Presserückschau (November 2015)

1
“Rhein – wo bist Du? Ein Vergleich der Wasserstände am Kölner Pegel zeigt, dass der Fluss in den vergangenen Jahren kontinuierlich schmaler geworden ist. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg hat für den Zeitraum von 1981 bis 1990 für Köln einen Durchschnittspegel von 3,55 Metern errechnet. Im Messungszeitraum von 2001 bis 2010 fiel der Wert im Schnitt auf 3,21 Meter. Differenz: 34 Zentimeter. Also schrumpft der Wasserstand des Rheins um etwa einen Zentimeter pro Jahr.” (Express)

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Noch fließt der Rhein, doch kommen bei anhaltendem Niedrigwasser zunehmend gefährliche (Minen und Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg) und seltene Fundstücke aus der Versenkung zum Vorschein: “Düsseldorfer Feuerwehrleute haben (…) einen Tresor aus dem Rhein geborgen. Gefunden wurde der schwere Behälter im Bereich des Fähranlegers im Stadtteil Urdenbach. (…) Der Eigentümer soll nun ermittelt werden. Wie die Düsseldorfer Polizei (…) bestätigte, wurden in dem Tresor vornehmlich Papiere gefunden. Wertgegenstände seien an der Fundstelle zunächst nicht entdeckt worden. Ob der Tresor im geöffneten Zustand im Rhein versenkt wurde, blieb noch unklar.” (Rheinische Post)

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Die Niedrigwasserfunde setzen sich fort. Bei Rüdesheim barg das Wasserschifffahrtsamt einen vor vier Jahren in Baden-Baden gestohlenen Peugeot. Ein Fundstück bei Neuss erinnert an eine alte Geschichte: “Vor 17 Jahren spielte sich unterhalb der Fleher Brücke auf Neusser Seite ein echtes Drama ab. Ein Mann war in den Rhein gesprungen, eine Mannschaft der DLRG mit dem Rettungsboot ausgerückt. Doch plötzlich brauchten die Retter selbst Hilfe: Ihr Boot sank, die DLRG-Männer kamen zum Glück alle mit dem Leben davon. Ihr Boot tauchte jedoch nie wieder auf.(…) Eine Erklärung dafür gab es nie. Jetzt ist das Rätsel gelöst: Das historische Niedrigwasser des Rheins hat das Wrack wieder freigegeben. Unweit der Zufahrt zum Neusser Sporthafen in Grimlinghausen wurde das zerfledderte Boot – ein sogenannter „Rheinadler“ – (…) gefunden. (…) Viel anfangen kann man bei der DLRG mit dem Schrott nicht. Aber zumindest ist nun ein ungeklärtes Kapitel der Rettungsgeschichte abgeschlossen.” (Express)

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In den rheinnahen Städten des Ruhrgebiets stellt sich den Einwohnern die Identitätsfrage: Ruhrpottler oder Niederrheiner? So liegt Duisburg sowohl beidseits des Rheins, als auch der Ruhr. Welchem Fluß, somit welcher Mentalität fühlen sich die Duisburger zugehörig? Die WAZ antwortet: “Mehr als ein Viertel der von der Uni Duisburg-Essen Befragten, nämlich 27 Prozent, sehen sich als beides. Die Ruhrpottler machen eindeutig den größten Anteil aus: 39 Prozent fühlen sich eher dem Ruhrgebiet verbunden. Deutlich weniger, nämlich 23 Prozent, rechnen Duisburg eher dem Niederrhein zu. Elf Prozent der Befragten hatten dazu keine Meinung.”

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“Ein Spaziergang am Rhein ist genauso ungesund wie einer in unmittelbarer Nähe der Autobahn. Dieselmotoren verursachen in Binnenschiffen die gleichen gesundheitsschädlichen Luftschadstoffe wie im Straßenverkehr. Betrachtet man den Fluss nach den freigegebenen Schadstoffmengen, so sei er mit einer Autobahn durchaus vergleichbar: „Die Luft am Rheinufer ist in etwa so verunreinigt wie an der stärkstbefahrensten Stelle der A 3“, stellt Andreas Brandt vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz klar. Schiffe könnten jedoch mit modernen Abgasreinigungsanlagen für einen erheblich geringeren Schadstoffausstoß sorgen. Pflicht ist eine entsprechende Umrüstung allerdings noch nicht.” (WAZ)

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“Mit Schmackes” habe ein Autofahrer die Schranke durchbrochen und sei im Rhein gelandet, zitiert die WAZ den Fährkapitän und schreibt von “einem verhängnisvollen Fahrfehler”: “Beim Auffahren auf die Rheinfähre, die zwischen Orsoy und Walsum pendelt, ist ein Autofahrer (…) durch die geschlossene Schranke am Bug der Fähre gefahren und in den Rhein geplumpst. Nur dem beherzten Eingreifen des Kapitäns, seines Schiffsführers und eines Kunden der Fähre verdankt der ältere, gehbehinderte Autofahrer, dass er unverletzt aus dem Wagen entkommen konnte.”

Neptunstein

Digital StillCameraZur Geschichte des Ettlinger Neptunsteins kursieren zahlreiche Versionen. Der obere Teil aus Buntsandstein ist römischer Herkunft, die Inschrift “IN H(ONOREM) D(OMUS) D(IVINAE) / D(EO) NEPTUNO / CONTUBERNO / NAUTARUM / CORNELIUS / ALIQUANDUS / D(E) S(UO) D(EDIT)” besagt, daß Cornelius Aliquandus den Neptun und dem Kaiserhaus geweihten Stein für die Albschiffer gestiftet hat. Daß es einst eine Albschifffahrt gab, mutet heute beinahe sagenhaft an. Leichter vorstellbar ist jedenfalls Albflößerei. Die Herkunft des Steins wird auf das zweite oder dritte Jahrhundert nach Christus datiert. Gefunden wurde er 1480 nach einem Albhochwasser vom Ettlinger Bürger Andreas Hauer, wovon der Sockeltext auf hellem Sandstein, ursprünglich geschrieben von Kaspar Hedio (1494-1552), einem Ettlinger Humanisten und Reformator, erzählt: “Es geschah im Jahres des Erlösers Jesus 1480, daß die Alb wie eine Sintflut über die Ufer trat und Ettlingen und die umliegenden Felder unterspülte und zerstörte. Als die Ländereien wieder trockneten, wollte Andreas Hauer ein Stadion unterhalb der Stadt, unweit der Ruinen des Lagers Fürstenzell, jetzt Burgstall genannt, den Teich reinigen. Da fand er dieses Neptunbildnis mit einigen anderen weiblichen Statuen, die vielleicht Thetis, seine Gattin oder Wassernymfen darstellen sollten.” Der Fundort läßt sich heute nicht mehr sicher zuordnen, wahrscheinlich handelt es sich um Busenbach, ein wenig talaufwärts.
Für Spekulationen sorgte vor allem Hedios Eingangssatz, in dem er behauptet, daß Ettlingen 1111 v. Chr. gegründet worden sein soll. Seither wird ein Trojaner namens Phorzys in unbelegten Quellen als Stadtvater angeführt*, dieweil die Passage “ANTE MCXI ANTE CHRISTUM NATUM ETTLINGIACUM CONDI PRIMUM ET INHABITARI COEPIT, SED MULTUM VETUSTATIS INTER RHENUM ET NICRUM, AC INTERMEDIIS LOCIS, BADENAE, DURLACI, PHORCENAE QUUM INVENIAS” glaubwürdig mit “Im Jahre 1111 vor Christi Geburt wurde Ettlingen zuerst gegründet und fing an, bewohnt zu werden; aber ein hohes Alter hatten auch die zwischen Rhein und Neckar liegenden Orte Baden, Durlach und Pforzheim” übersetzt werden kann. Trojanische Wurzeln lassen sich daraus nur mit reich blühender Fantasie ableiten. Neben Ettlingen wird im Übrigen auch Xanten bisweilen als Trojanergründung behauptet, eine “rheinische Trojaklammer” Ettlingen-Xanten fehlt jedoch in der Literatur, ein Indiz für jeweilige lokalpatriotische Geschichtsklitterung.

