgermeister und andre auss dem rath auff den heiligen ostersambstag bitz umb 11 uhren in der nacht gesoffen.” (Der streitbare Pfarrer Nicolas Puetz im Jahre 1625 nach: Rodolphe Reuss, L’Alsace au dix-septième siècle : au point de vue géographique, historique, administratif, économique, social, intellectuel et religieux, Tome 2 (Paris, 1897-1898))
(10) “Le Rhin est certes une frontière naturelle, le plus incontestablement. Mais il ne l’est pas plus qu’aucun autre obstacle naturel. Un obstacle est une frontière ou non suivant le degré de mobilité humaine. Une limite toute de convention est au contraire une très bonne frontière, si le consentement mutuel, qui l’admet comme tel est sincère. Le Rhin n’a pas, dans la plaine rhénane, la figure linéaire impérieuse, qu’on lui voit sur les cartes à petites échelles. Il s’y cache sous des taillis. En Alsace, on ne le voit presque jamais. Rhinau doit peut-être son nom à une interruption forfuite des taillis, qui laisse entrevoir le fleuve ordinairement dissimulé. Nous avons rencontré de vieux Alsaciens demeurés en Alsace, qui n’avaient jamais vu le Rhin…” (Jean M. Tourneur-Aumont, L’Alsace et l’Alemanie : origine et place de la tradition germanique dans la civilisation alsacienne : études de géographie historique (Nancy-Paris-Strasbourg, 1919))
(11) ”Du temps d’Ichtersheim, qui écrivait en 1710, les grandes îles boisées du Rhin entre Rhinau et Strasbourg contenaient encore beaucoup de castors ; l’évêque et ses chanoines prenaient plaisir à les chasser en même temps que les loutres, les bêtes noires, les cygnes sauvages et les oiseaux aquatiques.” (Charles Gérard, Essai d’une faune historique des mammifères sauvages de l’Alsace (Colmar, 1871))
(12) ”Bulletin de l’étranger (Dépêches Havas et renseignement particuliers) Alsace-Lorraine. „Le tribunal de Strasbourg a, dans son audience du 23 mars, condamné à deux mois de prison Georges Maillet, jardinier à Rhinau, qui avait tenu publiquement des propos offensants à l’adresse de l’empereur d’Allemagne. Joseph Maier, originaire de Wurtemberg cordonnier à Strasbourg, a été condamné à trois mois de prison pour avoir commis le même délit.” (Le Temps 29 mars 1889)
(13) “Embarqué pour Rhisnau. Débarqué et marché à pied jusqu’à Pfortsheim.” (dans : François-René de Chateaubriand, Mémoires d’outre-tombe, 1849-1850) – von einem längeren Aufenthalt in Rhinau ist also nicht die Rede, geschweige denn von melodramatischem Tränenvergießen!
(14) Madame Grians kennt ihre Klassiker, wenngleich ihre Interpretation des goetheschen Entzückens vor den Tapeten, welche dereinst den Pavillon Marie-Antoinettes auf einer Insel bei Rhinau dekorierten, als sehr eigen bezeichnet werden darf
(15) ”(1421, Zug vor Rheinau.) – Danach zogen die von Strassburg vor Rheinau, und schossen die mauer zum sturm, dass ihrer wohl 40 hinein konnten. Den andern abend wollten sie stürmen, hielten aber keine rechte ordnung ; es wurden viel erschlagen, und ein Wormser im graben gefangen. Den andern tag zogen sie unverrichtet wieder heim.“ (Daniel Specklin)
(16) Frau Grians übertreibt wohl, wo sie von “stürzen” spricht, siehe Abbildung:
abb07(17) Bis zum Ersten Weltkrieg existierten in Rhinau mindestens zwei Consumgeschäfte: Flecher und Röttelé. Welches hier gemeint ist, bleibt unklar.
(18) „Au général Clarke, L’hospice civile de Rhinau, département du Bas-Rhin, possède, citoyen général, en propriété sur la rive droite du Rhin, ban de Rouenweyer, au cercle de Souabe, 83 arpens et 3/4 de terres labourables, et 4 arpens de prairie, outre une redevance annuelle et foncière de quarante-huit réseaux de seigle, due par la commune de Rouenweyer. Le cardinal de Rohan s’est emparé, depuis la guerre, de la jouissance destites terres et rentes : il s’en prétend même propriétaire. Il est essentiel que l’hospice civil de Rhinau rentre dans ses biens, et même qu’il soit indemnisé de la perte qu’il a soufferte depuis que le cardinal de Rohan s’en est emparé. Il importe que ces articles ne soient point oubliés dans le traité de paix à intervenir avec l’Empire. Je les recommande, citoyen général, à votre intention. Ch. Mau. Talleyrand” (Dans : Correspondance inédite, officielle et confidentielle de Napoléon Bonaparte avec les cours étrangères, les princes, les ministres et les généraux français et étrangers, en Italie, en Allemagne et en Egypte. Tome VII (Paris, 1820))
(19) “Le même jour [18 août], le maire de Rhinau recevait l’ordre de rétablir l’ancien bac. Ce magistrat, aussitôt dénoncé au commandant supérieur de Neuf-Brisach pour s’être concerté avec le bourgmestre badois de Kappel, vint se justifier auprès du sous-préfet de Schlestadt qui le retint quelques jours [Il était impossible de rendre ce magistrat responsable d’une situation qui était le fait des circonstances plus que de sa faiblesse]. Pendant sa détention, le bac était rétabli, sans résistance de la part des habitants ; placé sous la garde d’un faible poste prussien, il recommença à fonctionner le 25. (…)” (La Guerre de 1870-71 (Paris, 1901-1914) Vol. 30 : Organisation et opérations des forces de seconde ligne dans l’Est avant le 4 septembre 1870 (1908))
(20) ”En dépit des traités. Le Reich exproprie des terrains appartenant à la commune de Rhinau (Bas-Rhin) pour édifier des fortifications. Strasbourg, 5 juillet. – Demain à midi, se tiendra à la mairie de Kappel (Pays de Bade), une séance au cours de laquelle le conseiller d’intendance Kuhn, de Berlin, prendra les premières mesures devant aboutir à l’expropriation de la commune française de Rhinau (Bas-Rhin). Depuis un siècle, cette commune possède un millier d’hectares sur la rive droite du Rhin. La possession de ces terrains communaux était garantie par le traité de paix et un accord spécial du 14 août 1925. Le conseiller d’intendance Kuhn a avisé le maire de Rhinau que l’expropriation va se faire à la requête du fisc militaire allemand, afin d’y édifier des fortifications. Le maire français, invité à se rendre à Kappel, a décliné l’invitation. L’Allemagne considère l’accord d’août 1925 comme nul et non avenu. Elle le dénonce, elle le suprime purement et simplement, en se réclamant d’une loi du 29 mars 1935 concernant l‘”acquisition de terrains dans un but de défense nationale.” (L’Echo d’Alger : le 6 juillet 1938 (N°10196))

