Türkischer Rhein: im Herbscht het ma da Türgga gholt

„Im Herbscht het ma da Türgga gholt vom Riet, vo Hand uusbroche und di Fueder mit em Fuehrwerch hoa transportiert. D’Froue hend d’Stube uusgruumt und denn het ma di ganzi Laadig vo Türggachölba mit de Zoane i d’Stube ietroat. A mengem Ort hets bis mindeschtens uf di halb Fänschterhöachi Hüüffe ka, di ganz Stube voll, so dass nu no Platz ka het für en Bangg oder en Harass zum Druufhogge, um Chölba uuszhöltscha. Nachbuure und Helfer sind zur Mitärebet iiglaade worde. Es ischt gsellig und gmüetlig gse, me het gsunge, verzellt und viil glachet.

Me het vorzue d’Bletter abgrupft bis uf zwoa bis vier Bletter und die omme zämmeknüpft. Di grichtete Chölbe het ma i Zoane toa und d’Manne hend dia i d’Obertiili uetroat, wo si vo andere vorzue zum Trüchne uufghenggt worde sind. D’Obertiiline sind mit so Holzliischtene oder Dröht uusgrüschtet gse, damit me dia Chölba het chönne uufhengge. Das ischt denn en ganze Johresvorroot gse. Dia Chölba het ma im Louf vom Johr abegno, abgribblet und denn i d’Mühli broocht uf Sennwald. De Müller het denn das Türggamehl wider vertoalt, jede het sis eigne Mehl zrugg übercho. De Türgga het ma o als Hennefuetter bruucht, früeher hond fascht alli Lüt Henne ums Huus ka.“

(Der Originalbeitrag steht auf Doazmol in der Rubrik “Frümsner Bräuche” unter dem Titel “De Höltschät” und ist dort auch als Audiofile nachzuhören. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Türgga bezeichnet im St. Galler Rheintal und im Liechtensteinischen eine Maissorte, die bis vor einigen Jahrzehnten für die inzwischen kaum noch verbreitete bäuerliche Basisspeise Ribel verwendet wurde. Im westlichen Österreich wird der Mais allgemein als Türken bezeichnet. Die Bezeichnung rührt offenbar daher, daß der Mais in Mitteleuropa über die Türkei und den Balkan seine Verbreitung fand. rheinsein dankt Doazmol fürs Überlassen des Beitrags!)