*Die Behauptung stammt ursprünglich, soweit bekannt, von Franziskus Irenicus, einem weiteren Ettlinger Humanisten und Zeitgenossen Hedios, sodaß sich gut vorstellen läßt wie die beiden Schriftkundigen gemeinsam Ideen ausheckten, die Stadtlegende aufzuhübschen.

Duisburg

duisburg_2 duisburg_3 duisburg_4duisburg Die leicht bearbeiteten Screenshots zeigen den Duisburger Hafen Mitte der 80er Jahre, für einen Schimanski-Tatort inszeniert. Der Fluß dient auch in den übrigen rheinischen Tatort-Städten (u.a. Baden-Baden, Ludwigshafen, Bonn, Köln) als gerne verwendetes Bildmotiv. Am Arbeiterklasse-Standort Duisburg riecht der Rhein gleichermaßen nach Maloche und Naherholung. Die Leiche am Hafenbecken ist voreingestellt. Der Kommissar wechselt die Verkehrsmittel zu Wasser, zu Lande und zur Luft mit beachtlicher Selbstverständlichkeit. Die Wasser des Rheins scheinen die Stadt erst zu ermöglichen und zusammenzuhalten – so wie der Fluß aus den Zapfhähnen und klandestinen Vorräten der Spelunken zu fließen scheint, mittels zuvor zugesetzter Tabletten als “labbriges Pils” oder mehrfach gefiltert als “Schnäpsken”.

Oberrheinische Seenplatte

Der Karlsruher Autor Matthias Kehle ist dieser Tage als Hochwassertourist in der eigenen Stadt an der Alb entlanggewandert und erinnert sich dabei auf seinem Blog einfach wandern zurück an das Jahrhunderthochwasser im Mai 1978:

„Als Kind habe ich sie erlebt, die Oberrheinische Seenplatte, Ende Mai 1978. Meine uralte Großtante Martha wohnte im 9. Stock in Ettlingen, wenige Tage noch und sie würde mit 88 Jahren nach Amerika auswandern. (…) Gewaltige Wasserflächen bedeckten die Felder: Bis nach Rüppurr, bis zum Rhein, bis zum Rheinhafen, bis nach Baden-Baden, bis nach Mannheim. Die A5 war gesperrt, auf der Autobahn paddelten Schlauchboote.“

Kehle führte, im zarten Alter von elf Jahren, Tagebuch über die Ereignisse seines Lebens. Erst vor Monatsfrist erinnerten wir an die Schlauchboote auf der Autobahn bei Rüppurr. Sogar Windsurfer sollen dort gesichtet worden sein. Auch der Spiegel konstatierte seinerzeit die Überschwemmungen: „Der Bodensee nahm in zwanzig Stunden um 60 Millionen Kubikmeter Wasser zu. Die Autobahn in der Rheinebene bei Karlsruhe glich einer Seenplatte; Fahrer und Beifahrer mußten bisweilen Stunden auf den Dächern ihrer Fahrzeuge zubringen, ehe sie von Schlauchbooten abgeholt werden konnten. Auf Neckar und Rhein dagegen fuhr schon lange kein Schiff mehr.“

Die alte Kinzig-Murg-Rinne war mit Wasser vollgelaufen, die sonst wiesengrüne, weizenbleiche bzw. brachenbraune Landschaft schien sich zum Ozean zu weiten. Ein älterer Junge aus der Nachbarschaft hatte Zugriff auf ein Kajak. Damit paddelten wir Slalom durch den vollgelaufenen Wald vor unserer Haustür und übten Übers-Wasser-Gehen auf den zurückgelassenen Laubhaufen des vergangenen Herbstes, die einen fragilen Steg in die beginnenden Mangrovensümpfe boten. Die Schwereren von uns brachen ins Wasser ein, es gab dramatische Szenen: aufregende Tage für einen Viertklässler im ansonsten recht beschaulichen Rüppurr. Nur wenige Tage stand das Wasser, dann zog es sich wieder zurück.

Das diesjährige Hochwasser reichte daran nicht heran. Matthias Kehle übermittelte uns dennoch Zeugnisse von der bei Flaneuren entlang der Alb beliebten Kleinkatastrofe.

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Das Bild zeigt überflutete Felder der Alt-Rüppurrer Landwirtschaft. Im Hintergrund die Auferstehungskirche, deren Friedhof die Alb durchfließt. Dahinter die letzten Schwarzwaldausläufer.

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Kehle schreibt auf seinem Wanderblog von Kreuch- und Fleuchtieren, die er bei seinen Erkundungen beobachten konnte wie sie sich vor dem Wasser in Sicherheit zu bringen trachteten. Auch von einem Feuerwehrfahrzeug, dessen Scheinwerfer braune Brühe weinten. Diese narzißtische Mohnblüte hingegen scheint der neuen Situation willentlich zugeneigt.

(Bilder: Matthias Kehle. Mit freundlicher Genehmigung. rheinsein dankt!)