Das Wasser von Benfeld

„Je me trouvais à Benfeld, petite ville du Bas-Rhin, le 21 Mai 1826, quand j’appris, pour la première fois, de M. le docteur Dürwel, l’un des plus anciens médecins de cette ville, et de divers particuliers, qu’il existait, auprès du moulin de Rhinau, une fontaine sulfureuse froide, de laquelle on m’avait apporté, pour me les faire voir, des feuillages qui, par leur séjour dans cette eau, s’étaient imprégnés d’une couche blanche qui donnait l’odeur distincte du soufre dans la combustion, et de laquelle on espérait quelque médication dans les maladies de peau ; on ajoutait que des enfans, ayant bu de l’eau de cette fontaine par curiosité, avaient éprouvé des coliques, et en avaient été gravement incommodés. Je me décidai sur le champ à aller visiter cette fontaine, éloignée de Benfeld d’environ quatre lieues. Arrivé au moulin, dont le propriétaire, M. Wachenheim, s’est prêté à toutes mes recherches avec la plus grande honnêteté, je reçus de lui la confirmation de tout ce que j’avais appris à Benfeld ; j’appris de l’un de ces fils qu’il y avait environ sept ans qu’il connaissait la fontaine, et l’on me présenta une fiole de cette eau, puisée depuis un mois, qui n’avait plus ni goût ni odeur. Manquant de réactifs, je m’avisai d’en préparer d’extemporanés ; je râpai dans de l’eau la pelure rouge du radis qui lui donne une couleur violette, qui se change en rouge avec les acides, et en vert avec les alcalis, et que je sais par expérience être un bon réactifs ; je fis préparer une forte lessive de cendres filtrées, et je me munis d’un vinaigre très-fort ; après quoi nous nous dirigeâmes vers la fontaine.