Presserückschau (Januar 2013)

„Houston am Rhein“ (Kölner Stadt-Anzeiger) oder „Schilda am Rhein“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung): die Einschätzungen Kölns klaffen weiterhin auseinander. Langweilig wird es in der Stadt, die auf altem Rheinsand steht, so schnell nicht. Seit Jahren sorgt der U-Bahnausbau in Köln für bundesweite Schlagzeilen, in diesem Monat wieder (siehe unten, 4). Doch au woannerschter am Rhoi isch ebbes los:

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„Im Herzen Europas, wo der Rhein Frankreich, Deutschland und die Schweiz verbindet, liegt das Upper Rhine Valley. Die Region ist mit über 21.000 qkm fast so groß wie die Toskana. Wie diese lockt sie seit Jahrhunderten Touristen an, die Kunst, Kultur und gutes Essen lieben. Upper Rhine Valley ist eine kompakte, landschaftlich und kulturell enorm vielfältige Region. In den sehens- und liebenswerten Städten Baden-Baden, Basel, Colmar, Freiburg, Karlsruhe, Mulhouse und Strasbourg sowie zahlreichen weiteren Städtchen und Dörfern auf beiden Seiten des Rheintals lassen sich Natur, Kunst und Kultur erleben und das Leben genießen. Und: Die wirtschaftlich prosperierende Region mit rund 6 Millionen Einwohnern ist leicht erreichbar und gut erschlossen. Drei Länder in einem Tag, auch das ist hier leicht machbar.“ (regiotrends.de)

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Über essentielle Unterschiede zwischen Biber und Mensch im Verhältnis zum Rhein (in Grenzach) schreibt die Badische Zeitung: „Während man bei der Gemeinde darüber nachdenkt, wie man den Rhein als Standortvorteil nutzen, wie der Fluss mehr in den Alltag der Bürger rücken könnte, geht der Biber viel spontaner vor. Die Nagetiere, die sich seit den 90er Jahren wieder am Hochrhein wohlfühlen, sind vor vier Jahren auch in Grenzach angekommen. Statt die Regionalplanung zu bemühen und Bebauungspläne erstellen zu müssen, haben sie sich nur wenige Meter vom Hochrheinwanderweg einen Bau errichtet, dessen Größe auch die Biberexpertin des Regierungspräsidiums beeindruckt.“

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Infolge der Sperrung der Leverkusener Brücke für den Schwerlastverkehr im vergangenen Dezember ist nun auch die benachbarte Mülheimer Brücke für größere Transportfahrzeuge teilgesperrt, nachdem das Kölner Amt für Brücken und Stadtbahnbau festgestellt hatte, daß der Schwerlastverkehr auf die Nachbarbrücke ausgewichen war, wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet: „Man müsse (…) jetzt reagieren, um zu vermeiden, dass an der Mülheimer Brücke ähnliche Schäden entstehen wie an der Leverkusener Autobahnbrücke.“

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Das Zittern des Kölner Domes ist sogar bis hoch in den Norden zu spüren, wo das Ereignis vom Hamburger Abendblatt verbreitet wird: „Eine neue U-Bahn-Verbindung lässt den Kölner Dom erzittern. Deshalb seien Gebäudeschäden zu befürchten, sagte Dompropst Norbert Feldhoff (…). Das historische Gemäuer sei “für derartige Belastungen nicht ausgelegt”. Man könne ein Zittern wahrnehmen und auch ein Rauschen. Es sei unstrittig, dass dies auf den U-Bahn-Verkehr zurückgehe, sagte Feldhoff.“ (Anm. rheinsein: Unser Test im Dominnern fiel, was U-Bahn-induziertes Zittern und Rauschen belangt, negativ aus. Es kann aber gleichwohl spirituell induziertes Zittern und Rauschen auftreten, weniger am Dom, als vielmehr im Schädel des/der Dombesuchenden.)

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„In Deutschland, China und anderen Industrienationen macht sich der stark angestiegene Verbrauch von Seltenen Erden nun auch verstärkt in der Umwelt bemerkbar. Hochtechnologie-Metalle, die zu den Seltenen Erden gehören, sind zum Beispiel ein wichtiger Bestandteil von Windturbinen und anderer moderner Elektronik; ihr Verbrauch steigt weltweit. Flüsse sind mittlerweile in vielen Ländern auch mit dem in der medizinischen Diagnostik verwendeten Kontrastmittel Gadolinium belastet. Eine neue Studie der Geochemiker Michael Bau und Serkan Kulaksiz zeigt, dass der Rhein darüber hinaus mit Lanthan und seit einigen Monaten auch mit Samarium verschmutzt ist. Der Rhein ist damit von den großen Flüssen der Erde derjenige, der am deutlichsten mit Seltenen Erden kontaminiert ist. Wie die Jacobs-Geochemiker nachweisen konnten, gelangen pro Jahr mehrere Tonnen dieser Hochtechnologie-Metalle mit Industrieabwässern nördlich von Worms ins Flusswasser und werden dann in die Nordsee, aber auch ins Trinkwasser von Rheinanliegern eingetragen.“ (idw-online)

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„Der Verein Schwanenschutzkomitee Hochrhein ist am Hochrhein und darüber hinaus bis Breisach im Einsatz. (…) Aktuelle Situation: Der Rhein ist derzeit so sauber wie noch nie. Fischbestände und Artenvielfalt werden reduziert. Das Wachstum von Wasserpflanzen, die Nahrungsgrundlage der meisten Wasservögel, geht zurück. Das Schwanenkomitee findet bereits im Herbst abgemagerte Schwäne und Wasservögel, die aufgebaut werden müssen.“ (Südkurier)

Außerdem erinnert die Klever Ausgabe der Rheinischen Post an die Geschehnisse im Januar vor 50 Jahren, als der Rhein von der Loreley bis zur holländischen Grenze „zum Stehen kam“: bei bis zu minus 32 Grad war der Fluß Mitte Januar 1963 zum bisher letzten Mal zugefroren. Auch der Bonner General-Anzeiger ruft das Ereignis mit seiner damaligen Titelschlagzeile wach: „Auf dem Rhein tanzen und flüstern die Schollen“ und die FAZ legt nach: „Glühweinstände mitten auf dem Rhein“.

Angeln am störgestreiften Rhein

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Still aus der frühen Tatortfolge Wenn Steine sprechen. Kommissar Horst Pflüger (gespielt von Ernst Jacobi), ein intellektueller Feuerkopf mit Ansätzen zu Brillanz und dem Spleen, mitten aus dem besten Gehen/Laufen heraus in britisch-eleganter Jagdhund-Vorstehhaltung zu verharren, ermittelt zunächst ins Luftleere und bald gegen untersetzte Stützen der Baden-Badener Gesellschaft. Und gegen deren Töchtern eine, die reichlich seltsame Reitstile pflegt, Pflüger gegen offenbare Etikette-Widerstände einen Lyrikband (!) schenkt, aus dem (Maurice de Guérin (!!!)) er bei passender Gelegenheit nicht nur auswendig zu rezitieren, sondern den er auch gegen Pathosvorwürfe zu verteidigen versteht. Was die Tochter zu gemäßigtem Nachdenken bewegt und auf Pflügers Romanistikstudium in München zurückweisen dürfte. Für authentische Dialektinseln (mittelbadisch) im weitgehend hochdeutsch parlierenden Millionärsstädtchen sorgen die niederen Kasten (u.a. ein polizeibekannter Automatenknacker (“ich hab nur e Mark in de Zigaretteautomat neigschteckt”) und oben (wenngleich eher schemenhaft) zu erblickender Angler, welcher Opfer und Polizei wichtige Hinweise steckt), authentische Baden-Badener Klischeebilder (Casino, Galopprennbahn Iffezheim) wiederum wirken, als wären mit ihnen kleinere Zeitlöcher im Drehbuch zu stopfen gewesen. Der Rhein fließt schön gleichmäßig durch sein von Tullas fleißigen Arbeitern gerichtetes Bett. Wir sehen seltene Filmaufnahmen der heuer ein wenig in Vergessenheit geratenden Kunst des in seiner wirkungsvollen Beiläufigkeit so extremen altdeutschen Kaffeekredenzchens. Die Störgestreiftheit des Rheins erinnert uns an gerhardrichtersche und heisenbergsche Unschärfen: wo Vermutungen und Wissen sich überlagern, entsteht Drive.

Tulla über den Rhein (2)

(…) Bey der Wiederaufgrabung der Ruinen bey Ettlingen, im Jahr 1802, nahe an der Straße von Ettlingen nach Durlach, fand man vor dem untern, etwas kleinen Thor, eine schiefe mit Quadern hergestellte Britsche, deren starke Neigung weder das Fahren noch das Gehen erlaubte. Diese Britsche, so wie der weitere Umstand, daß die Ruinen am ehemaligen Flußufer liegen, und daß in der Nähe desselben das Bild des Neptuns, welches die Stadt Ettlingen besitzt, gefunden wurde, werden die Behauptung rechtfertigen, daß gedachtes Thor für die Ausladung der Schiffe bestimmt, und jene sogenannte Villa, eigentlich eine Ausladestätte der Römer war.

Zu Muggensturm, welches in dem Bette des deutschen Rheins liegt, dürften die Römer eine Wasserburg, oder ein Castell, oder wenigstens ein Landungsplatz zwischen der Mündung des Thals, in welchem die Stadt Baden liegt, und zwischen der vorgedachten Ausladestätte unterhalb Ettlingen gehabt haben, und es ist dieses um so mehr wahrscheinlich, als die Entfernung von gedachter Mündung bis Ettlingen groß ist, und von Rauenthal bis diesseits Malsch das Flußbett äußerst wenig veränderlich und ungetheilt, folglich zur Anlegung eines Landungsplatzes ganz geeignet war.

Zu Durlach dürfte ebenfalls ein solcher Landungsplatz für die Schiffe bestanden haben, und es ist wahrscheinlich, daß bey genauen Nachforschungen, längs dem deutschen Rhein noch mehrere Ueberreste von römischen Anlagen gefunden, und ihre Landungsplätze bekannt werden dürften.

Oberhalb der Spitze des Kaiserstuhl-Gebirges hat der Rhein seinen Lauf mannigfaltig geändert, wie das zwischen den Hochgestaden liegende Spielraums-Gebiet beweist. Altbreysach, welches zum Theil auf Felsen steht, lag in verschiedenen Zeitperioden auf dem rechten, auf dem linken Ufer und auf einer Insel.

Mehrere Zusammenwirkungen, Verkürzungen des Laufs des großen Rheins und zugekrümmte Eingänge in den deutschen Rhein, dürften verursacht haben, daß sich die Wassermasse mehr in den großen Rhein warf, die Mündung des deutschen Rheins verschüttet, und durch die Natur, oder vielleicht auch der Natur nachhelfend, durch Kunst, geschlossen wurde.

Nach diesem Ereigniß war der deutsche Rhein nur noch der Strom der Gewässer des Schwarzwaldes von der Dreysam abwärts. Vermindert in seiner Wassermasse, konnte er das früher bestandene Bette nicht mehr ganz behaupten, und es mußten sich die Anschwemmungen, Moräste, Sümpfe und Brücher vermehren, und die Bewohner der Ufer in eine unangenehme Lage setzen. Eine entgegengesetzte Wirkung hatten die vorgedachten Stromänderungen auf den großen Rhein, dessen Wassermasse und Vermögen sich so vergrößerte, daß er dadurch in den Stand gesetzt wurde, sich ein tieferes und geräumigeres Bett zu verschaffen.

Die Ueberschwemmungen, die Brücher, Moore etc. im ehemaligen Spielraums-Gebiete, und die üppige Vegetation auf den angeschwemmten Inseln des deutschen Rheins, die nicht allzuausgedehnte Breite der zwischen ihm und dem großen Rhein gelegenen großen Insel und der aus lockerem Kies und Sand bestehende Grund derselben, die augenfällige tiefere Lage des großen Rheins, und vielleicht auch eine von Zeit zu Zeit entstandene leichte Uebertretung der Gewässer des deutschen Rheins in den großen, haben die Uferbewohner des erstern dahin führen müssen, durch möglich kurze, oder zur Ersparung der Kräfte, kleinen Vertiefungen folgende, Abzugs-Gräben, dem deutschen Rhein einen Abzug in den großen Rhein zu verschaffen, und sein Ueberschwemmungsgebiet trocken zu legen.

Quelle: Wikisource

Berliner Rhein (3)

Solange sie nicht unter offiziellem Humta und Fähnchenschwenken von US-Präsidenten besucht wird, müssen wir der Rheinstraße in Berlin, immerhin eine gediegene Einkaufs-, Wohn- und Ausgehstraße von sicher einem Kilometer Länge und guter Berliner Breite (inkl begrüntem Mittelstreifen), eine gewisse Gesichtslosigkeit und Öde attestieren. Das Rheinische an der Rheinstraße ist dem

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Augenschein nach nonexistent. Lediglich die Rhein-Apotheke identifiziert sich mit dem Straßennamen, womöglich aber nur deshalb, um auf einer veritablen Apothekenmeile ein sicheres Unterscheidungsmerkmal anzubieten. In der ansonsten stark von Normfreaks jeglicher Konvenienz  bevölkerten Hauptstadt mit ihren provinzbürgerlich-flippigen Ladennamen (“Schuhtanten”, “SchubLaden”, “Saftschubser”, um nur kurz aus der Schu-Sparte zu zitieren) zeigt die Rheinstraße eine angenehm zurückhaltende, höchst durchschnittliche, ihrem Angebot angemessene, metropol-über den Dingen stehende  Nomenklatur: nicht ein einziger bescheuerter Friseurladenname (in Kreuzberg hingegen: “Verlockung”), am gewagtesten noch der “Asia-Nudel-King” (selbsterschließend) und “die heiße Wahre” (eine Currywurstbude). Vermutlich unbewußt bis ungewollt rheinische Anklänge bieten “bad & baden”, in dessen Auslage wir die erst jüngst hier besungenen Raum-Zeit-Quietscheentchen