Elle est située à douze ou quinze pas du moulin, entre un petit bras du Rhin et un canal tiré de ce fleuve pour mouvoir le moulin. Cet espace est formé d’anciens fascinages exécutés, il y a environ quarante ans, pour se mettre à l’abri des innondations. La surface de cette espèce d’île est recouverte d’une couche épaisse de chenevottes provenant du moulin, qui est en même temps moulin à farine, à chanvre et à huile. L’eau dite minérale sort du pied de ce fascinage et coule dans le fleuve ; elle a son origine du côté de l’est, par conséquent d’où vient le canal. Ce lieu est situé dans une vaste plaine sablonneuse, produt des alluvions du fleuve, éloignée de toute montagne et de toute roche. En approchant de la source, on sent une odeur hépatique désagréable, et l’on voit l’eau couler sur un fond noirâtre, garni de débris de petits morceaux de
bois charbonnés, de feuilles, et de roseaux enduits d’une couche blanche à la surface. Odeur d’hydrogène sulfuré ; saveur idem, mais moins prononcée que l’odeur ; couleur naturelle et diaphane. Une pièce d’argent, jeté au fond de la fontaine, a d’abord jauni, puis noirci ; la teinture violette n’en a éprouvé aucune altération ; la lessive de cendres n’a produit aucun précipité ; l’acide acétique, mêlé et agité avec cette eau, a donné une très-légère pellicule, en produisant de l’onctuosité sur les doigts qui y étaient trempés, et l’odeur du gaz a été neutralisé. J’ai répété les mêmes expériences avec l’eau du canal dérivé du Rhin : il n’y pas eu de différence avec la teinture violette et la lessive de cendres : mais l’acide acétique n’y a produit aucune altération.

L’on m’avait dit au moulin que les poissons qu’on jetait dans la source y étaient asphyxiés, et je priai M. Wachenheim de répéter l’expérience; il y en eut effectivement plusieurs, gros et petits, qui, y ayant été jetés en ma présence, étant très-vivaces, commencèrent d’abord à souffrir, et avoir des mouvemens convulsifs, puis ils cessaient de se mouvoir, et se renversaient, reprenant insensiblement la vie dès qu’on les retirait de cette eau pour les plonger dans celle du Rhin, et la perdant derechef quand on les rejetait dans l’eau sulfureuse, ce qui fut répété un grand nombre de fois. Après avoir achevé ces expériences, je rempli dans la source une bouteille propre, qui fut bien bouchée, pour la transporter à Strasbourg, et l’examiner ultérieurement. (…) Nous sommes en droit de conclure (…), que cette eau, dite minérale, n’est autre chose que l’eau filtrée du canal voisin, imprégnée, à sa surface, d’un haz hydrogène sulfuré et darboné, qu’elle abandonne aussitôt qu’elle est exposée à l’air libre, et qu’elle doit ce gaz à la décomposition lente des substance végétales à travers lesquelles elle a passé dans un trajet oblique de dix à douze mètres seulement. (…)

Il se présente une difficulté, celle de savoir pourquoi il y a des eaux qui perdent leur gaz aussitôt qu’elles sont exposées à l’air, et pourquoi d’autres les conservent long-temps. Ne peuton croire que (…) celles du moulin de Rhinau, n’en ayant été chargées que pendant un trèscourt trajet, n’ont pas eu le temps de s’en impreigner complètement, et qu’il y est resté
superficiellement, au lieu que, dans un très-long trajet, le mélange est beaucoup plus complet? Cette analyse, de quelque peu de conséquence qu’elle soit, m’a prouvé, par les comparaisons que j’ai dû faire, que l’eau du Rhin, lorsqu’elle n’est pas trouble, est très-pure, et n’a pas la propriété qu’on lui attribue, de donner naissance au goître ; tumeur dont la cause occasionnelle réside plutôt dans les brouillards, si fréquens sur les rives du fleuve, et auxquels sont presque continuellement exposés les habitans de ces lieux. Quant à la propriété médicatrice des maladies de peau, qu’on s’était imaginé de pouvoir donner à cette eau gazeuse, je la crois entièrement nulle, puisque les gaz s’évapore aussiôt, et que les matières qu’il dépose sont en trop petites quantité ; aussi ai-je dissuadé le maître du moulin d’y faire aucune établissement, comme je crois qu’on le lui avait insinué.“