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in artgerechter Massentierhaltung erblicken und “vom Fass”, das Bodensee-Apfelsaft im Fünfliterpack offeriert. Das wars denn aber auch an rheinischen Zugeständnissen. Wohl zeigt die Straßenführung grob in Richtung Rheinland, was einst Anlaß zur Namensgebung gewesen sein mag. Wir können uns allerdings nicht erinnern, jemals über die Rheinstraße in Berlin eingefallen zu sein. Auf der nun flaniert wird von Aldi zu Lidl und retour. Berlinerisch herrscht auf halber Straßenhöhe die Kaisereiche. Wir stellen uns, eine leichte Übung, die Straße als

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Kanal vor. (Bald dümpelte er stahlgrau-stahlblau dahin mit benzinösen Ausblühungen und zögen zweiundzwanzig zuckerwatteweiße Schwäne schwanhalsig-attraktiv an seiner schlierig-schmuddeligen Oberfläche in Richtung ihnen hingeworfner Dönerbröckchen.) Fazit: einen Rhein bzw enklaviert-integrierte Rheinischkeit gibt in dieser Stadt scheints rein garnichts ab und das ist, wie so vieles in Berlin, gut so. (Die Ständige Vertretung mit ihrem geradezu überrheinisch formulierten Kult-Anspruch lassen wir an dieser Stelle höchstwillkürlich außen vor.)

rheinsein unterwegs im September

rheinsein war im September als Gast bei drei Abendveranstaltungen auf der Bühne, zwei davon in Museen im liechtensteinischen Vaduz.

Im sehenswerten Kunstmuseum Liechtenstein fand zu Monatsbeginn unser erster Gemeinschaftsauftritt mit Helena Becker statt, die für Das Lachen der Hühner die Dorfansichten (hier ein Beispiel) geschnitten hatte. Mithilfe projizierter Screenshots der Website stellten wir rheinsein als multiple Projektform vor, moderierten unsere kleine, randseitige, von den Postkartenständern der Vaduzer Innenstadt jedenfalls deutlich abweichende liechtensteinische Fotokollektion – und brachten Texte zum Vortrag, welche die nicht allzufernen Quellregionen und das Fürstentum selbst betrafen, darunter natürlich auch Gedichte aus Das Lachen der Hühner, zu denen Helena eine neue Papierschnittserie angefertigt hatte, welche nun Motive aus den Sonetten auf- und sich an den Museumswänden prächtig ausnahm.
Das Lachen der Hühner, vor anderthalb Jahren bei der parasitenpresse herausgekommen, befindet sich mittlerweile in der dritten Auflage; derzeit laufen Verhandlungen über eine limitierte Sonderedition mit Helenas im Kunstmuseum erstmals präsentierten neuen Schnitten an. Der Auftritt fand anderntags Niederschlag in der Printausgabe des Liechtensteiner Vaterlands.

Schräg gegenüber des Kunstmuseums Liechtenstein befindet sich das ebenfalls sehenswerte Liechtensteinische Landesmuseum. Während der Termin im Kunstmuseum ein gutes halbes Jahr im voraus feststand, ergab sich der Termin im Landesmuseum vorort ganz kurzfristig zwischen zwei Gläsern Wein. Über die Vernissage zur Bleuler-Ausstellung hatten wir seinerzeit kurz berichtet, nun kamen wir im Gespräch mit Rainer Vollkommer, dem neuen Direktor des Landesmuseums überein, rheinsein mit dem Bleuler-Konvolut des Museums zu kombinieren: nicht mit den Originalen, denn die sind derzeit in Baden-Baden zu sehen, sondern mit Diaprojektionen, die Bleulersche Spätromantik in einer textlichen Zeitreise zu spiegeln, von präromantischen Ausschnitten über damals zeitgenössische bis hin zu aktuellen, über Städte wie Leverkusen etwa, die es zu Bleulers Zeit noch garnicht gab. Vlado Franjević kreierte aus unserem Auftritt drei kurze Videos für das Museum: ein Interview vor der Veranstaltung, sowie Mitschnitte eines seefiebrigen Textes über Konstanz und eines Rhein-Gedichts aus Das Lachen der Hühner, die nun auf Youtube zu finden sind. Sehenswert für alle Liechtensteininteressierten ist sicherlich Vlados Interviewserie mit Besuchern aus aller Welt, zu finden in der Verwandtschaftsspalte.

Zurück in Köln präparierten wir uns sogleich für einen alpinen Abend mit Hartmut Abendschein und Egon Zähringer im überaus netten kleinen kunstraum dellbrück weit draußen auf der Bergisch-Gladbacher-Straße (also fast schon in Polen), welche alles in allem eine der sehenswertesten Straßen Deutschlands, wenn nicht der ganzen Welt vorstellt. Der Abend stand unter dem Motto „es ist fast gar keine Stimmung vorhanden“ – eine Zeile aus unserem Nendeln-Gedicht. Die Markgräfler Weinbatterien des Kunstraums jedoch schufen zunehmend Stimmung, Hartmut zeigte seine Flooksbooks, las aus seiner Neuerscheinung Dranmor über Dranmor, einen Berner Randgänger, Egon Zähringer jodelte und sang deutsch-schweizer Wirtschaftsnachrichten zum Örgeli, das für den Abend geborgte Murmeltier unseres Sohnes sorgte für Ordnung im Stall und alles in allem ging wieder einmal eine knappe halbe Auflage über den Tresen. Ein paar Bilder der Veranstaltung gibt es bei Hartmut Abendschein.

Du Camp am Rhein

Die französischen Literaten des 19. Jahrhunderts hatten ihre je eigenen, nicht selten amüsanten Beziehungen zum Rhein. Während Flaubert fast am Fluß seines Begehrens vorbeireiste (wie bereits hier kundgetan), bewegte sich Du Camp hübsch darauf – was ihm zuvor auf der Donau, auf der er persona non grata war, weil er auf Seiten der Italiener gegen Österreich gekämpft hatte, versagt blieb. Doch am Rhein herrschte zweifellos das größere Heiligkeitsgedränge:

“Baden-Baden, 5 Août 1861

Je suis venu m’échouer ici, mon vieux, après avoir été faire un tour sur le Rhin à défaut du Danube qui est fermé cette année pour ton ami. (…)
A Aix et à Cologne, il y a dans le trésor des cathédrales, de belles orfévreries qui feraient très bien dans nos cabinets de travail; j’ai touché de ma main les vrais crânes des vrais mages, le vrai bras du vrai Christ, etc., etc. Tu aurais pu, avec Bouilhet, te livrer à ta rage contre les ecclésiastiques, rage que je partage et à laquelle je me livre souvent; à Cologne, dans la cathédrale, je me suis écrié, comme Agénor: Des Pontifs maudits l’hypocrite délire!*”

* Das Zitat entstammt „Jenner ou la découverte de la vaccine“, einer burlesken Tragödie, welche Flaubert und Bouilhet um 1846 schreiben wollten.

(aus: Flaubert – Correspondance 3, Maxime Du Camp à Flaubert)

Wie man haarscharf an den Ufern des Rheins vorbeischrabben kann

oder zumindest beinahe, jedoch am Ende womöglich zeitlebens, selbst als großer Autor einer Rheinnation, und von welchen Umständen dies abhängen kann, davon spricht folgender Ausschnitt eines Briefs Flauberts an seine Nichte Caroline, aufgesetzt in London Ende August 1866:

“(…) Je ne veux pas m`en aller de Londres avant de t`avoir écrit un mot. Maman m`a dit que tu seras revenue à Rouen mercredi; donc, j`espère que ceci t`arrivera bientôt.
Je pars demain à 6 heures et demie du soir et, au lieu de me trimbaler pendant trente-six heures par les chemins belges qui ne me feraient arriver à Bade que dans la nuit de vendredi, je prends tout bonnement le chemin de fer de Paris. Je resterai à Paris une heure, le temps d`aller à la gare de Strasbourg, et je serai à Baden le même jour, à 10 heures du soir. Si j`avais été plus en fonds, j`aurais pris plaisir à voir les bords du Rhin; mais ce voyage me demanderait cinq à six jours. (…)”

(Nun besaß und besitzt der Rhein auch Ufer bei Baden-Baden, eine Reise dorthin im beschriebenen Sinne setzte und setzt eine Querung derselben voraus, aber die läppisch-ruinenarmen Oberrheingestade galten wohl seinerzeit nicht ganz, zumal da gerade kräftig herumkanalisiert wurde.)

Gorrh (10)

in Baden-Baden, als piekfeiner Herr, nur mit Fliege bekleidet, die Scham pyramidal ausrasiert nach Stil der Zeitschriftenmode, über Monate hin mithilfe leichten Essens verschlankt, die rückwärtige Körperbehaarung gestriegelt, gleichgeschaltet, bündelweise mit Geldscheinen wedelnd, das schönste Monster, das kompletteste Frollein, Heldin und Held aller Heldinnen und Helden, die Nackenrunzeln mit Botox geglättet, zum Zusammenbrechen, ja: zum Filmen schön, unbeschreiblich elegant, umwerfend sogar (wie die KlatschreporterInnen konstatieren), Erektionen hervorrufend im Publikum und Ohnmachten, das Casino vibriert, Gorrhs insektuöses Benehmen, sein unglaublicher närrischer Saugstiel (ein Gesichtswegmacher), ironisch als Accessoir getragen, unter kunstvoll aufgetragenen Schichten Gesellschaftsrelevanz schrummelt nurmehr ganz halb-, eher viertel- oder besser: sechzehntelherzig Gorrhs Impertinenz, spielt Minigolf gegen sich selbst, im Kronleuchtersaal die kosmetischen Klänge des Claudia Schlüpper Unterhaltungsorchesters, rauchiger Jazzgesang in Nichtraucherambiente, substanzlose Refrains, Jetonklimpern, auf dem Filz der Spieltische bilden sich Altrheinauen, gentechnisch manipulierte Insekten („Impfmücken“) kreuzen die Klingen, Wetteinsätze fallen, Gorrh tänzelt robertredfordesk um die Hüften der von der Spielbank aufgestellten Glücksdamen, zeigt einen Eckzahn beim Lächeln, highfivet Fozzie Bear, der aus Las Vegas eingeflogen Gorrh (in seinen wilden Tagen) imitierend, den Schlangentanz vollführend, die selfmade people rockt, Gorrh ist angekommen, krak-krak geht der Riß in seinem Hirn, „wenn ich ich wäre, reiste ich durchs Leben und verstünde von Allem bestenfalls die Hälfte“ rememoriert Gorrh das neue Mantra, das per Rohrpost an seinen Chefsessel geplumpert kam. Faites vos jeux, hustet der Croupier, ein Mann im Stile (und somit nach dem Geschmack) Gorrhs, wie auch den übrigen Spielern in Gorrhs Dunst mit einmal starke Körperbehaarung erwächst. Die Spieler, sie leben in einem veralgten Meer. In schlingernden Tangwäldern. Aalbecken. (Haarige Aale in wässrigem Wind.) Ihre Gewinne versteuern sie einzig vor Gott. Ihre Verluste sind Legion: entselbste Gestalten, Hüllenführer, Schmierbeutel. Im stumpfen Spiegel des Silbergelds erkennt sich Gorrh jäh als gorrhloser Gesell. Tritt ans Mikro, salbadert, radebrecht, glossolalaliert. Gorrh muß schon für verrückt gehalten werden. Gorrh gibt die Sprechversuche auf, setzt sich ans Klavier. „Gehmse dem Tier am Klavier nochn Bier!“ Gorrh improvisiert. Die Spieltische brechen ein und auf in unbekannte Welten. Rien ne va plus.

Topographia Germaniae: Baden

Ligt in der Mordnaw / oder Ortenaw / welche an einem Gebürg hergehet / vnd den Fluß Kintzig hat. Ist ein kleines / aber an Wein / Korn / vnd Hanff / ein sehr fruchtbares Ländlein. Es ist Baden die Hauptstatt deß Marggraffthumb Baden: Welche sich in der besagten Mordnaw anfahet / vnd gegen Occident an dem Rhein / vnd gegen Orient an dem Schwartzwald endet / wiewol sie sich zum guten Theil hinein in den Schwartzwald ziehet. Es ligt diese Statt in der Höhe / vnnd gar vneben / vnnd hat fast vmb / vnd vmb Berge: So aber von Reben / vnnd Wießwachs / lustig seyn / 5. Meil von Straßburg / vier von Durlach / vnd 1. Meil vom Rhein. Der Nahme kompt jhr von den warmen Bädern allda / welche zu den Kranckheiten / so von kalten Flüssen herkommen / wider den Krampff / sonderlich das Podagra / vnd den bosen Magen / dienen. Der Haupt-Orth / oder Kessel / darauß das Wasser in grosser Menge quillet / ist sonderlich zu sehen. Vnd solches Wasser / so Schwefel / Saltz / vnd Alaun führet / siedheiß. Es seyn sonsten noch eylff Quellen / welche alle hell / vnd eines Geschmacks / aber doch an jhrer würcklichen Hitz vnd Wärme / sehr vngleich seyn. Wird nicht allein in die gemeine Bäder / vnd Brunnenkästen / durch Teuchel vnd Röhren / sondern auch in die Wirts- vnd meiste Häuser / geleytet. Hergegen ist das kalte Wasser / vnd der liebe kühle Wein / desto rarer daselbsten. Vnd wegen solcher Bäder / die entweder M. Aurelius Antoninus, oder Caracalla, die Keyser erfunden / ist dieser Ort sehr alt. Vnd hat es vor diesem vil Badleut da geben: Wie dann die Gartenfrüchte in grosser Menge / vnd sehr gut wachsen: Vnd ein Vberfluß an gesunden Speisen / sonderlich von Fischen / als Grundeln / Forellen / Salmen / vnd Krebs / vnnd allerley Geflügel / zur Schnabelweyd gehörig / da zu finden. Ist der Zeit der Römisch-Catholischen Religion / vnd ligen in der StattKirchen etliche Marggrafen von Baden. Das Fürstliche Schloß / oder Residentz / ligt noch höher / als die Statt: Vnnd ist vor diesem Krieg / wegen vieler schöner Sachen / zu besichtigen gewesen. (…)

Zitiert nach Wikipedia. Gemeint ist natürlich das heutige Baden-Baden.