(François-Emmanuel Foderé : Notice. Sur une fontaine contenant du gaz hydrogène sulfuré et carboné, qui est située sur les bords du Rhin, au moulin de Rhinau, avec quelques réflexions sur la gazification des eaux. Dans : Journal de la société des sciences, agriculture et arts, du département du Bas-Rhin, Strasbourg 1826)

Von der Wasserqualität am Oberrhein

“L’opinion à Strasbourg et dans quelques localités est contraire à l’usage de l’eau du Rhin ; on l’accuse d’être indigeste, de produire le goître et le crétinisme, la fièvre intermittente et d’occasionner des diarrhées. Mais cette opinion populaire s’applique moins à l’eau prise dans le fleuve même, dont l’usage est trop exeptionnel pour avoir une influence étendue, qu’à l’eau des puits alimentés par le Rhin.”

(In unserer Übersetzung: “In Straßburg und einigen Ortschaften ist man gegen den Gebrauch von Rheinwasser; es wird für unbekömmlich gehalten und soll Kröpfe, Kretininsmus, Wechselfieber und Durchfallerkrankungen verursachen. Aber diese verbreitete Meinung bezieht sich weniger auf das direkt dem Fluß entnommene Wasser, das viel zu selten verwendet wird um größeren Einfluß auszuüben, als vielmehr auf Brunnenwasser, das aus dem Rhein gespeist wird.”)

(Victor Stoeber, Gabriel Tourdes: Hydrographie médicale de Strasbourg et du département du Bas-Rhin, Strasbourg 1862)

Wissembourg (2)

Wissembourg gehört zum Départment Bas-Rhin und liegt zugleich am äußersten Rand des Oberrheintals. Die unterschiedliche Rhein-Nomenklatur dies- und jenseits des badisch-pfälzisch-elsässischen Grenzverlaufs mag zu leichten Verwirrungen führen. Wissembourgs Altstadt lockt Grenztouristen mit kulinarischen Angeboten wie “Dampfnudels façon grand-mère”, “FroscheSchenkel”, Presskopf, Baeckeoffe und natürlich Flammkuchen. Zahlreiche Winkel sind als Idyllen angelegt. So bietet die kleine, leicht zu übersehende und deswegen an ihrem Eingang mit dem Hinweis “Vue pittoresque sur la Lauter à 20 m.” versehene Schlupfgass’ den wohl heimeligsten Straßenblick Wissembourgs auf sein Flüßchen, das sich zwischen Deutschland und Frankreich lange nicht entscheiden mag, bis es schließlich im Rhein aufgeht. Besonders bekannt ist Wissembourg für musische Ausbrüche seiner Besucher:

wissembourgL’assassinat du soleil couchant / Die Ermordung der Abendsonne. Spontanes Straßentheater im Schutz der historischen Stadtmauer.

Der Rhein für die gebildeten Stände (3)