Auguste Duméril sur les bords du Rhin (3)

Voilà, sans contredit, une des plus belles choses que j’ai vues, pendant ce voyage, où j’ai eu si souvent à partager mon admiration, entre les spectacles offerts par une admirable nature, et de magnifiques travaux, dus à la main de l’homme. Rien de plus imposant, que ces ruines gigantesques, dont le bombardement, ordonné par Louis XIV ; et la foudre, qui a détruit une aile, ont fait une des choses les plus curieuses qu’on puisse voir. Construit sur des montagnes, qui bordent le Neckar et dominant la ville, cette masse imposante de constructions, à demi-détruites, mais qui cependant laissent encore dominer l’ancienne ordonnance, semble témoigner de la puissance des anciens ducs palatins. D’une ancienne plate-forme, d’où la vue plonge sur la ville, sur le Neckar, si pittoresque, et au loin, sur le Rhin, et les montagnes qui le bordent, j’ai joui du ravissant spectacle du coucher du soleil. Ce vieux château, que l’on conserve avec tant de soin, je l’ai visité dans tous ses détails, et vous comprenez que je n’ai pas manqué de visiter les magnifiques caves où se voit le célèbre tonneau monstre, et qui contient je ne sais plus combien de centaines de milliers de bouteilles: c’est curieux, mais un peu prosaïque, au milieu de tout cet ensemble si pittoresque. Le lendemain matin, j’ai voulu voir le lever du soleil, sur une autre montagne, double au moins, en hauteur, de celle où est construit le château: j’étais en route à cinq heures et ¼, mais une fois en haut, le brouillard était tellement épais que j’en fus pour ma peine, mais n’en n’ai pas moins fait une charmante promenade, en redescendant la montagne, du côté du Neckar, et de là, on a de délicieux points de vue. Sur la rive opposée de cette rivière, et mi-côte, Fiedemann, alors absent, possède une charmante maison de campagne. J’ai vu, de loin, la maison où les étudiants vont se balafrer la figure: c’est une espèce de cabaret, où les combats ont lieu dans une grande salle: ils sont sévèrement interdits, mais l’amour de la balafre fait braver aux étudiants toutes les défenses. En rentrant en ville, en petit bateau, sur lequel j’ai descendu le Neckar, j’ai été visiter les collections d’anatomie, et j’ai reconnu, dans les préparations, celles qui ont servi aux ouvrages de Fiedemann: il y a de fort belles choses, mais vous comprenez que je n’ai vu tout cela que très rapidement, pas tellement cependant, que je n’aie pu prendre une idée de l’ensemble. A dix heures ½ du matin, ce jour-là (mardi) j’étais en route pour Karlsruhe: trois heures m’ont suffi pour voir cette ville, de construction bizarre, dont la régularité, non moins parfaite que celle de Mannheim, est cependant un peu différente. A la convexité de la demi lune, qui ferme le château, viennent aboutir une vingtaine d’allées, qui traversent le parc et la forêt du Harz, comme les lames d’un éventail. En avant de la concavité de cette demi-lune, et à une certaine distance du château, est construit un rang de maisons formant également un arc de cercle, dont la concavité répond à celle du château: ce rang de maisons est coupé par onze rues, qui s’en vont en divergeant, et en formant aussi un éventail: les rues transversales sont en demi-lune. On saisit parfaitement cette disposition, du haut d’une tour, située au centre du château: c’est vraiment quelque chose de tout particulier, et qui est peut-être plus agréable à l’œil que le damier de Mannheim. Le château est très beau, ainsi que le parc: c’est une petite ville peu animée, qui l’est cependant assez, je crois, pendant la résidence du duc de Baden-Baden, en hiver. Le soir, de ce même jour, je venais coucher à B.-B., où j’arrivai assez tôt pour aller voir, le soir, le lieu de réunion, qui présente un aspect tout à fait propre à un lieu de réunion de baigneurs. Le lendemain, j’ai fait une énorme promenade, de près de 6 heures, au Curiem, vieux château, d’où l’on jouit d’une admirable vue, et sur les autres montagnes, qui bordent la délicieuse vallée, au fond de laquelle est construite la ville, qui se trouve ainsi parfaitement abritée. En revenant de la promenade, j’ai été entendre un excellent concert en plein air, devant la salle de conversation, et qui se donne chaque jour, deux fois, aux frais du grand-duc, et après le dîner à table d’hôte: curieux, par le bizarre assemblage des gens de toute nation qui s’y voient, et par la somptuosité qui y règne: j’ai été à un bal de souscription, où j’ai retrouvé toute l’élégance parisienne, et je me suis donné l’émotion de risquer une vingtaine de florins, dont heureusement je n’ai laissé aucun, sur le tapis, mais je n’ai rien gagné: si j’avais dû rester plusieurs jours à Baden, je n’aurais pas joué, car je crois qu’on doit facilement se laisser entraîner. Le lendemain jeudi, je suis allé, de Baden, à Fribourg-en-Brisgau, où je ne suis resté que quelques heures, temps suffisant pour visiter la cathédrale gothique, l’aspect de la ville, qui est petit et assez triste, et les collections d’anatomie, qui sont fort belles. De là, je suis revenu sur mes pas, pour visiter Strasbourg, où j’ai passé 24 heures à peine, ayant bien des choses à y voir: la magnifique cathédrale, l’Eglise protestante de St Thomas, où est le beau tombeau du maréchal de Saxe; la maison gothique, près de l’Eglise, et enfin, les riches collections d’anatomie normale et pathologique de la faculté de médecine. Je suis revenu directement par la malle, en 36 heures, de sorte que j’étais ici le dimanche 27, à 4 heures du matin.