Der Rhein durchfließt zuerst Graubündten, macht die Grenze zwischen dem vorarlbergischen Kreise und dem schweizer. Cantone St.-Gallen, scheidet dann, nachdem er den Bodensee verlassen hat, das Großherzogthum Baden und die Schweiz, von Basel an, wo er sich nördl. wendet, dasselbe Großherzogthum und die franz. Departements des Ober- und Niederrheins, sowie den Rheinkreis des Königreichs Baiern; durchströmt nun das Großherzogthum Hessen, das Herzogthum Nassau, die preuß. Provinz Rheinland und zuletzt die Niederlande. Die vornehmsten in denselben sich ergießenden Flüsse sind: die Aar, die Jll, die Kinzig, Murg, der Neckar, der Main, die Nahe, Lahn, Mosel, Erft, Ruhr und Lippe. Viele beträchtliche Städte liegen an seinen Ufern, so in der Schweiz und Deutschland: Konstanz, Schaffhausen, Basel, Alt-Breisach, Speier, Manheim, Worms, Mainz, Bingen, Koblenz, Neuwied, Bonn, Köln, Düsseldorf, Wesel und Emmerich. An Fischen ist der Rhein sehr reich. Man fängt darin Salmen, welche im Frühlinge im Hinaufsteigen aus der See Lachse, hernach aber, wenn sie sich gegen den Herbst wieder nach dem Meere zu wenden, Salmen genannt werden, Rheinstöre, Neunaugen, Hechte, Karpfen, oft zu 20 Pfund schwer u.s.w. An Federwildpret hält sich auf den unzähligen Rheininseln und dessen Ufern eine Menge verschiedener, oft seltener Gattungen auf. Auch führt der Rhein etwas Gold unter seinem Sande, welches theils aus dem Gebirge Helvetiens, theils aus dem des Schwarzwaldes kommt. Eine vorzügliche Wichtigkeit, besonders für das westl. Deutschland, hat der Rhein durch die Schiffahrt. (S. Rheinschiffahrt und Rheinhandel.) Er wird von Chur in Graubündten an befahren; unter Schaffhausen fängt die bequemere Schiffbarkeit des Stromes an; allein die größere Rheinschiffahrt mit schwer beladenen Schiffen beginnt erst bei Speier. Von Strasburg bis Mainz gehen Schiffe, die 2000—2500 Ctr. laden, von Mainz bis Köln Schiffe von 2500—4000 Ctr., und von Köln bis Holland Schiffe, welche 6000 —9000 Ctr. tragen. (S. Flöße.) Außer den Rheinfällen hält man für die Schiffahrt gefährlich: 1) Das Bingerloch, bei Bingen, sechs Stunden unterhalb Mainz. Hier nähern sich die Berge, welche den Rhein einschließen, von beiden Seiten so, daß man bis an das Flußbett hinein den ehemaligen Zusammenhang der gegenseitigen Felsen gewahr werden kann. Diese Felsenwand, die sich von einem Ufer zum andern erstreckte, wurde wahrscheinlich im Laufe von Jahrhunderten durch die Gewalt des Wassers oder durch eine Erdrevolution zum Theil zertrümmert und ließ nun dem Strom eine zwar freie, aber enge Bahn. Karl der Große ließ diese Öffnung erweitern, doch blieb sie noch immer so enge, daß nur ganz kleine Fahrzeuge die Fahrt machen konnten. Erst unter dem Kurfürsten Sigismund von Mainz wurde der Weg für größere Schiffe fahrbar und minder gefährlich. Die einzige Durchfahrt, welche man das Bingerloch nennt, war bis zum J. 1834, wo die preuß. Regierung durch Sprengen dieselbe erweitern ließ, nur 50 F. breit, und auch jetzt ist dieselbe bei niedrigem Wasser nicht ohne Gefahr zu passiren. Daselbst steht auch mitten im Wasser auf einem Felsen Hatto’s Thurm oder der Mäusethurm. (S. Hatto.) 2) Das wilde Gefährt bei Bacharach, wo der Strom im Thalwege mit fürchterlichem Gefälle des Wassers zwischen Felsen und Banken eine Art Trichter bildet. Dasselbe ist nur für die den Strom hinabfahrenden Schiffe gefährlich. 3) Die sogenannte Bank von St.-Goar, wo des Flusses Wellen an eine Gruppe theils sichtbarer, theils verborgener Klippen anprallen und einen Strudel bilden. 4) Der kleine und große Unkelstein bei dem Städtchen Unkel, eine Gruppe Basaltsäulen, die theils unter dem Wasser verborgen sind, theils hervorragen. Die größere Gruppe, der große Unkelstein genannt, ist unter der franz. Herrschaft hinweggeräumt worden, und auch die kleinen Gruppen können bei hohem Wasser von leeren Schiffen überfahren werden.

(aus: Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon, Band 9, F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1836)