(aus: Journal de voyage d’Auguste Duméril sur les bords du Rhin 1846, aufgespürt und Rheinsein zugespielt von Roland Bergère.  Der Autor war seinerzeit Zoologe mit Spezialisierung auf Kriechtiere, Lurche und Fische und schön wärs sicherlich gewesen, er hätte dem Rhein auf seiner Reise auch solche entlockt und näher beschrieben – damals, zu Beginn der hochspannenden Übergangszeit von Fabelwesen hin zur modernen, von zahlreichen Tiersendungen im Fernsehen dokumentierten Gegenwartsfauna.
(Quelle: http://correspondancefamiliale.ehess.fr/))

Auguste Duméril sur les bords du Rhin (2)

Le soir, en me promenant dans une des rues de cette petite ville, je suis passé devant un estaminet, à la porte duquel je me suis arrêté, avec plusieurs autres passants, pour entendre de la musique, telle qu’on n’en a jamais faite en France, en pareil lieu. Il paraît, au reste, que les compatriotes de Beethoven sont très grands amateurs de musique. Le lendemain je m’embarquai, à 8 h. à Bonn, et j’arrivai à Mayence à 7 h ½ du soir. Ce fut là, si je puis le dire, ma grande journée, dans ce beau voyage. A part une pluie assez forte, pendant la première heure, le temps fut magnifique, toute la journée, et ce fut une grande faveur du ciel, car il est à mon avis bien difficile de voir quelque chose de plus admirable, de plus varié, que ces bords du Rhin, que rendent si pittoresques ces rochers couverts de ruines. Nous avons pu dîner sur le pont, de sorte que je puis dire que, depuis le moment du départ, jusqu’à la tombée de la nuit, c’est-à-dire jusqu’à 6 h ½ ou 7 h., j’ai été dans une admiration perpétuelle, et dans un état d’attention permanente, m’aidant du panorama du Rhin, de mon itinéraire, et de ma lorgnette. Je pense bien souvent à cette belle journée. A Mayence, où j’ai été si frappé de voir les uniformes Autrichiens, Prussiens, et Hessais, et où tout a un aspect militaire. J’ai visité les 2 ou 3 belles églises de Jésuites, la cathédrale, dont les réparations viennent d’être achevées, et qui montre si bien ce qu’était cette curieuse architecture à plein cintre, qui diffère tant de l’architecture gothique, dont on voit, au reste, un superbe échantillon, dans les ruines, parfaitement conservées, d’un cloître, attenant à l’église. J’ai visité une très riche collection publique de tableaux: elle est peu nombreuse, mais contient de très belles choses; la promenade du Main; vis à vis, l’embouchure de cette rivière, est très jolie: c’est un beau spectacle que celui de la résistance que les eaux du Rhin offre à celles du Main, qui ne se mélangent que fort loin de là, à Bingen, seulement, dit-on. La statue de Gutenberg, par Thorvaldsen, est fort belle. Je quittai Mayence, dans la matinée, et allai à Wiesbaden, dont j’ai vu les admirables salles de jeu, de concert, de danse, et la belle promenade. Toutes les constructions nouvelles donnent, aux parties de la ville, qui avoisinent les sources, un très bel et riche aspect: j’ai vu les baignoires de grès rouge à fleur du sol, où arrivent les eaux thermales, que j’ai goûtées, mais dont je n’ai pu me résoudre à avaler un verre entier, quoiqu’elles ne soient point sulfureuses, mais simplement salines: j’ai également goûté les eaux sulfureuses d’Aix-la-Chapelle, et les eaux salines de Baden. Après avoir passé 3 heures, je suis venu à Francfort, où j’arrivai en moins de 2 h. C’était le samedi soir : je me promenai dans la ville, et fus, tout d’abord, frappé de l’air de capitale qu’offre cette grande ville, dont la grande rue, sur laquelle donnent la plupart des hôtels, est vraiment magnifique. Toute la matinée du lendemain fut employée à parcourir cette riche ville, où je vis un grand luxe d’équipages et de toilettes. La rue des Juifs m’a beaucoup frappé, par l’aspect tout particulier qu’offrent ses vieilles maisons, et les habitants de ces maisons, qui, tous Juifs, ont, hommes ou femmes, des tournures et des figures qui n’appartiennent qu’à eux: ce sera grand dommage, à mon avis, quand on démolira les maisons de cette rue, car c’est là un caractère particulier de cette ville, où les maisons Juives sont à la tête du commerce et de la banque, à commencer par Rothschild et Bethmann. J’ai vu chez ce dernier une admirable statue, qui vaudrait peut-être, à elle seule, le voyage de Francfort: l’Ariane de Dannecker. C’est le plus beau marbre que j’ai vu, et lorsqu’on ne laisse arriver le jour qu’à travers des rideaux roses, c’est une illusion incroyable.

La cathédrale est curieuse par son ancienneté. On y voit le fauteuil du couronnement des empereurs et un beau Christ en ivoire, d’Alb. Dürer. L’hôtel de ville, où se tenaient les assemblées pour les élections d’empereurs, et la grande salle où sont les portraits en pied de 52 ou 53 empereurs, offrent d’intéressants souvenirs historiques. Je me suis promené dans les nouvelles promenades, sur les bords du Main, et comme c’était le dimanche, il y avait beaucoup de monde, et concert. C’était un joli coup d’œil: une foule de constructions nouvelles embellissent la ville, qui est certainement la plus importante de toutes celles que j’ai visitées. Il y a un riche musée de tableaux. J’étais, le soir de ce même jour, à Mannheim, singulière ville, par sa construction trop régulière, qui lui donne l’aspect d’un damier. Toutes les rues, en effet, y sont tirées au cordeau, et se coupent à angles droits. C’est une ville peu animée, mais qui a un certain air d’aisance. On y voit un ancien palais, qui, par ses immenses dimensions, rappellerait un peu Versailles, comme les jardins de Schwetzingen, situés à 2 lieues de là, et que j’ai visités ce même jour, en me rendant à H, rappellent un peu le parc de Versailles, par les belles plantations, les pièces d’eau, et les constructions, un peu analogues au petit Trianon. C’est un magnifique jardin, que j’aurais regretté de ne pas visiter. Les moyens de communication sont si rapides, avec les chemins de fer, si bien organisés dans ce pays, qu’après avoir vu à Mannheim tout ce qu’il y a de curieux, ce qui n’est pas long, car, après le nouveau pont suspendu, 2 ou 3 belles fontaines, qui n’ont pas même les tuyaux destinés à y amener l’eau, l’habitation de la grande duchesse douairière de Baden-Baden, Stéphanie Beauharnais; la collection de tableaux, la belle promenade sur le Rhin, le nouveau bâtiment des douanes, et l’aspect particulier de la ville, on n’a plus rien à visiter, et qu’après avoir parcouru le parc de Schwetzingen, je suis arrivé à Heidelberg ce même jour, assez tôt pour visiter, avant la nuit, les ruines de l’ancien château.

(Quelle: http://correspondancefamiliale.ehess.fr/)